Der Selbstmord eines Überlebenden

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Der Selbstmord Bruno Bettelheims vor 20 Jahren, am 13.3.1990 und auch die Art, in der er ihn verübte, erschütterten damals die Welt. Seitdem sind, mit einem gewissen zeitlichen Abstand, mehrere Studien zum Leben und Werk Bruno Bettelheims vorgelegt worden (Ekstein, 1994, Federn, 1994, Fisher, 2003, Kaufhold, 1994, 2001, 2003, 2003a)…

Von Roland Kaufhold

David James, Kulturhistoriker und praktizierender Psychoanalytiker in Los Angeles, war in Bettelheims letzten Lebensjahren ein enger Freund und Begleiter Bettelheims. Er schildert die Umstände, die schließlich zu dem tragischen Ereignis geführt haben, aus seiner besonderen Perspektive und versteht Bettelheims Freitod als Versuch, vor dem zunehmenden Verfall einen Rest individueller Autonomie zu bewahren.

Der Selbstmord eines Überlebenden: Einige private Wahrnehmungen zu Bruno Bettelheims Freitod

Von David James Fisher

[English version]

Für uns wird das Gespräch mit den Jungen immer schwieriger. Wir fassen es als eine Pflicht auf, aber gleichzeitig auch als ein Risiko: das Risiko nämlich, anachronistisch zu erscheinen und nicht mehr angehört zu werden. Wir müssen aber angehört werden, denn jenseits unserer individuellen Erfahrungen sind wir alle miteinander Zeuge eines grundlegenden und unerwarteten Geschehens gewesen, das ebendarum grundlegend war, weil es unerwartet war, von niemandem vorausgesehen. Es hat sich gegen jede Vorhersage ereignet, es hat sich in Europa ereignet. Unfasslicherweise hat es sich ereignet, dass ein ganzes zivilisiertes Volk, das die schöpferische kulturelle Blüte der Weimarer Zeit gerade hinter sich gelassen hatte, einem Hanswurst folgte, der einen heute nur noch zum Lachen bringt. Und dennoch gehorchte man Adolf Hitler und bejubelte ihn bis zur Katastrophe. Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.
Primo Levi (1990, S. 205)

In seinen letzten Lebensmonaten war Bettelheim eine zerbrechliche, kränkliche Gestalt mit einem vom Tode gezeichneten Erscheinungsbild. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre unter der Belastung verschiedener physischer und psychischer Erkrankungen. Bevor er nach Südkalifornien umzog hatte er einen leichten Schlaganfall erlitten. Er klagte über Folgen dieses Schlaganfalls einschließlich der Beeinträchtigung seiner körperlichen Aktivität, ein Gefühl, dass sein Körper ihn im Stich ließ; er hinkte leicht und benötigte einen Krückstock als Hilfe; er war nicht mehr fähig, sich mit langen Spaziergängen in Form zu halten. Der Schlaganfall hatte auch seine Fähigkeit beeinträchtigt, mit der Hand oder der Maschine zu schreiben, was ein ernsthaftes Hindernis für das Schreiben seiner Bücher oder Artikel darstellte (s. Kap. V). Wie bei vielen Schlaganfallopfern schwankte Bettelheims Gefühlslage zwischen Depression und Angst.

Meine Beziehung zu Bettelheim begann mit einem wissenschaftlichen Briefwechsel. Ich hatte einen Übersichtsartikel seiner 1982 publizierten Abhandlung «Freud und die Seele des Menschen») veröffentlicht (Fisher, 1983). Ich ging das Wagnis ein und schickte ihm diesen nach Nordkalifornien. Nicht die höfliche und geistreiche Antwort überraschte mich, sondern vielmehr, wie schnell sie kam. Die rasche Antwort war ein Indiz dafür, dass ihm ein intellektueller Austausch sehr viel bedeutete. Er ermutigte mich, meine Forschungen zu der Bedeutung von Freuds Sprache zu vertiefen; er schrieb mir als ein Gelehrter mit reicher Erfahrung an einen jüngeren Kollegen und bot mir großzügig weitere bibliographische Quellen und Material an.

Als Briefeschreiber war Bettelheim eigensinnig, charmant, selbstbezogen und er verschwendete keine Worte. Als ich später von seinem Umzug nach Südkalifornien hörte, schrieb ich ihm erneut und fragte an, ob er gerne Besuch hätte. Er rief mich unverzüglich an, und unsere Freundschaft begann. Sie dauerte von April 1988 bis Januar 1990. Eine Freundschaft zu beschreiben ist ein schwieriges Unternehmen, und für diese Freundschaft gilt dies ganz besonders. Wir waren beide akademisch ausgebildete Laienanalytiker, uns trennten zwei Generationen und sehr unterschiedliche Sensibilitäten sowie politische und kulturelle Ausrichtungen. Fast immer besuchte ich ihn in seinem Haus, später in seinem Appartement.

Unsere Gespräche hatten ein Grundmuster. Normalerweise hörte ich ihm zu. Gelegentlich stellte ich ihm Fragen. Ich lernte schnell, ihm nicht zu widersprechen oder ein Streitgespräch zu suchen. Bettelheim ließ die Vergangenheit Revue passieren, überflutet von Erinnerungen und Gefühlen, beinahe so, als ob er in frühere Zeiten zurückkehren würde. Als Historiker der Psychoanalyse faszinierten mich seine Wiener Erfahrungen aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sowie sein unmittelbares und tragisches Wissen von den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Bettelheim pflegte eine Erzählung oder eine Anekdote zu beenden und dann pessimistisch hinzufügen: «Aber dies sind alte Geschichten.» Dieser Nachsatz implizierte, dass niemand wohl je Interesse für die historische oder klinische Bedeutung seiner Erzählung aufbringen würde. Ich glaube, er mochte mich, weil ich seinen Erzählungen mit Interesse folgte und versuchte, seine Sichtweise und seinen Standpunkt zu verstehen.

Unsere Beziehung ging irgendwann von der privaten in die öffentliche Sphäre über. Ich hatte veranlasst, dass Bettelheim die Ehrenmitgliedschaft in der Psychoanalytischen Gesellschaft sowie dem Psychoanalytischen Institut von Los Angeles verliehen wurde; eine Ehrung, die ihm viel bedeutete, besonders wegen seiner früheren Freundschaft mit Otto Fenichel (s. Bettelheim, 1990, S. 35 38; vgl. Kaufhold, 1994, S. 72f.) und Ernst Simmel, den beiden Gründern dieses Instituts. Am 18. Mai 1989 wurde Bettelheim formell in das Institut aufgenommen und am selben Abend hielt er vor der Gesellschaft einen Vortrag mit dem Titel «How I Became a Psychoanalyst» (dt.: « Wie ich zur Psychoanalyse kam»; s. Bettelheim, 1990, S. 35 49; s. auch Kirschenbaum, 1991). Als formeller «Gegenredner» trug ich einen komprimierten Text vor, der die wesentlichsten Themen seiner Lehrzeit herausstellte (Fisher, 1991). Bettelheim kommentierte meine Rede ironisch in der Art von Mark Twain und bedankte sich bei mir für meine «hübsche Lobpreisung».

In diesen Jahren litt er fast ununterbrochen an milden bis schweren Depressionen. Zumindestens zeitweise nahm er Antidepressiva, die ihm von seinem Arzt verschrieben worden waren. Auf Anraten eines anderen psychoanalytisch ausgebildeten Kollegen sowie meiner selbst begann Bettelheim wegen seiner Depression eine psychoanalytische Psychotherapie; er kommentierte ironisch, er gehe aus seinem «Glauben an die Psychoanalyse» wieder in Therapie. Er teilte mir im nachhinein mit, er habe von dieser Therapie die über ein Jahr gedauert haben mag profitiert.

Bettelheims zentrale Beschäftigung, seine innere Besetzung galt in seinen letzten Lebensjahren dem Selbstmord. Er spielte mit Möglichkeiten, sich das Leben zu nehmen, und verwarf sie wieder. Er phantasierte offen darüber, und es war immer ein Thema unserer Gespräche (s. Fisher, 2003a). Sicherlich war er ambivalent. Er verschob sein Vorhaben bis Anfang 1990, weil er die Geburt eines weiteren Enkelkindes, seiner Tochter Naomi, erleben wollte, die in Silver Spring, Maryland, lebte. Er wünschte weiterhin, das Erscheinen seines letzten Buches, «Themen meines Lebens» (Bettelheim, 1990), noch mitzuerleben. Ich sah, dass er verschiedene Selbstmordmethoden gründlich in Betracht gezogen und für untauglich befunden hatte; seine Hauptsorge war, es richtig zu machen. Er wollte nicht aufgrund eines misslungenen Versuches überleben, um noch hilfloser zu sein.

Häufig sprach er davon, eine Überdosis Medikamente zu nehmen, und hoffte auf ein schnelles und schmerzloses Ende. Er verwarf diese Möglichkeit, denn er fürchtete, die Tabletten könnten nicht absorbiert werden, er könnte sie erbrechen oder unter schrecklichen Nebenwirkungen leiden, so dass man ihm den Magen auspumpen müsse. Er dachte daran, sich aus dem fünften Stockwerk seines Appartements in Santa Monica zu stürzen, doch er verwarf diese Möglichkeit, weil sie nicht sicher war: Er könnte als Krüppel oder Invalide überleben und seinen derzeitigen Zustand noch verschlimmern, indem er zu bewegungsunfähig werden würde, um sich das Leben nehmen zu können. Zum ersten Mal in seinem Leben bedauerte er, keine medizinische Ausbildung zu haben, so dass ihm medizinische Kenntnisse über den Tod, Medikamente und den menschlichen Körper fehlten.

In der Gegenwart eines Arztes erlebte ich einmal, wie Bettelheim gezielte Fragen über die Effizienz einer Embolie als Selbstmordmethode stellte, d.h. sich Luft in die Venen zu injizieren, um sich selbst zu töten; er verwarf diese Möglichkeit wegen der Blutungsgefahr. Er erkundigte sich auch über die tödliche Dosis Demerol. Demerol war riskant, da es ebenfalls erbrochen werden konnte. Bettelheim fragte den Arzt, ob er bereit wäre, ihm die Arznei zu verschreiben, doch der lehnte ab.

Bettelheim kannte die Hemlock Society, eine Euthanasie Vereinigung, die es älteren und unheilbar erkrankten Menschen ermöglicht, in privater Atmosphäre und würdevoll zu sterben. Soweit mir bekannt ist, nahm er niemals Kontakt zu Mitgliedern der Hemlock Society auf. Bettelheim diskutierte mit mir auch den Plan, nach Holland zu reisen, wo er eine tödliche Injektion erhalten und friedlich unter medizinischer Aufsicht sterben würde. Diese Methode scheint in Holland legal zu sein. Sein Sohn Eric wollte ihn auf seiner letzten Reise nach Holland begleiten. Sehr zu Bettelheims Kummer starb der Arzt, der zugestimmt hatte, ihm die tödliche Dosis zu verabreichen, selbst an einem Herzinfarkt, nur wenige Wochen vor seiner Abreise. Bettelheim war furchtbar enttäuscht. Er drängte mich und andere, ihm zu helfen, einen anderen niederländischen Arzt zu finden, der mit dieser Methode einverstanden wäre.

Die New York Times meldete, Bettelheim habe am 13. März 1990 Selbstmord begangen. Er erstickte sich selbst, indem er sich eine Plastiktüte über den Kopf zog (Goleman, 1990b). Spätere Meldungen lauteten, er habe vor dem Ersticken Alkohol und Tabletten zu sich genommen. Medizinische Experten widersprechen sich in der Beurteilung dieser Selbstmordmethode: manche sagen, es gehe relativ rasch und schmerzlos; andere vertreten die Ansicht, dass Ersticken eine schrecklich gewaltsame und schwere Todesart ist. In unseren Gesprächen erwähnte Bettelheim nie den Selbstmord mit Hilfe einer Plastiktüte. Er hinterließ offenbar eine Nachricht, deren Inhalt nicht veröffentlicht wurde (Goleman, 1990a).

Psychologisch fiel mir Bettelheim wegen seiner ständigen Niedergeschlagenheit auf. In Gesellschaft ging er auf und war lebhaft, konnte aber die gute Stimmung nicht über längere Zeit aufrechterhalten. Es deprimierte ihn, dass er seine körperlichen und geistigen Aktivitäten einschränken musste, und er war zutiefst niedergeschlagen über das Schwinden seiner Kreativität. Er spielte mit dem Gedanken, ein neues Buch zu schreiben, etwa eine psychoanalytische Studie über das Malen, womit er zwei seiner früheren Interessen verband. Als ich ihn dazu bewegen wollte, ein genaueres Thema zu nennen, wurde er in einer für ihn untypischen Weise vage. Bettelheim stellte traurig fest, dass er die Energie und Disziplin zu beginnen nicht hatte, ganz zu schweigen davon, ein solches Projekt zu vollenden, das Jahre intellektueller Anstrengung beansprucht hätte, Jahre, die er nicht mehr zur Verfügung hatte.

Neben der Erkenntnis, dass er nicht mehr richtig denken und sich konzentrieren konnte, schmerzte Bettelheim die Unfähigkeit, neue Ideen zu entwickeln. Dies bedeutete eine narzisstische Wunde für ihn. Er hatte Schwierigkeiten, aus seinem Bett aufzustehen. Er war sehr einsam und isoliert.

Es gelang ihm nicht, sein verlorenes Interesse an der Welt wiederzuerlangen; ich bemerkte, dass er sogar die Sonntagszeitung, die er abonniert hatte, ungeöffnet und ungelesen liegen ließ. Seine früher leidenschaftliche Anteilnahme an der Politik und an gesellschaftlichen Themen war verschwunden. Wie andere gebildete Wiener Intellektuelle der Zwischenkriegszeit war Bettelheim ein Enthusiast und großer Kenner klassischer Musik, von Film und Theater; er besaß eine wunderbare Plattensammlung, die er nicht mehr anhörte. Er wurde zunehmend zum Einsiedler, ging selten zu einer Aufführung oder ins Kino. Ich nahm ihn einmal zu einem zauberhaften Beethoven Konzert mit, das von einem erstklassigen Ensemble der Universität von Los Angeles, UCLA, gespielt wurde. Er gestand, dass er dieser Musik nur schwer folgen konnte, die ihn einst so inspiriert und belebt hatte. Seine Gedanken drifteten ab, und das Stück überforderte ihn.

Am Ende seines Lebens suchte er Trost beim Lesen. Er schrieb nicht mehr und weigerte sich, seine Gedanken einer Sekretärin zu diktieren. Er hatte wenige befreundete Kollegen und Altersgenossen in Süd Kalifornien. Seinen Unterricht und seine Supervisionstätigkeit schränkte er aus gesundheitlichen Gründen zunehmend ein. Er verlor die Kraft, öffentlich zu sprechen.
Die fehlende Öffentlichkeit und das Aufgebenmüssen seiner Lehrtätigkeit beraubten ihn zutiefst wichtiger und bedeutungsvoller beruflicher Aktivitäten, Bereiche hoher Selbstachtung und Leistung. Er empfand sich ständig als Last für andere. Um ihn selbst zu zitieren: er zog seine psychische Energiebesetzung von der Welt und den Menschen ab, zog sich innerlich zurück, um sich besser auf das Ende seines Lebens vorzubereiten.

Ich vermag nicht zu beantworten, warum er Selbstmord beging oder warum er diese Selbstmordmethode wählte. Ich empfinde seinen Freitod als eine Beendigung seiner Qual sowie eines Gefühls von Sinnlosigkeit bzgl. seiner Gegenwart und seiner Zukunft. Der Freitod war für Bettelheim die Weigerung, hilflos zu werden, sich mit einem sinnlosen Dahinvegetieren abzufinden. Sich sein Leben zu nehmen ermöglichte es ihm, der Verzweiflung und der inneren Leere zu entkommen, die seinen Alltag bestimmte.

Wenn sein Freitod vielfältige Ursachen hat, wenn er nicht durch eine einzige Theorie oder Ursache erklärt werden kann, erscheint es als wenig sinnvoll, ihn als symptomatisch für eine Krankheit oder als Ausdruck eines moralischen Aktes zu betrachten. Die verheerende Ironie, dass ein weltberühmter Experte für Kindererziehung die Beziehung zu einem geliebten Kind abgebrochen hatte, war ihm bewußt. Ich fragte ihn einmal, ob er wütend sei, dass seine Tochter ihn verlassen habe. Er antwortete, dass er nicht bewusst über sie verärgert sei.

Als unsere Gespräche unvermeidbar wieder auf den Selbstmord kamen, empfand ich eine Vielfalt starker, oftmals widersprüchlicher Gefühle. Zuerst und vor allem empfand ich Trauer darüber, dass Bettelheim entschlossen war, sein Leben zu beenden; dass dieser willensstarke und klarsichtige Mann sich nicht davon abhalten ließ. Meine Haltung war annehmbar und wohltuend für uns beide: die analytische Grundhaltung. Ich hörte zu, versuchte zu verstehen und empathisch auf ihn eingestellt zu bleiben. Ich gab ihm weder Empfehlungen noch unerbetene Ratschläge. Ich bot ihm Interpretationen, meist in der Hoffnung, ihm Anregungen zu geben und zu sehen, ob es eine Möglichkeit zur Klärung gab. Unsere Treffen dauerten selten länger als zwei Stunden. Ich verließ sie psychisch erschöpft. Sie regten mich immer dazu an, die Bedeutung seiner Äußerungen zu reflektieren und abzuwägen.

Bettelheim war weder mein Analytiker noch mein Supervisor, nicht mein Lehrer und auch nicht mein Mentor. Dies erleichterte es uns beiden, freimütig zu sprechen und uns offen auszutauschen. Es gab Elemente von Übertragungsprozessen. Meine Beziehung zu Bettelheim verkomplizierte sich durch das Zusammentreffen mit der Abschluß und schließlich der Beendigung meiner Lehranalyse bei Rudolf Ekstein.  Dabei überdauerten meine Gespräche mit Bettelheim meine Lehranalyse um einige Jahre. Ein Abschluß ist immer ein Verlust und ein Ende, ein symbolischer Tod. Obwohl wir selten direkt Themen aus meiner eigenen Analyse berührten, half mir meine Freundschaft mit Bettelheim, den Schmerz meiner Trennung von Dr. Ekstein zu lindern; ich betrachte dies nun als einen Teil meines Trauerprozesses.

Obwohl er jünger war als Bettelheim, war Ekstein ein reifer Laienanalytiker; ebenfalls in Wien ausgebildet, war er Bettelheims engster Freund in Los Angeles (vgl. Kaufhold, 2001). Ich wußte, dass mir Bettelheim zutiefst beunruhigende und persönliche Dinge erzählte, die er mit meinem Analytiker nicht besprach. Dies eröffnete mir einen privilegierten Zugang zu seiner inneren Welt, aber es belastete mich auch in zweifacher Weise: Gefühle von Schuld einerseits und Gefühle eines Triumphes über meinen früheren Analytiker darüber, dass ich Dinge wußte, die er nicht kannte, andererseits. Ich möchte hinzufügen, dass Bettelheim sehr genau wußte, dass ich in Analyse bei Dr. Ekstein war, und dass er niemals etwas Respektloses oder Antitherapeutisches gegen meine analytischen Erfahrungen sagte oder tat.

Meine Freundschaft mit Bettelheim tauchte mich in das existentielle Dilemma und die psychologische Problematik des Alters. Sie gab mir einen Einblick und brachte mir in klarer Sprache nahe, wie es einem empfindsamen Menschen ergeht, der keine Wahl mehr hat und der das Schwinden seiner Schöpferkraft erlebt. Meine Reaktionen auf diese Gespräche mit Bettelheim waren abwechselnd erhellend, ernüchternd und schmerzhaft. Sie machten mir meine eigenen Grenzen bewußt; ich wußte, dass ich Bettelheim nicht retten konnte, dass ich ihn von seiner Wahl, sein Leben zu beenden, nicht abbringen konnte. Bettelheim, sollte ich hinzufügen, behandelte mich niemals herablassend. Er bot mir an, mir analytische Patienten zu überweisen. Und er sprach immer ehrlich über seinen Wunsch, sein Leben zu beenden. Der vielleicht seltsamste und überraschendste Aspekt unserer Gespräche über den Freitod war die Nähe, die dadurch zwischen uns entstand. Obwohl ich in diese Offenbarungen eingeweiht war, muss ich hinzufügen, dass ich dennoch einen starken Schock und den Schmerz eines persönlichen Verlustes empfand, als ich schließlich von seinem Freitod erfuhr. Ich war nicht überrascht, aber dennoch niedergeschmettert.

Verlassenwerden ist intellektuell leicht zu erfassen, doch emotional stark erschütternd. Ich bin überzeugt – dies geht über das eigentliche Thema hinaus -, dass die Angriffe auf Bettelheims klinische und intellektuelle Reputation seit seinem Suizid zumindest teilweise aus dem Zorn und der Wut resultieren, die von den Gefühlen des Verlustes ausgelöst wurden, und zwar von seiten seiner Verleumder wie seiner Verteidiger, mich selbst eingeschlossen (s. Fisher, 2003).

Bettelheim beging am 13. März Selbstmord – exakt dem Tag des Anschlusses Österreichs durch die Nazis, 52 Jahre nach diesen Ereignissen. Psychoanalytiker verstehen die mächtige Symbolik von Jahrestagen, insbesondere deren Fähigkeit, zerreißende Gefühle des Verlustes und der Trauer wieder heraufzubeschwören. Es ist kein Zufall, dass sich Bettelheim ausgerechnet am Tag des Einmarsches der Nazis in Wien das Leben nahm. Sein Leben wurde durch diese Ereignisse und seine Inhaftierung in den deutschen Konzentrationslagern drastisch verändert. Ein Teil seines depressiven Charakters stammte zumindest teilweise aus dieser lange andauernden traumatischen Erfahrung mit dem Faschismus und den Erinnerungen, Phantasien und Gefühlen, die durch die Konzentrationslager erzeugt wurden, die gesamtgesellschaftlich nicht durchgearbeitet wurden und werden konnten. Bettelheims Schuldgefühl über sein Überleben, vielleicht seine Schuld und seine Scham über sein eigenes Verhalten beim Überleben, heilte niemals aus (s. Fisher, 2003, Kaufhold, 2001, 2003a, 2003b). Vielleicht sind diese Wunden irreparabel, die Opfer sind dazu verdammt, unermeßliches Elend und schreckliche Erinnerungen ein Leben lang zu ertragen. Der Freitod wird dann zu einem rationalen Weg aus dieser psychologischen und existentiellen Sackgasse, setzt dem Bewußtsein des Traumas und des endlosen Leidens ein Ende.

Die Überlebensschuld ging in Bettelheims Fall einher mit einer lebenslangen Beschäftigung mit Selbstmord und dem Freudschen Konzept des Todestriebes, sowie mit der psychodynamischen Abwehr gegen Haß, Abhängigkeit, den Verlust von Hoffnung, einschließlich der eigenen. Als ein Überlebender der Konzentrationslager musste Bettelheim mit den schmerzvollen Erinnerungen an diejenigen kämpfen, die gefoltert wurden und starben, denen aber nicht geholfen oder die nicht gerettet werden konnten, einschließlich Verwandte, Bekannte, Freunde (s. Fisher, 2003a). Es quälte ihn ebenfalls, wie sich Überlebende des Holocaust unbewußt mit einigen der schlimmsten Züge ihrer Folterer identifizierten, die Annahme autoritärer und dogmatischer Charakterzüge eingeschlossen. Einer der am nachhaltigsten erschreckenden Aspekte des Überlebens der Lager war das Ausmaß, in dem sich die Persönlichkeitsstruktur der Faschisten der Persönlichkeit der Überlebenden aufprägte.

Bettelheim sagte mir häufig, dass die Erfahrung, ein Konzentrationslagerinsasse gewesen zu sein, nicht mitteilbar und auch durch Unterricht nicht vermittelbar sei; für die Überlebenden beinhaltete ihr unvorstellbares Schicksal die Verinnerlichung von so etwas wie einem metallischen Fremdkörper. Sie waren dazu verdammt, ihr Leben zu verbringen – wie es der Historiker Saul Friedländer ausgedrückt hat – als ob sie «stählerne Scherben» in sich trügen, die Wunden hinterließen, die niemals heilen würden (Friedländer, 1979). Obwohl sich Bettelheim für unsentimentale Erinnerungen und für politischen und persönlichen Widerstand gegen die Konzentrationslager aussprach, hat er sich niemals vollständig von seiner persönlichen Geschichte erholt. Sein Freitod dokumentiert erneut, wie destruktiv diese Erfahrung war und gibt sogar nach einem halben Jahrhundert Zeugnis von deren vernichtenden Wirkungen.

Die Opfer der Konzentrationslager versinken in Depression, weil sie alles verlieren, was in ihrem früheren Leben wichtig war. Sie sind vor Verzweiflung und Leere gelähmt. Sie wüten gegen ihr Schicksal. Sie stumpfen emotional ab und sind affektiv tot. Sie beginnen, ein «Nicht-Leben» zu leben. Ihr Bewußtsein wird beherrscht von depressiven Gefühlen und dem unerbittlichen Bewusstsein von unwiderruflichem Verlust. Für Bettelheim versprachen das Alter und die Aussicht auf ein Leben im Altersheim keine echte Chance, keine Möglichkeit, sein Leben zu erneuern. Er befürchtete, ein «Muselmann» zu werden, ein Begriff im Lager für «lebende Leichname», vollständig hilflose und abhängige Menschen (Bettelheim, 1960). Als ein anonymer, beiseite geschobener und verfallender Körper, beschränkt auf ein Altersheim, weiterzuleben, bedeutete eine Reinszenierung seiner Haftjahre, bedeutete, ein «Muselmann» zu werden. Angesichts zerstörter Hoffnungen, bedrohter Autonomie, mit körperlicher Erkrankung und Behinderung als sicherer Zukunftsperspektive, wählte Bettelheim den Freitod.

Als ich ihn einmal fragte, ob er sich Gedanken machte, wie die Öffentlichkeit seinen zukünftigen Selbstmord aufnehmen könnte und dass es unmöglich werden könnte, sein Werk ohne unvermeidliche Bezugnahme auf seinen Selbstmord zu diskutieren, erwiderte er, dass er sich keine Sorge über seine Nachwelt machen würde. Ihm war es völlig gleichgültig, ob sein Tod seine Reputation beflecken würde.
Vom ersten Augenblick seines Abtransportes ins faschistische Konzentrationslager Dachau im Jahre 1938 an wurde sich Bettelheim scharf der geistig beeinträchtigenden Aspekte dieser Erfahrung für einen Insassen bewußt. Zeit heilt nicht alle Wunden. Selbsterkenntnis reicht gelegentlich nicht aus. Überlebende der Konzentrationslager leiden unter schrecklichen Erinnerungen. Obwohl er müde und geschwächt war, nachdem er von der Gestapo eine Bajonettwunde zusätzlich zu einer schweren Kopfverletzung erhalten hatte, fragte er sich verwundert, «wie Menschen so viel erdulden können, ohne Selbstmord zu begehen oder wahnsinnig zu werden» (Bettelheim, 1943). Seine Lebensgeschichte und Arbeit wurden zu einer introspektiven Ausarbeitung und Reflexion über diesen Akt des Erduldens.

Gegen Ende von «Aufstand gegen die Masse» (Bettelheim, 1960) erzählt Bettelheim die tragische Geschichte eines weiblichen Konzentrationslagerhäftlings, der durch die Ermordung eines kommandierenden SS-Offiziers seinen Tod riskierte. Die Gefangene war früher Tänzerin gewesen. Mit einer Gruppe nackter Häftlinge vor der Gaskammer stehend wurde sie von dem befehlshabenden SS-Offizier abkommandiert, für ihn zu tanzen. Sie kehrte das Gefühl der Demütigung um, verweigerte den Status einer Sklavin und begann zu tanzen. Es gelang ihr, dem SS-Mann das Gewehr abzunehmen und ihn zu erschießen. Sie wurde sofort umgebracht.

Bettelheim beschreibt diese Geschichte eines Suizides als einen zugleich aufrührenden und exemplarischen Akt von Widerstandshandlung; er demonstriert die kurzfristige Umwandlung einer extremen Brutalität und Entmenschlichung in eine aktive Wiederherstellung ihres früheren Selbst. Für einen Moment fand sie zu ihrem früheren Selbst zurück, einem Selbst voller Würde und Selbstachtung; und zu der Fähigkeit sich als empfindender Mensch und sinnvoll zu verhalten. Sie entdeckte ihre frühere Persönlichkeit wieder und reagierte auf eine groteske Situation mit einem angemessenen Maß an Revolte und Behauptung ihrer Individualität, auch wenn sie dabei den Tod fand:

„Indem die Tänzerin sich ihrer letzten Freiheit bediente, die ihr nicht einmal das Konzentrationslager nehmen konnte nämlich zu entscheiden, was man über seine eigenen Lebensbedingungen zu denken und zu fühlen wünscht , entledigte sich die Tänzerin ihres wirklichen Gefängnisses. Sie konnte dies tun, weil sie bereit war, das Leben zu riskieren, um noch einmal die Herrschaft über sich selbst zu erlangen. Wenn wir das tun, dann können wir wenigstens als Menschen sterben, selbst wenn wir nicht als solche leben können“ (Bettelheim, 1960, S. 285f.).

Bettelheims Freitod lässt sich ebenfalls verstehen als Entschlossenheit, seine individuelle Autonomie zu behaupten. Nicht bereit, einen langsamen, sinnlosen Tod in einem Altersheim hinzunehmen, unfähig, seine Identität als ein menschliches Wesen in einem bürokratischen System aufrechtzuerhalten, das ihn als ein zu verwaltendes Objekt betrachtete, ihn ohne Fürsorge und Mitgefühl behandelte, wurde der Selbstmord für ihn zu seiner Verweigerung des inneren Gefängnisses, das Gefängnis seiner persönlichen und historischen Erinnerung. Der Freitod wurde sein letzter Tanz, zur letzten Behauptung seiner selbst als ein Mensch.

Summary

Bruno Bettelheims suicide about five years ago and his way committing it shocked the whole world. The author, a good friend and compagnion of his last years, describes the circumstances that led to this tragic event. He does this from his own point of view by interpretiing Bettelheims suicide as an attempt to protect a last bit of his individual autonomy while he was declining more and more.

Resume

Il y a à peu près cinq ans le suicide de Bruno Bettelheim ainsi que la facon de mettre fin à ses jours ont secoué le monde. L’auteur, très ami pendant les dernières années de sa vie, décrit de son point de vue personnel les circonstances qui ont abouti à cet événement tragique. Il comprend le suicide de Bettelheim comme une tentative de garder un reste d’autonomie par rapport à un délabrement physique progressif.

Literatur:
Bettelheim, B. (1943): Individual and Mass Bebavier in Extreme Situations. In: J. Abnor. Soc. Psychol., 38, S. 417 452. Dt.: Individuelles und Massenverhalten in Extremsituationen. In: Erziehung zum Überleben. dtv. München, 1980.
Bettelheim, B. (1960): The Informed Heart: Autonomy in a Mass Age. Free Press, New York. Dt.: Aufstand gegen die Masse. Die Chance des Individuums in der modernen Gesellschaft, Kindler München, 1964.
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David James Fisher ist Kulturhistoriker und praktizierender Psychoanalytiker in Los Angeles. Er ist Professor für klinische Psychiatrie an der UCLA School of Medicine, Senior Faculty Member des Psychoanalytischen Instituts in Los Angeles sowie Trainer und Supervisor am Institute of Contemporary Psychoanalysis.

Diese Studie wurde David James Fisher (2003) Buch „Psychoanalytische Kulturkritik und die Seele des Menschen. Essays über Bruno Bettelheim unter Mitarbeit von Roland Kaufhold et. al., Gießen (Psychosozial-Verlag).  entnommen und von Roland Kaufhold für diese haGalil-Veröffentlichung leicht gekürzt. Wir danken dem Psychosozial Verlag (www.psychosozial-verlag.de) und seinem Inhaber Prof. Dr. Hans-Jürgen Wirth für die freundliche Abdruckgenehmigung.

3 Kommentare

  1. Die New York Times meldete, Bettelheim habe am 13. März 1990 Selbstmord begangen. Er erstickte sich selbst, indem er sich eine Plastiktüte über den Kopf zog (Goleman, 1990b). Spätere Meldungen lauteten, er habe vor dem Ersticken Alkohol und Tabletten zu sich genommen. Medizinische Experten widersprechen sich in der Beurteilung dieser Selbstmordmethode: manche sagen, es gehe relativ rasch und schmerzlos; andere vertreten die Ansicht, dass Ersticken eine schrecklich gewaltsame und schwere Todesart ist. In unseren Gesprächen erwähnte Bettelheim nie den Selbstmord mit Hilfe einer Plastiktüte. Er hinterließ offenbar eine Nachricht, deren Inhalt nicht veröffentlicht wurde (Goleman, 1990a).

    http://www.werkblatt.at/nitzschke/rez/251.htm

    „Die Art dieses Selbstmords – er hatte sich eine Plastiktüte über den Kopf gezogen – symbolisierte einen Zustand, aus dem Bettelheim andere Menschen (psychotische Kinder) zu befreien versucht hatte: Isolation, Einsamkeit. In einer seiner Schriften heißt es: „Stellen wir uns vor, der gestörte Mensch sei ein gefangener im Verließ, überzeugt, dass die Fühllosigkeit der Welt ihn für immer hoffnungslos macht. Es hilft nichts, ihm die Tür ins Freie zu öffnen. Eine Einladung ins Freie ist völlig falsch, denn der Gefangene ist ja überzeugt, dass draußen nur Feinde sind. Wir müssen bereit sein, mit ihm im Kerker zu leben“ (zit. n. Kaufhold, S. 171).“

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