Revolutionsfeiern im Iran und in Wien

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Kurz vor dem 31. Jahrestag der islamischen Revolution hat das iranische Regime Angst. Es reicht schon lange nicht mehr, dass Ali Khamenei ein Machtwort spricht, um die Bevölkerung davon abzuhalten, die Feiern am 11. Februar abermals in einen Protest gegen das Regime umzufunktionieren…

Von Stephan Grigat, Wiener Zeitung v. 10.02.2010

Da immer mehr Iraner das einst sakrosankte Gebot des Obersten Geistlichen Führers offen ignorieren, setzt das Regime auf Abschreckung, richtet vermehrt Oppositionelle hin und kündigt weitere Morde an. Demonstrativ wurden martialische Übungen zur Aufstandsbekämpfung abgehalten. Die Verfolgung von Minderheiten wie den Bahai, die vom Regime regelmäßig als „Agenten des Zionismus“ ins Visier genommen werden, nimmt immer dramatischere Ausmaße an.

Nicht zuletzt auf Grund der seit 30 Jahren andauernden Unterstützung aus Europa verfügt das Regime über einen enormen Gewaltapparat, und es hat in den vergangenen Dekaden unter Beweis gestellt, dass es bereit ist, ihn auch rücksichtslos einzusetzen. So sehr es im Gefüge des Regimes kracht und im Iran zweifellos eine revolutionäre Situation existiert – die Freiheitsbewegung muss jederzeit mit massiver Gewaltanwendung seitens des wankenden Herrschaftsapparats rechnen. Vor allem, weil sie, von ein paar wohlfeilen verbalen Protesten einmal abgesehen, die von den Machthabern in Teheran ebenso routiniert registriert wie ignoriert werden, aus dem Westen kaum Unterstützung bekommt und das Regime weiter hofiert wird.

Der Jahrestag der islamischen Revolution wird nicht nur in Teheran gefeiert. In Wien bittet der Botschafter des Terrorregimes in seiner Hietzinger Residenz zum Empfang. Nur zu gerne wüsste man, welche heimischen Diplomaten und Politiker sich dort zum Aufputz für die Selbstinszenierung des Regimes hergeben. Werden Vertreter der Wirtschaftskammer, die noch vor drei Wochen eine hochrangige iranische Delegation im Wirtschaftsministerium empfangen haben, mit den Schergen des Regimes auf weitere gute Zusammenarbeit anstoßen? Wer mit Ajatollahs und Revolutionsgarden weiter business as usual betreibt, verschafft den islamischen Apokalyptikern die Möglichkeit, mittels brutaler Gewalt im Innern, fortgesetzter Strategie des hinhaltenden Taktierens gegenüber dem Westen und gleichzeitiger Forcierung des Nuklearwaffen- und Raketenprogramms die Krise im Iran vielleicht doch noch zu bewältigen.

Kurzfristig geht es darum, dem Regime die Repression gegen die Freiheitsbewegung so schwer wie möglich zu machen und jede Möglichkeit zu nehmen, in den Besitz jener Mittel zu gelangen, mit denen es seine Vernichtungsfantasien in die Tat umsetzen könnte. Langfristig werden die Gefahren, die von den Machthabern in Teheran für Israel und die ganze Region, für die iranische Bevölkerung und den Westen ausgehen, nur gebannt sein, wenn dieses Regime endlich dort landet, wo es seit 31 Jahren hingehört: im Orkus der Weltgeschichte.

Stephan Grigat ist Mitherausgeber von „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (Studienverlag 2008).

Mittwoch, 10. Februar 2010, 18:00
Keine Unterstützung für das iranische Regime!
Kundgebung gegen die Feierlichkeiten zum Jahrestag der islamischen Revolution
Lainzer Straße/ Ecke Gloriettgasse, Hietzing, 1130 Wien (Straßenbahn 60)
Weitere Informationen: http://at.stopthebomb.net