Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben: Ausstellung zu Synagogen in Deutschland

4
21

Die Augsburger Synagoge ist ein Dokument deutsch-jüdischer Geschichte und die einzige Großstadtsynagoge in Bayern, die die NS-Zeit unzerstört überdauert hat, wenn auch entweiht und im Innern verwüstet. Der zwischen 1914 und 1917 nach den Plänen von Fritz Landauer und Heinrich Lömpel errichtete Prachtbau wurde 1985 nach langer Renovierung wieder eingeweiht und gleichzeitig das Jüdische Kulturmuseum gegründet. Die Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben nimmt das 25. Jubiläum zum Anlass, auf den architektonischen Rang und die historische Bedeutung der Augsburger Synagoge mit einer Ausstellung aufmerksam zu machen…

„Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum…“ – Synagogen in Deutschland
10. Februar – 25. April 2010 im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben.

Die Ausstellung mit detaillierten Synagogen-Modellen wurde von der „Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa“ konzipiert, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Technischen Universität Braunschweig und des Center for Jewish Art an der Hebrew University in Jerusalem.

Synagogen waren zwischen dem 18. Jahrhundert und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit über 3.000 Lehr- und Bethäusern integraler Bestandteil des deutschen Städtebildes. Unter der nationalsozialistischen Diktatur wurden fast sämtliche ihrer Funktion beraubt und eine große Zahl von ihnen vernichtet. Dass eine Synagoge in der NS-Zeit nicht vollkommen zerstört wurde, ist die absolute Ausnahme und geschah in der Regel nur, wenn die benachbarten Gebäude Nichtjuden gehörten. Auch nach 1945 verschwanden manche dieser Zeugnisse jüdischer Kultur und Geschichte durch Abriss oder Umbau. Die Ausstellung führt den einstigen Reichtum dieser heute zumeist verlorenen Architektur vor Augen und macht Synagogen als bedeutsame Baudenkmale und als wesentliche Bestandteile des deutsch-jüdischen kulturellen Erbes sichtbar.


Synagoge Augsburg, Kuppel und Außenansicht: Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben

Detailreiche Holzmodelle beispielhafter Synagogenbauten veranschaulichen die Entwicklung von den Synagogen des Mittelalters über die in Hinterhöfen versteckten Bauwerke des Barock und die ersten im Städtebild sichtbaren klassizistischen und späteren eklektizistischen Bauten bis hin zu monumentalen Bauwerken der Moderne. Beispiele der vielen bescheidenen kleinstädtischen und ländlichen Synagogen werden ebenfalls vorgestellt. Der gleichbleibende Maßstab aller Modelle (1:50) macht es möglich, die Synagogen in ihrer unterschiedlichen Größe und Pracht zu vergleichen. Mit dem Modell der Synagoge in Plauen, die 1929-30 nach den Plänen von Fritz Landauer im Stil des neuen Bauens errichtet wurde, ist ein weiteres Werk des Augsburger Synagogenarchitekten in der Ausstellung zu sehen.


Modell Plauen: Bet Tfila – Forschungsstelle, TU Braunschweig

Zur Eröffnung am 10. Februar 2010 um 19 Uhr im Festsaal der Synagoge spricht Professor Dr. Harmen H. Thies (TU Braunschweig und Leiter der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa).

Die Ausstellung wird in Augsburg von einer Vortragsreihe begleitet:

03.03.2010, 19.30 Uhr
„Synagoga, scola judeorum, judenschul. Die Synagoge und ihre Architektur im Mittelalter.“
Vortrag von Dr.-Ing. Simon Paulus, Fachgebiet Baugeschichte, TU Braunschweig.

17.03.2010, 19.30 Uhr
„Die Architektur der Reformsynagoge im 19. Jahrhundert in Deutschland.“
Vortrag von Dipl.-Ing. Mirko Przystawik, Bet Tfila – Forschungsstelle, TU Braunschweig.

20.04.2010, 19.30 Uhr
„Auf der Suche nach einer jüdischen Architektur – die Synagoge in Augsburg und ihre Zeit“.
Vortrag von Dr.-Ing. Ulrich Knufinke, Braunschweig.

16.06.2010, 19.30 Uhr
„Die Augsburger Synagoge und der Orgelstreit in Bayern.“
Vortrag von Dr. Benigna Schönhagen, Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben.

Veranstaltungsort: Alle Vorträge im Rahmen des Begleitprogramms finden im Festsaal der Synagoge statt.

Weitere Informationen: www.jkmas.de und www.bet-tfila.org

4 Kommentare

  1. „“Dass eine Synagoge in der NS-Zeit nicht vollkommen zerstört wurde, ist die absolute Ausnahme und geschah in der Regel nur, wenn die benachbarten Gebäude Nichtjuden gehörten.“

    Das ist nur die halbe Wahrheit.
    Da die allierten Flieger ihren Bomben nicht sagen konnten: „Verschont G“tteshäuser“, fielen nicht wenige trotz der „Kristallnacht“ noch in der Bausubstanz erhaltene Synaogen, wenn auch so gut wie immer entweiht, dem vom Himmel fallenden Feuer zum Opfer: so auch in meiner Heimatstadt.

Kommentarfunktion ist geschlossen.