Die psychiatrische Couch: Gefühle im Nahostkonflikt

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Die psychiatrische Couch, auf die Ofer Grosbard das Land Israel legt, muß so groß sein wie der Staat und seine Bürger. An keinem anderen Ort der Welt gibt es so viele unlösbare existentielle Probleme auf so kleinem Gebiet…

Geleitwort von Yoram Kaniuk
Zur Psychologie des Nahostkonflikts

Das Besondere an diesem Buch ist, daß es die Mehrzahl der Konflikte und die israelische Problematik auf das Prokustesbett der Seelenforschung legt. Frieden und Krieg, Feindschaft und Haß sind nichts als Nebenprodukte einer komplizierten Realität. Die Fakten liest man in den Zeitungen. Diese Komplexität erfordert ein neues und originelles Licht.

Dies leistet Grosbard mit seinem Versuch, ein Volk darzustellen, das sich seit hundert Jahren im Krieg befindet, ein Volk, das mit seinen Nachbarn und mit sich selbst sowie seiner eigenartigen Geschichte im Konflikt steht; ein uneiniges Volk, das, wenn es der Gefahr ausgesetzt ist, zusammenhält.

All dies ist eingewoben in eine psychologische, zuweilen tiefschürfende Studie, mit deren Hilfe es möglich wird, einen Teil dessen zu verstehen, was die Öffentlichkeit in der Presse liest und im Fernsehen sieht. Was heute in Israel geäußert wird, ist nur von kurzer Dauer. Alles unterliegt ständiger Veränderung. Der Friedensprozeß, über den der Autor spricht, ist beinahe tot. Möglicherweise wird es nötig sein, wieder ganz von vorne anzufangen. Es gibt Konflikte, die in hundert Jahren nicht gelöst wurden, und die weiterer hundert Jahre zur Klärung bedürfen. Doch im Wesentlichen bleiben die Probleme, die Grosbard gekonnt schildert, dieselben, auch wenn sein vorsichtiger Optimismus dieses Jahr einen herben Schlag erlitten hat.

Der Verfasser spricht Probleme an, die mit Hilfe einer Psychiatercouch ergründet auf einmal klarer erscheinen; aufgedröselt und neu zusammengefügt wird der seelische, nicht nur persönliche, sondern nationale Prozeß in seiner Komplexität deutlich und durch die Laterna magica des Autors erhellt.

Er bezeichnet sein Buch mit dem Untertitel: Zur Psychologie des Nahostkonfliktes. Vielleicht wäre die heute treffendere Bezeichnung „Zur Psychologie derjenigen, die sich im Prozeß so nah gekommen waren“, doch aus Gründen, wie sie vielfach im Buch angeführt werden, wird keine Couch ihre Probleme lösen.

Yoram Kaniuk

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