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Schalom Chawer!

Zum Tode von Arno Lustiger 1924 -2012…

Von Jim G. Tobias

Kurz nach seinem 88. Geburtstag verstarb gestern der Historiker und Publizist Arno Lustiger. 1924 wurde er als Sohn einer angesehenen jüdischen Familie im polnischen Bendzin geboren. Der Traum des 15-jährigen Schülers von einer akademischen Karriere wurde 1939 durch den Einmarsch der Nationalsozialisten jäh beendet. Arno Lustiger überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz und Buchenwald sowie zwei Todesmärsche. Sein Vater und sein Bruder fielen dem Rassenwahn des NS-Regimes zum Opfer.

Zusammen mit seiner Mutter und den Schwestern fand Lustiger nach dem Krieg Zuflucht im Displaced Persons Camp Frankfurt-Zeilsheim. Dort sammelte er erste journalistische Erfahrungen bei der jiddischen Lagerzeitung „Unterwegs“. Anschließend wollte Arno Lustiger eigentlich in die USA auswandern. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, sodass er sich in Frankfurt als Textilfabrikant niederließ. Arno Lustiger gehörte zu den Mitbegründern der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

In den 1980er Jahren verkaufte Lustiger sein Unternehmen und beschäftigte sich mit bislang kaum erforschten Kapiteln der jüdischen Geschichte. In seinem ersten großen Werk „Schalom Libertad“ recherchierte er den heldenhaften Beitrag der Juden im spanischen Bürgerkrieg. Sein Buch „Zum Kampf auf Leben und Tod“ thematisierte erstmals den Jahrzehnte negierten heroischen Widerstand von Juden gegen das NS-System. Damit widerlegte Arno Lustiger die Legende, die Juden hätten sich „wie Schafe zur Schlachtbank“ führen lassen. Mit dieser Veröffentlichung, die mittlerweile zu den Standardwerken der Forschung gehört, fand der Privatgelehrte sein Lebensthema: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Doch Lustiger verengte den Begriff nicht nur auf aktives Handeln. Nach seiner Ansicht war jeglicher Versuch, das NS-Regime zu bekämpfen als Widerstand zu bezeichnen: Auch das Sichverweigern, das Zeigen von Zivilcourage und das Leisten von Überlebenshilfe für die verfolgten Juden. Eben Rettungshandlungen, die oft spontan und individuell erfolgten, von mutigen Menschen, die sich ihre Humanität bewahrt hatten. Diesen Menschen setzte Arno Lustiger in seinem letzten, im Herbst 2011 erschienenen Werk „Rettungswiderstand. Über die Judenretter in Europa während der NS-Zeit“, ein Denkmal.

Arno Lustiger wusste immer, wovon er schrieb. Als einer der letzten Überlebenden der Shoa war er ein wichtiger Zeitzeuge. Seine Universitäten waren Auschwitz, Buchenwald und andere Konzentrationslager, wie der Autodidakt einmal sagte. Seine Kommilitonen waren Elie Wiesel, Jean Améry, Primo Levi und Josef Wulf.

Für seine wichtigen und grundlegenden Forschungen zur jüdischen Geschichte verlieh ihm die Universität Potsdam 2003 die Ehrendoktorwürde. Von 2004 bis 2006 war Arno Lustiger Gastprofessor am Fritz Bauer Institut.

Der Tod Arno Lustigers ist nicht nur ein schmerzlicher Verlust eines außergewöhnlichen Menschen. Wir verlieren mit ihm einen engagierten und kompetenten Kollegen, der authentisch die Leiden von Opfern der Shoa thematisierte und die Helden des Widerstands und die Last der Erinnerung beschrieb.

Lieber Arno, du wirst uns fehlen!

Foto: jgt-archiv

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