David, Yohann, Rudy und Malik – Vier Freunde gegen die Dschihadisten

Vier Kunden eines koscheren Supermarkts in Paris wurden vom Geiselnehmer erschossen. Aber im Schatten der Tragödie kam es zu einem kleinen Wunder…

Von Danny Leder, Paris

Der Dschihadist Amedy Coulibaly, der sich am Freitag in einem koscheren Supermarkt an der Pariser Stadtgrenze verschanzte, hatte gleich am Beginn vier Kunden mit einem Sturmgewehr erschossen. Anschließend hielt er die übrigen Anwesenden in Schach. Zwei Stunden später, als Coulibaly zu beten begann, setzte die Polizei zum Sturm an. Der Geiselnehmer starb während des Feuergefechts.

Sechs Kunden, darunter eine Mutter mit einem einjährigen Baby, konnten aber gleich zu Beginn der Geiselnahme, über eine Falltür in einen Kühlraum entweichen und sich dort verstecken. Unter ihnen zwei Burschen, Rudy und Yohann, die vergeblich per Handy die überlastete Zentrale der Polizei zu erreichen versuchten. Daraufhin sandten sie einen SMS-Hilferuf an einen Freund, David, der seinerseits einen befreundeten sozialistischen Gemeinderat, Malik Yettou, verständigte. Dieser stellte den Kontakt zur Polizei her.

Der Zeitung „Le Parisien“ erzählte Yettou: „Mit David begaben wir uns vor Ort. Ich konnte mich per Handy mit Yohann, den ich kannte, verständigen. Er behielt die Nerven, witzelte sogar: wir werden eine Weinflasche öffnen, hier gibt es viele. Drinnen hörten sie nichts. Ich konnte ihn warnen, als die Polizei zum Angriff schritt. Ich tröstete draußen Yohanns weinende Schwester. Als dann die Geiseln freikamen, haben wir gleich Yohann und Rudy gesehen. Wir fielen uns in die Arme. Wir waren erschüttert, aber es wird ihnen (gemeint sind die Dschihadisten) nicht gelingen, uns zu spalten“, versicherte Yettou, der aus einer muslimischen Familie stammt.