3000 gegen Israel

Free-Palestine-Demo in Mannheim…

Von Ramona Ambs

Betroffen und angespannt stand der Mannheimer OB Peter Kurz am Rande der gestrigen Anti-Israel-Demo in Mannheim. Er hatte im Vorfeld der Demonstration bereits versucht, die Lage zu deeskalieren, in dem er gemeinsam mit der Jüdische Gemeinde Mannheim, der Gemeinde des Islam in Deutschland e.V., der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar, der Yavuz-Sultan-Selim Moschee (DITIB), der Fatih-Moschee (IGMG), der Markplatz-Moschee (IGMG), der Ulu-Moschee (VFIB), dem FABIZ – Familienbildungszentrum, dem Forum der Religionen Mannheim, den Kirchen und vielen weiteren Gruppen Mannheims eine Erklärung abgegeben hatte und somit einen Teil der Veranstalter vorab zu einem friedlichen Demonstrationszug verpflichtet hatte.[01]

Dass die Erklärung dadurch im Grunde zwar nicht ganz richtig ist, weil sie suggeriert, man müsse hier alle Seiten gleichermaßen zu Gewaltverzicht aufrufen, ist zwar inhaltlich ärgerlich- aus Sicht eines besorgten Stadtoberhaupts jedoch durchaus nachvollziehbar. Zumal es im Vorfeld zu dieser Demo im Netz unglaublich viele antisemitische Gewalt-Aufrufe gab. Eine junge Frau rief beispielsweise dazu auf, nun endlich zu vollenden, was Hitler begonnen habe und zahlreiche andere Hasspostings auf verschiedenen Seiten ließen kein Zweifel, wer da eigentlich demonstriert. Während die offizielle Bezeichnung der Demo „Free-Palestine-Demo gegen die Ermordung“ hieß, kursierten, vor allem bei Facebook, Einladungen zur Anti-Israel-Demo. Einige linke Demonstranten versuchten dann zwar, mit kleinen Blättern, die sie auf Bänke klebten, sich von dem antisemitischen und gewaltbereiten Mob abzugrenzen…

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Sehr überzeugend war das allerdings nicht. Denn gleich zu Beginn der Demo rief eine junge Gruppe, offenbar libanesischer Herkunft, „Juifs -Juifs-Parasites“ und eine andere Gruppe skandierte immer wieder „korkak -Yahudiler“ (türkisch für: feige Juden). Über die offiziellen Lautsprecher des Demonstrationszug  gelangten vor allem türkische Anweisungen, arabische Salven und das obligatorische „Kindermörder Israel“ begleitet von einem dreitausend Stimmen starken, aggressiv gebrüllten „Allahu Akbar“.

Zwischendurch wollte man auch Frieden. Zwar nicht so laut und deutlich, aber pro forma war es dabei.

Die Demo, die sich vom Wasserturm quer durch die Stadt zum alten Meßplatz zog, blieb insgesamt gewaltfrei, was sicher auch an der starken Polizeipräsenz lag. Insbesondere die Synagoge wurde durch ein Riesenaufgebot an Polizeiwagen, Pferdestaffeln und Polizisten geschützt. Man hatte aus den Eskalationen der vergangen Tage in anderen Städten offenbar gelernt.

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Highlight für die Demonstranten war dann am Platz der Kundgebung, nach einem kurzen Gebet des Hocas, ein besonderer Redner: Egemen Bagis. Bagis, ein ranghoher Poltiker der AKP, der auch schon Europaminister seines Landes war, kam extra aus der Türkei angereist, um den Demonstranten , wie er sagte: „die Stirn zu küssen für ihren Einsatz für die Menschlichkeit“. Dass Bagis selbst es zuhause nicht so mit Menschlickeit hat und zuletzt bei den Gezi-Park-Protesten erklärte, dass jeder, der den Taksim-Platz betritt, als Terrorist behandelt werden wird, war für die Demonstranten kein Thema….

Egemen Bagis - Demo Mannheim

Insgesamt zogen die Veranstaltern eine positive Bilanz. Dass rund dreitausend Menschen zusammenkamen, darunter auch deutsche ältere Damen im Leinenkostüm, Punks, linke Gruppen, – kurz: Biodeutsche und Migrahus und diese alle gemeinsam und einig skandierten, können die Veranstalter durchaus als Erfolg verbuchen. Was allerdings aus diesem Konglomerat noch werden könnte, will ich mir nach dieser Demo lieber nicht vorstellen. Seht selbst:

Video

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

Free-Palestine-Demo in Mannheim

  1. https://www.mannheim.de/presse/gemeinsamer-friedensappell []

3 Kommentare zu “3000 gegen Israel

  1. sieben gesendeter Kommentar des WDR5 zu ähnlichen Zusammenrottungen in NRW, z.B. Essen:

    http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/kommentar/nahostessen100.html (Voller Text)

    Auszüge:

    Die Jugendorganistation der Linken „Solid“ hatte die eigene Kundgebung nach einer Stunde aufgelöst. Redner der Linken waren zuvor mehrmals durch „Alahu Akbar“ und „Kindermörder Israel“-Rufe unterbrochen worden. Skandierten die wenigen Anhänger der Linksjugend in Essen „Hoch die Internationale Solidarität“ wurden sie ausgepfiffen. Die Linke war nur ein geduldeter Gast auf ihrer eigenen Kundgebung. Islamisten und Antisemiten bestimmten in jedem Moment das Bild.

    Mit Grausen blicken viele in der Linkspartei auf ihre Genossen in Nordrhein-Westfalen. Wulf Gallert, der Fraktionsvorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt, legte Michalowsky gar den Rücktritt nahe. Grüne, Sozialdemokraten, Christdemokraten, Piraten und die Antifa kritisieren die Partei scharf. Doch Distanz und Kritik alleine reichen nicht. Gegen Antisemitismus muss sich die Zivilgesellschaft wehren, egal ob er von rechten, linken oder religiösen Fanatikern oder aus der Mitte kommt.

    Die „Stimme Russlands“ informiert seine LeserInnen besser als viele deutsche Medien, so am 15.07.14:

    http://german.ruvr.ru/2014_07_15/Gazastreifen-Israel-geht-auf-Agyptens-Vermittlungsversuch-ein-7540/

    Seit dem 7. Juli unternimmt Israel einen Militäreinsatz gegen die palästinensische Enklave, um dem Raketenbeschuss vom Gazastreifen aus ein Ende zu setzen sowie das militärische Potential der Hamas zu schwächen. Die israelische Armee griff bereits mehr als 1.500 Ziele im Gazastreifen aus der Luft und von der See aus an und bereitet derzeit eine Bodenoffensive vor.

    Seit dem Beginn der jüngsten Zuspitzung hatten radikale Kämpfer mehr als 1.000 Raketen auf Südisrael abgefeuert, wo fünf der insgesamt acht Millionen Israelis leben. Allein am Montag wurden 100 Geschosse abgefeuert. In Israel gab es keine Toten. Die Verluste auf der palästinensischen Seite liegen bei 190 Toten und 1.400 Verletzten.

    Erstaunlich objektiv… man hätte nur noch den Grund für die Differenz im „death-toll“ benennen sollen: in Israel ein funtionierendes Warnsystem plus bombengeschützte Räume, was auf der anderen Seite bekanntlich beides fehlt, aber bei Vorwarnung von israelischer Seite durch „menschliche Schutzschilder“ ersetzt wird.

    Sowas interessiert unsere alteingessenen und zugezogenen DemonstrantInnen natürlich nicht. Man weiß doch seit dem Jahr 627, wer die Guten und wer die Bösen sind.

    • „sieben gesendeter Kommentar“ Was? Sorry, sollte natürlich „Soeben gesendeter Kommentar“ heißen.

      Schwindendes Büchsenlicht, sagen die Jäger dazu. Am Keyboard.

    • „Sowas interessiert unsere alteingessenen und zugezogenen DemonstrantInnen natürlich nicht. Man weiß doch seit dem Jahr 627, wer die Guten und wer die Bösen sind.“
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      Quark efem, da sprach wohl eher die Linke Seele, endlich
      Zuspruch von den Massen zu erhalten; ja klammheimliche
      Freude.

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