Offener Brief: Lehren im Interesse Israels…

Georg Stein an Jan Linders…

Theater der Stadt Heidelberg
Schauspieldirektor Jan Linders
26. April 2010
Offener Brief zum Israel-Schwerpunkt des diesjährigen Heidelberger Stückemarkts

Lieber Herr Linders,

bezugnehmend auf unser Telefonat vom 15. April teile ich Ihnen mit, dass sich der Palmyra Verlag nicht wie angedacht mit einem Büchertisch am Heidelberger Stückemarkt beteiligen möchte. Die Gründe will ich Ihnen gerne erläutern.
Offene Kulturarbeit, und um nichts anderes kann es in unserer Gesellschaft gehen, kann und darf – gerade auch in Sachen Israel/Palästina – nicht bedeuten, dass zensurartig vorab entschieden werden soll, welche Bücher ausgelegt werden dürfen und welche nicht. Ihre Äußerung, das israelische Publikum u.a. nicht mit einem „Arafat-Buchumschlag“ konfrontieren zu wollen, zeugt von einer leider doch sehr einseitigen, mutlosen und opportunistisch anmutenden Herangehensweise des Theaters an die Thematik.

Der sehr einseitige Ansatz des Stückemarkts zeigt sich bereits in der banalen Aufmachung des Gesamtprospekts, der stark an die Publikationen des israelischen Tourismusministeriums erinnert und die Palästinenser auf eine folkloristische Kulisse reduziert. Nicht minder deutlich wird diese Einseitigkeit in den teilweise politisch sehr unreflektierten Formulierungen in den diversen Begleittexten („Araber gegen Juden“ u.a.).
Wie man die aktuellen politischen Realitäten in Israel-Palästina derart negieren kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ihr Rechtfertigungsargument in der Rhein-Neckar-Zeitung, der Israel-Palästina-Konflikt sei „gegenwärtig kaum beschreibbar und noch weniger lösbar“, entbehrt jeglicher sachlichen Grundlage. Ein Engagement gegen inakzeptables Wegschauen und systematische Verdrängung – eine wichtige allgemeingültige Lehre aus dem Holocaust – ist auch in Israel und Palästina gefordert, nicht jedoch Totschweigen und einseitige Positionierung. Dies hilft wahrlich weder Israelis noch Palästinensern.

So klingt denn auch die Formulierung, „Israelis und Palästinenser nicht unter einen deutschen Versöhnungshut zu zwingen“ (Programmheft), eher wie ein Alibi-Argument. Denn gerade die Shoah und die daraus zu ziehenden Lehren im Interesse Israels sollten nicht dazu führen, den Israel-Palästina-Konflikt im Rahmen eines solchen Stückemarkts unkritisch auszuklammern.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Stein

PALMYRA VERLAG
69117 Heidelberg
www.palmyra-verlag.de

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