Deganja: Israels erster Kibbutz wird 100 Jahre alt

Ohne die Kibbutzbewegung wäre Israel nicht das, was es heute ist. Das sagte Israels Staatspräsident Schimon Peres am Mittwoch bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Kibbutz Deganja Alef am See Genezareth. Während der Zeremonie wurden außerdem fünf Kibbutzbewohner geehrt, die ebenfalls ihren 100. Geburtstag feierten…

Von D. Nowak, inn v. 01.04.2010

„In meinem Herzen weiß ich: Der Staat Israel wäre nicht das, was er heute ist, ohne die arbeitenden Siedlungsgemeinschaften, den Beitrag von Balance und die Kühnheit, welche die (Kibbutz-) Bewegung für unsere Sicherheit und soziale Stabilität geleistet hat“, so Peres, der selbst zu den Gründern des Kibbutz‘ Alumot gehört. Mehrere Jahre lebte er zudem im Kibbutz Geva. Er vermisse das Leben in der Kollektivsiedlung. Die einfachen alltäglichen Dinge dort, wie lange Spaziergänge, die grünen Felder und die Obstplantagen, hätten ihm viel Freude bereitet, sagte der Staatspräsident laut der Tageszeitung „Ha´aretz“.

Se´ev Schor von der Kibbutzbewegung betonte, dass die Kibbutzniks, wie die Bewohner eines Kibbutz‘ bezeichnet werden, Großes geleistet hätten: „Wir, die wir die Geschichte Israels geschrieben haben, nicht mit poetischen Reden, sondern mit unseren Händen, unserem Schweiß, unseren Tränen und unserem Blut, erheben unser! e Häupter mit Stolz. Auch, wenn es diejenigen in der israelischen Gesellschaft gibt, die vergessen, oder die andere nicht daran erinnern wollen, wer wir sind und was wir getan haben.“

Der Kibbutz Deganja Alef (Deganja A) wurde 1910 von jüdischen Pionieren aus Weißrussland am Südufer des Sees Genezareth gegründet. Er ist der Geburtsort des Generalstabschefs und Politikers Mosche Dajan. Zu den bekannten Persönlichkeiten, die in diesem Kibbutz lebten und arbeiteten, gehörten unter anderem der Zionist und Schriftsteller Aharon David Gordon sowie der Zionist Joseph Trumpeldor. 1920 wurde neben der ursprünglichen Gemeinschaftssiedlung der Kibbutz Deganja Beit (Deganja B) gegründet. Während des Unabhängigkeitskrieges 1948 konnte die syrische Armee bei den beiden Kibbutzim zurückgeschlagen werden.

Derzeit gibt es in Israel noch rund 260 Kibbutzim. Der ursprüngliche Gedanke dieser kollektiven Siedlungen lautete, „jeder gibt nach seinen Möglichkeiten u! nd erhält gemäß seinen Bedürfnissen“. Anfang dieses Jahre! s funkti onierten jedoch nur noch rund 25 Prozent der Einrichtungen nach diesem Prinzip. Bei den restlichen Kibbutzim werden die Bewohner unterschiedlich, je nach Arbeit, entlohnt. Häufig verdienen sie durch Tätigkeiten außerhalb der Siedlung hinzu. Teilweise verfügen sie auch über eigene Häuser.

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