Ein Hetzer ohne Ahnung

Die „Außenansicht“ eines vermeintlichen Insiders beim Thema Antisemitismus, in der Süddeutschen Zeitung von Wolfgang Benz veröffentlicht, entpuppt sich bei genauem Hinschauen als eine ungeheuerliche, geradezu antisemitische Hetze…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 16. Januar 2010

Hätte Benz sich darauf beschränkt, einen offenbar angeborenen Fremdenhass gegen Juden mit Fremdenhass gegen Türken und andere „Ausländer“ zu analysieren, hätte man mögliche Parallelen vielleicht durchgehen lassen können. Dem „Juden raus“ folgte in den sechziger Jahren das „Türken raus“. Xenophobie ist ein weltweit verbreitetes Phänomen, kulturübergreifend und in jedem Fall gefährlich.

Doch der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin geht weit über dieses von ihm nicht einmal erwähnte Phänomen hinaus. Benz sollte bekannt sein, dass der Antisemitismus, der Hass auf Juden, nicht erst von dem „renommierten deutschen Historiker und populären Publizisten“ Heinrich von Treitschke (1834 – 1896) erfunden worden ist. Auch die notorische Hassschrift des zaristischen Geheimdienstes, die „Protokolle der Weisen von Zion“, stehen nicht am Anfang einer „Überfremdungsangst“, sondern eher am Ende einer Entwicklung, die wenig später zu Auschwitz führte. Benz scheint weder Martin Luthers Spätschrift „Von den Lügen der Jüden“ zu kennen, noch die antijüdische Hetze der Kirchenväter des vierten Jahrhunderts, als die Juden zu „Gottesmördern“ erklärt wurden. Er scheint weder von den mittelalterlichen „Brunnenvergiftern“ noch von den Blutlegenden gehört zu haben, die immer wieder zu grausamen Judenverfolgungen geführt haben, nicht nur der Kreuzfahrer, sondern auch der Spanier während der Inquisition. In all diesen Perioden waren die Juden bestenfalls eine geduldete Minderheit. Sie mussten sich „Schutzbriefe“ mit viel Geld erkaufen, um in engen Ghettos ihr Leben zu fristen. Gleichzeitig waren Juden mit einem „Berufsverbot“ belegt, bis hinein in die Neuzeit. Da Juden kein Land besitzen und Bauern sein durften, waren sie gezwungen, sich intellektuell zu betätigen oder Handel zu treiben. Daraus wurde dann das Gespenst der vermeintlichen „Überfremdung“ in Deutschland, weil eben Heinrich Heine die schönsten Gedichte schrieb, Karl Marx die umfassendste Gesellschaftskritik, Franz Kafka die schönsten Romane und Kurt Tucholsky die bissigsten politischen Kommentare. Was heißt hier „Überfremdung“? Selbst die Nazis konnten die „Lorelei“ nicht verbieten. Urdeutscher könnte der Beitrag dieser Juden zur deutschen Kultur nicht gewesen sein.

„Millionen glauben an das Bild vom Juden als Inkarnation des Bösen in der Welt, welches die „Protokolle“ suggerieren“, schreibt da Benz und vergisst, dass die christlichen Kirchen seit fast 2000 Jahren die Juden zum Ahasver, zum Anti-Christen, zur „Inkarnation des Bösen“ gemacht haben. Nicht erst Treitschke „verlieh dem Antisemitismus Reputation und Schubkraft“. Eine Judeophobie gab es schon Jahrhunderte zuvor.

„Die unterschwellig bis grobschlächtig praktizierte Diffamierung der Muslime als Gruppe durch so genannte „Islamkritiker“ hat historische Parallelen“, behauptet Benz, doch derartige Parallelen gibt es nicht. Solange man in Deutschland fast nichts über den Islam wusste, wurde der Islam als eine späte, nicht weiter ernst zu nehmende Religionserfindung belächelt. Während sich das Christentum stets in einem vermeintlichen Konkurrenz- und Rechtfertigungskampf mit dem „von Gott auserwählten Volk“ zu befinden glaubte, war doch der Islam nur eine neuere „Sekte“, mit der sich der Vatikan oder die Theologen genauso wenig auseinander setzen mussten, wie mit Hare Krischna, den Mormonen oder gar den Buddhisten und Hinduisten. Allein mit den Juden hatte das christliche Abendland ein echtes Problem. Denn jeder noch auf zwei Beinen laufende Jude stellte die „Wahrheit“ des christlichen Glaubens und des „neuen Bundes“ Gottes in Frage. Wenn Juden nicht umgebracht wurden, so wurde halt alles getan, sie durch Mission, Zwangstaufe und seit der Aufklärung durch Emanzipation abzuschaffen. Sogar die sehr verspätete Anerkennung des Staates Israel durch den Vatikan hatte tiefe theologische Gründe, weil nicht sein durfte, dass sich das zur Verstreuung verdammte Volk in einem eigenen Staat und noch dazu im Heiligen Land sammelte.

Der „Islam“ als vermeintliches Hass-Objekt existiert erst seit wenigen Jahren. Als die ersten türkischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen, galten die Parolen „Türken raus“ nicht ihrem Glauben, sondern ihren fremden Sitten. Das war Fremdenhass pur.

Was Benz als „Islamkritik“ bezeichnet hat jüngere Ursachen, die absolut nichts mit „historischen Parallelen“ zu tun haben, wie Benz behauptet.

Blinde Hetze gegen den Islam ist genauso wenig zu rechtfertigen wie der Versuch, aus der „Religion des Friedens“ eine Gebrauchsanweisung für Kinderschänder, „Heilige Krieger“ oder Frauenunterdrücker zu machen. Darum geht es nicht. Zumal das Christentum den vermeintlichen „Rachegott“ der Juden erfunden hat, während man sich selbst für Anhänger des „Gottes der Nächstenliebe“ hielt. Niemandem, nicht einmal Luther, ist aufgefallen, dass Jesus den Spruch „Liebe deinen Nächsten“ lediglich zitierte, mit einem „wie geschrieben steht“. Weder Koran noch Neues Testament gab es damals, aus dem Jesus hätte zitieren können…

Der „Islam“ und die in Europa durchaus verbreitete Angst vor ihm gibt es erst seit zehn, zwanzig oder höchstens dreißig Jahren. Wahrscheinlich aber erst seit dem 11. September 2001. Bis dahin war der Islam gar kein Diskussionsthema.

Ein Jahr danach, im Dezember 2002, hatte der extremistische Scheich Jusuj Qardawi aus Qatar, heute bekannt als einer der einflussreichsten islamistischen Prediger, erklärt: „Nach Konstantinopel werden Rom und der Rest Europas folgen. Es gibt Zeichen, dass der Islam nach Europa als Eroberer zurückkehrt und triumphieren wird. Ich glaube, dieses Mal werden wir Europa erfolgreich erobern, nicht mit dem Schwert, sondern durch die Verbreitung islamischer Ideologie.“ Heute würde jede Nachrichtenagentur einen solchen Spruch als berichtenswert aufgreifen und die „Angst vor dem Islam“ zusätzlich schüren. Im Dezember 2002 beschied eine Redakteurin der Katholischen Nachrichtenagentur in Bonn: „Einen derartigen Schwachsinn verbreiten wir nicht.“ Wenn es damals, vor sieben Jahren schon die heutige Diskussion über Islam oder eben „Islamkritik“ gegeben hätte, wäre ein derartiger Spruch des in der islamischen Welt bekanntesten, aber in Deutschland noch völlig unbekannten islamischen Ideologen, nicht im Papierkorb gelandet.

„Nicht jeder Moslem ist ein Terrorist, aber (fast) jeder Terrorist ist ein Moslem.“ Dieses geflügelte Wort wird inzwischen den Sicherheitsleuten auf Flughäfen in aller Welt eingeschärft. Das Problem bei diesem vermeintlich diskriminierenden Spruch sind nicht jene Terroristen, die mit einem „Allah uakbar“ auf den Lippen in New York, London, Madrid, in Israel, Libanon, Pakistan, Irak und Indien, in Tschetschenien, in der Türkei und in Ägypten als Selbstmordattentäter Massenmorde begehen. Das Problem ist vielmehr „der“ Islam. Islamische Geistliche schweigen nach besonders mörderischen Attentaten, die durchaus „im Namen der Religion“ verübt wurden. Andere bieten Rechtfertigungen, oder finden Verschwörungstheorien. „Die vermeintlichen Attentäter vom 11. September 2001 besaßen doch gar keine Flugzeuge“, sagte mir der damalige Jerusalemer Mufti, Ekrem el Sabri, just an dem Tag, an dem in Bagdad die Amerikaner Saddam Hussein vom Sockel stürzten, am 9. April 2003. Deshalb hätten der CIA oder der Mossad das World Trade Center zum Einsturz gebracht, behauptete der Mufti.

Im Januar 2002, nach Selbstmordattentaten in Israel und dem 11. September kam es zum ersten „dramatischen“ interreligiösen Gipfel in Kairo, an dem sich der anglikanische Erzbischof von Canterbury und führende Rabbiner aus Israel beteiligten. Erstmals wurde in der sogenannten „Alexandria Deklaration“ Massenmord im Namen Gottes scharf und eindeutig als Sünde verurteilt. Die Repräsentanten des Islam waren dabei der Großscheich von Al Azahr in Kairo, Scheich Mohammed Sayed Tantawi, die höchste Autorität des sunnitischen Islam, und Sheikh Taisir Tamimi, Oberrichter der Scharia Gerichte der palästinensischen Autonomiebehörde. Tamimi wurde zu einer Berühmtheit, weil er entgegen dem Protokoll beim Besuch von Papst Johannes Paul II sowie beim Besuch von Papst Benedikt XVI im Heiligen Land die Gelegenheit nutzte, mit hasstriefenden Hetzreden zur Zerstörung des jüdischen Staates aufzurufen. Scheich Tantawi hatte schon einen Tag nach der Unterzeichnung der Erklärung von Alexandrien eine Fatwa (Richtspruch) veröffentlicht, in der er ausdrücklich Selbstmordattentate gegen Aggressoren und Besatzer befürwortete.

Benz verkennt, dass der Islam eine Massenreligion mit Milliarden Anhängern in zwei Dutzend Staaten mit den größten Ölvorkommen der Welt, riesigen Armeen und durchaus antiwestlichen Ideologien ist. In Pakistan war schon die Rede von der „islamischen Bombe“, als Pakistan Atommacht wurde. Irans Rhetorik gegen den Westen mitsamt seinem Streben nach der Bombe werden nicht mit pragmatischem Machtstreben gerechtfertigt, sondern mit islamisch-theologischen Vorstellungen vom Mahdi (Messias) und einem apokalyptischen Endzeitkrieg.

Möge Benz in der langen Geschichte des zahlenmäßig bis heute winzigen jüdischen Volkes (nur 13 Millionen Menschen weltweit), bis 1948 überall nur eine Minderheit, eine historische Parallele zu der vermeintlichen, empfundenen oder tatsächlichen Bedrohung der Welt finden, wie sie heute teilweise islamischen Ländern ausgeht. Niemals und nirgendwo, gewiss nicht in Deutschland, stellten die Juden jemals eine akute Gefahr für den physischen Bestand des deutschen Volkes dar. Bis zur Gründung Israels gab es weder eine jüdische Armee noch eine jüdische Atombombe. 1973 jedoch war die arabische Welt fähig, die gesamte Welt mit einem Ölboykott unter Druck zu setzen, damals allerdings noch nicht mit islamischen Argumenten.

Ungeachtet der Frage, ob die Angst der Deutschen vor „den“ Moslems gerechtfertigt, übertrieben oder nur eine Phobie ist, kann selbst Benz nicht wegdiskutieren, dass die islamisch/arabische Welt mit automatischen Mehrheiten in der UNO, mit seinen Geldreserven, dem Öl und nicht zuletzt mit militärischen Mitteln dem Westen und nicht nur Israel oder den USA die Stirn bietet. Das ist ein Phänomen, das niemals und nirgendwo von den Juden ausging. Selbst das antisemitische Argument einer vermeintlichen „jüdischen Weltherrschaft“ lässt sich nicht vergleichen mit der tatsächlichen oder vermuteten Gefahr, die heute von einigen islamischen Staaten ausgeht oder ausgehen könnte, falls etwa El Qaeda Zugriff auf die pakistanische Atombombe erhalten sollte oder Ägypten an die Moslembrüder fallen sollte. El Qaeda im Jemen, die Hisbollah im Libanon und die Hamas in den Palästinensergebieten liefern jetzt schon beängstigende Beispiele für mögliche Entwicklungen auch in anderen Teilen der arabisch/islamischen Welt, vom Mullah-Regime im Iran ganz zu schweigen.

Das alles hat nichts oder nur wenig mit dem Koran oder der Religion des Islam zu tun. In jüdischen wie christlichen Heiligen Schriften kann man genauso schlimme Sprüche finden, die Extremisten anfeuern könnten.

Die von Benz monierte „Islamkritik“ ist vielmehr eine reale Angst wegen einem politischen Machtstreben, das heute schon mit einem schleichenden Weltkrieg verglichen werden kann, wenn man die Irak-Kriege, den 11. September, Terroranschläge weltweit, den Nato-Einsatz gegen die Taliban in Afghanistan, Militäroperationen in Somalia, den Einsatz der Bundesmarine gegen Piraten am Horn von Afrika oder vor der Küste des Libanon in einem Gesamt-Zusammenhang betrachtet. Das sind keineswegs nur „Gerüchte, Unterbewusstes, Hörensagen, literarische und volkstümliche Überlieferung“ die sich zu „Tatsachen“ erheben, und nur vom Glauben leben, wie Benz zum Antisemitismus schreibt.

Abschließend noch ein Kommentar zu folgendem Satz von Benz: „Der Berliner Antisemitismusstreit war vor allem eine Identitätsdebatte, eine Auseinandersetzung darüber, was es nach der Emanzipation der Juden bedeuten sollte, Deutscher zu sein und deutscher Jude zu sein.“ Benz „erklärt“ hier, was der von Treitschke ausgelöste „Antisemitismusstreit“ bedeutet. Doch Benz impliziert hier als Realität eine Epoche „nach der Emanzipation der Juden“.

Mit „Emanzipation“ ist letztlich gemeint, dass die Juden ihre Identität aufgeben und sich in die deutsche (arische) Gesellschaft voll integrieren. Genau das wollten Antisemiten wie Treitschke wegen der „Rassenreinheit“ um jeden Preis verhindern. Treitschkes Schüler, die Nazis, zogen daraus die logische Konsequenz. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich an dieser Stelle.

Es ist ungeheuerlich, dass der wohl angesehenste Antisemitismusforscher Deutschlands an dieser Stelle nicht darauf hinweist, dass jener „Antisemitismusstreit“ in gerader Linie den Weg zum ideologisch motivierten Massenmord an sechs Millionen Menschen, dem Holocaust, ebnete. Benz musste das unterlassen, weil sonst sein Vergleich des Antisemitismus mit der „Islamkritik“ keinen Bestand mehr gehabt hätte.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Antisemitismus und Islamophobie

  • 2010
    Kritik an Wolfgang Benz‘ Außenansicht: Ein Hetzer ohne Ahnung
    „Die unterschwellig bis grobschlächtig praktizierte Diffamierung der Muslime als Gruppe durch so genannte “Islamkritiker” hat historische Parallelen“, behauptet Benz, doch derartige Parallelen gibt es nicht. Solange man in Deutschland fast nichts über den Islam wusste, wurde der Islam als eine späte, nicht weiter ernst zu nehmende Religionserfindung belächelt…

  • Micha Brumlik zum Vergleich von Islamophobie und Antisemitismus: Neue Feindschaft, alte Muster
    Seit einer Veröffentlichung des Publizisten Wolfgang Benz gibt es Streit ob Islamophobie und Antisemitismus vergleichbar sind…
  • 2009
    Antisemitismus und Islamfeindlichkeit: Vergleichen heißt nicht gleichsetzen
    Darf man Antisemitismus und Islamophobie in einem Atemzug nennen? Der Historiker Wolfgang Benz hat es getan und wurde deswegen schwer angegangen…
    Tagung der Berliner Antisemitismusforscher: Judenhasser versus Islamfeinde
    „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“: Bei einer Veranstaltung des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung vergleichen Experten Islamfeindlichkeit mit Judenhass…

  • 2008
    Islamophobie und Antisemitismus: Zwei sehr verschiedene Begriffe und Problembeschreibungen
    Auch ein Blick auf den Antisemitismus in islamischen Gesellschaften ist wegen des Zusammenhangs mit der Entwicklung des Islamophobie-Begriffs erforderlich. Vor noch nicht allzu langer Zeit war das Problem „Antisemitismus im Islam“ kein Thema in der deutschen politischen Debatte, weder bezogen auf die islamischen Staaten noch auf die muslimischen Minderheiten in Europa oder Deutschland…

  • 2003
    Debatte um „Islamophobie“: Wer hat Angst vor Differenz?
    Islamophobie, gibt es so etwas? Eine Diskussion über diesen Begriff tobt seit einigen Monaten in Frankreich und scheint nun auch in Deutschland zu beginnen. Wobei es immer wieder darum geht, ob das Phänomen, das der Begriff umreißt, überhaupt existiert…

67 Kommentare zu “Ein Hetzer ohne Ahnung

  1. walter, wenn die essvorschriften deswegen gegeben wurden, damit sie sich gesund ernähren können, wieso wird dann in offenbarungen alles wieder erlaubt was verboten war.
    im übrigen, liest man sich die reinheitsvorschriften durch, so sind es keine empfehlungen sondern gesetze.

    und wenn man etwas aufmerksam ist, so stellt man fest, das kaninchen keine wiederkäuer sind. das scheint der schreiber wohl nicht gewusst zu haben.

  2. Manchmal ist es geradzu erschreckend, wie intellektuelle Menschen in anthropozentrischen Denkweisen herum dümpeln.
    Haben diese Leute noch nie von einer biblischen Strategie FÜR Israel gehört?
    Wissen die nicht, was wirklich in Israel abläuft?
    Denn seit dem Jahr 1948 hat die Menschengeschichte eine Wende bekommen. Das Volk Israel wird wieder in IHREM Land versammelt. Von diesem Ereignis sprechen 76 Prophetien im AT.  Heute erfüllen sich diese Prophetien immer deutlicher vor unseren Augen.
    Dabei haben nur das Judentum und das biblische Christentum etwas zu sagen, denn es geht um nichts geringeres als um die prohezeite Wiederkunft von Jesus Christus, resp. dem Hamassiach.
    Genau wie das die Bibel Voraus gesagt hat, kommen vorher aber gewaltige Unruhen, die wir ebenfalls beobachten können. Religionen wie der Islam, möchten mit allen Mitteln verhindern, dass diese Wiederkunft erfolgen kann.
    Denn der Islam ist eine Religion, die von Menschenhand gemacht wurde. Der Koran wurde, in der Meinung eine „bessere“ Religion als das Christentumg und Judentum zu machen, z.T. aus der Bibel rezitiert.  Doch dieses Verhalten wird laut der Bibel NICHT akzeptiert werden. Die Bibel bleibt als solche BESTEHEN – bis zur Erfüllung der letzten Prophetie.
    Das Judentum und Christentum laufen, bezogen auf die Bibel, parallel bis alles erfüllt sein wird. Dann erst, und das unter dem Messias, wird der biblische Bund der Juden und der Bund der Christen zu EINEM neuen Bund zusammen- geschlossen werden.  Allein dieser neue Bund wird das messianische Reich ausmachen.
    Zu den „sukrilen Essvorschriften“ der Juden:
    Diese wurden in den Mosebüchern dem Volk bekannt gegeben. Sie haben KEINE mystisch- religiöse Eigenschaften, sondern sind Empfehlungen wie man gesund leben kann. Schliesslich hat der Schöpfer alles Interesse daran, dass seine Geschöpfe gut leben können.
    Der Schöpfer hat SEIN Werk nach einem gewissen MODUS geschaffen. Wenn man sich nach diesem Modus ausrichtet, kann man gut leben. Wenn nicht, läuft man selber gegen seine Gesundheit an. Das hat weder mit Mystizismus noch mit Religionswahnsinn etwas zu tun. Es ist eine praktische Handhabe für das Leben.

  3. Nur sein Zeitungsartikel in der SZ war für mich nicht akzeptabel.
     
    Was, glaube ich, nicht zu überlesen war – eine reichlich skurrile Art, würd ich meinen, den Typ gleich fertig machen zu wollen.

  4. Nur in einem Punkt eine Replik:
    „b) Judentum und Islam haben skurile Essensregeln, “
    Warum durfte ich in einem katholischen Hospiz an einem Freitag keine Leberwurst zu Frühstück bestellen? Warum habe ich trotz intensiver Suche in Deutschland kein schönes Entrecote vom Pferd gefunden, zumal ich damit in Frankreich aufgewachsen bin? Warum finde ich nicht die Zutaten zu einem empfohlenen Rezept in einem Kochbuch aus Taiwan, einem Hundeschenkel? Könnte es sein, dass es im christlichen Deutschland genauso „skurile Essensregeln“ gibt, die Ihnen so selbstverständlich sind, dass Sie die nicht einmal kennen? Zum Dank dürfen Sie mir zu Ostern dann einen schönen Weihnachtsstollen schicken – falls Sie einen solchen überhaupt finden.
    Und was Benz angeht, so habe ich nichts zurückgenommen. Ich kenne und schätze seine Werke. Nur sein Zeitungsartikel in der SZ war für mich nicht akzeptabel. Ich habe nicht versucht, an der Stelle von Benz eine bessere Analyse von Antisemitismus und Islamophobie (Kritik) zu liefern.
     

  5. Ich verfolge gern den Streit über Islamophobie und Antisemitismus, denn er bringt doch die eine oder andere Erkenntnis, die bei den in den letzten Jahren häufigen Diskussionen nur über den Islam noch nicht zur Sprache kam. 

    Ulrich Sahm ist über das Ziel hinaus geschossen und mußte seine Vorwürfe teilweise zurücknehmen.
    Hatte Benz zwar seinen Beitag in der Süddeutschen mit „Antisemiten und Islamfeinde. Hetzer mit Parallelen“ überschrieben (oder war es eine von der Redaktion erfundene Überschrift?), und damit nicht Herrn Sahm gemeint, so scheint dieser mit der Überschrift „Ein Hetzer ohne Ahnung“ (oder hat die hagalil erfunden?) Wolfgang Benz zu meinen.

    Um seinen Vorwurf belegen zu können, ist Sahm dann gezwungen, etwas zu unterstellen:
    a) „Benz sollte bekannt sein, dass der Antisemitismus … nicht erst von … Heinrich von Treitschke (1834 – 1896) erfunden worden ist.“
    b) „Benz scheint weder Martin Luthers Spätschrift „Von den Lügen der Jüden“ zu kennen, noch die antijüdische Hetze der Kirchenväter des vierten Jahrhunderts.“
    c) „Er scheint weder von den mittelalterlichen „Brunnenvergiftern“ noch von den Blutlegenden gehört zu haben“
    d) „schreibt da Benz und vergisst, dass die christlichen Kirchen seit fast 2000 Jahren …“
    e) „Es ist ungeheuerlich, dass der … nicht darauf hinweist, dass jener „Antisemitismusstreit“ in gerader Linie den Weg zum ideologisch motivierten Massenmord an sechs Millionen Menschen, dem Holocaust, ebnete.“


    Was Benz gemeint haben könnte, scheint mir der Kommentar von LAShTAL um 2010/01/26-16:27 gut zu erklären. Das brauche ich nicht zu wiederholen.

    Daß Benz sehr wohl die Kenntnisse über Antisemitismus vor Treitschke hat, beweist nicht nur Jims Zitat im Kommentar vom 2010/01/27-23:43, sondern gibt Sahm später selbst zu.

    Sahm widerlegt seine eigenen Vorwürfe in seiner Replik vom 2010/01/29-20:05

    Natürlich weiß ich, dass Benz auch Luther usw kennt.“ Dann hätte er aber nicht die oben zitierten Formulierungen „sollte bekannt sein“, „scheint weder … zu kennen, noch…“, „scheint weder von… noch … gehört zu haben“ (nun gut, hier ist das wohl als „scheinbar“ nicht als „anscheinend“ gemeint) „und vergißt…“ (d.h. hat es mal gewußt, weiß es aber nun nicht mehr) verwenden dürfen.

    Und wenn schon Quatsch ist, was Sahm zuerst schrieb, nämlich, daß der Antisemitismusstreit, also beide streitenden Seiten, auch die Widerlegung Treitschkes durch Theodor Mommsen, „in gerader Linie den Weg zum ideologisch motivierten Massenmord an sechs Millionen Menschen, dem Holocaust, ebnete„, denn dann würde das ja bedeuten, daß es besser gewesen wäre Treitzschke nicht zu widersprechen. Vielleicht sollte Sahm dann auch Benz nicht widersprechen.

    Wenn das also schon Quatsch ist, so könnte Sahm auch nicht gleichzeitig (oder im Abstand von wenigen Tagen) sowohl behaupten, daß Treitschkes Antisemitismus (ohne „-streit“) diesen Weg geebnet habe, und „Als wenn es des Treitschke bedurfte, um dem Antisemitismus Reputation und Schubkraft zu verleihen.“ Ja was denn nun, könnten wir das vielleicht noch erfahren?

    Wer wie Sahm selbst so ungenau formuliert, verliert an Bedeutung, wenn die Vorwürfe gegen andere darauf schrumpfen, „Hätte Benz geschrieben „schürte“ den längst als Judenhass seit Jahrhunderten tief verankerten Antisemitismus, oder so ähnlich, hätte ich nichts daran auszusetzen gehabt.“ Und dafür der ganze argumentatorische Aufwand!

    Wäre es ein Besinnungsaufsatz im Rahmen einer Deutschklausur gewesen, bei dem es nicht auf den Inhalt, sondern auf die formal und logisch überzeugende Darstellung eines beliebigen Standpunktes ankommt, so hätte Sahm sicher maximal ein „befriedigend“ verdient, schon wegen der Mühe und des guten Willens.

    Selbst der spätere Hinweis, der mir aus dem Herzen spricht, ist unsauber formuliert:
    Dass die Christen gegen alle Andersdenkenden waren, entspricht exakt der Weltanschauung des Islam, als Religion, die die alleinige Wahrheit besitzt (im großen Unterschied zum Judentum, das seine Wahrheit für sich behält und sich von den “Gojim” halt abgrenzt, ohne sie überzeugen (missionieren) zu wollen.“ (2010/01/30-19:26)

    Es ist nicht das Gleiche, schon gar nicht „exakt“ das Selbe, a) gegen alle Andersdenkenden zu sein oder b) die alleinige Wahrheit zu besitzen. Sie anderen nicht zu verraten, ändert in der Selbsteinschätzung nichts daran, daß man selbst die alleinige Wahrheit besitzt. Meine alleinige Wahrheit verrate ich gerne, nämlich, daß alle Religionen von Menschen erfunden wurden und daß es kein höheres Wesen gibt. Dafür nicht fürchten zu müssen, von Juden einen Kopf kürzer gemacht zu werden, ist schön und macht diesen Monotheismus zum mir liebsten. Aber was nutzt das bei ~13,5 Mio Anhängern gegenüber fast 4 Mrd. bei Christentum und Islam, die Ungläubige schon oft ermordet haben.

    Ich möchte aber hier nicht selbst in die ermüdenden und für Außenstehende so befremdlichen Diskussionen über wahren Glauben nach diesen oder jenen heiligen Schriften einsteigen. Von meinem Standpunkt aus genügt es, die Religionen als Phänomene anhand ihres Auftretens, ihrer Erscheinungsformen und ihrer Wirkungen oberflächlich zu beurteilen. Da gibt es mal diese und mal jene Gemeinsamkeit:
    a) Christentum und Islam missionieren und morden, 
    b) Judentum und Islam haben skurile Essensregeln, 
    c) Judentum und Christentum haben angeblich ja so viel gemeinsam, nämlich das „jüdisch-christliche Menschenbild“, das Unionspolitiker gern im Munde führen, aber wohl einer Erfindung der 1940er Jahre ist

    Laut Peter Novick: Nach dem Holocaust. Der Umgang mit dem Massenmord, S. 45 kam das so:
    Die Bagatellisierung der spezifischen Opferstellung der Juden wurde durch die Entwicklung von Formeln ergänzt , die die Gottlosigkeit“ des Nationalsozialismus betonen und ihren Haß auf den christlichen Glauben übertrieben bewerteten. Der Kriegsdiskurs war voller Hinweise auf „protestantische, katholische und jüdische“ Opfer des Nationalsozialismus. Während der Hitlerzeit erfanden Philosemiten die „christlich-jüdische Tradition“ um der unschuldigen – oder auch nicht so unschuldigen – Redeweise entgegenzuwirken, die von einem totalitaristischen Angriff auf die „christliche Zivilisation“ sprach. In einer Variante dieser Tendenz wurde die momentane Hauptrolle der Juden als Opfer anerkannt, aber gleichzeitig behauptet, daß sich Hitler gegen andere wenden werde, wenn er mit den Juden fertig sei.

    Die Gottlosen waren ja vor wenigen Jahren noch der Hauptfeind des CDU-Parlamentariers Martin Hohmann (das angebliche Tätervolk). Damals hat Wolfgang Benz ihm die Verwendung antisemitischer Stereotypen nachgewiesen, aber übersehen, wie diese verbogen wurden, um Atheisten zu treffen. Deshalb wäre es reizvoll, genauer und anhand mehrerer Schriften Benz‘ „blinde Flecken“ aufzuspüren. Auch bei seinem Vergleich von Antisemitismus und Islamophobie scheint es einige zu geben. Aber leider ist es Ulrich Sahm nicht gelungen, diese Arbeit zu leisten.

  6. Damit sich hier jeder richtig einordnen kann…
     
    Ein Sahm-Zitat (vom 31.1.):
    Anders die Juden. Wenn Gott die verflucht hat, zum Beispiel in alle Welt verstreut zu sein, dann handle ich doch auf Gottes Wegen und tue Gutes, wenn ich … den Staat Israel … zerstöre, mich mit dem Kampf der Palästinenser solidarisiere, Israel boykottiere oder … dafür sorge, die Juden wenigstens aus Jerusalem rauszuschmeißen, indem ich es internationalisiere (und gleichzeitig dafür plädiere, dass es Hauptstadt des palästinensischen Staates wird …).
     
    und das gleiche Zitat unter umgekehrten Vorzeichen:
    Anders die Juden. Wenn Gott sie auserwählt hat, zum Beispiel ins gelobte Land zurückzukehren, dann handle ich doch auf Gottes Wegen und tue Gutes, wenn ich … den Staat Israel vergrößere, mich mit dem Kampf der jüdischen Siedler solidarisiere, die palästinensischen Autonomiegebiete boykottiere bzw. blockiere oder … dafür sorge, die Palästinenser wenigstens aus Jerusalem rauszuschmeißen, indem ich es nationalisiere (und … dafür plädiere, dass es ausschließlich Hauptstadt des jüdischen Staates ist …).
     
    Die durch das erste Zitat charakterisierte Einstellung darf zu Recht als antisemitisch bezeichnet werden. Doch die im zweiten (abgewandelten) Zitat beschriebene Einstellung müßte nach Sahm’scher Logik dann projüdisch, proisraelisch o.ä. sein. Wer das wirklich glaubt, sollte sich mit Antisemitismus-Vorwürfen anderen gegenüber lieber zurückhalten… In Ergänzung zu Gerrit würde ich daher sagen: Auch die Kritik am extremistischen politischen Judentum sollte nicht durch Gleichsetzung mit Antisemitismus tabuisiert werden.

  7. hi Gerrit,
     
    Begriffloses Denken ist keines mehr, und Herr Benz leistet – ob gewollt oder ungewollt – einen nicht ganz unwesentlichen Beitrag dazu, nämlich zur inhaltlichen Aushöhlung der Begriffe, wenn er (Religions)-Kritik als antisemtisch zu tabuisieren versucht.
    Leider kann uns Adorno hier nicht helfen, denn von derlei wusste er noch nichts, oder?

     
    Schau mal:
    http://test.hagalil.com/2010/01/30/antisemitismus-6/comment-page-1/#comment-9096

  8. Danke für die gute Antwort. Damit sind wir uns wohl in fast allen Punkten ziemlich einig. Ich möchte Deinen wichtigsten Satz noch kommentieren: „Man hat das Dilemma ganz einfach gelöst, indem die Juden nicht mehr das auserwählte Volk Gottes sind, sondern von Gott verflucht.“

    Das ist genau der entscheidende Punkt, der auch Antisemitismus von Islamophobie (könnte auch viele bessere Begriffe alternativ verwenden) grundsätzlich unterscheidet.
    Moslems werden letztlich wie alle übrigen Heiden gesehen: Es gibt Hoffnung, sie zum „richtigen“ Glauben zu bekehren. Ebenso sind sie nicht von „Gott verflucht“. Als gläubiger Christ habe ich einerseits den Auftrag, nett zum Moslem zu sein, ihm das NT in die Hand zu drücken und zu hoffen, dass ihm die Erleuchtung kommt. Und falls der meine Kinder oder mich zum „Unglauben“ verführen will, kann ich natürlich auch mal grantig werden und jene muslimischen Verführer rausschmeißen, also unbequeme Migranten des Landes verweisen usw.
    Anders die Juden. Wenn Gott die verflucht hat, zum Beispiel in alle Welt verstreut zu sein, dann handle ich doch auf Gottes Wegen und tue Gutes, wenn ich (der Vatikan, die Kirchen) alles tue, den Staat Israel (der ist sozusagen ein Unfall der Geschichte auf dem Weg zur Erlösung) zerstöre, mich mit dem Kampf der Palästinenser solidarisiere, Israel boykottiere oder wie im Fall des Vatikans, dafür sorge, die Juden wenigstens aus Jerusalem rauszuschmeißen, indem ich es internationalisiere (und gleichzeitig dafür plädiere, dass es Hauptstadt des palästinensischen Staates wird – eigentlich ein Widerspruch) .
    Indem ich den Juden abspreche, noch das auserwählte Volk zu sein, weil der liebe Gott doch nicht zwei „auswählen“ kann, dann muss ich doch als anständiger Christ dem Lieben Gott helfen, für Ordnung zu sorgen. Also weg mit den Juden. Denn solange es sie physisch gibt, ist Gottes „Auswahl“ und damit auch meine christliche Heilslehre entscheidend in Frage gestellt. Denn was die Juden vom Selbstverständnis her charakterisiert, ist doch, dass sie ausdrücklich Jesus nicht als Messias anerkennen, also den Christen ihre eigentliche Grundlage unter den Füßen wegziehen. Denn wenn Jesus nicht der Messias ist, worin unterscheidet sich denn letztlich das Christentum vom Judentum (mal ganz einfach gesehen) ? Christentum ist doch eigentlich Judentum, plus dem Glauben, dass der Messias schon gekommen ist, während die mit Blindheit geschlagenen, halsstarrigen Juden noch auf ihn warten.

    Wenn also die Juden das Christentum so grundsätzlich in Frage stellen (was nicht einmal der Islam tut, indem er Jesus immerhin als Prophet anerkennt und die Mahdi-Lehre vorhersieht, dass am Ende der Tage ausgerechnet Jesus neben dem Mahdi in Mekka beten wird) dann ist doch die einzige Möglichkeit, die „Wahrheit“ des Christentums, jetzt von Gott ausgewählt zu sein, die Juden weiterhin den Fluch Gottes verspüren zu lassen, alles was der kirchliche und rassische Antisemitismus lehrt, wunderbar von Luther vorformuliert: ihre Bücher und Synagogen verbrennen, Berufsverbot, Vertreibung und am Ende dieses Weges stehen in logischer (von Gott gewollt) Konsequenz einerseits Auschwitz und ein Atombömbchen auf Israel. Ahmadinidschad sei gelobt. Und damit man als Deutscher nicht schon wieder in den Geruch eines Völkermordes gerät, verteidigt man halt die eine bestimmte Rede, indem man den Kritikern von Ahmadinidschad vorwirft, mit einem „Übersetzungefehler“ gegen den völlig unschuldigen A. gehetzt zu haben. In Wirklichkeit sind wir doch alle wackere Anti-Zionisten (und deshalb natürlich auch keine Antisemiten) und wir sind doch alle dafür, dass der „Zionismus aus den Seiten der Geschichtsbücher“ verschwindet. Und übrigens, mein bester Schuldfreund war ein Jude und ich pflege enge Freundschaft mit lauter Juden, die auch der Meinung sind, dass der Zionismus das wahre Unglück für Volk und Menschheit ist (siehe die Aussage des lau Benz „renommierten“ Historikers Treitschke). Und im Rahmen meines messianischen Erlösungsgedankens bin ich natürlich auch der Meinung, dass in der ganzen Welt der Frieden ausbrechen wird, sowie die Siedlungen weggeräumt sind,  wobei Tel Aviv doch auch eine „Siedlung“ ist, wie ich islamischen und palästinensischen Pamphleten entnehme. Und wenn ich voraussetze, dass Zionismus gleich Rassismus ist, und die Israelis sich wie die Nazis benehmen, eigentlich sogar schlimmer als die Nazis, dann schließt sich der Kreis.
    Genug mit der Ironie. Ich hoffe, die Zusammenhänge gebündelt und in Kurzform richtig getroffen zu haben.
     

  9. Lieber Uli Sahm

    >> worin unterscheidet sich aus Sicht des Christentums der Islam von Hare Krischna, Budhismus, Kommunismus, und sonstigen Heiden, Ketzern, Häratikern.<<

    Christlichen Gelehrten ist ja nun nicht entgangen, dass im Koran von Moses, Jesus und anderen Propheten der Juden und Christen die Rede ist. Die Ketzerei der Muslime besteht aus christlicher Sicht darin, dass Muslime die Dreieinigkeit ablehnen und die Gottessohnschaft Christi. Umgekehrt sieht es nicht anders aus. Das heißt, selbst bei nüchterner Betrachtung werden sich Christen und Muslime an diesem Punkt immer uneinig sein. Christliche Islamkritik äußert sich oft in der Behauptung, die Muslime würden nicht an den Gott der Christen glauben. Muslime weisen diesen Vorwurf regelmäßig zurück. Das Zweite Vatikanische Konzil erkannte in der Nostra Aetate aber an, dass die Muslime an den selben Gott der Juden und Christen glauben. Als Unterschied bleibt, dass Muslime Jesus nicht als Gott verehren, sondern „nur“ als Propheten. Wie gesagt: Das können beide Seiten so stehen lassen, denn für Muslime ist es eine Sünde anzunehmen, Gott hätte einen Sohn oder eine Mutter.

    >> Dass die Christen gegen alle Andersdenkenden waren, entspricht exakt der Weltanschauung des Islam, als Religion, die die alleinige Wahrheit besitzt (im großen Unterschied zum Judentum, dass seine Wahrheit für sich behält und sich von den “Gojim” halt abgrenzt, ohne sie überzeugen (missionieren) zu wollen.<<

    Sicher gibt es einen universalen Anspruch sowohl des Christentums als auch des Islams. In beiden Religionen gibt es den Glauben an ihre schlussendliche Sieghaftigkeit. Im Islam gibt es aber auch die Gelassenheit, dass Gott am Jüngsten Tag erklären wird, worüber sich Christen, Juden und Muslime uneins waren, und im Koran steht auch, dass alle die an Gott glauben (Juden, Christen,…) und Gutes tun, in den Himmel kommen. Da ist das Christentum wesentlich exklusiver in seinem Heilsweg, der nur über die Taufe geht.

    >> Doch mit dem Judentum verbindet sich bei Christentum etwa viel viel tieferes, geradezu ein vermeintlicher Konkurrenzkampf. <<

    Hm, das ist aber zumindest nicht beiderseitig, oder? Zur Judenmission gibt es kein jüdisches Gegenstück, keine jüdischen Bestrebungen, das Christentum irgendwie einzudämmen. Der zentrale Grund des Antisemitismus ist natürlich die Behauptung, die Juden würden das Christentum (alle Nichtjuden) bekämpfen müssen (von Natur aus). „Konkurrenz“ ist da der falsche Begriff.

    >> Die Wahrheit des Christentums ist nicht vollständig, solange es Juden gibt, die aus Sicht des Christentums “von Gott auserwählt sind. Dieses ist der schlimmste Knackpunkt in den Beziehungen zwischen Juden und Christen. Nch christlicher Auffassung verwickelt sich Gott da in einen unlösbaren Widerspruch. Wie kann es noch das “auserwählte Volk” geben, wenn doch Gott mit seinem eigenen Sohn “alle” (vor allem die Juden) erlöst hat. <<

    Man hat das Dilemma ganz einfach gelöst, indem die Juden nicht mehr das auserwählte Volk Gottes sind, sondern von Gott verflucht.

    >> Die Moslems haben vielleicht den falschen Glauben und falsche Propheten (falsche christliche Propheten wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder exkommuniziert) , aber “die” Juden haben das schlimmste denkbare Verbrechen begangen: Gottesmord. So etwas wird nicht einmal Moslems vorgeworfen. <<

    Das ist korrekt.

    >> Deshalb bewegte sich die Diskussion mit den Juden auf einer ganz anderen Ebene, weil sie eben das ureigene christliche Selbstverständnis traf, während die Moslems lediglich genauso schlimm sind wie alle anderen Heiden in der Welt und nur darauf warten, endlich bekehrt zu werden. Juden hingegen müssen zum eigenen christlichen Wohl umgebracht oder zwangskonvertiret, also letztlich abgeschafft werden. <<

    Zwangstaufen von Muslimen gab es aber auch, beispielsweise in der Reconquista, und die Forderung nach Assimilation der Muslime bedeutet unterschwellig nichts anderes, als dass sie das Christentum annehmen mögen, um vollwertige Mitbürger sein zu können.

    Aber es ist richtig, dass der Vernichtungswille gegenüber dem Judentum etwas anderes ist, als die Konkurrenz mit dem Islam auf Weltebene. Ich denke, so kann man es auf den Punkt bringen.

  10. Lieber Arne List,
    worin unterscheidet sich aus Sicht des Christentums  der Islam von Hare Krischna, Budhismus, Kommunismus, und sonstigen Heiden, Ketzern, Häratikern.
     
    Dass die Christen gegen alle Andersdenkenden waren, entspricht exakt der Weltanschauung des Islam, als Religion, die die alleinige Wahrheit besitzt (im großen Unterschied zum Judentum, dass seine Wahrheit für sich behält und sich von den „Gojim“ halt abgrenzt, ohne sie überzeugen (missionieren) zu wollen.
     
    Doch mit dem Judentum verbindet sich bei Christentum etwa viel viel tieferes, geradezu ein vermeintlicher Konkurrenzkampf. Die Wahrheit des Christentums ist nicht vollständig, solange es Juden gibt, die aus Sicht des Christentums „von Gott auserwählt sind. Dieses ist der schlimmste Knackpunkt in den Beziehungen zwischen Juden und Christen. Nch christlicher Auffassung verwickelt sich Gott da in einen unlösbaren Widerspruch. Wie kann es noch das „auserwählte Volk“ geben, wenn doch Gott mit seinem eigenen Sohn „alle“ (vor allem die Juden) erlöst hat. Die Moslems haben vielleicht den falschen Glauben und falsche Propheten (falsche christliche Propheten wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder exkommuniziert) , aber „die“ Juden haben das schlimmste denkbare Verbrechen begangen: Gottesmord. So etwas wird nicht einmal Moslems vorgeworfen.
     
    Deshalb bewegte sich die Diskussion mit den Juden auf einer ganz anderen Ebene, weil sie eben das ureigene christliche Selbstverständnis traf, während die Moslems lediglich genauso schlimm sind wie alle anderen Heiden in der Welt und nur darauf warten, endlich bekehrt zu werden. Juden hingegen müssen zum eigenen christlichen Wohl umgebracht oder zwangskonvertiret, also letztlich abgeschafft werden.

  11. Lieber Herr Sahm,
    Sie schreiben u.a.:
    >> Gleichwohl stellt der Islam theologisch keine Herausforderung für das Christentum dar, das Judentum jedoch ganz erheblich (Gottesmord, auserwähltes Volk, Gottesstrafe, „verstreut“ zu sein, und jetzt haben die Juden sogar einen eigenen Staat und herrschen in Jerusalem usw usw) <<
    Das stimmt einfach nicht. Die religiös motivierte Islamfeindschaft durchzieht die Kirchengeschichte seitdem der Islam nach Byzanz griff. Wichtige Topio des christlichen Antijudaismus sind:
    1. Mohammed ist ein falscher Prophet und der Antichrist
    2. Die Muslime sind Ketzer und sie verneinen die Gottessohnschaft Christi
    3. Muslime verleugnen den dreieinigen Gott
    Viele Eigenheiten des Islams treffen genauso auf das Judentum zu. Daher kann sich der Antiislamismus immer wieder aus dem Fundus des Antijudaismus bedienen. Seien es nun Speisegebote, der strenge Monotheismus (Ablehnung der Dreifaltigkeit), oder überhaupt das behauptete Gottesbild („strafender Gott vs. liebender Gott“).
    Natürlich gibt es einen gewichtigen Unterschied: Das Christentum baut auf dem Judentum auf. Jesus war ein Jude. Paulus entjudaisierte das Christentum usw. Der Islam wird daher von vielen Christen noch heute als eine ganz andere Religion wahrgenommen, während das Reden vom jüdisch-christlichen Erbe mittlerweile völlig normal ist. Auch der Antisemitismus war natürlich in gewisserweise antichristlich, wo er die jüdischen Wurzeln des Christentums bekämpfte.
    Nur: Aus muslimischer Sicht ist der Islam natürlich genauso auf dem Judentum begründet. Im Koran steht unzweideutig, dass Gott das Volk Israel aus Ägypten geführt hat, aber auch, dass Jesus der Messias ist. Natürlich wusste man schon zu Luthers Zeiten, was im Koran steht, und auch vom universalen Anspruch war der Islam immer ein Hauptkonkurrent des Christentums.
    to be continued…
     

  12. hi Jim,
    Ich sehe in der „Kritik“ der Kritik die Tendenz, Gegner mundtot zu machen, in dem mit dem Pauschalverdacht bzw. der Unterstellung „Antisemtismus“ gearbeitet wird.
    Die Kritik an jedweder politisch repressiv instrumentalisierten Religion (egal welcher) wendet sich an eben dies: ihre gesellschaftlich repressive, politische Instrumentalisierung.
    Wenn eine gesellschaftlich repressive, anti-aufklärerische Instrumentalisierung nicht kritisiert werden darf, sondern kurzschlussartig die Kritik an ihr in eins mit dem Antisemtismus gesetzt wird, kurz: wenn (religiöse) Ideologie und daran angeschlossene gesellschaftliche Praxis für „sakrosankt“ erklärt werden sollen, läuft etwas falsch, und zwar in einem Bereich, der für den Verstand nicht mehr einholbar ist.
    Jedwede Religion, die sich nicht mit ihrem gesitig-spirituellen Bereich begnügt, sondern zur gesellschaftlich totalen Praxis und deren einziger Anleitung ausufern will, bedeutet für die Bedingung  individueller und kollektiver Freiheit wenig Gutes.
    Mir scheint, darum ging es Uli Sahm, und wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat er meine Unterstützung.
    Herr Benz ist sicher kein Hetzer, aber das von Uli Sahm eingefügte Benz-Zitat „Die unterschwellig bis grobschlächtig praktizierte Diffamierung der Muslime als Gruppe durch so genannte “Islamkritiker” hat historische Parallelen“ gewinnt die vermeintliche Historizität der „Parallele“ aus der Dekontextualisierung der Erscheinungsformen.
    Sie arbeitet damit erkennbar einer „Kritik“ in die Hände, die ich auch weiterhin kritisieren werde, und zwar im selben Maße, in dem es dieser „Kritik“ der Kritik darum geht, Leute wie Broder oder Claudio Casals (oder, oder, und…) den Mund zu verbieten. Und in dem Maße, in dem dänische Comic-Zeichner sich mit ihrer Enkeltochter auf dem Klo verstecken müssen, weil in Irrer mit ner Axt bei ihnen zuhause Amok läuft. Letzteres würde ich „grobschlächtig“ nennen, sofern dieses Wort noch einen Sinn haben soll.
    Wirklich bizarr wird die „Kritik“ der Kritik vor dem Hintergrund des fast schon endemischen Anti-Judaismus derjenigen, die diese „Kritik“ betreiben.
    Jim, es sollte uns augenblicklich darum gehen, ein paar kluge Gedanken über die Zeit zu retten. Begriffloses Denken ist keines mehr, und Herr Benz leistet – ob gewollt oder ungewollt – einen nicht ganz unwesentlichen Beitrag dazu, nämlich zur inhaltlichen Aushöhlung der Begriffe, wenn er (Religions)-Kritik als antisemtisch zu tabuisieren versucht.
    Leider kann uns Adorno hier nicht helfen, denn von derlei wusste er noch nichts, oder?

  13. Gutmensch
    ד‘ בשבט ה’תש“ע (Januar 19th, 2010) at 11:14
    Peinlich, dass Hagalil diese Selbstmontage von Sahm veröffentlicht. Alleine, dass er, offenbar in Unkenntnis des Werks von Wolfgang Benz, unterstellt, dieser habe keine Ahnung vom kirchlichen Antijudaismus und Luther, so fällt dieser Vorwurf auf Sahm zurück, weil er wohl nicht weiß, dass die Islamfeindschaft bei Luther kanonisiert ist im Augsburger Bekenntnis. Neu ist da gar nichts. Luther fand die Juden allerdings noch schlimmer als die Türken (nachzulesen in “von den Juden und ihren Lügen”). Heutige Rechte finden die Türken schlimmer als die Juden. Na immerhin. Das Grundmuster der religiösen Feindschaft kann man aber gut vergleichen. In beiden Fällen wird versucht, die Minderheit als Angehörige eines satanischen Kults zu diffamieren. Sowohl Judentum als Islam wird von Antisemiten und Islamfeinden abgesprochen, eine Religion zu sein, und beiden wird unterstellt “Ungläubige” töten zu müssen.
     
    Lieber Gutmensch
    Ich kenne einige ausgezeichnete Werke von Benz, benutze sie kräftig, kenne auch Benz und habe infolge der Hetzschrift von Clemens Heni gegen Benz mit ihm telefoniert.
     
    Gleichwohl stellt der Islam theologisch keine Herausforderung für das Christentum dar, das Judentum jedoch ganz erheblich (Gottesmord, auserwähltes Volk, Gottesstrafe, „verstreut“ zu sein, und jetzt haben die Juden sogar einen eigenen Staat und herrschen in Jerusalem usw usw)
     
    Natürlich weiß ich, dass Benz auch Luther usw kennt. Nur in seinem Artikel in der SZ, und nur gegen den polemisiere ich, verwendete er eine nicht-relativierende und für mein Empfinden eine sehr gefährliche Formulierung: „Heinrich von Treitschke (1834 – 1896), renommierter deutscher Historiker und populärer Publizist, sah einst in seiner Überfremdungsangst Deutschland von Feinden umringt und durch mangelnde Bereitschaft der jüdischen Minderheit zur Assimilation im Inneren bedroht. Durch Autorität und Beredsamkeit verlieh er dem Antisemitismus Reputation und Schubkraft.“
     
    Als wenn es des Treitschke bedurfte, um dem Antisemitismus Reputation und Schubkraft zu verleihen. Hätte Benz geschrieben „schürte“ den längst als Judenhass seit Jahrhunderten tief verankerten Antisemitismus, oder so ähnlich, hätte ich nichts daran auszusetzen gehabt. Auch halte ich das nicht-relativierte Wort „Überfremdungsangst“ für problematisch. Und wenn Benz den Treitschke ohne Einschränkung als „renommiert“ bezeichnet, dann ist das wohl eine anständige Person, die für ihre Aussagen geachtet werden muss. Würde heute jemand den Titel „renommierter Staatsmann“ für gewisse berühmte Figuren des letzten Jahrhunderts verwenden? Wohl kaum. Wenn Benz geschrieben hätte „seinerzeit renommierten, aber heute umstrittenen“, hätte ich auch da nichts auszusetzen gehabt.
     
    „Heutige Rechte finden die Türken schlimmer als die Juden.“ Richtig, christliche wie muslimische und atheistische Türken, übrigens auch „Neger“ und „Schlitzaugen“ und sonstige Fremdlinge, nicht wegen ihres Glaubens, sondern wegen ihrer Hautfarbe, Fremdsprachen, fremden Sitten usw usw.

    „Das Grundmuster der religiösen Feindschaft kann man aber gut vergleichen.“ Ist die gewiss verbreitete Xenophobie wirklich eine „religiöse Feindschaft“ beim Islam?

    „Luther fand die Juden allerdings noch schlimmer als die Türken (nachzulesen in “von den Juden und ihren Lügen”)“ Ich habe wegen dieser Anmerkung soeben die 130 Seiten lange Ausgabe von Luthers Schrift quergelesen. Ich habe nur eine einzige Erwähnung gefunden, die vielleicht etwas mit dem Islam zu tun hätte: „Wenn ich nu gleich solches alles hette oder kündte jzt Türckischer Keiser oder der Messia, so die Jüden hoffen, selbs werden. Noch wolt ich lieber ein Saw werden.“ (Schreibweise des Originals) Wo sonst kommt in dem Buch der Islam vor?

    „Befremdlich auch, dass Sahm den Unterschied zwischen Judenemanzipation und Assimilation nicht kennt. Oder nicht weiß, dass das antisemitische Schlagwort von der Überfremdung auf die Juden aus Osteuropa zielte, die gleich nach der Machtergreifung abgeschoben wurden.“ Ach, das ist aber interessant. Also die meisten in Deutschland lebenden Juden, die anders als die Ostjuden von „du und ich“ kaum oder gar nicht zu unterscheiden waren, waren weder von den Vorwürfen des „Finanzjudentums“, „Wucher“ und sonstigen Verschwörungen betroffen? Der Antisemitismus galt nur den Ostjuden? Das ist aber eine sehr gewagte Behauptung, die ich noch nie gehört habe. Und H. Heine sah auch aus wie ein Ostjude, nicht-wahr? Oder meinetwegen Rathenau.

    Obgleich ich hier nicht zu Dingen Stellung beziehen will, die mit mir oder meinem Aufsatz nichts zu tun haben, eine Anmerkung zu:

    „Muss man, in der Zuspitzung, israelkritische oder antiisraelische Positionen vertreten, um nicht in Verdacht zu geraten “islamophob” zu sein?”

    Es mag verwundern, aber mir ist gerade in Israel keinerlei „Islamophobie“, Kritik am Islam oder ähnliches je begegnet. „Die Araber“ werden als Feinde gesehen, die man bekämpft und ähnliches, aber das wird in Israel keineswegs als religiöser Kampf oder eine Auseinandersetzung mit dem Islam gesehen. Was es aber sehr wohl gibt, sind hochgradig emotionale Vorbehalte gegen das Christentum.

    „Auch hat Benz keineswegs Judenhass und Islamkritik gleich gesetzt. Er hat sich bloß herausgenommen, auf tatsächlich bestehende Parallelen hinzuweisen.“

    Hass und Kritik sind nicht zu vergleichen. Sowohl historisch wie auch in der Auswirkung gibt es da fast nichts zu vergleichen. Das Konstrukt von Benz halte ich für völlig daneben. Der Judenhass hat viele uralte, theologische und ideologische Gründe. Die sogenannte „Islamkritik“ hingegen hängt wohl viel mehr mit akuten politischen Kriegserklärungen etwa von Bin Laden, mit dem 9.11., den Terroranschlägen in der ganzen Welt usw zusammen. Der Versuch, das alles mit Koransprüchen zu „erklären“ wirkt auf mich ziemlich künstlich und draufgesetzt.

    „Der Apostel Paulus, einer der Begründer des kirchlichen Antisemitismus, hat wenige Jahre nach Jesus’ Tod propagiert, dass das Christentum fortan keine dem Judentum entstammende Glaubensrichtung mehr sei, sondern das zwischen Juden und Christen nur noch getrennte Wege herrschen sollten.“

    Darüber habe ich mal lange mit einem guten Freund und Theologen diskutiert. Ich halte diese Aussage grundsätzlich für total falsch. Der Jude Paulus hat seinen Glaubensbrüdern in der Synagoge von Smyrna schlimme dinge an den Kopf geworfen, weil Paulus sie nicht von seiner neuen (jüdischen) Lehre überzeugen konnte. Zudem wandte sich das frühe Christentum auch den Heiden zu mit seiner „Heilslehre“. Erst die Kirchenväter machten aus den Predigten des Paulus eine pauschale antijüdische Lehre. Für Paulus waren das alles noch innerjüdische Diskussionen.

    „2001 stürzen schließlich in New York zwei Türme ein, CNN zeigt aus dem Zusammenhang gerissene Bilder jubelnder Palästinenser“

    Wieso „aus dem Zusammenhang gerissen“. Das waren die ersten spontanen Reaktionen. Arafat war es peinlich, sodass er „aus dem Zusammenhang gerissen“ vor CNN Kameras ganz schnell Blut spendete.

    „Die Gewalt der moslemischen Minderheit in Namen des Islams geht der schweigenden Mehrheit der Moslems am Allerwertigsten vorbei.“

    Leider keineswegs. Es gibt eben ein sehr großes Problem, dass ein Moslem, gleichgültig wie angesehen, es kaum wagen kann, offene Kritik an dieser Gewalt oder anderen Exzessen auszusprechen. Siehe Salman Ruschdie.

    „Sie wollen doch jetzt nicht allen ernstes behaupten, dass die Hamas Israel allen ernstes real bedrohen kann. Die alleinige Atommacht im nahen Osten. Knapp 600 000 Soldaten (inkl. Reservisten) bei einer Einwohnerzahl von 7.3mio. Modernste Kriegsgeräte. Bis auf die Zähne bewaffnet. Enorme Rüstungsausgaben. Wie soll die Hamas so Israel bedrohen? und noch wichtiger: Wie kann sich Israel bedroht fühlen?“

    jaja. Und falls die Hamas noch mal ein paar Raketen auf Israel abschießt, dann werden die Israelis eine Atombombe auf Gaza werfen. Oder?
    Mal auf die Landkarte geschaut?
    Und waren Sie schon mal in Israel, vor allem in der Zeit, als fast täglich ein Bus oder ein Restaurant in die Luft flog? Das kann den Staat als solchen nicht bedrohen, aber die beste Atombombe und auch die 600.000 Soldaten waren ziemlich machtlos gegen diesen Terror. Und die gesamte Bevölkerung war in Panik. Kein sehr angenehmes Gefühl…

    „Ich bin geradezu entsetzt über den unsachlichen Angriff gegen Prof. Benz und das Insitut für Antisemitismusforschung. Von Herrn Sahm, dessen Artikel und Beurteilungen für mich bisher sehr spannend und aufschlußreich waren, hätte ich ein solches Niveau der Auseinandersetzung mit einem rennomierten Wissenschaftler nicht erwartet.“

    Lieber Herr Nagel,

    Ich habe nicht Herrn Benz pauschal kritisiert sondern lediglich seinen Artikel in der SZ. Sie wollen mich doch wohl nicht zum Schweigen verdonnern, nur weil Professor Benz einen Artikel geschrieben hat, den ich mit vielen guten (oder Ihrer Meinung nach vielleicht auch schlechten) Argumenten erlaubt habe zu kritisieren. Ich bin von Benz sehr viel bessere Artikel gewöhnt.

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