Zwischen Nichtigkeit und Freude

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Kohelet, Kapitel 1 in der Biblia de Cervera (um 1300, Biblioteca Nacional de Portugal)

Warum wird das Buch Kohelet an Sukkot gelesen . Im Spiegel von achtzehn Weisen Israels und verschiedenen jüdischen Traditionen

Zusammengestellt von Ari Lipinski

Das Buch Kohelet wird in der Tradition König Salomo zugeschrieben. Er heißt „Kohelet“, weil er Weisheiten sammelte und das Volk lehrte. Die Schrift untersucht die Vergänglichkeit des Lebens und die Grenzen von Reichtum, Genuss und Weisheit. Sie schließt mit der Einsicht, dass die Bestimmung des Menschen in Gottesfurcht und im Halten seiner Gebote liegt.

Warum Kohelet an Sukkot gelesen wird

Für die Lesung des Buches an Sukkot werden mehrere maßgebliche rabbinische Begründungen angeführt. Rabbiner Elieser Melamed erläutert in Peninei Halacha, dass manche Aschkenasen Kohelet aus einer Pergamentrolle lesen und zuvor die Segenssprüche über die Megilla und Schehechejanu sprechen; so halten es auch Schüler des Gaon von Wilna. Die meisten Aschkenasen sprechen jedoch keinen Segen und bestehen nicht auf einer Pergamentrolle. Vgl. Rema, Orach Chajim 490,9; Mischna Berura 19; Peninei Halacha, Mo’adim II,10.

Nach aschkenasischem Brauch wird die Megilla im Schacharit-Gebet des Schabbats gelesen, der in das Sukkotfest fällt, und zwar vor der Toralesung. Die meisten sephardischen Gemeinden kennen keine feste öffentliche Kohelet-Lesung an Sukkot. Im jemenitischen Brauch wird ein Teil kurz vor dem Minchagebet am Schabbat und ein weiterer Teil am letzten Festtag gelesen.

Viele lesen Kohelet an Sukkot, weil man durch das Buch lernt, worin wirkliche Freude besteht. Diese Lehre ist nötig, denn der Mensch sucht Freude leicht in den Nichtigkeiten der Welt und meint, mehr Vermögen, größere Häuser, prächtige Kleidung, erlesene Speisen, gute Getränke, schöne Gärten und zahlreiche Bedienstete machten ihn glücklicher. All dies sind jedoch nur Mittel. Entscheidend sind seine geistige Haltung, sein Glaube und seine guten Eigenschaften. Wird der materielle Besitz zur Hauptsache, lässt er den Menschen sein Inneres und seine Werte vergessen, trennt ihn von seiner Lebensquelle und hinterlässt Leere statt Freude.

Darum geht es an Sukkot: Wir freuen uns wahrhaftig über die Ernte des Jahres, indem wir erkennen, dass alles Gesammelte aus Gottes Güte stammt. Sein hauptsächlicher Zweck ist, uns in Glauben und Sittlichkeit zu stärken und uns Wille und Fähigkeit zu geben, anderen Gutes zu tun und die Welt zu verbessern. Wenn wir das feste Haus verlassen und in die Sukka ziehen, eine vorübergehende Wohnung und zugleich einen Ort von Gebot und Heiligkeit, betrachten wir erneut die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Haus und Besitz sind Hilfsmittel zur Verwirklichung göttlicher Ideale.

Kohelet bringt dies zum Ausdruck: Weisheit, Reichtum, Schönheit und alle übrigen Vorzüge dieser Welt sind „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“; entscheidend bleibt: „Am Beschluss der Rede … fürchte Gott und hüte seine Gebote“ (Koh 12,13; beide deutschen Bibelfassungen im Anhang). Eine schöne Auslegung vergleicht „Nichtigkeit“ mit der Null und Gottesfurcht mit der Eins. Steht Gottesfurcht am Anfang und verbindet sich mit Weisheit, wird aus der hinzugefügten Null zehn, mit Reichtum hundert und mit Schönheit tausend. Fehlt jedoch die Eins am Anfang, bleiben alle Vorzüge Nullen ohne Wert. Diese Deutung wird Rabbiner Abraham Remer sel. A. zugeschrieben.

Kohelet lehrt ebenso, dass Freude ohne Gebot oder sittlichen Wert keine angemessene Freude ist: „Und zur Freude: Was tut die auf!“ (Koh 2,2). Dagegen heißt es über die Freude im Rahmen des Guten: „Und gerühmt habe ich die Freude … zu essen und zu trinken und sich zu freuen“ (Koh 8,15). Die Weisen sagten, die göttliche Gegenwart ruhe weder in Traurigkeit noch in Trägheit, Spott, Leichtsinn, Geschwätz oder nichtigen Dingen, sondern in der Freude an einem Gebot (Schabbat 30b).

Die Mischna Berura erklärt, Kohelet werde an Sukkot gelesen, weil dies „Tage der Freude“ seien, während Kohelet fragt, was die Freude bewirke. Das Buch unterscheidet zwischen flüchtiger materieller Freude und der echten Freude eines Gebots. Abudarham verbindet die Lesung mit „Gib einen Teil an sieben und auch an acht“ (Koh 11,2), einem Hinweis auf die sieben Tage von Sukkot und auf Schemini Azeret.

Der Sefat Emet schreibt ausdrücklich, Kohelet sei für diese Tage festgesetzt worden, „um alle Taten dieser Welt als nichtig zu erkennen und zu tadeln und zu verstehen, dass der Wille allein auf Tora und Gebote zu richten ist“. Kohelet hebt die Festfreude nicht auf. Es reinigt sie von der Abhängigkeit von Besitz und vergänglichem Erfolg und lenkt sie auf die Freude an Tora und Gebot.

Eine weitere Erklärung verbindet die Megilla mit der Sukka als vorübergehender Wohnung. Gerade am Erntefest, wenn der Mensch sich über Ertrag und Besitz freut, verlässt er sein festes Haus und lernt, dass materielle Güter zeitlich begrenzt sind. Kohelet ergänzt diese Botschaft mit „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ und endet bei der bleibenden Bestimmung: Gott zu fürchten und seine Gebote zu halten. Der Brauch ist vor allem aschkenasisch; in den meisten sephardischen Gemeinden wurde keine feste öffentliche Lesung eingeführt.

Die folgende Darstellung unterscheidet zwischen einem fortlaufenden Kommentar, einer homiletischen Auslegung einzelner Verse und einer bloßen Bezugnahme. Bei Raschi, Ibn Esra, Sforno, Sefat Emet und Maharal werden die Grundzüge der jeweiligen Methode, direkte Zitate und die Beziehung zu Sukkot herausgearbeitet. Wo kein eigener Kohelet-Kommentar nachweisbar ist, wird einem Autor keine Auslegung zugeschrieben, die er nicht verfasst hat.

1. Raschi – Fortlaufender Kommentar und gedankliche Nähe zu Sukkot

Quellenlage: Raschi kommentierte das gesamte Buch Kohelet. Sein Kommentar verbindet Wortsinn, rabbinischen Midrasch und ethische Belehrung. Er erklärt nicht ausdrücklich, warum Kohelet an Sukkot gelesen wird; deshalb muss zwischen seinem unmittelbaren Kommentar und einer daraus ableitbaren Beziehung zum Fest unterschieden werden.

Ziel der Megilla  Worte der Zurechtweisung

Raschi bestimmt gleich zu Beginn den Charakter des Buches. Das Wort „Worte“ zeige, dass es sich um Worte der Zurechtweisung und nicht nur um eine philosophische Beschreibung der Vergänglichkeit handle. Salomo schildert seine Erfahrungen mit Weisheit, Reichtum und Herrschaft, um davor zu warnen, zeitlich begrenzte Dinge zum absoluten Lebenszweck zu machen.

„Überall, wo es ‚Worte‘ heißt, sind damit Worte der Zurechtweisung gemeint.“

Den Namen „Kohelet“ erklärt Raschi damit, dass Salomo viele Weisheiten versammelt habe; nach einer weiteren Deutung sprach er seine Worte vor der versammelten Gemeinde. Kohelet ist damit sowohl Sammler von Weisheit als auch Lehrer, der vielen Menschen Mahnung vermittelt.

Nichtigkeit der Nichtigkeiten und die sieben Schöpfungstage

Zu „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ schreibt Raschi: „Sieben Nichtigkeiten entsprechend dem Werk der sieben Schöpfungstage.“ Das bedeutet nicht, das Werk des Schöpfers sei schlecht oder wertlos. Der weitere Kommentar zeigt: Nichtig ist menschliches Mühen, wenn es von Tora und Ziel getrennt wird, etwa die Jagd nach Geld, Ehre und Genuss, als könnten sie dem Menschen unvergänglichen Bestand verleihen.

Unter der Sonne und das Studium der Tora

Bei „Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne?“ (Koh 1,3) unterscheidet Raschi zwischen materiellem Mühen und dem Mühen um Tora: „unter der Sonne – anstelle der Tora, die Licht genannt wird“. Gefragt wird nicht, ob jede Tätigkeit wertlos sei, sondern welchen bleibenden Vorteil ein Mühen besitzt, das der Mensch an die Stelle der Tora setzt. Auch „nichts Neues unter der Sonne“ (Koh 1,9) bezieht Raschi nicht auf die Tora; wer lernt, entdeckt in ihr stets neue Bedeutungen.

Weisheit und ihre Grenzen

Zu „Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Verdruss“ (Koh 1,18) erklärt Raschi, Salomo habe sich auf seine Weisheit verlassen und gemeint, er könne viele Frauen und Pferde haben, ohne zu Fall zu kommen. Weisheit wird nicht verworfen. Doch Selbstvertrauen, das den Weisen über die Grenzen des Gebots stellt, kann die Weisheit zur Quelle des Scheiterns machen.

Freude und der Gebrauch des Vermögens

Raschi verwirft weder Essen und Trinken noch Reichtum und Freude. Er preist die Fähigkeit, mit seinem Anteil zufrieden zu sein und Vermögen für Wohltätigkeit zu nutzen. Über einen Menschen, den Gott nicht ermächtigt, seinen Reichtum zu genießen, erklärt er, ihm fehle die Fähigkeit, „mit seinem Anteil zufrieden zu sein und an seinem Reichtum Wohlgefallen zu finden“. Der Wert liegt nicht im Besitz selbst, sondern in seinem richtigen Gebrauch.

Der Schluss des Buches und die Beziehung zu Sukkot

Zu „Am Beschluss der Rede gibt sich als alles zu hören“ (Koh 12,13) erklärt Raschi: „Was du vermagst, tue, und richte dein Herz zum Himmel“; zu „denn dies ist der Mensch allzumal“: „Zu diesem Zweck wurde jeder Mensch erschaffen.“ Das Ergebnis ist nicht Weltflucht, sondern die Ausrichtung des irdischen Handelns auf Gottesfurcht. Raschi verbindet dies nicht ausdrücklich mit Sukkot. Gedanklich aber macht die Sukka die Vorläufigkeit von Besitz, Erfolg und Ansehen sichtbar. Festfreude bedeutet dann Zufriedenheit mit dem eigenen Anteil und den Gebrauch des Guten für ein Gebot.

Quellen: Raschi zu Kohelet 1,1–3.9.18; Kapitel 5–6; 12,13.

2. Abraham Ibn Esra – Ein fortlaufender sprachlich philosophischer Kommentar

Quellenlage: Ibn Esra kommentierte Kohelet vollständig. Er verbindet Grammatik, Naturkunde, Philosophie und Seelenlehre. Auch er gibt keine ausdrückliche Begründung des Sukkotbrauchs.

Ein einheitliches Buch und drei Kräfte im Menschen

Ibn Esra weist die Behauptung zurück, die Widersprüche des Buches gingen auf verschiedene Verfasser zurück. Die Weisen bemerkten die Spannungen, doch könne Salomo kein widersprüchliches Werk verfasst haben. Die Aussagen beziehen sich vielmehr auf verschiedene menschliche Zustände und Seelenkräfte. Ibn Esra unterscheidet die begehrende Seele, die Essen und Genuss sucht, den Geist, der Ehre und Herrschaft erstrebt, und die vernünftige Seele, die Weisheit und Wahrheit sucht. Aussagen über Freude, Zorn, Essen, Trauer und Weisheit gelten nicht immer derselben Kraft und Lage. Der Mensch soll seine Kräfte „auf gerechter Waage“ abwägen und jeder zur rechten Zeit ihren angemessenen Anteil geben.

Nichtigkeit und der Bereich der Zeit

Die Wiederholung „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ schließt für Ibn Esra den Gedanken aus, innerhalb der stofflichen Welt gebe es neben Vergänglichem auch etwas, das aus eigener Kraft dauerhaften Bestand habe. „Alles ist nichtig“ bezeichnet, was Zeit, Veränderung, Entstehen und Vergehen unterliegt; die vernünftige Seele und die sie läuternde Weisheit müssen darin nicht eingeschlossen sein. Da die Sonne Tage, Nächte, Jahreszeiten und Jahre messbar macht, bezeichnet „unter der Sonne“ den Bereich wechselnder Zeit. Dagegen kann die Suche nach Weisheit bleibenden Vorteil gewinnen, weil der Geist des Menschen nicht nur ein körperlicher Gegenstand unter der Sonne ist.

Naturkreislauf, Weisheit und Freude

Erde, Sonne, Wind und Wasser in Kapitel 1 beschreiben die Elemente und ihre Kreisläufe. Die Erde bleibt, die Sonne kehrt auf ihre Bahn zurück, der Wind kreist, und das Wasser kehrt als Dampf, Wolke und Regen wieder. Die aus den Elementen entstehenden Einzelwesen – Pflanzen, Tiere und Menschen – bestehen nicht dauerhaft. Ist schon der Mensch zeitlich, um wie viel mehr sein Besitz und seine äußeren Werke. Dennoch predigt Ibn Esra keine vollkommene Askese. Gemessener Genuss ist besser als zweckloses Horten; er ist aber nicht das Ziel. Herrscht die Begierde, wird die vernünftige Seele geschwächt. Führt die Weisheit die Kräfte maßvoll, erhebt sich der Mensch.

Beziehung zu Sukkot

Die Verbindung ist eine gedankliche Folgerung, keine ausdrückliche Aussage Ibn Esras. Die Sukka zeigt, dass Haus und Körper im Bereich von Zeit und Veränderung liegen. Das Erntefest bringt materiellen Überfluss; Kohelet warnt davor, darin einen dauerhaften Grund zu sehen. Die Freude wird nicht beseitigt, sondern begrenzt und ausgerichtet: Der Mensch nutzt materielle Güter, ohne seinen Eigenwert mit seinem Besitz gleichzusetzen.

Quellen: Ibn Esra zu Kohelet 1,1–9; Kapitel 7 und die Einleitung zur Auflösung der scheinbaren Widersprüche.

3. Nachmanides – Betrachtungen, aber kein allgemein anerkannter fortlaufender Kommentar

Von Nachmanides ist kein systematischer und allgemein anerkannter Kommentar zu Kohelet bekannt, wie wir ihn zu Tora und Ijob besitzen. In Schriften und Predigten, die ihm zugeschrieben werden, erscheinen Koheletverse im Zusammenhang mit Fortbestand der Seele, Grenzen menschlicher Erkenntnis, Tod und Vorbereitung auf die kommende Welt. Seiner Grundrichtung entspricht, dass die Nichtigkeiten der körperlichen Welt nicht Ziel des Menschen sind. Die Welt wird aber nicht verworfen: Das körperliche Leben ist der Ort, an dem Tora und Gebote erfüllt werden und die Seele sich auf die Bindung an den Schöpfer vorbereitet. Bei jeder Ausgabe ist gesondert zu prüfen, ob ein unter seinem Namen gedruckter Kohelettext tatsächlich von ihm stammt.

4. Rabbenu Bachja ben Ascher – Kohelet als ethische und philosophische Quelle

Soweit bekannt, hinterließ Rabbenu Bachja keinen fortlaufenden Kohelet-Kommentar. Er verwendet seine Verse jedoch häufig im Torakommentar und in Kad haKemach, besonders bei Reichtum, Freude, Tod, Umkehr, Gottesfurcht und Fortbestand der Seele. „Nichtigkeit“ bezeichnet die Vergänglichkeit von Besitz und Genuss, wenn sie Selbstzweck werden. Vermögen gewinnt dagegen Wert, wenn es Wohltätigkeit und Gottesdienst dient. Koh 12,13 ist der Schlüssel: Nach der Prüfung von Weisheit, Reichtum und Genuss bleiben Gottesfurcht und Erfüllung der Gebote.

5. Or haChajim – Kein eigener Kohelet Kommentar nachweisbar

Rabbi Chajim ben Attar schrieb im Rahmen von Rischon leZion Kommentare zu Teilen der Propheten und Schriften; in den üblichen Quellen findet sich jedoch kein systematischer Kommentar zum gesamten Kohelet. In seinem Torakommentar begegnen verwandte Gedanken: die Wertlosigkeit materiellen Erwerbs als Selbstzweck, die Gefahr der Begierde, die Vergänglichkeit des Lebens und die Aufgabe, weltliche Dinge zu Werkzeugen des Gottesdienstes zu machen. Ohne ausdrückliche Quelle dürfen sie nicht als sein unmittelbarer Kohelet-Kommentar dargestellt werden.

6. Sforno – Fortlaufender Kommentar zu Kohelet

Quellenlage: Sforno verfasste einen systematischen Kommentar. Er liest Kohelet als Suche nach einem Ziel, das der menschlichen Seele eine Vollkommenheit verleiht, die mit dem Körper nicht vergeht.

Ziel, Arbeit und Besitz

Sforno unterscheidet zeitweiligen Nutzen von seelischer Vollkommenheit. Reichtum, Herrschaft und Genuss sind nicht an sich schlecht. Sie werden „Nichtigkeit“, wenn der Mensch sein Leben in sie investiert, ohne durch sie ein sittliches und geistiges Ziel zu erreichen. Ein Gut außerhalb des Menschen kann seiner Seele aus sich selbst keine Vollkommenheit geben. Zu „Wenn das Gut sich mehrt, mehren sich, die es verzehren“ (Koh 5,10) erklärt er, der Reichtum vermehre die Zahl der Abhängigen und die Sorgen des Besitzers; diesem bleibe nur der Anblick. Auch die Gefahr, dass ein Tor die Arbeit des Weisen erbt, zeigt, dass Anhäufung kein ewiger Erfolg ist.

Angemessene Freude und Grenzen des Wissens

Die Freudenverse widersprechen nicht den Aussagen über Nichtigkeit. „Sich freuen und Gutes tun in seinem Leben“ (Koh 3,12) verbindet zwei Handlungen: das von Gott gegebene Gute dankbar anzunehmen und das Leben auf gutes Tun auszurichten. Gewünschte Freude ist nicht das Versinken im Genuss, sondern Dank und ausgewogener Gebrauch der Weltgaben. Der Mensch kann die Wege der Vorsehung nicht vollkommen erkennen. Mangelndes Verständnis beweist nicht das Fehlen von Ordnung oder Gericht, sondern die Begrenztheit des menschlichen Verstandes. Der Buchschluss weist auf eine Vollkommenheit, die nicht von vergänglichem Besitz abhängt.

Beziehung zu Sukkot

Sforno begründet den Lesebrauch nicht ausdrücklich. Aus seinem Kommentar ergibt sich: Am Erntefest sieht der Mensch den Ertrag seiner Arbeit und könnte darin die Quelle eigener Sicherheit erblicken. Die Sukka lehrt die Begrenztheit materieller Sicherheit; die Festfreude lehrt zugleich, die Welt nicht abzuweisen, sondern ihre Gaben anzunehmen. „Sich freuen und Gutes tun“ richtet die Freude auf Dank, Güte und Gebot.

Quellen: Sforno zu Kohelet 2; 3,12–13; 5,10; 12,13–14.

7. Sefat Emet – Ausdrückliche Predigten zu Kohelet und Sukkot

Quellenlage: Der Sefat Emet schrieb keinen Vers-für-Vers-Kommentar, behandelte die Kohelet-Lesung aber ausdrücklich in seinen Sukkotpredigten. In dieser Übersicht ist dies die unmittelbarste Quelle für die Verbindung zwischen Megilla und Fest.

Warum Kohelet in einer Zeit der Freude gelesen wird

Er schreibt: „Kohelet wurde für diese Tage festgesetzt, um alle Taten dieser Welt als nichtig zu erkennen und zu tadeln und zu verstehen, dass der Wille allein auf Tora und Gebote zu richten ist.“ Das Buch will die Festfreude nicht ersticken, sondern läutern. Bevor ein Mensch zur Freude eines Gebots gelangt, soll er sich aus der Abhängigkeit von Besitz, Ehre und Erfolg lösen. „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ verneint die Abhängigkeit von Weltlichem; die Sukka führt aus dem festen Haus; nach Aufhebung und Läuterung wird Freude an Tora und Gebot möglich, die nicht von wechselnden äußeren Bedingungen abhängt.

Weltlicher Hauch und heiliger Atem

Im Namen des Chidusche haRim überliefert der Sefat Emet, nach Rosch haSchana und Jom Kippur werde der „Atem ihres Mundes“ bei Israel von Sünde gereinigt, ähnlich dem Atem der Schulkinder. Das hebräische hevel besitzt damit zwei Seiten: den Hauch der Welt, also ein unbeständiges, von seiner Quelle getrenntes Leben, und den reinen Atem des Mundes in Gebet, Tora und Dank.

Sukka, Erntefest und Vorbereitung auf Simchat Tora

Die Sukka erinnert an die Wolken der Herrlichkeit und das Leben in der Wüste. Israel trat aus der natürlichen Ordnung heraus und stellte sich unter göttlichen Schutz. Ebenso verlässt der Bewohner der Sukka vorübergehend die vermeintliche Beständigkeit des Hauses und erkennt seine Abhängigkeit von Gottes Güte. Kohelet erschüttert die scheinbare Dauerhaftigkeit von Geld, Erfolg, Körper und menschlicher Weisheit, führt aber nicht zur Verzweiflung, sondern zur Beständigkeit von Tora und Gebot. Gerade nach der Ernte, wenn die Speicher voll sind, gebietet die Tora den Auszug in die Sukka. So verhindert Kohelet, dass Ernte zur Verehrung des Besitzes wird. Es bereitet die erneuerte Annahme der Tora, Schemini Azeret und Simchat Tora vor. Deshalb widerspricht die Lesung nicht der „Zeit unserer Freude“, sondern führt zu einer Freude, die von keinem äußeren Gegenstand abhängt.

Quelle: Sefat Emet, Predigten zu Sukkot, besonders zu „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ und zum Grund der Kohelet-Lesung.

8. Maharal von Prag – Betrachtungen zu Koheletversen

Quellenlage: Der Maharal schrieb keinen fortlaufenden Kohelet-Kommentar. Er erörtert Verse des Buches vor allem in Netivot Olam und Derech Chajim, gewöhnlich ohne den Sukkotbrauch ausdrücklich zu erklären.

Ein guter Name ist besser als gutes Öl

In Netiv Schem Tov behandelt der Maharal den Vergleich von Name und Öl aus Koh 7,1 und zitiert den Midrasch: „Gutes Öl gilt für seine Stunde, ein guter Name für immer.“ Öl steht für einen körperlichen, äußeren Vorzug: Es wirkt auf den Körper und verbreitet Duft, geht aber schließlich zu Ende. Der gute Name drückt die sittliche und geistige Gestalt aus, die der Mensch durch seine Taten erworben hat, und besteht deshalb nach seinem Tod fort. „Name“ meint nicht bloß Ansehen, sondern die Offenbarung des Wesens eines Menschen in der Welt.

Nichtigkeit, Stoff und Weisheit

In der Lehre des Maharal besitzt der Stoff aus sich keine Beständigkeit: Er verändert sich, teilt sich und vergeht. Das Geistige hat größere Einheit und Dauer. „Nichtigkeit“ muss daher nicht völlige Torheit bedeuten, sondern eine Wirklichkeit ohne selbständigen Bestand. Materieller Besitz bleibt außerhalb des Menschen und kann verloren gehen; gute Eigenschaft, Weisheit und Tora werden Teil seiner geistigen Gestalt. Der Maharal schätzt Weisheit, unterscheidet sie aber von Tora. Menschliche Weisheit erkennt Ordnungen der Welt, umfasst jedoch weder göttlichen Grund noch vollständiges Ziel. Das Wissen um ihre Grenzen führt zu Gottesfurcht; Weisheit, die die ganze Wirklichkeit beherrschen will, kann Hochmut werden.

Beziehung zu Sukkot

Die Beziehung ist gedanklich. Die Sukka ist ein vorläufiger materieller Bau, trägt aber gerade als solcher den Namen eines Gebots. Der Wert liegt nicht in der Stärke des Stoffes, sondern in der göttlichen Form und Bestimmung, die auf ihm ruhen. Auch der Überfluss der Ernte gewinnt seinen Wert im Rahmen von Dank, Freude und Gebot.

Quellen: Maharal, Netivot Olam, Netiv Schem Tov, Kapitel 1; Derech Chajim zu Ziel des Menschen und Verhältnis von Stoff und Form.

9. Chiskuni – Kein Werk zu Kohelet gefunden

Der Kommentar des Chiskuni gilt den fünf Büchern der Tora. Weder ein Kohelet-Kommentar noch eine systematische Predigtsammlung zum Buch ist bekannt. Möglicherweise führt er Koheletverse zu sprachlichen Vergleichen an; daraus lässt sich keine selbständige Auslegungsmethode zum Buch ableiten. In dieser Untersuchung ist er daher ausdrücklich als Autor zu nennen, von dem kein bedeutendes eigenes Koheletmaterial vorliegt.

10. Kli Jakar – Homiletische Verwendung von Koheletversen

Kli Jakar schrieb keinen fortlaufenden Kohelet-Kommentar, verwendet aber Verse im Torakommentar und in Predigten. „Ich sprach: Ich will weise werden, sie aber blieb mir fern“ (Koh 7,23) dient ihm bei Überlegungen über die Grenzen des menschlichen Verstandes, besonders bei göttlichen Satzungen wie der roten Kuh, deren Begründung verborgen bleibt. Wie Kohelet kritisiert er das Streben nach Geld, Ehre und Genuss. Reichtum ohne Wohltätigkeit und Verantwortung vertieft die Knechtschaft, statt Freude zu geben. Wahre Weisheit beginnt mit der Anerkennung menschlicher Grenzen und mit Gottesfurcht.

11. Isaak Abarbanel – Bibliographische Korrektur und Parallelen

Es liegt kein beglaubigter Kohelet-Kommentar Abarbanels vor. Daher darf man keine „Grundzüge seiner Auslegung zu Kohelet 1“ anführen. Seine erhaltenen Kommentare behandeln die Tora und andere biblische Bücher; sein Name in allgemeinen Menüs von Bibelseiten beweist keinen Kohelet-Kommentar.

Der Begriff Nichtigkeit im Genesis Kommentar

In seiner Auslegung von Kain, Abel und Set unterscheidet Abarbanel drei Lebensrichtungen: Kain steht für das Streben nach Besitz und materielle Arbeit; Abel für Ehre und einen nicht bestehenden Vorzug; Set für vernünftige und seelische Vollkommenheit, aus der die Welt aufgebaut wird. Set folgte nicht „der Nichtigkeit und der eingebildeten Ehre“, sondern „der vernünftigen Sache und der wahren, bestehenden Vollkommenheit der Seele“. Das beleuchtet den Gegensatz in Kohelet zwischen äußeren, vergehenden Erfolgen und einem Vorteil, der zur inneren Vollkommenheit gehört. Es ist jedoch kein Kommentar Abarbanels zu Kohelet 1.

Quellen: Abarbanel zu Genesis 4–5; zu seinen Werken die üblichen Werkverzeichnisse und Ausgaben seiner Kommentare zu Tora und Propheten.

12. HaKetav weHaKabbala – Kein eigenes Werk zu Kohelet

Rabbi Jakob Zwi Mecklenburg schrieb HaKetav weHaKabbala zur Tora. Ein fortlaufender Kohelet-Kommentar ist nicht nachgewiesen. Koheletverse können bei ihm als sprachliche oder gedankliche Belege erscheinen; daraus darf keine zusammenhängende „Kohelet-Auslegung“ konstruiert werden. Eine erweiterte Untersuchung sollte nur ausdrückliche Stellen behandeln, an denen er einen Koheletvers anführt und sprachlich erklärt.

13. Malbim – Auslegungen, aber die Werkfrage bleibt zu prüfen

In Malbims Bibelkommentaren finden sich Hinweise darauf, dass er Gedanken und Einheiten aus Kohelet auslegte. Das Gleichnis von der „kleinen Stadt mit wenigen Menschen“ (Koh 9,14) deutet er als Kampf zwischen Körper und Begierde auf der einen sowie Seele und Weisheit auf der anderen Seite: Der große König ist der Trieb mit den Körperkräften, der arme weise Mann die Weisheit, welche die Stadt, also den Menschen, rettet. Seine allgemeine Methode – scharfe Unterscheidung verwandter Wörter und Beachtung des Gesamtaufbaus – passt zu der Sicht, Kohelet prüfe das natürliche Menschenleben, decke seine Grenzen auf und führe zur Herrschaft von Weisheit und Gottesfurcht. In den geprüften Onlineausgaben wurde jedoch kein vollständiger, allgemein anerkannter fortlaufender Malbim-Kommentar zum ganzen Buch gefunden; eine sichere Behauptung verlangt weitere bibliographische Prüfung.

14. Naftali Zwi Jehuda Berlin – Punktuelle Verwendung von Koheletversen

HaEmek Davar ist ein Torakommentar, kein Kommentar zu Kohelet. Der Neziv verwendet Verse des Buches, um Weisheit, Handlung, Vorsehung und menschliche Verantwortung zu erklären. Seiner Lehre zufolge unterscheiden sich die Wege der Menschen; nicht eine einzige Form des Gottesdienstes passt für alle. „Für alles ist eine Zeit“ (Koh 3,1) und die Pflicht, alles „mit deiner Kraft“ zu tun (Koh 9,10), fügen sich in die Auffassung, jeder Mensch habe eine Aufgabe, eine Zeit und eine Begabung, die er im Rahmen der Tora verwirklichen soll. Ein Gesamtkommentar darf ihm nicht zugeschrieben werden.

15. Meschech Chochma – Gedankliche Zitate, kein Kohelet Kommentar

Rabbi Meir Simcha von Dwinsk verfasste keinen fortlaufenden Kohelet-Kommentar. In Meschech Chochma verwendet er Verse bei Fragen nach freiem Willen, menschlicher Natur, Weisheit, Lohn der Gebote und Lebenszweck. Der Vorzug des Menschen liegt bei ihm weder im materiellen Erfolg noch allein in abstrakter Erkenntnis, sondern im sittlichen Handeln und in der Erfüllung der Gebote innerhalb der Welt. Koh 12,13 passt daher zu seiner Betonung von Tat und Verantwortung; jede konkrete Aussage muss jedoch an der genauen Stelle belegt werden, an der er den Vers anführt.

16. Samson Raphael Hirsch – Verwandte Gedanken, kein fortlaufender Kommentar

Ein Kommentar Hirschs zum gesamten Kohelet ist nicht bekannt. In Kommentaren, Aufsätzen und Predigten erscheinen aber Gedanken, die der Hauptachse des Buches nahekommen: Die materielle Welt ist kein selbständiges Ziel, zugleich aber auch nichts, vor dem man fliehen soll. Sie ist ein Mittel, durch das der Mensch seine Pflicht vor Gott erfüllt. „Nichtigkeit“ muss daher keinen Pessimismus bedeuten. Reichtum, Genuss und menschliche Tätigkeit werden wertlos, wenn sie keiner sittlichen Aufgabe untergeordnet sind; dienen sie Tora, Familie, Recht und Güte, erhalten sie Sinn.

17. Abraham Isaak Kook – Kohelet zwischen Pessimismus und Heiligkeit

Rav Kook schrieb keinen fortlaufenden Kohelet-Kommentar. Seine Werke behandeln jedoch verwandte Fragen: das Gefühl der Nichtigkeit, die Schwäche des Willens, das Leid der Welt, die Suche nach Glück und die Möglichkeit, in einer zersplitterten Wirklichkeit göttliche Einheit zu entdecken. Das Gefühl „alles ist nichtig“ kann eine Stufe der Läuterung sein: Der Mensch erwacht aus der Illusion, Materialität allein könne ihn erfüllen. Er darf jedoch nicht in Verneinung und Verzweiflung verharren. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit soll zu Erhebung, Umkehr, höherer Freude und zur Wahrnehmung der ganzen Wirklichkeit als Teil göttlicher Einheit führen.

18. Der Lubawitscher Rebbe – Gespräche zu Kohelet, Sukkot und Menschenzweck

Der Rebbe schrieb keinen fortlaufenden Kommentar, behandelte Kohelet aber in Gesprächen über Sukkot, König Salomo und zentrale Verse. „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ ist für ihn weder Pessimismus noch Verwerfung der Schöpfung. Die Welt wird nichtig, wenn sie als selbständige Wirklichkeit aufgefasst wird; sie gewinnt Gewicht, wenn man sie für ein Gebot verwendet und aus ihr „eine Wohnung für Ihn, gelobt sei Er“, macht. Die Kohelet-Lesung in der Zeit unserer Freude enthält zwei einander ergänzende Bewegungen: Lösung aus der Abhängigkeit von materieller Beständigkeit, versinnbildlicht durch die vorübergehende Sukka, und Freude an den Geboten und an der Bindung an den Heiligen, gelobt sei Er. Koh 12,13 ist nicht nur das Ende, sondern die Folgerung, die allen Teilen des Buches Bedeutung verleiht.

Vergleichendes Ergebnis

Von den achtzehn behandelten Auslegern bieten Raschi, Ibn Esra und Sforno einen klaren fortlaufenden Kohelet-Kommentar. Sefat Emet und Maharal befassen sich ausführlich homiletisch oder gedanklich mit dem Buch. Rabbenu Bachja, Kli Jakar, Malbim, Neziv, Meschech Chochma, Rav Kook und der Lubawitscher Rebbe bieten bedeutsame Bezugnahmen, aber keinen fortlaufenden Kommentar. Bei Nachmanides, Or haChajim und Samson Raphael Hirsch ist das Material teilweise oder bedarf genauer Zuschreibungs- und Editionsprüfung. Bei Chiskuni, Abarbanel und HaKetav weHaKabbala wurde kein bedeutendes eigenes Koheletwerk gefunden.

Die gemeinsame Linie lautet: „Nichtigkeit“ ist keine Behauptung, die Schöpfung sei wertlos. Zurückgewiesen wird vielmehr der Versuch, absoluten Wert allein in Reichtum, Ehre, Genuss oder menschlicher Weisheit zu finden. Der Sinn des Lebens zeigt sich, wenn Freude und irdisches Handeln Gottesfurcht, Tora, Geboten und Güte untergeordnet werden.

Anhang: Bibelzitate in zwei deutschen Übersetzungen

Die Luthertexte folgen der Lutherbibel 2017. Die zweite Fassung folgt Martin Buber und Franz Rosenzweig, Die Schrift, Ausgabe 1929. Kürzere Bibelwendungen im Haupttext sind hier mit ihrem vollständigen Vers oder dem einschlägigen Versabschnitt wiedergegeben.

Kohelet 1,2

Luther 2017: Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.

Buber Rosenzweig: Dunst der Dünste, spricht Versammler, Dunst der Dünste, alles ist Dunst.

Kohelet 1,3

Luther 2017: Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?

Buber Rosenzweig: Welchen Vorteil hat der Mensch von all seiner Mühe, damit er sich abmüht unter der Sonne?

Kohelet 1,9

Luther 2017: Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.

Buber Rosenzweig: Was im Sein war, ist was sein wird, und was man tat, ist was man tun wird, keinerlei Neues unter der Sonne!

Kohelet 1,18

Luther 2017: Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer viel lernt, der muss viel leiden.

Buber Rosenzweig: Denn in einer Fülle von Weisheit ist Verdrusses die Fülle, und wer Kenntnis mehrt, mehrt Schmerz.

Kohelet 2,2

Luther 2017: Ich sprach zum Lachen: Du bist närrisch!, und zur Freude: Was machst du?

Buber Rosenzweig: Zum Lachen sprach ich: „Toll ists!“ und zur Freude: „Was tut die auf!“

Kohelet 3,1

Luther 2017: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.

Buber Rosenzweig: Für alles ist eine Zeit, eine Frist für alles Anliegen unter dem Himmel.

Kohelet 3,12–13

Luther 2017: Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Buber Rosenzweig: Ich habe zwar erkannt, daß unter ihnen kein Gut ist als sich zu freuen und sich gutzutun in seinem Leben, aber auch alljedem Menschen: daß er ißt und trinkt und Gutes besieht in all seinem Mühn, eine Gabe Gottes ists.

Kohelet 5,10

Luther 2017: Wo viel Gut ist, da sind viele, die es essen; und was hat der Besitzer mehr davon als das Nachsehen?

Buber Rosenzweig: Mit der Mehrung des Guts mehren sich, die es verzehren, und was gilt die Geschicklichkeit für seinen Besitzer, als daß es seine Augen besehen dürfen?

Kohelet 7,1

Luther 2017: Ein guter Ruf ist besser als gute Salbe und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt.

Buber Rosenzweig: Ein Name ist besser als gutes Salböl, und der Tag des Sterbens als der Tag der Geburt.

Kohelet 7,23

Luther 2017: Das alles hab ich versucht mit der Weisheit. Ich sprach: Ich will weise sein; sie blieb aber fern von mir.

Buber Rosenzweig: All dies habe ich um die Weisheit erprobt – ich hatte gesprochen: „Weise will ich werden“ –, aber sie ist mir fern.

Kohelet 8,15

Luther 2017: Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne als essen und trinken und fröhlich sein. Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne.

Buber Rosenzweig: Und gerühmt habe ich die Freude, weil kein Gutes für den Menschen ist unter der Sonne als zu essen und zu trinken und sich zu freuen, und das kann ihn begleiten bei seiner Müh, die Tage seines Lebens, die ihm Gott gegeben hat unter der Sonne.

Kohelet 9,10

Luther 2017: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit.

Buber Rosenzweig: Alles, was deine Hand zu tun findet, tu es mit deiner Kraft; denn kein Tun ist, noch Berechnung, noch Erkenntnis, noch Weisheit im Gruftreich, wohin du gehn mußt.

Kohelet 9,14–15

Luther 2017: Es war eine kleine Stadt, und wenig Leute waren darin; und es kam ein großer König und belagerte sie und baute große Bollwerke gegen sie. Und es fand sich darin ein armer, weiser Mann, der die Stadt hätte retten können durch seine Weisheit; aber kein Mensch dachte an diesen armen Mann.

Buber Rosenzweig: Eine kleine Stadt, wenig Leute darin, da kam ein großer König herzu, und umzingelte sie und baute wider sie große Bollwerke. Nun fand darin sich ein Mann, ein entbehrender Weiser, der hat mit seiner Weisheit die Stadt gerettet. Aber nicht gedachte ein Mensch jenes entbehrenden Mannes.

Kohelet 11,2

Luther 2017: Verteil es unter sieben oder unter acht; denn du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird.

Buber Rosenzweig: Gib einen Teil an sieben, ja, auch an acht, denn nicht weißt du, was für Böses auf der Erde wird.

Kohelet 12,13

Luther 2017: Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.

Buber Rosenzweig: Am Beschluß der Rede gibt sich als alles zu hören: Fürchte Gott und hüte seine Gebote, denn dies ist der Mensch allzumal.

Anmerkung zur Stellenangabe: Im hebräischen Ausgangsdokument war Koh 12,13 an einer Stelle als Koh 12,11 angegeben. Die vorliegende Fassung berichtigt den Nachweis.

Mit den besten Wünschen für ein gutes Jahr und frohe Festtage
Ari Lipinski

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