Die Jewish Monkeys auf Tournee in Deutschland – Ausgerechnet jetzt? Wie das?

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In einer Zeit, in der Israel in der öffentlichen Wahrnehmung fast ausschließlich mit Gaza, Kriegsverbrechen und moralischer Polarisierung verbunden wird – und in der sich viele Clubs und Veranstalter scheuen, israelische Künstler einzuladen – kommen die Jewish Monkeys Anfang Februar 2026 für vier Konzerte nach Deutschland.

Die wilde, witzige und provokative Rockband aus Tel Aviv, verwurzelt in der jiddischen Musiktradition, spielt am ersten Februarwochenende in vier deutschen Städten. Den Anstoß zur Tour gab eine Einladung von Professor Michael Braungart zu seiner Abschiedsveranstaltung an der Leuphana Universität Lüneburg. Der Gründer der Cradle-to-Cradle -Bewegung, ein international renommierter Vordenker der Umweltbewegung, ist keineswegs blind für das Leid, welches durch Israels Politik und militärisches Handeln verursacht wird. Er hält jedoch den kulturellen Boykott einer ganzen Gesellschaft – ihrer Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, ihres Humors und ihrer Fähigkeit zur Selbstkritik – für eine Sackgasse.

Die Jewish Monkeys kommen nicht mit dem Anspruch zu verteidigen oder zu rechtfertigen, sondern werden tun, was sie immer getan haben: Mit scharfen Texten unsere allzu menschliche neurotische, widersprüchliche und oft selbstzerstörerische Natur aufs Korn zu nehmen – besonders die der Männer, sich selbst eingeschlossen; mit von Klezmer-, Punkrock- und Balkan-Ekstase befeuerten Live-Konzerten.

Nach fünf Jahren Corona, Krieg und Depression kreierten sie erstmals wieder einen neuen Song, gleichzeitig Titel der Mini-Tour, „Meet Me In The Middle“, eine Verballhornung nicht weniger Männer, es sich in der eigenen Mittelmäßigkeit bequem zu machen. Satire ist Widerstand: gegen Extremismus, Reinheitsfantasien und moralische Selbstgewissheit. In dieser Zeit geradezu unüberwindlicher Meinungs- und Grabenkämpfe insistieren die Jewish Monkeys auf Ironie, Demut, Liebe, Lachen – und dem Recht mit ihren Widersprüchlichkeiten denen den Zerrspiegel vorzuhalten, die in Radikalität und Starrsinnigkeit gestrandet sind.

–> Hier geht’s zum neuen Song „Meet Me In The Middle“

Wer sich grundsätzlich gegen eine israelische Band auf einer europäischen Bühne sperrt, möge sich auf Instagram den Reel ihres Konzerts in Dresden aus dem Jahr 2015 anschauen, einem der großen Momente in ihrer Karriere, als sie vor einem enthusiastischen Publikum syrischer Geflüchteter mit der Punkrock-Version eines alten jiddischen Liedes begeisterten und für eine wohltuende kurze Ewigkeit das krankhafte Festhalten an feindseligen Identitäten dahinschmolz. 

 

 
 
 
 
 
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Die Jewish Monkeys haben auf europäischen Festivals gespielt, auf antifaschistischen Kundgebungen, in Flüchtlingslagern und im deutschen Fernsehen. Die meisten ihrer etwa 500 Gigs zwischen 2014 und 2020 fanden in Deutschland statt, vielleicht weil das hiesige Publikum instinktiv verspürte, wie sehr vor ihren Augen wieder jene jüdische Geist lebendig wurde, der einst liquidiert wurde. Maxim Biller schrieb einmal sinngemäß über sie, dass jiddischer Rock und Pop wohl in etwa so geklungen hätte, hätte der Holocaust nicht stattgefunden.

Wir sehen uns in der Konzerthalle. Zieht euch nicht zu warm an. Musikalische Ekstase fordert Schweiß und – Tränen.

Salaam und Shalom, möge sich die Dunkelheit irgendwann erhellen, im Sudan, im Iran, in Syrien, in Gaza und anderen Orten des Schreckens.

Termine:
6. Feb. Berlin, Säälchen
7. Feb. Schnega, South Central
8. Feb. Hamburg, Stellwerk
9. Feb. Lüneburg, Leuphana

–> https://www.jewishmonkeys.com/