Von 16. bis 31. Dezember 2025
Di., 16. Dez · 00:08-00:37 · 3sat
37°: Mein Freund, der Feind
Zwei Kriege beherrschen die Schlagzeilen: Gaza und Ukraine. Hass, Misstrauen und Sprachlosigkeit prägen das Klima auch hierzulande. Doch es gibt Menschen, die sich dem nicht beugen wollen. „37°“ erzählt von zwei Orten, an denen das scheinbar Unmögliche gelingt, wo Freundschaft statt Feindschaft gelebt wird: vom israelisch-palästinensischen Restaurant „Kanaa“ in Berlin und vom Box-Club 1932 Pirmasens, wo Ukrainer und Russen gemeinsam trainieren. Im „Kanaan“ arbeiten der Israeli Oz Ben David und der Palästinenser Jalil Dabit seit Jahren Seite an Seite. Ihr Restaurant gilt als Symbol für Verständigung und Koexistenz – „Peace by Hummus“. Doch seit dem Massaker der Hamas und dem Gazakrieg wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Oz, aufgewachsen in einer rechtsgerichteten Siedlerfamilie, und Jalil aus einer bekannten Hummus-Dynastie in Ramla, kämpfen mit ihren Ängsten und Verletzungen – und mit der Frage, ob ihr Projekt diese Zeiten übersteht. Im pfälzischen Pirmasens stehen sich junge Russen und Ukrainer im Kampf gegenüber – aber in aller Freundschaft. Der russischstämmige Vorsitzende des Boxvereins Vitali Litz leitet den Verein und trainiert gemeinsam mit dem ukrainischen Trainer Sergej Mermis die jugendlichen Boxer. Im Ring gilt nur eine Regel: Respekt. Keine Politik, keine Feindbilder. Hier kämpfen junge Männer aus Russland, der Ukraine, Polen, Syrien, Afghanistan und Deutschland Seite an Seite. Der Boxsport wird zum Symbol dafür, dass Menschlichkeit stärker ist als Herkunft. „Mein Freund, der Feind“ beobachtet, wie trotz großer Gegensätze und Verletzungen Vertrauen wächst, wie Wut und Trauer in Nähe umschlagen können – und wie schwer es ist, in Zeiten des Krieges Mensch zu bleiben. Ein Film über Mut, Hoffnung und die Kraft, Brücken zu bauen über alle Grenzen hinweg.
Mi., 17. Dez · 00:35-02:15 · arte
Armageddon – Evangelikale und die letzte Schlacht
Der Dokumentarfilm „Armageddon – Evangelikale und die letzte Schlacht“ wurde vor dem 7. Oktober 2023 gedreht. Er zeigt, wie einflussreiche evangelikale Pastoren zur „letzten Schlacht“ im Heiligen Land aufrufen, die ihrer Meinung nach die Wiederkunft Christi einleiten wird. Er enthüllt, wie vom Glauben getriebene Politiker Israel als Schlüssel zu ihrer prophetischen Vision über das Ende der Welt betrachten. Und welch verheerenden Einfluss diese Ideologie auf die amerikanische Außenpolitik hat. Der Investigativreporter Lee Fang untersucht, welche Folgen die finanzielle und politische Unterstützung radikaler evangelikaler Gruppen wie Christians United for Israel des Fernsehpredigers John Hagee für die US-Politik hat. Er interviewt den geistlichen Berater von Donald Trump, Dr. Robert Jeffress, dessen Predigten von über tausend Fernsehstationen in den USA und 28 weiteren Ländern übertragen werden. Fang spricht mit Abgeordneten und evangelikalen Senatoren über ihre Haltung zum Nahostkonflikt. Und Ex-Militärs berichten ihm über die Verstrickungen der US-Armee mit der evangelikalen Bewegung. Mit Gary Burd, der auf einem schweren Motorrad durch die amerikanische Provinz fährt, um zu predigen, erhält das Kamerateam Zugang zur evangelikalen Gemeinschaft. „Armageddon – Die letzte Schlacht“ deckt auf, wie evangelikale Christen die brisante Situation in Israel und Palästina immer wieder anheizen und damit zur Eskalation der Gewalt im Nahen Osten beitragen. Ein Film von erschreckender Aktualität.
Fr., 19. Dez · 03:25-03:40 · arte
Mit offenen Augen: Iran: KI, die neue Waffe im Krieg
Das im Juni 2025 auf Telegram veröffentlichte Video ist einer der bisher größten Medienflops im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Es zeigt, wie ein Tor des Evin-Gefängnisses nördlich von Teheran nach dem Einschlag einer israelischen Rakete explodiert. Bevor es als KI-generierter Fake entlarvt werden konnte, wurde das Video von beiden Lagern aufgegriffen und in den internationalen Medien verbreitet. Emmanuelle Saliba, Spezialistin für Cybersicherheit, erläutert, dass man KI-generierte Bilder zwar nach wie vor erkennen könne, dass der Umgang mit ihnen aber ausgesprochen kompliziert sei. Der Historiker Fabrice d’Almeida erklärt, dass die Verwendung von Falschinformationen in Kriegen alles andere als neu ist.
Sa., 20. Dez · 05:05-06:00 · arte
Mark Rothko – Bilder müssen geheimnisvoll sein
Mark Rothko gilt als einer der großen Künstler des 20. Jahrhunderts. Er sah seine Aufgabe darin, mit abstrakter Malerei die Tragik des Menschseins darzustellen. Er wollte sich in keine Schubladen stecken lassen und erklärte daher, seine Kunst sei keineswegs abstrakt, sondern „materiell“. Seine Malerei sei eine Ideen- und keine Farbenmalerei, und die Sinnlichkeit spiele in seinem Schaffen eine wesentliche Rolle. Die Dokumentation fängt den Geist des modernen Malers ein und erläutert seinen anspruchsvollen Blickwinkel zwischen Abstraktion und Sinnlichkeit. Marcus Rothkowitz wurde 1903 in Dwinsk, dem heute lettischen Daugavpils, geboren. Anders als seine Geschwister wurde er im jüdischen Glauben erzogen. Die Familie Rothkowitz sah sich aufgrund der zunehmenden antijüdischen Pogrome gezwungen in die USA auszuwandern. Marcus erreichte New York 1913 mit einem Auswandererschiff und reiste weiter nach Portland. Eine traumatische Erfahrung für ein Kind. Trotz glänzender Leistungen brach er 1923 sein Studium an der Yale University in New Haven ab und ging nach New York, um Malunterricht zu nehmen. 1938 wurde er amerikanischer Staatsbürger, zwei Jahre später änderte er seinen Namen in Mark Rothko. Mit 35 begann seine Karriere als Maler. Er engagierte sich zusammen mit großen Künstlern wie Pollock, Motherwell oder Clyfford Still in der künstlerischen Avantgarde. Die nordamerikanische Malerei sicherte sich mit dem abstrakten Expressionismus einen Platz in der internationalen Kunstszene. Dennoch äußerte sich in Rothkos Europareisen eine starke Verbundenheit mit dem alten Kontinent – insbesondere mit der italienischen Kunst. Rothko war der Auffassung, die abstrakte Malerei müsse auf die Welt einwirken und Ideen vermitteln. Sein Sohn Christopher Rothko, Carol Mancusi-Ungaro (die Restauratorin der 14 schwarzen Gemälde in der Rothko-Kapelle in Houston) und der Chemiker Philippe Walter betonen in der Dokumentation die besondere Bedeutung der Farbherstellung – denn die „Materialität“ der Farben weckt Gefühle im Betrachter. Rothko setzte seine Werke wie ein Regisseur in Szene: Die Bilder sollten relativ tief hängen, das Licht musste gedämpft sein. So wollte der Maler ein Ambiente schaffen, das die Farben nach und nach zur Geltung bringt. Die Dokumentation vermittelt nicht nur Wissen über den Künstler und seine Werke, sondern macht Rothkos sinnliche Ästhetik greifbar.
So., 21. Dez · 03:30-03:45 · arte
Geschichte schreiben: Der gelbe Stern, Symbol der Ausgrenzung
Der „Gelbe Stern“ steht heute wie kaum ein anderes Symbol für die Ausgrenzung, Verfolgung, und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland in den Jahren 1933 bis 1945. Der gelbe Stern wurde im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten als Zwangskennzeichen für Personen eingeführt, die nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 im Sinne des „Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ (Nürnberger Gesetze) als Juden definiert worden waren. Das Kennzeichen wurde am 1. September 1941 mit der „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ beschlossen und ermöglichte, seine TrägerInnen für die damals beginnenden planmäßigen Deportationen in die von den Nationalsozialisten eingerichteten Ghettos und Vernichtungslager zu identifizieren. Der gelbe Stern wurde als „Judenstern“ zur sichtbaren Maßnahme der Durchführung des Holocausts. Der Geschichte eines so unheilvollen Symbols nachzugehen, erfordert eine methodisch präzise Recherche, will man Ausmaß und Systematik gänzlich erfassen. Die auf die Sozialgeschichte des Holocaust spezialisierte französische Historikerin Claire Zalc zeigt anhand von Archivmaterial, Bildern und Zeitzeugenberichten, wie Menschen zur Verfolgung und Vernichtung bestimmt wurden, aber auch, wie die Verfolgten das Bewusstsein für diese unrechtmäßige Stigmatisierung weitergaben, zuweilen bis über den eigenen Tod hinaus.
So., 21. Dez · 07:30-07:45 · MDR
Chemnitzer Köpfe – Jüdisch in Chemnitz
Die deutsch-jüdische Künstlerin Nirit Sommerfeld kehrt zurück in die Heimat ihrer Familie. Am früheren Antonplatz 15 im Zentrum von Chemnitz lebten und arbeiteten einst Sommerfelds Großeltern – Opa Julius betrieb hier einen Tuchhandel. Die Nationalsozialisten vertrieben die Familie, Julius wurde 1940 im KZ Sachsenhausen ermordet. Heute befindet auf dem Grundstück nur noch ein Parkplatz. Doch das will Nirit Sommerfeld ändern: Zur Kulturhauptstadt 2025 möchte sie am Antonplatz einen Kunst- und Kulturpavillon errichten. Dafür hat die Münchnerin Chemnitz zu ihrer zweiten Heimat gemacht. Gerade ist sie in eine kleine Wohnung am Sonnenberg gezogen. „Meine Familie hat verhalten darauf reagiert, dass ich nach Chemnitz ziehen wollte. Die Stadt ist bei uns nicht sehr positiv besetzt“, sagt Sommerfeld. Die Nationalsozialisten enteigneten das Haus der Sommerfelds, vom Antonplatz 15 aus wurden Chemnitzer Juden in die Vernichtungslager deportiert. In den 1990er Jahren besuchte Nirit Sommerfeld Chemnitz erstmals mit ihren Töchtern – kalt und abweisend sei die Stadt da gewesen. Das hat sich mittlerweile geändert: „Ich habe noch in keiner deutschen Stadt gelebt, in der man so leicht mit Leuten in Kontakt kommt“, sagt Sommerfeld. Ob bei der Eröffnung der Tage der Jüdischen Kultur oder bei einer Stolpersteinverlegung mit den „Buntmacher*innen“: Nirit Sommerfeld lernt eine Stadt kennen, in der engagierte Menschen das jüdische Erbe von Chemnitz sichtbar machen und wiederbeleben. „Ich wünsche mir, dass die Antonplatz-Geschichte künftig für jede Geschichte von Vertreibung und Ausgrenzung stehen wird“, sagt Sommerfeld. Wenn Sie an den Platz komme, empfinde sie Wehmut und Traurigkeit. „Aber auch Aufbruch – ich blicke einer Zukunft entgegen.“
So., 21. Dez · 07:45-08:30 · MDR
Lauren Leiderman and the Görlitz Family – Neue Spuren von Anne Frank
Die junge US-Amerikanerin Lauren Leiderman lebt gemeinsam mit ihrem Mann und zwei Kindern seit 2019 in Görlitz. Sie hat es geschafft, eine ganze Stadt in Bewegung zu bringen. Wie ist ihr das gelungen? Was hat sie getan? Sie forschte zur jüdischen Geschichte. Dabei stieß sie mit Hilfe des Yad Vashem Instituts in Jerusalem auf ein Foto, das eine Lawine ins Rollen brachte. Es zeigt die junge Görlitzerin Eva Goldberg, Susanne Ledermann und Anne Frank. Durch Recherchen beim Holocaust Museum New York entdeckte Lauren Leiderman außerdem das Poesiealbum der kleinen Eva Goldberg. Dieses erzählt die Flucht der damals Neunjährigen aus Görlitz in die USA. Neben vielen Eintragungen von Verwandten und Schulkameradinnen enthält es auch ein Foto und Worte ihrer Freundin Anne Frank. Das Album wurde zum Dreh- und Angelpunkt für Lauren Leidermans weltweite Recherchen. Es gelang ihr, über 120 Nachkommen ausfindig zu machen und diese miteinander zu verbinden – durch soziale Medien und persönliche Treffen anlässlich jüdischer Gedenkwochen, bei Stolpersteinlegungen und Schulprojekten. Alle gemeinsam sind sie nun The Görlitz Family. Als Lauren Leiderman ihre Recherchen anstellte, konnte sie nicht ahnen, wie schnell und dramatisch sich die Situation in Israel verändern würde. Aktuell erleben die Nachkommen der Görlitzer Juden, dass ihre Häuser von Bomben getroffen werden und sie durch den Krieg im Nahen Osten in ihrer Existenz bedroht sind.
So., 21. Dez · 11:00-11:30 · BR
Vom Hinterhof ins Licht – Die Synagoge Reichenbachstraße
Die Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße ist ein Ort, der nahezu in Vergessenheit geraten war. Lange stand sie leer, verfiel, in einem Hinterhof. Doch nun kehrt neues Leben in die Räume ein. Im September 2025 wurde die „Wiedergeburt“ mit vielen Prominenten, unter anderen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und dem weltberühmten Pianisten Igor Levit, groß gefeiert. Die Synagoge, 1931 nach den Plänen des Architekten Gustav Meyerstein errichtet, galt einst als architektonisches Juwel des Bauhausstils. Im Holocaust wurde der Innenraum schwer beschädigt, doch die Synagoge blieb stehen, weil die Gefahr, dass der Brand, der in der Pogromnacht gelegt wurde, auf die Nachbarhäuser übergreifen würde, die Feuerwehr veranlasste, den Brand zu löschen. Nach Kriegsende wurde das Gebäude saniert und die Israelitische Kultusgemeinde hatte lange ihren Sitz hier. Doch seit diese 2007 an den St.-Jakobs-Platz gezogen war, stand das Gotteshaus leer. Der Zahn der Zeit nagte an dem einzigartigen Gebäude – bis die Münchnerin Rachel Salamander seinen baufälligen Zustand entdeckte und beschloss, das Bauhaus-Juwel in seinen originären Zustand rückbauen zu lassen. Nach Jahren der Auseinandersetzung mit Bauämtern und Behörden, nach einem kostspieligen Umbau, zu dem Staat, Freistaat und die Stadt München Zuschüsse gaben, steht nun mitten in der Stadt ein Kultur- und Bildungszentrum, das jüdisches Leben in der Gegenwart wieder sichtbar macht.
So., 21. Dez · 12:10-12:25 · Das Erste (ARD)
Jüdische Akzentsendung – Die „Jüdische Allgemeine“ und das Lichterfest
Am 14. Dezember entzünden viele Jüdinnen und Juden die erste Kerze am Chanukka-Leuchter: Das achttägige Lichterfest beginnt. Ein Thema auch für die Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Seit 1948 ist sie eine wichtige Stimme jüdischen Lebens in Deutschland. Die Kamera begleitet das Team um Chefredakteur Philipp Peyman Engel bei der Vorbereitung der Chanukka-Ausgabe und blickt hinter die Kulissen. Am Abend des 14. Dezember entzünden viele Jüdinnen und Juden die erste Kerze am Chanukka-Leuchter: Das achttägige Lichterfest beginnt. Es erinnert an die Befreiung von hellenistischer Herrschaft und die Wiedereinweihung des Tempels im zweiten Jahrhundert v. Chr. in Jerusalem. Chanukka ist auch ein Thema für die „Jüdische Allgemeine“. Die Kamera begleitet Journalist:innen der Wochenzeitung bei der Recherche für die Chanukka-Ausgabe. Seit 1948 ist die Zeitung eine wichtige Stimme jüdischen Lebens in Deutschland. Chefredakteur Philipp Peyman Engel und sein Redaktions- und Autor:innen-Team berichten über Politik, Kultur, Gesellschaft, Religion und jüdisches Brauchtum. Dabei wird deutlich, welche Bedeutung die Zeitung als Forum jüdischer Perspektiven und als Stimme gegen Antisemitismus hat. Eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zeitung ist die Digitalisierung – das Blatt gibt es noch als gedruckte Zeitung, zugleich ist sie täglich aktualisiert online im Netz abrufbar.
Mo., 22. Dez · 08:00-08:15 · ARD-alpha
Klassiker der Weltliteratur: Jorge Luis Borges – „Fiktionen“ und „Das Aleph“
Der argentinische Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Luis Borges gilt als Begründer des magischen Realismus. Obgleich er ohne Zweifel zu den einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts gehört, hat er den Nobelpreis für Literatur nie erhalten. Jorge Luis Borges wurde 1899 in Buenos Aires geboren und starb 1986 in Genf. Borges entstammte einer finanziell recht gut gestellten Familie von Literaturbegeisterten. Die Familie hatte Vorfahren in Spanien, in Lateinamerika und in Großbritannien, der junge Jorge wuchs zweisprachig auf. Als junger Mann gründete er gemeinsam mit Freunden die literarische Zeitschrift Sur. Dichter ohne Sehkraft Jorge litt an einer erblichen Sehschwäche. Der Vater von Jorge Luis zog mit der Familie 1914 von Buenos Aires nach Genf, um sich einer Reihe von Augenoperationen zu unterziehen. Dort studierte der Sohn Deutsch, Latein und Französisch. Jorge selbst begann 1950 zu erblinden, 1955 verlor er vollends die Sehkraft. Im gleichen Jahr wurde er Direktor der Argentinischen Nationalbibliothek und lobte in einem Gedicht „Gottes glänzende Ironie“, ihm gleichzeitig fast eine Million Bücher „und die Dunkelheit“ geschenkt zu haben. Ein Bücherbesessener In seinen Erzählungen bediente er sich der jüdischen Kabbala, den Sagen aus Skandinavien, der metaphysische Literatur aus dem Mittelalter, den Schriften der chinesischen Daoisten und Quellen der aztekischen Vergangenheit. Borges war ein Meister der raffinierten Anspielungen, des trickreichen Wechselns von Erzählperspektiven und von Handlungsebenen. Borges galt als Begründer des magischen Realismus: In die reale Welt seiner Erzählungen, Gedichte und Essays bricht plötzlich das phantastische Element ein. „Das Aleph“ – ein Punkt im Universum Ein Bibliothekar, der seine Freundin verloren hat, besucht regelmäßig das Haus der Verstorbenen, um ihr Andenken zu bewahren. Bei einem dieser Besuche trifft er dort auf deren Cousin, einen Dichter von zweifelhafter Qualität aber großen Ambitionen. Eines Tages erzählt der Dichter dem Bibliothekar, dass das Haus seiner früheren Freundin abgerissen werden soll. Für ihn, den Dichter sei das besonders bedrohlich, denn im Keller des Gebäudes befinde sich seine wesentliche Inspirationsquelle, das Aleph. Das Aleph steht für einen Punkt im Raum, der alle möglichen Punkte der Welt in sich enthält. Bibliothekar von Weltrang Der einflussreiche Literat Jorge Luis Borges wurde doppelt unsterblich: einmal als Schriftsteller von Weltrang, auf den sich später die französischen Poststrukturalisten bezogen. Ein weiteres Mal in Umberto Ecos Roman „Im Namen der Rose“, in dem er als blinder Bibliothekar Jorge von Burgos mit seiner Bibliothek auftaucht.
Di., 23. Dez · 06:55-07:25 · HR
Feiertag! Sengelmann sucht Chanukka
Das Jahresende bei uns ist geprägt von christlichen Feiertagen und Festen. Aber auch Juden feiern in dieser „dunklen“ Zeit ein wichtiges Fest: Chanukka, das jüdische Lichterfest. Unser Jahresende ist geprägt von christlichen Feiertagen und Festen: Nikolaus, Advent, Weihnachten. Aber auch die Juden feiern in dieser Zeit ein wichtiges Fest: Chanukka, das jüdische Lichterfest. Bei uns ist es kaum bekannt, wenngleich auch schon ein überdimensionaler Kerzenständer vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgestellt und von Vertretern der jüdischen Gemeinde entzündet wurde. Doch was steckt hinter Chanukka? Reporter Julian Sengelmann macht sich auf die Suche – in Norddeutschland ebenso wie in Jerusalem. Er wird dabei viel erfahren über den jüdischen Glauben und jüdisches Leben in Deutschland. Sein Weg führt Julian Sengelmann nach Jerusalem. Dort erlebt er, wie man Chanukka feiert und woher das Fest eigentlich stammt. Bei diesem Fest gedenken die Juden der Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem, erfährt er vom Rabbi der Klagemauer. Auch in Deutschland feiern Juden das Lichterfest , meist zu Hause als Familienfest. Julian darf mit einer Familie feiern und dabei mehr über die Traditionen, die mit diesem Fest verbunden sind, erfahren. Julian fährt auch nach Hannover – in die Schule der jüdischen Gemeinde. Hier erfährt er von den Kindern und Jugendlichen, was man alles lernen muss, um ein „guter Jude“ zu werden. 613 Gesetze haben strenggläubige Juden zu befolgen. Sie beeinflussen und gestalten das gesamte Alltagsleben. Was das konkret heißt, erfährt Julian von Eliyah Havemann. Der Sohn von Liedermacher Wolf Biermann ist vor einigen Jahren zum Judentum konvertiert und lebt inzwischen in Tel Aviv, um seinen Glauben besser praktizieren zu können. Julian trifft Havemann in seiner Heimatstadt Hamburg, begleitet ihn einen Tag. Havemann berichtet von den Herausforderungen und Veränderungen nach seiner Entscheidung für den jüdischen Glauben. In einer Großküche in Berne, nördlich von Hamburg, zeigt ein jüdischer Koch Julian, wie man koscheres Essen zubereitet. Dabei sind viele Dinge zu beachten: Bestimmte Tiere dürfen nicht gegessen werden, Lebensmittel werden nach milchigen und fleischigen Produkten getrennt und ein Rabbi muss die Produktion des Essens überwachen. Schließlich will Julian noch mehr über das jüdische Leben und die jüdische Kultur in Deutschland erfahren: Er besucht ein Konzert der „3 Kantoren“, ein Trio aus Berlin, das Texte auf Hebräisch und Jiddisch präsentiert, und spricht mit ihnen über typisch jüdische Musik und jüdischen Humor.
Mo., 29. Dez · 02:30-03:15 · arte
Little Bird (1/6)
Long Pine Reservat, 1968: Die fünfjährige Bezhig vom indigenen Volk der Ojibwe lebt mit ihrer Familie in einfachen Verhältnissen in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Während ihr Vater und ihr großer Bruder auf der Jagd sind, streift Bezhig mit ihrem Zwillingsbruder durch die Prärie. Als ihr Bruder ein vorbeifahrendes Polizeiauto mit einem Stein bewirft, alarmiert die Streife das Jugendamt und setzt damit eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang. Bezhigs Mutter, die erfolglos versucht, die kleine Schwester der beiden zu verstecken, sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Sie vernachlässige und misshandele die Kinder und sei nicht in der Lage, sie angemessen zu versorgen. Trotz ihrer verzweifelten Proteste werden die drei Kinder der Mutter entrissen und in ein Heim gebracht. 18 Jahre später: Bezhig, die inzwischen Esther Rosenblum heißt, feiert ihre Verlobung. Sie ist auf dem Weg, Anwältin zu werden, und ihr Partner David ist ein Arzt aus einer angesehenen jüdischen Familie. Ein anscheinend perfektes Leben, doch Bezhig hat sich der jüdischen Community Montréals, in der sie nach ihrer Zwangsadoption aufgewachsen ist, nie wirklich zugehörig gefühlt. Auch ihre Schwiegermutter in spe lässt sie immer wieder spüren, dass sie nicht „eine von ihnen“ ist. Nach einer erniedrigenden Konfrontation mit den Vorurteilen der Familie ihres Verlobten verlässt Esther abrupt die Feier. Als sie in ihrem Bett liegt, kommen fragmentarische Erinnerungen an ihre frühe Kindheit in ihr hoch …
Mo., 29. Dez · 03:15-04:10 · arte
Little Bird (2/6)
Als die angehende Anwältin Esther ihre Adoptionspapiere findet, aus denen ersichtlich wird, dass sie früher Bezhig hieß und leibliche Geschwister hat, packt sie kurz entschlossen ihren Koffer und macht sich auf den Weg nach Saskatchewan, um mehr über die Umstände ihrer Adoption zu erfahren und ihre indigene Herkunftsfamilie zu finden. Doch die Suche gestaltet sich äußerst schwierig. Esthers Informationen sind spärlich und sowohl die Behörden als auch die Privatpersonen, bei denen sie vorstellig wird, reagieren distanziert. Der Fall sei Verschlusssache, heißt es beim Jugendamt, eine Kontaktaufnahme unmöglich. Doch Esther bleibt hartnäckig und findet heraus, dass ihre kleine Schwester Dora, die ebenfalls adoptiert wurde, in Regina lebt. Sie muss an Dora herankommen, koste es, was es wolle …
Mo., 29. Dez · 20:15-21:50 · One
Jeder stirbt für sich allein
Berlin 1940, Jablonskistraße 55. Die Hausgemeinschaft bildet einen Querschnitt der Bevölkerung der Zeit. Ein Blockwart, eine versteckte Jüdin, ein ehemaliger Richter, ein Denunziant, ein Kleinkrimineller, ein Hitlerjunge, eine Briefträgerin und das Arbeiterehepaar Anna und Otto Quangel. Angst in allen Facetten ist das bestimmende Gefühl dieser Zeit. Durch einen Schicksalsschlag getroffen, beschließt das Ehepaar Quangel, etwas zu tun. Auf der Suche nach Gerechtigkeit kämpfen sie mit klaren Botschaften auf schlichten Postkarten gegen Hitler. Kommissar Escherich kommt ihnen auf die Spur, die Gestapo drängt auf Ergebnisse. Der scheinbar aussichtslose gemeinsame Kampf gegen das Böse lässt Otto und Anna nach Jahren der Einsamkeit wieder zueinander finden und wird nicht nur deshalb am Ende nicht umsonst gewesen sein.
Di., 30. Dez · 01:15-01:55 · arte
Little Bird (3/6)
Der letzte Strohhalm, an den sich Bezhig klammert, sind der neue Name und die Meldeadresse ihrer Schwester Dora, die sie von der Polizei erhält. Doras beachtliches Vorstrafenregister verheißt allerdings nichts Gutes. Tatsächlich erhält Bezhig in einer heruntergekommenen Wohnsiedlung erstmals konkrete Hinweise, wo sie die junge Frau finden kann. Wird es zu dem ersehnten Treffen kommen?
Di., 30. Dez · 01:55-02:45 · arte
Little Bird (4/6)
Nachdem sie ihre Schwester Dora gefunden und sich wenig später mit ihr überworfen hat, gleicht Esthers Leben einem Wechselbad der Gefühle. Die junge Frau indigenen Ursprungs fährt immer tiefer in die Prärie Saskatchewans hinein, ohne genau zu wissen, wohin sie eigentlich will. Während sie die Landschaft auf sich wirken lässt, kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Ihre leibliche Familie, der sie im Alter von fünf Jahren gewaltsam entrissen wurde, scheint zum Greifen nahe. Doch in Esthers Freude mischt sich auch die bittere Erkenntnis, dass es für manches Wiedersehen zu spät ist. Am nächsten Tag fliegt Esther nach Montréal zurück. Doch die Reise und die tief bewegenden Begegnungen haben Spuren hinterlassen, die sie von David und ihrem alten Leben entfremden. Zu Hause angekommen, konfrontiert Esther auch ihre Adoptivmutter Golda mit der Wahrheit über ihre Adoption.
Mi., 31. Dez · 02:15-03:00 · arte
Little Bird (5/6)
Esther kehrt zurück zu ihrem älteren Bruder Leo, der als einziges der vier Geschwister Little Bird bei den Großeltern im Reservat aufgewachsen ist. Doch je weiter sie ihre Spurensuche führt, desto mehr traumatische Erinnerungen werden geweckt. Die junge Frau ist entschlossen, die ganze Wahrheit über ihre Geschichte herauszufinden. Dank ihrer verzweifelten Hartnäckigkeit schafft sie es schließlich, den Namen und die Adresse der Adoptivfamilie ihres Zwillingsbruders Niizh zu erfahren – des Menschen, der ihr in der frühen Kindheit so nahestand wie kaum ein anderer. Esther stellt entsetzt fest, in welch lieblosem Umfeld er im Gegensatz zu ihr aufwachsen musste. Als wenig später ein Schicksalsschlag die Familie trifft, erkennt sie, dass sie auch ihre Adoptivmutter Golda dringend an ihrer Seite braucht …
Mi., 31. Dez · 03:00-03:41 · arte
Little Bird (6/6)
Als Esther am Morgen nach dem tragischen Tod ihres Zwillingsbruders aufwacht, brennt bereits das heilige Feuer für Niizh. Leo führt sie in den Brauch ihrer Ahnen ein und Esther erlebt tief bewegt, dass sie nun Teil zweier Gemeinschaften ist: der jüdischen und der des Volkes der Ojibwe. Sie wird zur Mittlerin zwischen den Welten, als sie ihrer Adoptivmutter Golda das Totenritual erklärt. Unterdessen meldet sich der Lebensgefährte von Esthers jüngerer Schwester Dora, die sie hochschwanger in der Stadt Regina kennengelernt hatte, und überbringt die Nachricht von der Geburt des Kindes. Doch über die junge Familie droht das gleiche Unheil hereinzubrechen wie 1968 über die Little Birds. Das Trauma der Vergangenheit ist plötzlich auch Teil der Gegenwart. Esther begreift, dass Minderheiten wie die First Nations rechtlichen Beistand gegen Staatswillkür brauchen. Könnte das eine Aufgabe für sie als angehende Rechtsanwältin sein? Zumal Golda ihr erzählt, sie habe Berichte gefunden, die bestätigen, dass der willkürliche Entzug der Little-Bird-Kinder kein Einzelfall war, sondern Teil eines grausamen Systems. Sie bestärkt Esther alias Bezhig darin, ihren Weg zu gehen …



