Anti-Israel-Protestcamp vor der Kölner Uni

0
919
Palästina-Versammlung vor der Universität Köln, rechts mit Fahne der Freien Syrischen Armee, Foto: Moritz Pieczewski-Freimuth

Seit Tagen stören propalästinensische Demonstranten den Vorlesungsablauf in den Vereinigten Staaten. Mittlerweile kommt es zu Nachahmungen in Europa, vornehmlich in Frankreich, Großbritannien und nun auch Deutschland. Besonders hervorgetreten sind die Eskalationen an den Campi in New York, Los Angeles und St. Louis. Studenten errichteten Protestcamps, blockierten Juden den Zutritt zur Universität, lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei, besetzten Hörsäle und beschmierten eine George Washington-Statue mit Hamas-nahen Symbolen.

Von Moritz Pieczewski-Freimuth
Der Beitrag erschien auch bei: ruhrbarone.de

Die Vorfälle lösten eine Kettenreaktion bis nach Deutschland aus. Am vergangenen Freitag riefen in Köln die Gruppen „students for palestine“ und „voice for Gaza“ zur Versammlung in Anlehnung an die globalen antizionistischen Uni-Proteste auf. Das Motto der Kundgebung lautete „nie wieder ist jetzt, und zwar für alle“. In dem Aufruf wird Deutschland die Beteiligung an einem mutmaßlichen „Völkermord“ in Gaza unterstellt. Recherchen zufolge planten die propalästinensischen Aktivisten ein Protestlager mit Zelten auf der Rasenfläche vor der Universität zu Köln zu errichten.

Bereits die Veranstaltungswerbung vermittelte einen Vorgeschmack davon, was die Universität inhaltlich am Freitagabend und in Zukunft erwarten soll. Das „nie wieder“ als Lehre aus der Shoah wurde instrumentalisiert, um gegenwärtigen antisemitischen Mördern einen Persilschein zu verpassen. Mit dem flankierenden „Völkermord“-Vorwurf an Israel wird die Täter-Opfer-Umkehr abgerundet und ein Anschluss an die postkoloniale Szene bemüht.

Etwa 200 propalästinensische Demonstranten folgten der Einladung. Auch ein israelsolidarischer Gegenprotest formierte sich mit rund 30 Teilnehmern. Mehrere Mannschaftswagen der Polizei begleiteten die Veranstaltung. Auf Hinweis der Israel-Freunde kontrollierten die Beamten das Demo-Material der palästinensischen Seite nach Zelten und verbotenen Fahnen oder Spruchbändern. Das anfangs sorgfältige Durchgreifen der Polizei ebbte am Ende der Veranstaltung ab, sodass die Palästina-Szene doch noch die Platzbesetzung realisierte. Laut einem Redner der Israel-Versammlung sähe die Universitätsleitung Köln keine Handhabe, weil die Uni-Wiese städtisches Gelände sei.

Dem Erscheinungsbild der Palästina-Zusammenkunft nach zu urteilen, rekrutierten sich die Demonstranten aus muslimischen und linksalternativen Milieus. Bemerkenswert war die Gleichzeitigkeit von Burka-Trägerinnen und bunten Queer-Aktivisten. Sprechchöre wurden auf Deutsch, Englisch und vereinzelt auf Arabisch (übersetzt: Gaza lebt!) skandiert. Vermutlich riefen die Palästina-Apologeten aus rechtlichen Bedenken meist „palestine will be free“ ohne das explizit genozidale Vorstück „from the river to the sea“ mitzusingen. Ihre Vorliebe für Vernichtungsantisemitismus hielten sie jedoch nicht zurück. So verschickten die Israelfeinde mit dem Ausspruch „Jemen, Jemen make us proud, turn another ship around“ eine direkte Solidaritätsadresse an die radikalislamische, iran-finanzierte Huthi-Miliz, die bereits im Slogan „Tod Amerika, Tod Israel, Fluch gegen die Juden und Sieg für den Islam“ trägt. Das tolerierte Mitführen einer Fahne von der Freien Syrischen Armee (FSA) unterstrich die Sympathie der Demonstranten mit islamistischen Freischärlern. Einst galt die FSA als Hoffnungsträger im Syrienkrieg, später entwickelte sie sich zu einer Ansammlung von jihadistischen Söldnern, die an der Seite Erdoğans gegen die Kurden kämpfen.

Nach etlichen Parolen, die mit kollektiver Leidenschaft vorgetragenen wurden, rief ein propalästinensischer Redner zum öffentlichen Gebet auf. Circa 30 muslimische Teilnehmer lösten sich aus der Menschenansammlung, breiteten ihre Palästinensertücher auf dem Rasen als Gebetsteppiche aus und verrichteten präzise nach Mann und Frau separiert das Gebet.

Geschlechtergetrenntes Gebet im Zuge der Palästina-Kundgebung Foto: Moritz Pieczewski-Freimuth

Auf der Seite des proisraelischen Gegenprotestes entstand Entsetzen über diese Dominanzgeste im städtischen Raum. Vereinzelte Zwischenrufe kritisierten die Kumpanei der selbsternannten Palästina-Freunde mit der Islamischen Republik Iran und wiesen auf die Parallelen zwischen Islamismus und Faschismus hin. Das erzürnte prompt eine linke Teilnehmerin der Palästina-Demo. Nach einem kurzen Wortgefecht über Religion- und Islamkritik deeskalierte die Situation.

Dann passierten dicht aufeinander gefolgt zwei Angriffe auf die israelsolidarische Versammlung. In Gefolgschaft von einem Kamerateam näherten sich drei junge Männer der proisraelischen Seite. Einer von ihnen holte ein rotes Dreieck hervor und streckte dies in die Richtung der israelfreundlichen und jüdischen Teilnehmer. Eine harmlos wirkende Aktion, die es jedoch in sich hat. Das Symbol ist dem Nationalsozialismus entlehnt und diente damals wie heute der Ausmachung von Feinden, die dem Tod freigegeben werden. Kommunistische Häftlinge wurden damit in Konzentrationslagern markiert. Weltweit benutzen heute Hamas-Anhänger das Symbol zur Kennzeichnung von jüdischen und israelischen Einzelpersonen oder Institutionen, die zum Abschuss bereitstehen. In Berlin traf die Markierung zuletzt den Technoklub „about blank“, nachdem er sich gegen linken Antisemitismus ausgesprochen hat. Gegenüber Bild erklärt der Psychologe Ahmad Mansour damals den Charakter des Codes: „Das Dreieck wurde seit dem Hamas-Terror vom 7. Oktober in Videos benutzt, um Israelis zu markieren, die kurz danach angegriffen werden. Das ist hochmilitärisch und hochterroristisch. Es erinnert sehr stark an Videospiele, funktioniert deswegen gut. Sie versuchen, ihre ,Heldentaten‘ mit Jugendkultur-Elementen zu verherrlichen und das ist eines davon.“ Kölner Israel-Aktivisten merkten an, dass es sich hierbei nicht um die erste Drohung mit dem roten Winkel handelte.

Links im Bild der Hamas-Sympathisant mit rotem Dreieck, im Hintergrund die Fotografen; Foto: Moritz Pieczewski-Freimuth

Einsatzkräfte der Polizei griffen auf Anraten der Israelfreunde ein und nahmen eine Anzeige wegen Bedrohung auf. Dutzende Palästina-Demoteilnehmer solidarisierten sich mit dem beschuldigten Hamas-Verbündeten und lieferten sich kurzfristig Reibereien mit der Polizei. Im Schatten des Tumults marschierte dann ein linker Israelfeind in die Gegenkundgebung und entriss eine israelische Fahne, womit er schließlich davonlief. Der Täter stürzte beim Fluchtversuch und die Fahne konnte zurückerlangt werden. Die Polizei ermittelt wegen Raub. Die betroffene Dame berichtete, dass ihr seit dem 7. Oktober die dritte Israelfahne von Judenfeinden gewaltsam aus den Händen gerissen wurde.

Nachdem um 22:00 Uhr der Palästina-Protest beendet war, kamen erneut Aktivisten hervor und errichteten unangemeldet ein Camp. Derweil, Stand 4. Mai 14:45 Uhr, besetzen fünf Zelte und 20 Personen aus der Palästina-Szene die Grünfläche vor der Universität. Aus der Versammlung heraus wurden bereits drei Menschen antisemitisch beleidigt und bedrängt, so der Anmelder der Pro-Israel-Kundgebung. Das Protestcamp sei nun nachträglich bis Sonntag 20:00 Uhr angemeldet worden. Die „students for palestine“ kündigten an, länger bleiben zu wollen.

Ein Sprecher der proisraelischen Demonstration warnte, dass der Lernort Universität nicht zum Angstraum für Juden werden dürfe. Die Universitätsleitung solle ihren konsequenten Kurs mit Israelfeinden, zum Beispiel während des Besuchs vom israelischen Botschafter Ron Prosor oder angesichts der Ausladung der BDS-nahen Wissenschaftlerin Nancy Fraser, weiter fortführen und deutliche Signale an die Protestcamper senden. Abschließend mahnte ein Sprecher der „Deutsch Israelischen Gesellschaft“ Köln, dass die Universität kein „safe space für Antisemiten ist und bleibt“. Der ebenfalls israelsolidarische Verein „Cityofhope cologne e.V.“ rügt die Polizei Köln für ihr laschen Vorgehen.