Israel seit dem 7. Oktober – ein Blick von innen

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Kibbutz Beeri, Foto: Kobi Gideon / Government Press Office of Israel / CC BY-SA 3.0

Vortrag und Diskussion mit Oliver Vrankovic – eine Veranstaltung der Hamburger Initiative gegen Antisemitismus

15. April 2024, 20 Uhr, Einlass 19.30 Uhr, Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, Hamburg

Das Massaker vom 7. Oktober 2023 hat Israel als materiellen Schutzraum für Jüdinnen und Juden nachhaltig erschüttert. Die Bewohner*innen Israels sind mit den Auswirkungen des Angriffs alltäglich konfrontiert und die näheren Zukunftsaussichten angesichts der Bedrohung von allen Seiten düster. Die brutale Zäsur erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem sich die verschiedenen Lager des innerisraelischen Kulturkampfs so unversöhnlich gegenüberstanden wie selten zuvor, und verpflichtete die Bevölkerung in den darauffolgenden Monaten zum geschlossenen Zusammenhalt.

Oliver Vrankovic wird in seinem Vortrag darlegen, wie sich der 7. Oktober und die ungewisse Zukunft auf die israelische Psyche niedergeschlagen hat und was dies für israelsolidarische Menschen konkret bedeutet, die schockiert sind von der nicht nur hierzulande festzustellenden allgemeinen Kälte in den Reaktionen auf die am 7. Oktober begangenen Gräueltaten. Anschließend an den Vortrag gibt es die Möglichkeit zur Diskussion sowie dazu, Fragen zur aktuellen politischen Situation in Israel zu stellen.

Oliver Vrankovic lebt und arbeitet seit 17 Jahren in Israel, betreibt den Kichererbsenblog und ist Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Stuttgart.

Hamburger Initiative gegen Antisemitismus
https://initiative-gegen-antisemitismus.blogspot.com/

Stellungnahme zur Veranstaltung:

Am vergangenen Mittwoch, fünf Tage vor der geplanten Veranstaltung mit Oliver Vrankovic, hat uns das Flora-Plenum unerwartet die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten entzogen. Wie die Flora in ihrem Statement begründete, ging es hierbei um Postings des Referenten, die von Seiten der Flora als „menschenverachtend“ eingestuft wurden, was allerdings inhaltlich nicht weiter ausgeführt wurde.
Mit dieser Entscheidung verhindern die vertretenen Flora-Gruppen jeglichen Diskurs. Sie formulieren keine genuine Kritik, sondern beschränken sich darauf, reflexhaft auf (by the way: gelöschte) Bilder zu reagieren. Einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Referenten, die darüber hinausgehen würde, verweigern sie sich.

Mit dieser Aktion sollte eine israelische, antisemitismuskritische Stimme zum Schweigen gebracht werden. Das ist besonders zu bedauern, da unsere Veranstaltung „Israel seit dem 7. Oktober“ einen Blick auf die vom Terror der Hamas betroffene israelische Gesellschaft werfen möchte und damit eine Perspektive auf den Konflikt eröffnen will, die bisher wenig bis gar keine Repräsentation im öffentlichen und insbesondere im linken Diskurs eingenommen hat. Diese Perspektive wurde nun aus der Flora verbannt – von einem Ort, an dem sie offenbar dringend notwendig wäre.

Die handelnden Gruppen haben mit der Absage dem Druck der erstarkenden antizionistischen Agitatoren nachgegeben. Wir verstehen dies auch als eine Entsolidarisierung mit den vom antisemitischen Terror betroffenen Israelis.
In Zeiten, in denen Jüdinnen und Juden nirgends mehr sicher sein können, in denen die Stimmung gegen Israel als weltweit einzigem jüdischen Schutzraum immer weiter kippt, in denen die Bedrohung insbesondere durch Staaten wie die Islamische Republik Iran immer größer wird, in Zeiten, in denen es ausgerechnet Linke sind, die als eine antisemitische Avantgarde gegen den einzigen jüdischen Staat hetzen und die Liste der Feinde Israels immer länger wird, kurzum: In Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder mehrheitsfähig ist, darf das eigene politische Handeln nicht darauf ausgelegt sein, von möglichst vielen Menschen gemocht zu werden.
Die Diffamierungskampagne gegen Vrankovic lehnen wir entschieden ab. Die Bezeichnung „menschenverachtend“ wird hier leichtfertig eingesetzt und relativiert die Bedeutung des Wortes.

Dieses opportunistische, unsolidarische Verhalten ist für uns keine Überraschung. Enttäuscht über die kurzfristige Absage für eine bereits lange feststehende Veranstaltung sind wir trotzdem. Die betreffenden Gruppen fordern wir auf, sich deutlich zu positionieren.

Hamburger Initiative gegen Antisemitismus, 14. April 2024