Erklärung zur Rabbinerordination

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Ordination in Dresden 2006, Foto: © Tobias Barniske

Am 26. Februar 2024 veröffentlichte Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R. eine „Gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Liberalen und Konservativen Rabbinerausbildung in Deutschland“.

In der Erklärung wird behauptet, „dass die Jüdische Gemeinde zu Berlin nur die wirtschaftliche Trägerin des Abraham Geiger Kollegs ist und als solche einer Rabbinatsausbildungsstätte kein Ordinationsrecht verleihen kann, das Anerkennung und Akzeptanz innerhalb der organisierten jüdischen Religionsgemeinschaft in Deutschland findet. Damit verfügt das Abraham Geiger Kolleg in seiner jetzigen Struktur mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin – im Gegensatz zur neuen Stiftung – über kein tragbares Ordinationsrecht.“ Weiters wird behauptet, dass das Fehlen des ‚Ordinationsrechts‘ „vonseiten der Allgemeine Rabbinerkonferenz bestätigt wird“.

Wir, Mitglieder der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK), treten entschieden gegen diese falsche und irreführende Behauptung des Zentralrats auf.

Weder der Zentralrat noch die ARK ist dazu berechtigt, dem Abraham Geiger Kolleg das Ordinationsrecht zu verleihen oder zu versagen. Die Akkreditierung sowie das daraus resultierende ‚Ordinationsrecht‘ wird weltweit jedem liberalen Rabbinerseminar einzig und allein von der Central Conference of American Rabbis verliehen. CCAR ist der größte, älteste und führende Rabbinerverband der Welt, seine Akkreditierung der Rabbinerordinationen wird von der World Union for Progressive Judaism anerkannt. Die CCAR-Akkreditierung des Kollegs ist in Kraft und wird nicht in Frage gestellt. Dies wurde erst in dieser Woche erneut von European Union for Progressive Judaism sowie CCAR offiziell bestätigt. 

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz ist ein Gesprächsforum der in Deutschland tätigen Rabbinerinnen und Rabbinern, sie vertritt keine bestimmte Strömung des Judentums, in ihrer Machtbefugnis ist sie keine jüdische Entsprechung der Katholischen Bischofskonferenz. Die Verleihung des Ordinationsrechts gehört nicht zu ihren satzungsgemäßen Aufgaben. Selbst die Frage der Art der Ordination der ARK Mitglieder ist nicht Teil der ARK Aufnahmebedingungen.

Vor diesem Hintergrund waren wir überrascht und entsetzt, dass die Vorsitzende der ARK, Frau Rabbinerin Prof. Dr. Elisa Klapheck, im Alleingang, ohne Rücksprache mit dem Vorstand, genauso mit der gesamten Konferenz, die falsche und irreführende Erklärung des Zentralrats unterstützte. Diese Vorgehensweise der Vorsitzenden ist weder ethisch noch rechtlich unbedenklich. Wir fordern Frau Rabbinerin Prof. Dr. Elisa Klapheck auf, unverzüglich zurückzutreten und den Weg für Neuwahlen freizumachen. Wir plädieren für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Vorfall innerhalb der Rabbinerkonferenz.

Wir wehren uns entschieden gegen die unzulässige Einmischung des Zentralrats in die Frage der Gültigkeit der Rabbinerordination. Es ist nicht verwunderlich, dass sich der Zentralrat in keiner Weise öffentlich äußert über die Struktur oder die Anerkennung der Ordination des orthodoxen Rabbinerseminars zu Berlin e.V., das sich in Trägerschaft keiner als K.d.ö.R. organisierten Religionsgemeinschaft befindet.

Die Entscheidung des Zentralrats, eine religionsgemeinschaftliche Stiftung zu gründen und das Abraham Geiger Kolleg in diese Struktur zu zwingen, bedauern wir zutiefst. In den vergangenen Monaten haben viele Menschen große Anstrengungen unternommen, um das Klima am Kolleg nach den Wirren der letzten Zeit zu verbessern und das Kolleg auf eine positive Zukunft auszurichten. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin K.d.ö.R. unternahm im Austausch mit der European Union for Progressive Judaism Schritte, um eine neue transparente Struktur für das Kolleg zu etablieren. Mit seinen Bemühungen, eine unabhängige rabbinische Ausbildungsstätte, die von den deutschen Steuerzahlenden mitfinanziert wird, unter seine Kontrolle zu bringen, macht sich erstmals weltweit eine Institution daran, die Autonomie der Rabbinerausbildung zu kompromittieren.

Gezeichnet:

Rabbiner Alexander Grodensky 
Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl 
Rabbiner Yuriy Kadnykov
Rabbiner Dr. Tom Kucera
Rabbiner Alexander Lyskovoy 
Rabbiner David Maxa
Rabbiner Boris Ronis
Rabbiner Adrian Schell
Rabbiner Jonah Sievers
Rabbiner Jona Simon
Rabbiner Paul Strasko
Rabbiner Edward van Voolen 
Rabbinerin Natalia Verzhbovska

Zum Thema:

Zur Zukunft der liberalen und konservativen Rabbinerausbildung in Deutschland
In Bekräftigung ihrer Erklärung vom 7. Dezember 2022 bekennen sich der Zentralrat der Juden in Deutschland, das Bundesministerium des Innern und für Heimat, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und die Kultusministerkonferenz dazu, dass es weiterhin und dauerhaft eine liberale wie konservative Rabbinats- und Kantoratsausbildung in Deutschland geben soll. Diese wird nach wie vor eng mit der Universität Potsdam kooperieren.

Einspruch zur Zukunft der Rabbinerausbildung in Deutschland
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Gründung einer Trägerstiftung für die Ausbildung liberaler Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren angekündigt, die an Stelle des Abraham-Geiger-Kollegs (AGK) die finanziellen Zuwendungen aus dem Staatsvertrag auf Bundesebene und weiterer staatlichen Stellen erhalten soll.

–> Stellungnahme der World Union for Progressive Judaism