„Hilfe zur Selbsthilfe“

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Das war das Motto der jüdischen Emigrantenselbsthilfe in Stockholm. Eine neue Studie stellt die weitgehend in Vergessenheit geratene deutsch-jüdische Selbsthilfeorganisation vor, die zwischen 1938 und 1973 existierte.

Die „Emigranten-Selbsthilfe“ konnte ein effizientes Netzwerk aufbauen, das den deutsch-jüdischen Flüchtlingen half, die Widrigkeiten des Alltags zu bewältigen und die Integration in das neue Umfeld erleichterte. Zudem konnte das umfangreiche Kulturprogramm der Organisation mit Vorträgen, Konzerten und Theateraufführungen auch das Kulturleben Stockholms bereichern.

Der vorliegende Band stellt erstmals die Geschichte der Organisation anhand von Dokumenten wie Rechenschaftsberichten, Rundschreiben, Programmen, Berufslisten, Korrespondenzen u.a. vor. Bisher wurde die Emigrantenselbsthilfe in der Exilforschung allgemein und in Schweden im besonderen wenig beachtet. Das erstaunt „angesichts der Bedeutung dieser deutsch-jüdischen Selbsthilfeorganisation, die über Jahre zahlenmäßig die größte Emigrantenorganisation war und deren deutsche Kulturabende bis zur Gründung des Freien Deutschen Kulturbundes (FDKB) auch die Hauptereignisse im geistigen Leben der deutschen Emigration in Stockholm waren.“ Einer der Gründe für die geringe Beachtung vermuten die Autoren im „Charakter der Selbsthilfeorganisation hinsichtlich ihrer orthodoxen und zionistischen Ausrichtung als auch ihrer linken bzw. kommunistischen Mitglieder“.

Die Quellenwahl bringt es mit sich, dass im Buch einzelne Biografien nur am Rande vorgestellt werden. Die Geschichte der Funktionäre und Mitglieder der Organisation muss noch erzählt werden. Der vorliegende Band hat auch dazu die wichtigen Grundlagen bereit gestellt.

Helmut Müssener, Michael F. Scholz: Die jüdische Emigrantenselbsthilfe in Stockholm (1938–1973). Hilfe durch Selbsthilfe, De Gruyter 2023, Bestellen?