#StopRepeatingStories

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Zentralrat der Juden in Deutschland fordert mit neuer Kampagne zum Handeln gegen Antisemitismus auf

Der Zentralrat der Juden in Deutschland startet gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Serviceplan Berlin eine Kampagne gegen Antisemitismus. Unter dem Leitsatz „#StopRepeatingStories“ werden Berichte antisemitischer Vorfälle von Jüdinnen und Juden aus Deutschland erzählt, die wie Zeitzeugenberichte aus dem „Dritten Reich“ erscheinen, in der Realität aber aus unserer heutigen Zeit stammen. Die Kampagne zeigt so eindrucksvoll, dass Antisemitismus kein Problem der Vergangenheit ist, sondern im Hier und Heute passiert – täglich. Der offene Judenhass von Menschen in Deutschland erreichte nach dem brutalen Massaker der Hamas in Israel vom 7. Oktober 2023 eine neue Dimension. Aber auch schon in den vergangenen Jahren war ein Anstieg antisemitischer Vorfälle aus allen Richtungen sowie aus der Mitte der Gesellschaft spürbar geworden. Die Kampagne soll über das Ausmaß antisemitischer Vorfälle aufklären und zum Handeln motivieren.

Antisemitismus ist eines der drängendsten Themen unserer Zeit wie Zahlen des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. (RIAS) veranschaulichen. „Unsere Auswertungen zeigen, dass die Zahl der antisemitischen Vorfälle zwischen dem 7. Oktober und 9. November 2023 im Vergleich zu 2022 um das Vierfache gestiegen ist und sich damit auf einem Höchststand befindet. Diese Vorfälle ereignen sich in allen Lebensbereichen, sie reichen von Schmierereien, über antisemitische Beleidigungen im öffentlichen Raum bis hin zu Markierungen im Wohnumfeld von Jüdinnen und Juden. Auch kam es zu Angriffen und Fällen extremer Gewalt,“ berichtet Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des Bundesverbands RIAS.

Kampagne macht gegenwärtige antisemitische Vorfälle erlebbar

Im Zentrum der Kampagne stehen Berichte von Jüdinnen und Juden aus Deutschland, die persönlich erlebte antisemitische Vorfälle aus ihrem Alltag wiedergeben. Zum Schutz ihrer Identität werden diese Erzählungen von Schauspielerinnen und Schauspielern in kurzen Filmen nacherzählt, Namen sowie weitere Details wurden abgeändert, sodass die realen Personen hinter den Geschichten nicht identifiziert werden können. Zum Launch der Kampagne wird der erste Film mit der Protagonistin Lea veröffentlicht, weitere Filme folgen. „#StopRepeatingStories“ veranschaulicht das Ausmaß und die diversen Erscheinungsformen von Antisemitismus.

„Antisemitismus ist in allen Bereichen unserer Gesellschaft spürbar. Häufig werden Jüdinnen und Juden, die Antisemitismus erfahren aber nicht ernst genommen; ihre Erfahrungen werden relativiert und zum Teil heruntergespielt. Wir wollen mit dieser Kampagne deutlich machen, dass Antisemitismus real ist, dass er Jüdinnen und Juden in ihrem Alltag trifft. Ich erhoffe mir dadurch mehr Empathie der Gesamtgesellschaft für den Antisemitismus der Gegenwart, gerade in Zeiten des öffentlichen Gedenkens an die Schoa,“ bekräftigt Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

KI ermöglicht neue Dimension der Emotionalisierung

Mittels Künstlicher Intelligenz wurde das Aussehen der Protagonistin Lea im ersten Film gealtert. Am Anfang des Films steht eine ältere Frau, die gepaart mit der Erzählung den Eindruck erweckt, es handle sich um eine Zeitzeugin der Schoa. Im weiteren Verlauf des Films verjüngt sich die Darstellung der Frau nach und nach. Details der Erzählung offenbaren, dass es sich um einen Bericht aus der heutigen Zeit handelt.

Michael Johne, Geschäftsleiter Kreation betont „Die Schoa erschien uns lange als der dunkelste Teil unserer Vergangenheit. Der Film mahnt, dass der Antisemitismus auch heute wieder Jüdinnen und Juden bedroht. Und zwar jetzt und hier.“

Kampagne zeigt: Jede und jeder kann unterstützen

Als zentraler Anlaufpunkt der Kampagne dient die Landingpage stop-repeating-stories.org, auf der sich die Kampagnenfilme sowie umfangreiche Informationen zum Thema Antisemitismus finden. Zentral für die Botschaft der Kampagne sind die hier zusammengetragenen Handlungsempfehlungen dazu, wie Menschen ihre jüdischen Mitmenschen in Situationen der Diskriminierung unterstützen und zu mehr Toleranz in der Gesellschaft beitragen können.

„#StopRepeatingStories ist für uns eine Herzenskampagne, die sich gegen Antisemitismus positioniert und emotional zeigt, dass Antisemitismus weiterhin ein großes Problem in Deutschland ist. Wir konnten mithilfe der gewählten Inszenierung und Künstlicher Intelligenz genau die Wirkung erzielen, die wir uns davon erhofften, nämlich menschliche Emotionen noch wirksamer anzusprechen und aufzuzeigen, dass wir nicht nur an die Vergangenheit denken sollten, sondern vor allem für mehr Toleranz in der Gegenwart sorgen müssen, denn nie wieder ist jetzt und jeden Tag, “ sagt Jeannette Bohné, Kreativchefin bei Serviceplan Berlin.

Die Kampagne wurde fachlich beraten von der Amadeu Antonio Stiftung, dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. (RIAS), dem Projekt ToleranzRäume sowie der Initiative „Gesicht zeigen!“. Betroffene von antisemitischen Vorfällen können sich an die Informationsstelle von RIAS wenden.

Zentralrat der Juden in Deutschland, Berlin, 25. Januar 2024 / 15. Schwat 5784