Stummfilm mit Orgel

0
133

Der Golem, wie er in die Welt kam

Von Christel Wollmann-Fiedler

Eine Verbindung zwischen der kleinen Auenkirche aus dem 19. Jahrhundert in Berlin-Wilmersdorf und dem berühmten Stephansdom in Wien gibt es tatsächlich. Der Orgelbauer Rieger im österreichischen Vorarlberg in dem kleinen Ort Schwarzach baut die riesengroße Orgel für den Stephansdom, die 2022 geweiht wird. In der neugotischen Auenkirche wird die Orgel restauriert von der eben erwähnten sehr bekannten Orgelbauwerkstatt Rieger und kann im nächsten Jahr die Kirchenbesucher mit schönen Klängen wieder erfreuen. Der Architekt und Kirchenbauer Max Spitta kam aus der Provinz Posen nach Potsdam und baute in Alt-Wilmersdorf am damaligen Dorfanger, der heutigen Wilhelmsaue, wo zuvor eine kleine Dorfkirche stand, 1897 dieses evangelische Gotteshaus.

Konstantin Reymaier ist Domorganist und Geistlicher im Stephansdom zu Wien, der seit dem Mittelalter Mitten in Wien seinen Platz hat und eine Zierde der Stadt geworden ist. Menschen aus aller Welt besuchen das römisch-katholische Gotteshaus St. Stephanus über das gesamte Jahr. Im Rahmen der Orgelfestwochen in der Auenkirche wird Reymaier mit seinem eigenen Projekt „Stummfilm mit Orgel“ nach Berlin eingeladen. Wochen zuvor stellt er das Programm in Wien vor und Begeisterung klang durch die Donaumetropole.

Der Kirchenmusiker, Winfried Kleindopf, Kantor und Organist der Auenkirche und Konstantin Reymaier aus Wien schwärmen bereits   im Gespräch jubelnd von Orgel zu Orgel. Der Wiener Musiker und Organist erklärt und erzählt mit Begeisterung sehr literarisch  über den Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“, den er mit seinen Orgelimprovisationen begleiten wird.

Paul Wegener, der Schauspieler und Regisseur dreht 1920 den Stummfilm, dessen literarisches Vorbild der Prager Golem war, eine jüdische Legende aus uralten Zeiten. Er selbst übernimmt die schauspielerische Rolle des Golem. Ein fanatischer Judenfeind, ein Geistlicher der christlichen Kirche, schafft Unfrieden und auch der Kaiser entscheidet sich gegen die Juden. Löw, der Rabbi, hört von den heimlichen Plänen und erweckt den Golem, formt aus Lehm den Kopf und Rumpf, steckt ihm den Stern ins Loch an die Brust, der Golem wird aktiv. Die Menschen fliehen vor dem Golem, der nicht freundlich, eher gruselig und feindlich daher stampft, doch kann er menschliche Funktionen übernehmen, auch soll er Katastrophen von den Juden abwenden, sagt die Legende. Rabbi Löw zieht mit ihm den Hügel herauf zum Kaiser. Die eingeladenen Gäste fliehen vor Angst, der Kaiser jedoch ist begeistert vom Können des Monstrums. Die Juden dürfen in ihrem Ghetto, ihrem Stetl, bleiben. Ein Liebesverhältnis zwischen Rabbis Tochter Mirjam und dem christlichen Junker Florian wird neidisch beäugt von einem anderen Verehrer. Der darniederliegende Golem wird von dem neidischen Diener zum Leben erweckt und nimmt mehr und mehr menschliche Züge an. Der starke Golem schnappt sich den Junker und wirft ihn von der höchsten Zinne des Ghettos in die Tiefe. Des Rabbis Haus zündet er an und schleift Mirjam, die Ungehorsame, an den Zöpfen durch die Gassen. Schreckliche Bilder, die an die derzeitige Situation In Israel erinnern. Weiter stapft er zornig zum großen Tor, wütend zerbricht er mit seiner unendlichen Kraft das Holztor zum Ghetto und läuft nach draußen. Die spielende Kinderschar auf der Wiese vor dem Tor bekommt Angst und flieht in sämtliche Himmelsrichtungen. Ein kleines mutiges Mädchen schaut empor zu dem Monstrum und lässt sich von ihm nach oben heben. Neugierig und spielerisch dreht sie an dem Stern und reißt ihn ab. Der Golem plumpst nach hinten, nach unten ins Gras. Dort liegt er nun und die Kinder hocken sich weiter spielend und singend auf ihn, das leblose Lehmmonstrum.

Ein Stummfilm, der sehr berühmt wird in den Jahren ab 1920. Ein Erfolgsfilm soll es gewesen sein. Die absolute Dramatik, die Höhepunkte und die Spannung der Szenen werden durch die Musik von Konstantin Reymaier erst richtig spannend. Filmmusik mit Orgel von ihm ist ein absolutes Film und Orgelerlebnis. Dank und Lob an den Domorganisten, einen Dank an die Orgel, die Königin der Instrumente.