Die neuen Fernsehtipps

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Vom 1. bis 15. Januar 2024

Sa., 6. Jan · 11:00-11:30 · ARD-alpha
Herr Morgenstern und seine Synagoge

Hans Morgenstern wird 1937 in St. Pölten geboren. Gleich nach dem „Anschluss“ verlassen seine Eltern mit ihm Österreich Richtung Palästina. Familienmitglieder und Freunde, die in St. Pölten zurückbleiben, werden ermordet. 1947 kehren Hans Morgensterns Eltern gemeinsam mit ihrem Sohn nach Österreich zurück. Das St. Pölten, das sie kannten, ist ausgelöscht: Die mit so viel Engagement erbaute und 1913 eröffnete Synagoge fast zerstört. Es ist ein schonungslos offenes Interview, in dem Hans Morgenstern von seiner Geschichte erzählt, die tiefe Einblicke auch in die jüdische Geschichte St. Pöltens gibt. Seine Eltern fanden „eigene Wege“, mit der Vergangenheit umzugehen: Am Küchentisch der Mutter trafen sich Überlebende und ließen die Geschichte der jüdischen Bevölkerung St. Pöltens vor dem Krieg lebendig werden. Sein Vater Egon Morgenstern, schon vor 1938 ein angesehener Rechtsanwalt, beschäftigte sich nach der Rückkehr mit vielen Restitutionen, um zumindest rechtmäßigen Besitz wieder herzustellen. Hans Morgenstern beginnt zu sammeln und zu schreiben. Er sammelt die Bilder der jüdischen Bewohner/innen der Stadt und schreibt ein Lexikon berühmter jüdischer Persönlichkeiten aus aller Welt. Ihre Geschichten haben ihre Verbindung auch zur St. Pöltner Synagoge, über viele Jahrzehnte ein „Taubenschlag“ kurz vor dem Abriss. Um die Synagoge vor dem Verfall zu bewahren, schreibt Morgenstern einen Brief, der als Initialzündung für den Erhalt und die Renovierung der Synagoge gesehen werden kann. Wie Experten und Expertinnen erzählen, ist die St. Pöltner Synagoge nicht nur für die jüdische Bevölkerung von Bedeutung, ist sie doch ein Juwel des Jugendstils, das viel über die Geschichte zu offenbaren vermag. Zerstört wurde sie während der Novemberpogrome 1938, bei denen auch ein großer Teil der wertvollen Innenausstattungstücke verschwand bzw. vernichtet wurde. Die Interviews mit Hans Morgenstern, Martha Keil (Wissenschaftliche Leitung Institut für Jüdische Geschichte) und Thomas Pulle (Leiter Stadtmuseum St. Pölten) führen durch den Film und lassen gemeinsam mit zahlreichen Originalmaterialien das „Jüdische St. Pölten“ wiederauferstehen.

So., 7. Jan · 19:30-20:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Schlechte Noten, schiefe Blicke – Rassismus im Schulalltag

„RESPEKT“ will dazu beitragen, Demokratie, Grund- und Menschenrechte nicht nur als abstrakte Begriffe zu verstehen, sondern als Werte des gemeinschaftlichen Lebens. Die Online-Videos und TV-Reportagen überprüfen Vorurteile und Klischees wie Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, Homophobie oder Sexismus. Die Presenter Sabine Pusch, Rainer Maria Jilg und der aus Syrien stammende Schauspieler Ramo Ali treffen Menschen, die sich für Weltoffenheit und Toleranz einsetzen. Mit Ironie und in lockerem Ton zeigen sie, wie Grundwerte und Menschenrechte im Alltag gelebt werden können – und warum wir alle von einem solidarischen Miteinander profitieren. Umfragen mit Passanten ergänzen den Blick auf das jeweilige Thema. Eine „Zahlen und Fakten“-Rubrik hilft dabei, die unterschiedlichen Standpunkte zu beurteilen und sich eine fundierte Meinung zu bilden. Offener Rassismus ist in Deutschland für viele Menschen alltäglich. So zählt der von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstütze Afrozensus 2020 unzählige Beispiele für rassistische Beleidigungen, Übergriffe und Gewalttaten auf. Enthalten sind auch zahlreiche Daten zu Rassismus in Schulen: 67% der Befragten geben an, aufgrund rassistischer Zuschreibungen schlechter bewertet worden zu sein. Mehr als die Hälfte der Befragten sagt, ihnen wurde abgeraten, einen höheren Bildungsweg anzustreben. Auch rassistische Gewalt und Beleidigungen gehören für viele Betroffene zum Schulalltag. Allerdings erhebt der Afrozensus keinen Anspruch, repräsentativ zu sein. Trotzdem zeigen die Umfragen darin, dass vor allem niederschwelliger Rassismus an Schulen in Deutschland Alltag ist. In der Respekt-Reportage trifft Moderator Rainer Maria Jilg Menschen, die Rassismus erlebt haben und erleben und sich dagegen wehren wollen, zum Beispiel den TikToker Karim Jamal. Er hat in seiner Schulzeit immer wieder Erfahrungen mit Diskriminierung machen müssen. In kurzen Videos macht er sich heute einerseits lustig über Lehrkräfte, die Kinder und Jugendliche wegen ihres Namens vermeintlich witzig diskriminieren. Andererseits zeigen seine Kurzvideos aber auch schonungslos den bitteren Ernst. Egal ob aus Unwissenheit oder Unbedachtsamkeit diskriminiert wird und auch wenn es vielleicht nicht böswillig gemeint ist – die Wirkung auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen ist desaströs. Gleiches erzählt Sandrine Kunis. Sie ging auf eine französische Privatschule. Dort hat sie zwar kaum Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung machen müssen. Heute aber berät sie Opfer rassistischer Diskriminierung und hat auch durch ihren Beruf Einblick in den Alltag nicht-deutsch gelesener Schülerinnen und Schüler. Die Folgen der täglichen Diskriminierung sind nicht nur weniger Erfolg in der Schule und damit deutlich weniger Chancen im weiteren Berufsleben, sondern auch viele psychische Probleme. Im Gespräch mit dem Diskriminierungsforscher Prof. Karim Fereidooni erfährt Moderator Rainer Maria Jilg abschließend, dass zudem rassistische Darstellungen in Schulbüchern immer noch ein Problem sind.

So., 7. Jan · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Sprich mit mir: Heinz und Theo Krausz

Heinz Krausz wird von seiner Mutter im letzten Moment in einen Zug gesetzt, der ihn von seiner Heimatstadt Wien nach Triest bringt, wo ihn der bereits geflüchtete Vater auf ein Schiff nach Palästina setzt. Während seine Mutter nach Auschwitz deportiert wird und dort mit Hilfe eines österreichischen SS-Mannes überlebt, schließt sich Krausz der Palmach an und arbeitet aktiv an der Gründung Israels mit.

Mo., 8. Jan · 23:05-23:50 · Das Erste (ARD)
Sicherheitsrisiko schwul – Die Affäre Kießling

Verteidigungsminister Manfred Wörner entlässt 1983 den NATO-General Günter Kießling. Der sei angeblich schwul und deshalb ein Sicherheitsrisiko. Ein Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit beginnt. Es geht um schlampige Ermittlungen, fragwürdige Zeugen und einen Doppelgänger. Die Doku zeichnet die Ereignisse nach und zeigt, was der Skandal für Homosexuelle in der Bundeswehr bedeutet – bis heute. Ein Skandal erschüttert im Januar 1984 die Bundeswehr. Verteidigungsminister Manfred Wörner hatte Ende 1983 den ranghöchsten deutschen NATO-General entlassen. Günter Kießling sei angeblich schwul und deshalb ein Sicherheitsrisiko für die Bundesrepublik. Doch an der Geschichte kommen schnell Zweifel auf. Es beginnt ein Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit. Es geht um schlampige Ermittlungen, fragwürdige Zeugen und einen Doppelgänger. Schließlich muss Bundeskanzler Helmut Kohl eine Entscheidung treffen. In der Dokumentation von Simone Schillinger kommen Menschen zu Wort, die 40 Jahre zuvor in die teils bizarren Ereignisse involviert waren. Der Film geht jedoch noch einen Schritt weiter. Er spürt auf, welchen Einfluss die sogenannte „Affäre Kießling“ auf die Geschichte der Homosexuellen in der Bundeswehr hatte. Jahrzehntelang waren sie Vorurteilen und Schikanen ausgesetzt und lange war Homosexualität ein Ausmusterungsgrund. Bei vielen Betroffenen haben diese Erfahrungen Narben hinterlassen.

Mi., 10. Jan · 21:15-21:45 · BR
Kontrovers – Morde nach Kriegsende: Judenhass im Hinterzimmer

Kurz nach Kriegsende erschüttern zwei Mordfälle die jüdische Gemeinde in Regensburg. Im Dezember 1945 wird der 14-jährige Berek Goldfeier ermordet. Im April 1947 die vierköpfige Familie Brutmann. In beiden Fällen geht die Polizei von Raubmord aus, obwohl es deutliche Hinweise auf antisemitische Hass-Verbrechen gibt. Wieso ging die Regensburger Polizei den entsprechenden Hinweisen nicht nach? Über 75 Jahre später stößt die Autorin Waltraud Bierwirth auf die alten Polizeiakten und begibt sich auf Spurensuche. Sie entdeckt nicht nur Ungereimtheiten in den Ermittlungen, sondern auch Verbindungen zwischen den Mordopfern und der Regensburger Polizei. Sowohl Berek Goldfeier als auch die Familie Brutmann wurden von den Nationalsozialisten ins Ghetto von Lodz deportiert. Und dort waren Regensburger Polizeieinheiten während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt. Je tiefer sich Waltraud Bierwirth in die alten Polizeiakten gräbt, desto klarer wird, warum die Polizei möglicherweise kein Interesse an einer umfassenden Ermittlung der beiden Mordfälle hatte.

Mi., 10. Jan · 23:00-00:20 · WDR
Adam & Ida – Die lange Suche der Zwillinge

Als 3-Jährige getrennt, überleben die jüdischen Zwillinge Adam und Ida den Holocaust – und finden sich erst 53 Jahre später wieder. „Wir wissen, dass wir es sind“, sagt Ida. Aber ist es ein Happy End? Die jüdischen Zwillinge Adam und Ida Paluch sind drei Jahre alt, als sie 1943 im jüdischen Ghetto der schlesischen Stadt Sosnowiec durch die Nazis voneinander getrennt werden. Ihre Mutter nimmt sich aus Verzweiflung das Leben. Adam kommt ins KZ Majdanek, Ida kann sich verstecken. Beide überleben den Holocaust und werden nach Kriegsende von polnischen Pflegefamilien aufgenommen.
© Bild oben: WDR/NDR/Ida Paluch – Ida vermisst ihre ältere Schwester Genia. Von ihr fehlt bis heute jede Spur.

Mi., 10. Jan · 23:55-01:35 · RBB
Die Unsichtbaren

Berlin, 1943. Das Nazi-Regime hat die Reichshauptstadt offiziell für „judenrein“ erklärt. Doch einigen Juden gelingt tatsächlich das Undenkbare. Sie werden unsichtbar für die Behörden. Oft sind es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahren. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität. Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanni Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku´damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die, als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert. Sie alle kämpfen für ein Leben in Freiheit, ohne wirklich frei zu sein. „Die Unsichtbaren“ schildert ein weitgehend unbekanntes Kapitel des jüdischen Widerstands während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Drehbuch basiert auf Interviews, die Regisseur Claus Räfle und seine Ko-Autorin Alejandra López mit Zeitzeugen geführt haben. Einfühlsam, beklemmend und erstaunlich humorvoll verweben sie die Spielhandlung mit Interview-Ausschnitten und Archivaufnahmen zu einem dichten, emotional bewegenden Ensembledrama.

Do., 11. Jan · 21:45-22:15 · Das Erste (ARD)
Kontraste

Judenhass – Unser Leben nach dem 7. Oktober

Sa., 13. Jan · 07:30-08:00 · RBB
Liebe statt Gehorsam – Das Kinderheim in der Auguststraße

Eine denkwürdige Begegnung: Schülerinnen und Schüler einer evangelischen Schule in Berlin treffen in der Auguststraße in Berlin-Mitte Holocaustüberlebende, die dort einen Teil ihrer Kindheit im Kinderheim Ahawah (deutsch: Liebe) verbrachten oder in die jüdische Mädchenschule nebenan gingen. In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurden die Kinder, die oft Kriegswaisen waren, entgegen dem noch weit verbreiteten Zeitgeist nicht zu Gehorsam und Anpassung erzogen, sondern als Menschen wertgeschätzt und entsprechend ihren persönlichen Begabungen gefördert. Erst mit dem Holocaust endete für viele von ihnen eine Zeit, an die sie sich bis heute gern erinnern. Die heutigen Berliner Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit dem Schicksal der damaligen Kinder auseinandergesetzt und bringen die historischen Geschichten durch die Kinderaugen betrachtet auf eine besondere Weise nahe.

So., 14. Jan · 09:03-09:30 · ZDF
37°Leben: Zeitenwende – Jüdisch in Deutschland

Seit dem 7. Oktober 2023 steht das Leben der jüdischen Menschen in Deutschland kopf. Was macht der Krieg im Nahen Osten mit den Jüdinnen und Juden in der BRD, wie gehen sie mit den Ängsten um? Fühlten sich jüdische Menschen vor kurzer Zeit hierzulande noch sicher und haben Deutschland, besonders seit dem Krieg in der Ukraine, als vielleicht letzten sicheren Zufluchtsort erachtet, hat sich ihr Leben seit dem 7. Oktober radikal verändert. Ohne ständige Angst vor Übergriffen und ohne erheblich erhöhte Sicherheitsmaßnahmen können sie ihre Identität und Religion nicht mehr offen zeigen, zu groß ist die Angst vor antisemitischen Übergriffen. „37°Leben“ trifft junge Jüdinnen und Juden und taucht ein in ihr Seelenleben zum Jahresende 2023.

So., 14. Jan · 21:00-21:55 · ARD-alpha
Sprich mit mir: Herbert und Samuel Schrott

Eine Jugend im Wien vor dem Anschluss, zwischen Fußball und Mädchen. Herbert hoffte, der Deportation entgehen zu können und wird schließlich doch zusammen mit seinem Vater nach Theresienstadt verbracht, wo er eine Tischlerlehre absolviert. Nach seinem Abtransport nach Auschwitz entrinnt er gemeinsam mit seinem Vater der Todesfabrik, und kommt in ein Unterlager von Dachau, wo sein Vater schlussendlich den Strapazen und der Kälte im Winter 1944 erliegt.

Mo., 15. Jan · 23:15-01:10 · NDR
Selma

Sommer, 1965. Das formal bestehende Wahlrecht für Afroamerikaner in den USA wird in der Realität des rassistischen Südens ad absurdum geführt. Schwarze sind Bürger zweiter Klasse und täglich Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Die Stadt Selma, Alabama, ist einer der Orte, in denen sich der Widerstand formt. Dr. Martin Luther King, jüngst mit dem Friedensnobelpreis geehrt, schließt sich den lokalen Aktivisten an und zieht damit nicht nur den Unwillen der örtlichen Polizei und des Gouverneurs von Alabama auf sich. Auch Kings Verhältnis zu Präsident Lyndon B. Johnson gerät unter Spannung. Zudem droht die Ehe zwischen King und seiner Frau Coretta unter dem Druck und der ständigen Bedrohung zu zerbrechen. Der Kampf um Gleichberechtigung und Gerechtigkeit schlägt Wellen, die bald das ganze Land in Aufruhr versetzen.