Metro Feeling in Tel Aviv

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Lange erwartet, ist sie endlich da, die Stadtbahn von Tel Aviv startete kürzlich zumindest mit der ersten der drei geplanten Linien und verbindet die Metropolregion nun auf Schienen von Petach Tikva bis Bat Jam.

Wer in den letzten Jahren Tel Aviv besucht hat, dem kann es nicht entgangen sein. Überall wird gegraben. Die Allenby Straße ist für die nächsten vier Jahre für den Verkehr gesperrt, die Ibn Gvirol Straße und der Rabin Platz seit Langem schon eine Mega-Baustelle und die Fahrt zur Universität gestaltet sich zum Schlagloch-Abenteuer. Aber es hilft nichts, denn die Metropolregion Gush Dan hat ein riesiges Verkehrsproblem.

Immer wieder wurde über ein Straßen- oder U-Bahn-System nachgedacht, viel zu lange aber wurden diese Pläne aufgeschoben, bis zum Verkehrskollaps. Für die etwa 10 km von Tel Aviv nach Petach Tikwa kann man heute schon mal 1,5 Stunden im Auto verbringen und der Bus ist aufgrund verstopfter Busfahrspuren auch erschreckend langsam.

Am 18. August wurde nun die „rote Linie“ der Stadtbahn eröffnet. Sie verbindet Petach Tikvah über Bnei Brak und Ramat Gan mit Tel Aviv, weiter nach Jaffa und Bat Jam. 24 Kilometer mit 34 Stationen. In Tel Aviv selbst taucht die Stadtbahn in den Untergrund ab, 10 Stationen liegen unterirdisch und kommen einer U-Bahn wie in den großen Metropolen Europas recht nah. So sieht man derzeit, in den letzten Ferientagen, auch noch viele Familien in der Stadtbahn, die sich für 5.50 Schekel Fahrpreis ein wenig „Auslands“feeling gönnen.

Nach den ersten Wochen Betrieb ist die Bilanz durchaus positiv. Die Stadtbahn wird sehr gut angenommen und funktionierte bisher reibungslos. Kleinere Unannehmlichkeiten, so dass etwa der Ausstieg an den unterirdischen Stationen nicht immer klappt, weil die QR Codes der Online-Tickets streiken, werden hoffentlich bald behoben. Gestern dann die erste große Panne, aufgrund von Problemen der Stromversorgung fuhr die Bahn am Morgen nicht und konnte erst nach vier Stunden den Betrieb wieder aufnehmen. Es gibt wohl noch einiges nachzubessern. Gut Ding will Weile haben? Die Linie wurde übrigens mit vier Jahren Verspätung in Betrieb genommen.

Die beiden anderen Linien, die Herzlija über Tel Aviv mit Rishon leZion und die östlichen Städte, wie Kirijat Ono, Givat Shmuel und Or Yehuda anbinden, sollen 2028 fertiggestellt werden. 

Bleibt die große Enttäuschung, dass auch die Stadtbahn, wie auch der übrige öffentliche Nahverkehr in Israel, am Schabbat nicht fährt. 

Alle Fotos: (c) haGalil