Die neuen Fernsehtipps

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Vom 16. bis 30. Juni 2023

So., 18. Jun · 22:00-22:55 · arte
Paul Newman – Der unwiderstehliche Typ

Am 26. Januar 1925 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio als Sohn eines erfolgreichen jüdischen Sportartikelhändlers und seiner katholischen Frau geboren, studierte Newman zunächst an der Theaterschule der Yale-Universität; schon kurze Zeit später zog es ihn nach New York an das berühmte Actors Studio von Lee Strasberg, wo die Meisterregisseure Elia Kazan und Martin Ritt zu seinen Lehrern gehörten. Bekannt machte ihn 1953 die Broadway-Produktion „Picnic“. Seine Rolle als orientierungsloser Student brachte ihm einen Vertrag in Hollywood ein – auch wenn sein Debüt in dem Kostümfilm „Der silberne Kelch“ 1954 ein Flop wurde. Die erste Oscarnominierung folgte schon bald darauf: In der Tennessee-Williams-Verfilmung „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ glänzte der Newcomer 1958 als rebellischer Sohn an der Seite von Elizabeth Taylor. Weitere Erfolge schlossen sich an, darunter „Haie der Großstadt“ (1961), „Der Wildeste unter Tausend“ (1963), „Der Unbeugsame“ (1967) und „The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ (1982). Insgesamt sieben Mal war der Schauspieler für den Oscar nominiert, ehe er die begehrte Trophäe 1987 für die Rolle des gealterten Billardprofis Eddie Felson in Martin Scorseses „Die Farbe des Geldes“ entgegennehmen durfte. Ein Jahr zuvor hatte die Oscar-Akademie ihn für sein Lebenswerk geehrt. 1994 erhielt er einen weiteren Sonder-Oscar für sein sozialpolitisches Engagement. Newman hat alles gespielt: Ganoven und Polizisten, Draufgänger und Schlitzohren, leidenschaftliche Liebhaber und pflichtbewusste Ehemänner. Zuletzt war er 2002 in dem Verbrecherdrama „Road to Perdition“ im Kino zu sehen. Daneben führte er auch selbst Regie, erstmals 1968 in dem einfühlsamen Frauenporträt „Die Liebe eines Sommers“, in der seine zweite Ehefrau Joanne Woodward die Hauptrolle übernahm. Trotz großer Anerkennung und mehrerer Auszeichnungen war Newman eigentlich nie zufrieden. Vielmehr nagte ein heimlicher Selbstzweifel an ihm – lange Zeit glaubte er, sein Erfolg sei nicht auf Leistung zurückzuführen, sondern hauptsächlich auf sein Aussehen. Mit Archivbildern und Filmausschnitten zeichnet die Dokumentation das Porträt eines sozialpolitisch engagierten Mannes mit vielen Facetten. Dabei würdigt es auch die Rolle seiner langjährigen Ehepartnerin, der Schauspielerin Joanne Woodward.

So., 18. Jun · 22:30-23:15 · PHOENIX
Sacrow bei Potsdam – Paradies im Mauerschatten

Zwischen Buchenwäldern, Schilfgürteln und stillen Seen liegt Sacrow an der Havel. Eine Idylle mit knapp einhundertfünfzig Einwohnern. Auf den ersten Blick merkt man dem Ort seine dramatische Geschichte im 20. Jahrhundert nicht an. Um die Jahrhundertwende wird Sacrow wegen seiner Lage am Wasser und der Nähe zur Metropole Berlin zu einem Ort der Reichen und Schönen. Sommervillen säumen das Ufer an der Havel. Mit der NS-Diktatur beginnt auch hier die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Hausbesitzer und im Sacrower Schloss residiert ein glühender Nazi. Zur DDR-Zeit wird der Ort durch Stacheldraht und Mauer abgeriegelt und zum „Grenzgebiet“ mit eigenen Regeln. Der Ortseingang ist durch einen Kontrollpunkt gesichert und der „Ort am Wasser“ hat keinen Zugang mehr zur Havel. Die Bewohner sind gezwungen „unter sich“ zu bleiben. Doch das Gemeinschaftsgefühl wird im November 1975 auf eine harte Probe gestellt. Der 21-jährige Sacrower Lothar Hennig wird mitten auf der Dorfstraße von einem Grenzposten erschossen. Seine verzweifelte Familie trifft auf eine Mauer des Schweigens ihrer Nachbarn. Die Tragödie ist ein Beispiel dafür, wie Menschen durch Angst und Einschüchterung dazu gebracht werden, ihre Menschlichkeit zu verlieren. Für kaum einen anderen Ort ist der Fall der Mauer im November 1989 und der folgende Abbau der Grenzanlagen so befreiend wie für den hinter Stacheldraht und Mauer hermetisch abgeriegelten Ort Sacrow. Filmemacher Jens Arndt erzählt die kontrastreiche Geschichte dieses Ortes, der immer wieder im Fokus der wechselnden Machtverhältnisse stand.

So., 18. Jun · 23:35-01:38 · Das Erste (ARD)
Die Blumen von gestern

Mitten in seiner tiefsten Lebenskrise gerät der Holocaust-Forscher Toto an die französische Assistentin Zazie, jüdischer Herkunft und mit ausgeprägter Teutonen-Phobie: Eine aberwitzige Geschichte über die Frage, was passiert, wenn der deutsche Völkermord von Leuten erforscht wird, die emotional labil, durch Herkunft und Lebensart auf unvereinbare Weise getrennt und dennoch ineinander verliebt sind. Totila Blumen ist Holocaust-Forscher. Als solcher versteht er keinen Spaß. Weder im Allgemeinen noch im Besonderen, wenn seine Kollegen versuchen, aus einem Auschwitz-Kongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen und somit das Erbe des gerade erst verstorbenen und von Totila hochverehrten Professors Norkus mit Füßen treten. Als man ihm die sehr junge und sehr nervige französische Studentin Zazie als Praktikantin vor die Nase setzt, die ihm folgt wie ein Hündchen und mit seinem direkten Vorgesetzten ein Verhältnis hat, ist der stets ernst und überlegt dreinblickende Totila am Ende. Doch Jammern hilft nicht – erst recht nicht bei seiner gestressten Frau Hannah, die ihn auffordert, weniger zu hadern und sich mit dem zu arrangieren, was das Leben gerade anbietet. Und so macht Totila weiter seine Arbeit, unterstützt von der überdrehten, exzentrischen Zazie. Die jedoch scheint ihre ganz eigene Agenda zu haben – eine Agenda, die eng mit Totilas Herkunft und seinem wohlgehüteten Familiengeheimnis verknüpft ist.

Mo., 19. Jun · 01:10-02:40 · HR
Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis

Ein altes Grammofon, Briefe und ein Tagebuch. Auf dem Dachboden einer Hamburger Villa lag jahrelang unentdeckt eine alte Seekiste, der Nachlass von Gustav Schröder. Er war Kapitän auf dem Transatlantik-Passagierschiff der HAPAG, der „St. Louis“. Sein Name erinnert in der Internationalen Holocaust Gedächtnisstätte Yad Vashem in Jerusalem an die dramatischen Ereignisse an Bord der „St. Louis“. Voller Zuversicht verlassen 937 jüdische Flüchtlinge 1939 den Hamburger Hafen. Nazi-Deutschland hinter sich, die Freiheit vor sich. Ein Visum für Kuba verspricht ein Leben ohne Angst. Doch Havanna verweigert die Einreise. Kapitän Schröder nimmt Kurs auf die USA. Auch Washington lässt die „St. Louis“ nicht in einen sicheren Hafen. Als auch noch Kanada die Aufnahme verweigert, gerät die Fahrt in die Freiheit zur Odyssee auf dem Atlantik. An Bord machen die Worte Selbstmord und Meuterei die Runde. Knapp einen Monat nach dem Verlassen des Hamburger Hafens läuft die „St. Louis“ in Antwerpen (Belgien) ein. Fast ein Drittel der Passagiere werden in den folgenden Jahren von den Nazis ermordet. Die größte Krise mit Geflüchteten in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg und aufkeimender Antisemitismus lassen die Ereignisse an Bord der „St. Louis“ erschreckend aktuell erscheinen.

Mo., 19. Jun · 10:45-11:55 · arte
Die Rote Fini – Die verschwundenen Millionen der DDR

Die „rote Fini“, so wird die „Gucci-Kommunistin“ Rudolfine Steindling liebevoll von den Wienern genannt. Ist sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau oder die größte Wirtschaftskriminelle des vergangenen Jahrhunderts? Mit Charme und Resolutheit, als einzige Frau in einer reinen Männerwelt und mit allen Mitteln, die ihr im Kalten Krieg zur Verfügung stehen, bringt sie den Handel mit der DDR in Schwung. Als Ehefrau eines jüdischen Bankdirektors und Mitglied der KPÖ verwaltet sie zunächst deren Firmen. In der Nachkriegszeit gab es in Österreich auch attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für „Kommerzgenossen“. Fini vergrößert das Firmenimperium der KPÖ, ist bald für alle Geschäfte mit der DDR unentbehrlich und verdient so Millionen. Den Auftrag, ein schlüsselfertiges Stahlwerk für die DDR zu bauen, holt sie nach Österreich und kann auch dabei helfen, wenn ein Embargo umgangen werden muss. Ist sie auch daran beteiligt, eine gesamte Festplattenfabrik in die DDR zu schmuggeln? Dass ihre Methoden nicht immer legal sind, sieht man ihr nach, denn Fini unterstützt großzügig Kultur und Sozialprojekte. Der Mauerfall und die rasante Wiedervereinigung setzen dem Ost-West-Handel nach Finis Methode schnell ein Ende. Niemand braucht mehr Vermittler, wenn es bald keine DDR mehr geben wird. Doch noch liegen 500 Millionen DM auf Finis Konten – eine enorme Summe. Für die Treuhand handelt es sich um Geld der SED, das dem wiedervereinigten Deutschland zusteht, doch das will Fini nicht akzeptieren. Ob sie damit Erfolg hat oder ob die Deutschen am Ende doch noch zu ihrem Geld kommen – davon erzählt dieser Film.

Mo., 19. Jun · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Edelweißpiraten – Teenager gegen Hitler

Köln im Herbst 1944. In der kriegszerstörten Stadt leistet eine kleine Gruppe von Jugendlichen bewaffneten Widerstand gegen das Nazi-Regime. Bartholomäus Schink, Franz Rheinberger und Fritz Theilen gehören zu den sogenannten „Edelweißpiraten“, einer ursprünglich unpolitischen Jugendbewegung, die von den Nationalsozialisten verboten und verfolgt wurde. Die Autoren Georg Wellmann und Ingolf Gritschneder haben die erhaltenen Dokumente, Fotos, Interviews und persönliche Erinnerungen zusammengetragen und schildern fast 80 Jahre nach Kriegsende ein nun vollständigeres Bild der Vorgänge.

Di., 20. Jun · 00:10-01:20 · arte
The Camera of Doctor Morris

Ein exzentrischer Pilot der britischen Streitkräfte und seine junge Frau fliehen aus dem zerstörten Europa der Nachkriegszeit und kommen in Eilat an, der südlichsten Stadt Israels am Roten Meer. Bei guter Sicht kann man vom Hafen der Stadt die Küsten Ägyptens, Jordaniens und Saudi-Arabiens sehen. Hier baut sich Familie Morris ihr abgelegenes Paradies auf. Schon bald machen Geschichten von ihrem unkonventionellen Leben die Runde, wird über den mysteriösen britischen Arzt gemunkelt, der sich ein Krokodil namens Clarence als Haustier hält. Als ein rätselhafter Unfall dazu führt, dass ein junges Mädchen verwaist, sieht sich die Familie mit einem geliebten, aber vergessenen Geist konfrontiert. Der Dokumentarfilm verknüpft die faszinierenden privaten Aufnahmen mit den Erzählungen der Familienmitglieder. So entfaltet sich eine fesselnde Familiengeschichte am Rande der Wüste Negev.

Mi., 21. Jun · 22:00-22:45 · BR
Der Fall Schuster

In den Gewölben der Würzburger Residenz stößt der BR auf die Akten, welche die Geheime Staatspolizei der Nationalsozialisten über die Familie von Dr. Josef Schuster anlegte. Gemeinsam sichten der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Andreas Bönte erstmals die Akten und begeben sich auf Spurensuche nach der Familiengeschichte in der NS-Zeit. Fast überall in Deutschland vernichtet, blieben die Akten der Geheimen Staatspolizei für den Regierungsbezirk Unterfranken wie durch ein Wunder erhalten. Die Akten der Familie Schuster zeigen anschaulich die Arbeitsweise der lokalen Gestapo-Dienststelle. In den akribisch geführten Schriftstücken wird der perfide Vorsatz deutlich, ganz Unterfranken „judenrein“ zu machen: Mit Verleumdungen, Gewalt, Erpressung und der gefürchteten Schutzhaft versuchte man die Familie gefügig zu machen. Die Schusters wehrten sich gegen die mächtige Gestapo, ein Widerstand, der David und Julius Schuster bis in das KZ Buchenwald brachte. Ausgehend von Bad Brückenau, der ehemaligen Heimat der Familie Schuster, besuchen Dr. Josef Schuster und Andreas Bönte die wichtigsten Stationen der Familiengeschichte in der NS-Zeit. Dabei spüren sie auch der einst reichen jüdisch-fränkischen Kultur nach, die durch die fanatische Rassenideologie der Nationalsozialisten vernichtet wurde. „Der Fall Schuster: Eine Familie im Fadenkreuz der Gestapo“ erzählt, wie es der Familie Schuster gelang, den Fängen der Geheimen Staatspolizei zu entkommen. Auch das Wirken der Familie in der Nachkriegszeit wird gewürdigt. Besonders David Schuster, der Vater des heutigen Zentralratspräsidenten, trug maßgeblich dazu bei, dass sich wieder jüdisches Leben in Unterfranken etablierte.

Sa., 24. Jun · 06:05-07:00 · arte
Billy Wilder – Eine Hollywood-Legende

Samuel Wilder (1906-2002) war Sohn jüdischer Eltern und wuchs in Österreich auf. Nach der Machtübernahme der Nazis siedelte der ehemalige Journalist zunächst nach Paris und später nach Hollywood über. Aufgrund seines großen Talents kam Wilder trotz mangelnder Englischkenntnisse bei Paramount unter Vertrag. Gemeinsam mit dem antisemitischen WASP Charles Brackett schrieb er die Drehbücher zu zwei Werken seines Mentors und Vorbilds Ernst Lubitsch: „Blaubarts achte Frau“ und „Ninotschka“ wurden zu Kassenschlagern des Goldenen Zeitalters. Aber Wilder zieht es hinter die Kamera. Mit seinem ersten amerikanischen Erfolgsfilm „Der Major und das Mädchen“ bringt der Regisseur eine scheinbar leichtfüßige Liebesgeschichte mit pädophilen Zügen auf die Leinwand und zeichnet eine grausame und provokante Satire seiner neuen Wahlheimat. 1950 folgt „Boulevard der Dämmerung“ mit Gloria Swanson und William Holden in den Hauptrollen. Die beiden Schauspieler gehören neben Jack Lemmon zu Wilders Favoriten. Der Film steht mittlerweile auf der Liste der besten Hollywoodfilme aller Zeiten. Wenig später verlässt der unbestrittene Meister der Komödie Paramount, um seine Unabhängigkeit zu wahren. Wilders persönlicher Lieblingsfilm ist „Reporter des Satans“, eine scharfe Anklage gegen die Scheinheiligkeit so mancher Medien, die auch heute noch aktuell ist. Anhand von Ausschnitten aus seiner meisterhaften Filmografie und herrlich (selbst)ironischen Archiv-Interviews geht die Dokumentation dem Werk des legendären Billy Wilder auf den Grund.

So., 25. Jun · 09:50-10:30 · arte
TWIST – Mit Kultur Hass überwinden?

Es ist eines der stärksten Gefühle, das wir kennen: der Hass. Kann Kultur dabei helfen, ihn zu überwinden? „TWIST“ besucht Sarajevo – eine Stadt, in der die Wunden des Bosnien-Krieges noch präsent sind. Das War Childhood Museum in Sarajevo ist das erste Museum der Welt, das sich ausschließlich den Kriegserfahrungen von Kindern widmet. Kann ein Museum bei der Trauma-Bewältigung helfen? Die Idee zum Museum hatte Jasminko Halilovic, der selbst ein Kriegskind war. Die Künstlerin Aida Sehovic war 15, als der Krieg in Bosnien ausbrach. Sie erinnert mit einer Installation aus tausenden Mokka-Tassen an die Opfer des Genozids von Srebrenica, wo im Juli 1995 mehr als 8000 muslimische Jungen und Männer von serbischen Kriegsverbrechern ermordet wurden. Die Tänzerin Jeny BSG aus Brüssels Problemviertel Molenbeek hat kongolesische Wurzeln. Sie tanzt Vorurteile weg und gibt dem Hass keine Chance. 1,8 Millionen Menschen folgen ihr auf Instagram. „TWIST“ spricht mit der Autorin Seyda Kurt darüber, ob Hass zu Unrecht so einen schlechten Ruf hat. Sie erforscht in ihrem neuen Buch „Hass“ die Macht eines widerständigen Gefühls. Für sie ist Hass nicht unbedingt schlecht, sondern kann für unterdrückte Menschen Mittel der Ermächtigung sein. Kinder und Jugendliche zu toleranten Erwachsenen erziehen, damit der Hass in Zukunft keine Chance mehr hat: Der Lehrer Hedi Bouden fährt mit Jugendlichen aus Hamburg-Wilhelmsburg nach Israel, Palästina und jetzt Auschwitz und erarbeitet mit ihnen Theaterstücke zur Frage, woher Hass kommt und wie man ihn bekämpfen kann.

So., 25. Jun · 17:55-18:40 · arte
Menuhin und Karajan – Sternstunden der Musik

Yehudi Menuhin gilt als das Wunderkind des vergangenen Jahrhunderts. Er wurde gefeiert und verehrt wie einst Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Violinkonzert Nr. 5 er für diese Aufzeichnung interpretiert. Nach vielen Jahren des Konzertierens und Reisens stellt der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs einen Wendepunkt für Menuhin dar. Er spielt vor alliierten Truppen, vor Soldaten und Verwundeten. Sein Konzert im befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen erschüttert den geschützten Wunderknaben. Menuhin beschließt, sein Leben und seine Musik der Versöhnung und dem Frieden zu widmen. Bereits 1947 kehrt er als erster jüdischer Musiker für ein Gastspiel zurück nach Berlin. Nur wenige Jahre älter, schlägt Herbert von Karajan einen völlig anderen Weg ein. Sein Leben ist geprägt von der Suche nach Perfektion und musikalischer Größe. Während der NS-Zeit baut Herbert von Karajan in Deutschland seine Karriere auf und wird zu einem der bedeutendsten Dirigenten der Nachkriegszeit. Dass solch unterschiedliche Lebensläufe musikalischen Sternstunden nicht im Wege stehen, belegt die Aufnahme aus dem Jahr 1966, meisterhaft in Szene gesetzt durch den preisgekrönten Spielfilmregisseur Henri-Georges Clouzot. Internationale Stars aus der Musikszene wie Anne-Sophie Mutter, Daniel Hope oder Hilary Hahn, aber auch Größen der Filmkunst wie Sunnyi Melles, August Zirner und Bruno Monsaingeon erzählen davon, wie dieses Zeitzeugnis, die einzige Zusammenarbeit der beiden Musiklegenden, heute auf sie wirkt.

Mo., 26. Jun · 20:15-22:09 · arte
Rosa Luxemburg

Ein Gefängnis in Warschau, 1906: Die „Vorwärts“-Redakteurin Rosa Luxemburg ist unter dem Eindruck der gescheiterten ersten russischen Revolution nach Polen gekommen, um mit ihrem Geliebten Leo Jogiches die Ideen der Arbeiterbewegung zu verbreiten. Es ist nicht ihre erste Haft. Geboren 1871 als Tochter eines wohlhabenden polnisch-jüdischen Kaufmanns, ließ sie sich nach ihrer Promotion in Berlin nieder und trat der SPD bei. Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, neben Figuren wie August Bebel und Karl Kautsky, wirkte sie wie ein Paradiesvogel: eine eigenwillige, dem Leben zugewandte Frau, kompromisslos im Privatleben und in ihrer Politik. Nachdem Bebel ihre Freilassung aus der Warschauer Zitadelle erkauft hat, gerät die hochbegabte Journalistin und Rednerin in Konflikt mit ihrer Partei, die eine zunehmend staatstragende Linie verfolgt. Einen Verbündeten findet sie schließlich in Karl Liebknecht, dem einzigen Reichstagsabgeordneten, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmt. Luxemburgs leidenschaftliche Reden gegen den Krieg führen zum Zerwürfnis mit der SPD, zu Prozessen und weiteren Haftstrafen. Aber weder Isolation noch Krankheit brechen ihren Geist. Als Mitbegründerin des Spartakusbundes und Redakteurin der „Roten Fahne“ setzt sie nach dem Krieg ihre Arbeit unter veränderten Vorzeichen fort. Den Optimismus ihres Genossen Liebknecht, der auf eine deutsche Revolution hofft, teilt sie allerdings nicht. Und die Ereignisse geben ihr auf furchtbare Weise recht: In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 werden Luxemburg und Liebknecht verhaftet, ermordet und in den Berliner Landwehrkanal geworfen.

Di., 27. Jun · 22:40-23:30 · arte
Tödliche Fracht (1/2) Der Absturz

Am frühen Abend des 4. Oktobers 1992 stürzt ein Frachtflugzeug vom Typ Boeing 747 der staatlichen israelischen Fluggesellschaft EL AL in einen Wohnkomplex im Amsterdamer Migrantenviertel Bijlmer. 43 Menschen sterben, die Hälfte von ihnen sind Kinder. Während die Hinterbliebenen um ihre Angehörigen trauern, läuft die Suche nach den Schuldigen unter Hochdruck. Hat Boeing das Flugzeug korrekt gewartet? Welche Verantwortung trugen die Piloten? Und: Was wusste die niederländische Regierung? Denn schon bald melden sich erste Anwohnerinnen und Anwohner, Feuerwehrleute und Rettungskräfte mit unerklärlichen Erkrankungen. Unterstützt von Investigativjournalisten beginnen die Opfer zu fragen, was eigentlich an Bord des Frachtflugzeugs war. Warum stand „Militär“ auf einem der Frachtbriefe, während sowohl die Niederländer als auch die israelische Regierung nach wie vor behaupten, die Ladung sei völlig harmlos und legal gewesen? Filmemacher Noam Pinchas rekonstruiert in „Der Absturz“ mit zum Teil unveröffentlichtem Archivmaterial, aktuellen Insiderinformationen und neuen Quellen erstmals den vollständigen Ablauf der Flugzeugkatastrophe vom 4. Oktober 1992 bis heute. „Tödliche Fracht – Der Absturz“ ist ein Politthriller um eine Flugzeugtragödie, in der konkurrierende Finanzinteressen und politisches Kalkül bis heute nachwirken.

Di., 27. Jun · 23:30-00:25 · arte
Tödliche Fracht (2/2) Die Vertuschung

Nach dem fatalen Absturz des Boeing-Frachtflugzeugs von EL AL im Amsterdamer Vorort Bijlmer am 4. Oktober 1992, dem 43 Menschen zum Opfer fielen – die Hälfte von ihnen minderjährige Kinder –, melden sich immer mehr Menschen, die vor Ort waren, mit unerklärlichen schweren Erkrankungen: Anwohnerinnen und Anwohner, Feuerwehrleute und Rettungskräfte. Auch Politiker, die sich für die Interessen der Menschen in Bijlmer einsetzen und auf die Beantwortung der Frage drängen, was genau im Frachtraum der Maschine war, beißen auf Granit. Nach langem Ringen setzt die niederländische Regierung eine Untersuchungskommission ein, um die Unglücksursachen lückenlos zu ermitteln. Doch parallel arbeiten auch israelische und niederländische Investigativjournalisten an dem Fall und finden heraus, dass auch DMMP aus den USA an Bord war – der Vorläufer des Nervengases Sarin. Warum die israelische Regierung unbedingt vermeiden wollte, dass diese Information öffentlich wird, und was genau die niederländischen Behörden darüber wussten, enthüllt die zweite Folge: „Tödliche Fracht – Die Vertuschung“.

Mi., 28. Jun · 00:25-01:55 · SWR
Lea Tsemel, Anwältin

Israels Besatzung palästinensischer Gebiete führt seit Generationen zu blutigen Auseinandersetzungen. Lea Tsemel ist jüdische Anwältin und verteidigt palästinensische Straftäter:innen, die in ihrem Land keine Stimme haben. Welchen Preis zahlen sie und ihre Familie für ihren Kampf um Gerechtigkeit? Was bedeuten diese Fragen, wenn das Opfer, ein Kind, auch Täter ist? Israels Besatzung palästinensischer Gebiete führt seit Generationen zu blutigen Auseinandersetzungen. Lea Tsemel ist jüdische Anwältin und verteidigt palästinensische Straftäter:innen, die in ihrem Land keine Stimme haben. Ihr Mandant ist der 13-jährige Ahmad. Für die Israelis ist der Palästinenserjunge ein Terrorist, der eine hohe Gefängnisstrafe verdient hat, egal, wie es zu der Messerattacke kam und wie jung er ist. Für die Palästinenser:innen ist er ein willkommenes Opfer, um die Methoden der Israelis anzuprangern. Der Dokumentarfilm behandelt den israelisch-palästinensischen Konflikt, indem er die Juristin ins Zentrum stellt und fragt: Welchen Preis zahlen Lea Tsemel und ihre Familie für ihren Kampf um Gerechtigkeit? Was bedeutet Gerechtigkeit vor dem Hintergrund des unlösbaren Nahostkonflikts? Und was bedeuten diese Fragen, wenn das Opfer, ein Kind, auch Täter ist?

Mi., 28. Jun · 14:20-16:10 · arte
Kiss Me Kosher

Die zwei jungen Frauen Shira und Maria gehen offen mit ihrer Sexualität um und sind seit drei Monaten überglücklich verliebt. Sie wollen zusammenziehen. Doch die beiden stammen aus ganz verschiedenen Welten. Während Shira als Jüdin in Israel aufgewachsen ist, kommt Maria aus Deutschland. Shiras Familie sieht den Krieg als Kampf für den Frieden, wohingegen Marias Eltern Gewalt strikt ablehnen. Marias Heiratsantrag macht erst deutlich, wie stereotypbehaftet die Familien der beiden über die bevorstehende Hochzeit denken. Während Shira versucht, Maria in ihre Familie zu integrieren, bekommt Maria immer mehr das Gefühl, von allen auf ihre Herkunft reduziert zu werden. Gerade für Shiras Großmutter Berta, die den Holocaust überlebt hat, ist die Verbindung der beiden inakzeptabel. Dies ist für Shira besonders belastend, da ihre Großmutter bisher eine der wichtigsten Personen in ihrem Leben war. Als dann auch noch Marias Eltern entscheiden, nach Jerusalem zu reisen, um Shiras Familie kennenzulernen, wird schnell klar, wie schwierig es ist, trotz allem guten Willen, die schmerzhafte Geschichte ihrer Vorfahren hinter sich zu lassen. Ist die Beziehung der jungen Frauen stark genug, gegen die Vorurteile ihrer Familien zu bestehen? Ist es notwendig, sich zwischen Familie und Liebe zu entscheiden, oder lassen sich die Verwandten nach all den Jahren des Schmerzes und der Wut noch zum Umdenken bringen? Aber vor allem: Kann Shiras Großmutter Berta nicht nur für ihre Enkelin, sondern auch für sich akzeptieren, dass Liebe manchmal alles überflügelt?
Bild oben: © SWR/Fireglory Pictures, Shira (Moran Rosenblatt, re.) aus Israel und Maria (Luise Wolfram, li.) aus Deutschland sind leidenschaftlich ineinander verliebt.