Die neuen Fernsehtipps

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© HR - Die Musiker Romani Weiss und Manolito Steinbach (li.)

Vom 1. bis 15. April 2023

Sa., 1. Apr · 12:15-13:00 · PHOENIX
Schwarz und deutsch

„Ich bin in Deutschland geboren. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich war in meinem Leben nur einmal auf dem afrikanischen Kontinent als Pauschalurlauber“, sagt der Jenaer Student Konrad Erben (31). Dennoch unterstellen ihm viele, dass er kein Deutscher sei. Nur weil er Schwarz ist. Schwarz und deutsch sein das geht für viele noch immer nicht zusammen. Deutschland hat sich weiß geträumt. Doch Afrodeutsche leben bereits seit vielen Generationen in Deutschland, Hunderte kamen bereits im Kaiserreich aus den damaligen Kolonien. Als Darsteller der sogenannten „Völkerschauen“ oder um eine Ausbildung zu machen. „Meine Familie lebt bereits in der 5. Generation in Deutschland“, sagt die Berlinerin Abenaa Adomako (59) stolz. Ihr Urgroßvater Mandenga Diek war der erste Afrikaner, der 1896 die deutsche Staatsbürgerschaft bekam. Er setzte sich als erfolgreicher Kaufmann mit dem „Afrikanischen Hilfsverein“ für die Rechte Schwarzer Bürger ein: der Beginn der Schwarzen Community in Deutschland. Einige Schwarze Menschen, auch Abenaas Großvater, überlebten in der NS-Zeit, weil sie für Propagandafilme missbraucht wurden. Sie spielten an der Seite von Hans Albers oder Heinz Rühmann in „Münchhausen“ oder „Quax in Afrika“. Doch viele wurden zwangssterilisiert und kamen in KZs oder Fremdenlager. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen in der BRD Schwarze US-Soldaten auf deutsche Fräuleins, deren Kinder, die „Brown Babies“, wurden zur Adoption in die USA frei gegeben oder im Alltag rassistisch ausgegrenzt. Erwin Kostedde (74), erster Schwarzer Fußball-Nationalspieler, erzählt in diesem Film davon. In den 1990er Jahren saß er monatelang wegen eines ihm vorgeworfenen Raubüberfalls in U-Haft er wurde freigesprochen. Der Verdacht des „racial profiling“ besteht bis heute. Gabriela Willbold war das erste Schwarze Kind, das in Cottbus eingeschult wurde. Sie wuchs ohne eine Schwarze Community auf, nahm die antirassistischen Bekenntnisse der DDR wörtlich und ließ sich keine Diskriminierung gefallen. In „Schwarz und deutsch“ erzählen Frauen und Männer aus vier Generationen ihre bewegenden, aufrüttelnden, stolzen Geschichten. Der Film verbindet sie zu einer Geschichte von Rassismus, Überleben und Selbstbehauptung.

Sa., 1. Apr · 14:20-15:55 · arte
Sakrale Bauwerke – Vom Verborgenen zum Sichtbaren: Tempel und Synagogen

Überall auf der Welt erzählen die heiligen Stätten des Judentums von der einzigartigen und tragischen Geschichte des jüdischen Volkes: Genau wie die Angehörigen dieser Religion mussten die Gebetshäuser unauffällig sein, um gefahrlos existieren zu können. Dennoch haben nur wenige die Zeit überdauert. Die Reise beginnt in Jerusalem, der Wiege der ersten monotheistischen Religion. Hier erbaute das jüdische Volk zwei Tempel auf dem Berg Moriah. Die Klagemauer enthält Reste des zweiten Tempels und ist eine wichtige religiöse Stätte des Judentums. Auf der tunesischen Insel Djerba orientiert sich die Architektur der Synagogen an den Moscheen. Die el-Ghriba-Synagoge ist eine der ältesten und meistbesuchten Synagogen auf dem afrikanischen Kontinent. Außergewöhnlich schön sind die Synagogen von Córdoba und Toledo in Spanien, wo fast alle übrigen Synagogen der Inquisition zum Opfer fielen. Die Portugiesische Synagoge ist wiederum ein Wahrzeichen Amsterdams; sie wurde im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der Niederlande, errichtet und zeugt von einer Zuversicht der damaligen jüdischen Bevölkerung. Die fünf Synagogen im Ghetto von Venedig sind hingegen von außen sehr unscheinbar – nichts lässt ihre prächtige Innengestaltung erahnen. In Europa wurden die meisten jüdischen Kultstätten im Zweiten Weltkrieg zerstört; als eine der wenigen überlebte die Große Synagoge von Budapest. In den Vereinigten Staaten fanden die verfolgten Juden schließlich Zuflucht. Nach Entwürfen von Frank Lloyd Wright wurde in einem Vorort von Philadelphia die Beth Sholom Congregation errichtet, auch sie ein Zeichen des Vertrauens und Stolzes der Juden, endlich sichtbar sein zu dürfen.

Sa., 1. Apr · 22:00-23:30 · RBB
Der Tel-Aviv-Krimi: Alte Freunde

In „Alte Freunde“, dem vierten Film mit Katharina Lorenz in der Rolle von Sara Stein, wird der Kommissarin bewusst, welche Traumata der dauerhafte Kriegszustand bei Israelis verursacht. Sara weiß, dass es zwischen ihrem Lebensgefährten David und ihrem Kollegen Blok seit der gemeinsamen Militärzeit ein unaussprechliches Geheimnis gibt. Doch erst jetzt erfährt sie die Wahrheit und ist zutiefst erschüttert. Sara muss sich der israelischen Realität stellen, führt ihr aktueller Fall die Neubürgerin doch in das Milieu der gefallenen Kriegshelden. Am Strand von Tel Aviv wird eine abgetrennte Hand gefunden. Sie gehörte zu Dori Meyer (Ofri Biterman), einem jungen Menschenrechtsaktivisten, der kurz zuvor von seiner Mutter Zvia (Orly Zilbershatz) als vermisst gemeldet wurde. Zunächst ist nicht klar, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelt. Doch dann taucht Doris Schützling Dahir (Sean Mongoza) auf, ein junger sudanesischer Flüchtling, der sich illegal in Israel aufhält. Dahirs Aussage bringt Blok (Samuel Finzi), Sara Steins (Katharina Lorenz) raubeinigen Kollegen, in einen schweren Konflikt: Blok muss in vertrauten Kreisen aus seiner Militärzeit ermitteln, in einer Gruppe Männer, die sich damals gegenseitig das Leben anvertraut haben und heute kaum noch etwas gemein haben. Dazu gehört auch Saras Lebensgefährte, David Shapiro (Itay Tiran), der damals in Bloks Einheit diente und heute kaum noch dessen Anblick ertragen kann. Oder der zwielichtige Shooting-Range-Besitzer Yoram (Jakob Daniel), dem sich Blok nach wie vor verbunden fühlt. Für Sara ist es schwer, diese für sie immer noch fremde Welt zu durchschauen, zumal sie eine Wahrheit über David erfährt, die sie zutiefst erschüttert.

So., 2. Apr · 09:20-10:05 · HR
Queertopia – Struggles unterm Regenbogen (1)

Monika und Elke wissen nicht, wie man das Wort „lesbisch“ richtig schreibt, als sie in den 1960er Jahren merken, dass sie Frauen lieben. Dass sie heute „queer“ sind, haben sie mitbekommen, aber auch, wie heftig darüber gestritten wird: alt gegen jung, Identität gegen Anti-Wokeness, Leder gegen Puppy, Feminismus gegen Trans: über alte Kämpfe und neue Träume. „Queer“. Der Begriff ist jung, die Geschichte viel älter: von der Verfolgung homosexueller, bis hin zur Ehe für alle oder dem dritten Geschlecht. Wer oder was ist überhaupt „queer“? Wer gehört dazu, wer wird ausgeschlossen? Wer kämpft mit wem? Wer streitet sich? Worüber? Wohin geht die Reise? Das will diese 4-teilige Serie herausfinden.

So., 2. Apr · 11:05-11:50 · 3sat
Heinrich Mann, der unbekannte Rebell

Heinrich Mann (1871-1950) war Beobachter und Kommentator politisch-gesellschaftlicher Vorgänge seiner Zeit. Gerade heute lohnt es, die Botschaften des Humanisten neu zu betrachten. Viele Essays lesen sich wie aktuelle Kommentare – sei es zu Hatespeeches in Sozialen Medien oder zum Aufflammen von Antisemitismus oder deutschnationalem Geraune. Der Film begibt sich auf die Spuren des Schriftstellers. Ulrich Tukur interpretiert Heinrich Manns Texte. Heinrich Mann war ein Humanist, eine moralische Instanz, dessen Botschaften uns gerade heute wieder viel zu sagen haben. Neben seinen berühmten Werken wie „Professor Unrat“, „Der Untertan“ oder seinen beiden „Henri Quatre“-Romanen hat Mann über 1000 Essays verfasst, die sich zwischen romantischer Verklärung politischer Utopien und exzellenten, hellwachen Analysen von Fehlentwicklungen bewegen. Er wurde nicht müde, für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten. In seinen Essays äußerte er sich zunehmend besorgt über die deutschnationale Rechte, plädierte für ein starkes, geeintes Europa mit einer deutsch-französischen Achse und positionierte sich gegen jeden nationalen Chauvinismus. Schon im Ersten Weltkrieg gehört Heinrich Mann zu den großen Mahnern und Pazifisten und hat sich damit ganz gegen seinen kriegsbegeisterten und deutschnationalen Bruder Thomas gestellt. 1914 vollendet er seinen Roman „Der Untertan“ über einen typischen Opportunisten im Kaiserreich. Erst nach Kriegsende kann der Roman erscheinen und verkauft sich sofort rasant. Heinrich Mann gehört in dieser Zeit zu den populärsten Autoren Deutschlands. Aber auch zu den streitbarsten. Er engagiert sich für den Sozialismus, für soziale Gerechtigkeit als Basis für eine funktionierende Gesellschaft. 1933 steht sein Name auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nazis, seine Bücher werden verbrannt, und Heinrich Mann emigriert in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er in der jungen Bundesrepublik mit Ressentiments betrachtet, die DDR hingegen wählt ihn 1949 zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin. Kurz vor seiner Abreise aus den USA stirbt Heinrich Mann. Für die Dokumentation „Heinrich Mann, der unbekannte Rebell“ interpretiert Schauspieler Ulrich Tukur Texte von Mann, die den Nöten der Zeit, ihrer Zerrissenheit und den Konflikten in einer Gesellschaft nachspüren, die sich auf geradem Weg in den nächsten Krieg befindet. Die Texte erhalten auch intime Einblicke in Heinrich Manns private Beziehungen zu Frauen aus der Boheme, die den Autor mehr als nur literarisch beschäftigt haben. Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Prostituierte erscheinen bei Heinrich Mann als „starkes Geschlecht“ und nicht, wie sonst in dieser Zeit üblich, als bloßes Interieur einer bürgerlichen Welt. Inwieweit er vielleicht in seinen Beziehungen aber auch nur literarischen Ausbeutungsinteressen gefolgt ist, wird ebenfalls Thema.

So., 2. Apr · 23:15-01:15 · 3sat
Der Marathon-Mann

Der New Yorker Geschichtsstudent und passionierte Marathonläufer Babe Levy versucht in seiner Doktorarbeit, die Unschuld seines jüdischen Vaters zu beweisen, der sich in der McCarthy-Ära umbrachte. Gleichzeitig taucht der ehemalige KZ-Arzt Szell in New York auf, um sein im „Dritten Reich“ auf grausame Weise erlangtes Vermögen einzustreichen, das in Form von Diamanten in einem Bankschließfach lagert. Als der Nazi-Arzt Babes Bruder, den CIA-Agenten Doc Levy, ermordet, wird Babe in die Machenschaften Szells verwickelt. Denn Szell glaubt, Doc habe vor seinem Tod noch Informationen an seinen Bruder weitergegeben. Szell und seine Helfershelfer entführen Babe und versuchen mit brutalster Folter – Szell betätigt sich dabei als „Zahnarzt“ -, ihm sein vermeintliches Wissen zu entlocken. Doch Babe kann fliehen. John Schlesingers düsterer Thriller war einer der größten Kassenerfolge der 1970er-Jahre und brachte dem britischen Theater- und Filmstar Sir Laurence Olivier für seine teuflische Darstellung des KZ-Arztes eine Oscarnominierung als bester Nebendarsteller ein. Schlesinger („Der Falke und der Schneemann“, „Fremde Schatten“), Spezialist für Spannung mit kritischem Touch, setzt dabei auf Schockeffekte mit Spannung: Ebenso wie der Zuschauer wird auch Hauptdarsteller Dustin Hoffman lange über die Hintergründe im Unklaren gelassen. So entsteht ein verschachteltes Puzzlespiel mit Szenen von beklemmender Intensität. Ein rasanter Thriller, der Kinogeschichte schrieb.

Di., 4. Apr · 00:00-00:30 · 3sat
37°: Lebenslügen und Familiengeheimnisse

Die „37°-Reportage porträtiert drei Familien, die jahrelang ein Familiengeheimnis hüteten und daran fast selbst zerbrachen. Es sind Tabus, die nicht ausgesprochen wurden. Auch nahmen sie in Kauf, dass die nachfolgende Generation unter der Last der Verdrängung leiden musste. Dunkle Geheimnisse können eine Partnerschaft und Familie nachhaltig belasten und über Generationen hinweg Unheil anrichten. Brittas Eltern hüteten über 30 Jahre lang ein Geheimnis: Ihre Tochter entstand durch einen anonymen Samenspender. Erst vor Kurzem brach die Mutter das Schweigen und erklärte sich in einem Brief. Doch für Tochter Britta brach eine Welt zusammen. Sie fühlt sich von ihren Eltern betrogen und weiß nicht mehr, woher sie kommt. Dabei ist Brittas Mutter Professorin für Erziehungswissenschaft und weiß, wie wichtig das Wissen um die eigenen Wurzeln ist. Dennoch litt sie in all den Jahren, in denen sie die Tochter belog. Nun sucht die Familie nach Wegen, das Vertrauen zurückzugewinnen. Als Kind besuchte Bianca oft ihre Großmutter und wollte mehr vom Krieg erfahren. Aber die Oma wies alles von sich: Sie habe von den Gräueltaten der Nazis nichts gewusst, und in ihrer Gegend habe es keine Juden gegeben. Doch als Bianca vor Kurzem wieder an dem Familienhaus vorbeispazierte, entdeckte sie drei Stolpersteine und begann, zu recherchieren. Vor den Großeltern hatten im Haus drei Juden gelebt, die nach Theresienstadt deportiert und ermordet wurden. Was wussten die Großeltern wirklich, und war Biancas Großvater etwa ein Täter? Taner ist Moslem und schwul. Seine Homosexualität hat er zunächst auch vor sich selbst verdrängt. Lange hoffte er, Allah könnte ihn davon heilen. Bis heute ist es sein Geheimnis geblieben, weil er seine Familie in der Türkei nicht in Schwierigkeiten bringen will. Für einen Teil seiner Verwandtschaft gehören Homosexualität und Islam nämlich nicht zusammen. Dabei findet sich im Koran kein Verbot, und Taner hofft, dass es irgendwann zu einer sexuellen Revolution in den Köpfen der Menschen kommt. Doch bis dahin will er sich vor seiner Familie nicht outen. Die „37°“-Reportage begleitet Menschen mit Familiengeheimnissen auf dem Weg, sie zu lüften. Denn sie alle suchen den Anfang für ein befreites Leben, weil das Tabu sie belastet.

Di., 4. Apr · 23:55-01:40 · HR
Verleugnung

Deborah Lipstadt (Rachel Weisz), Professorin für Jüdische Zeitgeschichte an der Emory University in Atlanta, sieht sich mit einem brisanten Gerichtsverfahren konfrontiert: In einer ihrer Publikationen bezichtigte sie den britischen Historiker David Irving (Timothy Spall) der Lüge, weil sich dieser vehement weigert, den im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Holocaust als geschichtliche Tatsache anzuerkennen. Irving kontert diese Provokation auf seine Weise: Er verklagt Lipstadt wegen Rufschädigung und beschwört einen Verleumdungsprozess herauf, bei dem die Angeklagte nach britischem Strafrecht dazu verpflichtet ist, ihre Sicht der Dinge unter Beweis zu stellen. Für die amerikanische Professorin bedeutet dies im Klartext, dass sie die historische Nachweisbarkeit der Judenvernichtung faktisch belegen muss. Unter dem Druck der Beweislast engagiert Lipstadt ein erfahrenes Verteidigerteam, angeführt von dem undurchschaubaren, aber mit allen Wassern gewaschenen Anwalt Richard Rampton (Tom Wilkinson), dessen eigenwillige Herangehensweise an den diffizilen Fall bei seiner Auftraggeberin nicht immer auf Gegenliebe stößt. Rampton und seine Kollegen versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, Irvings Hauptargumente außer Kraft zu setzen, während das unliebsame Justizspektakel eine kontrovers diskutierte Eigendynamik entwickelt. Vier Jahre, von 1996 bis 2000, dauerte der Verleumdungsprozess, den der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving gegen die amerikanische Professorin Deborah E. Lipstadt angezettelt hatte. Heraus kam ein denkwürdiger Sieg für Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit kontra Geschichtsfälschung und Fanatismus.

Do., 6. Apr · 23:15-00:00 · HR
Der lange Weg der Sinti und Roma

Jùlie Halilic ist stolz, wenn sie an ihren Großvater denkt. Wallani Georg erkämpfte gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern, dass der Massenmord an den Sinti und Roma 1982 als Völkermord anerkannt wurde. Begonnen hatte es mit einer Besetzung der KZ-Gedenkstätte Dachau. Elf Sinti traten dort 1980 in den Hungerstreik, weil die Verfolgung für Angehörige ihrer Minderheit mit der Befreiung nicht endete, weil der Rassismus gegen Sinti und Roma ungebrochen fortbestand. Sie texteten ein beliebtes Wanderlied um, um darauf aufmerksam zu machen: „Lustig ist das Zigeunerleben, Faria, Faria ho – Staat braucht uns keine Rechte (zu) geben, Faria, Faria ho“. Die Aktion in Dachau markierte den Beginn der Bürgerrechtsbewegung, eines langen Weges der Emanzipation. Die Auschwitz-Überlebende Zilli Schmidt kämpfte viele Jahre um Anerkennung ihrer Verfolgung aus rassischen Gründen. Die Musiker Manolito Steinbach und Romani Weiß wuchsen in den 1970er Jahren in West-Berlin auf. Sie erzählen davon, wie sie lange Zeit lieber unsichtbar bleiben wollten, wie diese Vorsicht erst nach und nach einem neuen Selbstbewusstsein wich. Gianni Jovanovic erlebte, dass die Verfolgung auch mit der Anerkennung des Völkermords nicht endete. Nachdem er 1982 einen Bombenanschlag in Darmstadt überlebt hatte, wurde wenig später das Haus seiner Verwandten in einer Nacht- und Nebelaktion von der Stadt abgerissen. Mit diesen persönlichen Lebenswegen zeichnet der Film emotional und eindrucksvoll die Geschichte von Deutschlands größter nationaler Minderheit nach und macht bisher unerzählte Perspektiven sichtbar. Individuelle Geschichten und bisher kaum gezeigtes Archivmaterial nehmen mit in eine Zeit, in der Sinti und Roma weiter diskriminiert wurden und in der sie sich schließlich zur Wehr setzten. Unter den historischen Aufnahmen aus den ARD-Archiven fand Filmautor Adrian Oeser viele Szenen, die deutlich machen, wie stark der Rassismus gegen Sinti und Roma nach 1945 fortdauerte – und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer wieder befeuert wurde. Die Dokumentation „Der lange Weg der Sinti und Roma“ ist damit auch eine kritische Auseinandersetzung der ARD mit ihrer eigenen Geschichte. Der Film zeigt darüber hinaus, dass eine Aufarbeitung in vielen gesellschaftlichen Bereichen bis heute notwendig ist. Bis in die 1980er Jahre arbeiteten Landeskriminalämter und Forscher in ganz Deutschland mit den Akten der Rassenhygieniker aus der Nazizeit weiter, um Sinti und Roma systematisch zu erfassen. Erst die Bürgerrechtler konnten diese Aktenbestände in den 1980er Jahren freipressen. Beeindruckendes Archivmaterial zeigt, wie sie die Dokumente ihrer Verfolgung fast vierzig Jahre nach der Befreiung erstmals in den Händen halten. Zu realisieren, dass die systematische Stigmatisierung so lange andauerte, belastet den Bürgerrechtler Rudko Kawczynski bis heute.
Bild oben: © HR – Die Musiker Romani Weiss und Manolito Steinbach (li.).

Di., 11. Apr · 21:45-23:10 · arte
Hass gegen Queer

Gewalt und Hass gegen LGBTQIA+-Personen nehmen auch in Westeuropa drastisch zu. Der Dokumentarfilm „Hass gegen Queer“ begleitet Betroffene von Gewalt und beleuchtet die gesellschaftliche Grundstimmung, die diese Gewalt nährt. Wie tief sind diskriminierendes Denken und Handeln strukturell noch verankert? An welchen Stellen wird die Verbindung mit Rassismus und Sexismus sichtbar? Und inwiefern ist diese Entwicklung auch ein Gradmesser für den Zustand unserer Demokratie? „Hass gegen Queer“ zeigt Menschen auf ihrem Weg, mit dem Erlebten umzugehen, Kontrolle zurückzuerlangen und nicht mehr zu schweigen: die Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer, die regelmäßig transfeindlicher medialer Hetze und Hasskampagnen im Internet ausgesetzt ist; Max aus Bremen, der acht Monate lang Opfer von homofeindlichem Cybermobbing ist, bevor die Bedrohung real wird; das deutsch-französische Paar Charlotte und Linda wird am helllichten Tag vor den Augen ihrer Tochter verprügelt; Arnaud wird in Paris auf offener Straße von sechs Jugendlichen zusammengeschlagen; Ria und Leo finden in der Berliner Ballroom-Community, wo sich queere und trans BIPoC-Personen einen sicheren Ort geschaffen haben, ein Zuhause. Die Bedrohung ist besonders stark, wenn sich Diskriminierungsformen überschneiden. Verwoben mit den Geschichten der Hauptfiguren erzählen viele weitere queere Personen von ihren Gewalterfahrungen und zeigen, dass physische Gewalt nur die Spitze des Eisbergs ist.