Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. November 2022

Mi., 16. Nov · 09:45-10:00 · ARD-alpha
RESPEKT kompakt: Holocaust – Erinnern ohne Zeitzeugen

Wie kann das Wissen über den Holocaust weitervermittelt und niemals vergessen werden? 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Ende des Nazi-Regimes in Deutschland gibt es nur noch wenige Überlebende, die von dem Grauen in den Konzentrationslagern berichten können. Wie kann Erinnern gelingen, wenn die letzten Zeitzeug*innen verstorben sind? Als „Holocaust“ wird der Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden bezeichnet. Wie viele jüdische Menschen Opfer des Holocaust wurden, lässt sich nur schätzen: zwischen 5,6 und 6,3 Millionen. Damit so etwas nie wieder passiert, darf die systematische und organisierte Ermordung von Menschen niemals in Vergessenheit geraten. Doch wie kann die Erinnerung bewahrt werden? Vor allem, wenn die letzten Zeitzeug*innen nicht mehr da sind, um ihre Stimme mahnend zu erheben? Dieser Frage geht RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl nach. Dazu ist sie in die Oberpfalz in das ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg gefahren. Mit dem Leiter der KZ-Gedenkstätte, Jörg Skriebeleit, und Jugendlichen der evangelischen Jugend Weiden spricht sie darüber, wie mit neuen Wegen in der Museumspädagogik das Erinnern an einem historischen Ort auch künftig möglich sein kann. Wie können diese neuen, digitalen Wege des Erinnerns aussehen? Diese Frage stellt Verena Hampl auch Vertreter*innen von Yad Vashem. Yad Vashem in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt und wird jährlich von zwei Millionen Menschen besucht. Einen neuen Weg des Erinnerns sind der israelische Hightech-Millionär Mati Kochavi und seine Tochter Maya gegangen mit einem Instagram-Projekt. 1944 wurde im deutschen Vernichtungslager Auschwitz auch die 13-jährige Ungarin Eva Heymann ermordet. Nach ihrem Original-Tagebuch ist im letzten Jahr die Web-Serie „Eva Stories“ entstanden. Verena Hampl konnte dazu Macher*innen sprechen. Weitere Gesprächspartner*innen von Verena Hampl sind der KZ-Überlebende Ernst Grube sowie die Autorin Lena Gorelik.

Sa., 19. Nov · 19:20-20:00 · 3sat
Aufgewachsen unter Glatzen (1/2) Landschaften der Angst

„National befreite Zonen“, Springerstiefel, Baseballschläger: Bis weit in die 2000er-Jahre beherrschten Angst und Gewalt viele Regionen der früheren DDR. Die Schrecken wirken nach – bis heute. 30 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 widmet sich die zweiteilige Dokumentation der gewaltvollen Nachwendezeit und dem eklatanten Staatsversagen, das die „Baseballschlägerjahre“ möglich gemacht hat. Wie sehr sich diese Erfahrung auch in die Seelen der Menschen eingebrannt hat, zeigen mehrere literarische Neuerscheinungen – auch aus dem Blickwinkel von Tätern und Mitläufern. „Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man … das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom“: So beschreibt der Journalist und Schriftsteller Daniel Schulz, wie es sich anfühlt, wenn man mit einer Horde Glatzen in Bomberjacken eine Gaststätte betritt. „Die schauen alle plötzlich nach unten!“ Daniel Schulz‘ im Jahr 2022 erschienenes Buch „Wir waren wie Brüder“ ist das derzeit jüngste, eindringliche Buch in einer langen Reihe von Werken, in denen ostdeutsche Autoren sich ihrem ganz persönlichen Trauma der „Baseballschlägerjahre“ stellen. Bei Schulz ist es nicht nur die Angst, Opfer zu werden – sondern auch die Scham, bei den Tätern mitgelaufen zu sein, um ungeschoren davon zu kommen. Woher kam die rohe Gewalt? Wie konnte der Staat so versagen, dass fast eine ganze Generation von ostdeutschen Jugendlichen in Angst aufgewachsen ist? Haben wir daraus gelernt? Oder sind die „Baseballschlägerjahre“ vielleicht noch gar nicht wirklich vorbei?

Sa., 19. Nov · 20:15-21:40 · NDR
Familie verpflichtet

Das glücklich lebende Schwulen-Pärchen David und Khaled würde nur zu gerne öffentlich heiraten – wäre da nicht Khaleds arabischstämmige Familie, insbesondere sein homophober Vater Aledrissi. Auch Davids Mutter Lea, die zurück zum Glauben gefunden hat und sich als Geschäftsführerin der jüdischen Gemeinde engagiert, sorgt für Ärger. Als plötzlich auch noch die schwangere Sarah vor der Tür des Pärchens steht und behauptet, dass Kind sei von David, droht alles außer Kontrolle zu geraten.

Sa., 19. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Das Schweigen brechen – Ein Holocaustüberlebender und Täterkinder im Gespräch

Es ist eine Begegnung, wie sie niemand von ihnen in dieser Form zuvor gehabt hat: Der 94-jährige Holocaust-Überlebende Dr. Leon Weintraub, der Tätersohn Jens-Jürgen Ventzki und Julie Lindahl, die Enkeltochter eines SS-Mannes. Sie wollen miteinander ins Gespräch kommen, sich gegenseitig Fragen stellen. Über Schuld. Über Scham. Darüber, wie es weitergehen soll, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Dr. Leon Weintraub, Julie Lindahl und Jens-Jürgen Ventzki treffen sich vor der Münchner Feldherrnhalle – einem zentralen Ort der NS-Propaganda, wo immer wieder gewaltige Aufmärsche stattfanden. Die drei betrachten ein historisches Foto: Eine Menge Wehrmachtssoldaten mit Stahlhelmen und Uniformen stehen in Reih und Glied genau an der Stelle, an der sich die Gesprächspartner an diesem Septembertag im Jahr 2020 unterhalten. „Leon, hättest du dir vorstellen können, dass es wieder Rechtsradikale geben könnte in Deutschland?“, fragt Julie Lindahl. Der 94-Jährige antwortet schlagfertig und mit einer gewissen Eleganz: „Eine unangenehme Überraschung.“ Leon Weintraub ist einer der letzten Überlebenden, der davon berichten kann, wohin Rechtsradikalismus in der deutschen Vergangenheit führte: in den Holocaust. Er wurde als polnisch-jüdischer Junge im Alter von 13 Jahren ins berüchtigte Ghetto Lódz /Litzmannstadt eingesperrt und musste jahrelang unter Hunger und Folter Zwangsarbeit leisten. Wie durch ein Wunder überlebte er. Auch das Vernichtungslager Auschwitz und die Konzentrationslager Groß-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler. Jens-Jürgen Ventzki hört Dr. Leon Weintraub intensiv zu. Dass seine eigenen Eltern an diesem Vernichtungssystem aktiv mitwirkten und laut seiner Aussage erst mit ihrem eigenen Tod aus der NSDAP ausgetreten sind, ist für den 77-Jährigen belastend. Sein Vater war ein hochrangiger Schreibtischtäter gewesen: Als NS-Oberbürgermeister von Lódz /Litzmannstadt unterstand ihm die Verwaltung des Ghettos. In diesem Gespräch wendet sich Jens-Jürgen Ventzki an Leon Weintraub, der dort nur knapp dem Tod entkam: „Leon, was mich auch heute unglaublich emotional fordert, ist diese Gleichzeitigkeit: Du hast gehungert im Ghetto, ich wurde in einer großen Villa umsorgt. Wir hatten Kinderfräulein, wir hatten eine Gärtnerin und eine Köchin.“ Jens-Jürgen Ventzki Die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Julie Lindahl ist die Jüngste in dieser Gesprächsrunde. Sie wurde 1967 in Brasilien geboren und wusste lange Zeit nicht, wie es zu diesem ungewöhnlichen Geburtsort kam. Entgegen dem Willen der restlichen Familie forschte sie aber nach und entdeckte die düstere, schuldbehaftete Geschichte ihres Großvaters. Seine Taten als SS-Mann, der in Polen für Deportationen und mutmaßlich für Mordaktionen mitverantwortlich war, veranlassten ihn Anfang der 60er Jahre zur Flucht vor der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz. Dieses Treffen bringt einen ehrlichen, einen schmerzhaften Blick in die Vergangenheit hervor. Und doch geht es allen um die Zukunft: Was folgt aus dieser Auseinandersetzung? Wie lässt sich die Schuld der Vorfahren in einen Verwandlungsprozess übersetzen, hin zu verantwortlichem Handeln für die Verteidigung humanistischer Werte? Und: Was wünscht sich Dr. Leon Weintraub von den zukünftigen Generationen? Um Fragen wie diese geht es in diesem berührenden Gespräch.

Sa., 19. Nov · 21:50-23:35 · 3sat
Die Wannseekonferenz

Am 20. Januar 1942 treffen sich in einer Villa in Berlin-Wannsee hochrangige Vertreter des NS-Regimes zu einer Besprechung, die als Wannsee-Konferenz in die Geschichte eingeht. Ausschließliches Thema der Besprechung ist die von den Nationalsozialisten so genannte „Endlösung der Judenfrage“: die Organisation des systematischen, millionenfachen Massenmordes an den Juden Europas. 15 führende Vertreter der SS, der NSDAP sowie der Ministerialbürokratie kommen am Mittag des 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin zusammen. Eingeladen hat Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“. In der etwa 90 Minuten dauernden Besprechung wird der millionenfache Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Europas geplant und organisiert. Der Film „Die Wannseekonferenz“ folgt dem von Adolf Eichmann verfassten Besprechungsprotokoll, von dem nur ein Exemplar erhalten ist und das als Schlüsseldokument der Judenvernichtung gilt.

So., 20. Nov · 00:35-01:20 · ARD-alpha
Die geheimen Depots von Buchenwald

Ende der 1980er Jahre taucht bei Recherchen des amerikanischen Historikers Kenneth Alford in den National Archives in Washington eher zufällig eine mysteriöse handgemalte Skizze auf. Sie zeigt den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald, darin eingezeichnet acht Bunker. Stollen, die vermutlich von den Nazis kurz vor Kriegsende in den Berg getrieben wurden. Die First US Army hatte nach ihrer Ankunft in Buchenwald im Jahr 1945 nach Hinweisen zwei dieser Stollen entdeckt und geöffnet. Tonnenweise bargen die zusammengerufenen Helfer Raubgut, das als Ladung #16 nach Frankfurt am Main gebracht wurde und deren Spuren sich später in ihrer Gänze verlieren. Von den sechs anderen Stollen wussten die Amerikaner nichts. Eine Skizze gab es damals nicht. Doch seit Alfords Entdeckung rätseln Experten und Wissenschaftler, wie auch der Historiker Harry Stein von der Gedenkstätte Buchenwald, was im Berg wirklich noch verborgen liegt. Nicht zuletzt durch die Recherchen des Filmemachers Peter-Hugo Scholz wurde die Indizienkette immer klarer. Schließlich gab das wissenschaftliche Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora grünes Licht, den Berg zu öffnen und das Rätsel endlich zu lösen. Was hat es mit den zusätzlichen Stollen von der Skizze auf sich? Gibt es sie wirklich? Was liegt darin verborgen? Der Film begleitet und dokumentiert die Ausgrabungsarbeiten, macht sich auf eine Spurensuche und offenbart eine bisher unerzählte Geschichte. Thüringen, Weimar, Buchenwald. Im Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers entdeckte die US-Army im April 1945 zwei geheime Bunker, gefüllt mit Tonnen von Raubgut. 40 Jahre später taucht in den National Archives in Washington eine mysteriöse Skizze auf. Sie verzeichnet neben den zwei geöffneten Bunkern sechs weitere. Lagert also noch mehr Raubgut in Buchenwald? Der Urheber der Skizze konnte nicht ermittelt, ihr Wahrheitsgehalt nicht überprüft werden. Regisseur Peter-Hugo Scholz begibt sich in der Dokumentation „Die geheimen Depots von Buchenwald“ noch einmal auf eine intensive Spurensuche. Lässt sich das Geheimnis von Buchenwald lüften? Die vielfältigen Indizien überzeugen schließlich auch die Gedenkstätte Buchenwald. Im Oktober 2019 beginnt die Grabung im Steinbruch, begleitet und dokumentiert vom Filmteam. Ein jahrzehntealtes Rätsel soll nun endlich gelöst werden.

So., 20. Nov · 13:45-16:10 · arte
Der Pianist

Der bekannte junge Pianist Wladyslaw Szpilman lebt mit seiner Familie in Warschau. Die Schikanen der Deutschen gegen die jüdische Bevölkerung nehmen dramatisch zu, und so wird auch seine Familie enteignet und muss ins Ghetto ziehen. Als das Ghetto geräumt wird, entgeht er in letzter Minute und ohne sein Zutun dem Abtransport in ein Vernichtungslager. Polnische Widerstandskämpfer verstecken ihn in einer leerstehenden Wohnung. Als die Gruppe der Gestapo in die Hände fällt, ist er auf sich allein gestellt. Ständig unter Lebensgefahr auf der Suche nach Nahrung und Wasser, kämpft er ums Überleben. Von seinem Versteck aus wird er Zeuge der blutigen Niederschlagung des Ghetto-Aufstands. In seiner Verzweiflung sucht er eine konspirative Adresse auf, die ihm für den Notfall gegeben wurde, und trifft auf eine ehemalige Bekannte, die hochschwanger mit ihrem Mann die Stadt verlassen wird. Er bleibt allein, nur ab und zu bringt ihm jemand etwas zu essen oder zu trinken. Während des Warschauer Aufstands im Herbst 1944 entgeht er in letzter Minute dem Tod, indem er aus einem brennenden Haus auf die Straße springt. Vom reinen Überlebenswillen getrieben, macht er sich in den leerstehenden Ruinen der Häuser auf die Suche nach etwas Essbarem und steht plötzlich einem deutschen Offizier gegenüber …

Mo., 21. Nov · 05:00-06:15 · arte
Jenseits der Musik – Die Barenboim-Said-Musikakademie

1999 gründeten Daniel Barenboim und der Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musiker aus dem Nahen Osten gemeinsam musizieren. Seitdem ist es nicht nur zu einem weltweit gefeierten Spitzenorchester geworden, sondern auch zu einem wichtigen Symbol für das friedliche Miteinander verschiedener Kulturen. Mit der Eröffnung der Barenboim-Said Akademie in Berlin hat der Geist des Orchesters – rund 15 Jahre nach dem Tod Edward Saids –seine feste Heimat gefunden. Für Daniel Barenboim ist die Akademie ein Herzensprojekt. Selbst wenn verschiedene Kulturen und politische Ansichten aufeinanderprallen, schaffe Musik doch Verständigung, so Barenboim. Der Filmemacher David Bernet wirft in seiner Dokumentation einen Blick hinter die Kulissen und zeigt eine Hochschule, die höchste Ansprüche an die Kunst wie an die Lernenden und Lehrenden stellt und die dem Humanismus und der Aufklärung verpflichtet ist.

Di., 22. Nov · 00:25-02:15 · ZDF
LOVE TRILOGY – In Ketten

Rashi ist ein angesehener, altgedienter Polizist. Nach einer Kontrolle in einem Tel Aviver Park gerät seine Welt ins Wanken, als zwei Teenager ihn beschuldigen, sie sexuell belästigt zu haben. Die Ermittlungen in der Sache ziehen sich hin. Frustration, Wut, Scham und Hilflosigkeit treiben Rashi, dessen großer Traum es ist, mit seiner jungen Frau Avigail ein Kind zu bekommen, zunehmend in den Kontrollverlust. Denn während die Dienstaufsicht ermittelt, wird Rashi suspendiert – ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse. Rashis Selbstbild als Bestimmer und Beschützer bricht zusammen. Seine Frau Avigail, die eine Tochter aus erster Ehe hat, unterzieht sich gerade einer Fruchtbarkeitsbehandlung, auch um Rashis Wunsch nach einem gemeinsamen Baby zu erfüllen. Das generell konfliktreiche Familienleben, in dem Rashis autoritäres Auftreten häufig zum Streit mit Avigails rebellischer Teenager-Tochter Yasmine führt, spitzt sich unter dem Druck der Ermittlungen gegen Rashi weiter zu. Yasmine fordert die Solidarität ihrer Mutter ein, während Rashi ganz klar der Ansicht ist, dass allein sein Wort zählt, und Avigail immer mehr zwischen die Fronten gerät. Rashis zunehmende Aggressivität führt schließlich dazu, dass Avigail das Zusammenleben mit ihm nicht mehr erträgt und sich zeitweise von ihm trennt. Rashi fühlt sich hilflos, wie gefesselt. Der allmähliche Verlust seiner Rolle als dominanter und bestimmender Mann treibt ihn schließlich an den Rand des Abgrunds: Er wird zu einer Gefahr für sich selbst und seine Liebsten. Regisseur Yaron Shani arbeitet in seinen Spielfilmprojekten nach einer Methode, die er selbst als „Singular Drama“ beschreibt. Dabei werden Laiendarsteller aus dem Umfeld/Milieu gecastet, in der die Filmhandlung spielt. Sie bereiten sich in Workshops auf die psychologische Dimension ihrer Rollen vor, werden aber über den Verlauf der Handlung im Unklaren gelassen. Das einzigartige Verfahren schafft eine filmische Erfahrung, die sich zwischen Fiktion und realem Leben bewegt. „LOVE TRIOLOGY – In Ketten“ hatte seine Premiere auf der Berlinale 2019 und gewann im gleichen Jahr Israeli-Academy-Awards für „Beste Regie“ und „Bester männlicher Hauptdarsteller“. „LOVE TRIOLOGY – In Ketten“ ist bereits ab 18. November 2022 um 10.00 Uhr in der ZDFmediathek verfügbar. Zeitgleich sind die beiden weiteren Spielfilme der „LOVE TRIOLOGY“ ebenfalls in derZDFmediathek verfügbar: „Nackt“ und „Neugeboren“. Die Geschichten der drei Filme überschneiden sich zum Teil, doch kann jeder der drei Filme auch unabhängig von den anderen bestehen.

Di., 22. Nov · 19:40-20:14 · arte
Re: Wie geht eigentlich jüdisch sein? Junge Deutsche auf Identitätssuche

Organisiert wird diese Fahrt von „Taglit“ mit dem Ziel jungen Menschen mit jüdischen Wurzeln, Kultur und Geschichte des Judentums näherbringen. Das hebräische Wort Taglit bedeutet übersetzt: entdecken. Gemeint ist damit sowohl das Land Israel wie auch sich selbst. Über 90 Prozent der deutschen Jüdinnen und Juden haben einen sowjetischen Hintergrund. In den 90er Jahren senkte Deutschland die bürokratischen Schranken zur Einwanderung für Jüdinnen und Juden deutlich. Zum einen als Form der Wiedergutmachung, zum anderen, um die alternden jüdischen Gemeinden zu verjüngen. Da viele der Familien in der Sowjetunion unter Antisemitismus litten, schärften Eltern oft ihren Kindern ein, in der neuen Heimat Deutschland, besser nicht zu erzählen, dass man jüdisch sei. Entsprechend kompliziert ist für die Generation der heute 20- bis 30-Jährigen das Finden ihrer eigenen Identität, die sich zudem aus vielen Bruchstücken zusammensetzt: postsowjetisch, deutsch, jüdisch. „Re:“ begleitet diese Suche nach kultureller Identität, lässt Fragen, Unsicherheiten, Freude und Entwicklungen miterleben. Was wird die Gruppe wohl von dieser Reise mit in den deutschen Alltag nehmen?

Di., 22. Nov · 23:00-00:40 · SWR
Kiss Me Kosher

Sollte man sich für die Taten seiner Vorfahren schuldig fühlen? Die Deutsche Maria muss leider schnell feststellen, dass für die jüdische Familie ihrer neuen Angebeteten Shira ihre Herkunft sehr wohl eine Rolle spielt. Insbesondere Shiras Großmutter, die den Holocaust überlebt hat, sträubt sich, die „Neue“ kennenzulernen. Als die beiden Frauen dann aber Ernst machen wollen und sich verloben, beginnt es zu krachen, vor allem zwischen Shira und ihrer Großmutter. Als zudem Marias Eltern auch noch in Jerusalem auftauchen, ist das Chaos perfekt. Ist die Liebe der beiden stark genug, um gegen Vorurteile ihrer Familien zu bestehen?

Sa., 26. Nov · 05:10-06:05 · arte
Marc Chagall – Glaube, Liebe, Krieg

Marc Chagall (1887-1985) zählt zu den berühmtesten Künstlern der Moderne. Seine Bilder verbinden Traum und Wirklichkeit, Tradition und Moderne und sind von großer Poesie. Als Jude in der Stadt Witebsk in Weißrussland geboren, lässt er sich in seiner Wahlheimat Frankreich früh vom Licht und den Farben inspirieren. Viele Motive schöpft er aus der jüdischen Kultur, ihren Menschen, Bauten und Traditionen. Doch es gibt auch eine andere Seite: Bereits in Russland erlebt Chagall Pogrome, durchlebt zwei Weltkriege und den Holocaust. Schon früh identifiziert er sich mit der mythischen Figur des wurzellosen, wandernden Juden, der in seinen Arbeiten oft als fliegende Figur erscheint. Sein Werk spiegelt die politischen Ereignisse seiner Zeit wie kaum ein anderes. Auf Hitlers Machtergreifung 1933 und den Völkermord an den Juden reagiert er mit Gemälden, die er später als „Vorahnungen der herannahenden Katastrophe“ bezeichnet, darunter die zentralen Werke „Der Engelssturz“ (1923/1933/1947) und „Die weiße Kreuzigung“ (1938). Die Beschäftigung mit der Bibel ist für Chagall ein Lebensthema. Dabei schließen sich Judentum und Christentum für ihn nicht aus, sondern verbinden sich immer wieder miteinander, sei es in Motiven oder in seiner Glasmalerei für Kirchen. Chagall wollte ein universeller Künstler sein. Anlässlich der Ausstellung „Marc Chagall. Welt in Aufruhr“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (4. November 2022 bis 19. Februar 2023) stellt die Dokumentation Chagalls Werke der 1930er und 1940er Jahre vor, die seinen Blick auf die Themen Glauben und Identität, Liebe und Krieg, Hoffnung und Exil zeigen.

Sa., 26. Nov · 19:20-20:00 · 3sat
Aufgewachsen unter Glatzen (2/2) Das Erbe der Baseballschlägerjahre

Autorinnen und Autoren wie Hendrik Bolz, Manja Präkels und Lukas Rietzschel, Künstlerinnen wie Henrike Naumann sowie interkulturelle Vermittlerinnen wie Mai-Phuong Kollath kämpfen mit ihren Büchern und ihrer Kunst heute um eine Aufarbeitung dieser dunklen Zeit. „Wenn nur ein Psycho unter den Jungs ist, die dir gerade mit den Springerstiefeln gegen den Kopf treten, oder einer zu besoffen, dann bist du tot“, sagt Hendrik Bolz, besser bekannt als Rapper Testo und Autor des Debütromans „Nullerjahre. Jugend in blühenden Landschaften“. „Der Tod war Teil der täglichen Angst“, bestätigt auch die Autorin Manja Präkels, die als 16-jährige einen Neonaziüberfall auf eine Dorfdisco erlebte, bei dem der 18-jährige Ingo Ludwig nach endlosen Springerstiefel-Tritten starb. Präkels recherchierte jahrelang nach den Verantwortlichen des Mordes und wurde damit selbst zum Ziel von Neonazis. Über 200 Menschen – Andersfarbige und Andersdenkende – verloren laut einer Studie der „Amadeu Antonio Stiftung“ seit 1990 ihr Leben in rechtsextremen Prügelattacken, Brandanschlägen oder gezielten Morden. Auch im Westen. Dort war die rechte Gewalt nicht minder brutal. Aber sie beherrschte nicht ganze Landstriche. Politik und Polizei ignorierten die bundesweite Vernetzung autonomer rechtsradikaler „Kameradschaften“, die weite Teile Ostdeutschlands längst als „national befreite Zonen“ ausriefen. Der Pogrom in Rostock-Lichtenhagen im August 1992, als ein grölender Mob tagelang ein Heim für ehemalige Vertragsarbeiterarbeiterinnen und Vertragsarbeiterarbeiter aus Vietnam belagerte und es schließlich anzündete, ist Symbol und Kulminationspunkt für die Hegemonie der rechten Gewalt. Der Staat gab klein bei, ließ die Menschen, die dort wohnten, abtransportierten. „Damit war die rassistische und rechtsradikale Gewalt als Erfolgsmodell legitimiert“, sagt Manja Präkels im Gespräch mit Filmemacher Karsten Wolff. Die BRD sei – ebenso wie zuvor die DDR – „komplett blind auf dem rechten Auge gewesen“, bestätigt auch der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent, „eigentlich bis zum 1. Juni 2019, bis zum Mord an Walter Lübcke“. Erst der Mord an einem CDU-Politiker habe die Politik, den Verfassungsschutz und die Polizei immerhin 30 Jahre nach der Wende doch noch wachgerüttelt. Ausgehend von dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen zeigt die zweiteilige Dokumentation ein systemisches Staatsversagen auf und legt Zusammenhänge offen zwischen DDR-Sozialisation, der Nachwendegewalt in Ost und West, den NSU-Morden bis hin zu den Ausschreitungen in Chemnitz 2018. Und sie stellt die Frage, wie stark das Erbe der „Baseballschlägerjahre“ unsere freie Gesellschaft bis heute bedroht. „Die barbarischen 1990-Jahre waren traumatisch“, sagt Manja Präkels. „Und wenn ich heute im Land unterwegs bin, sehe ich jetzt oft genau die Leute bei der AfD wieder, die sich als Sieger der Kämpfe dieser Jahre begreifen.“

Sa., 26. Nov · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Kinderraub der Nazis – Die vergessenen Opfer

Es ist ein Verbrechen, das bis heute weitgehend unbekannt ist: Die Nationalsozialisten verschleppten während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Kinder, die meisten aus Polen, und brachten sie in deutschen Familien unter. Ihre Identität wurde verschleiert, um sie als „deutsche Kinder“ in die Volksgemeinschaft einzufügen. Sie wurden ihren Familien entrissen oder aus Waisenhäusern fortgebracht. Nach dem Krieg mussten viele der geraubten Kinder zurück in ihre Heimat, die ihnen oft fremd geworden war. Es ist ein Verbrechen, das bis heute weitgehend unbekannt ist: Die Nationalsozialisten verschleppten während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Kinder und brachten sie in deutschen Familien unter. Die meisten der Kinder stammten aus Polen. Ihre Identität wurde verschleiert, um sie als „deutsche Kinder“ in die Volksgemeinschaft einzufügen. Sie wurden illegal aus Waisenhäusern fortgebracht oder direkt aus ihren leiblichen Familien gerissen. Nach Kriegsende mussten viele der geraubten Kinder zurück in ihre Heimat, die ihnen oft fremd geworden war. Einige dieser Menschen leben noch heute, zerrissen und ohne Wurzeln. Noch immer treibt es Jozef Sowa Tränen in die Augen, wenn er von der Tragödie seines Lebens erzählt. Seine Eltern wurden 1943 in Polen von Wehrmachtssoldaten ermordet, er und seine Geschwister nach Deutschland verschleppt. Seine Schwester Janina wurde zur Adoption freigegeben und lebt bis heute dort. Dieser Kinderraub war kein Zufall. Heinrich Himmler wies 1941 an, „besonders gutrassige kleine Kinder polnischer Familien zusammen zu holen und von uns in besonderen Kinderheimen zu erziehen.“ „Er wollte damit das deutsche Volk aufstocken“, erklärt Professorin Isabel Heinemann. Seit Jahren forscht die Historikerin zu den geraubten Kindern, von denen es nach ihrer Schätzung europaweit etwa 50.000 gibt. Die größte Gruppe stammt aus Polen. Kinder ohne den Schutz leiblicher Eltern gerieten über das „Rasse- und Siedlungshauptamt der SS“ in deutsche Familien, ihre wahre Identität wurde verschleiert. Nach dem Ende des Krieges kamen diejenigen, deren Herkunft rekonstruiert werden konnte, zurück in ihre Heimat. Ein oft fremd gewordenes Land, in dem die Identität als deutsches „Hitler-Kind“ die Wiedereingliederung erschwerte. Die Verantwortlichen für die Verschleppungen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Der Film begibt sich auf Spurensuche der polnischen Kinder, die ihr Leben lang Suchende zwischen zwei Welten blieben.

Sa., 26. Nov · 20:15-21:45 · 3sat
Daniel Barenboim und Martha Argerich im Teatro Colón – Das legendäre Konzert von 2015 aus Buenos Aires

Daniel Barenboim feiert 80. Geburtstag. Zu Ehren des großen Dirigenten, Pianisten und Versöhners zeigt 3sat ein Konzert „seines“ West-Eastern Divan Orchestra im Teatro Colón in Buenos Aires. Die Konzerte Daniel Barenboims in seiner Geburtsstadt Buenos Aires sind immer ein Ereignis. Ganz besonders gilt dies für die 2015 entstandene Aufzeichnung mit dem West-Eastern Divan Orchestra und der unvergleichlichen Martha Argerich am Klavier. Eine Sternstunde, die den zuletzt gesundheitlich stark beeinträchtigten Maestro auf der absoluten Höhe seiner Kunst zeigt.

Sa., 26. Nov · 21:00-22:00 · ARD-alpha
Hitlers Zorn – Die Kinder von Bad Sachsa

Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurden die Kinder und Enkel der Attentäter in Sippenhaft genommen. 46 Mädchen und Jungen im Alter von einem Monat bis zu 15 Jahren wurden in ein NS-Kinderheim nach Bad Sachsa im Harz verschleppt. Fünf der damals internierten Kindern sprechen über dieses Trauma und ihren von dieser dramatischen kindlichen Erfahrung geprägten Lebensweg. Verräter: so wurden die Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 noch lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs genannt. Nur wenige Stunden nach dem gescheiterten Attentat befahl Adolf Hitler: „Elemente, die jetzt unbarmherzig ausgerottet werden.“ „Da ist Verräterblut drin“, warnte Reichsinnenminister Heinrich Himmler und verfügte die „absolute Sippenhaftung“. Die Kinder der Widerstandskämpfer waren „Verräterkinder“. Deren Väter wurden hingerichtet, ihre Mütter ins Gefängnis gesteckt. Die Töchter, Söhne und Enkel wurden in ein Nazikinderheim nach Bad Sachsa im Harz verschleppt: 46 Mädchen und Jungen im Alter von einem Monat bis zu 15 Jahren. So wurden die Kinder zu Geiseln und bekamen einen anderen Namen. Der mehrfach preisgekrönte Filmautor Michael Heuer traf für diese Dokumentation die ehemaligen Kinder von Bad Sachsa. Zum ersten Mal sprechen sie im Fernsehen über ihr heutiges Leben: Wie haben sie das Trauma der Internierung in Bad Sachsa verarbeitet? Welchen beruflichen Weg sind sie gegangen? Und: Was denken sie heute über den wieder erstarkten Rechtsextremismus in Deutschland?

Mo., 28. Nov · 23:40-01:05 · arte
Jüdisches Glück

Der Film erzählt die Geschichte von Menachem Mendel aus dem ukrainischen Schtetl Berdytschiw. Er hat große Träume, aber keinen beruflichen Erfolg. Der Film ist ein einmaliges Dokument der jüdisch-ukrainischen Kulturgeschichte, gedreht an Originalschauplätzen und damaligen Zentren des jüdischen Lebens wie Berdytschiw, Odessa, Letytschiw. Legendär ist die lange, im Hafen von Odessa gedrehte Traumszene, in der sich Menachem als versierter Heiratsvermittler ausgibt. Die Schauspieler kamen vorwiegend vom Jüdischen Theater Moskau. Einige Mitglieder der Filmcrew wurden später Opfer der Stalin’schen Säuberungsaktionen, wie der Autor des Drehbuchs, Isaak Babel, oder der Hauptdarsteller Solomon Michoels, der 1948 ums Leben kam. Die neue Musik stammt von der ukrainischen Komponistin Masha Khotimski, geboren 1980. Sie hat in ihre Musik authentische jüdische Gesangsaufnahmen aus den 1910er Jahren einbezogen, die im Gebiet der heutigen Ukraine bei einer Expedition der Gesellschaft für jüdische Geschichte und Ethnographie unter Leitung des jüdischen Schriftstellers Sholem An-Ski aufgezeichnet wurden. Er unternahm mit Ethnologen von 1912 bis 1914 eine systematische Quellensammlung in den damaligen jüdischen Siedlungsgebieten des zaristischen Russlands und nahm auf Phonographen liturgische Lieder, Geschichten und Volksmusik auf. Ein Teil der Tonaufnahmen ist in der Wernadski-Nationalbibliothek von Kiew erhalten. Die Gesangsaufnahmen sind teils Lieder, teils chassidische Nigun-Gesänge, die gerade in den ukrainisch-jüdischen Gemeinden gepflegt wurden. Masha Khotimski bearbeitete die historischen Aufnahmen, kombinierte sie mit neuer Musik für kleines Ensemble und reicherte sie mit Geräuschen zu einem großen Klangraum an.
© Filmmuseum München Berdytschiw, Schauplatz der Geschichte: Der heute ukrainische Ort war einstmals ein bedeutendes Schtetl mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung.

Di., 29. Nov · 20:15-21:00 · PHOENIX
Golda Meir

Sie war die erste und bisher einzige Frau an der Spitze Israels. Golda Meir polarisiert, und das bis heute. Einerseits wird sie als Mutter des Zionistischen Staates und als Ikone Israels gefeiert. Ihre Kritiker beschreiben sie jedoch als engstirnige, vorurteilsbeladene Hardlinerin, die wesentlich für die Verschärfung des Nahostkonfliktes verantwortlich ist. Und in Israel gilt sie für viele gar als das schlechteste Staatsoberhaupt aller Zeiten. Die Geschichtsdokumentation Golda Meir Ministerpräsidentin erzählt die fünf ereignisreichen Regierungsjahre der ersten und bisher einzigen Frau an der Spitze Israels zwischen 1969 und 1974. Fünf entscheidende Jahre, in denen die Weichen für den Verlauf des Nahostkonfliktes gestellt wurden. Golda Meir polarisiert bis heute. Einerseits wird sie als Mutter des Zionistischen Staates und als Ikone Israels gefeiert. Ihre Kritiker beschreiben sie jedoch als engstirnige, vorurteilsbeladene Hardlinerin, die wesentlich für die Verschärfung des Nahostkonfliktes verantwortlich ist. In Israel gilt sie für viele gar als das schlechteste Staatsoberhaupt aller Zeiten. Golda Meir Ministerpräsidentin erzählt den Zeitraum vom Tag ihres Amtsantrittes im März 1969 bis zu ihrem Rücktritt im April 1974. Bisher unveröffentlichtes Interviewmaterial ermöglicht einen neuen Blick auf Golda Meir Interviews mit Zeitzeugen wie ihrem Pressesprecher Meron Medzini, dem Journalisten und ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avneri – ihrem wohl härtesten Kritiker sowie mit Parteifreunden und politischen Gegnern bieten eine vielschichtige Perspektive auf eine komplexe Persönlichkeit und auf eine turbulente und bisher wenig beachteten Epoche der jüngeren Zeitgeschichte. Eine Schlüsselszene im Film und in der Amtszeit von Golda Meir ist das Münchner Olympia-Attentat 1972. Erstaunlich offen erzählt der ehemaligen Mossad Chef Zvi Zamir, wie im Anschluss an die tragischen Ereignisse in enger Abstimmung mit Golda Meir die Liquidierung palästinensischer Terroristen beschlossen wurde. Ergänzt wird die Geschichte vom Augenzeugenbericht des damaligen Bürgermeisters des Olympischen Dorfes Walther Tröger. Heute 40 Jahre nach ihrem Tod ist Golda Meir international fast vergessen. Golda Meir Ministerpräsidentin bietet einen differenzierten Blick auf die Regierungszeit der Politikerin und geht der Frage nach, ob Golda Meir die Chance auf Frieden im Nahen Osten verpasst hat.

Di., 29. Nov · 21:00-21:45 · PHOENIX
mein ausland: Ausgegrenzt – Israel und seine arabischen Bürger

Wo immer Araber sind, da gibt es Terror-Attacken. Und ihr erwartet tatsächlich, dass ihr in unsere Nachtclubs dürft? / Ich unterstütze keinen Terror, ich bin gegen Gewalt. Aber 70 Jahre Besatzung natürlich gibt es da Widerstand. Der Rap-Song Lets talk straight ist ein dialogischer Schlagabtausch eines jüdischen und eines arabischen Israeli, voller bitterer Vorwürfe. Die beiden Musiker von DUGRI nehmen kein Blatt vor den Mund und benennen die Gräben, die durch die israelische Gesellschaft gehen. In Israel gibt es 2,1 Millionen israelische Araber – das sind mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Sie werden als arabische Israelis oder israelische Palästinenser bezeichnet. So verwundert es nicht, dass viele von ihnen selbst nicht immer wissen, wo sie stehen. Zwar ist ihr Schicksal eng mit dem ihrer palästinensischen Familien in der West Bank und in Gaza verbunden, dennoch sind sie seit der Staatsgründung Israels 1948 eigene Wege gegangen, als viele Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. In Israel hat man ihnen schon immer misstraut, sie hinter vorgehaltener Hand als fünfte Kolonne der Palästinenser innerhalb Israels angesehen. Sie selbst hatten umgekehrt von jeher Schwierigkeiten sich mit dem jüdischen Staat zu identifizieren, gegen den Palästinenser und Araber immer wieder Krieg und Intifada geführt haben. Die meisten haben sich inzwischen mit den Staat Israel arrangiert und profitieren von dessen Wohlfahrt und Wohlstand. Dennoch fühlen sie sich diskriminiert und in allen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt. Sie sind israelische Bürger zweiter Klasse. Im vergangenen Mai brach sich der Unmut während des Gazakrieges Bahn. In vielen gemischt arabisch-jüdischen Städten kam es zu massiven gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Viele sind immer noch erschüttert über diesen unerwarteten Ausbruch von Gewalt. Eines zeigt er auf jeden Fall: Israel kann seine arabische Minderheit nicht weiter ausgrenzen. Ein gesellschaftlicher Entwicklungsprozess ist in Gang gekommen – nicht nur weil eine arabisch-islamischen Partei erstmals in der Regierung vertreten ist. Die mein ausland-Reportage Ausgegrenzt stellt das Lebensgefühl dieser Menschen dar, zwischen Benachteiligung und Ablehnung – auch der eigenen. Michael Bewerunge, Studioleiter des ZDF in Israel, hat einige von ihnen getroffen. Menschen, die um ihre eigene Identität kämpfen und um Anerkennung und Wohlstand. Zum Beispiel die beiden Rapper, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Uriya Rosenman und Sameh Zakout, einer Jude, der andere arabischer Israeli. Inzwischen ziemlich beste Freunde. Sie fanden sich zu einem Video-Projekt zusammen, dass am Jahrestag des Endes des Gaza-Krieges 2021 veröffentlicht wurde und in den sozialen Medien sofort viral ging. Ein Jude und ein Araber sitzen sich in einer Autowerkstatt gegenüber und werfen sich alles an Vorurteilen und Bitterkeit an den Kopf, die es in ihrem Verhältnis gibt. Ihre soziale Initiative Lets talk Straight will durch Musik und Bildungsprojekte zu einer besseren gemeinsamen Zukunft von jüdischen und arabischen Israelis beitragen. Als ihr größtes Problem wird von den arabischen Israelis Gewalt und Mord im arabischen Sektor angesehen. Dass die israelische Gesellschaft jahrzehntelang nichts dagegen unternommen hat, wird selbst vom Ministerpräsident Bennett und seinem Polizeiminister nicht bezweifelt. Umgekehrt vertrauen arabische Israelis der israelischen Polizei nicht, weil sie oft nicht ernst genommen oder misshandelt werden. Michael Bewerunge zeigt am Beispiel von Wadfa Aljabaly, einer Mutter aus Taibe, deren Sohn ermordet wurde, welche Rolle die Gewalt in arabischen Communities spielt. In vielen Bereichen fehlt aber auch die rechtliche Gleichstellung. Um den Zuzug von Palästinensern aus der Westbank und Gaza zu verhindern, wird ihnen bei einer Heirat mit einem Israeli die Staatsbürgerschaft verweigert. Damit sind sie in Israel in vielerlei Weise rechtlos. Bei vielen Menschen hat das zu einem Trauma geführt, so wie bei Familie von Tayseer und Lana Khatib aus der nordisraelischen Hafenstadt Akko. Sie müssen seit 16 Jahren damit leben, dass Ehefrau Lana aus Jenin in der Westbank in Israel nur eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung hat und so gut wie keine Rechte besitzt. Und doch tut sich etwas in Israels Gesellschaft. Seit letztem Jahr sitzt mit Ra´am, der Vereinigten Arabischen Liste, erstmals eine arabisch-islamische Partei in der Regierung. Ihr Führer Mansour Abbas hat milli ardenschwere Projekte für die arabische Minderheit ausgehandelt. Können Abbas und Menschen wie Uriya Rosenman und Sameh Zakout vielleicht doch etwas bewirken? In „mein ausland“ berichten ARD- und ZDF-Korrespondenten über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Besonderheiten in „ihren“ Ländern und Regionen: Ob die langen Sandstrände von Marokko, das Lebensgefühl in Brooklyn oder der bedrohte Regenwald am Amazonas – „mein ausland“ zeigt die Vielfalt der Kontinente und Länder. Auch Krisenregionen werden besucht, die politische Situation beleuchtet, die Menschen in ihrem Alltag begleitet. Die 45-minütigen Reportagen werden exklusiv für phoenix produziert. Sie bieten tiefe Einblicke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anderer Länder und Kontinente und helfen, die politischen Ereignisse und Krisen in der Welt besser zu verstehen.

Mi., 30. Nov · 00:10-01:30 · NDR
Lücken

Danny Mor arbeitet als Hausmeister in einer Talmudschule an der Klagemauer. Als sein heiß geliebter Sohn vor einer Jerusalemer Diskothek erstochen wird, bricht ihm das Herz. Zwei junge Männer werden verhaftet und beschuldigen sich gegenseitig, die Tat begangen zu haben. Danny hat ein dunkles Geheimnis, Gewalt, Verbrechen und Mord kennt er gut. Als Mohammed ist er in Syrien aufgewachsen, lebt auf der Straße und begeht den ersten Mord mit 15. Dort wirbt der israelische Geheimdienst Shin Bet ihn an. Spionieren, Anschläge planen, Gewalt nun sein Beruf. Bei einer Mission fliegt er auf und wird nach Israel evakuiert, bekommt eine neue Identität. Er wird gläubiger Jude, baut sich das friedvolle Leben an der Klagemauer auf, glaubt, in Israel das gelobte Land gefunden zu haben, in dem Recht und Ordnung herrschen. Doch als einer der beiden des Mordes an seinem Sohn Beschuldigten mit fadenscheiniger Begründung freigesprochen wird, kommt in Danny Mor Agent Nummer 35738 wieder hervor, ein hochgefährlicher Mann voller Wut und Rachsucht, der sich geschworen hat, nie wieder zu töten. Seine Rache wird die Wahrheitsfindung sein. Danny begibt sich auf eine neue Mission: Er will herausfinden, was wirklich geschah. Er findet eine Welt von korrupten Polizeibeamten, unterschlagenen Beweisen und eine Staatsanwaltschaft, die das Verfahren bewusst verschleppt, ein Justizsystem, das jegliche Moral und Anstand verloren hat. Eine Welt, in der Macht, Beziehungen, Geld und politische Verbindungen mehr bedeuten als Sühne und Gerechtigkeit. Ein Mann kämpft gegen das Unrecht und will diesen Kampf gewinnen. Denn Danny glaubt trotzdem an das Gute und daran, dass jeder Einzelne die Macht hat, die Welt zu ändern.

Mi., 30. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Der lange Weg der Sinti und Roma

Jùlie Halilic ist stolz, wenn sie an ihren Großvater denkt. Wallani Georg erkämpfte gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern, dass der Massenmord an den Sinti und Roma 1982 als Völkermord anerkannt wurde. Begonnen hatte es mit einer Besetzung der KZ-Gedenkstätte Dachau. Elf Sinti traten dort 1980 in den Hungerstreik, weil die Verfolgung für Angehörige ihrer Minderheit mit der Befreiung nicht endete, weil der Rassismus gegen Sinti und Roma ungebrochen fortbestand. Sie texteten ein beliebtes Wanderlied um, um darauf aufmerksam zu machen: „Lustig ist das Zigeunerleben, Faria, Faria ho – Staat braucht uns keine Rechte (zu) geben, Faria, Faria ho“. Die Aktion in Dachau markierte den Beginn der Bürgerrechtsbewegung, eines langen Weges der Emanzipation. Die Auschwitz-Überlebende Zilli Schmidt kämpfte viele Jahre um Anerkennung ihrer Verfolgung aus rassischen Gründen. Die Musiker Manolito Steinbach und Romani Weiß wuchsen in den 1970er Jahren in West-Berlin auf. Sie erzählen davon, wie sie lange Zeit lieber unsichtbar bleiben wollten, wie diese Vorsicht erst nach und nach einem neuen Selbstbewusstsein wich. Gianni Jovanovic erlebte, dass die Verfolgung auch mit der Anerkennung des Völkermords nicht endete. Nachdem er 1982 einen Bombenanschlag in Darmstadt überlebt hatte, wurde wenig später das Haus seiner Verwandten in einer Nacht- und Nebelaktion von der Stadt abgerissen. Mit diesen persönlichen Lebenswegen zeichnet der Film emotional und eindrucksvoll die Geschichte von Deutschlands größter nationaler Minderheit nach und macht bisher unerzählte Perspektiven sichtbar. Individuelle Geschichten und bisher kaum gezeigtes Archivmaterial nehmen mit in eine Zeit, in der Sinti und Roma weiter diskriminiert wurden und in der sie sich schließlich zur Wehr setzten. Unter den historischen Aufnahmen aus den ARD-Archiven fand Filmautor Adrian Oeser viele Szenen, die deutlich machen, wie stark der Rassismus gegen Sinti und Roma nach 1945 fortdauerte – und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer wieder befeuert wurde. Die Dokumentation „Der lange Weg der Sinti und Roma“ ist damit auch eine kritische Auseinandersetzung der ARD mit ihrer eigenen Geschichte. Der Film zeigt darüber hinaus, dass eine Aufarbeitung in vielen gesellschaftlichen Bereichen bis heute notwendig ist. Bis in die 1980er Jahre arbeiteten Landeskriminalämter und Forscher in ganz Deutschland mit den Akten der Rassenhygieniker aus der Nazizeit weiter, um Sinti und Roma systematisch zu erfassen. Erst die Bürgerrechtler konnten diese Aktenbestände in den 1980er Jahren freipressen. Beeindruckendes Archivmaterial zeigt, wie sie die Dokumente ihrer Verfolgung fast vierzig Jahre nach der Befreiung erstmals in den Händen halten. Zu realisieren, dass die systematische Stigmatisierung so lange andauerte, belastet den Bürgerrechtler Rudko Kawczynski bis heute. „Der lange Weg der Sinti und Roma“ ist ein Film über Geschichte, die nicht abgeschlossen ist, über eine Zeit, die bis heute fortwirkt. Ein Film übers Gestern fürs Heute.

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