Jom Kippur

Nach Rosch haSchana, dem Neujahrsfest, folgen zehn Tage, die als „ehrfurchtsvolle Tage“ bezeichnet werden. Es sind zehn Tage der „Umkehr“, die ein jeder nutzen soll, um um Vergebung zu bitten, um Gott zu zeigen, dass wir bereuen, was wir falsch gemacht haben. Am Ende dieser Tage steht Jom Kippur, der Versöhnungstag, der Tag des göttlichen Gerichts, der Buße und Umkehr (Lev. 23, 27-32), an dem die Verfehlungen des einzelnen Menschen gesühnt werden.

Jom Kippur ist der Tag, an dem wir uns ausschließlich um unsere Seele kümmern und Demut zeigen. Daher fasten religiöse Juden an diesem Tag. Wir essen nicht, trinken nicht, waschen uns nicht, kleiden uns weiß und tragen keine Lederschuhe (die als Zeichen für Annehmlichkeiten stehen). Religiöse Juden verbringen den ganzen Tag in der Synagoge beim Gebet.

In Israel ist die besondere Atmosphäre von Jom Kippur besonders deutlich zu spüren. Alle Geschäfte haben geschlossen, alle Cafes, Restaurants, Kinos, es gibt kein Radio- und Fernsehprogramm und es fahren keine Autos (nur Krankenwagen und Polizei). Über dem ganzen Land senkt sich eine tiefe Ruhe, wie man sie ansonsten niemals erlebt. Für Kinder und Jugendliche, die nicht so streng auf die Tradition achten und nicht fasten, ist der Tag außerdem ein Fahrrad-Fest. 

Umkehr und Gebet und Liebeswerke, wenden ab das Böse des Verhängnisses, denn so wie Dein Name, so ist Dein Ruhm:
Schwer zu erzürnen und leicht zu versöhnen!
Denn nicht hast Du Gefallen am Tod des Sünders, sondern dass er umkehre zu Dir und lebe.

Gmar Chatimah towah!
Leschana towa tikatewu wetechatemu!

Möget ihr eingeschrieben werden und besiegelt (ins Buch des Lebens) für ein gutes Jahr.

Leicht zu versöhnen und schwer zu erzürnen:
Die Regeln der Umkehr
Der II. Abschnitt der Hilchoth Tschuwah des RaMBaM

Jom Kippur:
Tag der Sühne und der Reinigung
Die Mischna erläutert die Bedeutung von Jom Kippur und lehrt, daß Jom Kippur nur die Sünden zwischen Mensch und G’tt sühnt, daß aber die Sünden in den zwischenmenschlichen Beziehungen an Jom Kippur erst dann vergeben werden, wenn der Mensch das an seinem Nächsten begangene Unrecht selbst wiedergutgemacht hat.

Jom Kippur:
Das jährlich wiederkehrende himmlische Gericht
Während dieser zehntägigen Zeitspanne geht es nicht um historische Erinnerungen, sondern allein um unser Jetzt und Hier, um die Frage nach der Ausrichtung des eigenen Lebens. Zehn Tage lang stehen wir vor Gott, in Selbstüberprüfung, im Versuch, uns trotz der Schwerkraft in uns zu erheben. Wir stehen vor dem Heiligen und haben Anteil an Seiner Zeit, die Er uns gab, um vor Ihm zu bestehen.

Elul / Tischri:
Dinim und Minhagim für Kippur
Vorschriften und Gebräuche zum Versöhnungstag

Judentum von A bis Z:
Grußformeln zu Rosch haSchana und Jom Kippur
Ein kleines 1×1 zum jüdischen Leben

Jüdische Welt verstehen:
Die Hohen Feiertage
Im Gegensatz zu dieser öffentlichen Meinung ist der Sabbat der heiligste Tag des jüdischen Kalenders, doch aufgrund des Fastengebots am Versöhnungstag wird er meist als besonders heilig verstanden. Nach den biblischen Gesetzen ist die Strafe für eine Verletzung des Sabbats (Tod) viel schärfer als die Strafe für eine Verletzung des Versöhnungstages (Ausschluss).

Elul neigt sich dem Ende zu:
Die Geschichte von G‘tt und der Welt
Alles Vertrauen auf Sicherheit, Besitz, Vaterland, Heimat ist Illusion, Awodah sarah. Der Literaturkritiker George Steiner drückte es folgendermaßen aus: „Wir sind Gäste unter den Menschen, so wie der Mensch ein Gast ist des Lebens. Die Juden sind berufen alle Menschen davon zu überzeugen, dass es schön ist, ein Gast zu sein, dass Bäume Wurzeln haben, aber Menschen Beine“.

Zu Jom Kippur:
Jiskor
Quelle aller Barmherzigkeit, die uns barmherzig umgibt, du kümmerst dich voller Barmherzigkeit um die Frommen, Rechtschaffenen und Vollkommenen, die heiligen Gemeinden, die ihr Leben zur Heiligung des Namens geopfert haben.

Eine Predigt zu Jom Kippur:
Gott ist eine Frau – und sie wird älter
An Rosch Haschana, der Gedenkfeier des Tages, an dem sie uns geboren hat, setzt sich Gott an ihren Küchentisch, öffnet das Buch der Erinnerungen und beginnt, die Seiten zu wenden. Und Gott erinnert sich.

Allein nach dem Maß ihrer guten Werke:
Gedanken zu Jom Kippur
Ich bezeuge bei Himmel und Erde: Sei ein Mensch jüdisch oder nicht jüdisch, Mann oder Frau, versklavt oder frei – auf allen Menschen ruht der Geist G’ttes allein nach dem Maß ihrer guten Werke.

Kol Nidrei:
Eine leise Stimme
Von allen Gebeten an Yom Kippur (Versöhnungstag) hat das „Kol Nidrej“ –das Auftaktgebet am Vorabend des Feiertages- den Ehrenplatz. Doch seine Reise auf diesen Gipfel war nicht leicht.

Kol Nidrei:
Theorien zur Entstehung
Viele Jahrtausende vor der Entstehung der Kol Nidre Formel beherrschte die Auseinandesetzung zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern die jüdische Gemeinschaft. Es ging dabei um die Anerkennung der mündlichen Überlieferung.

Jahrhundertelange Hetze:
Kol Nidre und Antijudaismus
Jahrhundertelang diente das Kol Nidre-Gebet dazu, die Juden der Untreue, der Unzuverlässigkeit, der Falscheide zu verdächtigen und sie zu beschuldigen mit der Begründung, die Juden würden sich von ihren Versprechungen und Eiden im Vorhinein und Nachhinein lossagen.

Zum Schlussgebet des Jom Kippur:
Verschlossene Tore
Neila ist voller Bilder der Endgültigkeit: Die Tore, die geschlossen werden, das Buch, das gesiegelt wird, das Urteil, das Israel und der Welt ausgehändigt wird. Alle äußeren Bilder im Neila-Gottesdienst umschreiben eine Dringlichkeit, eine Entscheidungssituation, eine letzte Chance, in eine Sicherheit zu fliehen.

Am Tag vor Jom Kippur:
Kaparoth und Hohe Feiertage
Der Brauch des Kapporeschlagens (kappara = Sühneopfer) hat sich aus dem alten Glauben entwickelt, daß Krankheiten, Schmerzen, Ärger und Sünden auf ein lebendes oder totes Objekt übertragen werden können.

Eine Geschichte erzählt von Chana Mills:
Jom Kippur in Israel
Meinem Großvater brach wohl das Herz. Meine Großmutter war ruhig wie immer. Und dann der allerletzte Augenblick, da hielt er noch die Hand meiner Mutter, und sagte etwas völlig Unerwartetes: „Halte Jom Kippur!“

Maurycy Gottlieb, Juden beten in der Synagoge am Jom Kippur, 1878