„‚Free Spirit‘ ist ein antisemitisches Gesamtkunstwerk“

Linkes Bündnis gegen Antisemitismus München fordert gemeinsam mit der Antisexistischen Aktion München und dem Verband Jüdischer Studenten in Bayern die Ausladung von Kollegah und anderer Rapper aus dem Hiphop Bewegt Festival

Das Linke Bündnis gegen Antisemitismus München (LBGA) veröffentlichte gemeinsam mit der Antisexistischen Aktion München (ASAM) und dem Verband Jüdischer Studenten in Bayern (VJSB) einen offenen Brief an RTL 2, egoFM, bigFM, Paulaner München und ans Kulturzentrum Sugar Mountain, die gemeinsam das Hiphop Bewegt 2022 Festival, das am 10. September in München stattfinden wird, organisieren. Darin kritisieren sie die Teilnahme von Kollegah, Farid Bang, Kolja Goldstein, Nimo und Jamule und fordern, selbige nicht auftreten zu lassen.

Der Fokus des Briefs liegt dabei klar auf Kollegah. Erst am 5. August veröffentlichte er sein neues Album „Free Spirit“, das inklusive Musikvideos vom LBGA in einem längeren Artikel auf ihrem Blog analysiert wurde. Das Album ‚Free Spirit‘ ist ein antisemitisches Gesamtkunstwerk, das sich islamischer, rechtsextremer, marktradikaler, evangelikaler und anthroposophischer Quellen bedient, um durch verschiedene in beinahe allen Songs verstreute Hinweise und Andeutungen […] eine jüdisch-satanisch-freimaurerische Weltverschwörung an die Wand zu malen, deren Vorstellung auf eine antisemitische Tradition seit dem 19. Jahrhundert zurückgeht, in die auch der Nationalsozialismus eingereiht werden muss, heißt es im Fazit des Blogartikels, der auch im Brief paraphrasiert wird.

Der Brief geht darüber hinaus auf den sexistischen Gehalt in vielen der Texte aus dem aktuellen Album ein. So verwendet Kollegah Schimpfwörter wie „Bitch“, „Slut“ oder „Fotze“ zur Bezeichnung von Frauen. Kein Zweifel: Konsequenzen aus vergangenen Skandalen hat Kollegah keine gezogen, konkludiert der Brief daraus. Eine zweite Chance, die seine Verteidiger*innen ihm zusprächen, hätte er längst verspielt.

An den weiteren Rappern, gegen deren Teilnahme sich das LBGA, die ASAM und der VJSB aussprechen, werden antisemitische, rassistische oder sexistische Aussagen angeprangert. Dabei wird der Skandal aus dem Jahr 2019 um eine antisemitische Textzeile Farid Bands aus einem gemeinsamen Song mit Kollegah angesprochen. Zusammengefasst fordern wir Sie auf, Kollegah, Farid Bang, Kolja Goldstein, Nimo und Jamule nicht auftreten zu lassen, heißt es im Brief abschließend.

Der offene Brief ist hier einsehbar.

Mehr über Kollegahs neues Album „Free Spirit“.

Das Linke Bündnis gegen Antisemitismus München ist ein Zusammenschluss der Grünen Jugend München, der linksjugend [’solid] München, der SJD – Die Falken München und der Emanzipatorischen Linken München.

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