Offene und ehrliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Israelhass wird weiterhin verweigert

Zur Presserklärung der unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der documenta fifteen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt die Erklärung des Expertengremiums zur documenta fifteen, insbesondere die darüberhinausgehende klare Stellungnahme der Vorsitzenden Nicole Deitelhoff und der Mitglieder Julia Bernstein, Marina Chernivsky, Peter Jelavich und Christoph Möllers. In ihrer Erklärung dekonstruieren die Experten eindeutig die antisemitischen und israelfeindlichen Inhalte der Ausstellung, insbesondere der terrorverherrlichenden „Tokyo Reels“. Die Erkenntnisse verdeutlichen, dass die Warnungen des Zentralrats der Juden konsequentes Handeln erfordert hätten.

Fassungslos nimmt der Zentralrat der Juden die Reaktion der Kuratoren und Künstler zur Kenntnis. Ihr Offener Brief dämonisiert und delegitimiert Israel. Eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Israelhass wird weiterhin verweigert. Damit beweisen sie erneut, dass der Antisemitismus bei dieser documenta von Anfang an strukturell angelegt war.

Dazu erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster:

„Die Experten haben sehr klar auf die Probleme hingewiesen. Die Ausstrahlung der Propagandafilme „Tokyo Reels“ muss sofort beendet werden. Mit ihrer Tirade zeigen die Kuratoren und Künstler, dass sie wissenschaftliche Befunde nur respektieren, wenn sie in ihr Weltbild passen. Was Jüdinnen und Juden oft erleben, wird hier wieder einmal deutlich: Der Vorwurf des Antisemitismus wird als schwerwiegender dargestellt als es der Antisemitismus selbst ist.
Es ist Aufgabe der Gesellschafter und der politisch Verantwortlichen deutliche Konsequenzen aus den Ergebnissen des Expertengremiums zu ziehen. In dem Zusammenhang muss auch über die Anerkennung der IHRA-Arbeitsdefinition Antisemitismus bei Kunst- und Kulturveranstaltungen gesprochen werden. Ausdrücklich erinnere ich in diesem Zusammenhang auch an den BDS-Beschluss des Deutschen Bundestages. Die politisch Verantwortlichen müssen bei der Umsetzung auch zum Wohle des Kulturstandortes Deutschland künftig Haltung zeigen. Diese documenta hat dem Ansehen Deutschlands geschadet.“

Berlin, 12. September 2022 / 16. Elul 5782, Zentralrat der Juden in Deutschland

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–> Krach zum Endspurt
Das Expertengremium attestiert Künstlern und Kuratoren Israel-Hass – diese beklagen »Zensur«

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