Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. September 2022

Do., 1. Sep · 14:15-17:25 · arte
Werk ohne Autor

Es ist nicht das erste Mal, dass der fünfjährige Kurt Barnert mit seiner 19-jährigen Tante Elisabeth eine Kunstausstellung besucht. Und sie finden Gefallen an den Bildern in der „Entartete Kunst“ genannten Ausstellung, Bildern, die das Nazi-Regime verpönt und deren Schöpfer es verfolgt. Kurze Zeit später wird der Junge Zeuge, wie seine Tante von einem Krankenwagen abgeholt wird. Zwangseingewiesen von Professor Seeband wegen vermeintlicher Schizophrenie, wird Elisabeth wie Hunderttausende andere unschuldige Menschen Opfer der Euthanasie im Dritten Reich. „Niemals wegsehen“ ist die letzte Weisung, die sie Kurt noch mitgegeben hat. Obwohl sie sehr früh aus seinem Leben verschwindet, bleibt ihre Erinnerung lebendig. Jahre später wird Kurts künstlerisches Talent entdeckt und er beginnt, Malerei an der Dresdner Kunstakademie zu studieren. Als er eines Tages Elisabeth, genannt Ellie, trifft, die an der Akademie Mode- und Textilgestaltung studiert, fühlt er sich gleich zu ihr hingezogen. Die beiden beginnen eine heimliche Beziehung miteinander; Kurt mietet ein Zimmer im Haus der Familie Seeband. Dabei lernt er ihren Vater kennen, der Kurt vom ersten Moment an für einen Nichtsnutz hält. Professor Seeband fühlt sich bestätigt, als Ellie ihm ihre Beziehung mit Kurt beichtet; auch weil sie schwanger ist. Seeband versucht daraufhin, einen Keil zwischen die jungen Leute zu treiben. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Das mittlerweile verheiratete Paar beschließt, die DDR zu verlassen. Kurt hofft, seine Identität als Künstler in der BRD zu finden. Doch auch damit sind sie den autoritären Vater, den seine Vergangenheit allmählich einholt, nicht los. Was Seeband nicht ahnt: Kurt kann dessen vergessen geglaubten dunklen Taten durch seine Bilder an die Öffentlichkeit bringen. Selbst wenn er nicht genau weiß, was sein Schwiegervater mit Tante Elisabeths Tod zu tun hat …

Do., 1. Sep · 21:05-22:00 · arte
Terror, Tote, Völkerfreundschaft – Die DDR und der Nahost-Konflikt

Ein Jahr nach München, Ost-Berlin im August 1973: Die DDR hat die Welt zu Gast. Die X. Weltfestspiele der Jugend sind der Gegenentwurf zu den Olympischen Spielen. Unliebsamen Gästen erteilt man kurzerhand Berlin-Verbot, andere werden inhaftiert. Das Sicherheitsaufgebot ist maßlos. Als offizieller „Staatsgast“ tritt Jassir Arafat auf, an der Seite von Erich Honecker wird er hofiert und von den Massen gefeiert. Ausreichend Grund zur Freude besteht: Genau in diesen Tagen öffnet die offizielle PLO-Vertretung in Ost-Berlin ihre Pforten. Wie und warum konnte es passieren, dass sich der „antifaschistische“ sozialistische deutsche Staat daran beteiligte, Organisationen und Länder zu unterstützen, die an der Auslöschung des Staates Israel arbeiteten? Was alles taten beide Seiten dafür, aus internationaler Isolation auszubrechen? Und welche Rolle spielten die Geheimdienste, vor allem die ostdeutsche Staatssicherheit, die „Stasi“? Antworten geben unter anderem Dominique Vidal, der als französischer Student bei den Weltfestspielen der Jugend für internationales Renommee sorgen soll und sogar zum Posterboy in den WG-Zimmern ostdeutscher Studentinnen wird, und der Historiker Jeffrey Herf von der Universität Maryland, der mit seinem Buch „Unerklärte Kriege gegen Israel“ mit der Vorstellung des „konsequent antifaschistischen“ Staates DDR aufräumt.
Bild oben: © LOOKSfilm – Interviewpartner Jeffrey Herf, Historiker von der Universität Maryland, räumt in seinem Buch „Unerklärte Kriege gegen Israel“ mit der Vorstellung des „konsequent antifaschistischen“ Staates DDR auf.

Do., 1. Sep · 22:45-00:40 · BR
Die Blumen von gestern

Mitten in seiner tiefsten Lebenskrise gerät der Holocaust-Forscher Toto an die französische Assistentin Zazie, jüdischer Herkunft und mit ausgeprägter Teutonen-Phobie: Eine aberwitzige Geschichte über die Frage, was passiert, wenn der deutsche Völkermord von Leuten erforscht wird, die emotional labil, durch Herkunft und Lebensart auf unvereinbare Weise getrennt und dennoch ineinander verliebt sind. Totila Blumen ist Holocaust-Forscher. Als solcher versteht er keinen Spaß. Weder im Allgemeinen noch im Besonderen, wenn seine Kollegen versuchen, aus einem Auschwitz-Kongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen und somit das Erbe des gerade erst verstorbenen und von Totila hochverehrten Professors Norkus mit Füßen treten. Als man ihm die sehr junge und sehr nervige französische Studentin Zazie als Praktikantin vor die Nase setzt, die ihm folgt wie ein Hündchen und mit seinem direkten Vorgesetzten ein Verhältnis hat, ist der stets ernst und überlegt dreinblickende Totila am Ende. Doch Jammern hilft nicht – erst recht nicht bei seiner gestressten Frau Hannah, die ihn auffordert, weniger zu hadern und sich mit dem zu arrangieren, was das Leben gerade anbietet. Und so macht Totila weiter seine Arbeit, unterstützt von der überdrehten, exzentrischen Zazie. Die jedoch scheint ihre ganz eigene Agenda zu haben – eine Agenda, die eng mit Totilas Herkunft und seinem wohlgehüteten Familiengeheimnis verknüpft ist. Chris Kraus schuf mit seinem zwischen Komik und Tragik balancierenden Film eine der Geschichten, „die um Schuld und Nicht-Schuld kreisen und den manchmal winzigen Spalt dazwischen“ (Produzent Danny Krausz). Er versammelte dafür ein hervorragendes Ensemble, allen voran die Hauptdarsteller Lars Eidinger, Adèle Haenel, Hannah Herzsprung und Jan-Josef Liefers. Dafür gab es u. a. den Grand Prix beim 29. Tokyo International Film Festival.

Fr., 2. Sep · 21:00-21:50 · ARD-alpha
alpha-retro: Internationaler Frühschoppen – „Tod und Spiele“ (1972)

Diskussion im Studio fünf Tage nach dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft. „Tod und Spiele: Olympia – Ende mit Schrecken oder Anfang vom Ende“, so lautet das Thema der Diskussionsrunde unter der Leitung von Werner Höfer. Es diskutieren mit ihm vier weitere Journalisten aus vier verschiedenen Ländern: Inge Deutschkron (Israel); John Dornberg (USA); Joachim Moskau (Kanada); Onyeabo Eze (Nigeria); Hans Reiser (BRD).

Sa., 3. Sep · 06:20-06:45 · SWR
Planet Schule: Der Krieg und ich

In der französischen Auvergne, 1942: Sandrines Vater hilft als Dorfpfarrer verfolgten Juden bei der Flucht vor dem Nazi-Regime. Sandrine teilt daher ihr Zimmer mit drei Flüchtlingen aus Deutschland, die versteckt bei der Familie leben. Als ihre Mutter auch noch ihre Kleidung verteilt, wird es Sandrine zu viel. Ihrer Mutter erzählt sie von ihren Sorgen und der Angst um ihren Vater. Ihre Mutter reagiert verständnisvoll, macht Sandrine aber auch klar, dass die Eltern sich entschieden haben zu helfen und nicht wegzusehen. Dann geschieht das, was Sandrine befürchtet hat: Der Vater wird verhaftet, die Situation immer gefährlicher. Der Polizist Major Dubois macht Sandrine ein Angebot: Wenn sie die Namen und Verstecke der Juden verrät, kommt ihr Vater frei. Sandrine steht vor der Frage: Macht sie weiter oder verrät sie die Flüchtlinge und hilft ihrem Vater freizukommen? Die dritte Folge lehnt sich an die Biografien von André und Magda Trocmé an. Sie organisierten in Le Chambon-sur-Lignon nicht nur die Unterbringung von jüdischen Flüchtlingen im Dorf, sondern öffneten auch ihr eigenes Zuhause zahlreichen Flüchtlingen. Ihr Leben war geprägt vom Glauben und der praktischen Hilfsarbeit beziehungsweise einem pazifistisch motivierten Widerstand – mit den „Waffen des Geistes“. Die älteste Tochter Nelly Trocmé vergleicht ihr Zuhause in den Kriegsjahren mit einem Bahnhof, in dem Leute mit fremdem Akzent auf Durchreise sind. Eine Episode über Mitmenschlichkeit und Solidarität. Krieg – ein Thema für Kinder? Es gibt zahlreiche Bücher und Dokumentarfilme über den Zweiten Weltkrieg. Sie zeigen uns auf verschiedenste Weise, wie wichtig es ist, die Erinnerung wachzuhalten, um die Geschehnisse nicht dem Vergessen preiszugeben. Auch aus der Schule ist das Thema nicht wegzudenken. Im vorliegenden Programm wird die Geschichte des Krieges und des Holocausts mit sorgfältig ausgesuchtem Archivmaterial erzählt, dessen Aufbereitung für Kinder ab zehn Jahren geeignet ist.

Sa., 3. Sep · 20:15-21:45 · ARD-alpha
München 1970 – Als der Terror zu uns kam

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München vor genau 40 Jahren. Dass München aber bereits zweieinhalb Jahre zuvor schon einmal wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden hat, weiß hingegen kaum noch jemand. Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Weder die versuchte Entführung einer EL AL Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten, die meisten Holocaustüberlebende, noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Er war der Kollateralschaden für eine vermeintlich gute Sache, für den angeblich gerechten Kampf um einen palästinensischen Staat. Aber wer hatte beschlossen, dass sein Tod gerecht ist? Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach Antworten auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der 70er Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten. „München 1970“ das ist auch der bislang nicht wahrgenommene Prolog der Anschläge auf die Olympischen Spiele 1972. Das Panorama der zwölf Tage im Februar 1970 setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen, die verkohlte Andenken an ihre Eltern aus den Trümmern der Swissair geborgen haben und ihre Erinnerungen sortieren. Aus den dramatischen Erinnerungen an die verheerende Brandnacht im jüdischen Altersheim in München und aus Schilderungen von Zeitzeugen, die damals meinten, den gerechten Kampf der Palästinenser in Deutschland mit allen Mitteln unterstützen zu müssen. Die Generation der 68er, die wütend die verdrängte Nazivergangenheit der Eltern anprangerte, machte gemeinsame Sache mit der Judenfeindschaft der arabischen Genossen. Die handelnden Personen, so sie noch leben und so sie reden, sind heute im gesetzten Rentenalter. Sie haben mit Erinnerungsschwächen zu kämpfen, mit Rheuma und steifen Gelenken. Es sind Bombenleger darunter, Brandstifter, Mörder. Sie haben ihre Strafen verbüßt, aber die wenigstens haben etwas dazu gelernt. In ihren Schilderungen der Zeit schwebt Wehmut mit. Oder sie schweigen beharrlich. „Das Humansein müssen wir einfach liquidieren“, schreibt ein prominenter Stadt-Guerillero. Dem stemmt sich der Film entgegen. Der Film geht aber auch der Frage nach, warum die deutschen Strafverfolgungsbehörden zwar einerseits sehr akribische Untersuchungen zu den Anschlägen durchführten, dann aber die Attentäter noch im selben Jahr abgeschoben wurden. Erstmals geben damalige hochrangige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen deutschen Linken und palästinensischen Terrorkommandos, aber auch über die europäische Politik der Beschwichtigung und über die Weigerung, die israelischen Warnungen ernst zu nehmen. Am Ende bleibt die bange Frage: Wäre der Anschlag auf die Olympiade in München 1972 zu verhindern gewesen oder sogar der 11. September, wie einige behaupten?

So., 4. Sep · 19:30-20:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Verrückte Normalität? Jung und jüdisch in Deutschland

Etwa 200.000 Menschen jüdischen Glaubens leben heute in Deutschland. Sie gehen zur Schule, zur Arbeit, spielen Fußball. Doch bei Jüdinnen und Juden denken viele nicht an diesen Alltag, sondern meist an den Holocaust. Warum? RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl trifft junge jüdische Menschen, die ein lebendiges, vielfältiges Bild jüdischen Lebens in Deutschland vermitteln wollen. Jüdisches Leben: Dabei denkt RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl vor allem an koscheres Essen, an den Schabbat, Synagogen – oder an die weitgehende Vernichtung jüdischen Lebens Holocaust. Bis sie loszieht und junge Jüdinnen und Juden in ihrem oft verrückt normalen Alltag im heutigen Deutschland erlebt. Dazu besucht die Moderatorin etwa ein Sport-Girls-Camp, wo sie Krav Maga ausprobiert – einen modernen Selbstverteidigungssport. Was bedeutet jüdisch sein für die jungen Frauen dort? Was für den Münchner Rabbiner Israel Diskin? Und was für die queere Anna Fuhrmann, die mit der Initiative Keshet dafür kämpft, dass sich jüdische Gemeinden für LGBTQI* öffnen. Oder für Asaf Erlich, der in Israel geboren ist. Dort hat er sich kaum um jüdische Religion und Identität gekümmert. Bis er zum Arbeiten nach Deutschland ging und gefragt wurde, warum er ausgerechnet im Ex-Nazi-Land leben will. Sehr gläubig ist er immer noch nicht, aber jüdische Identität und Geschichte haben hier viel mehr Bedeutung für ihn bekommen. Er persönlich hat zwar keine Angst, erlebt aber, wie wachsender Antisemitismus bei vielen hier geborenen Jüdinnen und Juden ein alltägliches Gefühl der Bedrohung erzeugt. Gegen diese verrückte Normalität von Ausgrenzung und Angst kämpft Anna Fuhrmann auch in dem Projekt Meet a Jew. „Hey du Jude“ ist auf vielen Schulhöfen ein gängiges Schimpfwort – dabei haben viele junge Menschen null Kontakt zu Menschen jüdischen Glaubens. Um das zu ändern und um junge Jüdinnen und Juden sichtbar zu machen, gehen Meet a Jew-Teams an Schulen, in Vereine oder an Unis. Dort erzählen sie von sich, ihrer Religion und ihrem Alltag. Das Ziel: Begegnungen schaffen, Klischees und Vorurteile bekämpfen.

So., 4. Sep · 21:50-00:25 · arte
München

September 1972: In München feiert die Welt die Olympischen Sommerspiele, geplant als „Fest des Friedens“. Dann ereignet sich vor 900 Millionen Fernsehzuschauern in der zweiten Woche der Olympiade ein beispielloser Terroranschlag: Das achtköpfige palästinensische Kommando „Schwarzer September“ dringt in das Olympische Dorf ein und überfällt das israelische Team. Vor den Augen der internationalen Öffentlichkeit spielt sich ein Massaker ab, das 21 Stunden später mit dem Tod von elf Mitgliedern des israelischen Olympiateams, eines Polizisten und fünf Terroristen zu Ende geht. Die drei überlebenden Terroristen werden kurz nach ihrer Tat mit einer Flugzeugentführung freigepresst. Das Verbrechen soll nicht ungesühnt bleiben. Ein Kommando, beim israelischen Geheimdienst Operation „Zorn Gottes“ genannt, erhält den Auftrag, unter der Führung des jungen Geheimdienstoffiziers Avner Vergeltung zu üben. Mit seinem hochspezialisierten Team spürt er rund um die Welt die Zielpersonen auf seiner Liste auf und führt akribisch geplante Attentate aus. Hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch nach Gerechtigkeit und ihren eigenen wachsenden Zweifeln, hinterlässt die Mission bei Avner und seinem Team Spuren. Es wird immer klarer, je länger sie auf der Jagd bleiben, desto mehr laufen sie Gefahr, selbst zu Gejagten zu werden.

So., 4. Sep · 23:35-00:05 · NDR
Sportclub Story – Im Schatten des Attentats

Am 28. August 1972 marschieren die Mannschaften anlässlich der olympischen Segelwettbewerbe in Kiel-Schilksee zu den Klängen von „Popcorn“ tanzend in den Olympiahafen ein. Dies ist ein besonderer Moment in der Geschichte der Fördestadt. Auch eine kleine israelische Mannschaft ist mit dabei, die die Eröffnung der olympischen Segelwettbewerbe ausgelassen feiert. Acht Tage später laufen die israelischen Segler zu einer Wettfahrt aus. Sie ahnen jedoch noch nicht, was sich am Morgen in München ereignet hat. Was so heiter begonnen hatte, endet auch bei den Menschen in Kiel mit einem Schock.

Mo., 5. Sep · 00:35-02:05 · ZDF
München 72 – Das Attentat

Die dramatische Geiselnahme einer Gruppe von israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele 1972 in München wird zu einem Desaster. Der Anschlag palästinensischer Terroristen auf das Olympische Dorf macht den Traum von unbeschwerten Spielen in nur einer Nacht zunichte. In einer noch nie da gewesenen Situation kämpfen die Verantwortlichen und Sicherheitskräfte verzweifelt um Rettung. Anna Gerbers, eine junge, engagierte Polizistin aus dem Ruhrgebiet, gehört zu den glücklichen Auserwählten, die bei den Olympischen Sommerspielen als Ordnerin fungieren dürfen. Die Spiele sollen der Welt ein ganz neues, ein anderes Deutschland zeigen: den Geist von München – weltoffen, locker und frei. Als Anna dem Hubschrauberpiloten Michael Bruckner begegnet, scheint dieser Geist endgültig auch in ihrem Leben angekommen zu sein. Dann geschieht das Unfassbare: In den frühen Morgenstunden des 5. September dringen palästinensische Terroristen in das Olympische Dorf ein und stürmen die Quartiere des israelischen Teams. Kurz darauf finden Sicherheitskräfte einen toten Israeli. Dessen Landsleute sind nun Geiseln in den Händen von Männern, die offenbar nichts zu verlieren haben. Als der Anführer des Terrorkommandos nach einem Verhandlungspartner verlangt, meldet sich Anna freiwillig. Die Forderungen der Palästinenser sind ebenso eindeutig wie unerfüllbar: die Befreiung von 200 Kampfgenossen sowie freien Abzug. In einem verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit und um das Leben der Geiseln gelingt es Anna mehrmals, die Kidnapper zum Aufschub ihres Ultimatums zu bewegen – während Michael den Befreiungsversuch vorbereitet. Zwischen Krisenstab, einer immer verzweifelter werdenden Lage der Geiseln und dem internationalen Verhandlungstisch kommen beide an ihre Grenzen. Sie wissen, dass dies die Stunde ist, um Verantwortung zu übernehmen. Doch müssen sie auch erkennen, dass sie es mit Terroristen zu tun haben, die ihre Tat minutiös geplant haben. Die Ereignisse enden tragisch – und werden doch Leben retten: Unmittelbar nach den Erfahrungen von München werden Anna Gerbers und Michael Bruckner zu einer neuen Spezialeinheit berufen. Es ist die GSG 9, die fünf Jahre später in Mogadischu sämtliche Passagiere an Bord der „Landshut“ befreien wird. „München 72“ ist die Stunde null des internationalen Terrorismus.

Mo., 5. Sep · 01:40-02:40 · HR
Jetzt – nach so viel Jahren

Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es „Klein-Jerusalem“ genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet, und die meisten Juden wurden in Konzentrationslager deportiert. In Rhina blieb von ihnen nicht mehr als ein verwüsteter Friedhof zurück. 1981 drehte ein Filmteam des Hessischen Rundfunks eine eindrucksvolle Dokumentation über das einst so jüdische Dorf in Hessen. Befragt nach den früheren Nachbarn erzählten die Rhinaer vom friedlichen Miteinander damals. Die Filmautoren Pavel Schnabel und Harald Lüders suchten aber auch nach überlebenden jüdischen Rhinaern, um so nach ihren Erinnerungen zu hören. Einige trafen sie in New York. Auch sie sind anfänglich zögerlich, wollen nicht gern über die Vergangenheit reden. Doch schnell wird klar, dass sie aus anderen Gründen schweigen Die Überlebenden schildern ganz andere Ereignisse. Höhepunkt des Films ist eine emotionale Konfrontation: Die Rhinaer sehen ihre ehemaligen Nachbarn auf der Leinwand wieder und werden konfrontiert mit der verdrängten und so lange verschwiegenen Geschichte. Jahrzehnte nach seiner Entstehung hat dieser mehrfach preisgekrönte Film nichts von seiner Brisanz verloren – im Gegenteil. Gerade angesichts jüngster Versuche, das nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren, und des sich zunehmend artikulierenden Antisemitismus hat dieser Einblick in das kollektive Gedächtnis eines deutschen Dorfes beklemmende Aktualität. Der Hessische Rundfunk zeigt diese Dokumentation, die unter anderem mit dem Grimme Preis in Gold ausgezeichnet wurde, in technisch restaurierter Fassung.

Mo., 5. Sep · 07:50-08:05 · WDR
Planet Schule: Städte am Meer – Tel Aviv

In der zweitgrößten Stadt Israels wird das Leben gefeiert, obwohl die Angst vor Anschlägen immer präsent ist. Selber Opfer eines Anschlags, verbreitet Sharon Freude und religiöse Gedanken durch Tanzeinlagen in der Öffentlichkeit. Die Designerin Doraya liebt das Meer und arbeitet in Jaffa, der alten arabischen Stadt, die heute ein Ortsteil von Tel Aviv ist. Die Restaurant-Besitzerin Nanuchka genießt es, russische, georgische und jüdische Traditionen zu pflegen und viel zu feiern.

Mo., 5. Sep · 09:45-11:30 · BR
Olympiaattentat 1972 – Das Gedenken im Olympiapark

Vor 50 Jahren überfiel ein palästinensisches Terrorkommando Sportler der israelischen Olympiamannschaft und nahm sie als Geiseln. Bis heute sind die genauen Umstände des Verbrechens nicht geklärt. Es sollten „Die heiteren Spiele“ sein, doch Olympia `72 wurde zum Trauma von München.

Mo., 5. Sep · 14:55-17:00 · BR
Olympiaattentat 1972 – Das Gedenken in Fürstenfeldbruck

Vor 50 Jahren wurde der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck Schauplatz eines schrecklichen Dramas: das Ende des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft. Palästinensische Terroristen hatten die Sportler als Geiseln genommen und wollten von hier aus fliehen. Alle Befreiungsversuche der deutschen Sicherheitsbehörden scheiterten. Am Ende waren elf Israelis, ein deutscher Polizist und fünf Geiselnehmer tot.

Mo., 5. Sep · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Tod und Spiele – München ’72

Die Olympischen Spiele von München sollen „heitere Spiele“ sein. Doch am 5. September 1972 nimmt eine Gruppe von Palästinensern elf israelische Sportler als Geiseln. Kurz nach Mitternacht scheitert ein Befreiungsversuch auf dramatische Weise. Am Ende sind alle israelischen Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf palästinensische Terroristen tot. Der Film rekonstruiert das Olympia-Attentat. Die Olympischen Spiele 1972, die „heiteren Spiele“, sollen mehr sein als nur ein sportliches Groß-Event. Sie sind der Gegenentwurf zu Hitlers Spielen in Berlin 1936 und präsentieren die Bundesrepublik Deutschland als junge, weltoffene Demokratie. Aber am elften Tag, in den frühen Morgenstunden des 5. Septembers, stürmt ein Kommando der palästinensischen Organisation „Schwarzer September“ die Unterkünfte der israelischen Delegation im Olympia-Dorf und tötet dabei Ringer-Coach Moshe Weinberg und Gewichtheber Yossef Romano. Neun weitere Israelis werden als Geiseln genommen. Die Forderung der Geiselnehmer ist die Freilassung von mehr als 200 in israelischer Haft befindlichen Palästinensern. Andernfalls drohen sie mit der Ermordung aller Geiseln. Doch die israelische Premierministerin Golda Meir weigert sich, den Forderungen nachzukommen: Mit Terroristen wird nicht verhandelt. Deutsche Polizisten, in Trainingsanzügen getarnt, beziehen im Olympischen Dorf Stellung, um die Geiselnahme zu beenden. Die Vorbereitung der Befreiungsaktion wird von den anwesenden Medien gefilmt und live im Fernsehen übertragen und kann damit von den Geiselnehmern verfolgt werden. Die Aktion wird erfolglos abgebrochen. Nach stundenlangen Verhandlungen einigen sich Krisenstab und Geiselnehmer schließlich darauf, Geiseln und Terroristen nach Kairo auszufliegen, doch heimlich plant die deutsche Polizei eine Befreiung auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck. Die Befreiungsaktion endet im Fiasko. Die drei überlebenden Geiselnehmer werden in Deutschland inhaftiert, aber wenige Wochen später durch eine Flugzeugentführung freigepresst. Die beiden noch lebenden Mitglieder des München-Kommandos sind bis heute untergetaucht. Der Film von Bence Máté und Lucio Mollica erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven den Tag, der als Geburtsstunde des internationalen Terrorismus gilt. Da ist die Perspektive von Polizisten aus München, die Perspektive der Sportler aus Israel und der israelischen Sondereinheit, da ist aber auch die ungewöhnliche, so nah und konsequent noch nie geschilderte Perspektive der Täter. Für diesen Film äußern sie sich erstmals vor der Kamera. Mit Bildern, die sich bis heute ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, und mit bisher unbekannten Archivaufnahmen erzählt der Film von den Ereignissen des 5. Septembers 1972. Er zeigt das Versagen des deutschen Polizei- und Sicherheitsapparats, vor allem aber macht er die Dimensionen des bis heute andauernden Nahost-Konflikts spürbar und zeigt, dass die Wunden der Angehörigen der Opfer bis heute nicht geheilt sind.

Di., 6. Sep · 20:15-21:10 · arte
Der Ku-Klux-Klan – Eine Geschichte des Hasses (1/2)

1865 gründet eine kleine Gruppe von Bürgerkriegsveteranen aus den Südstaaten einen Geheimbund: den Ku-Klux-Klan. Schon bald verbreitet der Klan Furcht und Schrecken unter der schwarzen Bevölkerung, die gerade erst aus der Sklaverei befreit wurde. Bluttaten und Lynchmorde nehmen zu. In Washington beginnt der Kongress, gegen den unsichtbaren Feind vorzugehen, was 1871 zur offiziellen Auflösung des Klans führt. 1915 wird der Ku-Klux-Klan, angestoßen von David W. Griffiths Film „Die Geburt einer Nation“, allerdings neu gegründet. Unter seinen neuen Anführern passt sich der Klan an die gesellschaftlichen Veränderungen in den USA an und radikalisiert sein Programm: Der KKK wendet sich nun radikal gegen Einwanderung und Urbanisierung und wird antikommunistisch, antisemitisch und antikatholisch. Fast vier Millionen Amerikaner schließen sich der Gruppe an, die mittlerweile zu einem riesigen, einflussreichen Lobbyverband geworden ist. Ende der 20er Jahre wird die Bewegung durch Skandale und die Wirtschaftskrise geschwächt und nach dem Zweiten Weltkrieg ein weiteres Mal aufgelöst. Doch das sollte nicht ihr Ende bedeuten …

Di., 6. Sep · 21:10-22:05 · arte
Der Ku-Klux-Klan – Eine Geschichte des Hasses (2/2)

In Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre erlebt auch der Ku-Klux-Klan einen neuen Aufschwung – vornehmlich in den Südstaaten. In seinem rassistisch motivierten Terror zum Erhalt weißer Vorherrschaft in der US-Gesellschaft sind vielerorts sogar die Behörden verstrickt. 1963 begeht der Klan einen schrecklichen Bombenangriff auf eine Kirche in Birmingham, Alabama, und mehrere tödliche Attentate auf Bürgerrechtler. Die Verbrechen schockieren die Öffentlichkeit. Unter politischem Druck geht das FBI schließlich in die Offensive. In den 70er Jahren hat der Klan dann nur noch wenige Tausend Anhänger. Obwohl der neue Anführer David Duke dem Klan später eine gewisse Seriosität geben will, bleibt die Organisation ihrem tyrannischen Ruf treu. Viele Klansmänner tauschen ihre Kapuzen nun gegen Masken und Hakenkreuz-Tätowierungen. In Donald Trumps Amerika nehmen die Mitgliedszahlen des Klans und anderer rassistischer Gruppierungen wieder stark zu.

Di., 6. Sep · 22:05-23:05 · arte
Der schwarze Aufstand

Der Mord an George Floyd führt 2020 zu einer großen internationalen Protestbewegung gegen staatliche Polizeigewalt und rassistische Diskriminierung. Alicia Garza, eine der Gründerinnen von „Black Lives Matter“, sieht als Ziel der Bewegung eine gerechte Gesellschaft für alle: „Der Kampf gegen Rassismus kann nicht nur allein von Schwarzen geführt werden. Es müssen dafür Menschen aller Hautfarben, aller Rassen, aller ethnischen Gruppen und Nationalitäten eintreten.“ Die Dokumentation „Der schwarze Aufstand“ von Ulrich Stein und John Kantara zeigt die Entstehung der „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA und ihren Einfluss in Europa. Auch in Frankreich und Deutschland gibt es seit der Kolonialzeit eine Geschichte von rassistischer Ungleichbehandlung. Lange Zeit war die Kolonialgeschichte ein blinder Fleck in der französischen und deutschen Erinnerungskultur. Erst in jüngster Zeit wurden von den Regierungen in Frankreich und Deutschland die während der Kolonialzeit begangenen Verbrechen offiziell eingestanden. Im Film erzählen Philonise Floyd und Assa Traoré, die beide einen Bruder durch Polizeigewalt verloren haben, über ihre Rassismuserfahrungen in den USA und Frankreich. Alicia Garza, die Mitbegründerin von „Black Lives Matter“, die Kongressabgeordnete Yvette Clarke, der Polizeioffizier Corey Pegues und die Aktivistinnen Chelsea Miller und Brittney Cooper kommen zu Wort. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren die Formen und Auswirkungen von Rassismus in den USA und im Europa von heute.

Di., 6. Sep · 22:10-22:55 · MDR
Kinderraub der Nazis – Die vergessenen Opfer

Es ist ein Verbrechen, das bis heute weitgehend unbekannt ist: Die Nationalsozialisten verschleppten während des Zweiten Weltkriegs zehntausende Kinder und brachten sie in deutschen Familien unter. Die meisten der Kinder stammten aus Polen. Ihre Identität wurde verschleiert, um sie als „deutsche Kinder“ in die Volksgemeinschaft einzufügen. Der Film begibt sich auf Spurensuche der polnischen Kinder, die ihr Leben lang Suchende zwischen zwei Welten blieben. Die Kinder wurden illegal aus Waisenhäusern fortgebracht oder direkt aus ihren leiblichen Familien gerissen. Nach Kriegsende mussten viele der geraubten Kinder zurück in ihre Heimat, die ihnen oft fremd geworden war. Einige dieser Menschen leben noch heute, zerrissen und ohne Wurzeln. Noch immer treibt es Jozef Sowa Tränen in die Augen, wenn er von der Tragödie seines Lebens erzählt. Seine Eltern wurden 1943 in Polen von Wehrmachtssoldaten ermordet, er und seine Geschwister nach Deutschland verschleppt. Seine Schwester Janina wurde zur Adoption freigegeben und lebt bis heute dort. Dieser Kinderraub war kein Zufall. Heinrich Himmler wies 1941 an, „besonders gutrassige kleine Kinder polnischer Familien zusammen zu holen und von uns in besonderen Kinderheimen zu erziehen“. „Er wollte damit das deutsche Volk aufstocken“, erklärt Professorin Isabel Heinemann. Seit Jahren forscht die Historikerin zu den geraubten Kindern, von denen es nach ihrer Schätzung europaweit etwa 50.000 gibt. Die größte Gruppe stammt aus Polen. Kinder ohne den Schutz leiblicher Eltern gerieten über das „Rasse- und Siedlungshauptamt der SS“ in deutsche Familien, ihre wahre Identität wurde verschleiert. Nach dem Ende des Krieges kamen diejenigen, deren Herkunft rekonstruiert werden konnte, zurück in ihre Heimat. Ein oft fremd gewordenes Land, in dem die Identität als deutsches „Hitler“-Kind die Wiedereingliederung erschwerte. Die Verantwortlichen für die Verschleppungen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Der Film begibt sich auf Spurensuche der polnischen Kinder, die ihr Leben lang Suchende zwischen zwei Welten blieben.

Mi., 7. Sep · 00:00-01:30 · NDR
Der Weiße Blick

„Der weiße Blick“ erzählt die Geschichte des deutschen Expressionismus erstmals im Kontext kolonialer Ausbeutung und rassistischer Menschenkunde. Als Emil Nolde und Max Pechstein um 1910 zum damaligen Deutsch-Neuguinea und zu den Palau-Inseln reisten, war ihr „Südsee-Paradies“ bereits durch die europäischen Kolonialherren zerstört. Sie wollten die Malerei in Deutschland revolutionieren und sich dazu an der Ursprünglichkeit der indigenen Kunst schulen. Sie blendeten den Untergang der fremden Welt aus und malten in der Südsee so, wie sie es als „weißen Blick“ mitgebracht hatten. Als die deutschen Expressionisten Emil Nolde und Max Pechstein um 1910 zum damaligen Deutsch-Neuguinea und zu den Palau-Inseln reisten, war ihr vermeintliches „Südsee-Paradies“ bereits durch den europäischen Kolonialismus zerstört. Ernst-Ludwig Kirchner blieb zu Hause, baute sich im Atelier die Südseeexotik als Ambiente nach. Sie wollten die Malerei in Deutschland revolutionieren und sich dafür an der Ursprünglichkeit der indigenen Kunst schulen. Nolde und Pechstein, die von ihren Ehefrauen begleitet wurden, blendeten vor Ort den Untergang der fremden Welt aus. Sie malten so, wie sie es in ihren Köpfen als „weißen Blick“ von daheim mitgebracht hatten: romantisch verbrämt, idyllisch verfälscht und außerdem nah am rassenkundlichen Menschenbild der Zeit.Ihre Südsee-Sehnsucht hatten Nolde, Kirchner und Pechstein durch Besuche in den Völkerkundlichen Museen in Berlin und Dresden genährt, wo sie ersten Kontakt mit der Kunst fremder Kulturen hatten. Der Franzose Paul Gauguin war ein Vorbild, wie mit Bildern über das vermeintlich „Wilde“ und „Primitive“ auf dem Kunstmarkt Aufmerksamkeit und Erfolg zu erzielen war. Die Malreisen von Nolde und Pechstein waren durch Schulden finanziert. Für beide endete das Südsee-Abenteuer in einem Fiasko. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, Emil Nolde konnte Deutsch-Neuguinea gerade noch verlassen, verlor unterwegs viele seiner Bilder. Max Pechstein geriet in japanische Gefangenschaft und musste nach dem Krieg neu beginnen. Mit vielen erstmals gezeigten Fotos von den Südseereisen zeichnet der Film die Geschichte einer künstlerischen „Ausbeutung“ nach.

Mi., 7. Sep · 00:30-01:25 · arte
Black Panthers

Als in den 1960er Jahren der Schlachtruf „Black Power“ immer mehr Resonanz gewann, formierte sich die Black Panther Party als militante Gruppierung der Bürgerrechtsbewegung. Die Dokumentation zeigt anhand von Interviews mit den Gründungsmitgliedern, was die Black Panthers von anderen Protestbewegungen der damaligen Zeit unterschied. Archivbilder rufen den einzigartigen Kleidungsstil der „schwarzen Panther“ in Erinnerung: schwarze Sonnenbrille, Lederjacke, soldatischer Schritt und eine ausladende Afrofrisur, die zu verkünden schien – „Black is beautiful!“. Rhetorisch inspiriert wurde die Bewegung durch die separatistischen Statements von Malcolm X, der die weiße Vormachtstellung anprangerte und sich seiner Rolle in der Geschichte durchaus bewusst war. Die Black Panthers demonstrierten gegen die willkürlichen Verhaftungen in den Schwarzenvierteln und stellten politische Forderungen, wie etwa das Recht auf Beschäftigung, Bildung und würdiges Wohnen. Als nordstaatliches Pendant zur Bürgerrechtsbewegung in den Südstaaten stellten sie auch das kapitalistische System an sich infrage. Ihre Devise: Damit jeder Schwarze im Land frei sein kann, muss sich das ganze System verändern. Die Black Panther Party faszinierte zeitgenössische Intellektuelle wie den jungen Schriftsteller Eldridge Cleaver und wurde auf den studentischen Campussen als revolutionäre Avantgarde gehandelt. Nach der Ermordung von Martin Luther King und mehreren blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem FBI radikalisierte sich die Bewegung jedoch zunehmend.

Mi., 7. Sep · 16:05-17:25 · arte
Das Boot – Welterfolg aus der Tiefe

Ein Film über eine deutsche U-Boot-Besatzung wird zum Welterfolg. 1983 erhält „Das Boot“ sechs Oscar-Nominierungen. Vor dem Erfolg standen strapaziöse Dreharbeiten und kontroverse Diskussionen. „Das Boot“ war kein gewöhnlicher Film. Grundlage der Produktion ist ein Roman des damaligen Kriegsberichterstatters Lothar-Günther Buchheim. 1976 versuchen die größten Filmstudios Westdeutschlands, aus diesem Stoff einen deutsch-amerikanischen Blockbuster zu machen. Doch Buchheim legt sein Veto ein, die Amerikaner zeigten die Soldaten zu klischeehaft. Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen solle das Ruder übernehmen und „Das Boot“ retten. Es soll ein handwerklich perfekter Blockbuster werden. Doch die Handlung ist gar nicht Blockbuster-geeignet: ein reiner Männerfilm, weder Liebesgeschichte noch Happy End, dafür umso mehr emotional nahbare Nazis. Für die deutsche Presse ein gefundenes Fressen. Als dann bei Dreharbeiten in Frankreich das Kulissen-U-Boot im Meer versinkt, steht die Produktion vor dem Aus. Doch Petersen bringt die Dreharbeiten zu Ende. Der fertige Film wird in Deutschland kontrovers diskutiert: Entweder wird der Film als kriegsverherrlichend oder als Schändung der deutschen Marinesoldaten angeprangert. So fungiert diese Produktion auch als Spiegelbild der deutschen Gesellschaft in den frühen 80er Jahren. Doch die internationale Rezeption ist überwältigend. Viele Schauspieler aus dem Cast werden durch den Film berühmt, Regisseur Petersen begründet mit diesem Film seine Hollywoodkarriere. „Das Boot“ wird zum Klassiker.

Sa., 10. Sep · 18:20-18:35 · arte
Mit offenen Karten – Israel: Auswegloser Konflikt, neue Bündnisse

Seit seiner Staatsgründung 1948 gibt es Spannungen in Israel. Das unter dem Trauma des Holocaust entstandene Land, in dem drei Viertel der Bevölkerung jüdischen Glaubens sind, hat mit den Palästinensern und den benachbarten arabischen Staaten zahlreiche Krisen erlebt. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist zwar seit den Kriegen in Syrien und im Irak in den Hintergrund gerückt, stand aber viele Jahre lang im Mittelpunkt der Geopolitik. Heute begibt sich „Mit offenen Karten“ auf Entdeckungsreise durch diese komplexe Weltregion, wo die Akteure einander anscheinend unversöhnlich gegenüberstehen und es regelmäßig zu Völkerrechtsverstößen kommt. 1949 wurden die palästinensischen Gebiete nach dem UN-Teilungsplan durch die so genannte „Grüne Linie“ vom Staat Israel getrennt: Dies war der Beginn der „Nakba“, Arabisch für Katastrophe, die zur Flucht von 750.000 Palästinensern führte. Seither finden die beiden Völker keinen Frieden – auch wenn die verschiedenen Gemeinschaften in einigen Stadtvierteln zusammenleben und eine Zwei-Staaten-Lösung theoretisch weiterhin möglich ist.

So., 11. Sep · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Leben mit einem Denkmal: Synagogengeschichten

Zu einer Reise in die versunkene und vergessene Welt der Synagogen des fränkischen Landjudentums lädt die Dokumentation in der Reihe „Leben mit einem Denkmal“ ein. Filmautorin Sybille Krafft hat Gebäude aufgespürt, die in der Reichspogromnacht 1938 geschändet wurden, aber nicht komplett zerstört, und seit Jahrzehnten leer stehen und verfallen. Andere werden als Lagerstätten und Garagen inzwischen recht säkular genutzt. Entdeckt hat sie aber auch ehemalige Synagogen, die von Privatpersonen sorgsam saniert wurden und heute als Wohnstätten dienen. So hat beispielsweise eine junge Familie in Hüttenheim mit viel Gespür für die historische Bausubstanz den früheren Betsaal in ein unkonventionelles Wohnzimmer verwandelt. Oder ein Ehepaar in Wiesenbronn, das in zehnjähriger Arbeit nach allen Regeln der Denkmalkunst aus dem Gotteshaus ein Privathaus mit kleinem Museum gemacht hat. Der Film zeigt außerdem eine frühere Synagoge, die zu einer Kirche geworden ist, und ein jüdisches Gotteshaus, das immer noch seine ursprüngliche Funktion erfüllt: Bei einer Bat Mizwa-Feier in Bayreuth, bei der die 12jährige Tochter des Gemeindevorstehers religiös mündig wird, kann man erahnen, wie reichhaltig das jüdische Leben einst auch in Bayern war.

Di., 13. Sep · 22:10-22:55 · MDR
Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung

Im September 1991 kommt es scheinbar aus dem Nichts zu einer öffentlichen Hetzjagd in Hoyerswerda. Eine stetig wachsende Menge aus „einfachen Bürgern“ und Neonazis belagert eine ganze Woche lang das Wohnheim von DDR-Vertragsarbeitern aus Mosambik und Vietnam und die zentrale Unterkunft für Asylbewerber aus Osteuropa. Die Menge wirft Fensterscheiben ein und lässt Brandsätze explodieren. Vor den Augen der Öffentlichkeit verschanzen sich die Angegriffenen in Todesangst, die Einsatzkräfte der Polizei sind überfordert, die Bilder der applaudierenden Menge gehen um die Welt. Die Behörden sehen keinen anderen Ausweg, als die Ausländer aus der Stadt zu evakuieren. 32 Menschen werden verletzt, 82 festgenommen, nur vier verurteilt. In rechten Kreisen wird Hoyerswerda im Anschluss an die Ausschreitungen als erste „ausländerfreie“ Stadt bezeichnet. Der Begriff „ausländerfrei“ wird daraufhin 1991 zum erstmals eingeführten „Unwort des Jahres“ gewählt. Es ist eine Zäsur für Deutschland und der Auftakt zu einer Welle rechter Gewalt Anfang der 90er-Jahre. Der Film „Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung“ rekonstruiert zum einen die Chronik der Ereignisse jener sieben Tage im September und ihrer Ursachen. Zum anderen wird er mit dem Blick von heute – 30 Jahre danach – auf den Umgang mit dem Fanal bis in die Jetztzeit eingehen. Von dem Stigma 1991 hat sich Hoyerswerda bis heute nur schwer erholen können, ist seit der Wiedervereinigung ohnehin eine gebeutelte Stadt, deren Bevölkerung von 70.000 auf knapp 30.000 Einwohner geschrumpft ist. Der Film nimmt drei Generationen von „Hoyerswerdschen“ in den Blick und schaut sich an, welche Spuren die Ereignisse des September 1991 in ihrem Leben hinterlassen und was sie selber mit diesem Erbe gemacht haben. Zudem wird der Film verstärkt auch aus der Perspektive der damaligen Opfer erzählen, die in letzten 30 Jahren zumeist unerzählt geblieben ist. Der Film rekonstruiert auch das damalige desaströse Krisenmanagement der sächsischen Behörden vor dem Hintergrund der damaligen Asyldebatte. Bereits im Frühjahr 1991 waren die Vorboten der sich im Herbst bahnbrechenden Gewaltwelle unverkennbar. Sachsen verzeichnete im Monat Mai allein ein Drittel aller in Deutschland erfassten rechtsextremen Gewalttaten, ohne darauf adäquat zu reagieren. Für den Film erinnern sich verschiedene damals Beteiligte und Zeitzeugen noch einmal an die Wendezeit, die Ausschreitungen 1991 und den Umgang damit in den folgenden Jahrzehnten: Da sind David Macou, der als Vertragsarbeiter zwölf Jahre in der DDR lebte und über Nacht in seine Heimat Mosambik zurückkehren musste. Die Polizisten Jörg Schwirtznik und Rainer Schölzel, die als Streifenpolizist bzw. Hundertschaftsführer der Bereitschaftspolizei vor Ort völlig überfordert waren und sich von Vorgesetzten und der Politik weitgehend im Stich gelassen fühlten. Da ist Grit Lemke, Regisseurin und Autorin, aufgewachsen in Hoyerswerda, die die Ausschreitungen hautnah miterlebte und Hoyerswerda schließlich wegen der Dominanz der Rechten verließ. Heute beklagt sie das lang anhaltende Schweigen und die fehlende Auseinandersetzung innerhalb der Stadt. Unter anderem kommt auch Gerhard Gundermann in Archivaufnahmen zu Wort, der „singende Baggerfahrer“, der die Geschehnisse damals in zahlreichen Fernsehauftritten kommentierte.

Do., 15. Sep · 01:25-02:55 · BR
Der Mann, der zweimal starb

Als der israelische Filmemacher Yair Lev sich wegen einer Erbschaft um die Papiere seines in Wien geborenen und in Israel verstorbenen Großvaters kümmert, macht er eine mysteriöse Entdeckung. Neben seinem Großvater gibt es noch einen zweiten Ernst Bechinsky, mit denselben Geburtsdaten. Die Identität seines Großvaters wurde kurz nach 1945 anscheinend von einem hohen Nazi gestohlen, der später sogar Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Innsbruck wurde. Der Regisseur begibt sich auf eine intensive Spurensuche, indem er wie ein Detektiv Schritt für Schritt die verzweigte Wahrheit ans Licht bringt. Neben der unglaublichen Aufdeckung eines kriminalistischen Falles handelt der Film von den Nachfolge-Generationen der Holocaust-Überlebenden sowie den deutschsprachigen Nazi-Nachfahren und deren Verhältnis heute. Der Filmemacher wird dabei konfrontiert mit Überlebenden, Verdrängung und nicht aufgearbeiteter Vergangenheit sowie einem tiefen Geheimnis in seiner eigenen Familie. Doch ihm begegnen auch neue Freunde und die Geschichte einer großen Liebe.

Do., 15. Sep · 22:55-23:40 · 3sat
Ein Jahrhundertleben – Die Welt der 100-Jährigen (1/2)

Sie sind um die 100 Jahre alt und haben politische und gesellschaftliche Umbrüche in einer Anzahl und einem Ausmaß miterlebt, wie es für viele Menschen heute kaum vorstellbar ist. Für den Film sind neun Frauen und Männer aus Norddeutschland tief in ihre Erinnerungen eingetaucht, haben ihre Fotoalben geöffnet – und erzählen in Videos spannend und bewegend aus den rund 100 Jahren ihres Lebens. Hineingeboren in die „Goldenen Zwanziger“ erlebten sie als Kinder die Weltwirtschaftskrise und die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte ein Leben geprägt durch Not und Neuanfang. Auf Jahrzehnte der deutschen Teilung schließlich die Wiedervereinigung. Und im Rentenalter haben technische Neuerungen, ungeahnte neue Krisen und die Umformung der weltpolitischen Ordnung ein Tempo aufgenommen, dem selbst junge Menschen nur schwer folgen können. Irmgard Rosenkranz wurde am 21. Juni 1922 in Marienfließ im heutigen Polen in die Familie Gans Edle Herren zu Putlitz hineingeboren. Zum Kriegsende konnte sie auf der Flucht nur ihren Taufbecher retten. Später in der DDR arbeitete sie unter anderem als landwirtschaftliche Berufsschullehrerin. Auf die Idee, „rüberzumachen“, kam sie nie. Und obwohl sie dem märkischen Uradel entstammt, sagt sie: Eine feine Dame war ich nie! Sie interessierte sich eher für Landwirtschaft und Viehzucht. Heute, in ihrem 100. Lebensjahr, lebt Irmgard Rosenkranz noch immer in Garvsmühlen bei Rerik – im Kreis ihrer Familie mit vier Generationen unter einem Dach. Wilhelm Simonsohn wurde am 9. September 1919 in Hamburg-Altona geboren. Als er mit 15 Jahren in die Marine-Hitlerjugend kam, wurde er dort als „Judenlümmel“ beschimpft. Erst dann erfuhr er, dass seine Eltern nicht seine leiblichen Eltern waren und sein Vater jüdischer Abstammung war, der das „Dritte Reich“ nicht überlebte. Wilhelm Simonsohn wurde Kampfpilot, erlebte einen Abschuss über Belgien und überlebte den Krieg und die NS-Zeit. Bis vor wenigen Jahren trat er noch regelmäßig als Zeitzeuge an Schulen auf und erzählte über sein wechselvolles Leben. Die 99-jährige Ingeborg Illing wohnt in Salzgitter. Ihr Lebenslauf ist geprägt von einem sehr engen und liebevollen Verhältnis zu ihrer Familie. Das hat ihr auch durch viele schwere gesundheitliche Krisen und über den für sie bis heute sehr schmerzlichen Verlust ihres Mannes geholfen. Sie hält zu allen Kindern, Enkeln und Urenkeln engen Kontakt, persönlich oder per Skype und WhatsApp. Ohne ihr Tablet könne sie nicht mehr leben, sagt sie. Helga Klüver wurde 1921 in Eckernförde als Einzelkind geboren. In der Familie wurde schon immer musiziert. 1948 kam ihr Mann aus russischer Gefangenschaft zurück, da war die gemeinsame Tochter schon fast vier Jahre alt. In der Zeit nach dem Krieg wurde viel gefeiert. Die Familie lebte inzwischen am Eichberg in einer tollen Gemeinschaft. 1982 starb ihr Mann, sie blieb allein. Bis vor wenigen Jahren hat sie ihre Mitbewohner in der Wohnanlage in Eckernförde mit dem Keyboard unterhalten. Helga Klüver hat zwei Töchter, fünf Enkel, acht Urenkel und ein Ururenkelkind.

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