Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski – Vor 80 Jahren hingerichtet wegen „verbotenen Umgangs“

Am 14. August 1942 wurden die beiden Polen Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski in den Bockholter Bergen nahe Greven (Münsterland) hingerichtet. Sie gehörten zu den Millionen im Deutschen Reich zur Zwangsarbeit eingesetzten Kriegsgefangenen und ausländischen „ZivilarbeiterInnen“, die einer rassistischen Behandlung unterlagen und oft Opfer einer rigiden Verfolgung durch die Gestapo wurden.

Von Christoph Leclaire

Als ein besonderes Vergehen galt der „verbotene Umgang“ zwischen Deutschen und AusländerInnen. Dazu gehörte jeglicher soziale Kontakt, aber insbesondere die (intime) Beziehung zwischen Ausländern und deutschen Frauen. Für die als „rassisch minderwertig“ angesehenen polnischen und sowjetischen Zwangsarbeiter bedeutete dieses „Vergehen“ in der Regel das Todesurteil („Sonderbehandlung“). An vielen Orten kam es zur Verfolgung und zu öffentlichen Hinrichtungen. Die Geschichte von Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski ist dafür ein Beispiel.

Franciszek Banaś (* 7.6.1914) aus Ujsoły wurde als Kriegsgefangener (Nr. 2418) nach Deutschland deportiert. Er gelangte über das Stalag VI D in Dortmund mit dem Arbeitskommando Nr. 262 nach Greven in die Bauerschaft Westerode. Nach seiner „Entlassung“ aus der Kriegsgefangenschaft (27.9.1940) musste er als Zivilarbeiter bei der Textilfirma Biederlack & Co. in Greven arbeiten. Seine Verfolgungsgeschichte beginnt am 9. Juni 1941, als ihn ein Bauer bei der Polizei in Greven wegen Diebstahls anzeigte. Den Fall bekam die Gestapo Münster und das Amtsgericht Münster verurteilte Banaś zu sechs Monaten Gefängnis. Am 10. Dezember 1941 wurde er – zwei Wochen vor Ende der Haftstrafe – von der Gestapo aus der Haftanstalt Münster abgeholt. Ob bereits zu dieser Zeit der Vorwurf des „verbotenen Umgangs“ gegen ihn existierte, ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass am 14. Oktober 1941 die ebenfalls bei Biederlack als Putzfrau arbeitende Anna R. verhaftet worden war, da sie sich angeblich mit mehreren Polen – darunter auch Banaś – „geschlechtlich eingelassen“ habe. Angezeigt wurde sie – wahrscheinlich auch wegen ihrer „antifaschistischen Gesinnung“ – von jemandem aus dem Betrieb. Nach fast einem Jahr „Gewahrsam“ im Polizeigefängnis Münster wurde sie in das KZ Ravensbrück eingewiesen, wo sie bis Kriegsende inhaftiert blieb.

Wacław Ceglewski (* 13.2.1921) aus Aleksandrówka (Ciechocinek) war von Beruf Friseur. Als Soldat des polnischen Infanterieregiments 14 kam er in deutsche Gefangenschaft (Nr. 724) und wurde am 27. September 1940 aus dem Stalag VI A in Hemer „als Zivilarbeiter nach Münster entl.[assen]”. Zunächst arbeitete er bei einem Fuhrunternehmen in Greven, später in der Gemeinde Handorf bei einem Bauern in Kasewinkel. Vermutlich seit Anfang Juni 1941 war er bei den Hiltruper Röhrenwerken beschäftigt. Dort wurde er nach einigen Monaten wegen eines angeblichen Verhältnisses mit einer Deutschen „von der Gestapo fortgeholt“.

Wacław Ceglewski und Franciszek Banaś blieben mehrere Monate in den Händen der Gestapo Münster, bis sie schließlich am Freitag, dem 14. August 1942, nahe Greven von der Gestapo unter Mithilfe der dortigen Amtsverwaltung hingerichtet wurden.

Am Nachmittag dieses Tages wurden zwischen 80 und 100 PolInnen aus Greven von Polizei sowie SA-Angehörigen in die Bockholter Berge gebracht, die dort auch den Hinrichtungsort absperrten. Der Galgen – gebaut vom Amtsschreiner – war zuvor vom Hausmeister des Amtes dorthin transportiert worden. Bei der Exekution anwesend waren der Amtsbürgermeister Vorndamme und der NSDAP-Ortsgruppenleiter Kohlleppel aus Greven sowie – ebenfalls in „Parteiuniform“ – der Lehrer Ruttkowski aus Bockholt. Die Gestapo kam direkt aus Münster zum Hinrichtungsort. Das nun folgende Geschehen beschrieb ein Gendarm wie folgt:

„Etwas später kamen mehrere Autos aus Münster mit Beamten der Gestapo und einige Z[i]vilisten und ein Wagen mit zwei Männern, die die Hände auf dem Rücken gefesselt hatten. […] Einer [Banaś] war etwa 28 Jahre alt, groß und kräftig und trug einen blauen Anzug mit weißem Nadelstreifen; er hatte ein gutes Äußere. Der zweite [Ceglewski] war kleiner, auch etwas jünger [21] als der Große und nicht so gut gekleidet. Nachdem diese beiden Polen zur Hinrichtungsstätte gebracht worden waren von den Gestapoleuten, wurde ein Schriftstück verlesen. […] Nach der Verlesung des Schreibens sah ich, wie zwei Polen heraufgingen, den beiden je einen Strick um den Hals warfen, und in dem Moment fiel der Boden weg und die Aufhängung war passiert. Als sie den Strick umgelegt bekamen, schrieen beide ganz furchtbar. Nachher zuckten sie nur noch kurz.“

Laut Zeugenaussagen ließen die beiden kurz vor der Exekution ihr Vaterland hochleben. Die anwesenden PolInnen mussten zur „Abschreckung“ an ihren aufgehängten Landsleuten vorbeigehen. Den Tod der beiden stellte der Stadtarzt aus Münster (um 16.20 Uhr) fest – die Leichen bekam zunächst das Anatomische Institut in Münster. Die Gestapo Münster ordnete explizit an, dass die Todesursache der beiden nicht im Sterberegister aufgeführt wird.

Nach 1945 wurde niemand der Verantwortlichen für die Ermordung von Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski zur Rechenschaft gezogen. Das Geschehen geriet lange in „Vergessenheit“. Ein explizites Gedenken an die beiden seitens der Stadt Greven gibt es bis heute nicht. Lange Zeit spielte auch der Hinrichtungsort im öffentlichen Bewusstsein keine Rolle und erst durch die Initiative der Messdienerschaft in Gimbte wurde dort in der Nähe im Jahre 2001 ein zunächst provisorischer Erinnerungsort mit einem Kreuz und kleinem Gedenkstein angelegt. Die Namen der Ermordeten erfuhr Mensch dort leider nicht.

Mit dem neuen Gedenkstein bekommen die NS-Oper am Hinrichtungsort endlich ihre Namen. (Foto: Christoph Leclaire)

Am 3. November 2017 bekamen die beiden NS-Opfer immerhin Dank der Initiative von städtischen Auszubildenden „Stolpersteine“ in Greven. Seit diesem Jahr bzw. dem 75. Jahrestag findet jährlich eine von der VVN-BdA Münster in Zusammenarbeit mit Bündnis 90/Die Grünen Greven organisierte Gedenkveranstaltung an der Gedenkstätte in den Bockholter Bergen statt. Zum 80. Jahrestag wird es heute eine ganz besondere Gedenkfeier geben. So werden die beiden NS-Opfer anlässlich dieses runden Jahrestages endlich einen würdigen Gedenkstein mit ihren Namen bekommen. Dabei anwesend wird der Generalkonsul Jakub Wawrzyniak des Generalkonsulates der Republik Polen in Köln sein. Mit dem neuen Gedenkstein wird Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski endlich ihre Identität und auch ein Stück ihrer Würde zurückgegeben!

Ausführliche Informationen zum Thema sind in den Beiträgen des Autors in den vom Stadtarchiv Greven herausgegebenen „Grevener Geschichtsblättern“ Nr. 7 und 8 nachzulesen.

Die Gedenkveranstaltung findet am Sonntag, den 14. August 2022 um 15 Uhr statt.
Ort: Gedenkstätte in den Bockholter Bergen, Wanderparkplatz am Schiffahrter Damm (Abzweig Telgte; Fuestruper Str. 4, 48268 Greven)

Bild oben: Das Portrait von Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski hat die Künstlerin Marthe Viehmann eigens für das Gedenken zum 80. Jahrestag geschaffen. (Marthe Viehmann)

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