„Eine stille und beschauliche Stadt“ – Cherson aus deutscher Sicht

Cherson, der Geburtsort Leo Trotzkis und anderer prominenter Juden, gehört zu jenen Städten der Süd- und der Ostukraine, die im Zuge des russischen Krieges des Jahres 2022 besetzt wurden und seitdem fremdbeherrscht werden. In den beiden Weltkriegen waren es jeweils die Deutschen gewesen, die die Stadt vorübergehend ihrem Machtbereich einverleibten. Von Interesse kann daher sein, was Deutschen in ihren Nachschlagewerken über die Stadt als mitteilenswert und was ihnen eher als unbedeutend erschien bzw. erscheint.

Von Robert Schlickewitz

Um einen möglichst weit spannenden Überblick zu gewinnen, wurden deutsche Nachschlagewerke aus einem Zeitraum von 125 Jahren und zusätzlich noch ein aktueller Reiseführer herangezogen. Bei den Nachschlagewerken handelt es sich um das Meyers Konversations-Lexikon von 1897, um den Grossen Brockhaus von 1955, um die Brockhaus Enzyklopädie des Jahres 1967, ferner um das einbändige BI-Lexikon (DDR) von 1982 und um die virtuelle Enzyklopädie Wikipedia in ihrer deutschsprachigen Version. Die Lexikoneinträge, mit Ausnahme jenes der Wikipedia, werden jeweils vollständig wiedergegeben und gegen Ende des Beitrags kurz kommentiert. Der Cherson-Eintrag des Meyer ist zweigeteilt, wobei sich der erste Teil dem Gouvernement Cherson, also dem Verwaltungsbezirk um die Stadt herum, und der zweite der Stadt selbst annimmt.

Cherson, Gouvernement im südlichen Rußland, bis 1803 Gouv. Nikolajew genannt, grenzt gegen N(orden) an die Gouv. Podolien, Kiew und Poltawa, gegen O(sten) an Jekaterinoslaw und Taurien (die westliche Nogaier Steppe), gegen S(üden) an das Schwarze Meer und gegen W(esten) an Bessarabien, mit 71 284qkm (…). Das Land ist großenteils Steppenland, am Meer einförmig und unfruchtbar, je weiter ins Innere hinein, wo es sich an die Region der schwarzen Erde anschließt, um so ergiebiger. Die Flüsse des Landes sind der Dnjepr und Dnjestr, welche auf den Grenzen im O. und W. fließen, der Bug, Ingul und Inguletz, welche mit ihren Nebenflüssen die Mitte des Landes durchströmen, wo sie im Frühjahr austreten und fruchtbaren Humus und Schlamm zurücklassen. An ihrer Mündung bilden sie Binnenseen oder Limane, welche salziges Wasser haben, für die Schiffahrt jedoch von zu geringer Tiefe sind. An einzelnen Orten hat man die Natur durch künstliche Hafenbauten nachgeholfen. Das Klima ist wechselvoll, im Sommer trocken und heiß, im Winter kühl und stürmisch. Sehr verrufen sind die Schneestürme im Winter, die von NO. Her über die Steppe brausen. Die mittlere Jahrestemperatur ist 7,5 bis 10 Grad C., für den Sommer 22°, für den Winter -2 bis 3° C. Die Bevölkerung beträgt (1888) 2 140 066 Seelen (30 auf 1 qkm) und gehört größtenteils (ca. 84 %) zur griechisch-orthodoxen Kirche; außer dieser gab es 1870: 47 703 Katholiken, 60 413 Protestanten, 3332 gregorianische Armenier und 131 916 Juden. Das Gouvernement hat nächst dem Petersburger und Moskauer die relativ zahlreichste städtische Bevölkerung (32 Proz. der Gesamtbevölkerung). C(herson) bildet in Bezug auf die herrschende Kirche eine eigne (sic!) Eparchie, an deren Spitze ein Erzbischof steht, der sich „Erzbischof von C. und Taurien“ nennt. Die evangelischen Bewohner des Gouvernements gehören zum Petersburger Konsistorialbezirk, während die römischen Katholiken einen Bischof in Tiraspol haben. Der Nationalität nach zerfällt die Bevölkerung in Groß- und Kleinrussen, welche das Gros bilden, in Romanen (Moldo-Walachen), Bulgaren, Serben, Polen, Griechen, Armenier, Deutsche, Schweden, talmudische und karaitische Juden und Zigeuner. In C. befindet sich der größte Teil der deutschen Ansiedlungen Südrußlands, ca. 70 an der Zahl, mit ca. 50 000 Kolonisten. Besonders zahlreich sind dieselben in der Nähe von Odessa; hier finden wir Groß-Fontan, Groß-Lustdorf, Groß- und Klein-Liebenthal, Franzfeld, Straßburg, Leipzig u.a., deren Bewohner, meist Schwaben, Odessa mit Produkten der Landwirtschaft versorgen. Weiter nordwestlich liegen Baden, Hoffnungsthal, Glücksthal u.a. An Fruchtbäumen gibt es Pfirsich-, Aprikosen-, Kirsch–, Pflaumen-, Maulbeerbäume; auch zieht man in größerm (sic!) Umfang Wein. Die Gartenkultur hat hier überhaupt großen Aufschwung genommen. Tabak (jährlich ca. 20 000 Pud), Senf, Flachs, Hanf und alle Arten Getreide, worunter arnautischer Weizen, Mais und Hirse, gedeihen vortrefflich, und C. gehört zu den eigentlichen Getreidekulturländern des russischen Staates. Sehr beträchtlich ist die Viehzucht in C., und besonders in Beziehung auf veredelte Schafe ist das Gouvernement die Pflanzschule für das russische Reich. Man zählte 1881: 1 413 088 Merinos und 856 353 gemeine Schafe. Die Gesamtzahl der Pferde betrug 1876: 283 000, der Rinder 761 000, der Schweine 311 000. Die Federviehzucht, Bienen- und Seidenraupenzucht sind im Aufschwung, und der Fischfang im Schwarzen Meer und in den Limanen sowie in den großen Strömen des Landes ist recht bedeutend (allein gegen 10 Mill. Heringe). Die Jagd geht auf Hasen und Springhasen, wilde Katzen und auf Federwild, besonders Trappen, Rebhühner, Schnepfen, wilde Enten und Wasserhühner. Hummern und Schildkröten liefert das Meer in Menge. An Mineralien gibt es Thon (Produktion von Kaolin 1888: 21 548 Pud), Kreide, Sandstein, Salpeter, Salz (1888: 97 600 Pud Kochsalz) und einen aus einem Konglomerat von Versteinerungen bestehenden Kalkstein. Da es an Holz fehlt, muß man Dünger, Schilf, Stroh ec. als Feuerungsmittel verwenden. Die Industrie macht in dem durch die Nähe des Meeres, durch gute Wasserstraßen und durch Eisenbahnen begünstigten Lande schnelle Fortschritte. Während man 1822: 12, 1830: 77 Fabriken in C. zählte, besaß das Land 1885 ihrer gegen 800 mit 12 500 Arbeitern und einem Produktionswert von 29,7 Mill(ionen) Rubel, nämlich 8 Wollwäschereien, 2 Seilereien, 5 Eisengießereien, 24 Mahlmühlen, 14 Maschinenfabriken, 12 Equipagenfabriken, 17 Gerbereien. Die Branntweinbrennereien des Gouvernements, mit Ausschluß Odessas, produzierten 1885: 44 810 hl Spiritus im Werte von 1 250 629 Rubel. Der Absatz sämtlicher Märkte betrug 1880: 14 144 100 Rubel, woran Jelissawetgrad allein mit der Hälfte beteiligt war. Große Geschäfte werden besonders gemacht in Wolle, Fellen, Flachs und Hanf, Getreide, Mehl und Vieh. An Hafen- und Handelsstädten besitzt das Gouvernement vornehmlich vier: Cherson, Nikolajew, Otschakow, Odessa; der Binnenhandel konzentriert sich in den Städten Berislaw, Alexandrija, Jelissawetgrad, Wosnessensk, Olwiopol und Tiraspol. Das Gouvernement besitzt eine 1865 errichtete Universität zu Odessa (siehe dort), eine Handelsschule, 7 Gymnasien, 5 Realschulen, 2 Progymnasien, 5 andre (sic!) Mittelschulen, 14 Mädchenschulen und gegen 800 Volksschulen mit 63 000 Zöglingen. Es zerfällt in sechs Kreise: Alexandrija, Ananjew, Cherson, Jelissawetgrad, Odessa, Tiraspol. Das Land verdankt sein Emporkommen der Kolonisationsthätigkeit der Kaiserin Katharina II., welche die Städte C. (1778), Nikolajew (1786), Odessa (1792) u.a. gründete. Als dann die russische Grenze bis zum Pruth vorrückte, nahm die Kolonisation noch größern (sic!) Umfang an, indem sich auch Deutsche, Serben und Bulgaren (vom Donaudelta), Moldauer und Walachen am Dnjestr, Ingul, Bug und Dnjepr niederließen.

 

Cherson, Hauptstadt des gleichnamigen russ. Gouvernements (siehe oben), Hafenstadt am Dnjepr, 30 km vor seiner Mündung, ist malerisch an einem Hügel am rechten Ufer des Stroms gelegen, der hier etwa 7 km breit ist, aber eine Menge schilfbewachsener Eilande trägt, die im Frühling unter Wasser stehen. Die den Kais zunächst liegenden Straßen und Plätze sind durch Dämme und Brustwehren gegen die früher verheerenden Überschwemmungen des Flusses geschützt. Die Stadt ist regelmäßig gebaut, hat 12 griechisch-katholische, eine römisch-katholische und eine luther(ische) Kirche, 2 Synagogen und 10 jüdische Betstuben. Die Bevölkerung belief sich 1889 auf 64 749 Seelen und nimmt in den letzten Jahren stetig zu. An Lehranstalten bestehen 2 Gymnasien, 2 höhere Mädchenschulen, eine landwirtschaftliche Schule, ein griechisch-orthodoxes Seminar, eine israelitische Schule und mehrere städtische Volksschulen. Die Industrie erstreckt sich hauptsächlich auf Talg- und Seifensiederei, Wollwäscherei, Bierbrauerei, Tabaksfabrikation und Dampfmühlenbetrieb. Der Handel Chersons entwickelt sich hauptsächlich deshalb, weil sich daselbst die auf dem Dnjepr herabkommenden Waren ansammeln, die von dort nach Odessa zur Ausfuhr ins Ausland gehen. Ebenso bildet C. einen Stapelplatz für die stromaufwärts längs des Dnjepr gehenden Waren. Auf dem Troizki-Jahrmarkt im Juni beläuft sich der Umsatz auf gegen 150 000 Rubel. Die frühern (sic!) Befestigungen (1/2 km von C.), von denen nur noch zwei Thore und einige Wälle leidlich erhalten sind, umschließen große Kasernen und Magazine nebst einer Kirche mit dem Grabmal Potemkins, dem in der Stadt auch ein Denkmal gesetzt worden ist. Den städtischen Garten schmückt ein Denkmal des in C. verstorbenen englischen Philanthropen John Hobfard. Die Stadt ist Sitz der meisten Gouvernementsbehörden sowie eines Kriminal- und Waisengerichts. – C. ist 1778 vom Fürsten Potemkin angelegt. 1787 kamen in C. der Kaiser Joseph II. und die Kaiserin Katharina II. zusammen.

(Meyers Konversationslexikon. Fünfte Auflage. Leipzig und Wien 1897.)

Glossar:

Gouvernement = russische Verwaltungseinheit der Jahre 1708 bis 1929
Jekaterinoslaw = Dnjepropetrowsk = Dnipro
Taurien = Gouvernement, das die Krim, die nogaische Steppe und die Halbinsel Taman miteinschloss
Liman = lagunenartiger Strandsee an der Küste des Schwarzen Meeres; auch Bezeichnung für Flussmündungsgebiete
Eparchie = Diözese der Orthodoxen Kirche, soviel wie Bistum bei den Katholiken
Tiraspol = Heute die Hauptstadt der autonomen Republik Transnistrien, die sich vom Staat Moldawien abgespalten hat, am Ostufer des Dnjestr gelegen
Moldo-Walachen = Rumänisch-Sprechende auf dem Gebiet des heutigen Staates Moldawien
Karaitische Juden = Strömung innerhalb des Judentums, die den Talmud nicht anerkennt
Pud = im alten Russland gebräuchliche Maßeinheit für Gewicht; entspricht 16,38 kg
Arnautischer Weizen = Auch Hartweizen genannte Sommergetreideart; hat ein halb durchsichtiges, gelblich glänzendes, sehr hartes Korn und volle, spitz zulaufende Ähren; zum Anbau besonders gut geeignet für Steppenland; Brot aus diesem Getreide galt als besonders wohlschmeckend. Arnaut = türkischer Name Albaniens
Merino = Hausschafart
Kaolin = Porzellanerde, Porzellanton, weiße Tonerde, Pfeifenerde
Equipagen = Pferdewägen, Kutschen
Jelissawetgrad = 1924 umbenannt in Sinowjewsk, ab 1934 Kirowo, 1939-2016 Kirowohrad, heute Kropywnyzkyj
Otschakow = Otschakiw
Berislaw = Beryslaw
Alexandrija = Oleksandrija; einst die Kosakensiedlung Ussiwka
Olwiopol => 1919 erfolgte der Zusammenschluss dreier Ortschaften, Holtas, Bohopils und Olwiopols unter dem neuen Namen Perwomajsk
Ananjew = Ananjiw
Eiland = früher verwendeter Begriff für Insel
Brustwehr = Häufiger im Burgen- und Festungsbau verwendeter Begriff für etwa mannshohe Schutzanlagen gegen Beschuss; im vorliegenden Fall wahrscheinlich aus Korbweiden o.ä. hergestellte Umfassungen, die mit Steinen oder Erdreich gefüllt den Kräften des Wassers Einhalt gebieten sollen
Magazin = aus dem Arabischen stammendes Wort für einen Waren-, Vorrats- oder anderen Lagerraum oder ein Lagergebäude
Potemkin = Fürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin (1739-1791), Feldmarschall und persönlicher Vertrauter der Zarin Katharina II.; sein Grab befindet sich in Cherson
John Hobfard => Gemeint ist der britische Philanthrop John Howard (1726-1790), der sich um die Verbesserung hygienischer Standards in Krankenhäusern und Haftanstalten ein hohes Ansehen erwarb; 1790 bereiste er Russland, wo er an einem Fieber erkrankte und starb; für seine Verdienste errichteten ihm die zaristischen Behörden in Cherson ein Denkmal, das im Zweiten Weltkrieg von Deutschen geschändet wurde
Waisengericht = Ein Gericht, das speziell die Angelegenheiten von Waisen regelt

 

Cherson, Gebietshauptstadt in der Ukrain. Soz. Sowj. Rep., UdSSR, mit (1939) 97 200 Einw.; der bedeutendste, von Dez. bis Anfang März vereiste, Hafen an der Dnjeprmündung, Schiffsreparaturwerft mit 2 Schwimmdocks, Getreideumschlag, Bau landwirtschaftlicher Maschinen, Nahrungs- und Genussmittelindustrie, in der Umgegend Baumwollanbau. C. wurde 1778 vom Fürsten Potemkin gegründet; aus dieser Zeit stammen die ehemalige Festung und die Kathedrale.

(Der Grosse Brockhaus in 12 Bdn. 16. Aufl. Wiesbaden 1953)

 

Cherson, Gebietshauptstadt der Ukrain. SSR, See- und Flußhafen auf dem rechten Ufer des Dnjepr, 25 km oberhalb der Einmündung in den Liman gelegen, mit rasch wachsender Bevölkerung: (1926) 58 800, (1939) 97 200, (1956) 134 000 und (1965) rd. 200 000 Einw. Der von Dez. bis Anfang März vereiste Hafen ist der bedeutendste an der Dnjeprmündung, mit hohem Getreideumschlag; im Hafen Schiffsreparaturwerft mit zwei Schwimmdocks. Ferner hat C. Bau landwirtschaftlicher Maschinen, Nahrungsmittel- und Genußmittelindustrie. Neu ist das Baumwollkombinat, das zu den größten in der Sowjetunion gehört. Die Stadt wurde 1778 als Festung, Sitz der Admiralität und Zentrum des Baus von Kriegsschiffen gegründet; doch schon wenige Jahre später wurden Schiffbau und Admiralität nach Nikolaew verlegt. C. wurde 1803 Gouvernements-Hauptstadt; gegen Ende des 19. Jahrh. begann die Industrialisierung; nach 1917 wechselte die Stadt mehrfach den Besitzer (1918 auch von dt. Truppen besetzt) und wurde erst 1920 in die Sowjetunion eingegliedert. Im 2. Weltkrieg war die Stadt von August 1941 bis März 1944 erneut in dt. Hand.

(Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bdn. 17. Aufl. Wiesbaden 1967)

 

Cherson, Gebietshauptstadt im S(üden) der Ukrain. SSR, an der Dnjeprmündung ins Schwarze Meer; 320 000 Ew.; Maschinenbau, Leicht-, Nahrungsmittelind(ustrie); Hafen; Hochschule; Theater.

(BI Lexikon A bis Z in einem Band. Hrsg.: Lexikonredaktion des VEB Bibliographisches Institut Leipzig. Leipzig 1982. 3. Aufl.)

 

Kherson / Хeрсон

60 km südöstlich von Mykolaiv, 100 km nordöstlich von der Krim, Oblast-Hauptstadt mit reizvollem Stadtzentrum.

Einwohner: 326 000

Wie Odessa ist auch Kherson eine Gründung Katharinas der Großen. Und wie Odessa wurde auch Kherson Ende des 18. Jh. als Hafenstadt im Zuge der Kolonisierung der Schwarzmeerküste aus dem Nichts gestampft. Damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Städten aber auch schon auf. Denn anders als das schrille, mythenbeladene und weltbekannte Odessa ist Kherson eine stille und beschauliche Stadt, deren Name vielen kaum geläufig sein dürfte. Dabei ist sie durchaus eine Reise wert. Gelegen im Mündungsgebiet des Dnipro, der hier ins Schwarze Meer fließt, bietet Kherson dem Besucher neben einer hübschen Altstadt viel Sonnenschein und eine entspannte Atmosphäre. Besonders für Naturfreunde ist Kherson zudem ein idealer Ausgangspunkt für Exkursionen in die Steppe Askaniya-Novas oder in das einzigartige Vogelparadies des Schwarzmeer-Biosphärenreservats. In der gesamten Ukraine ist Kherson übrigens für seine großartigen Melonen bekannt – nirgends im Land werden sie so groß und schmecken sie so süß. Unbedingt probieren…

… Khersons Haupt-Synagoge-Habad, www.jewishkherson.com Vul. Gorkoho 27, wurde 1991 an die jüdische Gemeinde zurückgegeben. Die 1895 eingeweihte Synagoge war in den 1930ern von den Sowjets geschlossen und im 2. Weltkrieg von den Nazis stark beschädigt worden. Nach dem Krieg diente sie als Rehabilitationszentrum für Alkoholiker. Die jüdische Gemeinde Khersons hat heute etwa 12 000 Mitglieder. Die Synagoge untersteht dem Chabat Lyubavich…

[Hervorhebungen entsprechen dem Original]

(Peter Koller: Ukraine. Handbuch für individuelles Entdecken. Bielefeld 2019. S. 493ff, 497)

 

Die deutsche Version der virtuellen Enzyklopädie Wikipedia, die ständig erweitert, ergänzt und berichtigt wird, enthält einen recht umfangreichen Eintrag zu Cherson, aus dem lediglich der Beginn des Kapitels „Geschichte“ zitiert werden soll:

Geschichte

Bis 1774 gehörte die Region zum Khanat der Krim. Die Stadt Cherson wurde 1778 auf Weisung der russischen Zarin Katharina II. und auf Vorschlag des Fürsten Grigori A. Potjomkin neben der 1737-1739 erbauten russischen Befestigungsanlage Alexanderschanze gegründet. Die Anlage der Straßen, Plätze und Gebäude erfolgte in Form eines regelmäßigen Schachbretts. Cherson war ein wichtiger Stützpunkt der Schwarzmeerflotte. Diesen Status verlor die Stadt erst nach der ukrainischen Unabhängigkeit.

Russische Invasion 2022

In den ersten Tagen des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 waren die Stadt und ihr Umland Schauplatz schwerer Gefechte zwischen russischen Truppen, …, und ukrainischen Verteidigern. Die Ukraine berichtete am 27. Februar, Russland habe Teile der Stadt eingenommen…

[Es folgen seitenweise, detailreiche und mit viel Aufwand zusammenrecherchierte Angaben zu den Kämpfen und dem Verhalten der Besatzer bis in die jeweils aktuelle Gegenwart.]

 

Kommentar:

Nur das Nachschlagewerk des ausgehenden 19. Jahrhunderts, Meyer, und das moderne Reisehandbuch berichten (eher knapp) von jüdischem Leben in der Stadt Cherson. Weder das deutsche Renommier-Lexikon Brockhaus (der 16. bzw. 17. Auflage) noch die deutschsprachige „Bürgerenzyklopädie“ Wikipedia (in ihrem Kapitel Geschichte) gehen auf Juden in Cherson ein (Stand 6.7.2022).

Auch über den doch gerade für die Ukraine so folgenreichen Zweiten Weltkrieg mit 8 bis 10 Millionen Toten erfahren deutsche Leser aus dem Brockhaus lediglich, dass sich die Stadt „in deutscher Hand“ befand. Das Reisehandbuch ergänzt schwach, dass eine Synagoge von „Nazis“ beschädigt worden sei, und das war’s dann. „Still und beschaulich“ sei Cherson.

Womöglich lohnt ja ein Vergleich des deutschsprachigen Wikieintrags zu Cherson mit den jeweiligen Einträgen der Spanier, Portugiesen, Italiener, Franzosen, Schweden, Russen, Ukrainer, Englischsprachigen (?).

Internetquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cherson (aufgerufen am 6.7.2022)

 

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