Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Mai 2022

Mo., 16. Mai · 01:45-03:23 · Das Erste (ARD)
Berlin ’36

Berlin 1936: Die Amerikaner drohen, die Olympischen Spiele zu boykottieren, sollten im deutschen Olympia-Kader keine jüdischen Sportler vertreten sein. Daher beschließen NS-Funktionäre, die Jüdin Gretel Bergmann, die überragende Hochspringerin dieser Zeit, in das deutsche Team aufzunehmen. Aber die Nazis wollen verhindern, dass die Athletin gewinnt. Im Training soll Gretel wettkampfunfähig gemacht werden. Der Reichssportführer schickt gegen Gretel die bis dahin unbekannte „Konkurrentin“ Marie Ketteler ins Rennen um die Olympia-Qualifikation – sie soll Gretel übertreffen. Doch die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass sich die beiden Außenseiterinnen und vermeintlichen Konkurrentinnen nach anfänglichen Problemen anfreunden. Am Ende muss sich zeigen, ob die beiden gemeinsam gegen die Intrige der Nazis ankämpfen oder ob der sportliche Ehrgeiz überwiegt. „Berlin ´36“ basiert auf der wahren Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, die bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin als Favoritin für die Goldmedaille galt. Um einen möglichen Sieg Bergmanns jedoch zu verhindern, schickten die Nationalsozialisten Marie Ketteler, in Wahrheit ein Mann, als Konkurrentin gegen sie ins Rennen.

Mo., 16. Mai · 11:20-11:50 · BR
Eisenbahn-Romantik: Durchs Böhmische Mittelgebirge nach Prag

Links und rechts der Elbe schlängeln sich zwei Eisenbahnstrecken quer durch Böhmen bis in die Goldenen Stadt Prag. Viele Geschichten ranken sich um die historischen Transportwege, die weiter bis nach Österreich, Ungarn oder auch Russland führen. Der Film erzählt die Entwicklung dieser Bahnlinien, schaut auf die wunderschöne Landschaft des Böhmischen Mittelgebirges und besucht mittelalterliche Burgen. Die Zuschauer erfahren vom ehemals bunten, jüdischen Leben der Region. Doch der Film erzählt auch von den dramatischen Entwicklungen während des Zweiten Weltkriegs und besucht das ehemalige KZ Theresienstadt, dessen Bahngleise noch heute ein Symbol für die dunkelste Zeit deutscher Geschichte sind. In der Geburtsstadt Antonín Dvoøáks bestaunen die Reisenden eisenbahntechnische Tunnel-Bauleistungen des 19. Jahrhunderts und erkunden schließlich die spannende Nahverkehrs-Historie der tschechischen Hauptstadt, Prag.

Mo., 16. Mai · 16:15-16:45 · ARD-alpha
alpha-retro: Jesus oder Jeschua? (1990)

Zur ersten Inszenierung des jungen, damals noch nicht Kette-rauchenden Christian Stückl im Jahr 1990 gab es im Vorfeld einen Film mit dem Titel „Jesus oder Jeschua?“, in dem die jüdischen Religionswissenschaftler Ruth und Pinchas Lapide mit Christian Stückl und Otto Huber über einzelne Stellen im Passionstext diskutieren. Und dann wird gezeigt, wie Stückl das in seiner ersten Inszenierung umzusetzen versucht. Die Judasgasse in Oberammergau: Ruth und Pinchas Lapide sind auf dem Weg zu Christian Stückl und Otto Huber, um mit ihnen über die kommenden Passionsspiele zu diskutieren. 1990 inszenierte Christian Stückl als Achtundzwanzigjähriger zum ersten Mal die Passionsspiele in Oberammergau. In den Jahren davor hatte es viel Streit gegeben und mit der Wahl von Christian Stückl wagte man in Oberammergau einen Neuanfang. Stückl und sein Dramaturg Otto Huber hatten angekündigt, antisemitische oder auch nur antisemitisch klingende Passagen aus dem Passionsspieltext von Daisenberger, der noch aus dem 19. Jahrhundert stammte, zu entfernen. Dazu holten sie sich Rat von Pinchas Lapide, dem berühmten jüdischen Religionswissenschaftler und dessen Frau Ruth Lapide, ebenfalls Religionswissenschaftlerin. Pinchas Lapide hatte u.a. das zweibändige Werk „Ist die Bibel richtig übersetzt“ geschrieben und diskutierte nun zusammen mit seiner Frau im Winter 1989/90 mit Stückl und Huber über einzelne Textstellen und will mithelfen einen Mittelweg zu finden zwischen den „Rigoristen“ in Oberammergau, die alles beim Alten lassen wollen, und den Rigoristen auf jüdischer Seite, die die Passionsspiele in Oberammergau wegen dieses alten Textes verdammen. Eine zentrale Frage, die Pinchas Lapide daher in diesem Zusammenhang stellt, lautete: „Warum muss die Jesus-Liebe im Neuen Testament – und in Oberammergau – immer mit dem Judenhass zu einem bibelwidrigen Zweiergespann zusammengejocht werden?… Warum beschuldigt Ihr die Juden nicht endlich einmal, Jesus hervorgebracht zu haben? Anstatt ihnen vorzuwerfen, ihn umgebracht zu haben, was falsch ist.“ Es geht in diesen Gesprächen allen vieren um Versöhnung: Die Brücke, die sie dabei damals gebaut haben, wurde später weiter ausgebaut und trägt bis in die Gegenwart.

Di., 17. Mai · 22:05-23:00 · arte
Feindbild Frau

Täglich werden Frauen von Männern sexistisch beleidigt und terrorisiert. Die ehemalige Kanzlerkandidatin der Grünen und jetzige Außenministerin Annalena Baerbock wurde während des Wahlkampfs beschimpft und mit Vergewaltigung und Mord bedroht. In Frankreich ist die Situation gegenüber Frauen in Führungspositionen nicht besser. Anfang Februar beschimpfte ein Abgeordneter der liberalen LRM Mathilde Panot von der linken France insoumise in der Nationalversammlung als „Fischweib“ und „Verrückte“. Beleidigungen und Bedrohungen wie diese bestimmen den Alltag vieler Frauen. Weltweit registrieren Expertinnen und Experten einen antifeministischen Backlash, der auf dem Sprung scheint, salonfähig zu werden. Besonders betroffen: Frauen in öffentlich sichtbaren Positionen – wie Politikerinnen, Schauspielerinnen, Fußballkommentatorinnen, Journalistinnen oder Unternehmerinnen –, die sich feministisch und antirassistisch äußern oder in ehemaligen Männerdomänen arbeiten. Sie werden bei Redebeiträgen im Parlament gezielt gestört, nach dem Kommentar eines Spiels mit Hassmails überschwemmt oder nach veröffentlichten Statements für Geflüchtete auf der Straße verfolgt. Besonders in der anonymen Welt der sozialen Medien versuchen immer mehr Männer, das Rad der Gleichberechtigung wieder zurückzudrehen. Online beleidigen und bedrohen sie Frauen und hetzen organisiert gegen diejenigen, die sich zu kontroversen Themen äußern. Auf ihren Internetseiten verbreiten sie frauenfeindliche Thesen und vernetzen sich weltweit. Die sogenannten Maskulinisten sind überzeugt, Frauen gegenüber überlegen zu sein und kämpfen gegen die Errungenschaften des Feminismus.

Di., 17. Mai · 22:15-22:45 · ZDF
37°: Bunte Polizei – Einsatz mit Migrationsgeschichte

Polizistinnen und Polizisten mit Migrationsgeschichte sind in Deutschland gefragt. Die vielfältiger werdende Gesellschaft stellt auch sie vor neue Herausforderungen. Der Film zeigt, was drei von ihnen erleben und leisten. Mal sind sie besondere Vertrauenspersonen, mal sprachbegabte Mittler in Krisensituationen oder kultursensible Türöffner in Einwanderungsmilieus. „37°“ schildert, wie es sich anfühlt, immer wieder auch „dazwischen“ zu sein und warum es für manche zum Teil noch keine Selbstverständlichkeit ist, dass Polizisten nicht immer dem im Polizeijargon sogenannten „deutschen Phänotyp“ entsprechen – und was ist das überhaupt? Die besonderen Fähigkeiten von Polizistinnen und Polizisten mit Migrationsgeschichte kommen vor allem in Einwanderungsmilieus zum Einsatz. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen ohne Zuwanderungsgeschichte lastet auf ihnen eine doppelte Herausforderung: Man erwartet von ihnen auch, dass sie aufgrund ihrer Zuwanderungsgeschichte zwischen den Kulturen vermitteln und immer mit der nötigen interkulturellen Kompetenz ausgestattet sind. Derya Yildirim war vor 20 Jahren eine der ersten Polizeibeamtinnen mit türkischen Wurzeln in Hamburg. Vorurteile und Diskriminierungserfahrungen kennt sie aus vielen Perspektiven. Heute ist sie die treibende Kraft im „Institut für transkulturelle Kompetenz“ der Polizei Hamburg und sagt: „Die kulturelle Vielfalt muss sich noch viel mehr in der Polizei widerspiegeln“. Unnachgiebig, kreativ und mit viel Herz erreicht sie Menschen, die sonst nie den Weg zur Polizei finden würden. „37°“ begleitet sie dabei und erfährt, warum es für viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wichtig ist, sich auch in der Polizei vertreten zu sehen. Kevin Shaikh ist in Magdeburg als Polizeibeamter mit pakistanisch-polnischen Wurzeln eine Seltenheit. Die Prägung durch die Herkunftskultur seiner Eltern und seine besonderen Sprachkenntnisse machen ihn zu einem geschätzten Kollegen in seinem Revier. Sein Einfühlungsvermögen und seine interkulturelle Kompetenz helfen ihm oft, wenn es um Deeskalation in Konfliktsituationen geht. Er kann Ruhe bewahren, auch dann, wenn ein Neonazi ihn provoziert. „37°“ begleitet Kevin Sheikh im Einsatz und erfährt von ihm, wie schwierig es war, als dunkelhäutiges Kind in der Schule um Anerkennung zu kämpfen. Auch Dina Brewer aus Ägypten musste kämpfen, um sich ihren Traum vom Polizistenberuf zu erfüllen. Ihre Familie war über den Berufswunsch nicht erfreut und hadert heute noch mit der Entscheidung der zweifachen Mutter. Als eine der wenigen arabisch sprechenden Frauen bei der Berliner Polizei sagt sie, dass es nicht nur die Sprache sei, die ihr einen besonderen Zugang zu den Menschen verschaffe. Es sei vor allem das Wissen um die kulturellen Eigenarten und Besonderheiten. Polizistinnen und Polizisten mit Migrationshintergrund haben dieses Wissen im Gepäck. Die Zukunft der Polizei ist ganz klar: Es wird bunter.

Di., 17. Mai · 23:30-00:15 · SWR
Ein Hauch von Amerika – Als Pfälzerinnen sich in G.I.s verliebten

Ab 1950 verlegen die USA zehntausende Soldaten in die Westpfalz. Mit ihnen zieht ein neuer Lebensstil in die bisher ländliche Region ein. Bars und Souvenirläden machen auf, es gibt neue Arbeitsplätze, jetzt auch für Frauen und die Bauern vermieten Wohnraum an die zahlungskräftigen Soldaten. Es herrscht Goldrauschstimmung. Erste Liebesbeziehungen entstehen zwischen den feschen G.I.s und deutschen „Frolleins“. Nicht alle sind begeistert vom gesellschaftlichen Umbruch, erst recht nicht, wenn sich eine deutsche Frau in einen afroamerikanischen G.I. verliebt. 1950 spitzte sich mit dem Ausbruch des Korea-Krieges der Kalte Krieg zu. Im Rahmen ihrer Nato-Verpflichtungen verlegen die USA zehntausende Soldaten in die Westpfalz. Das Örtchen Baumholder mit 2.500 Einwohner:innen wird binnen weniger Jahre Militärstützpunkt für 30.000 amerikanische Soldaten. In Kaiserslautern mit seinen 80.000 Einwohner:innen sind bald 40.000 G.I.s stationiert. Die Westpfalz wird zur Drehscheibe der Weltgeschichte, denn die Doktrin der Nato lautet: „In Deutschland wird der Weltfrieden verteidigt“. Mit den Soldaten zieht ein Hauch von Amerika und damit ein neuer Lebensstil in die ländliche Region ein: Kaugummi und Ami-Eis für die Kinder, Zigaretten und Jazzmusik für die Jugendlichen, Nylonstrümpfe und Lippenstift für die Frauen. Bars und Souvenirläden machen auf, es gibt neue Arbeitsplätze auch für Frauen und die Bauern vermieten Wohnraum an die zahlungskräftigen Neubewohner:innen. Es herrscht Goldgräberstimmung. Dann kommt auch noch die Liebe zwischen den jungen feschen G.I.s und den deutschen „Frolleins“ ins Spiel. Kirchen und Lokalpolitiker:innen dagegen sehen den gesellschaftlichen Umbruch oft kritisch, beklagen insbesondere das grassierende „Dirnenunwesen“. An „Payday“ tauchen in den 40 Bars in Baumholder auswärtige Frauen auf, die mit den G.I.s im „Dollarwäldchen“ verschwinden. „Es war die Hölle“, erinnert sich heute Hanna Schissler, die Tochter des damaligen evangelischen Pastors von Baumholder. Viele der Barbetreiber wie der Vater von Max Neiman sind jüdische „Displaced Persons“. Nur wenige Jahre nach dem Holocaust werden sie wieder zur Zielscheibe antisemitischer Attacken. Unter den US-Streitkräften in der Westpfalz sind auch viele afroamerikanische Soldaten. Im Vergleich zur Heimat, wo ihr Leben noch durch die institutionalisierte Rassentrennung geprägt ist, empfinden sie Deutschland als wesentlich liberaler. Doch auch hier gehören Diskriminierung und Rassismus zum Alltag. Wenn ein afroamerikanischer Soldat eine Bar für weiße Kameraden besucht, gibt es Ärger. Noch mehr Streit gibt es, wenn ein afroamerikanischer G.I. mit einer deutschen Frau ausgeht oder wenn gar sie ein Kind von ihm bekommt. Da sind sich die weißen Amerikaner:innen und Deutschen einig: Das sei „Rassenschande“. „Es war nicht einfach“, erinnert sich Rosmarie Hawner. „Mein Chef behandelte mich wie Freiwild, weil ich einen afroamerikanischen Freund hatte“. Einige afroamerikanische Soldaten sehen keinen anderen Ausweg, als mit ihrer deutschen Freundin in die DDR zu fliehen, wo sie sich ein Leben ohne Vorurteile erhoffen. Die Dokumentation von Autorin Sigrid Faltin, gedreht in Deutschland und den USA, erzählt anhand von Archivmaterial und Gesprächen mit Frauen, die sich in G.I.s verliebt und Kinder von ihnen bekommen haben, wie schwer es damals war, wenn man der Liebe gefolgt ist. Interviews mit Expertinnen und dem Sohn eines jüdischen Baumholderer Barbesitzers runden die Dokumentation ab.

Mi., 18. Mai · 03:15-04:00 · Das Erste (ARD)
Christian Stückl und seine Passion in Oberammergau

Für die einen ist er ein „Bühnenschreck“, ein „Theaterviech“, ein „Besessener“, für die anderen ein empathischer „Kümmerer“, der anpackt wo es nötig ist. Christian Stückl polarisiert. Seit 30 Jahren inszeniert er in seinem Heimatort Oberammergau die Passionsspiele, seit knapp 20 Jahren ist er Intendant des Münchner Volkstheaters. Geboren 1961 in Oberammergau, macht Christian Stückl zunächst eine Lehre als Holzbildhauer. Dann wendet er sich dem Theater zu, macht schnell Karriere. Er inszeniert an allen wichtigen Bühnen Deutschlands, in Wien, bei den Salzburger Festspielen. Bekommt Preise für „gelungene Integrationsarbeit“, für Zivilcourage und sein „langjähriges Engagement gegen Antisemitismus“. Dabei ist er immer hin- und hergerissen zwischen Stadt und Land. Er pendelt jeden Tag von München in seine Heimat, denn am wohlsten fühlt er sich in Oberammergau. Hier leben seine Eltern und seine engsten Freunde. Und seit 2015 auch sein „Ziehsohn“. Denn September 2015 wird für Christian ein Wendepunkt. Als viele tausend Flüchtlinge nach Europa kommen, stellt er sich die Frage nach der eigenen Verantwortung. Auch in Oberammergau werden Geflüchtete untergebracht. Christian lernt den unbegleiteten Minderjährigen Raouf aus Afghanistan kennen. Aus einer flüchtigen Begegnung wächst eine Freundschaft und in Christian eine Fürsorgepflicht. Schule, eine eigene Wohnung, Lehrstelle – Stückl unterstützt ihn, wo er kann. Heute gehört Raouf mit zur Familie. Durch ihn habe er gelernt, dass es mehr gebe als nur das Theaterleben, sagt er heute. Er engagiert sich seither auch für andere geflüchtete Jugendliche in Oberammergau, sucht mit ihnen Ausbildungsplätze, hilft bei Behördengängen. Denn in der Zeit der Pandemie, in der auch Christians Leben in einem langsameren Takt ablief, und die Proben für die Passionsspiele in Oberammergau ins Stocken gerieten, merkt er einmal mehr, wie wichtig ihm heute das Thema Zugehörigkeit ist. Und: „dass die Integration aller, die in Oberammergau leben, jetzt passieren muss – nicht erst in 20 Jahren.“

Mi., 18. Mai · 03:35-03:50 · MDR
3 Blocks

Mascha ist Jüdin. Als sie Anfang der 1990er Jahre als Kontingentflüchtling aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kommt, steht sie in einem Land, das sie aus Schuld aufgenommen hat. Infrastruktur zur Integration der ehemaligen UdSSR Bürger gibt es nicht. Sie erlebt Ausgrenzung, Rassismus und hat das Gefühl, einfach nicht dazu zu gehören. Sie besucht die Schule, ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Sie wird dort ausgelacht und verspottet. Es dauert viele Jahre, bis sie erste Freundschaften mit deutschen Kindern aufbauen kann. Einer der wenigen Orte, den sie anlaufen kann und an dem sie sich wohl und aufgenommen fühlt, ist für Mascha von Anfang an die jüdische Gemeinde in Magdeburg. Hier lernt sie ihre Kultur, das Judentum, besser kennen. Sie findet Freunde, fährt auf Ferienreisen und plötzlich füllt das “jüdisch sein” einen Platz in ihrem Leben aus, der vorher unbesetzt war. So gelingt es ihr, in Deutschland anzukommen. Das offene Bekenntnis zu ihrem Glauben ist aber immer auch mit Gefahr und Bedrohung verbunden: Antisemitismus hat es in diesem Land immer gegeben und ist bis heute ein großes gesellschaftliches Problem. Das hält Mascha nicht davon ab, auch heute noch das jüdische Zusammenleben in Magdeburg aktiv zu gestalten. Sie arbeitet für die Gemeinde und steckt all ihr Herzblut in die Arbeit mit der jungen Generation von Juden und Jüdinnen, um sie an ihren Glauben, die Bräuche und die Kultur heranzuführen. Marcus Urban aus Weimar, der erste deutsche Fußballer aus dem Profibereich, der sich geoutet hat. Van Pham aus Chemnitz, die für mehr Sichtbarkeit der Deutsch-Vietnamesischen Community und gegen anti-asiatischen Rassismus kämpft. Konrad Erben aus Jena, der als schwarzer Junge im Umfeld des NSU groß geworden ist und jahrelang Gedenkveranstaltungen für die NSU Opfer organisiert hat. Mahmoud Aljawabra, der nach traumatischen Erlebnissen im Syrien Krieg geflüchtet ist und sich jetzt mit unglaublichem Fleiß und Ehrgeiz einen Kindheitstraum in Leipzig erfüllt: Zahntechniker zu werden. Diese und viele andere Menschen hat Clarissa Corrêa da Silva getroffen. In der neunteiligen Serie “3 Blocks” erzählt sie in jeder Folge die außergewöhnliche Geschichte eines Menschen und geht mit ihm zu den drei Orten, die für ihn am prägendsten waren. „3 Blocks“ das sind 3 Orte in Mitteldeutschland, die nicht einfach nur Kulisse sind, sondern die für den jeweiligen Menschen eine sehr persönliche und besondere Bedeutung haben.

Do., 19. Mai · 07:50-08:25 · WDR
Planet Schule: Ich und die anderen: Lesbisch. Schwul. Jung

„Ich bin lesbisch! Ich hab mich wirklich vor den Spiegel gestellt und das zwanzigmal gesagt.“ Ingelis musste sich eine Weile an den Gedanken gewöhnen, dass sie auf Frauen steht. Mittlerweile findet sie ihre Homosexualität gut, aber noch immer sind Fragen offen. Wie reagieren andere darauf, was verändert sich dadurch in ihrem Leben und wo gibt es Informationen, wie lesbisch sein eigentlich funktioniert? Julius ist schwul. Die Freunde und Mitschüler wissen das, aber das entscheidende Gespräch mit seinem Vater schiebt er immer wieder auf. Er fühlt sich zerrissen, will sich nicht rechtfertigen müssen, leidet aber auch unter dem Schweigen. Seine Schwester will ihm helfen. Florian ist überzeugt: Wenn du nicht darüber sprichst, machen das andere für dich. Er ist Fußballer, arbeitet als Schiedsrichter und er ist schwul. Er hatte große Angst vor dem Outing, denn im Fußball ist Homophobie weit verbreitet. Heute ist er froh über sein Outing. Die Erlebnisse, die er dabei gemacht hat, haben ihn geprägt. Der Film begleitet drei junge Leute bei ihrem alltäglichen Umgang mit ihrer Homosexualität.

Do., 19. Mai · 09:30-09:40 · ARD-alpha
Unterwegs mit… einem Rabbi

Jüdisches Leben in Deutschland: knapp 70 Jahre nach dem Ende des Holocausts zwar nicht einfach Normalität aber doch etwas ganz Alltägliches. Doch was ist Alltag in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland? Um das zu erfahren, sind wir unterwegs mit einem Rabbiner, erleben mit ihm Gottesdienst, Gemeindearbeit, Familienfeste und jüdische Feiertage. Die Reihe „Unterwegs mit…“ zeigt Situationen, die zwar alltäglich sind, den meisten aber verborgen bleiben. Rabbiner sind die obersten Gelehrten des jüdischen Glaubens. Sie unterrichten an jüdischen Schulen und überwachen, ob die Lebensmittel koscher sind. Doch den Sabbat-Gottesdienst leiten sie nur in manchen jüdischen Gemeinden. Streng genommen sind sie keine Priester mit besonderen Aufgaben, sondern „nur“ besonders qualifizierte Berater. die auslegen, wie die Thora im Einzelfall zu verstehen ist. Um zu erfahren, wie sie das tun, sind wir unterwegs mit einem Münchner Rabbiner, erleben mit ihm Gottesdienst, Gemeindearbeit, Familienfeste und jüdische Feiertage. So entdecken wir religiöses Leben aus einer ungewohnten Perspektive: als das tägliche Brot eines Rabbiners.

Do., 19. Mai · 09:45-11:15 · arte
1944: Bomben auf Auschwitz?

Rudolf Vrba und Alfred Wetzler waren Lagerinsassen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Beide hatten durch ihre Funktionen detailliertes Wissen über die Mechanismen der Massenvernichtung: Wetzler musste als Lagerregistrar alle Besitztümer der Neuankömmlinge wie Kleidung oder Schmuck registrieren. Aus diesem Grund wusste er, wie viele Menschen täglich im Lager ankamen. Seine Deutschkenntnisse erlaubten ihm außerdem, Gesprächen der Wachmänner zu folgen. Wetzler und Vrba gelang die Flucht. Was sie dem slowakischen Judenrat aus dem deutschen Vernichtungslager berichteten, floss in einen detaillierten Report, der das Ausmaß der von den Nazis betriebenen „Endlösung“ verdeutlichte, später bekannt geworden als die „Auschwitz-Protokolle“. Ihr Bericht wurde dem von US-Präsident Roosevelt gegründeten War Refugee Board übermittelt: Zwischen den Alliierten entbrannte daraufhin eine heftige Debatte, wie sie den Massenmord in Auschwitz verhindern könnten. Aus dem Bericht war bekannt, dass sich die Nazis auf die Ermordung von 800.000 ungarischen Juden vorbereiteten. Es musste also gehandelt werden. Eine Option war, die neu gebaute Bahnlinie Kosice-Presov in Richtung Auschwitz zu bombardieren – oder das Lager selbst. Briten und Amerikaner hielten eine Bombardierung des Lagers für falsch. Alle verfügbaren Kräfte wurden für die Landung in der Normandie mobilisiert – dies sei der beste Weg, die Nazis zu schlagen und so die europäischen Juden zu retten. Für manche war das Versäumnis, Auschwitz zu bombardieren, moralische Feigheit. Andere hielten eine Bombardierung unter möglicher Inkaufnahme Tausender unschuldiger Toter für inakzeptabel.

Do., 19. Mai · 11:15-12:10 · arte
Der Kunsthandel im besetzten Paris, 1940 – 1944

Unter der NS-Besatzung erlebte der Kunstmarkt in Frankreich einen unerhörten Boom. Zwischen 1940 und 1944 sollen etwa 100.000 Kunstwerke, Kunst- und Kulturgegenstände von Frankreich nach Deutschland gebracht worden sein. In langjähriger Arbeit hat die französische Autorin und Kunsthistorikerin Emmanuelle Polack diesem gigantischen kriminellen Kunsttransfer nachgespürt und neue Ergebnisse zutage gefördert. Ihre Indizien führen zu Galeristen, Sammlern, Händlern, Vertretern des NS-Regimes, Versteigerern, Konservatoren und einfachen Mittelsleuten. Den historischen Hintergrund bilden die von der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain erlassenen antisemitischen Gesetze, die im besetzten Frankreich galten und von den französischen Behörden durchgesetzt wurden. Tausende von Kunstwerken aus dem Besitz verfolgter und deportierter Juden wurden geraubt oder zu Spottpreisen erworben. Ein blinder Fleck des kollektiven Gedächtnisses, der an die aktuelle Restitutionsdebatte anknüpft. Erst 2020 begann der Louvre genauer zu überprüfen, welche Kunstwerke während der Okkupation vom Museum erworben wurden. In Deutschland wurden, ebenfalls 2020, drei Werke der Sammlung Dorville an die Familie von Armand Dorville zurückgegeben, aufgefunden bei Cornelius Gurlitt (1932-2014), dem Sohn und Erben von Hildebrand Gurlitt (1895-1956), der ab 1940 vor allem in Paris einer von Hitlers Haupteinkäufern für das geplante Führermuseum („Sonderauftrag Linz“) im damals zum Großdeutschen Reich gehörenden Linz gewesen war. Linz ist gut hundert Kilometer von Braunau am Inn entfernt, wo Adolf Hitler 1889 geboren wurde.

Do., 19. Mai · 14:15-16:25 · arte
Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Max Baumstein, Präsident der humanitären Hilfsorganisation „Solidarité Internationale“, begeht in Paris ein spektakuläres Attentat: Bei einem Treffen mit dem Botschafter Paraguays wirft er diesem vor, 1933 unter dem Namen Ruppert von Leggaert Mitglied der Deutschen Botschaft in Paris gewesen zu sein und Beziehungen zu einer jungen Frau namens Elsa Wiener gehabt zu haben. Als der Diplomat das zögernd bejaht, zieht Baumstein eine Pistole und erschießt ihn. Danach stellt er sich der Polizei. In der Untersuchungshaft vertraut Baumstein seiner fassungslosen Frau Lina an, warum er den Botschafter getötet hat. Im anschließenden Prozess erfährt Lina Baumstein das ganze Ausmaß der furchtbaren Erlebnisse, die 1933 in der Kindheit ihres Mannes in Berlin begannen: Dort bekam der junge Max den Terror der an die Macht gekommenen Nazis grausam zu spüren, bevor sich das Ehepaar Wiener des misshandelten jüdischen Jungen annahm. Elsa Wiener suchte bald darauf mit Max Zuflucht in Paris. Bevor ihr Mann Michel seinen Verlag verkaufen konnte, um ihnen ins Exil zu folgen, wurde er jedoch von den Nazis ins KZ deportiert. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, musste seine Frau als Sängerin in einem Cabaret auftreten. Dort sah Ruppert von Leggaert sie und nutzte Elsas Angst um ihren Mann schamlos aus … Das alles erfährt Lina Baumstein während der Gerichtsverhandlung – und sie erfährt auch, dass sie das Ebenbild jener unglücklichen Elsa Wiener ist.

Do., 19. Mai · 23:40-01:10 · RBB
Unser letzter Sommer

Sommer 1943, vor den Toren des Vernichtungslagers Treblinka: Vier junge Menschen begegnen ihrer ersten Liebe und befreien sich für einen Moment aus der rauen Wirklichkeit des Krieges. Romek, 17, arbeitet als Heizer und schwärmt für die schöne Bauerstochter Franka, die ihr Herz jedoch an den Deutschen Guido verliert, und Romek findet entlang der Bahnstreckte die verletzte Jüdin Bunia. Romek ist 17 Jahre alt und arbeitet als Heizer auf einer Rangierlokomotive. Er träumt davon, einmal als Lokführer die Warschaustrecke fahren zu dürfen und will das Herz der wunderschönen Franka erobern. Die Tochter eines örtlichen Bauern hat eine Anstellung als Küchenhilfe im deutschen Gendarmerieposten. Dort lernt sie den jungen Deutschen Guido kennen. Er wurde für das Hören von „entarteter“ Musik zur Besatzungspolizei strafversetzt, die dort ihren Stützpunkt unterhält. Mit seinen Kameraden soll er die Bahnstrecke absichern, nach Flüchtigen suchen und Partisanen aufspüren. Die Liebe zum Jazz bringt die drei Jugendlichen zusammen. In diesem Sommer scheint der Krieg weit weg, fernab von der Ostfront haben sich Deutsche und Polen in einer trügerischen Idylle eingerichtet. Guido verliebt sich in Franka, und zu Romeks Überraschung erwidert seine Angebetete die Gefühle des Deutschen. Romek findet auf dem Weg zur Arbeit das verletzte jüdische Mädchen Bunja und beschließt, ihr zu helfen. Guido bekommt einen neuen Kommandanten, der endlich Beute auf den täglichen Patrouillen machen will. Als Romek und Bunja von russischen Partisanen gefangen genommen werden und Guido in flagranti mit Franka erwischt wird, ist der Krieg bei jedem Einzelnen von ihnen angekommen. Es ist der Sommer 1943 vor den Toren des Vernichtungslagers Treblinka.

Fr., 20. Mai · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Ich und die anderen: Plötzlich ist man wer – Neonazi

Felix ist jung, klug, kommt aus gesicherten Verhältnissen und – er war jahrelang aktiver Neonazi. Heute will er verhindern, dass andere den gleichen Weg einschlagen und leistet politische Aufklärungsarbeit. Auch Heidi, Benedikt, Gunnar und Klaus waren als Jugendliche in der Neonaziszene. Musik, Propaganda und Gewalt spielten bei ihrem Einstieg eine wichtige Rolle. Wer nicht in das Weltbild passte, wurde diskriminiert und bedroht. Die Gruppe gab den Mitgliedern das Gefühl dazuzugehören, wichtig zu sein. Nach strikten Vorgaben wurde zwischen Freund und Feind unterschieden; für Zweifel war wenig Raum. Der Film begleitet ehemalige Neonazis, die es geschafft haben, aus der Szene auszusteigen. Dafür mussten sie ihr bisheriges Leben ganz aufgeben, manche von ihnen leben heute in Schutzprogrammen. Ihre Gesichter wurden daher im Film anonymisiert. In Form von Graphic Novels und über Interviews erzählt der Film ihre Geschichten.

Fr., 20. Mai · 07:50-08:25 · WDR
Planet Schule: Ich und die anderen: Rassismus

„Es ist nicht so, dass ich rausgehe und denke, ich bin anders. Andere geben mir das Gefühl: Du bist anders.“ Celestino ist 23 Jahre alt, Finanzberater, Torwart und schwarz. Seit der Grundschule wird er rassistisch beleidigt. Er hat schon früh beschlossen, sich das nicht mehr gefallen zu lassen. In seinem Fußballverein bringt der selbstbewusste junge Mann Kindern bei, gegen Diskriminierung zu kämpfen. Auch die gleichaltrige Perla, Jurastudentin und Black-Lives-Matter-Aktivistin, ist schwarz. Sie organisiert Demonstrationen gegen Rassismus und fordert die Solidarität der Gesellschaft. „Ich brauche niemanden, der mich in Schutz nimmt, ich bin kein Opfer, ich brauche jemanden, der Gerechtigkeit fordert.“ Perla macht klar, dass Rassismus ein Thema ist, das alle betrifft. Amina ist 17 Jahre alt und Muslima. Ihre Eltern stammen aus Bosnien. Sie beobachtet, dass der Alltagsrassismus stärker wird. Seit dem Terroranschlag in Hanau hat sie Angst vor rechtsextremen Gewalttätern. Dort ermordete ein Rassist am 19. Februar 2020 neun Menschen. Einer der Getöteten stammte aus dem Heimatdorf von Aminas Familie. Ihre Welt hat sich dadurch verändert, die Sorge, Opfer rassistischer Gewalt zu werden, ist konkreter geworden. Sie engagiert sich in einer Anti-Rassismus-AG und versucht, über die Gefahr von Vorurteilen aufzuklären. „Man muss nicht die ganze Welt verändern, schon kleine Dinge können etwas bewirken“, sagt sie. Der Film begleitet die drei jungen Menschen bei ihrem Kampf gegen Rassismus und ihrem Engagement für eine solidarische Gesellschaft.

Fr., 20. Mai · 21:45-22:50 · arte
Barbra Streisand – Geburt einer Diva, 1942-1984

Sie ist die Königin der Musikindustrie, des Broadways und des New Hollywood: Barbra Streisand. Die letzte große „American Songbook“-Diva hat viele Künstlerinnen nach ihr wie Madonna, Beyoncé oder Lady Gaga geprägt. Als perfektionistisches Multitalent steht sie in der Tradition der singenden, tanzenden und schauspielenden Hollywoodstars. Barbara Joan Streisand kommt am 24. April 1942 in New York zur Welt. Ihr Vater, ein jüdischer Lehrer, stirbt 15 Monate nach ihrer Geburt. Nachdem sie versucht hat, als Sängerin in New Yorker Nachtclubs Fuß zu fassen, bekommt sie mit 19 ihre erste Rolle im Broadway-Musical „I Can Get It for You Wholesale“. Mit 21 veröffentlicht sie ihr erstes Studioalbum – „The Barbra Streisand Album“. Auch im Filmgeschäft kann sie beispiellose Erfolge feiern: Filmmusicals wie „Hello, Dolly!“, Screwball-Komödien wie „Is’ was, Doc?“ und Dramen wie „So wie wir waren“ werden dank ihr zu großen Publikumserfolgen. Mit eigenen Regiearbeiten wie „Yentl“ und „Der Herr der Gezeiten“ etabliert sich Streisand als Regisseurin auch hinter der Kamera. Mit ihrer Mezzosopran-Stimme und ihrem Aussehen, das nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, schreibt sie ein ganz eigenes Kapitel in der Unterhaltungsgeschichte. Streisand verkörpert eine neue Art von Attraktivität und vor allem ein neues Bild des weiblichen Stars: frei, unangepasst und stark. Damit ebnet sie den Weg für die Künstlerinnen der Girl-Power-Bewegung. Barbra Streisand gehört heute längst zu den etablierten Größen des amerikanischen Showbiz: Als sie ein junges Mädchen war, meinten ihre Mutter und ihr Stiefvater, sie sei nicht hübsch genug für die Bühne. Doch sie ließ sich nicht beirren und setzte sich auch später in einer Männerdomäne durch. Ihre Großmutter nannte sie wegen ihres Dickkopfs schon als Kind „farbrent“, was auf Jiddisch so viel wie „brennend“ bedeutet. Die Bilanz sind mehr als 60 Alben, 20 Filme als Schauspielerin, drei Spielfilme als Regisseurin und unzählige Shows in der ganzen Welt. Die Dokumentation verfolgt ihren Lebensweg bis zum Höhepunkt ihrer Karriere in den 80er Jahren, als Barbra Streisand zum ersten weiblichen Megastar wird. Er beleuchtet den Werdegang einer Ikone, die sich bis heute für die Rechte von Frauen und Homosexuellen einsetzt.

Sa., 21. Mai · 07:30-08:00 · RBB
rbb wissenszeit: Rassismus.Kolonialismus.Heute

Rassismus gab es schon, bevor europäische Länder Kolonien in außereuropäischen Gebieten gründeten. Die Kommunikationswissenschaftlerin Natasha A. Kelly hält den Rassismus für den Motor der Kolonialisierung. Sie sagt, die Idee, dass Schwarz für Leid und Tod steht, das Negative, und Weiß das Positive symbolisiert, zum Beispiel in der Darstellung weißer Engel, wurde auf die Menschen übertragen. Der Film setzt sich anhand der Lebensgeschichte des Herero-Nachfahren und Aktivisten Israel Kaunatjike mit der Frage des Rassismus und der deutschen Kolonialzeit auseinander. Die promovierte Soziologin, Kommunikationswissenschaftlerin und Autorin Natasha A. Kelly analysiert die Strukturen, die den Rassismus gefördert und tief in unsere Gesellschaft eingeschrieben haben. Und zwar bis heute. Von den Einflüssen der Kolonialzeit auf ihre Arbeit am Theater berichtet die Regisseurin und Autorin Simone Dede Ayivi und sie erzählt von ihrem Aktivismus bei ISD – der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

So., 22. Mai · 10:15-10:30 · SWR
Der Polizeirabbiner

Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg 2021 zwei Polizeirabbiner ins Amt genommen. Einer der beiden: der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik. Vertrauens- und Ansprechperson für Polizist:innen soll er sein, Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus bekämpfen. Wie geht er gegen Vorurteile gegen das Judentum an? Was sind seine Ziele? Die Dokumentation von Autor Uri Schneider begleitet ihn bei der Polizei, als Gemeinde-Rabbiner und in seiner Familie mit acht Kindern, die sich auf das Pessachfest vorbereitet. Shneur Trebnik will junge Polizeianwärter:innen in seine Synagoge nach Ulm bringen, die vor zehn Jahren Tatort eines Brandanschlags war. Er will jungen Polizist:innen religiöse Toleranz vermitteln. Trebnik ist Mitglied der Chabad-Gemeinde, eines chassidischen Zweiges des Judentums, die weltweit sozial engagiert arbeitet. Geboren in Tel Aviv war er in New York, Melbourne und Wien, bevor er vor 22 Jahren die jüdische Gemeinde in Ulm übernahm. Israel sei seine Heimat, Ulm sein Zuhause, sagt er.

Mo., 23. Mai · 09:30-10:15 · SWR
Tel Aviv – Hier tanzt Israel

Ohne die Anbindung ans Meer wäre Tel Aviv nie entstanden. Einst war die Stadt der rettende Hafen für Juden aus der Diaspora, heute reißt der Strom freiwilliger Zuwandererinnen und Zuwanderer nicht ab. Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt. Lifestyle, Kreativität und Individualität sind die Visitenkarte von Tel Aviv. Der Film zeichnet ein facettenreiches Bild von Israels zweitgrößter Stadt, deren Name so viel wie „Hügel des Frühlings“ bedeutet. Tel Aviv wurde buchstäblich auf Sand gebaut, nachdem jüdische Familien 1909 mit Muscheln vom Strand die Parzellen ausgelost hatten, auf denen sie die ersten Häuser errichteten. Nazi-Verfolgung, stalinistische Bedrohung und Anfeindungen in arabischen Ländern machten sie zum Zufluchtsort für Juden unzähliger Nationalitäten. Wer hier mithalten will, nimmt sich einen Personal Trainer, wie Maria Pomerantz. Die Bodybuilderin erzielt Spitzenhonorare, in dem sie ihre Kundinnen und Kunden quält. Die Sicherheitsstandards der immer wieder von terroristischen Anschlägen bedrohten Stadt sind hoch. Dennoch gibt der Film Einblick in den War-Room, ein multimedial ausgerüstetes Krisenzentrum drei Stockwerke unter der Erde und begleitet den städtischen Sicherheitschef David Aharony. Um die alltäglichen Sorgen der Tel Aviverinnen und Tel Aviver kümmern sich etwa die „Gassi Geher“ von DogMen, einem Start-Up, das den rund 80.000 Hunden einen allumfassenden Service bietet. Der neueste Trend ist die vegane Küche. Als die Restaurantchefin Nanuchka Shrier Fleisch von ihrer Speisekarte verbannte, prophezeiten ihr viele das Aus. Aber bis heute wird im „Nanuchka“ jeden Abend auf den Tischen getanzt.

Di., 24. Mai · 00:00-00:50 · arte
Die Präsidentin

Eine Gruppe von Schauspielerinnen betritt die Bühne. Sie stellen die Regierung eines fiktiven Landes dar, die entscheiden muss, wie man angesichts der Gefährdung der Welt zu handeln hat. Dabei beraten sie sich mit Expertinnen, die auch im realen Leben Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen und Aktivistinnen sind. Es gilt die Klimakatastrophe und einen Nuklearkrieg zu verhindern, doch je länger das Gespräch dauert, desto komplexer wird die Situation. Die Lösung könnte so einfach sein, doch wer macht den ersten Schritt? Die Frauen wissen, dass das Schicksal von Millionen von Menschen in ihren Händen liegt und ihre Entscheidung unumkehrbar sein wird. Sie müssen also bedacht handeln, denn ihr Ziel ist es, den Krieg zu verhindern. Dabei setzt die weibliche Regierung auf eine feministische Strategie, die versucht die Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft zu berücksichtigen. Die Kunst-Performance spielt auf Stanley Kubricks Film „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben“ an. Doch die Autorin und Regisseurin Yael Bartana kehrt alles um. Der Kriegsraum voller Männer ist nun ein Friedensraum voller Frauen. Und während in „Dr. Seltsam“ Männer die Welt zerstören, versuchen jetzt Frauen sie zu retten. Das Filmmaterial wurde bei Live-Performances in Aarhus, Berlin und Philadelphia aufgenommen.

Di., 24. Mai · 23:10-00:05 · arte
Der schwarze Aufstand

Der Mord an George Floyd führt 2020 zu einer großen internationalen Protestbewegung gegen staatliche Polizeigewalt und rassistische Diskriminierung. Alicia Garza, eine der Gründerinnen von „Black Lives Matter“, sieht als Ziel der Bewegung eine gerechte Gesellschaft für alle: „Der Kampf gegen Rassismus kann nicht nur allein von Schwarzen geführt werden. Es müssen dafür Menschen aller Hautfarben, aller Rassen, aller ethnischen Gruppen und Nationalitäten eintreten.“ Der Dokumentarfilm „Der schwarze Aufstand“ von Ulrich Stein und John Kantara zeigt die Entstehung der „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA und ihren Einfluss in Europa. Auch in Frankreich und Deutschland gibt es seit der Kolonialzeit eine Geschichte von rassistischer Ungleichbehandlung. Lange Zeit war die Kolonialgeschichte ein blinder Fleck in der französischen und deutschen Erinnerungskultur. Erst in jüngster Zeit wurden von den Regierungen in Frankreich und Deutschland die während der Kolonialzeit begangenen Verbrechen offiziell eingestanden. Im Film erzählen Philonise Floyd und Assa Traoré, die beide einen Bruder durch Polizeigewalt verloren haben, über ihre Rassismuserfahrungen in den USA und Frankreich. Alicia Garza, die Mitbegründerin von „Black Lives Matter“, die Kongressabgeordnete Yvette Clarke, der Polizeioffizier Corey Pegues und die Aktivistinnen Chelsea Miller und Brittney Cooper kommen zu Wort. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren die Formen und Auswirkungen von Rassismus in den USA und im Europa von heute.

Di., 24. Mai · 23:30-00:15 · SWR
Verzaubert und verdrängt – Die Karriere des Magiers Kalanag

Er war eine der schillerndsten Figuren der deutschen Unterhaltungsbranche: Der Magier und Filmproduzent Helmut Schreiber, alias Kalanag. Er verantwortete antisemitische Propagandafilme für die Nationalsozialisten und galt als „Hofmagier“ von Hitler, Goebbels und Göring. Nach 1945 begeisterte er mit exotischen Zaubershows und wurde als Unterhaltungsdirektor des von Adenauer geplanten privatrechtlichen Fernsehsenders verpflichtet. Dem Zauberkünstler gelang es von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis zur Bundesrepublik, mit Tricks, Täuschung und Tücke stets zu den Gewinnern zu gehören. Er war eine der schillerndsten Figuren der deutschen Film- und Unterhaltungsbranche. Ein Mensch, für den Täuschung, Tarnung und Trickserei stets Karriere- und Lebensprinzip war: der Zauberkünstler und Filmproduzent Helmut Schreiber, alias Kalanag. Als „Hofmagier der Nazis“ tritt Schreiber mehrfach vor Hitler auf dem Obersalzberg auf und zaubert vor Goebbels‘ Tischgesellschaften. Gleichzeitig verantwortet er hauptberuflich nationalsozialistische Propaganda- und Durchhaltefilme, zunächst bei der Tobis, ab 1938 dann bei der Bavaria, wo er 1942 sogar zum Produktionschef und Mitglied der Geschäftsführung aufsteigt. Nach 1945 – als die Amerikaner ihm untersagen, weiter im Filmgeschäft zu arbeiten – macht er kurzerhand sein Hobby zum Beruf und startet unter dem Künstlernamen Kalanag eine internationale Karriere als weltweit größter Magier der Nachkriegszeit. In einer Zeit, in der noch nicht in jedem Wohnzimmer ein Fernseher steht, ist Schreiber ein Star. Mit seiner Gattin Gloria und einer Truppe von 70 Künstlern, Musikern und Tänzerinnen bereist er die Welt. In perfekt inszenierten Revuen mit exotischen Kulissen lässt er in aufwendigen Großillusionen Autos verschwinden, Mädchen dreiteilen und endlos Bier, Wein und Champagner aus gläsernen Karaffen fließen. Als Ende der 1950er Jahre die Regierung Adenauer die „Freies Fernsehen GmbH“ als regierungsnahes privatrechtliches Gegengewicht zur ARD gründet, wird Helmut Schreiber schließlich für den Posten des künftigen Unterhaltungsdirektors verpflichtet. Hätte das Bundesverfassungsgericht nicht Adenauers Projekt gestoppt, wäre es eine letzte erstaunliche Wendung im Leben des Helmut Schreiber gewesen. Die Dokumentation, in der Historiker und Weggefährt*innen Helmut Schreibers zu Wort kommen und bisher nie veröffentlichtes Archivmaterial zu sehen ist, schildert die Karriere eines Großmeisters der Illusion, der es verstand, immer zu den Gewinnern zu gehören. Der sich von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis in die junge Bundesrepublik hinein drei Systemen nahtlos anpasste und sich immer wieder durchsetzte.
© Bild oben: SWR/Stiftung Zauberkunst – Mit einer Truppe von bis zu 80 Mitwirkenden bereiste Kalanag die Welt.

Mi., 25. Mai · 07:20-07:50 · HR
Respekt: Schwul, lesbisch, glücklich – Vielfalt für alle

Schwul oder lesbisch zu sein, heißt oft Ablehnung, Hass und Feindseligkeit zu erfahren – trotz „Ehe für alle“. Die Reportage entlarvt die vielen Vorurteile gegen Homosexuelle und zeigt, was sich ändern muss. „Schwuchtel“, „Kampf-Lesbe“ – geläufige Schimpfwörter, nicht nur in der Jugendsprache. Im Juni 2017 verabschiedete der Bundestag das Gesetz „zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“, umgangssprachlich die „Ehe für alle“. Seitdem dürfen auch in Deutschland homosexuelle Paare ohne größeren bürokratischen Aufwand heiraten. Die Gesetze sind beim Thema Homosexualität scheinbar weiter als die Gesellschaft. Denn auch wenn eine große Mehrheit der Bevölkerung – mehr als 80 Prozent – für die Gleichbehandlung von Homo- und Heterosexuellen sind, halten sich trotzdem unzählige Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben. Die Sendung geht einigen gängigen Vorurteilen auf den Grund und fragt etwa nach, ob alle Schwulen wirklich so sehr auf ihr Äußeres achten, wie es das Klischee verlangt. Der österreichische Blogger und Youtuber Michael Buchinger entlarvt im Gespräch mit Moderator Ramo Ali anschaulich weit verbreitete Denkmuster zum Thema Homosexualität. Wie schwierig für Homosexuelle auch heute noch das Outing sein kann, zeigt das Interview mit einer lesbischen Polizistin, die selbst immer schon sehr offen mit ihrer sexuellen Orientierung umging und nie Probleme hatte. Trotzdem kennt sie viele Fälle, in denen homosexuelle Frauen nicht nur Vorurteile, sondern auch Hass bis hin zu physischer Gewalt erfahren. Immer noch bezeichnen in repräsentativen Studien 10 Prozent der Befragten Homosexualität als „unmoralisch“ und 18 Prozent als „unnatürlich“. Einen Kuss zwischen zwei Männern in der Öffentlichkeit empfinden knapp 40 Prozent als unangenehm. Forscher sind sich sicher: Noch immer wirkt die jahrzehntelange Diskriminierung von Homosexuellen in der Gesellschaft.

Mi., 25. Mai · 19:40-20:15 · arte
Re: Heimatlos und ungeliebt – Syrische Flüchtlinge in der Türkei

„Re:“ begleitet eine in Istanbul arbeitende syrische Krankenschwester und einen an der türkisch-syrischen Grenze lebenden Landwirt mehrere Monate bei ihren täglichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen als Flüchtlinge in der Türkei. Die Reportage blickt auch in die türkische Stadt Bolu, in der ein offen rassistischer Bürgermeister gegen Syrer hetzt und dabei viel Zustimmung bekommt. Dort lebt ein 68jähriger Blumenhändler, der seinen Bürgermeister unterstützt. Widerstand gegen die Syrer-Feindlichkeit kommt von Menschenrechtsorganisationen. Sie haben in Istanbul den Bürgermeister verklagt, und einer der Aktivisten fährt nach Bolu, um dort Syrern zu helfen.

Mi., 25. Mai · 23:35-00:35 · arte
Israel als Besatzungsmacht – Soldaten erzählen (1/2)

Der charismatische Führer der arabischen Welt, der ägyptische Offizier und Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, drohte im Mai 1967 damit, „alle Juden ins Meer zu treiben“. Der junge Staat Israel verstand diese Drohung – 22 Jahre nach dem Ende der Schoah – so, wie sie verstanden werden sollte: Uns Juden soll es wieder an den Kragen gehen! Mit einem Präventivschlag am 5. Juni 1967 gegen Basen der ägyptischen Luftwaffe wehrte sich Israel, der sogenannte Sechstagekrieg hatte begonnen. Innerhalb weniger Tage eroberte die IDF, die israelische Verteidigungsarmee, ein Gebiet, das dreimal größer war als der Staat Israel in den Grenzen vor 1967. Als die IDF Richtung Damaskus marschierte, endete am 10. Juni 1967 mit einem durch die Sowjetunion erzwungenen Waffenstillstand und mit der Besetzung des Gazastreifens und der Sinai-Halbinsel Ägyptens, des Westjordanlandes und Ostjerusalems Jordaniens und der Golanhöhen Syriens. Seither ist Israel Besatzungsmacht. Generationen von Soldatinnen und Soldaten der IDF tun ihren Dienst an Kontrollpunkten, räumen Häuser und Straßenzüge in den besetzten Gebieten, schützen israelische Siedler und bekämpfen palästinensische Terroristen. Mit der Besetzung ist die Idee „Land gegen Frieden“ verbunden. Israel würde die besetzten Gebiete wieder zurückgeben, wenn die Feinde des Krieges Israel als Staat anerkennen würden. Diese Politik funktionierte nur mit Ägypten. Am 20. November 1977 erkannte der ägyptische Präsident Anwar el Sadat in seiner Rede vor der Knesset das Existenzrecht Israels ohne Wenn und Aber an. Er bezahlte dafür mit seinem Leben.

Do., 26. Mai · 00:35-01:30 · arte
Israel als Besatzungsmacht – Soldaten erzählen (2/2)

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Besetzung“? Was bedeutet es, in einem besetzten Gebiet zu leben? Mit welchen Methoden und Maßnahmen agiert eine Besatzungsmacht? Die Feststellung „Die Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch Israel dauert bereits seit 52 Jahren an“ sagt außer der Zeitangabe nichts darüber aus, was diese Okkupation bedeutet. Greifbar wird sie erst mit dem konkreten Vorgehen der Besatzer sowie mit den alltäglichen Folgen für die in einem besetzten Gebiet lebenden Menschen. Bei den israelisch besetzten Gebieten ist es wie mit einer vielköpfigen Schlange: Jeder Kopf steht für einen „tapferen Jungen“, der in den besetzten Gebieten seinen Militärdienst ableistet, dort seinen Auftrag erfüllt und die Befehle in der festen Überzeugung ausführt, damit einen Beitrag zur Sicherheit des Staates Israel zu leisten. Erst die Gesamtheit des Handelns all dieser „tapferen Jungen“ macht die Besetzung konkret. Fast alle jüdischen Bürger Israels dienen in der Armee und wirken direkt oder indirekt an der Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens mit. Eine Generation nach der anderen macht die schmutzige Arbeit, lernt die Methoden und gibt sie an die nächste Generation weiter, damit auch sie das Getriebe der militärischen Besetzung weiter ölen kann. Einige dieser „Köpfe“ berichten im Film ausführlich über die täglichen Routinemaßnahmen der Besatzer. Getrennt betrachtet ist keine dieser Maßnahmen so bedeutsam, dass sie allein über Fortdauer oder Ende der Okkupation entscheiden könnte. Doch zusammengenommen machen sie das Wesen der Besetzung aus.

Fr., 27. Mai · 19:40-20:15 · arte
Re: Vielfalt leben – Schluss mit Vorurteilen

Die Dragqueen Veuve Noir besucht Neuntklässlerinnen und -klässler der Gemeinschaftsschule in Neumünster. Als homosexueller Mann, der sich gerne als Frau zurechtmacht, stellt sich Veuve ihren Fragen. Gemeinsam mit Olivia Jones hat sie das Projekt „Olivia macht Schule“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, nicht nur Vorurteile gegenüber Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen abzubauen, sondern sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Dafür geht sie in Schulen und spricht mit den Kindern. Auch Geflüchtete haben häufig mit Verurteilung zu kämpfen und werden in ihrer neuen Heimat oftmals nicht genug gefördert. Doch die aus Syrien stammende Chocolatiers-Familie Hadad wurde nach ihrer Flucht in Kanada aufgenommen und konnte dort in kürzester Zeit in ihrem neuen Heimatstädtchen Antigonish eine neue Schokoladenfirma gründen. Sie nennt ihre Marke „Peace by Chocolate“ – Ausdruck ihrer Mission: Schokoladenstück für Schokoladenstück gesellschaftlichen Frieden zu stärken. Es gibt Millionen von Menschen, die von der Modeindustrie nahezu ignoriert werden – zum Beispiel Personen im Rollstuhl. Deswegen hat Josefine Thom ihr Modelabel MOB gegründet. Das steht für Mode ohne Barrieren. Ihr Motto: „Was praktisch ist, muss auch schön sein.“ Ihre Modelle zeichnen sich durch klug mitgedachte Details wie Magnetverschlüsse aus – Designs, die zu mehr Selbstbestimmung verhelfen können. Laut Thom ist Mode weit mehr als nur Kleidung. Sie ist essenziell für die Teilhabe in einer Gesellschaft.

Fr., 27. Mai · 20:15-21:35 · arte
Diplomatie

Paris, in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944: Die Alliierten stehen vor den Toren der Stadt. Kurz vor Tagesanbruch bereitet sich Stadtkommandant General von Choltitz in seinem Hauptquartier im Hotel Meurice darauf vor, Hitlers Befehl auszuführen und Paris dem Erdboden gleichzumachen. Alles ist bereits vorbereitet: Der Louvre, die Oper, Notre-Dame, der Eiffelturm und die Brücken über die Seine sind vermint. Doch plötzlich steht der schwedische Konsul Raoul Nordling vor Choltitz‘ Schreibtisch – er ist durch eine Geheimtür eingetreten. Nordling versucht den pflichtbewussten Choltitz, der noch nie einen Befehl verweigert hat, in seinem Vorhaben umzustimmen. Ein verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden beginnt, in dem Nordling an die Vernunft und Moral des Generals appelliert. Nordling erinnert Choltitz an die Millionen von Menschenleben, die einer Bombardierung zum Opfer fallen würden. Choltitz ist sich der militärischen Sinnlosigkeit des Auftrags bewusst, jedoch ist er davon überzeugt, dass eine Verweigerung des Befehls zu einer unverzüglichen Verschleppung seiner Familie führen würde. So verspricht Nordling ihm, dass er sich um eine sichere Ausreise der Familie kümmern wird. Wird sich Choltitz umstimmen lassen? „Diplomatie” ist eine Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von Cyril Gély, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Wenngleich es Kontakte zwischen den historischen Personen gegeben hat – die Auseinandersetzung von Choltitz und Nordling, so wie sie der Film erzählt, ist Fiktion.

Sa., 28. Mai · 14:00-15:20 · MDR
They call us Ausländerteam

Ein Amateur-Fußball-Team aus 12 Nationen kämpft beim Blau-Weiß Grana mitten in Ostdeutschland gegen Rassismus, für Integration und um den Aufstieg. Ohne Geflüchtete gäbe es den Verein längst nicht

Sa., 28. Mai · 17:15-17:45 · HR
Schwarz und deutsch – Identität ist mehr als Hautfarbe

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sollen afrikanische Wurzeln haben. Schwarze Künstler*innen, Schwarze Paketbot*innen, Schwarze Friseur*innen oder Schwarze Wissenschaftler*innen – sie alle gehören zu unserem Land, für die meisten ganz selbstverständlich. Doch der Weg hierher war nicht immer einfach, Selbstvertrauen aufzubauen hat gedauert. Zwei Afrodeutsche zeigen, wie sie ihren eigenen Weg gefunden haben im Umgang mit Alltagsrassismus und Vorurteilen. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sollen afrikanische Wurzeln haben. Schwarze Künstler*innen, Schwarze Paketbot*innen, Schwarze Friseur*innen oder Schwarze Wissenschaftler*innen – sie alle gehören zu unserem Land, für die meisten ganz selbstverständlich. Doch der Weg hierher war nicht immer einfach, Selbstvertrauen aufzubauen hat gedauert. Zwei Afrodeutsche zeigen, wie sie ihren eigenen Weg gefunden haben im Umgang mit Alltagsrassismus und Vorurteilen. Mirrianne Mahn hat ihren Platz gefunden. Seit ein paar Wochen sitzt sie als Abgeordnete in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Es war nicht leicht für die 32Jährige. „Na klar, wusste ich immer, dass ich zu Deutschland dazugehöre“, sagt sie. „Aber die weiße Mehrheitsgesellschaft hat mir nicht immer das Gefühl gegeben, das sie das genauso sieht.“ Sie ist im Hunsrück aufgewachsen. Außer ihr gab es dort nur ein weiteres nicht-weißes Mädchen. Die beiden galten als Kuriosum. Auch nach ihrem Umzug nach Frankfurt musste sich Mirrianne Mahn durchbeißen. Sie baute einen Catering-Service auf. „Da kam es schon mal vor, dass ich morgens zu meinem Food-Truck runterkam und jemand Bananenschalen daran geschmiert hatte“, erinnert sie sich. In der U-Bahn merkt sie heute noch oft, dass sie angestarrt wird, weil sie Schwarze ist. Mirrianne Mahn bekam Depressionen. Auch einen Suizidversuch hat sie unternommen. Heute ist sie eine selbstbewusste Frau, doch der Kampf hat Spuren hinterlassen. Es ist nicht alles gut, aber die Leute sind vorsichtiger geworden, mit Beleidigungen und Anfeindungen. Das führt dazu, dass man sich jetzt sicherer fühlen kann”, sagt Tonny Boateng. Für den ehemaligen Spieler des FSV-Frankfurt ist der Wandel besonders auf dem Platz spürbar. „In den 90’ern war es gang und gäbe, dass man als Schwarzer Spieler rassistisch beleidigt wurde. Heute passiert das auch noch, aber dann gibt es auch immer jemanden, der was dagegen sagt.” Die Leute seien aufmerksamer geworden, schritten schneller ein. Das gibt Tonny Boateng ein gutes Gefühl. Ebenso die Tatsache, dass Schwarze Männer und Frauen heute in ganz verschiedenen gesellschaftlichen Positionen und Jobs zu finden sind. Das, meint der DJ und Partymacher, wirke sich auf vieles aus: „Heute werde ich als Schwarzer von potenziellen Investoren und Geschäftspartnern ernst genommen”, sagt er. Aber alles ist eben auch heute noch längst nicht gut. So kommt der Deutsche mit ghanaischen Wurzeln als DJ zwar unproblematisch in alle Clubs rein. Als Schwarzer Mann und Gast allerdings nicht. Bitter ist das, aber eine Realität, mit der er sich irgendwie abgefunden hat.

So., 29. Mai · 00:35-02:05 · ARD-alpha
Unbekannte Helden

In den letzten dramatischen Wochen des Zweiten Weltkrieges erreicht in vielen Gemeinden im Südwesten der Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime einen Höhepunkt. Das Dokudrama „Unbekannte Helden“ schildert in historischen Bildern, mit Augenzeugenberichten und Spielszenen, wie mutige Menschen damals ihr Leben im Kampf gegen den Nationalsozialismus riskieren. Die unbekannten Heldinnen und Helden sind Menschen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die – ähnlich wie die großen Widerständler Graf Stauffenberg, Georg Elser oder die Geschwister Scholl – todesmutig ihr Leben aufs Spiel setzten, um das nationalsozialistische Unrechtssystem und den Krieg zu beenden. Dennoch sind sie nie im Rampenlicht gestanden, sind in Vergessenheit geraten oder werden erst spät für ihr mutiges Handeln geehrt. Die Dokumentation erzählt in fünf exemplarischen Fällen die Geschichten dieser mutigen Bürgerinnen und Bürger. Fünf bewegende Facetten des Widerstands: Zum Jahrestag des Kriegsendes wird wieder die Frage aufgeworfen, warum in Nazi-Deutschland so wenig Widerstand gegen das NS-Regime geleistet wurde. Die ausgewählten Ereignisse aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges sind weitgehend unbekannt und dokumentieren unterschiedliche Formen des Aufbegehrens gegen den Wahnsinn der Nazis. Darunter das beherzte Einschreiten zum Schutz der Heimatgemeinde vor sinnloser Zerstörung – wie beim Frauenaufstand in Pfullingen. Oder die tragische Geschichte von den drei Männern im hohenlohischen Dorf Brettheim, die in den letzten Kriegstagen sinnlos erhängt werden. Kaum bekannt ist auch die württembergische Pfarrhauskette: Evangelische Pfarrfamilien verstecken jahrelang Juden vor den SS-Schergen. Oder die Geschichte der Munitionsanstalt Urlau bei Leutkirch. Ein Major der Wehrmacht und ein Pfarrer sabotieren den Zerstörungsbefehl und verhindern damit eine Giftgaskatastrophe im württembergischen Allgäu. Und in der Vulkaneifel versucht die katholische Jugend einen militant organisierten Gegenschlag gegen das verhasste NS-Regime. Ulrike Folkerts, Walter Sittler und Sebastian Blomberg: Bisher unveröffentlichtes Originalmaterial, Augenzeugenberichte von Überlebenden und Angehörigen sowie kommentierende Statements von Expertinnen und Experten werden in dieser Dokumentation mit aufwändig inszenierten Spielszenen verwoben. Bekannte Schauspieler wie Ulrike Folkerts, Walter Sittler, Sebastian Blomberg und Karl Kranzkowski schlüpfen in die Rollen von verfolgten Jüdinnen und Juden, mutigen Pfarren und tapferen Bürgerinnen und Bürgern. Mehr als einhundert Komparsen und eine detailgetreue Ausstattung lassen die dramatischen letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wieder aufleben.

So., 29. Mai · 10:05-10:55 · 3sat
erLesen

In dieser Augabe von „erLesen“ diskutieren Natan Sznaider, Hannah Lessing und Peter Menasse über Antisemitismus und Judentum. Was unterscheidet Rassismus und Antisemitismus? Natan Sznaider spricht über das Verhältnis des Holocaust zu den Verbrechen des Kolonialismus – über dieses Verhältnis wird international schon lange diskutiert. Werden jüdische Opfer in der Erinnerung gegenüber den afrikanischen Opfern bevorzugt? Wird es möglich sein, der Opfer des Holocaust und des Kolonialismus zu gedenken, ohne Geschichte zu relativieren? Hannah M. Lessing ist Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, des Allgemeinen Entschädigungsfonds und des Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich. Anlässlich der Eröffnung der neuen österreichischen Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau ist im Oktober 2021 unter ihrer Leitung Band 6 der Buchreihe „Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus“ zum Thema „Überleben in Auschwitz“ erschienen. Mit „Vom Kommen und Gehen: Burgenland. Betrachtungen von Zu- und Weggereisten“ haben Peter Menasse und Wolfgang Wagner einen Sammelband mit 26 Essays zum Burgenland als Sehnsuchtsland und Reibungsfläche herausgegeben. In seinem Essay „Juden sind keine mehr da“ erzählt er Geschichten über seine Wahlheimat, das Burgenland, und über die durchwachsene burgenländische Beziehung zum Judentum.

So., 29. Mai · 18:25-18:55 · arte
Köstliche Toskana – Maremma und Orciatal

Die aktuelle Folge beginnt im Parco Regionale della Maremma, dem größten Naturschutzgebiet der Toskana. Hier lebt und arbeitet die Butteri-Familie von Ernesto Buratta. Die Butteri – die toskanischen Cowboys – ermöglichen noch heute die traditionelle Freilandhaltung der hier einheimischen Maremmana-Rinder. Auf dem Speiseplan steht damals wie heute die Acquacotta: ein vegetarischer Gemüseeintopf mit Mangold, Eiern und passierten Tomaten. Über die natürlichen Thermen von Saturnia geht es weiter zu der aus Tuffstein gebauten Stadt Pitigliano, auch „Klein-Jerusalem“ genannt. Mitte des 19. Jahrhunderts machte die jüdische Gemeinde hier 20 Prozent der Stadtbevölkerung aus. Auch die 1930 geborene Elena Servi gehört dazu. Sie überlebte den Zweiten Weltkrieg dank Nachbarn und Freunden. In ihrer winzigen Küche bereitet sie die Süßspeise Frittata di Azzime zu: Omelett mit ungesäuertem Brot und viel Zimt. Inmitten der Hügel des Orciatals liegt Montalcino. Nur der Wein, der aus den hier geernteten Sangiovese-Trauben gewonnen wird, darf Brunello genannt werden. So auch der Rotwein von Marino Colleoni. Während er die Geheimnisse des berühmten Weins enthüllt, bereitet seine Frau Luisa den im Wein eingelegten Peposo zu: Rindfleischgeschnetzeltes mit ausgiebig Pfeffer. Im nahegelegenen Umland von Pienza sind die Schwestern Barbara und Sabrina Marini in der Küche ihres Landhauses beim Nudelmachen. Für das gemeinsame Abendessen der Großfamilie stehen Pici auf dem Speiseplan: handgemachte und zu einem Knäuel gedrehte Nudeln mit Aglione-Soße, die bei Sonnenuntergang auf der Terrasse gegessen werden.

Di., 31. Mai · 22:10-22:55 · MDR
Schwarz und deutsch – Die Geschichte der Afrodeutschen

„Ich bin in Deutschland geboren. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich war in meinem Leben nur einmal auf dem afrikanischen Kontinent – als Pauschalurlauber“, sagt der Jenaer Student Konrad Erben (31). Dennoch unterstellen ihm viele, dass er kein Deutscher sei. Nur weil er schwarz ist. Schwarz und deutsch sein – das geht für viele noch immer nicht zusammen. Deutschland hat sich weiß geträumt. Doch Afrodeutsche leben bereits seit vielen Generationen in Deutschland, Hunderte kamen bereits im Kaiserreich aus den damaligen Kolonien. Als Darsteller der sogenannten „Völkerschauen“ oder um eine Ausbildung zu machen. In „Schwarz und deutsch“ erzählen Frauen und Männer aus vier Generationen ihre bewegenden, aufrüttelnden, stolzen Geschichten. Der Film verbindet sie zu einer Geschichte von Rassismus, Überleben und Selbstbehauptung.

Di., 31. Mai · 22:55-23:40 · 3sat
Im Visier: Neonazis planen den Umsturz

Laut Daten des Landeskriminalamts wurden im Jahr 2020 allein in Bayern 2305 rechtsextreme Straftaten in Bayern erfasst – fast zehn Prozent mehr als 2019. Wer sind die Täter? Der Film begibt sich auf die Spurensuche von Rechtsextremen, die im Zusammenhang mit terroristischen Anschlagsplänen stehen. Wie haben sich die Täter radikalisiert? Wie stark sind sie vernetzt? Und welche Strategien stecken dahinter? Zum stabilen Kern einer ideologisch geschlossenen Szene kommt eine wachsende Zahl an im Netz Radikalisierter, die dem Staat und der demokratischen Gesellschaft feindlich gegenüberstehen. Die Autoren heften sich an die Fersen staatlicher wie zivilgesellschaftlicher Ermittler und begleiten sie zu den Opfern, den Tatorten, zu Schießständen und in die Gerichtssäle. Auch das Umfeld der Rechtsextremen wird durchleuchtet, ihre Äußerungen in digitalen Hass-Communitys, in geheimen Chatgruppen. Stück um Stück setzt sich das Puzzle zusammen, ergibt sich ein klareres Bild über die Aktivitäten und Netzwerke der Neonaziszene.

Di., 31. Mai · 23:40-00:15 · 3sat
Radikale Christen – Mein Ausstieg aus der OCG (1/2)

Erstmals erzählen zwei Söhne über das Innenleben der Organischen Christus-Generation (OCG), einer Sekte im fundamentalistisch-christlichen Milieu mit Sympathien für Adolf Hitler. Begonnen hat er klein: Ivo Sasek gründet im außerrhodischen Walzenhausen eine kleine christliche Gemeinschaft mit dem Ziel, Randständigen und Familien zu helfen. Noch heute propagiert Sasek, er helfe Familien, doch die Realität ist eine andere. Wer sich nicht seiner Lehre unterwirft und eigene Wege gehen möchte, fällt unter das „Aussätzigen-Gesetz“: Aussteigende dürfen keinen Kontakt mehr zu anderen OCG-Anhängerinnen und -Anhängern haben, auch wenn das ihre eigene Familie betrifft. Erfahren mussten dies auch Ivo Saseks Söhne. Simon, David und Joschua Sasek: Alle drei sind ausgestiegen. In seinen Predigten verweist ihr Vater darauf, dass sie von dämonischen Mächten gefangen seien – „Infizierte“, und damit eine Bedrohung für die OCG. Warum die Söhne ausgestiegen sind, davon erzählt er wenig oder nur zu seinen Gunsten. In „Reporter“ schildern die Söhne, was sie bewegt hat, die Sekte ihres Vaters zu verlassen. Und sie decken auf, was ihr Vater seit Jahrzehnten bestreitet und als „Medienlüge“ bezeichnet: Sie wurden geschlagen und gezüchtigt, und wenn das alles nichts genützt hat, folgte eine Teufelsaustreibung. „Züchtigung heißt in der OCG: Mit einer etwa ein Meter langen Bambusrute werden gezielt Schläge gesetzt. Das war für uns völlig normal, und ich habe das schon als Zweijähriger erfahren. Es gehörte zur Erziehung“, erzählt Simon Sasek. Das letzte Mal gezüchtigt wurde er im Erwachsenalter, als er sich wagte, seinem Vater zu sagen, es sei ihm zu eng, er wolle mehr Freiheit. Daraufhin wurde ihm mit massiver Gewalt „der Teufel ausgetrieben“. Als Kinder wurden sie von ihrem Vater aufgefordert, „Mein Kampf“ von Adolf Hitler zu lesen. „Für ihn kommt das Buch gleich nach der Bibel“, sagt Simon Sasek. Ivo Sasek selbst sagt dazu, er identifiziere sich mit Hitlers Biografie, er würde heute von den Medien genauso gejagt und verteufelt wie damals Adolf Hitler. Mit seinem Internet-Kanal „KlaTV“ verschafft sich Ivo Sasek zunehmend Reichweite. Ein Sender, von OCG-Anhängerinnen und -Anhängern produziert und moderiert, der sich auf Verschwörungstheorien und umstrittene Personen und Ansichten spezialisiert hat. Die Coronakrise hat ihm zusätzlich Publikum beschert. Ängste werden geschürt, bestehende Strukturen in Zweifel gezogen, eine vermeintlich andere, wahre Sicht gezeigt. Sein Sohn dementiert: „Meinem Vater geht es nicht um Wahrheit, er will einzig und allein Reichweite gewinnen.“ Redaktionshinweis: 3sat zeigt „Radikale Christen – Die Sekte von Ivo Sasek“, den zweiten Teil der Reportage, am Dienstag, 7. Juni, um 23.50 Uhr.