Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. Mai 2022

Di., 3. Mai · 20:14-21:44 · arte
Zum Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 1945

Im August 1944 ging es im Westen Europas zu Ende für die Kunsthändler und -räuber, die Profiteure und Abgesandten des Reichsmarschalls Hermann Göring. Vier Jahre lang war Paris das Paradies des Kunst-, Kultur- und Antiquitätenhandels. Picassos, Rembrandts, Monets, alles, was aus jüdischen Häusern und Haushalten zu kriegen und zu stehlen war, war in den renommierten Auktionshäusern und Galerien auf dem Markt. Mit der Kapitulation des Generals von Choltitz und der Befreiung von Paris am 25. August 1944 konnte dem skrupellosen Handel ein Ende gesetzt werden. Im Osten Europas liefen während des Zweiten Weltkriegs die Vernichtungs-, Tötungs- und Beseitigungsmaschinerie von Wehrmacht, Gestapo und SS auf Hochtouren. Als im Februar 1943 die Wehrmacht bei Stalingrad, heute Wolgograd, kapituliert hatte, war den Verantwortlichen von SS und Wehrmacht klar, dass dieser Krieg verloren sei und dass früher oder später alle Untaten und Verbrechen ans Licht kommen würden. Das Geheimkommando 1005 wurde losgeschickt. Massengräber wurden geöffnet, die verwesenden Leichen der Ermordeten auf Scheiterhaufen verbrannt, die verbliebenen Knochen in Zerkleinerungsmaschinen zerbröselt. Und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau liefen die Gaskammern und Krematorien auf Hochtouren. Die Alliierten wussten, was da geschieht. Ihre Bomber erreichten Auschwitz, bombardierten aber nur den Industriekomplex von Auschwitz. Allein 438.000 Juden aus Ungarn wurden in diesen Monaten bis Oktober 1944 ermordet. Das Massensterben endete erst, als die Rote Armee vor der Tür stand.

Di., 3. Mai · 20:15-21:45 · arte
1944: Bomben auf Auschwitz?

Rudolf Vrba und Alfred Wetzler waren Lagerinsassen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Beide hatten durch ihre Funktionen detailliertes Wissen über die Mechanismen der Massenvernichtung: Wetzler musste als Lagerregistrar alle Besitztümer der Neuankömmlinge wie Kleidung oder Schmuck registrieren. Aus diesem Grund wusste er, wie viele Menschen täglich im Lager ankamen. Seine Deutschkenntnisse erlaubten ihm außerdem, Gesprächen der Wachmänner zu folgen. Wetzler und Vrba gelang die Flucht. Was sie dem slowakischen Judenrat aus dem deutschen Vernichtungslager berichteten, floss in einen detaillierten Report, der das Ausmaß der von den Nazis betriebenen „Endlösung“ verdeutlichte, später bekannt geworden als die „Auschwitz-Protokolle“. Ihr Bericht wurde dem von US-Präsident Roosevelt gegründeten War Refugee Board übermittelt: Zwischen den Alliierten entbrannte daraufhin eine heftige Debatte, wie sie den Massenmord in Auschwitz verhindern könnten. Aus dem Bericht war bekannt, dass sich die Nazis auf die Ermordung von 800.000 ungarischen Juden vorbereiteten. Es musste also gehandelt werden. Eine Option war, die neu gebaute Bahnlinie Kosice-Presov in Richtung Auschwitz zu bombardieren – oder das Lager selbst. Briten und Amerikaner hielten eine Bombardierung des Lagers für falsch. Alle verfügbaren Kräfte wurden für die Landung in der Normandie mobilisiert – dies sei der beste Weg, die Nazis zu schlagen und so die europäischen Juden zu retten. Für manche war das Versäumnis, Auschwitz zu bombardieren, moralische Feigheit. Andere hielten eine Bombardierung unter möglicher Inkaufnahme Tausender unschuldiger Toter für inakzeptabel.

Di., 3. Mai · 21:45-22:40 · arte
NS-Geheimkommando 1005 – Wie die Nazis ihre Gräuel vertuschten

Genauso akribisch wie sie ihre Massenmorde geplant und durchgeführt hatten, gingen die NS-Täter dabei vor, die Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen. Hatten sie beim Vormarsch in den Osten zunächst die Opfer ihrer Hinrichtungen einfach in Massengräbern verscharrt, so fürchteten sie – nachdem der Krieg für sie verloren schien und nach der Gegenoffensive der Roten Armee –, dass ihre Gräueltaten entdeckt würden. Wie systematisch die „Bürokraten der Massenmorde“ darangingen, ihre Spuren zu verwischen, und wie grausam und unmenschlich sie dabei vorgingen, ist bis heute ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Viele Angehörige der damals getöteten Juden, Sinti und Roma, der Partisanen oder einfachen Zivilisten warten bis heute auf eine Nachricht über den Verbleib ihrer Verwandten, hoffen noch immer zumindest auf eine würdige Gedenkstätte. Der Dokumentarfilm begleitet einerseits die französische Organisation Yahad-In Unum bei ihren Recherchen in der Ukraine und folgt andererseits dem Enkel eines der Täter bei den Nachforschungen über seinen Großvater, einen ehemaligen Angehörigen der SS. Beide sind im Raum Lemberg unterwegs. Die Rechercheure von Yahad-In Unum versuchen, Schauplätze von Massenerschießungen und noch lebende Augenzeugen zu finden. Dabei entstehen auch Porträts der Mitarbeiter um den Gründer und Inspirator, den französischen Priester Patrick Desbois. Der Hamburger Vertriebsleiter Rüdiger Schallock folgt den Spuren seines Großvaters, des SS-Untersturmführers Walter Schallock (1903-1974), dessen Taten bis heute als dunkler Schatten auf der Familie lastet. „Transgenerationelle Traumatisierung“ nennt das die Wissenschaft heute.

Di., 3. Mai · 23:30-01:00 · SWR
Kinder des Krieges

Im Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Noch leben Angehörige der Generation, die den Krieg miterlebte. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der näher rückenden Front flohen. Der Dokumentarfilm „Kinder des Krieges“ erzählt das Schicksalsjahr 1945 aus der Sicht der Kinder. Noch Wochen nach dem 8. Mai 1945 habe er sich in Panik auf die Erde geworfen, wenn irgendwo am Himmel ein Flugzeug erschien, berichtet Paul Diefenbach (damals 7 Jahre alt) aus Köln. Zeitzeugen des Jahres 1945 und ihre Erinnerungen stehen im Zentrum des Dokumentarfilms: „Kinder des Krieges“. Ihre Aussagen machen deutlich: Unser Bild vom Jahr 1945 ist rückblickend geschönt. Geschönt von der Vorstellung des nahen Kriegsendes. Geschönt von der Vorstellung, dass am 8. Mai 1945 aller Schrecken endete. Aus Sicht derjenigen, die damals Kinder waren, stellt sich das Jahr 1945 anders dar. Zwar ist das Ende des Krieges bereits im Januar 1945 absehbar, doch niemand kann sicher sein, dieses Ende auch zu erleben. Fast alle der für diesen Film interviewten Personen haben in diesem Jahr 1945 traumatische Erfahrungen gemacht: Sie haben Hinrichtungen und Selbstmorde mitangesehen, Bombenangriffe erlebt und Vergewaltigungen ertragen. Sie drohten zu verhungern. Sie haben beim Spielen in Ruinen mit Blindgängern gespielt und dabei ihr Leben riskiert. Sie haben gesehen, wie ihre Eltern sich der Parteiabzeichen, der Hitler-Bilder, der Hakenkreuzwimpel und Fahnen entledigten. Sie wurden vorgeschickt, um die ersten alliierten Soldaten zu begrüßen, während die Eltern ängstlich hinter den Gardinen lauerten. Zusammen mit ihren Eltern wurden sie durch die befreiten Konzentrationslager geschleust, um zu erkennen, welche Verbrechen in den Jahren des Nationalsozialismus geschehen waren. Nach dem Krieg haben viele über das Erlebte geschwiegen, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es sind unsere Mütter und Väter, unsere Großmütter und Großväter.

Di., 3. Mai · 23:35-00:35 · arte
Der Kunsthandel im besetzten Paris, 1940 – 1944

Unter der NS-Besatzung erlebte der Kunstmarkt in Frankreich einen unerhörten Boom. Zwischen 1940 und 1944 sollen etwa 100.000 Kunstwerke, Kunst- und Kulturgegenstände von Frankreich nach Deutschland gebracht worden sein. In langjähriger Arbeit hat die französische Autorin und Kunsthistorikerin Emmanuelle Polack diesem gigantischen kriminellen Kunsttransfer nachgespürt und neue Ergebnisse zutage gefördert. Ihre Indizien führen zu Galeristen, Sammlern, Händlern, Vertretern des NS-Regimes, Versteigerern, Konservatoren und einfachen Mittelsleuten. Den historischen Hintergrund bilden die von der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain erlassenen antisemitischen Gesetze, die im besetzten Frankreich galten und von den französischen Behörden durchgesetzt wurden. Tausende von Kunstwerken aus dem Besitz verfolgter und deportierter Juden wurden geraubt oder zu Spottpreisen erworben. Ein blinder Fleck des kollektiven Gedächtnisses, der an die aktuelle Restitutionsdebatte anknüpft. Erst 2020 begann der Louvre genauer zu überprüfen, welche Kunstwerke während der Okkupation vom Museum erworben wurden. In Deutschland wurden, ebenfalls 2020, drei Werke der Sammlung Dorville an die Familie von Armand Dorville zurückgegeben, aufgefunden bei Cornelius Gurlitt (1932-2014), dem Sohn und Erben von Hildebrand Gurlitt (1895-1956), der ab 1940 vor allem in Paris einer von Hitlers Haupteinkäufern für das geplante Führermuseum („Sonderauftrag Linz“) im damals zum Großdeutschen Reich gehörenden Linz gewesen war. Linz ist gut hundert Kilometer von Braunau am Inn entfernt, wo Adolf Hitler 1889 geboren wurde.

Mi., 4. Mai · 07:30-07:55 · ARD-alpha
Willi wills wissen: Was glaubt man, wenn man jüdisch ist?

In Deutschland leben ungefähr 105.000 Menschen jüdischen Glaubens. Willi will heute herausfinden, was es bedeutet, jüdisch zu sein und ist dazu in München unterwegs. In Deutschland leben ungefähr 105.000 Menschen jüdischen Glaubens. Willi will heute herausfinden, was es bedeutet, jüdisch zu sein und ist dazu in München unterwegs. Christen gehen zum Gottesdienst in die Kirche – Juden in die Synagoge. Rabbi Diskin zeigt Willi die Tora, das wichtigste Schriftstück im jüdischen Glauben. Die Tora ist aber kein Buch, sondern eine Rolle aus Pergament, die mit zwei Holzstäben bewegt wird. Willi staunt nicht schlecht: Jeder der 304805 hebräischen Buchstaben ist handgeschrieben! Wer die 613 Ge- und Verbote, die in der Tora enthalten sind, befolgt, hält sich auch an bestimmte Speisegesetze. Gegessen und getrunken werden darf nur, was koscher ist. Was das genau bedeutet, erfährt Willi im Supermarkt von Zeef. Auch Schokoriegel tragen ein „Koscher-Siegel“. Dann trifft Willi Charlotte Knobloch. Seit 7.6.2006 ist sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Von ihr erfährt der Reporter, wie viele Menschen jüdischen Glaubens während des Dritten Reiches ermordet wurden und wie sie diese Zeit erlebt hat. Einer der wichtigsten Tage im Leben eines Jungen jüdischen Glaubens ist der Tag seiner Bar Mitzwah. Bar Mitzwah bedeutet so viel wie „Sohn des Gebotes“. Ab der Bar Mitzwah, die in der Synagoge gefeiert wird, ist ein Junge im religiösen Sinn volljährig. Für den 13jährigen Kevin ist es heute soweit, und Willi darf dabei sein. Was Willi noch nicht wusste: Im jüdischen Glauben ist nicht der Sonntag, sondern der Samstag, der Tag, an dem nicht gearbeitet werden soll. Was am Sabbat passiert (oder eben nicht), erfährt Willi von Robby und seiner Familie.

Mi., 4. Mai · 14:00-14:45 · 3sat
Basare der Welt – Jerusalem

Jerusalem – Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37 000 Menschen in nach Religionen getrennten Vierteln auf knapp einem Quadratkilometer Fläche. Dazu kommen täglich Tausende Pilger, die sich auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion befinden. Konflikte sind vorprogrammiert. Die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Die Filmautorin Elke Werry zeigt Orte und Innenansichten, die den meisten Touristen verborgen bleiben. Sie porträtiert Händler der verschiedenen Viertel und ihren ungewöhnlichen Alltag. Sie besucht jahrhundertealte Marktgewölbe, in denen die Bewohner ihren Lebensmittelbedarf decken, die alte Metzgergasse „Souk Lahamin“ und eine palästinensische Bäckerei. Sie trifft einen armenischen Fotografen in seinem nostalgischen Laden mit hunderten Fotografien des alten Jerusalem und verweilt in Gässchen, in denen mit „heiligen“ Souvenirs gute Geschäfte gemacht werden. Sie macht Station in einer muslimischen Pilgerherberge, bei einem Judaica-Händler und in einem Friseurgeschäft, in dem Frauen aller Religionen für kurze Zeit ihren anstrengenden Alltag vergessen und miteinander ins Gespräch kommen.

Mi., 4. Mai · 22:45-01:45 · RBB
Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt

Berlin 1945 aus der Perspektive seiner Zeitgenossen: Hakenkreuz-Fahnen versinken im Trümmermeer um neuen Gedanken und Fahnen über den Köpfen Platz zu machen, während sich am Horizont die Teilung der Stadt abzeichnet. „Berlin 1945“ erzählt mit Archivmaterial aus den Blickwinkeln der Zeitgenossen, ohne sich über sie zu erheben, ein vielstimmiges, kollektives Tagebuch: Geschichte wird gegenwärtig. Berlin 1945: Die Stadt verwandelt sich erst in einen Kriegsschauplatz, dann in ein Trümmerfeld, in dem das letzte Aufgebot aus jungen Menschen sinnlos stirbt. Kurz darauf wird der Beginn einer neuen Zeit eingeleitet – mit Siegern und Besiegten. Deutsche und Alliierte, einfache Bürger, Soldaten, Journalisten, Politiker, Zwangsarbeiter, Untergetauchte, Verbrecher und Helden kommen zu Wort – ein vielstimmiges, kollektives Tagebuch. Erzählt wird aus den Blickwinkeln der Zeitgenossen, ohne sich über sie zu erheben, auf Augenhöhe, eine direkte Vergangenheitserfahrung. Und während sich das ganze Ausmaß der untergegangenen Diktatur erst langsam entblättert, zeichnet sich am Horizont schon eine neue Teilung ab. Zusammengesetzt aus Archivmaterial aller damaligen Akteure wird „Berlin 1945“ eine multiperspektivische, emotionale Seherfahrung: lebendige Geschichte. So haben es die Menschen gesehen und empfunden. Es sind Bilder, Töne, Eindrücke aus „ihrer“ Stadt. Die Vielstimmigkeit führt uns vor Augen, wie unterschiedlich die Erfahrungen waren, wie wenig man voneinander wusste, wie zerrissen die Menschen waren.

Do., 5. Mai · 06:35-07:20 · NDR
Unsere Geschichte – Suche nach Gerechtigkeit

Ein gigantischer Raubzug der Nationalsozialisten ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt: Der organisierte Kunstraub an jüdischen Familien, die aus Nazi-Deutschland zur Ausreise genötigt worden waren. Bis heute suchen Erben nach ihrem Eigentum, oft vergeblich. Dr. Kathrin Kleibl, norddeutsche Provenienzforscherin, widmet sich der Aufklärung dieses Verbrechens. NDR-Autorin Sophia Münder-Führing hat Kathrin Kleibl über ein Jahr mit der Kamera begleitet und eine spannende, zeitgeschichtliche Dokumentation für das NDR Fernsehen realisiert.

Do., 5. Mai · 23:00-23:45 · HR
Als Botschafter bei Hitler

Nach der Machtübernahme Hitlers beobachtet das Diplomatische Korps in Berlin, wie die neue Regierung den gesamten Staatsapparat unter ihre Kontrolle bringt. Die Botschafter berichten regelmäßig nach Hause. In ihren Berichten spiegeln sich Angst, Sorge und Abscheu wider, aber auch Faszination und Opportunismus. Manche Warnung, gerade auch vor der deutschen Aufrüstung, stößt auf taube Ohren. Im Juli 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, kommt William E. Dodd mit seiner Familie nach Berlin. Seine Ernennung zum Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika durch Präsident Roosevelt sorgt für allgemeine Überraschung. Als Historiker und Universitätsprofessor hat er keinerlei Erfahrung mit der Diplomatie und kennt nicht ihre sprachlichen Codes. In der französischen Botschaft beobachtet unterdessen der erfahrene Diplomat André François-Poncet bereits seit zwei Jahren den Aufstieg der NSDAP, deren Propaganda es zunehmend gelingt, ein krisengeschütteltes Volk für sich zu begeistern. Innerhalb weniger Monate bringen die Nationalsozialisten zwar den gesamten Staatsapparat unter ihre Kontrolle, in den diplomatischen Kreisen jedoch fühlen sie sich nicht recht wohl – abgesehen von ein paar wenigen, darunter Hermann Göring oder der Gestapo-Chef Rudolf Diels, die bald zu gern gesehenen Gästen bei den mondänen Botschafts-Diners werden. Hitler selber erscheint nur selten. Die zahlreichen Empfänge werden immer mehr zum Tummelplatz für Spione, zum Schauplatz für Intrigen, Liebeleien, Informationen. William E. Dodds Tochter Martha beginnt gar Affären mit SS-Männern und Sowjet-Attachés. Bis zum Kriegsausbruch 1939 beobachten die Diplomaten den Aufstieg der NS-Diktatur mit einer Mischung aus Angst, Sorge und Abscheu, aber auch Faszination und Opportunismus, und berichten in ihre Hauptstädte. Manche Warnung, gerade auch vor der deutschen Aufrüstung, stößt dort auf taube Ohren. Die Autoren Pierre-Olivier François und Jean-Marc Dreyfus haben geheime Botschaftsberichte, Tagebücher und Erinnerungen ausgewertet und konnten auch zahlreiche neue Quellen nutzen, darunter das Privatarchiv der Familie François-Poncet. „Als Botschafter bei Hitler“ liefert anhand eines facettenreichen Personentableaus eine ungewöhnliche Innenansicht des „Dritten Reichs“ und stellt aus einer neuen Perspektive die entscheidenden Fragen jener Jahre: „Wie konnte es dazu kommen? Hätte Hitler gestoppt werden können? Wie hat alles begonnen?“

Sa., 7. Mai · 07:00-07:30 · SWR
Planet Schule: Vater, Mutter, Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche 1/2

Anfang der 1930er Jahre geht es Deutschland wirtschaftlich schlecht. Millionen Menschen sind arbeitslos und leben in großer Not. Die politische Lage ist instabil. Als Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift, setzen viele Menschen große Hoffnung in ihn: So auch die Solinger Arbeiterin Ida Timmer, die mit ihren Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebt, der Wiener Felix Landau, der sich fanatisch zur Nazi-Ideologie bekennt, der Lehrer Wilm Hosenfeld aus Hessen, der für Deutschland in den Krieg ziehen will und die Hamburger Bürgerin Luise Solmitz, deren Mann jüdische Wurzeln hat.

Sa., 7. Mai · 16:30-17:00 · Das Erste (ARD)
Weltspiegel-Reportage: Israel – Hass, Liebe, Heimat – Glückssuche auf Jüdisch

Patrycja (28) und Eryk (24) haben Polen und ihrer Heimatstadt Wroclaw den Rücken gekehrt. Zunehmend hatten die beiden sich dort wegen des wachsenden Antisemitismus unwohl gefühlt. Auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität beginnen sie ein neues Leben in Tel Aviv: mit ganz neuen Herausforderungen – neue Sprache, neues Land, neue Jobs. Aber das junge Paar ist voller Tatendrang und Zuversicht, den Neustart zu schaffen. Dabei hilft ihnen auch ein enges Netzwerk aus anderen osteuropäischen Einwanderern. Jan (34) ist einer von ihren Freunden. Schon vor zehn Jahren kam er von Wroclaw nach Tel Aviv und besitzt mittlerweile die israelische Staatsangehörigkeit. Jan arbeitet als Fremdenführer in ganz Israel. Wie sieht er das Land seiner Träume nach der anfänglichen Euphorie? Über 4000 Kilometer westlich von Israel steht Eyal (25) auf der Bühne eines kleinen, dunklen Comedy-Clubs. Der israelische Ex-Soldat hat das Gelobte Land aus Frust über den Dauerkonflikt mit Palästina verlassen und versucht nun sein Glück als Stand-up Comedian in Berlin. Beliebtestes Thema für seine Witze: Deutsche, Juden, Nazis und der Holocaust. „Lachen ist eine Form der Therapie“, sagt der junge Israeli. Aber das allein sichert ihm nicht seinen Lebensunterhalt. Eyal jobbt im Falafel-Restaurant von Bashar (48), einem arabischen Israeli, der in Israel als Anwalt für Menschenrechte sehr erfolgreich war, bis er in Deutschland etwas Neues anfangen wollte. Der Araber und der Jude, in der Fremde finden sie ihre Gemeinsamkeiten. Die Liebe zu Falafel und Hummus ist eine davon.

So., 8. Mai · 07:30-08:15 · SWR
Tele-Akademie: Ahmad Mansour – Was es heißt solidarisch zu sein

Oft bleiben Solidaritätsaktionen nur kurzfristige Aktionen, deren Wirkung schnell wieder verpufft. Wie aber kann man solidarisches Handeln dauerhaft in einer Gesellschaft verankern? Empathie, so Ahmad Mansour, sei der Grundstein einer gesunden Gesellschaft, eines guten Umgangs miteinander und das beste Mittel gegen Hass. Der arabisch-israelische Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour engagiert sich gegen Fundamentalismus und Radikalisierung in der Gesellschaft. Er ist Geschäftsführer von „Mind Prevention“, der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismus-Prävention.

So., 8. Mai · 15:00-16:30 · One
Belle & Sebastian

Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) bei dem alten Schäfer César (Tchéky Karyo) lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peters (Andreas Pietschmann) verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll „Belle“. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden.

So., 8. Mai · 19:30-20:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Holocaust – Erinnern ohne Zeitzeugen

Wie kann das Wissen über den Holocaust weitervermittelt und niemals vergessen werden? 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Ende des Nazi-Regimes in Deutschland gibt es nur noch wenige Überlebende, die von dem Grauen in den Konzentrationslagern berichten können. Wie kann Erinnern gelingen, wenn die letzten Zeitzeug*innen verstorben sind? Als „Holocaust“ wird der Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden bezeichnet. Wie viele jüdische Menschen Opfer des Holocaust wurden, lässt sich nur schätzen: zwischen 5,6 und 6,3 Millionen. Damit so etwas nie wieder passiert, darf die systematische und organisierte Ermordung von Menschen niemals in Vergessenheit geraten. Doch wie kann die Erinnerung bewahrt werden? Vor allem, wenn die letzten Zeitzeug*innen nicht mehr da sind, um ihre Stimme mahnend zu erheben? Dieser Frage geht RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl nach. Dazu ist sie in die Oberpfalz in das ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg gefahren. Mit dem Leiter der KZ-Gedenkstätte, Jörg Skriebeleit, und Jugendlichen der evangelischen Jugend Weiden spricht sie darüber, wie mit neuen Wegen in der Museumspädagogik das Erinnern an einem historischen Ort auch künftig möglich sein kann. Wie können diese neuen, digitalen Wege des Erinnerns aussehen? Diese Frage stellt Verena Hampl auch Vertreter*innen von Yad Vashem. Yad Vashem in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt und wird jährlich von zwei Millionen Menschen besucht. Einen neuen Weg des Erinnerns sind der israelische Hightech-Millionär Mati Kochavi und seine Tochter Maya gegangen mit einem Instagram-Projekt 1944 wurde im deutschen Vernichtungslager Ausschwitz auch die 13-jährige Ungarin Eva Heymann ermordet. Nach ihrem Original-Tagebuch ist im letzten Jahr die Web-Serie „Eva Stories“ entstanden. Verena Hampl konnte dazu Macher*innen sprechen. Weitere Gesprächspartner*innen von Verena Hampl sind der KZ-Überlebende Ernst Grube sowie die Autorin Lena Gorelik.

So., 8. Mai · 23:40-01:35 · 3sat
Der Hauptmann

Ende des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Kurzerhand übernimmt er die ranghohe Bekleidung und die damit verbundene Rolle. Nach historischen Vorkommnissen zeichnet das stark stilisierte und in kontrastreichem Schwarz-Weiß gefilmte Drama die mysteriöse Selbstermächtigung des Anführers als mörderische Köpenickiade.

Mo., 9. Mai · 14:15-16:30 · arte
Nylons und Zigaretten

1944, Normandie: In sogenannten „Cigarette Camps“ der US-Army werden junge Französinnen darauf vorbereitet, zu ihren neuen Ehemännern in die USA auszuwandern. Jeannette, Marie-Thérèse und Mireille sind drei solche Frauen: Sie sind mit GIs verheiratet, die sie kaum kennen, und stehen kurz vor der Überfahrt über den Atlantik. Just am Tag der Abreise erhält Jeannette die Nachricht vom Unfalltod ihres Ehemannes, den die Army aber so aussehen lassen will, als sei er heldenhaft im Gefecht gestorben. Sie muss ihre beiden Freundinnen ziehen lassen und bleibt mit ihren Eltern auf deren Bauernhof zurück. Marie-Thérèse und Mireille berichten der Freundin in Briefen von ihren Erlebnissen in den USA, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Mireille lebt mit ihrem jüdischen Mann in Brooklyn, die Pariserin scheint dort ihr Glück gefunden zu haben. Marie-Thérèse und ihren fünfjährigen Sohn Philippe hingegen verschlägt es auf eine Farm in Alabama. Ihr amerikanischer Mann ist durch seine Kriegserlebnisse stark traumatisiert. Immer häufiger verschwindet er und kehrt erst nach Tagen oder Wochen völlig betrunken zurück. Unterdessen wird Jeannette ihre Heimat Frankreich zunehmend fremd: Von den Männern im Dorf argwöhnisch als Soldatenfrau und Hure beschimpft, entschließt sie sich, vom Sterbegeld ihres Ehemannes die Reise in die USA anzutreten. Es wird eine Reise ins Ungewisse …

Mo., 9. Mai · 20:15-22:05 · arte
Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Max Baumstein, Präsident der humanitären Hilfsorganisation „Solidarité Internationale“, begeht in Paris ein spektakuläres Attentat: Bei einem Treffen mit dem Botschafter Paraguays wirft er diesem vor, 1933 unter dem Namen Ruppert von Leggaert Mitglied der Deutschen Botschaft in Paris gewesen zu sein und Beziehungen zu einer jungen Frau namens Elsa Wiener gehabt zu haben. Als der Diplomat das zögernd bejaht, zieht Baumstein eine Pistole und erschießt ihn. Danach stellt er sich der Polizei. In der Untersuchungshaft vertraut Baumstein seiner fassungslosen Frau Lina an, warum er den Botschafter getötet hat. Im anschließenden Prozess erfährt Lina Baumstein das ganze Ausmaß der furchtbaren Erlebnisse, die 1933 in der Kindheit ihres Mannes in Berlin begannen: Dort bekam der junge Max den Terror der an die Macht gekommenen Nazis grausam zu spüren, bevor sich das Ehepaar Wiener des misshandelten jüdischen Jungen annahm. Elsa Wiener suchte bald darauf mit Max Zuflucht in Paris. Bevor ihr Mann Michel seinen Verlag verkaufen konnte, um ihnen ins Exil zu folgen, wurde er jedoch von den Nazis ins KZ deportiert. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, musste seine Frau als Sängerin in einem Cabaret auftreten. Dort sah Ruppert von Leggaert sie und nutzte Elsas Angst um ihren Mann schamlos aus … Das alles erfährt Lina Baumstein während der Gerichtsverhandlung – und sie erfährt auch, dass sie das Ebenbild jener unglücklichen Elsa Wiener ist.
Bild oben: © CCC Filmkunst/Elephant Production/Films A2 S.A. (TF1) Der junge Max Baumstein (Wendelin Werner) wird von den Wieners aufgenommen und baut eine innige Beziehung zu Elsa Wiener (Romy Schneider) auf.

Mo., 9. Mai · 20:15-21:45 · One
Elser

Georg Elser hätte beinahe die Welt verändert: 1939 wagt er einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler, der nur knapp misslingt. Beim Versuch, in die Schweiz zu fliehen, wird Elser festgenommen. Es folgen tagelange Verhöre und schwere Folter. Nach fünf Jahren Haft in den KZs Sachsenhausen und Dachau wird Elser hingerichtet. In Rückblenden behandelt der Film das frühere Leben Elsers, seine Liebe zu Elsa, seine Sprachlosigkeit angesichts der Verhaftung seines Freundes und der öffentlichen Demütigung einer Frau, die mit einem Juden eine Beziehung hat. Die Einsicht, dass er etwas tun muss. Minuziös plant Elser den Anschlag auf die NS-Führung.

Mo., 9. Mai · 22:00-22:45 · BR
Lebenslinien: Christian Stückl – Meine große Passion

Der Film „Christian Stückl – meine große Passion“ aus der Sendereihe Lebenslinien, bietet einen tiefen Einblick in das Leben des preisgekrönten Vollblut-Theatermenschen Christian Stückl. Er ist seit knapp 20 Jahren Intendant des Münchner Volkstheaters und seit 1987 Spielleiter der Passsionsspiele in Oberammergau. Er wird als „Theaterviech“ und als „Besessener“ bezeichnet. Sicher ist: Christian Stückl polarisiert. Geboren 1961 in Oberammergau, macht er zunächst eine Lehre als Holzbildhauer. Dann wendet er sich dem Theater zu und feiert dort schnell Erfolge. Er inszeniert an allen wichtigen Bühnen Deutschlands, in Wien, bei den Salzburger Festspielen und bekommt Preise für „gelungene Integrationsarbeit“ und „Verdienste für das Judentum“. Dabei ist er immer hin- und hergerissen zwischen Stadt und Land. Er pendelt jeden Tag von München in seinen Heimatort. Denn am wohlsten fühlt er sich in Oberammergau. Hier leben seine Eltern und seine engsten Freunde. Seit 2015 zählt auch Raouf aus Afghanistan dazu. Denn als im September 2015 viele tausend Flüchtende nach Europa kommen, stellt sich auch Christian Stückl die Frage nach der eigenen Verantwortung. Im Passionsspielhaus lernt er während der Probearbeiten den unbegleiteten Minderjährigen Raouf aus Afghanistan kennen. Aus dieser Begegnung wächst tiefe Freundschaft und in Christian Stückl eine Fürsorgepflicht. Schule, Wohnung, Lehrstelle – er unterstützt Raouf, wo er kann. Heute gehört Raouf mit zur Familie. Die Erfahrungen aus 2015 spürt man auch in der diesjährigen Inszenierung der Passionsspiele. Denn Christian Stückl hat den sozialen Aspekt Jesus‘ und die Integration in den Fokus gerückt.

Di., 10. Mai · 23:30-00:00 · BR
nachtlinie: Von der Geschichte des Judentums, Gast: Michael Wolffsohn

Mit Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben, die aus ihrem bewegten und bewegenden Leben erzählen, möchten wir diesen Moment erleben – in einer Situation, in der man die Gedanken auf eine besondere Weise schweifen lassen kann: in einer Trambahn, die uns durch das Herz einer Stadt führt.

Mi., 11. Mai · 23:00-00:25 · WDR
Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene

Unsere Kinder wachsen in einer Welt auf, die immer stärker von Extremen bestimmt wird: der Kampf um Demokratie auf der einen Seite, der Ruf nach nationaler Abschottung auf der anderen. „Kleine Germanen“ erzählt in einer Kombination aus Dokumentar- und Animationsfilm von Kindern, die tagtäglich dazu erzogen werden, das vermeintlich Fremde zu hassen. Wie fühlt es sich an, in einer Welt aufzuwachsen, in der die nationale Identität über allem steht? Der Film erzählt unter anderem die dramatische Geschichte der kleinen Elsa, die sich als Erwachsene von der rechtsradikalen Szene lösen kann, in die sie hineinerzogen wurde. Als Kind hat Elsa mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit dem ausgestreckten rechten Arm hat sie „Für Führer, Volk und Vaterland!“ gerufen. Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war, und versucht zu verstehen, was die Erziehung in einem rechtsradikalen Umfeld aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat. Ausgehend von dieser authentischen Geschichte gewährt „Kleine Germanen“ in einer spannenden Verbindung aus Animations- und Dokumentarfilm Einblicke in die Strukturen rechtsextremer Familien verschiedenster Ausprägung. Wir erleben mit, was es heißt, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen und tagtäglich dazu erzogen zu werden, das vermeintlich Fremde zu hassen. Wie ist es, in einer Welt aufzuwachsen, in der der Stolz auf die nationale Identität über allem steht? Und was wird aus diesen „kleinen Germanen“, wenn sie später einmal groß sind? Das Schicksal von Elsa und ihren eigenen Kindern ist nur ein Beispiel von vielen. Elsa gelingt zwar der Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene, aber ihre Entscheidung hat dramatische Folgen. „Kleine Germanen“ blickt über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil unserer Mittelstandsgesellschaft, der immer stärker von rechtspopulistischen Strömungen unterspült wird, und konfrontiert den Betrachter mit den Protagonisten einer Ideologie, die ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen.

Do., 12. Mai · 22:55-23:55 · 3sat
Eine Familie unterm Hakenkreuz

Hunderte von Briefen, über neun Stunden bislang unveröffentlichtes privates Filmmaterial und unzählige Fotos dokumentieren die außergewöhnliche Geschichte von Helmut und Erna. Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich der Doktorand Helmut und die Medizinstudentin Erna 1929 kennenlernen. Sie schauen voller Zuversicht in die Zukunft. Doch dann erfährt Erna von einem lang gehüteten Familiengeheimnis: Sie ist Halbjüdin. Trotz nationaler Gesinnung heiratet Helmut seine Freundin, die beiden bekommen drei Kinder. Nach und nach wird das Leben im nationalsozialistischen Deutschland für die Familie jedoch immer schwerer. Helmut sieht nur noch eine Chance: Durch seine Bewährung als Soldat an der vordersten Kriegsfront will er seine „Sippenschande“ tilgen und seiner Familie ein weiteres Leben in Deutschland ermöglichen. Er zieht als Arzt in den Krieg und wird im Russlandfeldzug eingesetzt. Von der Wehrmacht mehrfach für Tapferkeit ausgezeichnet, stirbt Helmut nur vier Tage nach Verleihung des „Eisernen Kreuzes 1. Klasse“ 1942 in der Schlacht bei Charkow. Das scheinbar Unmögliche, die Rettung seiner jüdischen Familie, gelingt ihm posthum. Erna und die drei Söhne werden nach seinem Tod als „deutschblütig“ erklärt und überleben den Nationalsozialismus.

Fr., 13. Mai · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Ich und die anderen: Plötzlich ist man wer – Neonazi

Felix ist jung, klug, kommt aus gesicherten Verhältnissen und – er war jahrelang aktiver Neonazi. Heute will er verhindern, dass andere den gleichen Weg einschlagen und leistet politische Aufklärungsarbeit. Auch Heidi, Benedikt, Gunnar und Klaus waren als Jugendliche in der Neonaziszene. Musik, Propaganda und Gewalt spielten bei ihrem Einstieg eine wichtige Rolle. Wer nicht in das Weltbild passte, wurde diskriminiert und bedroht. Die Gruppe gab den Mitgliedern das Gefühl dazuzugehören, wichtig zu sein. Nach strikten Vorgaben wurde zwischen Freund und Feind unterschieden; für Zweifel war wenig Raum. Der Film begleitet ehemalige Neonazis, die es geschafft haben, aus der Szene auszusteigen. Dafür mussten sie ihr bisheriges Leben ganz aufgeben, manche von ihnen leben heute in Schutzprogrammen. Ihre Gesichter wurden daher im Film anonymisiert. In Form von Graphic Novels und über Interviews erzählt der Film ihre Geschichten.

Fr., 13. Mai · 20:15-21:00 · HR
Israel – hip und heilig

Tel Aviv: die Stadt, die niemals schläft, das New York des nahen Ostens – unbändige Lebensfreude, offen, tolerant und verdammt laut. Auch nicht wirklich leise geht es in Jerusalem zu – drei Weltreligionen auf engstem Raum, hier wird Gott überall und immer gefeiert. Ein bisschen Ruhe gibt’s am Toten Meer, wie lange noch steht in den Sternen, das einzigartige Naturwunder verschwindet jedes Jahr ein bisschen mehr. Kulinarisch ist Israel ein absolutes Highlight. Die israelische Küche ist so vielfältig wie die Israelis selbst. Filmautorin Natascha Rhein und Kameramann Steffen Heyermann erleben Israel in sieben Tagen auf eigene Faust – eine Reise zum Miterleben und Nachreisen.

Fr., 13. Mai · 22:30-23:00 · ARD-alpha
alpha-retro: Jesus oder Jeschua? (1990)

Zur ersten Inszenierung des jungen, damals noch nicht Kette-rauchenden Christian Stückl im Jahr 1990 gab es im Vorfeld einen Film mit dem Titel „Jesus oder Jeschua?“, in dem die jüdischen Religionswissenschaftler Ruth und Pinchas Lapide mit Christian Stückl und Otto Huber über einzelne Stellen im Passionstext diskutieren. Und dann wird gezeigt, wie Stückl das in seiner ersten Inszenierung umzusetzen versucht. Die Judasgasse in Oberammergau: Ruth und Pinchas Lapide sind auf dem Weg zu Christian Stückl und Otto Huber, um mit ihnen über die kommenden Passionsspiele zu diskutieren. 1990 inszenierte Christian Stückl als Achtundzwanzigjähriger zum ersten Mal die Passionsspiele in Oberammergau. In den Jahren davor hatte es viel Streit gegeben und mit der Wahl von Christian Stückl wagte man in Oberammergau einen Neuanfang. Stückl und sein Dramaturg Otto Huber hatten angekündigt, antisemitische oder auch nur antisemitisch klingende Passagen aus dem Passionsspieltext von Daisenberger, der noch aus dem 19. Jahrhundert stammte, zu entfernen. Dazu holten sie sich Rat von Pinchas Lapide, dem berühmten jüdischen Religionswissenschaftler und dessen Frau Ruth Lapide, ebenfalls Religionswissenschaftlerin. Pinchas Lapide hatte u.a. das zweibändige Werk „Ist die Bibel richtig übersetzt“ geschrieben und diskutierte nun zusammen mit seiner Frau im Winter 1989/90 mit Stückl und Huber über einzelne Textstellen und will mithelfen einen Mittelweg zu finden zwischen den „Rigoristen“ in Oberammergau, die alles beim Alten lassen wollen, und den Rigoristen auf jüdischer Seite, die die Passionsspiele in Oberammergau wegen dieses alten Textes verdammen. Eine zentrale Frage, die Pinchas Lapide daher in diesem Zusammenhang stellt, lautete: „Warum muss die Jesus-Liebe im Neuen Testament – und in Oberammergau – immer mit dem Judenhass zu einem bibelwidrigen Zweiergespann zusammengejocht werden?… Warum beschuldigt Ihr die Juden nicht endlich einmal, Jesus hervorgebracht zu haben? Anstatt ihnen vorzuwerfen, ihn umgebracht zu haben, was falsch ist.“ Es geht in diesen Gesprächen allen vieren um Versöhnung: Die Brücke, die sie dabei damals gebaut haben, wurde später weiter ausgebaut und trägt bis in die Gegenwart.

Sa., 14. Mai · 05:00-05:55 · arte
Kirk Douglas, der Unzähmbare

50 Jahre Filmkarriere in weniger als einer Stunde widerzuspiegeln, ist eine große Herausforderung. Kirk Douglas (1916-2020) spielte in mehr als 90 Filmen mit und war einer der letzten Stars des Goldenen Zeitalters von Hollywood. Er gehörte zu den wandlungsfähigsten Darstellern im Filmgeschäft: vom raubeinigen Westernheld über zerbrechliche Figuren bis hin zum unermüdlichen Kämpfer. Und doch war ihm eine Karriere als Schauspieler nicht unbedingt vorherbestimmt: Als Sohn jüdischer Emigranten wuchs Douglas in einem New Yorker Armenviertel auf und wurde schon im frühen Alter mit Antisemitismus konfrontiert. Doch mit seinem außergewöhnlichen Talent, viel Ehrgeiz und etwas Glück konnte der Junge aus bettelarmen Verhältnissen zur Filmlegende aufsteigen. Tatsächlich war es die nicht minder bekannte Lauren Bacall, eine ehemalige Studienfreundin, die ihm zu seiner ersten Filmrolle verhalf. Ihre Freundschaft hielt nicht zuletzt, weil die bereits etablierte Schauspielerin den noch damaligen Broadway-Darsteller Kirk Douglas dem Produzenten Hal Wallis empfahl. So ließ Douglas die Theaterbretter hinter sich und ging nach Hollywood, um seinen ersten Film „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ zu drehen. Der große Durchbruch gelang Kirk mit der Rolle des rücksichtslosen Boxers in „Zwischen Frauen und Seilen“. In den folgenden Jahren arbeitete das Ausnahmetalent mit großen Regisseuren wie Billy Wilder, Howard Hawks, Otto Preminger und Elia Kazan. Die Dokumentation begibt sich auf die Reise zu den wichtigsten Stationen der langen Karriere von Kirk Douglas. Dabei streift sie sämtliche Meilensteine der Geschichte Hollywoods.

Sa., 14. Mai · 18:00-18:15 · MDR
3 Blocks

Mascha ist Jüdin. Als sie Anfang der 1990er Jahre als Kontingentflüchtling aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kommt, steht sie in einem Land, das sie aus Schuld aufgenommen hat. Infrastruktur zur Integration der ehemaligen UdSSR Bürger gibt es nicht. Sie erlebt Ausgrenzung, Rassismus und hat das Gefühl, einfach nicht dazu zu gehören. Sie besucht die Schule, ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Sie wird dort ausgelacht und verspottet. Es dauert viele Jahre, bis sie erste Freundschaften mit deutschen Kindern aufbauen kann. Einer der wenigen Orte, den sie anlaufen kann und an dem sie sich wohl und aufgenommen fühlt, ist für Mascha von Anfang an die jüdische Gemeinde in Magdeburg. Hier lernt sie ihre Kultur, das Judentum, besser kennen. Sie findet Freunde, fährt auf Ferienreisen und plötzlich füllt das “jüdisch sein” einen Platz in ihrem Leben aus, der vorher unbesetzt war. So gelingt es ihr, in Deutschland anzukommen. Das offene Bekenntnis zu ihrem Glauben ist aber immer auch mit Gefahr und Bedrohung verbunden: Antisemitismus hat es in diesem Land immer gegeben und ist bis heute ein großes gesellschaftliches Problem. Das hält Mascha nicht davon ab, auch heute noch das jüdische Zusammenleben in Magdeburg aktiv zu gestalten. Sie arbeitet für die Gemeinde und steckt all ihr Herzblut in die Arbeit mit der jungen Generation von Juden und Jüdinnen, um sie an ihren Glauben, die Bräuche und die Kultur heranzuführen. Marcus Urban aus Weimar, der erste deutsche Fußballer aus dem Profibereich, der sich geoutet hat. Van Pham aus Chemnitz, die für mehr Sichtbarkeit der Deutsch-Vietnamesischen Community und gegen anti-asiatischen Rassismus kämpft. Konrad Erben aus Jena, der als schwarzer Junge im Umfeld des NSU groß geworden ist und jahrelang Gedenkveranstaltungen für die NSU Opfer organisiert hat. Mahmoud Aljawabra, der nach traumatischen Erlebnissen im Syrien Krieg geflüchtet ist und sich jetzt mit unglaublichem Fleiß und Ehrgeiz einen Kindheitstraum in Leipzig erfüllt: Zahntechniker zu werden. Diese und viele andere Menschen hat Clarissa Corrêa da Silva getroffen. In der neunteiligen Serie “3 Blocks” erzählt sie in jeder Folge die außergewöhnliche Geschichte eines Menschen und geht mit ihm zu den drei Orten, die für ihn am prägendsten waren. „3 Blocks“ das sind 3 Orte in Mitteldeutschland, die nicht einfach nur Kulisse sind, sondern die für den jeweiligen Menschen eine sehr persönliche und besondere Bedeutung haben.

So., 15. Mai · 20:15-22:30 · arte
Die Blechtrommel

Agnes, Tochter einer Bäuerin aus der Kaschubei, heiratet den Rheinländer Alfred Matzerath und betreibt mit ihm einen Kolonialwarenladen im Danziger Vorort Langfuhr. Doch Alfred ist nicht der einzige Mann in ihrem Leben: Sie schenkt ihre Gunst auch ihrem Vetter Jan Bronski. Als der kleine Oskar Matzerath im Spätsommer 1924 geboren wird, kommen beide Männer für die Vaterschaft in Betracht. Der frühreife Oskar ist von Geburt an ein ungewöhnlicher Junge: Als er drei Jahre alt wird, schenkt ihm seine Mutter eine weiß-rote Trommel, die über Jahre hinweg zu Oskars engstem Begleiter wird. Das Treiben der Erwachsenen missfällt ihm derart, dass er an besagtem Geburtstag beschließt, von Stund an keinen Fingerbreit mehr zu wachsen. Ein arrangierter Sturz von der Kellertreppe liefert dafür die vermeintliche Erklärung. Ganz unerklärlich bleibt dagegen Oskars bald darauf entdeckte Fähigkeit, mit der bloßen Kraft seiner Stimme Glas zum Zerspringen zu bringen. Schreiend und trommelnd betätigt Oskar sich fortan als Störenfried in der ungeliebten Welt spießig-gefährlicher Erwachsener: Der höhnische Zwerg bringt Nazi-Aufmärsche durcheinander und seine beiden mutmaßlichen Väter ins Grab …

So., 15. Mai · 23:30-00:30 · MDR
Die Katastrophe vor Gericht – Der Eichmann-Prozess

Adolf Eichmann gilt als Organisator des Holocaust. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte er lange unbehelligt in Argentinien. Doch im Mai 1960 entführte der israelische Geheimdienst Mossad den ehemaligen SS-Obersturmbannführer und brachte ihn nach Israel. Dort begann am 11. April 1961 der Jahrhundertprozess gegen Adolf Eichmann. Am 11. April 1961 begann in Israel der Jahrhundertprozess gegen Adolf Eichmann. Der Prozess erregte internationale Aufmerksamkeit. In allen Teilen der Welt wurde über das Verfahren berichtet. Der Chefankläger Gideon Hausner ließ im Prozess das Leben der Juden in Europa am Vorabend des NS-Regimes bis zur schrittweisen Ausgrenzung und gezielten Vernichtung darlegen, um die Dimension der Verbrechen Adolf Eichmanns deutlich zu machen. Als Zeugen vor Gericht kamen dabei erstmals Holocaustüberlebende zu Wort und schilderten vor der ganzen Welt die schrecklichen Verbrechen in der NS-Zeit. Die meisten Zeugen hatten bis dahin über ihre Vergangenheit geschwiegen, deshalb trafen ihre Berichte über Mord, Folter und Totschlag die Prozessbeobachter völlig unvorbereitet. Welche Auswirkungen hatte der Prozess auf den jungen Staat Israel und die BRD? Und wie veränderte die Offenlegung der NS-Verbrechen das Verhältnis zwischen beiden Staaten? Aus erster Hand können Gabriel Bach und Michael Goldmann-Gilead über den Prozess und den Mensch Adolf Eichmann berichten. Gabriel Bach war der stellvertretende Ankläger gegen Adolf Eichmann und so unmittelbar am Prozessgeschehen beteiligt. Michael Goldmann-Gilead war damals der persönliche Referent des Chefanklägers Gideon Hausner und einer der Polizeioffiziere, die Eichmann ab seiner Gefangennahme bis zur Hinrichtung begleiteten. Eine Analyse über die Folgen des Prozesses und sein Nachwirken bis heute geben die Historiker Mirjam Zadoff, Tom Segev und Michael Wolffsohn.

Kommentar verfassen