Der Mandolinist Avi Avital

Die Mandoline mögen gefühlt sehr viele Menschen, weil ihre Klänge mit angenehmen Assoziationen verbunden werden. Gespielt wird sie bereits seit vielen Jahrhunderten und ihre Koryphäen standen und stehen auch noch lange nach ihrem Ableben in hohem Ansehen. Von einem Meister der Mandoline, der die ehrwürdige Tradition fortsetzt, soll hier berichtet werden, vom Israeli Avi Avital. Der zeigt auf eindrucksvolle Weise, was man alles, wenn man es denn vermag, aus diesem Instrument herausholen kann.

Von Robert Schlickewitz

Es ist erstaunlich, oder auch nicht, je nachdem, dass sich derart viele Maler, ja, Kunstmaler, Künstler, der Mandoline angenommen und sie in ihre Kompositionen einfügt haben.

Wer in Deutschland-West als Babyboomer aufgewachsen ist, kam kaum an den schier allerorts ausliegenden Reproduktionen des fröhlichen Mandolinenspielers des Niederländers Franz Hals vorbei. Europäische Malerkollegen ohne Zahl gingen diesem Barockkünstler sujetmäßig entweder voraus oder beeilten sich ihm nachzueifern, und das derart, dass es heute nicht schwer fiele, eine beachtliche Ausstellung allein mit dem Motiv Mandoline zu füllen. Einige der bekannteren dieser Maler sollen ruhig erwähnt werden: Rosso Fiorentino, Corot, Anselm Feuerbach, Renoir, Berthe Morisot, Gauguin, Édouard Bisson, Charles-Amable Lenoir, Matisse, Picasso, Georges Braques, Juan Gris.

War es allein der Klang der Mandoline, der die Maler inspirierte? – Nein, die Virtuosität ihrer Spieler und die äußere, gefällige, eine Menge Gedankenverbindungen zulassende Form des Instruments dürften gleichfalls verantwortlich gewesen sein.

Während die Gemälde von den Mandolinistinnen und Mandolinisten, sowie die Stilleben mit Mandoline immer noch vorhanden sind, gingen Laut und Schall, die berühmte Virtuosen einst ihren Instrumenten zu entlocken vermochten, meist unwiederbringlich verloren. Lediglich Berichte von Zeitgenossen, die sie einst in Begeisterung versetzten, blieben der Nachwelt erhalten. Wir möchten in Anerkennung einige von ihnen aufzählen, ehe wir uns Avi Avital und seiner Kunst zuwenden.

Luigi Castellacci, Italien, 1797-1845
Giuseppe Branzoli, Italien, 1835-1909
Serafino Alassio, Italien, 1836-1915
Pietro Armanini, Italien, 1844-1895
Raffaele Calace, Italien, 1863-1934
Hiruma Keupachi, Japan, 1864-1936
Giuseppe Pettine, Italien, 1874-1966
Bernardo de Pace, Italien, 1881-1966
Silvio Ranieri, Italien, 1882-1956
Mario de Pietro, Italien, 1896-1945
Dave Apollon, Ukraine/USA, 1898-1972
Luperce Miranda, Brasilien, 1904-1977
Bill Monroe, Kentucky, 1911-1996
Giuseppe Aneda, Sardinien, 1912-1997
Jacob de Bandolim, Brasilien, 1918-1969
Al Viola, New York, 1919-2007
Peter Ostroushko, Minnesota, 1953-2021

Avi Avital wurde am 19. Oktober 1978 in der Wüstenstadt Be’er Scheva geboren, der Hauptstadt des Negev, die in Israel in etwa in Landesmitte, manche sagen auch „im Süden“, liegt. Aus dieser relativ großen Stadt, die in Teilen über 6000 Jahre alt ist, gingen vor Avital noch die Sängerin Yehudith Ravitz und die vor nicht langem verstorbene Regisseurin/Schauspielerin Ronit Elkabetz hervor.

Wie in vielen israelischen Orten gab es auch in Be’er Scheva ein eigenes Mandolinenorchester. Dessen Leiter brachte Avi Avital, der bereits als Kind Mandoline gespielt hatte, das Aufbauwissen für die Beherrschung des Instruments bei.

Aufgrund der offensichtlichen Begabung des jungen Musikers wurden ihm gegenüber im Militärdienst gewisse Rücksichten genommen und er durfte als Soldat sein Musikstudium in Jerusalem aufnehmen. Danach ging er zur Ergänzung seiner Ausbildung noch nach Mailand und nach Padua, wo er seine Technik und sein Können perfektionierte.

Ab dem Jahr 2006 ergab sich für Avital eine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Avner Dorman, wobei beide danach strebten, musikalische Elemente des südöstlichen Mittelmeerraumes, des Nahen Ostens, mit jenen Osteuropas in Einklang zu bringen.

Vier Jahre später gab Avi Avital bereits vielbeachtete Konzerte in Italien, Deutschland sowie in den USA und er arbeitete mit den renommiertesten Musikern der ganzen Welt zusammen, darunter mit dem aus Argentinien stammenden Klezmerklarinettisten Giora Feidman und dem französischen Jazzmusiker Richard Galliano.

Nach seiner Grammy-Nominierung 2011 bekam Avital Einladungen zu Konzerten von überall her. Er trat in der Folge u.a. in Peking ebenso auf wie in Australien, und dies jeweils an den herausragendsten Konzerthäusern.

Zu den Musikrichtungen des israelischen Meistermandolinisten zählen Barockmusik, zeitgenössische Klassik, Weltmusik, Klezmer, Balkanfolklore und Jazz.

Avi Avital ist Träger internationaler Auszeichnungen und Preise.

Internetquellen:

https://www.aviavital.com/
https://www.bzbasel.ch/kultur/basel/kammerorchester-basel-avi-avital-und-die-mandoline-in-der-klassik-ld.2148455
https://www.sueddeutsche.de/kultur/auftakt-avi-avital-1.2758161
https://www.jpost.com/Arts-and-Culture/Music/A-major-milestone
https://www.mandolincafe.com/news/publish/mandolins_001302.shtml
https://en.wikipedia.org/wiki/Avi_Avital
https://www.klassikakzente.de/avi-avital/biografie
https://www.deutschegrammophon.com/de/kuenstler/avi-avital
https://www.concerti.de/kuenstler/avi-avital/

Interviews mit Avi Avital:

Die Musik von Avi Avital:

Bild oben: Screenshot Youtube