Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. Dezember 2021…

Mi., 1. Dez · 01:55-02:50 · arte
Josephine Baker, Ikone der Befreiung

Hundert Jahre vor Beyoncé lebte Josephine Baker. Sie wuchs in armen Verhältnissen in Missouri auf, wurde in Frankreich zur berühmten Tänzerin und Sängerin, setzte sich im Zweiten Weltkrieg an der Seite von General de Gaulle für die Résistance ein und adoptierte zwölf Kinder aus verschiedenen Teilen der Welt. Ihr Leben klingt wie ein Roman. Doch das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit und sich damit zu begnügen, würde ihr nicht gerecht. Wer Josephine Baker wirklich verstehen will, muss ihre Ursprünge kennen. Ihr unstillbares Verlangen, alles zu verändern, ist einer Kindheit geschuldet, in der Gewalt und harscher Rassismus Alltag waren. Als Josephine Baker zur Welt kam, lag die Sklaverei erst 40 Jahre zurück. Im Mittleren Westen der USA, wo Baker aufwuchs, wurden Schwarze immer noch behandelt wie Menschen zweiter Klasse. Sie wohnten in Elendsvierteln und wurden regelmäßig von Weißen angegriffen, die den Ausgang des Bürgerkriegs nicht verkraften konnten. Aus dieser Situation floh Josephine Baker. Doch jedes Mal, wenn sie in ihre Heimat zurückkehrte, holten sie Hass und Rassismus wieder ein. Ihre USA-Reisen waren leidvolle Erfahrungen, die sie nachhaltig prägten. Fortan und bis ans Ende ihres Lebens nutzte Josephine Baker ihre Berühmtheit, um für ihre Ideale zu kämpfen. Die Dokumentation zeigt die Entwicklung von der Tänzerin im Bananenröckchen zur politischen Figur, die 1963 beim Marsch auf Washington als einzige Frau an der Seite Martin Luther Kings das Wort ergriff. Es ist die Geschichte des politischen Erwachens des ersten schwarzen Superstars.

Mi., 1. Dez · 09:20-10:50 · arte
Hitler und Stalin – Porträt einer Feindschaft

Sie begegneten einander nie und blieben doch aufeinander fixiert: Hitler und Stalin. Die Todfeindschaft ihrer Systeme riss alles Bestehende aus den Fugen. Zum ersten Mal unternimmt ein Dokumentarfilm den Versuch eines Doppelporträts. Erzählt wird von einem Nahkampf über Tausende von Kilometern hinweg, den die Soldaten beider Armeen vom 22. Juni 1941 an auf den Schlachtfeldern austragen mussten. Am Beispiel der Kämpfe um Moskau, Leningrad, Stalingrad und Berlin wird dokumentarisches Material in eine überraschende Korrespondenz gebracht – als fände ein unmittelbarer Zweikampf statt. Die Erzählweise steigert Aktion und Reaktion beider Diktatoren zu einem psychologischen Polit-Drama. Der Dokumentarfilm liefert neue Einsichten in alte Fragestellungen: Wie werden Menschen zu Diktatoren? Was machte die Ähnlichkeit und was den Unterschied zwischen beiden Herrschern und Systemen aus? Wie umlauerten, belogen sie einander? Durch Parallelmontage von zum Teil unveröffentlichten Archivfilmen und aktuellen Aufnahmen der einstigen Originalschauplätze entsteht ein bedrängendes Bild: Hitler und Stalin waren entgegengesetzte Pole in dem Geist, den sie predigten, aber Brüder im Blut. Deutschland und die Sowjetunion wurden unter ihrer Herrschaft zu personenkultischen Terrorregimes. Der Film bleibt dicht an den Protagonisten, geht ihrem Programm und ihrer Paranoia nach und blickt auf Phänomene, die das 20. Jahrhundert erschütterten, völlig veränderten und bis in unser 21. Jahrhundert nachwirken.

Mi., 1. Dez · 23:30-00:15 · BR
kinokino Extra: Plan A – Die jüdischen Rächer

Die BR-Koproduktion „Plan A“ ist ein Kinothriller über moralische Fragen der Rache und Vergebung, denen sich Holocaust-Überlebende nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellen mussten. „kinokino Extra: Plan A“ stellt den Film, der auf Tatsachen basiert, vor, blickt auf die historischen Hintergründe und lässt die Zeitzeugen über den tödlichen Rache-Plan sprechen. „Plan A“ – die BR-Koproduktion wird ein Kinothriller über große moralische Fragen, über Rache und Vergebung, angesiedelt direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, als jüdische Holocaust-Überlebende in Deutschland einen geheimen Plan schmieden, mit dem Ziel, das Trinkwasser in den Großstädten Hamburg, Frankfurt am Main, München und Nürnberg zu vergiften. Das historische Drama mit August Diehl in der Hauptrolle basiert auf einer wahren Geschichte und wurde vom israelischen Brüderpaar Doron und Yoav Paz inszeniert, das selbst aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden stammt. Sie fragen sich: „Jemand ermordet Deine Familie. Was tust Du? Wirst Du selber Rache üben und auch morden? Oder rächst Du Dich, indem Du ein Land demokratisch aufbaust, Schulen errichtest und Kinder bekommst. Wie entscheidest du Dich?“ „kinokino Extra: Plan A“ begleitet die Dreharbeiten, die unter anderem im oberfränkischen Marktredwitz stattfanden, spricht mit Darstellenden und den Regisseuren, blickt aber auch auf die tatsächlichen historischen Fakten, die hinter der Geschichte der Rache-Brigade Nakam stehen. Dazu spricht „kinokino“-Autorin Antje Harries mit der Expertin Prof. Dina Porat, der Chefhistorikerin von Yad Vashem, der internationalen Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem und zeigt Interviews von Nakam-Mitgliedern, die die Paz-Brüder zur Vorbereitung auf ihren Film gedreht haben.

Mi., 1. Dez · 23:45-01:05 · RBB
Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde

Marthe Cohn war Chichinette: In den Kriegswirren entscheidet sie sich 1945 als Spionin der Alliierten in Nazi-Deutschland ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Ihre Mission gelingt, doch dann redet sie fast 60 Jahre lang mit fast niemandem über ihre Heldentaten. Heute, im Alter von 101, bereist sie mit großem Eifer die Welt, um ihre Geschichte mit der jungen Generation zu teilen. Marthe Cohn ist eine kleine, alte Dame – und tourt wie ein Rockstar durch die ganze Welt. Eine Frau mit Charakter, Humor und viel Energie. Schnell verstehen wir, warum sie damals „Chichinette“ (Kleine Nervensäge) genannt wurde. Ihre Vorträge sind unterhaltsam und gespickt mit Pointen. Mit Schlagfertigkeit und Charme fesselt sie ihr Publikum – und mit ihrer unglaublichen Lebensgeschichte: Marthe Hoffnung, eine französische Jüdin aus Metz, die im Krieg ihren Verlobten und ihre Schwester verlor und 1945 entschied, als Spionin für die Alliierten in Nazi-Deutschland ihr Leben aufs Spiel zu setzen und für das baldige Ende des Krieges zu kämpfen. Dann sprach sie fast 60 Jahre nicht über ihre unglaubliche Geschichte. „Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde“ von Nicola Alice Hens erzählt in atmosphärischen, teils animierten Bildern einen beeindruckenden Lebensweg und beobachtet Marthe heute, wie sie mit der liebevollen Unterstützung ihres Mannes Major die Welt bereist, um mit großem Eifer ihre Geschichte mit der jungen Generation zu teilen. Denn sie weiß: Viel Zeit bleibt ihr nicht mehr.

Do., 2. Dez · 22:55-23:40 · HR
Der Tempelberg in Jerusalem

Nirgendwo sonst sind Religion, Geschichte und Gegenwart so dramatisch miteinander verflochten wie hier: Der Tempelberg in Jerusalem, mythischer Ort der Menschheitsgeschichte, heiliger Ort für Juden, Christen und Muslime. Geliebt und umkämpft, Brennpunkt des Nahost-Konflikts. Der Tempelberg ist der wichtigste Ort des Judentums und zugleich der drittheiligste Ort für Muslime. Erbittert wird darum gestritten, wer welche Ansprüche auf diesen Ort hat. Archäologen könnten zumindest helfen, religiöse Legende von verbürgter Geschichte, historischen Fakten trennen. Sie fürchten, dass Israel aus der biblischen jüdischen Vergangenheit des Ortes politische, religiöse und territoriale Ansprüche für die Gegenwart und die Zukunft ableitet. So wird jeder Stein, jeder Zugang bewacht und kontrolliert. Das Gelände umfasst nur 14 ha, aber er ist zugleich der größte unbekannte antike Ort des Landes, meint der israelische Archäologe Ronny Reich. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die Al-Aqsa-Moschee und die Klagemauer, Reste jüdischer Tempel unter Schichten muslimischer Bebauung. Simone Jung fragt alle Seiten: den Großmufti von Jerusalem und den streng gläubigen orthodoxen Juden Jehuda Glick, den israelischen Archäologen Gaby Barkai und den palästinensischen Nazmi Jubeh. Sie besucht mit ihnen die heiligsten Stätten der Juden und der Muslime. Religiöse, politische und historische Deutungen prallen aufeinander. Klar wird: Der Berg ist nicht nur ein historisches und archäologisches Rätsel. Er ist immer wieder ein aktueller, politischer Stein des Anstoßes. Aber kommt es wirklich darauf an, wer zuerst da war? Mit dem Blick auf die Geheimnisse des Tempelbergs stellt der Film eine grundlegende historische Frage von höchster aktueller Brisanz – nicht nur für den Nahostkonflikt: Gibt es ein Verfallsdatum für Geschichte? Eine ganz eigene Antwort gibt im Film der israelische jüdische Tourguide Eran Tzidkijahu, der den Islam studierte, weil er ihn besser verstehen wollte: „Für die einen ist es immer nur der Tempelberg, für die anderen immer nur Al Aqsa. Gibt es etwas dazwischen?“ So fragt er sich heute und hat das Gefühl, auf einer noch lang andauernden Reise der Erkenntnis zu sein. Der Autorin gelingt eine optisch opulente und dennoch analytische Annäherung an einen geheimnisvollen Ort, der die ganze Welt in Atem hält.

Fr., 3. Dez · 00:00-01:30 · SWR
Aidas Geheimnisse

Was wäre, wenn alles, was dir über deine Vergangenheit erzählt wurde, gelogen wäre? Wenn dein Verständnis von Familie und Religion auf den Kopf gestellt würde? Was, wenn deine engsten Angehörigen die Wahrheit kennen und sie dein ganzes Leben lang vor dir verborgen haben? „Aidas Geheimnisse“ erzählt von Familiengeheimnissen, die sieben Jahrzehnte umfassen und die in detektivischer Spurensuche nach und nach aufgedeckt werden. Eine tief berührende Geschichte über die Suche nach der eigenen Identität, wie man sie sich für ein Spielfilmdrehbuch kaum besser hätte ausdenken können. Izak Szewelewicz kommt 1945 im Lager Bergen-Belsen zur Welt, wo nach Kriegsende heimatlose Zivilpersonen, sogenannte Displaced Persons, vorübergehend untergebracht wurden. Er wird als Nachkriegswaise zur Adoption nach Israel geschickt. Im Alter von zehn Jahren erfährt er erstmals von einem Schulfreund, was alle in seinem Umfeld zu wissen scheinen: Seine Eltern sind nicht seine leiblichen Eltern, er wurde als Kleinkind von ihnen adoptiert. Izak forscht nun auf eigene Faust weiter und findet heraus, dass seine leibliche Mutter Aida in Kanada lebt. Als er 13 ist, fährt er zu ihr. Zwischen den beiden entwickelt sich ein enges Verhältnis, aber Aida möchte nicht über die Vergangenheit sprechen. Jahrzehntelang belässt es Izak es dabei. Viel später, mit 68 Jahren, setzt sich Izak noch einmal intensiv mit seiner Herkunft auseinander und deckt mit Hilfe seiner Familie weitere Familiengeheimnisse auf, die sein Leben verändern sollten.

Sa., 4. Dez · 00:50-02:20 · arte
Misha und die Wölfe

Anfang der 1990er Jahre brach Misha Defonseca ein 50-jähriges Schweigen. Sie begann in einer jüdischen Gemeinde von ihren schlimmen Erlebnissen als junges Mädchen während des Holocaust zu erzählen: Ihrer Identität beraubt und im Haus einer katholischen Familie versteckt, beschloss sie zu fliehen. Misha lief quer durch Europa nach Osten, aß Insekten und freundete sich mit Wölfen an. Sie flüchtete vor den Nazis und lebte allein auf der Suche nach ihren verstoßenen Eltern. Verlegerin Jane Daniel hörte davon und überredete Misha, ihre Geschichte aufzuschreiben. Noch bevor das Buch geschrieben war, begann der Presserummel. Disney kaufte die Filmrechte und die Übersetzungsrechte wurden weltweit verkauft. Als das Buch fertig war, meldete sich Oprah’s Book Club. Ihre Beteiligung garantierte einen internationalen Bestseller. Doch Misha wurde plötzlich unkooperativ und weigerte sich, an der Livesendung teilzunehmen. Das war erst der Anfang einer dreijährigen Fehde zwischen Verlegerin Jane und Misha, die vor Gericht endete. Jane wurde beschuldigt, das Urheberrecht gestohlen und Tantiemen zurückgehalten zu haben. Die Geschworenen sahen eine Holocaust-Überlebende, der Unrecht getan wurde, und sprachen Jane in allen Anklagepunkten schuldig. Bemüht darum, ihren Ruf wiederherzustellen, nahm sie die Recherchen ihres Anwalts wieder auf und fand Belege, die die wahre Identität Mishas aufzeigten. Wenn sie in dem Punkt ihrer Herkunft gelogen hat, was könnte an ihrer Geschichte sonst noch unwahr sein?

Sa., 4. Dez · 01:10-01:55 · ZDF
Das dunkle Erbe – Nazis im deutschen Fußball

Kaum ein Sportereignis hat die Deutschen so bewegt wie das „Wunder von Bern“, der WM-Titel 1954. Doch auf dem Erfolg lastet ein dunkles Erbe: der Schatten der NS-Zeit. Eine „Stunde null“ hat es nach 1945 im deutschen Fußball nie gegeben. Beim Deutschen Fußballbund und seinen Vereinen wirkten auch Jahre nach dem Krieg noch immer ehemalige Nazi-Sportfunktionäre, frühere SS-Leute und NSDAP-Parteikader, oft in führenden Positionen. Wie Peco Bauwens, der erste Nachkriegspräsident des DFB. Auf der Siegesfeier nach dem WM-Triumph 1954 führt er den Titel in nationalistischem Überschwang auf die Wahrung des „Führerprinzips“ zurück. An seiner Seite hat er noch immer DFB-Funktionäre mit NSDAP-Vergangenheit, er fördert ihre Karrieren und hält auch nach 1945 alte Beziehungen aufrecht. ZDF-Recherchen decken jetzt auf, wie Bauwens auch persönlich in verbrecherische Abgründe des NS-Regimes geriet. Als Mitinhaber eines Baugeschäfts in Köln profitierte er von der Ausbeutung von KZ-Häftlingen, die unterirdische Anlagen für die deutsche Rüstungswirtschaft errichten mussten. Andere Fußballidole bereicherten sich an jüdischem Eigentum, wie Fritz Szepan von Schalke 04 oder Rudolf Gramlich von Eintracht Frankfurt. Beide konnten ihre Karrieren nach dem Krieg nahtlos fortsetzen, wirkten als hochgeachtete Vereinsfunktionäre. Dabei war damals bekannt, dass Gramlich im Krieg einer SS-Einheit angehörte, die in Kriegsverbrechen verstrickt war. Das Hamburger Fußball-Idol „Tull“ Harder verdingte sich sogar als Wachmann im KZ Neuengamme und leitete später ein „Außenlager“ in Hannover-Ahlem. Neue Erkenntnisse zeigen, dass auch beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München braune Flecken auf der scheinbar weißen Weste zu finden sind. Selbstdarstellungen des Vereins, die von einem „Judenklub“ sprechen, der von den Nazis geschmäht und angeblich verfolgt wurde, entpuppen sich als Legende. Der Aufstieg des Klubs in den 1960er-Jahren ist auch Männern mit NS-Vergangenheit zu verdanken. „ZDF-History“ dokumentiert die personelle und politische Kontinuität im deutschen Fußball, in Vereinen und beim Verband. Auf der Grundlage von unveröffentlichten Dokumenten, Zeitzeugenaussagen und Analysen wird das dunkelste Kapitel in der Nachkriegsgeschichte des deutschen Fußballs neu aufgearbeitet.

Sa., 4. Dez · 02:20-02:50 · MDR
Masel Tov Cocktail

Dima ist Jude. Das wäre nicht der Rede wert, wenn nicht alle ständig darüber reden würden. Als ihn sein Klassenkamerad Tobi mit einem ziemlich schlechten Witz über das Schicksal der Juden in Deutschland provoziert, haut Dima ihm eine rein. Es folgen: Schulverweis und die Auflage einer Entschuldigung. Auf dem Weg zu ihm trifft er Menschen, die alle eine Haltung zum Judentum haben. Dima, 16, ist Sohn russischer Einwanderer, Schüler am Gymnasium und er ist Jude. Das wäre nicht der Rede wert, wenn nicht alle ständig darüber reden würden. So auch sein Klassenkamerad Tobi, der ihn in eines Tages in der Toilette mit einem ziemlich schlechten Witz über das Schicksal der Juden in Deutschland provoziert. Dima könnte darüber hinweg gehen, aber dazu hat er keine Lust – und so schlägt er Tobi. Dies hat einen Schulverweis zur Folge, verbunden mit der Auflage, sich bei Tobi zu entschuldigen. Sein Weg zu ihm wird zu einem rasanten Roadtrip durch die Stadt und durch eine Vielzahl von Begegnungen mit Menschen, die alle eine Haltung haben zu den Jüdinnen und Juden, zum Judentum und zu dem, was sie für erwähnenswert halten. Vom naiven Philosemitismus über Ignoranz, Zionismus bis zum Antisemitismus erlebt Dima wie im Zeitraffer, was in Deutschland zum Judentum gedacht und laut oder leise gesagt wird. Am Ende trifft er an unerwarteter Stelle wieder auf Tobi und erneut reden sie über Juden. Diesmal könnte alles gut werden.

Sa., 4. Dez · 05:15-06:00 · PHOENIX
mein ausland: Sarajevo – Das Jerusalem Europas

Es sind vier Menschen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: eine Muslima, ein orthodoxer Christ, ein Katholik und ein Jude. Alle vier stammen aus Sarajevo und leben dort nicht nur nebeneinander, sondern auch wirklich miteinander. Wie schafft es die Stadt auf dem Balkan, diese Menschen zusammenzubringen? Wie gelingt es, dass an diesem Ort die Menschen trotz ihres unterschiedlichen Glaubens friedlich bleiben? Wer das erste Mal nach Sarajevo kommt, den beeindruckt vor allem die topographische Lage der Stadt zwischen langgezogenen üppig-grünen Berghängen, eingeschmiegt ins Tal des Flusses Miljacka. Noch faszinierender aber: In Sarajevo existieren seit Jahrhunderten vier Religionen. Es gibt 90 Moscheen, 20 Kirchen und drei Synagogen auf engstem Raum. Leben und leben lassen das große Geheimnis der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas? Ist der Zusammenhalt in Gefahr? Nur ein paar Kilometer von Sarajevo entfernt beginnt das Gebiet der Republika Srpska. Regelmäßig drohen die bosnischen Serben mit einem Referendum und der Abspaltung ihres Landesteiles. Hier lebt man noch immer in der Vergangenheit, sieht eine Teilung Bosnien-Herzegowinas als unvermeidlich an. Aber auch muslimische Fundamentalisten sind auf dem Vormarsch. Sichtbares Zeichen: die von Saudi-Arabien finanzierte neue König Fahd Moschee. Mit ihr wuchs auch der Einfluss des Islam auf die Politik. Länder wie Saudi-Arabien oder die Türkei haben in Bosnien und Herzegowina hunderte Millionen Euro investiert. Geld, das man im muslimischen Teil gerne angenommen hat, denn die Arbeitslosigkeit liegt noch immer bei mehr als 20 Prozent. Doch inzwischen wachsen auch bei den Bosniaken die Zweifel, ob diese religiös motivierten Investitionen dem Zusammenhalt im Land nicht mehr schaden als nutzen. Das Filmteam trifft vier Einwohner Sarajevos, von denen jeder für sich eine ganz eigene Erklärung hat, warum das Zusammenleben der Religionen und der drei Ethnien trotz aller Spannungen um sie herum funktioniert.

Sa., 4. Dez · 17:20-17:53 · RBB
Unser Leben: Chanukka auf Russisch – 30 Jahre jüdische Zuwanderung

Ohne sie gäbe es viele jüdische Gemeinden bei uns nicht mehr: Kontingentflüchtlinge aus den ehemaligen Sowjetrepubliken haben sie vor 30 Jahren belebt und bereichert. Auch die jüdische Gemeinde in Potsdam. Aber kleine Renten und Altersarmut machen den Zugewanderten das Leben schwer. Ihre Kinder suchen oft nach ihrer eigenen Haltung zu ihren jüdischen Wurzeln. Wie steht es um Religion und Tradition rund um das Chanukka-Fest?

So., 5. Dez · 13:30-13:45 · 3sat
Erlebnisreisen: #lookslike – Realität vs. Instagram – Tel Aviv

Tel Aviv ist die zweitgrößte Stadt Israels. Sie gilt als die liberalste und internationalste Stadt des Landes, die kulinarische Szene sogar als eine der kreativsten der Welt. Hier findet Jana Forkel so ziemlich alles, was man sich im Urlaub wünscht, und vergleicht in „#lookslike“ die Realität mit den Bildern von Instagram: Sandstrand, traditionelle Märkte, extrem gutes Essen und 300 Sonnentage im Jahr. Wer sich dann noch für die Bauhaus-Architektur interessiert – der hat mit Tel Aviv den perfekten Urlaubsort gefunden.

So., 5. Dez · 22:15-23:45 · ZDF
Vienna Blood – Vor der Dunkelheit

Ein Mönch wird in einem Klostergarten zu Tode gesteinigt. Oskar Rheinhardt ermittelt, während aufkeimender Fremdenhass sich in den Straßen Wiens breitmacht. Schnell führt die Spur zu Clara Weiss: Isaak, der Bruder ihres Verlobten Jonas Korngold, hatte den Pater wegen dessen antisemitischer Aufstachelungen öffentlich angegriffen und sogar gedroht, ihn zu töten. Als Oskar Rheinhardt Isaak festnehmen lässt, wird Max Liebermann in die Ermittlungen gezogen. Dieser ist immer noch zerrissen zwischen der Loyalität gegenüber seiner Gemeinde und seiner Familie und der weiterhin schlummernden Schuldgefühle Clara gegenüber. Der Skandal macht in Wien die Runde, und die Familienbank Korngold ist ruiniert. Max gerät unter Druck und ist dankbar für die Unterstützung von Amelia Lydgate und deren Vorgesetzten, Professor Priel. Versucht jemand, die jüdische Gemeinde sowie die Korngold-Familie bewusst zu diskreditieren? Die der Öffentlichkeit verschlossenen Pforten des Klosters spielen den Ermittlungen ebenso wenig in die Karten wie von Bülows andauernde Anfeindungen gegen Oskar. Oskar scheinen die Hände gebunden, dennoch muss er hinter das Geheimnis der Mönche kommen. So entsinnt das Ermittlerduo einmal mehr einen unkonventionellen Plan, um die Mauer des Schweigens zu durchbrechen.

Di., 7. Dez · 05:15-06:15 · 3sat
Leverkusener Jazztage: Avishai Cohen

Wo auch immer Avishai Cohen bei Konzerten steht, ist das Zentrum der Bühne. Der Israeli wird vom „Bassplayer Magazine“ unter den 100 einflussreichsten Bassisten des 20. Jahrhunderts geführt. Er ist Kontrabassist, Sänger, Komponist, Bandleader und Arrangeur. Wenn Cohen live loslegt, ist er mit seiner Version des Modern Jazz, in der sich zeitgenössischer Jazz und die musikalischen Traditionen des Nahen Ostens beherzt einhaken, stets Impulsgeber. Variabel, gelenkig, quicklebendig und in jedem Takt mit einem ganz speziellen Drive ausgestattet ist das Spiel des Kontrabassisten – ganz gleich, er im Trio-Verbund oder mit einer Big Band im Rücken auftritt.

Di., 7. Dez · 19:40-20:15 · arte
Re: Auswandern nach Deutschland? Londons jüdische Gemeinde und der Brexit

Die gebürtige Britin Pippa Goldschmidt nahm vor kurzem die deutsche Staatsangehörigkeit an und zog nach Frankfurt am Main. Zum Unmut vieler Freunde und Familienmitglieder. Denn Pippa ist die Enkelin eines geflüchteten deutschen Juden. Obwohl ihr Großvater Ernst Goldschmidt im Ersten Weltkrieg für Deutschland in den Schützengräben an der Somme kämpfte, musste er Jahre später in seiner Heimat um sein Leben fürchten. Zuflucht vor den Nazis fand er in Großbritannien. Heute sichert Deutschland den Nachfahren geflüchteter Juden das Recht auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu. Gab es vor dem Brexit-Referendum etwa 40 solcher Anträge pro Jahr, wuchs ihre Zahl mittlerweile auf über 1.500 an. Pippa Goldschmidt verließ Anfang 2020 London, um sich in Deutschland auf die Spuren ihres Großvaters zu begeben. Auch Janet Lew hat für sich und ihre Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt. Während Tochter Annie und Sohn Saul nach dem Brexit die Vorteile eines EU-Passes sehen, ist das Thema für Janets Mutter Eva ein überaus emotionales. Eva ist gebürtige Berlinerin und entkam dem NS-Regime durch ihre Flucht nach England. Der deutschen Kultur ist sie nach wie vor stark verbunden: Auch heute noch bewahrt sie beispielsweise deutsche Kuchenrezepte auf. Weil die deutsche Kultur zu Hause immer lebendig war, fühlt sich Tochter Janet Deutschland näher als Großbritannien. Dennoch kann ihre Mutter Eva nicht verstehen, dass ihre Tochter und ihre Enkel wieder deutsche Staatsbürger werden wollen. „Re:“ über einen generationenübergreifenden Identitätskonflikt.

Di., 7. Dez · 23:35-00:35 · BR
Zeuge der Zeit: Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dokumentarfilmern und Fernsehmachern der Nachkriegszeit. In diesem Interviewfilm blickt der 1921 als Sohn einer jüdischen Familie in Wien geborene Jahrhundert-Zeitzeuge auf sein bewegtes Leben zurück. Es heißt, er habe um die 2000 Interviews geführt. Mit außergewöhnlichen Menschen – Ikonen gleich: Mit Edith Piaf, Josephine Baker oder Konrad Adenauer. Mit Pablo Picasso, Marlene Dietrich oder Woody Allen. Die Liste ist lang und liest sich wie ein Who‘s who der letzten 70 Jahre. Um die 170 Filme hat er gemacht und viele Bücher geschrieben. Aber was fand er über sich selbst heraus? Über den Mann, der sich als Kind der 1920er Jahre als waschechten Wiener empfand. Der dann fliehen musste, weil er Jude war. Durch großes Glück konnte Georg Stefan Troller in die USA emigrieren. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kehrte er als US-Soldat nach Europa zurück. Der einst Verfolgte wurde zum Befreier. Trollers Talent, Fragen zu stellen, kommt erstmals in seiner Zeit als Soldat in München zum Vorschein – zunächst beim Verhören von Kriegsgefangenen. Dann aber wird der junge GI als Reporter beim Sender der Alliierten eingesetzt: bei Radio München, dem Vorläufer des Bayerischen Rundfunks. In seiner darauf folgenden Karriere als Dokumentarfilmer, Autor und Fernsehmacher hat er TV-Geschichte geschrieben. Wie wird man zu dem, der man später ist? In welche Richtung lassen Schicksalsschläge oder Entscheidungen den Kern eines Menschen reifen? Woran zerbricht man? Woran nicht? Journalistenkoryphäe Georg Stefan Troller hat sich von diesen Fragen stets treiben lassen. Fragen, die er an sich selbst und an das Leben hatte. Nur: Er stellte sie lieber anderen: „Man war froh, dass man durch diese Befragung anderer Menschen seine Selbstbefragung objektiviert hatte. Es gab mir die Chance mich selber in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Lösungen als meine Möglichkeiten zu übernehmen. Nie durfte dergleichen in einer Redaktion mitgeteilt werden. Aber das war das geheime Drehbuch.“ In diesem einstündigen Interviewfilm lässt Georg Stefan Troller einen Blick wie durch ein Schlüsselloch in sein Innerstes zu. Ehrlich, reflektiert und humorvoll zeigt er sich als der, der er in 100 Jahren Leben wurde: ein weltgewandter Weltenwandler.

Mi., 8. Dez · 00:35-01:55 · BR
ZUM 100. GEBURTSTAG VON GEORG STEFAN TROLLER – Selbstbeschreibung

Der gebürtige Wiener Georg Stefan Troller zählt zu den Reporterlegenden der Nachkriegszeit und ist einer der bedeutendsten Dokumentarfilmer unserer Zeit. In „Selbstbeschreibung“ stellte sich der damals 80-Jährige seiner Vergangenheit und befragte den Wiener Schauspieler Alexander Pschill, der dafür die Rolle von Trollers jugendlichem Alter Ego übernahm – ein Selbstgespräch mit verteilten Rollen, eine faszinierende Rückschau auf ein bewegtes Leben und eine Selbstabrechnung, teils ernst, teils komisch, meist beides zusammen. Wie wurde man, was man geworden ist? Gab es eine Folgerichtigkeit, gar eine Unvermeidlichkeit? War der eigene Lebensweg vorbestimmt, oder hätte alles auch ganz anders kommen können, mit etwas mehr Glück oder vielleicht Pech? Fragen, die jeden Menschen ab einem bestimmten Alter bewegen und zum Nachdenken zwingen. In dem Doku-Spiel „Selbstbeschreibung“ stellt sich der damals 80-jährige Filmemacher und Journalist Georg Stefan Troller diesen Fragen. Besser gesagt: Er stellt sie seinem jugendlichen Selbst, einem hübschen, ein wenig unverschämten jungen Mann im Wien der 1930er-Jahre und im Paris der 40er- und 50er-Jahre, wohin es ihn nach Flucht, Emigration und Krieg verschlagen hat. Und sein jugendliches Alter Ego – gespielt von dem Wiener Schauspieler Alexander Pschill („71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“) – stellt seinerseits dem alten Fernsehmann Fragen und provoziert ihn: Hat Troller seine jugendlichen Ambitionen erfüllt oder nicht? Durch die fiktiven Gespräche, die an Originalschauplätzen gedreht wurden, zieht sich als Konstante die Geschichte der Liebe zu einem jungen Mädchen. „Selbstbeschreibung“ ist als Film nicht nur eine Rückschau und ein Selbstgespräch mit verteilten Rollen, sondern auch eine Selbstabrechnung, teils ernst, teils komisch, meist beides zusammen. Einmontiert sind kurze Zitate aus Trollers Filmen aus fast 40 Jahren. Georg Stefan Troller wurde 1921 in Wien geboren. Im Alter von 16 musste der spätere Journalist wegen seiner jüdischen Herkunft das Land verlassen und emigrierte nach Frankreich, von wo aus er 1941 in die USA flüchtete und dort 1943 in die US-Army eingezogen wurde. Nach Kriegsende kehrte Troller nach Österreich zurück, verließ das Land jedoch wieder, um 1946 bis 1949 Germanistik und Theaterwissenschaft an der University of California sowie an der Sorbonne in Paris zu studieren. Ab 1949 arbeitet Troller in der französischen Hauptstadt als Rundfunkreporter für deutsche Sender sowie von 1962 bis 1971 als Autor des legendären „Pariser Journals“. Im Anschluss wurde er Sonderkorrespondent des ZDF in Paris und begann die berühmte Reihe seiner „Personenbeschreibungen“ mit über 70 Folgen. Neben zahlreichen großen Dokumentarfilmen über Arthur Rimbaud, Peter Handke, Muhammad Ali und Karl Kraus, schrieb Troller Drehbücher für Axel Corti. Auch seine zwischen 1998 und 2001 entstandene sechsteilige Reihe „Hollywood Profile“ sorgte für Aufsehen, als Troller auf gewohnt persönliche Weise Stars wie Kirk Douglas porträtierte. Zu den vielen Ehrungen, mit denen er ausgezeichnet wurde, gehören u.a. der Adolf-Grimme-Preis und das „Bundesverdienstkreuz 1. Klasse“. Über sein Doku-Spiel „Selbstbeschreibung“ sagt Troller: „…ich mich mit meiner eigenen Kindheit und Jugend auseinander … . Ich wollte, wie es meinem Alter zusteht, eine Art Generalabrechnung mit mir selbst machen: Wie wurde man, was man geworden ist? … Kann ich mir irgendetwas darauf einbilden, was ich geworden bin, oder hat dieser Junge – mein eigenes jugendliches Ich Recht, indem er mich in diesem Film laufend angreift als jemanden, der seine Versprechen nicht erfüllt hat? Ich empfinde das schon als eine Art Abschlussarbeit: Das ist das, was ich zu meinem 80. Geburtstag zu sagen habe.“

Mi., 8. Dez · 01:55-03:25 · BR
Zum 100. Geburtstag von Georg Stefan Troller: Unter Deutschen – Eindrücke aus einem fremden Land

Regisseur Georg Stefan Troller geht in dem Dokumentarfilm „Unter Deutschen – Eindrücke aus einem fremden Land“ der Frage nach: Was ist nach der Wiedervereinigung eigentlich deutsche Identität? Was ist nach der Wiedervereinigung deutsche Identität? Kein Thema beschäftigt die Deutschen so sehr wie dieses. Troller inspizierte ein Jahr lang deutsche Befindlichkeiten in Städten und Dörfern, auf dem Karneval und dem Oktoberfest. Er begegnet Arbeitern, Künstlern und feinen Leuten, nimmt an einer ökumenischen Tiermesse teil, spricht mit Kaminfegern, Prostituierten, Autorasern, Pennern, schlagenden Studenten, Neonazis … Auch Deutschlands geistige Elite tritt auf, von Grass bis Heiner Müller, von Doris Dörrie bis Reich-Ranicki. Und immer wieder werden unbequeme Fragen gestellt nach deutscher Identität und Selbsteinschätzung, Vergangenheit und Zukunftshoffnung. Die Fragen eines Filmemachers, der nie in Deutschland gelebt hat und weite Teile davon zum ersten Mal sah. Georg Stefan Troller wurde 1921 in Wien geboren. Im Alter von 16 musste der spätere Journalist wegen seiner jüdischen Herkunft das Land verlassen und emigrierte nach Frankreich, von wo aus er 1941 in die USA flüchtete und dort 1943 in die US-Army eingezogen wurde. Nach Kriegsende kehrte Troller nach Österreich zurück, verließ das Land jedoch wieder, um 1946 bis 1949 Germanistik und Theaterwissenschaft an der University of California sowie an der Sorbonne in Paris zu studieren. Ab 1949 arbeitet Troller in der französischen Hauptstadt als Rundfunkreporter für deutsche Sender sowie von 1962 bis 1971 als Autor des legendären „Pariser Journals“. Im Anschluss wurde er Sonderkorrespondent des ZDF in Paris und begann die berühmte Reihe seiner „Personenbeschreibungen“ mit über 70 Folgen. Neben zahlreichen großen Dokumentarfilmen über Arthur Rimbaud, Peter Handke, Muhammad Ali und Karl Kraus, schrieb Troller Drehbücher für Axel Corti. Auch seine zwischen 1998 und 2001 entstandene sechsteilige Reihe „Hollywood-Profile“ sorgte für Aufsehen, als Troller auf gewohnt persönliche Weise Stars wie Kirk Douglas porträtierte. Zu den vielen Ehrungen, mit denen er ausgezeichnet wurde, gehören u.a. der Adolf-Grimme-Preis und das „Bundesverdienstkreuz 1. Klasse“ und 2021 der Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises.

Mi., 8. Dez · 07:20-07:50 · HR
Religionen der Welt: Jasmin und die Tora

Lebendige Reportagen stellen Kinder und erwachsene Anhänger dreier Religionen vor: etwa den 13-jährigen Juden Alon, der sich auf seine Bar Mizwa vorbereitet, oder die Muslimin Ebru Shikh Ahmad, die dreimalige Europameisterin im Karate ist. Sie erzählen, welche Rolle die Religion in ihrem Alltag spielt und wie sie ihr Leben beeinflusst.

Do., 9. Dez · 20:15-21:45 · RBB
Monsieur Claude 2

In Sachen multikultureller Offenheit macht Claude Verneuil (Christian Clavier) und seiner Frau Marie (Chantal Lauby) so schnell keiner etwas vor: Ihre vier ebenso bezaubernden wie eigenwilligen Töchter haben Einwanderer aus vier verschiedenen Kulturkreisen geheiratet! Um die Angehörigen ihrer Schwiegersöhne kennenzulernen, unternimmt das wohlsituierte Ehepaar Verneuil eine kleine Weltreise. Von den Strapazen können sich Claude und Marie in ihrem geliebten Provinzstädtchen Chinon jedoch nur kurz erholen, denn ihre Töchter haben die nächste Überraschung parat: Alle vier beabsichtigen, ihren Männern zuliebe auszuwandern, die sich in Frankreich wegen ihrer Herkunft diskriminiert fühlen. Ségolène (Émilie Caen) und Chao (Frédéric Chau) zieht es nach China, Isabelle (Frédérique Bel) und Rachid (Medi Sadoun) nach Algerien und Odile (Julia Piaton) und David (Ary Abittan) nach Israel. Sogar Charles (Noom Diawara) und die hochschwangere Laure (Élodie Fontan) möchten nichts wie weg – allerdings nicht zur Elfenbeinkünste, sondern nach Indien, wo der unterbeschäftigte Schauspieler auf eine Bollywood-Karriere hofft. Dass sich ihre geliebte Großfamilie in alle Winde zerstreuen soll, nehmen Claude und Marie jedoch nicht kampflos hin. Um ihre Schwiegersöhne mit ihrem geliebten Frankreich zu versöhnen, ist ihnen jedes Mittel recht. Schon bald erkennen die vier verbitterten Herren ihre bislang ungeliebte Heimat nicht wieder. Mit rund vier Millionen Kinobesuchern landete die französische Culture-Clash-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ im Jahr 2014 einen sensationellen Kinoerfolg in Deutschland. „Monsieur Claude 2“ schreibt die unterhaltsame Geschichte des leidgeprüften Familienvaters fort, dessen Töchter ihn mit ihrer multikulturellen Partnerwahl auf eine Probe stellen. Regisseur Philippe de Chauveron nahm die weitverbreitete Kritik von Einwanderern, in Frankreich in vielen Lebensbereichen benachteiligt zu werden, als Ausgangspunkt für die amüsante Geschichte. In Zentrum stehen Christian Clavier und Chantal Lauby als wohlsituiertes Ehepaar, die ihren Schwiegersöhnen ihre geliebte „Grande Nation“ im besten Licht präsentieren müssen.

Do., 9. Dez · 23:30-01:10 · arte
Shine – Der Weg ins Licht

Ein Mann läuft durch die verregneten Straßen einer australischen Großstadt und redet kichernd unablässig mit sich selbst. Als er sich in einer Kneipe ans Klavier setzt, ist da plötzlich nur noch Musik. Der Mann heißt David Helfgott. In Rückblenden erfährt der Zuschauer, wie er zu dem wurde, der er nun ist: Als Kind trichterte ihm sein ebenso strenger wie ehrgeiziger Vater ein, dass man beim Schach und beim Musizieren „immer gewinnen muss“. Für den jüdischen Vater, der den Großteil seiner Familie im Holocaust verloren hat, ist diese Maxime Teil seiner Überlebensstrategie. Doch als der hochmusikalische David tatsächlich die Einladung erhält, in England Musik zu studieren, verbietet ihm der Vater die Reise. Denn für ihn ist der Zusammenhalt der kleinen Restfamilie wichtiger als alles andere. Dass David doch noch nach London ans Konservatorium geht, verdankt er der Schriftstellerin Katharine Susannah Prichard, die ihn gegen den Willen des Vaters unterstützt. Bestärkt von seinem Lehrer Cecil Parkes, sucht sich David für das Abschlusskonzert Rachmaninows drittes Klavierkonzert aus, das Lieblingsstück seines Vaters, nicht zuletzt weil es eines der schwierigsten Werke der Klavierliteratur ist. David meistert das Stück, doch zugleich zerbricht er an der Aufgabe. Er erleidet einen schweren Nervenzusammenbruch. Aus der Psychiatrie und von den Dämonen seiner Vergangenheit kann ihn erst die Liebe der Astrologin Gillian befreien. „Shine – Der Weg ins Licht“ ist das intensive Porträt eines Mannes, der an den Ambitionen und Traumata seines dem Holocaust entkommenen Vaters zerbricht, bevor er seinen eigenen Weg findet.

Sa., 11. Dez · 02:35-06:20 · WDR
Pariser Nacht – zum 100. Geburtstag von Georg Stefan Troller

Trollers Karriere als Filmemacher begann beim WDR mit der legendären Sendereihe „Pariser Journal“. 50 Folgen, jeweils eine dreiviertel Stunde lang, haben in den Jahren 1962 bis 1971 das Bild von Paris und die Frankreich-Sehnsucht der Deutschen mitgeprägt. Immer ging es Troller um Menschen, ob arm oder reich, prominent oder unbekannt, darum, was sie antreibt und bewegt, was sie traurig oder glücklich macht. Ein Grund für ihn, Filme zu machen, war, „gemocht zu werden“, sagt Troller, und „ich musste und wollte als eigentlich kontaktscheuer und asozialer Mensch von den Leuten auch etwas für mich selber herausfinden“. So sind alle seine Filme immer auch Aussagen über ihn selbst. Er stellte mitunter anzügliche Fragen; und seine viel zitierte Devise lautete: Wir Dokumentaristen sind alle Menschenfresser. Georg Stefan Troller wurde 1921 in Wien als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Er musste mit 16 Jahren emigrieren, ging in die USA und kam als amerikanischer Soldat nach München. Seit 1949 lebt er in Paris. „Diese Stadt war zuerst für mich ein Babel, das mich schreckte, und das Pariser Journal gab mir die Chance, das alles zu überwinden. Diese Sendung hat mich überhaupt erst zum Menschen gemacht.“ Der WDR zeigt in dieser Pariser Nacht über vier Stunden lang Highlights aus dem Pariser Journal.

Sa., 11. Dez · 02:50-03:35 · ZDF
Zeugen des Jahrhunderts – Georg Stefan Troller im Gespräch mit Gero von Boehm

Georg Stefan Troller, der leidenschaftliche Dokumentarfilmer und Autor, wird am 10. Dezember 100 Jahre alt – im wahrsten Sinne des Wortes ein „Zeuge des Jahrhunderts“. Über 2000 Interviews dürfte er im Laufe der Jahrzehnte geführt haben – allein vier in der Reihe „Zeugen des Jahrhunderts“. 2016 stand er selbst dem Publizisten Gero von Boehm Rede und Antwort und berichtete aus seinem eigenen sehr aufregenden Leben. Als Sohn eines jüdischen Pelzhändlers 1921 in Wien geboren, war ihm eine Karriere als Journalist keineswegs in die Wiege gelegt. Doch die Herrschaft von Terror und Unrecht in seinen Jugendjahren zwang ihn und seine Familie, neue und unbekannte Wege zu gehen. Gerade noch rechtzeitig konnten die Trollers aus ihrer Heimat Österreich fliehen, bevor die Nationalsozialisten auch sie deportiert hätten. Aus dem amerikanischen Exil kehrte Troller als Soldat in US-Uniform nach Europa zurück. Noch heute versagt ihm fast die Stimme, wenn er von seinen ersten Eindrücken im gerade befreiten KZ Dachau berichtet, wenn er schildert, wie er in jenen Tagen deutsche Zivilisten und Soldaten verhörte, die alle keine Nazis gewesen sein wollten. Georg Stefan Troller berichtet aber auch von den vielen bekannten und unbekannten Zeitgenossen, die er für seine oftmals preisgekrönten Dokumentationen überall auf der Welt traf und befragte – von Muhammad Ali bis Roman Polanski, vom japanischen Sumoringer bis zum Vietnam-Veteranen im Rollstuhl.
© ZDF und Juliane Eirich Georg Stefan Troller im Gespräch mit Gero von Boehm.

Sa., 11. Dez · 18:00-18:15 · MDR
Heute im Osten – Jüdisches Leben in Polen

Verstecken oder bleiben? Zwar gehören Junge Jüdinnen und Juden in Polen zu einer winzigen Minderheit, aber unter ihnen wächst ein neues Selbstbewusstsein. Radek, Informatikstudent aus Warschau, hat erst vor kurzem von seiner jüdischen Abstammung erfahren. Er ist glücklich, seine Identität gefunden zu haben, lebt plötzlich streng religiös. Auch Patrycja und Eryc aus Wroclaw sind stolz auf ihre jüdischen Wurzeln, trauen sich aber nicht, sich öffentlich als Juden zu erkennen zu geben. Das junge Paar sieht für sich keine Zukunft in Polen, packt die Koffer für die Ausreise nach Israel.

Sa., 11. Dez · 20:15-22:00 · ARD-alpha
Verleugnung

Deborah Lipstadt (Rachel Weisz), Professorin für Jüdische Zeitgeschichte an der Emory University in Atlanta, sieht sich mit einem brisanten Gerichtsverfahren konfrontiert: In einer ihrer Publikationen bezichtigte sie den britischen Historiker David Irving (Timothy Spall) der Lüge, weil sich dieser vehement weigert, den im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Holocaust als geschichtliche Tatsache anzuerkennen. Irving kontert diese Provokation auf seine Weise: Er verklagt Lipstadt wegen Rufschädigung und beschwört einen Verleumdungsprozess herauf, bei dem die Angeklagte nach britischem Strafrecht dazu verpflichtet ist, ihre Sicht der Dinge unter Beweis zu stellen. Für die amerikanische Professorin bedeutet dies im Klartext, dass sie die historische Nachweisbarkeit der Judenvernichtung faktisch belegen muss. Unter dem Druck der Beweislast engagiert Lipstadt ein erfahrenes Verteidigerteam, angeführt von dem undurchschaubaren, aber mit allen Wassern gewaschenen Anwalt Richard Rampton (Tom Wilkinson), dessen eigenwillige Herangehensweise an den diffizilen Fall bei seiner Auftraggeberin nicht immer auf Gegenliebe stößt. Rampton und seine Kollegen versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, Irvings Hauptargumente außer Kraft zu setzen, während das unliebsame Justizspektakel eine kontrovers diskutierte Eigendynamik entwickelt. Vier Jahre, von 1996 bis 2000, dauerte der Verleumdungsprozess, den der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving gegen die amerikanische Professorin Deborah E. Lipstadt angezettelt hatte. Heraus kam ein denkwürdiger Sieg für Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit kontra Geschichtsfälschung und Fanatismus. Regisseur Mick Jackson und der preisgekrönte Drehbuchautor und Dramatiker David Hare machten aus dem brisanten Fall hochkarätiges, engagiertes Schauspielkino, bei dem die Hauptdarsteller Rachel Weisz, Timothy Spall und Tom Wilkinson mit herausragenden Leistungen glänzen.

So., 12. Dez · 07:55-08:50 · HR
Sir Georg Solti – Für mein Leben habe ich kämpfen müssen

Sir Georg Solti (1912 – 1997) war einer der herausragenden Dirigenten des 20. Jahrhunderts und gilt international als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Musikwelt. Nur wenige Dirigenten von Weltrang können auf eine derartig von Erfolg gekrönte Karriere zurückblicken wie Sir Georg Solti. Allerdings war sein Lebensweg auch mit großen persönlichen Opfern und Herausforderungen verbunden. Im Film kommen Interviewpartner zu Wort, die in enger Beziehung zu Sir Georg Solti standen und sehr persönliche Einblicke in dessen Leben gewähren. Sir Georg Solti wuchs als Sohn jüdischer Eltern in Budapest auf. Er studierte Klavier, Komposition und Dirigieren bei Bartók, Dohnányi, Kodály und Leó Weiner an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest. Obwohl er bei seinem Konzertdebüt als Pianist auftrat, wurde er von der Budapester Oper wenig später als Dirigent engagiert. 1937 ernannte Toscanini ihn zu seinem Assistenten für die Salzburger Festspiele. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zwangen die ungarischen Judenpogrome Solti 1939 zur Emigration in die Schweiz, wo er jedoch nicht als Dirigent auftreten durfte. Das hatte zur Folge, dass er seinen Lebensunterhalt als Pianist verdiente und 1942 beim Concours International in Genf den ersten Preis gewann. Im Jahr 1946 wurde Solti von der amerikanischen Militärregierung aufgefordert, in München eine Aufführung von Beethovens „Fidelio“ zu dirigieren. Der große Erfolg dieser Darbietung führte zu seiner Ernennung zum Leiter der Münchner Staatsoper. Weitere Engagements an der Frankfurter Oper und am Royal Opera House in Covent Garden (London) folgten. Trotz der schwierigen Bedingungen, Solti musste praktisch überall zu Beginn seiner Engagements gegen Vorurteile ankämpfen, führte er jedes Haus zur Weltspitze. Danach feierte er Erfolge in Wien, Bayreuth, Berlin. Schließlich begann seine bemerkenswerte Partnerschaft mit dem Chicago Symphony Orchestra (1970 bis 1989), mit dem er über eintausend Konzerte bestritt und mehr als 150 Plattenaufnahmen einspielte, die so viele Preise erhielten wie sie kaum ein Popstar verzeichnen kann. Sir Georg Solti hinterlässt eine Diskografie mit über 250 Aufnahmen und wurde insgesamt 105 Mal für den „Grammy“ nominiert. Und er ist der Künstler, der je die meisten „Grammys“ erhalten hat, unabhängig von der Musikrichtung: 31 „Grammys“ gingen an ihn persönlich einschließlich eines „Lifetime Achievement Awards“, weitere sechs an Techniker (Produktion/Aufnahme). Diesen Rekord hält Solti bis heute. Im Film kommen Interviewpartner zu Wort, die in enger Beziehung zu Sir Georg Solti standen und sehr persönliche Einblicke in dessen Leben gewähren: Lady Valerie Solti, Charles Kaye, Walerij Gergijew, Christoph von Dohnányi, Sir Peter Jonas, Clemens Hellsberg, Ewald Markl, Norman Lebrecht und viele andere. Im vorliegenden Porträt kommen Interview-Partner zu Wort, die in enger Beziehung mit Sir Georg Solti standen und sehr persönliche Einblicke gewähren: Lady Valerie Solti, Charles Kaye, Waleri Gergijew, Christoph von Dohnányi, Sir Peter Jonas, Clemens Hellsberg, Ewald Markl, Norman Lebrecht und viele andere mehr.

So., 12. Dez · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Man nannte sie „Jeckes“ – Die deutschsprachigen Juden und ihr Einfluss auf Israel

Woher die Bezeichnung kommt, ist nicht ganz klar. Vielleicht, weil sie auch bei größter Hitze immer korrekt ein Jackett trugen? Oder er ist eine Abkürzung des Hebräischen „Jehudi kasche hawana“, was so viel heißt wie „ein Jude, der schwer von Begriff ist“. Auf jeden Fall wurden in Israel die deutschsprachigen Juden als „Jeckes“ bezeichnet, die aus Nazi-Deutschland geflohen waren. Sie brachten von dort unter anderem ihre Bekleidungsgewohnheiten mit und hatten häufig Schwierigkeiten mit der hebräischen Sprache. Klar ist auch, dass der Begriff lange Zeit nicht positiv besetzt war. Die Israelis machten sich lustig über die seltsamen Zuzügler. Mittlerweile hat sich das vollkommen gewandelt. Heute sagen Israelis stolz: „Ich bin eben ein Jecke“, wenn sie pünktlich zu Terminen erscheinen. Die Jeckes haben den jungen Staat Israel mit ihren Traditionen geprägt. Die erste Generation ist verstorben, aber unvergessen – eine Spurensuche.

So., 12. Dez · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Auslöschung und Neuanfang – Jüdisches Leben vor und nach dem 2. Weltkrieg

In den Jahren des Schreckensregimes der Nationalsozialisten von 1938 bis 1945 wurde das jüdische Österreich so gut wie ausgelöscht. Zehntausende österreichische Juden wurden ermordet, mehr als hunderttausend vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich langsam wieder jüdisches Leben aufzubauen, doch noch lange waren die Auswirkungen der NS-Zeit zu spüren. Die ORF-Dokumentation von Uli Jürgens geht der Frage nach, wie sich das jüdische Österreich durch die Umwälzungen von Terrorherrschaft und Krieg verändert und wie es sich über die Jahrzehnte danach wieder zu einem festen Bestandteil des Landes entwickelt hat.

Mo., 13. Dez · 10:25-11:20 · arte
Israel – Der Norden

Der Norden Israels erstreckt sich von Tel Aviv, entlang der Mittelmeerküste, bis zur libanesischen Grenze – und im Landesinneren über den See Genezareth bis in die Golanhöhen. Ein Streifzug durch bizarre Höhlenlabyrinthe und eine fruchtbare Kulturlandschaft überrascht mit spektakulären Wildtieren, unbekannten historischen Orten und Forschern, die sich mit Leidenschaft für den Erhalt der letzten Wildnisgebiete einsetzen. Metropolen wie Tel Aviv spiegeln die kulturellen Einflüsse auf ein Land wider, in das von der Staatsgründung 1948 bis heute Juden aus allen Teilen der Welt einwandern. Die ersten sind am großen Mittelmeerhafen in Haifa angekommen. In den vergangenen 70 Jahren hat sich die Hafenstadt zur High-Tech-Metropole entwickelt. Der See Genezareth, von dessen Wundern die Bibel erzählt, ist heute der größte Trinkwasserspeicher des Nahen Ostens. Intensive Landwirtschaft auf fruchtbaren Böden macht die Gegend zum Brotkorb Israels. Doch wie in biblischen Zeiten bedrohen Insektenplagen die Ernte. Eine Herausforderung für Wissenschaftler, die auf innovative Weise gegen Schädlinge vorgehen. Druck auf die Landwirtschaft üben zudem Zehntausende Zugvögel wie Kraniche, Störche und Pelikane aus, die die Getreidefelder für einen Zwischenstopp ansteuern. Um natürliche Lebensräume zu erhalten, agieren Biologen als Vermittler zwischen Landwirten, Wildtieren und Tierfreunden. So haben Wölfe in den Golanhöhen eine Heimat gefunden, Klippschliefer erobern die Festungen von Kreuzrittern, Goldschakale bevölkern die Parks der Städte und große Haiarten wandern ins Mittelmeer ein.

Mo., 13. Dez · 11:20-12:15 · arte
Israel – Der Süden

Der Süden Israels erstreckt sich von Jerusalem über das Tote Meer und die Negev-Wüste bis nach Eilat am Roten Meer. Als David Ben-Gurion 1948 erster Ministerpräsident des jungen Landes wurde, hatte er die Vision, die Wüste zum Blühen zu bringen. Sonnenkollektoren und Solarkraft waren der Anfang. Ein Streifzug durch vielfältige, bizarre Landschaften überrascht mit unbekannten Orten und Pionieren wie Landwirten und Wissenschaftlern, die sich für das Leben in der Wüste entschieden haben. Sie verwandeln den trockenen Süden Israels in eine High-Tech-Region. Die Folge: Heute sind israelische Farmer in der Lage, nicht nur ihr eigenes Land mit Gemüse und Früchten zu versorgen, sondern sogar Überschuss zu produzieren, den sie nach Europa exportieren. Die Geschichte zeigt aber auch, dass die Wüstenbewohner schon vor mehr als 5.000 Jahren innovativ waren: Im Timna Park, einer der spektakulärsten Wüstenlandschaften der Erde, wurde mit den ersten Kupferminen der Welt das Metallzeitalter eingeläutet. Die Wüste ist ein kreativer, lebenswerter Ort und bietet trotz intensiver Nutzung immer noch viel Platz für Wildnis und seltene Tiere. In unberührten Gegenden sind Wölfe, Hyänen und Sandfüchse unterwegs – und bedrohte Tierarten wie die Oryx-Antilope werden wieder angesiedelt. Geologisch gibt der ostafrikanische Grabenbruch, der sich über das Tote Meer durch eine Kraterlandschaft bis ans Rote Meer zieht, die Route vor, auf der jedes Jahr Millionen Zugvögel von Afrika nach Europa und zurück fliegen. Am Roten Meer kämpfen Forscher für den Erhalt eines der längsten, intakten Korallenriffe der Erde.

Mo., 13. Dez · 14:15-15:15 · ARD-alpha
alpha-retro: Münchner Juden (1972)

Münchner Juden erzählen, was sie in ihrer Jugend erlebt haben: wie das war im Jahr 1923 mit dem Hitlerputsch, was sich veränderte nach ’33 und wie alles nach der so genannten „Reichskristallnacht“ noch viel schlimmer wurde. Friedel schildert die Lebensgeschichte von zwei jüdischen Mädchen, die mit ihm die Schule gegangen sind. Danach erzählt ein Mann über seinen Vater, über Viehjuden und Hopfenjuden in Niederbayern. Diese Bezeichnungen waren keine Beleidigungen, sondern eher Berufsbezeichnungen. Der Film beginnt mit den Ereignissen des Jahres 1923 und wie die Münchner Juden den gescheiterten Hitlerputsch erlebt haben, wie die Väter der in diesem Film erzählenden Münchner Juden den Hitlerputsch erlebt haben. Denn diese Väter waren in der Regel Weltkriegsteilnehmer gewesen. Georg Friedel erzählt ganz kurz und nicht aufdringlich aus der eigenen Kindheit zwischen Bavariaring und Münchner Westend und er schildert die Lebensgeschichte von zwei jüdischen Mädchen, die mit ihm die Schule gegangen sind: die eine reich, die andere arm. Friedel erzählt jedoch nicht nur über diese Menschen, sondern lässt sie vor der Kamera selbst erzählen. Dies ergibt letztlich spannende Zeitzeugengespräche, bevor es diesen Begriff so recht gegeben hat. Eine Münchner Jüdin aus ärmeren Verhältnissen erzählt ein Erlebnis aus ihrer Schulzeit, das sie selbst als „vermutlich nicht besonders interessant“ für andere bezeichnet, das sich ihr selbst jedoch tief ins Gedächtnis gegraben habe. Nach der Machtergreifung gab es nicht mehr den üblichen Morgengruß „guten Morgen, Fräulein Lehrerin!“, sondern alle mussten aufstehen und „Heil Hitler“ sagen und dazu den Arm heben. Sie und weitere vier jüdische Mädchen in der Klasse machten das jedoch nicht mit. Die Lehrerin zwang diese fünf Mädchen stehen zu bleiben, bis sie doch den Arm heben und „Heil Hitler“ sagen würden. Die Erzählerin machte dies trotzdem nicht. Am nächsten Tag hieß es dann, jüdische Kinder hätten nicht die Ehre, „Heil Hitler“ sagen zu dürfen. „Das ist ein Erlebnis, an das denke ich heute noch,“ schließt sie diese Erzählung ab. Ein Münchner Jude erzählt da z.B. über seinen Vater, einen „Viehjud“ und „Hopfenjud“ in Niederbayern, der dort unter keinerlei Antisemitismus gelitten habe. Die Bezeichnungen „Hopfenjud“ und „Viehjud“ waren keine Beleidigungen, sondern so etwas Ähnliches wie Berufsbezeichnungen. Die Väter aller Erzählenden waren durchgehend deutschnational eingestellt, waren stolz darauf, Deutsche zu sein. Was haben diese Münchner Juden vor 1933 erlebt, wie haben sie die Zeit nach 1933 empfunden? Was haben sie in und nach der sogenannten „Reichskristallnacht“ erlebt? Die Fragen von Georg Friedel und die Ausführungen dieser Münchner Juden – alle ungefähr Jahrgang 1919/20 – üben einen großen Sog aus: Man hört zu und merkt nicht, wie am Ende eine Stunde Film vorübergezogen ist. Am Schluss des Films gibt es die dramatisch spannende Erzählung eines Münchner Juden, der damals als Jugendlicher in einem Versteck gelebt hat: Wie er mit der Waffe in der Hand auf die Gestapo gewartet hat und sich keinesfalls ohne Gegenwehr hätte abführen lassen. Er sagt, er habe das alles nur mit einer riesigen Portion Glück überlebt. Die Verwandten der Protagonisten sind so gut wie alle im Holocaust ermordet worden.

Mo., 13. Dez · 15:15-15:45 · ARD-alpha
alpha-retro: Die Juden und Frankfurt (1964)

Dieser Filmbericht von 1965 befasst sich mit der 800-jährigen Geschichte der Juden in Frankfurt – auch mit dem letzten, dem schlimmsten Kapitel. Ausgehend von dem, was von der jüdischen Gemeinde nach der Zeit des Nationalsozialismus noch übriggeblieben ist – die vielen Kennkarten mit dem großen „J“ vorne drauf – macht er sich daran, die Geschichte der Juden in Frankfurt aufzuzeigen. Und er befragt heute in Frankfurt lebende Juden nach ihrer Lebenssituation und ihren Erwartungen für die Zukunft. Der Dokumentarbericht beginnt mit dem, was vom schlimmsten Kapitel der Geschichte der Juden in Frankfurt übriggeblieben ist: Eine ungeheure Sammlung von Kennkarten jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger mit dem „J“ vorne drauf. Die Besitzer dieser Kennkarten fielen so gut wie alle dem Holocaust zum Opfer. Anschließend macht sich der Film daran, die lange, lange Geschichte der Juden in Frankfurt aufzuzeigen: ihren Alltag, ihre Synagogen, ihre Erfolge, ihre Diskriminierung aufgrund von Antisemitismus, ihre herausragenden Persönlichkeiten usw. Und am Ende befragt der Film junge, in Frankfurt lebende Juden nach ihrer aktuellen Lebenssituation und ihren Erwartungen an die Zukunft: Sehen sich heute noch Antisemitismus ausgesetzt? Wo wollen sie künftig leben? In Frankfurt bzw. überhaupt in Deutschland? In Israel, in den USA? Zu Wort kommen dabei später so berühmte Personen wie z.B. Benjamin Korn (Theatermacher), Petra Kunik (Schriftstellerin), Salomon Korn (Architekt und ehem. Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland), Marek Lieberberg (Konzertveranstalter).

Mo., 13. Dez · 15:45-16:30 · ARD-alpha
alpha-retro: Vom Leben der Juden in Wien (1986)

Doku von 1986 über die jüdische Gemeinde in Wien und über die Lebensbedingungen der jüdischen Bürger zwischen Assimilierung und Antisemitismus. Die damals 6000 Juden haben ihr Zentrum im 1. Wiener Gemeindebezirk, wo in der Seitenstettengasse der Stadttempel steht – 1938 hatten in Wien gut 160.000 Juden gelebt. Die Gemeindemitglieder sagten 1986, sie fühlen sich nicht nur vom arabischen Terrorismus bedroht, sondern sie sehen sich auch mit einem wachsenden Antisemitismus in Wien konfrontiert. Dokumentarbericht aus dem Jahr 1986 über die jüdische Gemeinde in Wien und über die Lebensbedingungen der jüdischen Bürger zwischen Assimilierung und Antisemitismus. Die damals 6000 Juden haben ihr Zentrum im 1. Wiener Gemeindebezirk, wo in der Seitenstettengasse der Stadttempel (Synagoge) steht. Das Judentum in Wien hat eine große und weit zurückreichende Tradition, 1938 haben in Wien gut 160.000 Juden gelebt. Der Stadttempel in der Seitenstettengasse und die Leopoldstadt im 2. Wiener Gemeindebezirk waren und sind das Zentrum der Gemeinde. 1986 bestand die Gemeinde überwiegend aus älteren Menschen: aus Emigranten, die nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt waren und aus Exilanten aus den Ostblockstaaten. Sie sagten damals im Jahr 1986, sie fühlen sich nicht nur durch den arabischen Terrorismus bedroht, sondern sehen sich auch mit einem wachsenden Antisemitismus in Österreich konfrontiert. Dieser Film stellt daher die Frage, wie greifbar dieser latente oder wiederauflebende Antisemitismus für den einzelnen ist. Er versucht keine Analyse über den Antisemitismus in Österreich, sondern will am Beispiel eines bestimmten Ortes und einiger konkreter Menschen bestimmte Tendenzen und Auswirkungen zeigen. Am Anfang des Films sieht man Aufnahmen einer jüdischen Feier: Es ist eine Bar Mitzwa – aber die Namen der beteiligten Personen sollen im Film u.a. aus Angst vor arabischen Terroranschlägen bitte nicht erwähnt werden. Diese Angst ist nicht unbegründet, im Jahr 1979 detonierte im Stadttempel ein Sprengsatz und 1981 gab es bei einem terroristischen Überfall auf ihn zwei Tote und mehr als 20 z.T. schwer verletzte Menschen. 1986 sieht man eine Besuchergruppe in der Seitenstettengasse stehe: jüdische Emigranten, die 1938 Wien hatten verlassen müssen. In ihr Gespräch hatte sich kurz zuvor eine „Dame“ eingemischt mit den Worten: „Immer wieder diese Juden. Leider sind nicht alle vergast worden.“ Aber die Besuchergruppe hatte dagegengehalten und sich gewehrt. Im weiteren Verlauf zeigt der Film junge jüdische Bürger in Wien, die darüber erzählen, wie es Ihnen geht als Juden in Wien. Und immer wieder kehrt der Film in die Seitenstettengasse im 1. Wiener Gemeindebezirk zurück, in dieses Zentrum des jüdischen Lebens in Wien.

Mo., 13. Dez · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Die alte Neue Rechte

Wer sich heute demonstrativ rechts verortet, stellt die Werte einer offenen und liberalen Gesellschaft in Frage. Der Film von Autor und Regisseur Falko Korth hinterfragt Geschichte und Gegenwart der sogenannten „Neuen Rechten“: Woher sie kommen, was sie denken und wohin sie wollen. Woher kommen die Ideen der sogenannten Neuen Rechten? Auf wen berufen sich ihre Akteure? Was sind ihre Thesen? Die Dokumentation von Autor und Regisseur Falko Korth zeichnet die Kontinuität völkisch-nationalistischer Denktraditionen in Deutschland und Frankreich nach und zeigt, dass die heutigen „neuen“ Rechten nicht aus dem Nichts heraus entstanden sind. Wichtiger Bezugspunkt sind die Schriften Armin Mohlers, der in den Nachkriegsjahren der Bundesrepublik mit seinem Werk zur „Konservativen Revolution“ zum meinungsstarken Vertreter rechtskonservativer Kreise aufstieg. Der radikale Ernst Jünger und mit ihm Männer wie der Jurist Carl Schmitt und der Philosoph Oswald Spengler sind heute dank Mohler Säulenheilige der Neuen Rechten. Armin Mohlers Ideen beeinflussen auch die französischen Nouvelle Droite um Alain de Benoist. Er gründet 1968 mit Gleichgesinnten GRECE, eine neofaschistische Denkfabrik. Das Ziel: die „Kulturrevolution von rechts“. Die „Neuen Rechten“ geben sich modern und intellektuell, doch hinter der Fassade stecken altbekannte antidemokratische bzw. rassistische Denkmuster. Ein Film von Falko Korth

Di., 14. Dez · 05:00-05:45 · 3sat
Art Spiegelman: Von Katzen und Mäusen

1988 galt der Comic-Zeichner Art Spiegelman noch als Geheimtipp der New Yorker Alternativszene. Sein Bilderroman „Maus“ wurde in den USA ein Bestseller und machte auch in Deutschland Furore. Spiegelman verarbeitet darin seine eigene Familiengeschichte: Die Maus Vladek stellt Spiegelmans Vater dar, einen jüdischen Textilhändler im polnischen Oberschlesien der 1940er-Jahre, die stellvertretend für das Schicksal aller verfolgten und ermordeten Juden steht. 1988 wurde Spiegelman in Frankreich mit dem „Prix Résistance“ der Stiftung „France Libertés“ ausgezeichnet, 1992 erhielt er den Pulitzerpreis. Direkt nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York gestaltete er ein Cover für den „New Yorker“, das der Trauer und der Unheimlichkeit der Situation ein Bild gibt und zugleich in eine düstere Zukunft weist. Georg Stefan Troller begleitete den Künstler 1987 zu Recherchen nach Polen. Sein Film zeigt die extremen Gegensätze zwischen Spiegelmans New Yorker Umgebung und seinen familiären Wurzeln.

Di., 14. Dez · 05:45-06:20 · 3sat
Personenbeschreibung: Leonard Cohen

Der Film aus dem Jahr 1985 beschreibt das Leben des Poeten und Musikers Leonard Cohen (1934-2016), das von Höhen und Tiefen, Liebesaffären und Drogenerfahrungen geprägt ist. Wer einmal der Melancholie Leonard Cohens verfallen ist, kann und möchte sich meist ein Leben lang nicht mehr davon losreißen. Viel zu tief hat sich der monoton faszinierende Gesang in dessen Herz eingegraben und es nicht mehr losgelassen. Leonard Cohen wurde als Sohn gutbürgerlicher jüdischer Eltern 1934 in Montreal geboren. Schon 1950 begann er, Gedichte zu schreiben – und hatte bald Erfolg damit. Seit seiner Jugend hatte Leonard Cohen auch Lieder geschrieben und war damit aufgetreten. Doch erst Ende der 1960er-Jahre begann seine öffentliche Karriere als Musiker. Dank Musikern wie Bob Dylan und Judy Collins, die der Folkmusik zum Erfolg verholfen hatten, konnte er nun als Sänger ein größeres Publikum erreichen. Mit seinen Büchern hatte er trotz Erfolgen bei den Kritikern kaum Geld verdient.

Di., 14. Dez · 20:15-21:00 · PHOENIX
Exodus? Eine Geschichte der Juden in Europa

Zu Beginn der ersten Folge begibt sich Prof. Christopher Clark auf Spurensuche in Israel. Mit dem Tempel Jahwes in Jerusalem, dessen bekanntester Rest die berühmte Klagemauer ist, entstand in der Antike das religiöse und politische Zentrum der Juden. Die vor Jahrzehnten bei Qumran am Toten Meer gefundenen Schrift-rollen sind ein weiterer Schlüssel zum Verständnis jüdischer Kultur. Israelische Archäologen und Restauratoren erläutern Clark die uralte, tiefgreifende Beziehung zwischen diesen Texten und der Geschichte der Juden. Die Tora wurde zum Kern jüdischer Identität, vor allem nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer und der Zerstörung des Tempels. Seitdem bildet die Heilige Schrift die große Klammer, die das jüdische Volk in der Diaspora zusammenhält, sie wurde zum „portativen Vaterland“, wie der Dichter Heinrich Heine bemerkte, einer Heimat zum Mit-nehmen. Sie hat die Wanderschaft der Juden über alle Zeiten und Kontinente hinweg bis heute begleitet. Christopher Clark reist auch zu den Zentren jüdischen Lebens in Europa. Als das römische Reich im vierten Jahrhundert christlich wurde, siedelten Juden schon überall auf dem Kontinent. Vor allem in Sepharad, der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und in Aschkenas hebräisch für die deutschsprachigen Länder. Die drei Gemeinden Speyer, Worms und Mainz galten im frühen Mittelalter als „Jerusalem am Rhein“. Viele Herrscher, auch Karl der Große, stellten jüdische Bewohner als gleichwertige Bürger unter ihren Schutz. Die schriftkundigen, vielsprachigen Juden mit ihren Handelskontakten waren willkommene Entwicklungshelfer in den aufblühenden Städten, auch wenn sie ein für Christen rätselhaftes, durchritualisiertes Leben führten.

Di., 14. Dez · 22:15-22:45 · ARD-alpha
Jung, jüdisch, weiblich – Die selbstbewusste Generation

„Ich möchte in keine Schublade gesteckt werden, aber das passiert gerade in Deutschland immer wieder!“ Linda Rachel Sabiers ist eine meinungsstarke Frau. Jüdin, Bloggerin, Autorin. Helene lässt sich gerade zur Rabbinerin ausbilden. Rina ist angehende Grundschullehrerin, alleinerziehend und lebt in einer streng orthodoxen Gemeinde. Was bedeutet es heute, als junge Frau das Judentum in Deutschland zu leben? Dieser Frage geht „Echtes Leben“ gemeinsam mit drei Frauen nach. „Wenn ich erzähle, dass ich mich zur Rabbinerin ausbilden lasse, schauen die Leute mich oft völlig ungläubig an. Ja, ich mache das, ja, ich bin eine Frau, ja, es gibt noch nicht so viele von mir.“ Helene ist 23 Jahre alt und bezeichnet sich als liberale Jüdin. „Ich bin fest vom Judentum überzeugt, ich könnte mir nicht vorstellen, nicht nach den jüdischen Traditionen zu leben, aber ich engagiere mich genauso für queeres Judentum.“ Besonders die Begeisterung junger Menschen für ein modernes Reformjudentum liegt Helene am Herzen: „Ich möchte jüdisches Leben in Deutschland gestalten – auch außerhalb fester Gemeindestrukturen“. Wie schwer wiegt die Tradition, was bedeutet Glaube? Jede dieser Frauen lebt das Judentum anders, aber alle fühlen sich den Traditionen verpflichtet. „Ich bedecke ganz klar meine weiblichen Reize. Ich trage immer Röcke oder Kleider. Aber ich bin auch modisch.“ Rina ist 28 Jahre alt und lebt als gläubige Jüdin in einer streng orthodoxen Gemeinde. Und das obwohl sie bereits geschieden und alleinerziehende Mutter ist. „Das war nicht einfach. Eine Scheidung ist nach wie vor eher selten im orthodoxen Judentum. Ich habe meinen Mann nur wenige Male vorher durch das Engagement meines Berliner Rabbiners kennengelernt. Wir haben dann sehr schnell geheiratet.“ Die Perücke, die sie als verheiratete Jüdin damals trug, liegt immer noch in ihrem Schrank. „Ich werde wieder Perücke tragen, wenn ich noch Mal heirate, und das habe ich fest vor.“ Linda Sabiers wurde bekannt durch ihre Kolumne über jüdisches Leben im Magazin der Süddeutschen Zeitung. „Klar habe ich mich gefragt: Soll ich das machen? Ich will ja nicht immer die Rolle der Dauerjüdin spielen, aber andererseits kann ich ja auch nur mit Vorurteilen aufräumen, wenn ich mich selbst beteilige.“ Die 36-Jährige hat einen Schweizer geheiratet, den sie über Tinder kennengelernt hat. Beide haben eine klare Absprache: „Mein Mann Noa durfte die Einrichtung der Wohnung übernehmen, dafür muss er mit mir die jüdische Tradition leben. Freitags ist Shabbat und das genieße ich auch.“ Der kleine „Regelverstoß“, einen Nichtjuden zu heiraten, hat in Lindas Familie bereits Tradition. Auch ihr Vater ist nicht-jüdisch, lebt aber, seit er mit ihrer Mutter verheiratet ist, zu Hause nach jüdischem Brauch. „Da haben die Frauen tatsächlich klar die Macht. Du wirst nur Jude, wenn deine Mutter jüdisch ist. Ansonsten ist es aber so, dass ich die Rolle der Frau im orthodoxen Judentum immer noch problematisch finde. Aber ich würde nicht darüber urteilen. Das muss jede selbst wissen.“ Ein Lieblingsthema mit ihrer besten Freundin Deborah Feldman, die durch ihre Flucht aus der ultraorthodoxen Gemeinde in New York und ihrem Buch „Unorthodox“ weltberühmt wurde. Drei Frauen, drei unterschiedliche Modelle, den jüdischen Glauben und die Tradition zu leben. Sie alle spiegeln die junge Generation von Jüdinnen, die selbstbestimmt ihren Weg geht. Alle eint der Wunsch, besser verstanden zu werden, alle eint die Befürchtung, dass die gesellschaftlichen Anfeindungen eher zu als abnehmen.

Di., 14. Dez · 22:45-23:15 · ARD-alpha
Schalom und Alaaf

Vorstellung des 2017 in Köln gegründeten jüdischen Karnevalsverein „Kölsche Kippa Köpp“ (KKK) als Anknüpfung an den „Kleiner Köln Klub“, der vor dem Zweiten Weltkrieg existierte. Rückblick auf die Beteiligung von Juden am Kölner Karneval der 20er und 30er Jahre, insbesondere Hans Tobar. Begleitung der Vorstandsmitglieder Aaron Knappstein und Volker Scholz-Goldenberg bei ihrer Recherche zu den Ursprüngen der jüdischen Jekken und den verbindenden Elemente zwischen jüdischer Kultur und dem Kölner Karneval sowie der Entwicklung des Antisemitismus im Karneval.

Di., 14. Dez · 23:15-23:45 · ARD-alpha
nachtlinie extra – Zu Besuch im jüdischen Regensburg

Ilse Danziger, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde in Regensburg führt Andreas Bönte zu Plätzen der jüdischen Geschichte und durch die 2019 eröffnete neue Synagoge. Sie erzählt über die lebendige Geschichte der jüdischen Menschen in Regensburg, über Wandel und Herausforderungen in der Gemeindearbeit. Die nachtlinie extra ist zu Besuch in Regensburg. Die jüdische Gemeinde zählt zu den ältesten Deutschlands. Im Frühmittelalter war sie ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Ihre Talmudschule war von großer Bedeutung. Die Regensburger Lehre wurde europaweit bekannt. Doch die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Regensburg ist eine wechselvolle, eine Geschichte der Vertreibungen, Vernichtung und Neuanfänge. Ilse Danziger arbeitet schon seit über 30 Jahren in der israelitischen Kultusgemeinde Regensburg. Heute ist sie deren Vorsitzende. Sie hat den zahlenmäßigen Aufschung der Gemeinde durch den Zuzug zahlreicher sogenannter „Kontingentflüchtlinge“ aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion erlebt. Und sie hat lange, gemeinsam mit Vertretern der Stadtgesellschaft, für eine neue Synagoge mit Gemeinderäumen gekämpft, um Platz für die steigende Zahl der Jüdischen Gemeindemitglieder zu schaffen. Ihre Arbeit zeigte Erfolg: Ein neues Gemeindehaus mit Synagoge wurde 2019 feierlich eingeweiht.

Di., 14. Dez · 23:20-01:00 · arte
Stalins Henker – Das Massaker von Katyn

Im April 1940 wurden im Auftrag des sowjetischen NKWD 4.400 polnische Offiziere im Wald bei Katyn ermordet. Das Massaker wäre niemals an den Tag gekommen, hätten die Nazis das Massengrab nicht 1943 entdeckt und das Verbrechen für ihre antibolschewistische Propaganda ausgeschlachtet. Die Offiziere waren alle durch Kopfschuss getötet worden. Sogar die Nazis waren von der Präzision dieser fließbandartigen Hinrichtung beeindruckt. Die Sowjetunion, die 1943 an der Seite der Westmächte Krieg gegen die Hitlerbarbarei führte, bezichtigte die Nazis des Massakers. Jahrzehntelang bestanden Zweifel über den wahren Schuldigen. In Wahrheit war der Massenmord von Katyn Teil einer viel weitreichenderen Operation zur Sowjetisierung Polens, in deren Verlauf 22.000 Polen insgeheim ermordet und eine Million weiterer in Gulag-Lager deportiert wurden. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die schrecklichen Einzelheiten dieser Operation bekannt. Wer Katyn erzählen will, muss deshalb eine lange fest verschlossene Tür aufstoßen, die in das auch heute noch wenig bekannte Reich der dunklen Machenschaften eines Sowjetstaates führt, dessen paranoide Praktiken bis ins Jahr 1917 zurückreichen. Damals wurde die berüchtigte Tscheka gegründet, die erste politische Polizei der Bolschewiken, deren Nachfolger GPU und NKWD ebenfalls in die Annalen eingingen. Von Anfang an hatten die Tschekisten den Auftrag, alle Regimegegner zu liquidieren und später den sowjetischen Staatsapparat und die gesamte Gesellschaft kontinuierlich zu „säubern“. Das grausame Massaker von Katyn war nur eine der vielen Routineoperationen der Henker des NKWD. Das Ministerium suchte seine Agenten eigens wegen ihrer Kaltblütigkeit aus, und sein Chef Wassili Blochin soll im Laufe seiner Karriere 20.000 Menschen eigenhändig getötet haben. Die Geschichte von Katyn hat mit der Sowjetunion und Polen, mit dem Zweiten Weltkrieg und mit dem Kalten Krieg zu tun. Der Enthüllung des Verbrechens folgte eine 50 Jahre währende Staatslüge. Erst 1990 bekannte sich die Sowjetunion zum Massaker von Katyn – wenige Monate vor dem Zusammenbruch des selbst zum Schutz seiner Staatsgeheimnisse nicht mehr fähigen Regimes. Der Film erzählt die Geschichte von Katyn anhand der Erinnerungen von polnischen Überlebenden des Massakers und des von den Historikern der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial in NKWD-Archiven entdeckten Materials.

Mi., 15. Dez · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Mit dem Zug durch Israel

Es soll eine spannende Dokumentation sein, eine Spurensuche in Richtung Eisenbahn-Geschichte, eine Entdeckungsreise zu Kunst und Kultur, zu Menschen und ihren Erlebnissen, alles in allem das Porträt eines Landes, das seit seiner Gründung im stetigen Umbruch lebt und die Eisenbahn als Spiegel dieser Entwicklung hat. Wer in Israel mit dem Zug fahren möchte, sollte sich auf einiges gefasst machen. Bereits im Bahnhof gibt es Kontrollen, wie sonst nur auf Flughäfen. Überall trifft man auf Soldaten und Soldatinnen, denn diese dürfen kostenlos sämtliche Bahnverbindungen nutzen. Und doch – es lohnt sich nach Israel zu reisen und den Staat im Nahen Osten mit der Eisenbahn zu entdecken. Zum Beispiel Jerusalem: Brennpunkt der Weltreligionen, eine Stadt mit Jahrtausende alter Kultur, Tempeln und Gemäuern. Doch das Heilige Land hat neben den bekannten biblischen Pilgerorten auch moderne Städte wie Tel Aviv oder Haifa zu bieten. Letztere ist bekannt für die Hängenden Gärten der Bahai – die auch als achtes Weltwunder bezeichnet werden – und ist heute eine moderne Hafenstadt mit der einzigen Untergrundbahn Israels und dem Israelischen Eisenbahn-Museum.

Mi., 15. Dez · 20:15-21:00 · SWR
7 Tage … jüdisch Leben

Gottesdienste, koscheres Essen, Jahrtausende alte Riten und natürlich viele Gespräche: Sieben Tage lang leben die SWR Reporter Kai Diezemann und Niko Zakarias in der jüdischen Gemeinde in Koblenz in der Woche des Chanukka-Festes. Avadislav Avadiev führt über den Friedhof. Er ist der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Koblenz, deren Ursprünge bis in die Anfänge des zwölften Jahrhunderts zurück gehen. Alte verwitterte Grabsteine stehen in einer Reihe. Herr Avadiev erzählt ihre bittere Geschichte: Sie sind nach dem Krieg hierher zurückgebracht worden, nachdem die Nationalsozialisten sie als Baumaterial genutzt hatten – für eine Treppe am Koblenzer Güterbahnhof. Über diese Treppe mussten ab 1942 Koblenzer Juden zu den Güterwaggons steigen, die sie in die Vernichtungslager im Osten brachten. Nur wenige Menschen jüdischen Glaubens kamen nach dem Krieg zurück und bildeten eine kleine Gemeinde. Erst mit dem Zuzug der osteuropäischen Juden in den 1990er Jahren wuchs die Gemeinde wieder auf über 1.000 Mitglieder an. Doch wie leben sie heute? Die SWR Reporter Kai Diezemann und Niko Zakarias sind eine Woche lang zu Gast in der jüdischen Gemeinde in Koblenz. Es ist die Woche von Chanukka, des Lichterfestes, das Jüdinnen und Juden in aller Welt acht Tage lang feiern. Es wird eine Woche mit Gottesdiensten, viel koscherem Essen, Jahrtausende alten Riten und natürlich vielen Begegnungen und Gesprächen. Was bedeutet es heute für Menschen in Deutschland, sich zum jüdischen Glauben zu bekennen?

Mi., 15. Dez · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Tel Aviv – Hier tanzt Israel

Ohne die Anbindung ans Meer wäre Tel Aviv nie entstanden. Einst war die Stadt der rettende Hafen für Juden aus der Diaspora, heute reißt der Strom freiwilliger Zuwanderer nicht ab. Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt, heißt es. Der Film zeichnet ein facettenreiches Bild von Israels zweitgrößter Stadt, die buchstäblich auf Sand erbaut wurde, nachdem jüdische Familien im Jahr 1909 mit Muscheln vom Strand die Parzellen ausgelost hatten, auf denen sie die ersten Häuser errichteten. Ohne die Anbindung ans Meer wäre Tel Aviv nie entstanden. Einst war die Stadt der rettende Hafen für Juden aus der Diaspora, heute reißt der Strom freiwilliger Zuwanderer nicht ab. Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt. Lifestyle, Kreativität und Individualität sind die Visitenkarte von Tel Aviv. Der Film zeichnet ein facettenreiches Bild von Israels zweitgrößter Stadt, deren Name so viel wie „Hügel des Frühlings“ bedeutet. Tel Aviv wurde buchstäblich auf Sand gebaut, nachdem jüdische Familien 1909 mit Muscheln vom Strand die Parzellen ausgelost hatten, auf denen sie die ersten Häuser errichteten. Nazi-Verfolgung, stalinistische Bedrohung und Anfeindungen in arabischen Ländern machten sie zum Zufluchtsort für Juden unzähliger Nationalitäten. Wer hier mithalten will, nimmt sich einen Personal Trainer, wie Maria Pomerantz. Die Bodybuilderin erzielt Spitzenhonorare, in dem sie ihre Kunden quält. Die Sicherheitsstandards der immer wieder von terroristischen Anschlägen bedrohten Stadt sind hoch. Dennoch gibt der Film Einblick in den War-Room, ein multimedial ausgerüstetes Krisenzentrum drei Stockwerke unter der Erde und begleitet den städtischen Sicherheitschef David Aharony. Um die alltäglichen Sorgen der Tel Aviver kümmern sich etwa die „Gassi Geher“ von DogMen, einem Start-Up, das den rund 80.000 Hunden einen allumfassenden Service bietet. Der neueste Trend ist die vegane Küche. Als die Restaurantchefin Nanuchka Shrier Fleisch von ihrer Speisekarte verbannte, prophezeiten ihr viele das Aus. Aber bis heute wird im „Nanuchka“ jeden Abend auf den Tischen getanzt.

Mi., 15. Dez · 21:00-21:45 · SWR
Ich bin Jüdin – Die junge Generation

Was bedeutet es heute, als junge Frau in Deutschland jüdisch zu sein? Wie schwer wiegt die Tradition des Judentums und welche Rolle spielt der Glaube? Die Doku begleitet die Bloggerin Linda sowie die angehende Grundschullehrerin Rina und Helene, die sich gerade zur Rabbinerin ausbilden lässt. Helene Braun bezeichnet sich als liberale Jüdin und besucht neben ihrem Studium in jüdischer Theologie das Abraham Geiger Kolleg in Potsdam. „Ich könnte mir nicht vorstellen, nicht nach den jüdischen Traditionen zu leben, aber ich engagiere mich genauso für ein queeres und diverses Judentum“. Rina ist 29 Jahre alt und lebt als gläubige Jüdin in einer streng orthodoxen Gemeinde. Obwohl sie bereits geschieden und alleinerziehende Mutter ist. Die Perücke, die sie als verheiratete Jüdin damals trug, liegt immer noch in ihrem Schrank. „Ich werde wieder Perücke tragen, wenn ich noch Mal heirate, und das habe ich fest vor“. Linda Rachel Sabiers wurde bekannt durch ihre Kolumne über jüdisches Leben im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die 36-Jährige hat einen Schweizer geheiratet, ihr Mann Noa ist nicht jüdisch. Ein kleiner „Regelverstoß“. Auch ihr Vater ist nicht-jüdisch, lebt aber, seit er mit ihrer Mutter verheiratet ist, genau wie Linda und Noa, zu Hause nach jüdischem Brauch. Drei Frauen, drei unterschiedliche Modelle, den jüdischen Glauben und die Tradition zu leben. Sie spiegeln die junge Generation von Jüdinnen, die selbstbestimmt ihren Weg geht. Alle eint der Wunsch, besser verstanden zu werden, doch alle eint auch die Befürchtung, dass die gesellschaftlichen Anfeindungen eher zu- als abnehmen und es noch dauern wird, bis jüdische Menschen in Deutschland unbeschwert ihr Jüdisch-sein zeigen können.

Mi., 15. Dez · 21:45-23:15 · ARD-alpha
Schalom und Hallo

In dieser 90minütigen Dokumentation begibt sich Schauspielerin Susan Sideropoulos auf eine spannende und unterhaltsame Reise durch 1.700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte und auf die Spuren ihrer eigenen Vorfahren. Immer mit Blick auf die Gegenwart erzählt Schauspielerin und Jüdin Susan Sideropoulos vom Köln zu Römischer Zeit, von den mittelalterlichen SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz, vom Frankfurt der frühen Neuzeit, sowie von Leipzig, Hamburg, München oder Berlin. Dabei stehen nicht nur historische Figuren und Ereignisse im Mittelpunkt, sondern vor allem ‚Menschen von heute‘ wie die Rabbinerin Jasmin Andriani, Folk-Musiker Daniel Kahn, Filmregisseur Peter Kahane, die Literaturwissenschaftlerin und Buchhändlerin Rachel Salamander, Autorin Linda Sabier oder Gastronomin Shani Leiderman. Ferner zählen der Publizist Josef Joffe, Historiker Julius Schoeps sowie Museumsdirektorin Miriam Wenzel zu den Interviewpartner:innen. Viele wissen heute zwar von der Schoah (dem Holocaust), haben gehört von den Pogromen der Kreuzritter und kennen die angespannte Lage zwischen Palästinensern und Israelis. Doch ansonsten ist weniger bekannt über Juden, ihren Alltag und Rituale sowie die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte. Gerade in Zeiten eines wiederaufkeimenden Antisemitismus und diverser Verschwörungstheorien soll der Film zeigen, wie reich diese Geschichte trotz aller Verfolgungen und schrecklicher Ereignisse einst war, und wie wechselseitig sich Alltag, Kultur und Weltanschauung von Juden und Nichtjuden stets beeinflussten. So lernen wir jüdische Rituale und Traditionen kennen: Was bedeuten ‚koscher‘ und ‚Schabbat‘ heute? Was genau ist eine Mikwe? Welche Rolle spielt die Torah, und was lernt man in einer Talmudschule? Wir erfahren, dass es durchaus verschiedene religiöse Strömungen innerhalb des Judentums gibt, von liberal bis orthodox. Und: jüdische Kultur hat (auch außerhalb der Religion) nicht nur das heutige jüdische Leben, sondern deutschland- und weltweit Gesellschaften beeinflusst, in Sachen Sprache, Sport und Küche, Mode und Musik. Der Jüdische Humor ist ohnehin legendär. Vergangenheit und Gegenwart werden dabei miteinander verwoben, die Chronologie der Ereignisse aufgebrochen, und historische Ereignisse und Menschen begegnen denen der Gegenwart. Denn auch im modernen Judentum hat die Tradition eine große Bedeutung. Durch diese Verknüpfung entsteht ein buntes und spannendes Bild von der Kontinuität jüdisch-deutscher Geschichte. Die Dokumentation reduziert das Bild von Juden nicht auf die Opferrolle (Pogrome, Ghettorisierung, Schoah), sondern stellt Verbundenheit in den Vordergrund – mitreißend und ohne die für dieses Thema sonst typische Schwere, denn es kommen interessante und sympathische Vertreter:innen eines äußerst dynamischen und diversen deutschen Judentums zu Wort.