Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30.11.2021…

Di., 16. Nov · 17:45-18:30 · 3sat
Basare der Welt: Jerusalem

Jerusalem – Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37 000 Menschen in nach Religionen getrennten Vierteln auf knapp einem Quadratkilometer Fläche. Dazu kommen täglich Tausende Pilger, die sich auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion befinden. Konflikte sind vorprogrammiert. Die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Die Filmautorin Elke Werry zeigt Orte und Innenansichten, die den meisten Touristen verborgen bleiben. Sie porträtiert Händler der verschiedenen Viertel und ihren ungewöhnlichen Alltag. Sie besucht jahrhundertealte Marktgewölbe, in denen die Bewohner ihren Lebensmittelbedarf decken, die alte Metzgergasse „Souk Lahamin“ und eine palästinensische Bäckerei. Sie trifft einen armenischen Fotografen in seinem nostalgischen Laden mit hunderten Fotografien des alten Jerusalem und verweilt in Gässchen, in denen mit „heiligen“ Souvenirs gute Geschäfte gemacht werden. Sie macht Station in einer muslimischen Pilgerherberge, bei einem Judaica-Händler und in einem Friseurgeschäft, in dem Frauen aller Religionen für kurze Zeit ihren anstrengenden Alltag vergessen und miteinander ins Gespräch kommen.

Di., 16. Nov · 20:15-21:45 · arte
Hitler und Stalin – Porträt einer Feindschaft

Sie begegneten einander nie und blieben doch aufeinander fixiert: Hitler und Stalin. Die Todfeindschaft ihrer Systeme riss alles Bestehende aus den Fugen. Zum ersten Mal unternimmt ein Dokumentarfilm den Versuch eines Doppelporträts. Erzählt wird von einem Nahkampf über Tausende von Kilometern hinweg, den die Soldaten beider Armeen vom 22. Juni 1941 an auf den Schlachtfeldern austragen mussten. Am Beispiel der Kämpfe um Moskau, Leningrad, Stalingrad und Berlin wird dokumentarisches Material in eine überraschende Korrespondenz gebracht – als fände ein unmittelbarer Zweikampf statt. Die Erzählweise steigert Aktion und Reaktion beider Diktatoren zu einem psychologischen Polit-Drama. Der Dokumentarfilm liefert neue Einsichten in alte Fragestellungen: Wie werden Menschen zu Diktatoren? Was machte die Ähnlichkeit und was den Unterschied zwischen beiden Herrschern und Systemen aus? Wie umlauerten, belogen sie einander? Durch Parallelmontage von zum Teil unveröffentlichten Archivfilmen und aktuellen Aufnahmen der einstigen Originalschauplätze entsteht ein bedrängendes Bild: Hitler und Stalin waren entgegengesetzte Pole in dem Geist, den sie predigten, aber Brüder im Blut. Deutschland und die Sowjetunion wurden unter ihrer Herrschaft zu personenkultischen Terrorregimes. Der Film bleibt dicht an den Protagonisten, geht ihrem Programm und ihrer Paranoia nach und blickt auf Phänomene, die das 20. Jahrhundert erschütterten, völlig veränderten und bis in unser 21. Jahrhundert nachwirken.

Mi., 17. Nov · 00:15-02:10 · ZDF
Die dunkelste Stunde

Großbritannien 1940: Winston Churchill, gerade zum neuen britischen Premierminister ernannt, steht vor der dramatischen Entscheidung, wie er sich gegenüber Hitlerdeutschland verhalten soll. „Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“. Churchills Worte aus seiner ersten Unterhaus-Rede als britischer Premier am 13. Mai 1940 haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt: als Fanal zum kompromisslosen Kampf gegen die Nazis, die Europas Freiheit bedrohen. Großbritannien in der Anfangsphase des Zweiten Weltkriegs: Kurz nach seinem Amtsantritt im Mai 1940 muss der britische Premierminister Winston Churchill (Gary Oldman) eine schwere Entscheidung treffen. Soll er die gescheiterte Appeasement-Politik seines Vorgängers Neville Chamberlain (Ronald Pickup) wieder aufnehmen und ein schlechtes Friedensabkommen mit Nazideutschland schließen? Oder soll er den beinahe hoffnungslosen Kampf gegen die übermächtigen deutschen Streitkräfte fortsetzen und damit die Ideale und Freiheiten seines Landes verteidigen? Unterstützt von seiner Frau, der in über dreißig von der Politik dominierten Ehejahren gestählten Clementine (Kristin Scott Thomas), muss sich Churchill gegen starke Strömungen innerhalb seiner Partei, den konservativen Tories, durchsetzen. Denn seine Parteifreunde halten ihn bestenfalls für zweite Wahl, da sie lieber Lord Halifax (Stephen Dillane), einen weiteren Vertreter der Appeasement-Politik, an der Spitze der Regierung gesehen hätten. Doch der Druck der Labour Party in der neuen Allparteien-Koalition ebnet Churchill den Weg nach ganz oben. Und zu Anfang teilt auch King George VI. (Ben Mendelsohn) das Misstrauen gegenüber dem als unberechenbar und verantwortungslos verrufenen Churchill, muss ihn jedoch als Premierminister akzeptieren. Als die Drohung einer deutschen Invasion immer stärker wird, während 300 000 britische Soldaten in Dünkirchen eingekesselt in der Falle sitzen, muss Churchill nicht nur nach einer militärischen Lösung suchen, sondern auch seine Landsleute mit motivierenden Reden auf den hohen Preis vorbereiten, den der Krieg gegen Hitlerdeutschland von ihnen fordern wird. Und hier zeigt sich die große Stärke des neuen Premiers, eine rhetorische Begabung, mit der er die Bevölkerung in mitreißenden Appellen an ihren Durchhaltewillen zu neuen Anstrengungen motiviert. Zu denjenigen, die bereits ein Familienmitglied in diesem Krieg verloren haben, gehört auch seine junge neue Sekretärin Elizabeth Layton (Lily James), der er diese Reden und unzählige Briefe diktiert. Elizabeths Nähe zu denjenigen, denen Churchill mit dem Kampf gegen Deutschland immer neue Opfer abverlangt, hilft dem Premier, die psychischen und emotionalen Folgen seiner Politik der Härte nicht aus den Augen zu verlieren. „Schiere Verachtung, darauf können wir aufbauen“: Wer sich der widrigen Umstände seines Amtsantritts mit so viel Humor bewusst ist, gibt nicht so schnell auf. Und so gelingt es Churchill trotz vieler Intrigen und der anhaltenden Skepsis seiner eigenen Leute, jedoch mit zunehmender Unterstützung des Königs, seine Politik des Widerstands durchzuhalten. Mit der Operation „Dynamo“ wird er schließlich fast alle von den Deutschen in Dünkirchen eingeschlossenen Soldaten retten und die Freiheit Großbritanniens verteidigen. Der Titel des Films bezieht sich auf eine Rede Winston Churchills am 18. Juni 1940 im britischen Unterhaus, in der es um die sich abzeichnende militärische Niederlage Frankreichs am Ende des deutschen Westfeldzugs ging – von Churchill als „dunkelste Stunde in der Geschichte Frankreichs“ bezeichnet. Der britische Regisseur Joe Wright, dessen Romanverfilmung „Abbitte“ bereits vor demselben historischen Hintergrund spielte, zeichnet das Bild eines Politikers, dem es gelingt, mit Entschlossenheit und starken Worten die politische Klasse seines Landes, vor allem aber ein ganzes Volk zu mobilisieren. Wie zuvor schon in Lone Scherfigs „Ihre beste Stunde“, vor allem aber in Christopher Nolans „Dunkirk“, der die dramatische Situation der eingeschlossenen britischen Soldaten vor Ort nacherlebbar machte, ist die zivile Rettung Tausender Soldaten über den Ärmelkanal auch in „Die dunkelste Stunde“ ein historisches Ereignis, das als Beweis der moralischen Stärke Großbritanniens in das nationale Bewusstsein einging. Churchills unbeirrbare Haltung gegenüber Nazideutschland und eine historische Situation, in der sich Großbritannien angesichts des geschlagenen Frankreich und noch vor dem Kriegseintritt der USA ganz auf sich allein gestellt einer drohenden Invasion ausgesetzt sah, macht es nebenbei auch heutigen Zuschauern leichter, das Brexit-Land des Jahres 2020 zu verstehen: Wer sich einmal unter großen Opfern gegen den Verlust seiner Freiheit gestemmt hat, sieht im Zweifel auch in politisch weniger existentiellen Zeiten eine vermeintliche Unabhängigkeit als das höchste Gut.

Mi., 17. Nov · 22:00-22:45 · BR
Die Sache mit Israel – Gewollt oder ungewollt: Über die Mechanismen eines Vorurteils

Der Antisemitismus wird in Deutschland seit Jahren immer stärker, aggressiver und brutaler. Statistiken zeigen ein extremes Wachstum an Angriffen auf Juden und Jüdinnen sowie jüdische Einrichtungen. Richard C. Schneider setzt sich in dieser Reihe mit den Hintergründen auseinander, skizziert historische, gesellschaftliche und ideologische Motive im Gespräch mit zahlreichen Expert/innen und Wissenschaftler/innen aus einer bewusst jüdischen Perspektive. Statistiken zeigen ein extremes Wachstum an antisemitischen Vorfällen in Deutschland in den letzten Jahren. So ist zum Beispiel Berlin mittlerweile die Stadt mit der höchsten Anzahl an antisemitischen Vorkommnissen in ganz Europa geworden. Ob von links oder rechts, von Muslimen oder aus der Mitte der Gesellschaft – Juden und Jüdinnen sowie jüdische Einrichtungen werden hierzulande immer häufiger angefeindet und oftmals auch gewalttätig angegriffen. Richard C. Schneider setzt sich in dieser Reihe mit den Hintergründen und verschiedenen Formen des Antisemitismus in Deutschland auseinander und skizziert historische, gesellschaftliche und ideologische Motive im Gespräch mit zahlreichen Expert/innen und Wissenschaftler/innen aus einer bewusst jüdischen Perspektive.

Mi., 17. Nov · 22:15-23:00 · RBB
Schalom Neues Deutschland – Juden in der DDR

Antisemitismus galt in der DDR als „mit Stumpf und Stiel“ ausgerottet. „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“ hieß es, Antifaschismus war in der DDR Staatsdoktrin. Dennoch lebten in der Gesellschaft antisemitische Denkmuster fort und auch das Verhältnis der Staatsführung zu den Juden im Land schwankte zwischen repressivem Vorgehen gegen „zionistische Strömungen“ und Ignoranz. Nach 1945 waren es zumeist vom Kommunismus überzeugte Juden, die in die DDR zurückkehrten. Bei der individuellen Entscheidung für eine Rückkehr in dieses neue Deutschland spielte die kommunistische Weltanschauung gegenüber der jüdischen Herkunft zumeist eine übergeordnete Rolle. Nach einer 1946 durchgeführten Volkszählung waren in Ostdeutschland 4500 Mitglieder der jüdischen Gemeinden registriert. Die Zahl sank bis 1989 auf ca. 400. Die acht jüdischen Gemeinden wurden einerseits vom Staat unterstützt, andererseits von den Sicherheitsorganen observiert. Eine ständige Herausforderung für die ostdeutschen Juden ist der Umgang ihres Staates mit Israel. Zunächst waren die Sowjetunion und ihre Verbündeten Befürworter des jungen jüdischen Staates. Nach dessen Bekenntnis zum Bündnis mit den USA propagierte die Staatsführung jedoch immer deutlicher einen aggressiven Antizionismus, der die jüdischen Gemeinden in der DDR unter Druck setzte. Es entwickelten sich massive antijüdische Tendenzen im Ostblock. 1952 fand in der Tschechoslowakei der Slánsky-Prozess gegen 14 führende Mitglieder der kommunistischen Partei statt. Ihnen wurde u. a. vorgeworfen, sie seien „zionistische Verräter“. Elf der Angeklagten wurden gehenkt, drei erhielten eine lebenslange Haftstrafe. Der Slánský-Prozess verunsicherte auch die Juden in der DDR. Viele von Ihnen verließen aus Furcht vor Verfolgung das Land. Das Verhältnis der jüdischen Gemeinden zum Staat DDR blieb über die Jahre zwiespältig. Inwieweit wurde in dem antifaschistischen Staat konsequent gesellschaftlicher Antisemitismus bekämpft? Als in den 1980er Jahren junge Neonazis in der DDR unverhohlen auftraten und Hakenkreuze auf Grabsteine schmierten, war der Staat im Zugzwang. Das ambivalente Verhältnis zwischen den ostdeutschen Juden und dem Staat DDR zeigt die Dokumentation vor allem durch die persönlichen Erfahrungen jüdischer DDR-Bürger auf. Salomea Genin, die als junge Kommunistin mit vielen Illusionen in die DDR kam, hoffte auch durch die Arbeit in der jüdischen Gemeinde etwas ändern zu können. Auch für den Schriftsteller und Journalisten Walter Kaufmann war die DDR Wahlheimat. Er findet erst spät zu seinen jüdischen Wurzeln zurück. Werner Lappe aus Dresden kommt mit seinen Eltern aus dem englischen Exil in die DDR. Der Rocksänger Andre Herzberg spürte die Zerrissenheit der Mutter, wenn sie sich zwischen der kommunistischen Überzeugung und der jüdischen Religion entscheiden sollte. Für ihn wurde die jüdische Identität nach der friedlichen Revolution 1989 ein neuer Anker.

Mi., 17. Nov · 23:00-00:30 · RBB
Schalom und Hallo

Eine Reise durch die Zeit und die jüdische Kultur. Schauspielerin Susan Sideropoulos begibt sich auf die Reise und sucht auch nach Spuren ihrer Vorfahren. Vergangenheit und Gegenwart werden miteinander verwoben. Denn auch im modernen Judentum hat die Tradition eine große Bedeutung. Durch die Verknüpfung entsteht ein buntes und spannendes Bild von 1.700 Jahren deutsch jüdischer Geschichte. Immer mit Blick auf die Gegenwart erzählt sie vom Köln zu Römischer Zeit, von den mittelalterlichen SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz, vom Frankfurt der frühen Neuzeit, sowie von Leipzig, Hamburg, München oder Berlin. Dabei stehen nicht nur historische Figuren und Ereignisse im Mittelpunkt, sondern vor allem „Menschen von heute“ wie die Rabbinerin Jasmin Andriani, Folk-Musiker Daniel Kahn, Filmregisseur Peter Kahane, die Literaturwissenschaftlerin und Buchhändlerin Rachel Salamander, Autorin Linda Sabier oder Gastronomin Shani Leiderman. Ferner zählen der Publizist Josef Joffe, Historiker Julius Schoeps sowie Museumsdirektorin Miriam Wenzel zu den Interviewpartner:innen. Vergangenheit und Gegenwart werden so miteinander verwoben, die Chronologie der Ereignisse aufgebrochen, und historische Ereignisse und Menschen begegnen denen der Gegenwart. Durch diese Verknüpfung entsteht ein buntes und vielschichtiges Bild von der Kontinuität jüdisch-deutscher Geschichte. Susan Sideropoulos über das Projekt: „Diese Doku zu machen war für mich persönlich auch eine Entdeckungsreise. Ich habe viel über meine eigenen Wurzeln gelernt und interessante Persönlichkeiten kennengelernt.“

Do., 18. Nov · 23:40-00:25 · 3sat
Ohne Gnade – Euthanasie im Nationalsozialismus

Anhand von den Biografien von drei Opfern zeichnet „Ohne Gnade“ das perfide System der Euthanasie im Nationalsozialismus nach und begleitet Angehörige auf ihrer Suche nach der Wahrheit. Auch gut 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es immer noch keine genauen Zahlen über die Opfer der sogenannten NS-Euthanasie. Nach Berechnung von Experten hat jeder achte Deutsche einen ermordeten Verwandten unter seinen Vorfahren. Offiziell spricht man von 200 000 bis 300 000 Menschen, die im Rahmen der „Aktion T4“ und der späteren wilden Euthanasie in den Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1939 und 1945 starben. Die Krankenmorde der Nazis sind ein blinder Fleck in der Aufarbeitung. Gleichzeitig beeinflussen sie bis heute unsere Gesellschaft in der Diskussion über Inklusion, den Umgang mit Behinderten und Randgruppen. Die Krankenmorde haben aber auch in den Familien, in denen die Vorkommnisse aus Scham totgeschwiegen wurden, ein Trauma hinterlassen. Viele Nachkommen machen sich erst jetzt auf Spurensuche. Sie brechen das Schweigen, erforschen und erzählen das Schicksal ihrer ermordeten Angehörigen. Sie rühren damit an alte Wunden – und heilen sie zugleich.

Fr., 19. Nov · 00:25-01:25 · arte
Als die Nazis an die Macht kamen: Machtergreifung

Anfang der 30er Jahre steckte Deutschland – wie ein Großteil der industriellen Welt – in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Arbeitslosigkeit, Rezession und zunehmende politische Gewalt brachten den demokratischen Staat an den Rand des Zusammenbruchs. Dieses Klima kam Adolf Hitler zugute, dessen Partei mehr und mehr Anhänger fand. Der aggressive und antisemitische Diskurs der NSDAP fiel nicht nur bei Teilen der Arbeiterschaft, sondern auch bei einem Teil der deutschen Eliten auf fruchtbaren Boden. Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Manche meinten, das sei ein Spuk, Hitler könne sich nur wenige Monate an der Macht halten. Doch das Gegenteil trat ein: Innerhalb kürzester Zeit weiteten die Nazis ihren Einfluss auf die gesamte Gesellschaft aus. Die Männer der SA verbreiteten als Hilfspolizei Angst und Schrecken auf den Straßen und gingen mit dumpfer Brutalität gegen Regimegegner, vor allem gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, vor. In Dachau, vor den Toren Münchens, wurde auf dem Gelände einer stillgelegten Munitionsfabrik das erste sogenannte Konzentrationslager errichtet. Menschen jüdischen Glaubens wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, sie wurden aus dem Staatsdienst entlassen, jüdische Geschäfte und Betriebe wurden im gesamten Reich boykottiert. Am 23. März 1933 verabschiedete der Reichstag, in dem die Nationalsozialisten nicht die Mehrheit hatten, mit den Stimmen des katholischen Zentrums das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Die SPD stimmte dagegen, die Abgeordneten der KPD waren bereits im Gefängnis oder im KZ. Dieses Gesetz schuf eine scheinbare rechtliche Grundlage für eine Diktatur. Viele Menschen, Künstler, Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler verstanden, dass dies der Anfang einer Schreckensherrschaft ist. Und sie beschlossen, aus Deutschland zu emigrieren. Die Texte dieser zweiteiligen Dokumentation werden von Eva Mattes gelesen.

Fr., 19. Nov · 01:25-02:15 · arte
Als die Nazis an die Macht kamen: Gleichschaltung

Ab 1933 mutierte Deutschland zur Diktatur. Hitler stand im Mittelpunkt des nationalsozialistischen Personenkults. Immer mehr Deutsche liefen in das Lager der Machthaber über, sei es aus Opportunismus, aus Angst oder auch aus scheinbarer Überzeugung. Der Staat war allgegenwärtig im Berufs- und Privatleben der Menschen, die von Kindesbeinen an in der Schule und den Jugendorganisationen der Nazis indoktriniert wurden. Unter Arbeitskollegen herrschte ein Klima des Misstrauens, Nachbarn spionierten einander aus. Bei den von Propagandaminister Goebbels organisierten Großveranstaltungen jubelten die Massen. Die antisemitische Politik verschärfte sich durch die sogenannten Nürnberger Gesetze von September 1935. Mit ihrem Inkrafttreten war eine scheinbar rechtliche Grundlage für die Verfolgung von Menschen jüdischen Glaubens geschaffen. Im November 1938 wurde der deutsche Botschaftssekretär in Paris, Ernst vom Rath, von dem jungen Polen Herschel Grynszpan ermordet. Das Attentat und der Tod des Botschaftsrats vom Rath gab dem Reichsminister Goebbels den Vorwand, einen vermeintlich „spontanen“ Volksaufstand in ganz Deutschland zu inszenieren. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kommt es zur sogenannten Reichskristallnacht beziehungsweise Reichspogromnacht. Es ist die Nacht, in der Zehntausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Diese Nacht ist der Anfang dessen, was direkt zur Schoah führte.

Sa., 20. Nov · 01:15-02:55 · arte
Die Oslo-Tagebücher

Die internationale Koproduktion dokumentiert zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Der Dokumentarfilm erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zum Friedensabkommen von Oslo kam, und fragt nach den Ursachen für das Scheitern der anschließenden Verhandlungen. Ein packender Politthriller, für den Mor Loushy und Daniel Sivan die persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten nutzen konnten. Zudem arbeiteten sie wie in ihrem letzten preisgekrönten Film „Censored Voices“ (2015) mit noch nie gezeigtem Archivmaterial. Im September 1993 schien Frieden möglich: Israels Ministerpräsident Izchak Rabin und Jassir Arafat, Chef der palästinensischen Befreiungsbewegung, gaben sich auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände. Eine historische Geste der Versöhnung: Zwei erbitterte Feinde präsentierten sich als Partner. In einem Grundsatzabkommen, den sogenannten Oslo-Verträgen, hatten sie sich verpflichtet, gemeinsam eine Lösung des Konflikts zu finden. Unter strikter Geheimhaltung war es in Norwegen ausgehandelt worden. Die ehemals erbitterten Feinde einte die Überzeugung, dass das Blutvergießen auf beiden Seiten endlich gestoppt werden müsse. Der Dokumentarfilm erzählt die wahre Geschichte jener Akteure, die damals versuchten, Frieden zu schaffen.

Sa., 20. Nov · 04:25-04:58 · Das Erste (ARD)
Weltspiegel-Reportage: Vision Wüste – Wo Israel die Zukunft baut

Die Zukunft Israels – dafür stand eigentlich immer die moderne Metropole Tel Aviv mit ihren glitzernden Wolkenkratzern, Start Ups, ihrem Lifestyle. Hunderttausende Pendler drängen täglich in die Stadt, die aus allen Nähten platzt. Immobilienpreise explodieren – ganz ähnlich wie in deutschen Metropolregionen, nur noch schneller. An seiner Attraktivität droht Tel Aviv zu ersticken. Mehr Luft zum Atmen gibt es dagegen in der Wüste. „Schon Israels Staatsgründer Ben Gurion wusste: Die Zukunft Israels liegt im Süden, in der Negev und der Arava Wüste. Denn es war brachliegendes Land. Aber damit die Menschen die überfüllten Metropolen verlassen und hier Wurzeln schlagen, muss man ihnen echte Lebensqualität bieten, Arbeitsplätze, soziale Einrichtungen, alles was man für einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf braucht“, sagt Eric Narrow vom Jewish National Fund. Die neuen Pioniere wollen die Vision der Staatsgründer wiederbeleben: Die entlegenen Regionen im Süden und Norden Israels so attraktiv machen, dass sich mindestens eine halbe Million Menschen binnen der nächsten 25 Jahre dort ansiedeln und so die Metropolregionen um Tel Aviv und Jerusalem entzerren. Die Reise in die Zukunft beginnt in der Arava-Wüste. Dort im Nirgendwo wandeln sich Landwirte zu Biotechnologie-Unternehmern. Yossi Ben etwa hat im Umfeld seiner malerischen Antilopen-Range zusammen mit einem internationalen Forscherteam ein spezielles Kalzium-Carbonat entwickelt, das Hoffnung auf Heilung für schwere Krankheiten weckt. Investoren haben bereits 25 Millionen Euro zu seiner Geschäftsidee beigesteuert. Im nahe gelegenen Tsukim hat Udi Segev seinen Lebenstraum verwirklicht. Der Anwalt hat mit seiner Familie das teure und laute Tel Aviv verlassen und sich am atemberaubenden Abhang eines Wüstenkraters eine Villa gekauft: „Dieser Ort ist heiß wie in der Hölle, aber schön wie das Paradies. Wenn ich auf der ganzen Welt einen Platz zum Leben wählen müsste, dann ist es dieser.“ Dank Internet kann er von hier ausarbeiten. Die 30-jährige Polly Gupailo nimmt uns mit ins Nachtleben der Wüsten-Stadt Beer Sheva. Mit ihren pink gefärbten Haaren steht die Webdesignerin für das neue Gesicht der einstigen ärmlichen Arbeiterstadt. Denn sie hat nach ihrer Ausbildung nicht die Koffer gepackt wie so viele andere junge qualifizierte Menschen. Polly ist fest entschlossen, hier zu bleiben und den Aufbruch in Israels Zukunft in der Negev Wüste mitzugestalten. Nicht weit von Pollys Büro steht ein Symbol für den Wandel. Die Brücke, die scheinbar alles miteinander verbindet. Auf der einen Seite die Ben Gurion Universität, auf der anderen Seite der neue Hochtechnologie-Park, mit einer beachtlichen internationalen Cybertech-Szene, benachbart von Wohngebieten und alles erreichbar mit der Bahn. Doch die Städteplaner wissen, dass sie alle Teile der Gesellschaft auf dem Weg in die Zukunft mitnehmen müssen. Dazu gehören auch die Beduinen in der Negev-Wüste. Viele leben in Armut, in traditionellen Clan-Strukturen, einer Parallelgesellschaft. In der Beduinenstadt Rahat wurde deshalb ein Gründerzentrum errichtet. Dort bricht die 19-jährige Aisha Abu Jaber mit den Stereotypen einer traditionellen Stammesgesellschaft. Die Elektrotechnik-Studentin hat eine App entwickelt, mit der man an allen Tankstellen im Land bezahlen kann: „Anfangs gab es Widerstand. Die Leute fanden es merkwürdig, dass eine Beduinenfrau in die Welt der Unternehmer wollte. Heute akzeptieren sie es schon mehr“, sagt Aisha Abu Jaber. Die Initiativen in der Region fruchten bereits. Beer Scheva wächst wieder. Aber die Gehälter sind noch deutlich niedriger als in Tel Aviv oder Jerusalem. Der Mangel an Fachkräften in den entlegenen Regionen ist nach wie vor groß. Die neuen Pioniere nehmen die Herausforderungen an – und nehmen die Zuschauer mit auf ihre Reise in Israels Zukunft.

Sa., 20. Nov · 20:15-21:45 · ARD-alpha
Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis

Ein altes Grammofon, Briefe und ein Tagebuch. Auf dem Dachboden einer Hamburger Villa lag jahrelang unentdeckt eine alte Seekiste, der Nachlass von Gustav Schröder. Er war Kapitän auf dem Transatlantik-Passagierschiff der HAPAG, der „St. Louis“. Sein Name erinnert in der Internationalen Holocaust Gedächtnisstätte Yad Vashem in Jerusalem an die dramatischen Ereignisse an Bord der „St. Louis“. Voller Zuversicht verlassen 937 jüdische Flüchtlinge 1939 den Hamburger Hafen. Nazi-Deutschland hinter sich, die Freiheit vor sich. Ein Visum für Kuba verspricht ein Leben ohne Angst. Doch Havanna verweigert die Einreise. Kapitän Schröder nimmt Kurs auf die USA. Auch Washington lässt die „St. Louis“ nicht in einen sicheren Hafen. Als auch noch Kanada die Aufnahme verweigert, gerät die Fahrt in die Freiheit zur Odyssee auf dem Atlantik. An Bord machen die Worte Selbstmord und Meuterei die Runde. Knapp einen Monat nach dem Verlassen des Hamburger Hafens läuft die „St. Louis“ in Antwerpen (Belgien) ein. Fast ein Drittel der Passagiere werden in den folgenden Jahren von den Nazis ermordet. Die größte Krise mit Geflüchteten in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg und aufkeimender Antisemitismus lassen die Ereignisse an Bord der „St. Louis“ erschreckend aktuell erscheinen. 2019 erinnerte die „Washington Post“ an die Ereignisse aus dem Jahr 1939, Kanadas Premierminister Justin Trudeau entschuldigte sich bei den Familien der jüdischen Geflüchteten, die einst von Kanada abgewiesen wurden.

So., 21. Nov · 05:05-06:00 · arte
Stanislaw Lem – Der literarische Kosmonaut

Stanisław Lem wird 1921 in Lemberg geboren, das zu dieser Zeit zu Polen gehört. Der Sohn einer polnisch-jüdischen Arztfamilie beginnt 1940 ein Studium der Medizin in dem nun sowjetisch besetzten Lemberg. Als Folge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im Jahr 1941 ist Lem gezwungen, sein Studium abzubrechen. Er verschleiert seine jüdische Herkunft mit gefälschten Papieren und kann als Schweißer für das deutsche Unternehmen „Rohstofferfassung“ arbeiten. Gegen Ende des Krieges setzt er sein Studium in dem nun wieder von der Roten Armee kontrollierten Osten Polens fort. Da Lemberg 1946 von der Sowjetunion annektiert wird, geht Lem nach Krakau, wo er sein Studium fortsetzt und als Forschungsassistent arbeitet. Gleichzeitig beginnt er, erste Texte zu verfassen. Als er das Medizinstudium abschließen will, lässt ihn die Prüfungskommission durchfallen, da er sich weder der stalinistischen Ideologie unterwirft, noch bereit ist, sich als Militärarzt einsetzen zu lassen. Wie überlebte Stanisław Lem den Holocaust? Wie stand er, der sowohl Propagandawerke schrieb als auch in illegale Oppositionstätigkeiten verwickelt war, tatsächlich zum Kommunismus? Wie konnte er technische Entwicklungen detailgetreu beschreiben, obwohl er in einer Krakauer Vorstadt lebte, hinter dem Eisernen Vorhang und unter einem repressiven Regime, das nicht vor Zensur zurückschreckte? Und warum schrieb er als bekennender Atheist für die katholische Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“? Stanisław Lem gilt heute vor allem als einer der größten Vordenker und Schriftsteller der Nachkriegszeit, der das Genre Science-Fiction erst richtig salonfähig gemacht hat. Seinen Welterfolg feierte er 1961 mit dem Science-Fiction-Roman „Solaris“, der mehrmals verfilmt wurde, unter anderem von Andrej Tarkowski und Steven Soderbergh.

So., 21. Nov · 03:45-05:15 · PHOENIX
Der gute Göring

Zwei Brüder. Den einen kennt jeder er war Reichsfeldmarschall und die Nummer zwei nach Adolf Hitler: Hermann Göring. Der andere ist vergessen zu Unrecht, denn er hat im Dritten Reich zahlreiche Menschenleben gerettet, indem er ihnen Pässe besorgte oder für sie Geld auf Konten in der Schweiz hinterlegte: Albert Göring. Im filmischen Teil des Dokumentarspiels begegnen sich Hermann (Francis Fulton-Smith) und Albert Göring (Barnaby Metschurat) in fünf Szenen, die historisch belegt sind. Bei einem dieser Treffen, das im Jahr 1935 spielt, bittet Hermann seinen um zwei Jahre jüngeren Bruder um Hilfe für die Schauspielerin Henny Porten (Natalia Wörner), deren Mann Jude ist. Bei einer Begegnung im Dezember 1944 muss Hermann Göring seinen kleinen Bruder vor der Gestapo schützen, die ihn lange schon bespitzelt und mit dem Tode bedroht. Am 13. Mai 1945 sehen sich Hermann und Albert Göring zum letzten Mal in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Albert Göring ist heute vergessen, weil sein Name Göring ist. Sein Name war in der Nachkriegszeit vergiftet. Mit Gelegenheitsübersetzungen musste sich Albert Göring durchschlagen; er starb verarmt 1966. Die Menschen, die er gerettet hatte, unternahmen schon in den 60er Jahren Versuche, ihn ins richtige Licht zu rücken. In Yad Vashem liegt seit etlichen Jahren ein Antrag vor, Albert Göring in die Reihe der Gerechten unter den Völkern aufzunehmen. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Staat Israel Nicht-Juden, die in der Hitlerzeit Juden vor Verfolgung, Deportation und Ermordung retteten. Über den Antrag für Albert Göring ist bis heute noch immer nicht entschieden.

Mo., 22. Nov · 01:15-02:45 · HR
München 1970 – Als der Terror zu uns kam

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München. Doch bereits zweieinhalb Jahre zuvor hat München wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Das Panorama setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Aufnahmen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen und Aussagen früherer Bombenleger der linken Szene. Weder die versuchte Entführung einer EL AL Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten, die meisten Holocaustüberlebende, noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Er war der Kollateralschaden für eine vermeintlich gute Sache, für den angeblich gerechten Kampf um einen palästinensischen Staat. Aber wer hatte beschlossen, dass sein Tod gerecht ist? Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach Antworten auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der 70er Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten. „München 1970“ das ist auch der bislang nicht wahrgenommene Prolog der Anschläge auf die Olympischen Spiele 1972. Das Panorama der zwölf Tage im Februar 1970 setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen, die verkohlte Andenken an ihre Eltern aus den Trümmern der Swissair geborgen haben und ihre Erinnerungen sortieren. Aus den dramatischen Erinnerungen an die verheerende Brandnacht im jüdischen Altersheim in München und aus Schilderungen von Zeitzeugen, die damals meinten, den gerechten Kampf der Palästinenser in Deutschland mit allen Mitteln unterstützen zu müssen. Die Generation der 68er, die wütend die verdrängte Nazivergangenheit der Eltern anprangerte, machte gemeinsame Sache mit der Judenfeindschaft der arabischen Genossen. Die handelnden Personen, so sie noch leben und so sie reden, sind heute im gesetzten Rentenalter. Sie haben mit Erinnerungsschwächen zu kämpfen, mit Rheuma und steifen Gelenken. Es sind Bombenleger darunter, Brandstifter, Mörder. Sie haben ihre Strafen verbüßt, aber die wenigstens haben etwas dazu gelernt. In ihren Schilderungen der Zeit schwebt Wehmut mit. Oder sie schweigen beharrlich. „Das Humansein müssen wir einfach liquidieren“, schreibt ein prominenter Stadt-Guerillero. Dem stemmt sich der Film entgegen. Der Film geht aber auch der Frage nach, warum die deutschen Strafverfolgungsbehörden zwar einerseits sehr akribische Untersuchungen zu den Anschlägen durchführten, dann aber die Attentäter noch im selben Jahr abgeschoben wurden. Erstmals geben damalige hochrangige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen deutschen Linken und palästinensischen Terrorkommandos, aber auch über die europäische Politik der Beschwichtigung und über die Weigerung, die israelischen Warnungen ernst zu nehmen. Am Ende bleibt die bange Frage: Wäre der Anschlag auf die Olympiade in München 1972 zu verhindern gewesen oder sogar der 11. September, wie einige behaupten?
Bild oben: ZDF-Mann Crisolli starb 1970 bei einem palästinensischen Bombenattentat, (c) HR/Privatfoto

Mo., 22. Nov · 09:45-10:00 · ARD-alpha
Jerusalem – Die heilige Stadt

Verehrt und immer wieder erobert, zerstört und wieder aufgebaut: Wohl kaum eine Stadt auf der Welt hat eine so wechselhafte und dramatische Geschichte erlebt wie Jerusalem. „Die Heilige Stadt“ ist ein Kreuzungspunkt der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Wenn Juden auf der ganzen Welt statt dem Jahr 2009 heuer das Jahr 5770 feiern, liegt das auch in dem Religionsstifter Abraham begründet, der in den anderen beiden Welt-Religionen Christentum und Islam eine ebenfalls wichtige Rolle spielt. Der Film „Jerusalem – Die Heilige Stadt“ von Andreas Poteschil, der im Rahmen des BR-Schulfernsehens ausgestrahlt wird, zeigt die unterschiedlichen Glaubenswelten, die in Jerusalem aufeinander prallen. Was bedeutet beispielsweise die Klagemauer für die Juden und die daneben gelegene Al-Aqsha-Moschee für die Muslime? Gerade der Tempelberg, auf dem Abraham seinen Sohn opfern wollte und wo später der große Tempel stand, aus dem Jesus die Händler vertrieb, ist wohl das zentrale Symbol dieser heiligen Stadt. Hier steht heute die Al-Aqhsa-Moschee, eines der wichtigsten Heiligtümer des Islam. Hier soll der Prophet Mohammed in den Himmel aufgefahren sein. Heute wird diese muslimische Pilgerstätte von israelischen Sicherheitskräften vor Fanatikern geschützt, ebenso wie die direkt darunter gelegene Klagemauer: Hier beklagen Juden aus aller Welt die Zerstörung des früheren Tempels und stecken kleine Zettel mit Gebeten und Wünschen in die Mauerfugen. Im Film erklärt ein junger amerikanischer Rabbi, welche Bedeutung sein Glaube für ihn hat, und eine junge Muslima beschreibt ihre Hoffnungen im Alltag der Stadt. Ebenso wichtig wie für Juden und Muslime ist Jerusalem auch für die Christenheit. Denn hier sorgte Jesus als Prediger für die Nächstenliebe für Aufsehen, hier wurde er schließlich angeklagt, gekreuzigt und begraben. In die berühmte Grabeskirche strömen deshalb bis heute Christen aus der ganzen Welt, um ihm zu gedenken. Denn hier soll Jesus Christus auferstanden und seinen Jüngern erschienen sein. Und hier entstand die zahlenmäßig größte Religion der Menschheit. Trotz der Faszination, die Jerusalem aber auch auf manche Fanatiker ausübt, versuchen die Bewohner der Stadt den Alltag friedlich miteinander zu meistern. Da das Kloster St. Anna des Ordens der „Weißen Väter“ beispielsweise im arabischen Teil der Stadt liegt, ist es für Pater Thomas Meyer selbstverständlich, auch arabisch sprechen zu können und seine muslimische Nachbarschaft nach Kräften zu unterstützen. Deshalb ist der engagierte Mönch im arabischen Viertel auch immer willkommen. Denn statt einem „Clash of the Cultures“, einem Kampf der Kulturen, so Pater Meyer, ist im 21. Jahrhundert Zusammenarbeit erforderlich, gerade in Jerusalem.

Di., 23. Nov · 20:15-21:45 · arte
Misha und die Wölfe

Anfang der 1990er Jahre brach Misha Defonseca ein 50-jähriges Schweigen. Sie begann in einer jüdischen Gemeinde von ihren schlimmen Erlebnissen als junges Mädchen während des Holocaust zu erzählen: Ihrer Identität beraubt und im Haus einer katholischen Familie versteckt, beschloss sie zu fliehen. Misha lief quer durch Europa nach Osten, aß Insekten und freundete sich mit Wölfen an. Sie flüchtete vor den Nazis und lebte allein auf der Suche nach ihren verstoßenen Eltern. Verlegerin Jane Daniel hörte davon und überredete Misha, ihre Geschichte aufzuschreiben. Noch bevor das Buch geschrieben war, begann der Presserummel. Disney kaufte die Filmrechte und die Übersetzungsrechte wurden weltweit verkauft. Als das Buch fertig war, meldete sich Oprah’s Book Club. Ihre Beteiligung garantierte einen internationalen Bestseller. Doch Misha wurde plötzlich unkooperativ und weigerte sich, an der Livesendung teilzunehmen. Das war erst der Anfang einer dreijährigen Fehde zwischen Verlegerin Jane und Misha, die vor Gericht endete. Jane wurde beschuldigt, das Urheberrecht gestohlen und Tantiemen zurückgehalten zu haben. Die Geschworenen sahen eine Holocaust-Überlebende, der Unrecht getan wurde, und sprachen Jane in allen Anklagepunkten schuldig. Bemüht darum, ihren Ruf wiederherzustellen, nahm sie die Recherchen ihres Anwalts wieder auf und fand Belege, die die wahre Identität Mishas aufzeigten. Wenn sie in dem Punkt ihrer Herkunft gelogen hat, was könnte an ihrer Geschichte sonst noch unwahr sein?

Di., 23. Nov · 22:10-22:55 · MDR
Stalin und die Deutschen

Kaum ein anderer Politiker des 20. Jahrhunderts hat so nachhaltigen Einfluss auf Deutschland ausgeübt wie Stalin. Heute ist weitgehend in Vergessenheit geraten, wie sehr er die Nachkriegsentwicklung im geteilten Deutschland geprägt hat und wie kultisch ihn viele verehrten. Der Film fragt nach der Bedeutung Stalins für die deutsche Nachkriegsgeschichte und den Mechanismen seiner Diktatur. Als Josef Stalin am 5. März 1953 stirbt, ist es für viele, als ob die Zeit stehen bleibt. Die kommunistische Welt trauert. „Das Herz des größten Menschen unserer Epoche, des Genossen J. W. Stalin, hat aufgehört zu schlagen“, titelt das Neue Deutschland. Die Schulen in der DDR bleiben tagelang geschlossen. Am Tag der Beisetzung Stalins findet in Ost-Berlin ein Staatsakt in der Staatsoper Unter den Linden statt, ab Mittag ziehen Zehntausende vor das Denkmal des Diktators in der nach ihm benannten Magistrale. Es herrscht Schmerz und Verzweiflung – nicht nur offiziell. Heute ist kaum mehr vorstellbar, wie sehr Stalin verehrt wurde. Aber auch, welche Machtfülle er hatte und in welchem Ausmaß er persönlich auf die Nachkriegsentwicklung Deutschlands einwirkte. Im Westen des geteilten Landes ist er, der „Dämon aus Moskau“, nach seinem Tod schnell Vergangenheit. Im Osten wird er weiter besungen – und beschwiegen: Seine Verbrechen in ihrem Ausmaß bleiben offiziell ein Tabuthema. Er hat die DDR ermöglicht, die dort Herrschenden waren ein Produkt des Stalinismus und Überlebende der Stalinschen Säuberungen. Ihr Repressionsapparat war „stalinistisch“. Der Stalin-Kult gründete in der DDR auf dem Sieg über Hitler. Stalin wurde verehrt und verklärt als größter Antifaschist aller Zeiten. Als seine Verbrechen in Moskau gegeißelt wurden, als sein Stern sank im ganzen Ostblock, da hielt die Nomenklatura in Ost-Berlin ihm die Treue. Ganz zaghaft wirkten die Distanzierungen, sie bezogen sich auf den Personenkult, die abgöttische Verehrung. Bis in die späten 80er Jahre war Stalin für die Herrschenden in Ost-Berlin eine prägende Gestalt, lag sein langer Schatten auf dem Land. Erst in der „friedlichen Revolution“ von 1989 lösten sich endgültig viele – auch in der SED – von ihm. Die Dokumentation zeigt die Bedeutung Stalins für die deutsche Nachkriegsgeschichte und die Mechanismen der stalinistischen Diktatur. Und sie untersucht, wie die Mechanismen der Angst funktionierten, mit der eine neue Diktatur in einem Teil Deutschlands errichtet werden konnte. Wie das „Stalin-Trauma“ diejenigen prägte, die aus der Sowjetunion zurückkamen. Und wie diese Prägung die DDR bis zuletzt überschattete.

Mi., 24. Nov · 07:15-08:00 · BR
Ein Oskar für Bayern – Die Rebellionen des Oskar Maria Graf

Der Bäckerssohn Oskar Maria Graf hat sein Heimatdorf Berg am Starnberger See mit 17 Jahren verlassen. Er ist daraufhin bei der Revolution mitmarschiert, nannte sich Maria und „Provinzschriftsteller“, wurde Anarchist, Kommunist, Revolutionär und kannte angeblich „Herrn“ Hitler persönlich. Das jedenfalls verraten die biografischen Daten. Im Kopf des Dichters sieht es anders aus: Obwohl Graf nach dem Exil in sein idyllisches „Heimatdorf“ Berg physisch nur noch selten zurückgekehrt ist, hat er es geistig nie verlassen. So etwa hat er zeit seines Lebens und überall auf der Welt die Lederhose getragen oder kaum über etwas anderes geschrieben als über seine Heimat, die ihm als Abbild der ganzen Welt taugte. Der Film „Ein Oskar für Bayern“ nähert sich Oskar Maria Graf jenseits dieser biografischen Daten und von heutiger Sicht aus. Prominente Graf-Leser wie Peter Gauweiler, Konstantin Wecker oder Sepp Bierbichler, aber auch der Fischer aus Berg erzählen von ihrer Lektüre, ihren Erlebnissen und ihren Erinnerungen an Graf und liefern so ein emotionales Porträt seines Werkes. Dem gegenübergestellt werden die wenigen, aber eindrücklichen filmischen Archivaufnahmen von Oskar Maria Graf: sein Besuch am Grab der Mutter, die rührige Übergabe eines „Ehrentellers“ durch den Bürgermeister von Berg oder seine Begründung, wieso er sich in New York sich nur am dortigen bayerischen Stammtisch „integrieren“ wollte und sich weigerte, Englisch zu lernen: „Ich möchte gleich sagen, dass ich mich niemals als Emigrant empfunden hab, weil ich ein deutscher Schriftsteller bin, und die deutsche Sprache absolut meine Heimat ist.“

Mi., 24. Nov · 19:40-20:15 · arte
Re: Wem gehört das Heilige Land? Deutsche Siedler im Westjordanland

Was treibt Menschen aus Europa an, ihr vergleichsweise komfortables Leben gegen ein deutlich komplizierteres und gefährlicheres in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten einzutauschen? Die Kölnerin Chaya Tal und der Bonner Nethanel von Boxberg haben genau das getan: Sie sind in den Siedlungsblock Gush Etzion in der Nähe von Bethlehem im Westjordanland gezogen. Beide sind überzeugt, dass Judäa und Samaria, wie sie dieses Gebiet nennen, dem Volk Israel, also den Juden gehört. Nach internationalem Recht gilt das Gebiet allerdings als illegal von Israel besetzt, auch wenn Israels Regierung das nicht akzeptiert. Chaya und Nethanel sind nicht die einzigen Europäer unter den etwa 450.000 Siedlern im Westjordanland – gerade in Gush Etzion haben Belgier, Franzosen, Schweizer oder Niederländer ein neues Zuhause gefunden. Und besonders unter den Europäern sind viele, die einen erstaunlichen Widerspruch leben: Sie besetzen einerseits Land, das den Palästinensern gehört, und setzen sich gleichzeitig für ein friedliches Zusammenleben mit ihnen ein. Wie geht das? Chaya spricht fließend Arabisch und hat Freunde in den palästinensischen Dörfern, deren Betreten israelischen Staatsbürgern eigentlich streng verboten ist.

Mi., 24. Nov · 23:25-01:20 · arte
Wir

Am 11. Januar 2015 gingen in Frankreich zwei Millionen Menschen auf die Straße, um gegen die Anschläge auf das Satireblatt „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt in Paris zu demonstrieren. Unter dem Eindruck dieser Solidaritätsbekundung titelte die Tageszeitung „Libération“ am Tag danach: „Wir sind ein Volk.“ Die Filmemacherin Alice Diop stellte sich damals die Frage, welches Volk die Zeitung eigentlich meine. „Ich hatte an jenem Tag vor allem Weiße gesehen und fragte mich: Wo waren all die anderen geblieben?“ Aus dieser Frage heraus entstand eine Filmidee. Die Regisseurin würde an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren und der Schnellbahnstrecke RER B folgen. Diese Linie führt vorbei an der Kathedrale von Saint-Denis, aber auch an der Holocaust-Gedenkstätte neben dem Lager von Drancy. Eine Reise quer durch die französische Geschichte. Und ein Patchwork aus Lebenserzählungen, Erinnerungen, Gesichtern, verbunden durch die Frage: Wer sind „Wir“? Der ganze Film stellt sich dieser Frage nach dem „Wir“. Diop sagt: „Das ‚Wir‘ selbst ist eine Frage, ein Zweifel, eine Behauptung, ein Projekt.“ Im Film sollen die Randbezirke ohne vorgefasste Meinung erkundet werden, um zu verstehen, wie aus so verschiedenen Menschen, die nicht immer im Einklang miteinander sind, eine Gemeinschaft werden kann. Es wird durch sehr unterschiedliche Lebensrealitäten deutlich, wie abgeschottet die Menschen voneinander leben und wie dennoch eine Verbindung zwischen ihnen besteht. Der Film geht vom geografischen Raum der Banlieue aus und hinterfragt schlussendlich unsere moderne Gesellschaft. Alice Diops „Wir“ umfasst ohne Hierarchie und Wertung: Jäger, den Schriftsteller Pierre Bergounioux, Anhänger der Rechtsradikalen, Vorstädte mit Einfamilienhäusern, Plattenbausiedlungen, ihren eigenen Vater, französische Könige, schwere Jungs aus der Siedlung, Kinder. Der Film ist auch eine Hommage an ihren Vater, der in den 1960er Jahren nach Frankreich eingewandert war. Alice Diop will ihm mit ihrem Werk seinen Platz in der Geschichte Frankreichs geben und die Kränkung wiedergutmachen, die all jenen widerfuhr, die nicht wahrgenommen wurden oder werden. „Ich möchte die große Erzählung von der Nation aufbrechen und sie neu erfinden: als lebendiges, als bewegtes und bewegendes, als unvollendetes Narrativ.“ Prämiert wurde „Wir“ unter anderem mit dem Dokumentarfilmpreis der Berlinale 2021.

Fr., 26. Nov · 20:15-22:35 · 3sat
Der Untergang

Bruno Ganz in einer seiner berühmtesten Rollen: als Adolf Hitler Ende des Zweiten Weltkrieges. „Der Untergang“ erhielt 2005 eine Oscarnomination als „Bester fremdsprachiger Film“. In einer Novembernacht des Jahres 1942 bewirbt sich die 22-jährige Traudl Junge um eine Stelle als Sekretärin. Für die junge Frau beginnt eine zugleich faszinierende wie verstörende „Karriere“, denn ihr neuer Chef ist der Führer des „Dritten Reiches“, Adolf Hitler. Im April 1945 gehört Traudl Junge zu den wenigen Getreuen, die den gesundheitlich angeschlagenen und zeitweise paranoiden Führer in den Bunker unter dem Berliner Reichstag begleiten. Obwohl die Rote Armee bereits mit der Bombardierung der Hauptstadt begonnen hat, weigert sich Hitler, dem Rat seiner Generäle zu folgen und Berlin zu verlassen. Überall wittert er Verrat und Inkompetenz und glaubt nach wie vor an den nahen Endsieg. Die letzte Hoffnung des Führungsstabs, dass Albert Speer, Hitlers geschätzter Rüstungsminister und langjähriger Protegé, den Diktator zu einem Sinneswandel bewegen kann, erweist sich schnell als Fehlschluss. Im Gegenteil: Hitler befiehlt Speer, seine Politik der verbrannten Erde umgehend und schonungslos umzusetzen. Als die Lage aber immer aussichtsloser wird, plant der Führer kaltblütig die letzten Schritte, um den Feinden nicht in die Hände zu fallen: Am 29. April heiratet er in einer bizarr anmutenden Zeremonie seine Geliebte Eva Braun, bevor er am 30. April zuerst sie und dann sich selbst erschießt.

Sa., 27. Nov · 13:00-14:00 · ARD-alpha
Planet Wissen: Gerettet und gestrandet – Jüdische Displaced Person nach 1945 in Bayern

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs stranden vor allem in der amerikanischen Besatzungszone in Süddeutschland Hunderttausende Überlebende des Holocaust, der Shoá. Einerseits die Jüdinnen und Juden, die Deportation und Massenmord im Untergrund, in Verstecken oder in den Konzentrationslagern überlebten, andererseits immer mehr Jüdinnen und Juden aus Osteuropa und der Sowjetunion, die vor allem ab 1946 von dort vor erneuten Pogromen fliehen. Vor allem in München und in Bayern entstehen in kürzester Zeit zahlreiche jüdische DP-Camps, selbstverwaltete Lager mit Kultur- und Sportangeboten, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und militärischem Trainingsorten. Denn die meisten jüdischen DPs haben vorerst ein Ziel: die Ausreise in den neu zu gründen und militärisch abzusichernden Staat Israel. PLANET WISSEN zu einem fast vergessenen Kapitel in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Gäste im Studio: • Dr, Evita Wiecki, Historikerin, Ludwig-Maximilians-Universität München • Jim Tobias, Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts

Sa., 27. Nov · 23:20-00:05 · ARD-alpha
Auf Jesu Spuren im Heiligen Land

Manche Stätten sind weltberühmt, egail, ob der historische Jesus tatsächlich genau dort wirkte oder nicht. Andere wollen immer wieder neu entdeckt werden und sind allenfalls denen vertraut, die sich selbst schon einmal auf Jesu Spuren ins Heilige Land begeben haben. Richard C. Schneider und sein Team haben sich aufgemacht zu diesen Orten. Die Reise beginnt in Nazareth, wo sie dem Juden Jesus nachspüren, und auf dem Berg Tabor erzählen sie die Geschichte von Jesu Verklärung. Immer wieder zeigt sich, wie die Ereignisse und Erzählungen der Evangelien das Land (und die Welt) verändert haben: In Jerusalem wird das am Teich von Bethesda deutlich, wo Jesus am Sabbat einen Kranken heilte. Hier steht die Kreuzfahrerkirche St. Anna auf uralten Grundmauern, Zeugin einer Jahrtausende langen Geschichte. Zeugin auch der muslimischen Herrschaft im Heiligen Land: Weil die Muslime die Kirche als Moschee nutzten, steht sie noch heute. Überall begegnen den Filmemachern die heutigen Bewohner des Heiligen Landes, Juden, Christen und Muslime, Palästinenser und Israelis, Menschen aus aller Welt. In Sebastia, wo Jesus am Brunnen mit einer Samariterin sprach, lebt noch heute eine Gruppe dieser kleinen jüdischen Sekte. Zu Jesu Zeiten verachtet, berühmt geworden durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, sitzen die Samaritaner auch heute zwischen allen Stühlen. Die Reise endet in Bethlehem. Hier soll er geboren worden sein, der „Friedensfürst“. Heute durchschneidet hier eine Mauer das Land.

So., 28. Nov · 09:45-10:15 · SWR
Der Mutmacher

Als im September 2018 Rechtsradikale durch die Chemnitzer Innenstadt ziehen und Ausländer jagen, hält es ihn nicht mehr im Sessel. Er startet ein Crowdfunding-Projekt, sammelt Geld und will Busse nach Chemnitz chartern für friedliche Demonstranten gegen Hass und Gewalt. Was er erntet, sind 30.000 Likes – und zum Teil bitterböse Hass-Posts. Fragen treiben den Berliner Aktivisten und Sozialunternehmer Shai Hoffmann um: Was hält unsere Gesellschaft noch zusammen? Was können wir gegen Hass und Vorurteile tun? Der Berliner will mit Wutbürgern und mit Mutlosen ins Gespräch kommen. Die offene Gesellschaft retten – das ist seine Mission. Fragen treiben den Berliner Aktivisten und Sozialunternehmer Shai Hoffmann um: Was hält unsere Gesellschaft noch zusammen? Was können wir gegen Hass und Vorurteile tun? Der Berliner will mit Wutbürgern und mit Mutlosen ins Gespräch kommen. Die offene Gesellschaft retten – das ist seine Mission. Mit seinen Aktionen macht er anderen Mut, selbst aktiv zu werden. Dabei weiß er um die Grenzen seiner Möglichkeiten und seiner Gesundheit. 2007 hatte ihm sein Vater Chaim eine Niere gespendet. Die Transplantation machte ihn unabhängig von der Dialyse. Doch zugleich musste er seine Karriere als Schauspieler an den Nagel hängen. Shai Hoffmann begann noch einmal ganz von vorn mit einem Wirtschaftsstudium und ist heute Dozent, Moderator, Aktivist. Seit der Transplantation ist die Beziehung zum Vater noch herzlicher geworden. Dazu gehört auch die Rückbesinnung auf seine familiären, jüdischen Wurzeln und Traditionen, die immer wieder mit Hass und Vorurteilen belegt werden.

So., 28. Nov · 10:45-11:00 · BR
Die wundersame Rettung einer Tora – Jüdisches Leben in Amberg und Sulzbach-Rosenberg – Akzentsendung zu Chanukka

Ausgehend von der bewegten Geschichte der Amberger Torarolle geht der Film sowohl auf die vergangene bedeutende jüdische Kultur in der Oberpfalz ein als auch auf das heutige jüdische Leben in Amberg. Es war purer Zufall, als 2013 Rabbiner Elias Dray die Torarolle in seiner Amberger Synagoge fand: Sie ist die älteste erhaltene Torarolle Süddeutschlands. Geschrieben wurde sie im Jahr 1792 in Sulzbach-Rosenberg, das zur damaligen Zeit europaweit einer der bedeutendsten Orte für die Fertigung von jüdischer Literatur und Gebetstexten war. Zwei große Unglücke hat die ehrwürdige Torarolle im Laufe der Jahrhunderte überlebt: 1822 den Stadtbrand in Sulzbach, bei dem mehr als ein Drittel der gesamten Stadt niederbrannte und die Novemberpogrome am 9. November 1938. Ausgerechnet der Hinweis eines NSDAP-Mitgliedes rettete sie vor den Flammen. Dennoch hatten die Jahrhunderte ihren Tribut gefordert. Einige der Pergamentseiten waren beschädigt und die Schrift teilweise verblasst. Die Tora durfte daher nicht mehr für den Gottesdienst verwendet werden. Doch anstatt sie wie üblich rituell zu bestatten, entschloss sich Rabbiner Dray, die Tora restaurieren zu lassen. Die Kosten übernahm die Bundesregierung. Die Torarolle trat daraufhin ihre Reise nach Israel an, denn nur speziell ausgebildete Schreiber dürfen eine Tora restaurieren. Auf ihrem Weg zurück nach Deutschland und in die Oberpfälzer Heimat machte die Tora noch eine ehrenvolle Zwischenstation in Berlin. Am 27.01.2021, dem Holocaustgedenktag, fand im Bundestag eine feierliche Zeremonie statt, bevor sie wieder nach Amberg zurückkehrte. Im Film „Die wundersame Rettung einer Tora“ wird die spannende Geschichte dieser alten Torarolle und die der jüdischen Gemeinden in Sulzbach-Rosenberg und Amberg erzählt. Heutige Gemeindemitglieder und Gemeindemitgliederinnen verschiedener Generationen werden porträtiert sowie der Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg, der die ehemalige Synagoge mit großem Engagement wiederherstellen ließ. Der Film legt die Grundlagen religiösen Judentums und Gebote und Bräuche dar und zeigt die Vorzüge des Gemeindelebens in einer Kleinstadt, wie wichtig der interreligiöse Dialog ist, und wie sich die Erinnerung an die jüdische Vergangenheit wachhalten lässt.

So., 28. Nov · 11:00-11:15 · Das Erste (ARD)
Gesungene Erinnerungen – Yoed Sorek und die Kraft der Lieder

„Musik ist in der Lage, Menschen zu verbinden“ – davon ist der jüdische Tenor Yoed Sorek zutiefst überzeugt. Mit den jiddischen Liedern seiner Großmutter geht Sorek auf Tour und will „Brücken bauen“ zwischen den Generationen und Religionen. Sorek wuchs in Israel auf, hat in Jerusalem Klavier und Gesang studiert, dann folgten Studien in Den Haag, Mailand und Basel. Heute lebt er in Deutschland. „Mehr als 25.000 Israelis leben heute allein in Berlin! Wer hätte sich das 1943 vorstellen wollen“, sagt Sorek. „Frieden – Schalom – ist möglich. Genau das möchte ich jungen Menschen durch die alten jiddischen Melodien vermitteln.“ Er vertrat Deutschland und gewann den internationalen Wettbewerb für jüdische Musik. Der junge israelische Tenor Yoed Sorek hatte großen Erfolg mit „Simas Liedern“. Sima ist seine Großmutter. Sie stammte aus Vilnius, war selbst Sängerin und hat den Holocaust überlebt. „Der Gesang hat sie lebendig gehalten“ erzählt ihr Enkel. Die jiddische Musik habe ihr damals viel Kraft gegeben. Sie sang später dem Enkel diese Lieder vor. Heute singt der Enkel ihre Lieder, gewinnt Wettbewerbe und hält die Erinnerung an die Großmutter und ihr Leben im Holocaust wach. Einen brillant gefühlvollen Gesang und eine klangvolle Stimme bescheinigen Kritiker dem jungen Tenor. Er übermittle den Zuhörenden quasi die Lieder. „Musik ist in der Lage, Menschen zu verbinden“ – davon ist Yoed Sorek überzeugt. Sorek wuchs in Israel auf, hat in Jerusalem Klavier und Gesang studiert, dann folgten Studien in Den Haag, Mailand und Basel. Heute lebt er in Deutschland. „Mehr als 25.000 Israelis leben heute allein in Berlin! Wer hätte sich das 1943 vorstellen wollen“, sagt Sorek. „Frieden – Schalom – ist möglich. Genau das möchte ich jungen Menschen durch die alten jiddischen Melodien vermitteln.“

So., 28. Nov · 19:30-20:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Verrückte Normalität? Jung und jüdisch in Deutschland

Etwa 200.000 Menschen jüdischen Glaubens leben heute in Deutschland. Sie gehen zur Schule, zur Arbeit, spielen Fußball. Doch bei Jüdinnen und Juden denken viele nicht an diesen Alltag, sondern meist an den Holocaust. Warum? RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl trifft junge jüdische Menschen, die ein lebendiges, vielfältiges Bild jüdischen Lebens in Deutschland vermitteln wollen. Jüdisches Leben: Dabei denkt RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl vor allem an koscheres Essen, an den Schabbat, Synagogen – oder an die weitgehende Vernichtung jüdischen Lebens Holocaust. Bis sie loszieht und junge Jüdinnen und Juden in ihrem oft verrückt normalen Alltag im heutigen Deutschland erlebt. Dazu besucht die Moderatorin etwa ein Sport-Girls-Camp, wo sieKrav Maga ausprobiert – einen modernen Selbstverteidigungssport. Was bedeutet jüdisch sein für die jungen Frauen dort? Was für den Münchner Rabbiner Israel Diskin? Und was für die queere Anna Fuhrmann, die mit der Initiative Keshet dafür kämpft, dass sich jüdische Gemeinden für LGBTQI* öffnen. Oder für Asaf Erlich, der in Israel geboren ist. Dort hat er sich kaum um jüdische Religion und Identität gekümmert. Bis er zum Arbeiten nach Deutschland ging und gefragt wurde, warum er ausgerechnet im Ex-Nazi-Land leben will. Sehr gläubig ist er immer noch nicht, aber jüdische Identität und Geschichte haben hier viel mehr Bedeutung für ihn bekommen. Er persönlich hat zwar keine Angst, erlebt aber, wie wachsender Antisemitismus bei vielen hier geborenen Jüdinnen und Juden ein alltägliches Gefühl der Bedrohung erzeugt. Gegen diese verrückte Normalität von Ausgrenzung und Angst kämpft Anna Fuhrmann auch in dem Projekt Meet a Jew. „Hey du Jude“ ist auf vielen Schulhöfen ein gängiges Schimpfwort – dabei haben viele junge Menschen null Kontakt zu Menschen jüdischen Glaubens. Um das zu ändern und um junge Jüdinnen und Juden sichtbar zu machen, gehen Meet a Jew-Teams an Schulen, in Vereine oder an Unis. Dort erzählen sie von sich, ihrer Religion und ihrem Alltag. Das Ziel: Begegnungen schaffen, Klischees und Vorurteile bekämpfen.

Mo., 29. Nov · 00:35-01:20 · ZDF
Das dunkle Erbe – Nazis im deutschen Fußball

Kaum ein Sportereignis hat die Deutschen so bewegt wie das „Wunder von Bern“, der WM-Titel 1954. Doch auf dem Erfolg lastet ein dunkles Erbe: der Schatten der NS-Zeit. Eine „Stunde null“ hat es nach 1945 im deutschen Fußball nie gegeben. Beim Deutschen Fußballbund und seinen Vereinen wirkten auch Jahre nach dem Krieg noch immer ehemalige Nazi-Sportfunktionäre, frühere SS-Leute und NSDAP-Parteikader, oft in führenden Positionen. Wie Peco Bauwens, der erste Nachkriegspräsident des DFB. Auf der Siegesfeier nach dem WM-Triumph 1954 führt er den Titel in nationalistischem Überschwang auf die Wahrung des „Führerprinzips“ zurück. An seiner Seite hat er noch immer DFB-Funktionäre mit NSDAP-Vergangenheit, er fördert ihre Karrieren und hält auch nach 1945 alte Beziehungen aufrecht. ZDF-Recherchen decken jetzt auf, wie Bauwens auch persönlich in verbrecherische Abgründe des NS-Regimes geriet. Als Mitinhaber eines Baugeschäfts in Köln profitierte er von der Ausbeutung von KZ-Häftlingen, die unterirdische Anlagen für die deutsche Rüstungswirtschaft errichten mussten. Andere Fußballidole bereicherten sich an jüdischem Eigentum, wie Fritz Szepan von Schalke 04 oder Rudolf Gramlich von Eintracht Frankfurt. Beide konnten ihre Karrieren nach dem Krieg nahtlos fortsetzen, wirkten als hochgeachtete Vereinsfunktionäre. Dabei war damals bekannt, dass Gramlich im Krieg einer SS-Einheit angehörte, die in Kriegsverbrechen verstrickt war. Das Hamburger Fußball-Idol „Tull“ Harder verdingte sich sogar als Wachmann im KZ Neuengamme und leitete später ein „Außenlager“ in Hannover-Ahlem. Neue Erkenntnisse zeigen, dass auch beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München braune Flecken auf der scheinbar weißen Weste zu finden sind. Selbstdarstellungen des Vereins, die von einem „Judenklub“ sprechen, der von den Nazis geschmäht und angeblich verfolgt wurde, entpuppen sich als Legende. Der Aufstieg des Klubs in den 1960er-Jahren ist auch Männern mit NS-Vergangenheit zu verdanken.

Mo., 29. Nov · 01:15-02:53 · Das Erste (ARD)
Belle & Sebastian

Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) bei dem alten Schäfer César (Tchéky Karyo) lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peters (Andreas Pietschmann) verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll „Belle“. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden. Nicolas Vaniers Filme stehen für grandiose Landschaftsaufnahmen. In dem Kinder- und Jugendfilm, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, gibt Félix Bossuet ein begeisterndes Leinwanddebüt. Regisseur Nicolas Vanier gelang mit „Belle & Sebastian“ ein atemberaubender Kinder- und Jugendfilm. Der Franzose verlegte die Geschichte, die auf einem Kinderbuch von Cécile Aubrys basiert, von den 1960er Jahren in den Zweiten Weltkrieg. So verbinden sich in der Geschichte zwei Stränge: die angefeindete Freundschaft zwischen dem Waisenjungen und einem vermeintlichen Monster sowie die Not der vor dem Holocaust flüchtenden Juden. Für Vanier, der schon mit „Der letzte Trapper“ und „Der Junge und der Wolf“ ein Gespür für eindringliche Naturbilder unter Beweis gestellt hat, ist die Berglandschaft auch diesmal mehr als nur eine imposante Kulisse: Bereits als Hauptdarsteller Félix Bossuet in der ersten Szene an einer Steilwand abgeseilt wird, ist zu spüren, dass die erhabene Bergwelt ein Teil der mitreißenden Geschichte sein wird.

Mo., 29. Nov · 01:15-02:45 · HR
Meine Tochter Anne Frank

Der Name Anne Frank steht für Lebensmut und Zuversicht in hoffnungsloser Zeit. Aber auch für den frechen und schonungslosen Blick einer Heranwachsenden auf ihre Familie und ihre Umwelt. Millionen Menschen weltweit kennen ihr Tagebuch, sie schrieb es im Versteck vor den Nazis. Jetzt liegt mit diesem Doku-Drama die erste große deutsche Verfilmung der Lebensgeschichte des Frankfurter Mädchens vor. Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt. Otto Frank hat als Einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. In Otto Franks Erinnerung ersteht mit Annes Hilfe das Leben der beiden versteckten Familien im Hinterhaus neu. Mit welcher Genauigkeit und scharfem Witz Anne ihre Mitbewohner und deren Beziehungen beschreibt, ist in eindrucksvolle Spielszenen übersetzt. Immer halten sie sich eng an die Vorlage des Tagebuchs. Otto Frank erfährt von der ersten großen Liebe seiner Tochter, aber auch von ihrer Verzweiflung, die Mutter nicht so lieben zu können wie den Vater. Er bekommt eine Ahnung davon, wie quälend es für sie gewesen sein muss, ihr Zimmer mit einem alternden Zahnarzt teilen zu müssen. Und dass sie mit dem Jungen Peter van Pels auf dem Dachboden heimlich mehr als nur Küsse tauschte. Interviews mit den wenigen noch lebenden Menschen, die Anne kannten, mit ihr zur Schule gingen oder ihr noch im Todeslager begegneten, holen die Spielhandlung immer wieder zurück in die Realität. Der Film schaut auf einen kleinen Ausschnitt der Welt mit den Augen von Anne Frank. Durch eindrucksvolle Leinwandprojektionen findet aber auch die Welt außerhalb des Verstecks bildlich Eingang in die Beschreibungen des Mädchens. In der Enge ihrer Kammer stürmen die Bilder der Zeit auf sie ein: der Einmarsch der Deutschen, die willkürlichen Verhaftungen auf der Straße, die Verschleppung der jüdischen Familien.

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