Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. August 2021…

Mo., 16. Aug · 13:50-16:00 · arte
Nylons und Zigaretten

1944, Normandie: In sogenannten „Cigarette Camps“ der US-Army werden junge Französinnen darauf vorbereitet, zu ihren neuen Ehemännern in die USA auszuwandern. Jeannette, Marie-Thérèse und Mireille sind drei solche Frauen: Sie sind mit GIs verheiratet, die sie kaum kennen, und stehen kurz vor der Überfahrt über den Atlantik.Just am Tag der Abreise erhält Jeannette die Nachricht vom Unfalltod ihres Ehemannes, den die Army aber so aussehen lassen will, als sei er heldenhaft im Gefecht gestorben. Sie muss ihre beiden Freundinnen ziehen lassen und bleibt mit ihren Eltern auf deren Bauernhof zurück. Marie-Thérèse und Mireille berichten der Freundin in Briefen von ihren Erlebnissen in den USA, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen.Mireille lebt mit ihrem jüdischen Mann in Brooklyn, die Pariserin scheint dort ihr Glück gefunden zu haben. Marie-Thérèse und ihren fünfjährigen Sohn Philippe hingegen verschlägt es auf eine Farm in Alabama. Ihr amerikanischer Mann ist durch seine Kriegserlebnisse stark traumatisiert. Immer häufiger verschwindet er und kehrt erst nach Tagen oder Wochen völlig betrunken zurück.Unterdessen wird Jeannette ihre Heimat Frankreich zunehmend fremd: Von den Männern im Dorf argwöhnisch als Soldatenfrau und Hure beschimpft, entschließt sie sich, vom Sterbegeld ihres Ehemannes die Reise in die USA anzutreten. Es wird eine Reise ins Ungewisse …

Mo., 16. Aug · 21:40-23:35 · arte
Berührungen

Nachdem ihre Mutter gestorben ist, stellt Karin, die Frau des angesehenen schwedischen Arztes Andreas Vergerus, zusehends die schleichende Routine ihres Ehealltags in Frage. Als das Paar den amerikanischen Archäologen David kennenlernt, der an der Ausgrabung einer alten Kirche arbeitet, lässt sich Karin auf eine leidenschaftliche Affäre mit ihm ein. Sie organisiert ein akkurates Doppelleben zwischen ehelichen Pflichten und heimlichen Verabredungen. Aber David, ein jüdischer Holocaust-Überlebender mit aufbrausender Natur, versteht Karins Rücksicht nicht und verachtet ihren Ehemann für seine bürgerlich-verklemmte Art. Als Andreas durch anonyme Briefe doch noch von dem Verhältnis seiner Frau erfährt, bemüht er sich, keinen Druck auf sie auszuüben. Er hofft, dass sie von selbst wieder zu ihm zurückfindet. Für Karin wird die Lage dadurch nur noch unerträglicher …Nach seinen großen internationalen Erfolgen wie „Das siebente Siegel“ oder „Persona“ war „Berührungen“ für Ingmar Bergman der erste Film mit internationaler Besetzung, der zudem in einer Mischung aus schwedischen und englischen Dialogen entstand.Das spannende psychologische Kammerspiel stellt die emotionale Krise einer Frau zwischen zwei Männern ohne melodramatische Überhöhung dar. Was bei dem einen Mann ein Zuviel an Zurückhaltung und Rationalität ist, schlägt bei dem anderen bisweilen in Gewalt und Aggressivität um. Die Sehnsucht nach physischer Nähe und Berührungen führt Karin zwischen zwei Extreme.

Mi., 18. Aug · 20:45-21:15 · MDR
Hammerskins – Das geheime Neonazi-Netzwerk

Sie glauben an die „Vorherrschaft der weißen Rasse“, trainieren für den „Tag X“, an dem sie die Macht übernehmen. Doch sie bleiben fast immer unsichtbar – unter dem Radar. Über den Geheimbund der Hammerskins ist bisher wenig bekannt. Seit 30 Jahren gibt es das Neonazi-Netzwerk, das sich einst in den USA gründete. Mittlerweile hat es Ableger auf fast allen Kontinenten. Zu den Mitgliedern zählen Ingenieure und medizinisches Personal. Die Hammerskins verstehen sich als Eliteorganisation und propagieren den Rassekrieg. Abschottung nach außen, strenge Hierarchien nach Innen. Es gibt kaum Aussteiger – wer einmal dabei ist, bleibt dabei oder schweigt anschließend. Umso außergewöhnlicher sind die unter größter Gefahr für Leib und Leben verdeckt gedrehten Filmaufnahmen, die der ARD für den Film zugespielt wurden. Entstanden sind die Aufnahmen beim wichtigsten Konzert-Event des internationalen Geheimbundes, dem jährlich stattfindenden „Hammerfest“. Weitere Dokumente, Auszüge aus internen Foren, Fotos von geheimen Chapter-Treffen, Schießtrainings und konspirativen Konzerten ermöglichen einen Blick ins Innerste des mächtigen Neonazi-Geheimbunds, dem es offenbar gelungen ist, sein Netzwerk jahrelang unter dem Radar der Öffentlichkeit auszuweiten. Heute sind die Hammerskins eine der wohl mächtigsten und gefährlichsten internationalen Neonazistrukturen. Die Recherchen zeigen, dass offenbar hinter einem großen Teil der rechtsextremen Musikproduktionen und des dazugehörigen internationalen Konzertgeschehens Hammerskin-Akteure stecken. Auch bei Kampfsport-Events der Szene und ihren Kampfsportlabels ist der Geheimbund geschäftlich international aktiv und erfolgreich. Das Geld aus den Geschäften fließt zurück in gut vernetzte und extrem gewaltbereite Strukturen. Immer wieder gab es rechtsextreme Morde und Gewalttaten, bei denen die Täter aus dem Hammerskin-Spektrum stammen. Auch bei Terroranschlägen spielten Mitglieder der Hammerskins eine Rolle. Und die Sicherheitsbehörden? Sie scheinen oft tatenlos zuzusehen. Immer wieder wurden Hammerskins auch als V-Leute enttarnt. Konsequenzen, wie etwa ein Verbot, gibt es nicht. Obwohl der Geheimbund umtriebig ist wie eh und je. Die ARD-Recherchen decken auf, welche Gefahr von dieser „tickenden Zeitbombe“ ausgeht, welche Dimensionen das Netzwerk mittlerweile hat und wie fatal die Hammerskins unterschätzt werden.

Do., 19. Aug · 01:05-01:50 · ZDF
Mein Körper, meine Liebe Lesben, Schwule und Transgender

Immer mehr Menschen bekennen sich dazu, dass sie anders lieben, als es althergebrachte Normen vorgeben. Wie offen können sie heute ihre Sexualität ausleben? Erst vor 27 Jahren endete die Strafverfolgung von Homosexuellen. Heute sehen sich 7,4 Prozent der Deutschen als sexuelle Abweichler, als „queer“ – ein Spitzenwert in Europa. Ist die Gesellschaft toleranter geworden? Ist die Homo-Ehe mittlerweile akzeptiert? Die Dokumentation „Mein Körper, meine Liebe – Lesben, Schwule und Transgender“ zeigt Menschen, die abseits der sexuellen Norm leben: einen schwulen Fußballklub in München, ein lesbisches Paar in Zürich, einen schwulen Polizisten in Wien, eine transsexuelle Politikerin. Wie wichtig war für sie das Coming-out? Wo stoßen sie auf gesellschaftliche Grenzen? Was macht ihnen das Leben schwer? Benjamin und Chris aus Frankfurt beispielsweise sind seit über elf Jahren ein Paar. Die beiden konnten sich ganz offiziell das Jawort geben, denn seit 2017 ist in Deutschland die Ehe für alle erlaubt. Davon können Karin und Iris aus Zürich nur träumen. Sie haben zwei Kinder, doch eine gleichgeschlechtliche Ehe ist in der Schweiz noch immer verboten. In männerdominierten Berufen, in denen gern mal der Macho rausgelassen wird, haben es Homosexuelle nach wie vor schwer. Der schwule Wiener Polizist Dominique Schibler engagiert sich deshalb bei den „GayCopsAustria“. Der Verein sieht sich als Anlaufstelle für schwule, lesbische und Transgender-Beamte, will Vorurteile innerhalb der österreichischen Polizei abbauen. Dominique berichtet von offenen und verdeckten Diffamierungen schwuler Polizisten im Berufsalltag. Wie schwer es die Gesellschaft jungen Menschen macht, zu ihrer sexuellen Identität zu finden, zeigt das Beispiel der jungen Helen, die in der niederrheinischen Provinz lebt. Sie hat sich ihrer Mutter per Brief geöffnet – zu groß war die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung. Ihre Freundinnen in der Schule wussten da längst Bescheid. „Ein Coming-out ist wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett. Jeder springt für sich allein“, sagt Experte Johannes Kram. Er hat das Buch „Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber …“ geschrieben. Er fordert weitere spektakuläre „Coming-out-Aktionen“, wie die kürzlich von 185 deutschen Schauspielern und Bühnenstars. Es muss noch eine Menge passieren, glaubt Kram. Noch immer ist „schwule Sau“ eines der beliebtesten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen und in den Fußballstadien. Wie schwer es ist, gesellschaftliche Muster aufzubrechen, weiß auch Tessa Ganserer. Sie ist die erste deutsche Politikerin, die sich als transsexuell geoutet hat. Ganserer sitzt im bayerischen Landtag und muss Wähler für sich gewinnen. Sie will bald für ihre Partei Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag einziehen. Sie berichtet, wie sehr sie unter dem „falschen Leben“, dem früheren Versteckspiel, gelitten hat. In osteuropäischen Ländern wie Polen oder Ungarn wird die Lage für queere Menschen immer schwieriger. Kleinstädte und Gemeinden werden zu „LGBTQ-freien Zonen“ erklärt, Anfeindungen und Übergriffe auf „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer“ nehmen zu. Könnte der neue Hass auf sexuelle Minderheiten auch auf uns übergreifen? Volker Wasmuth und Patrick Zeilhofer zeigen mit ihrer Dokumentation, wie Europa mit sexuellen „Abweichlern“ umgeht. Welche Hürden müssen Schwule und Lesben überwinden, welche Erfahrungen haben Transsexuelle gemacht? Sind wir auf einem guten Weg in eine offene, buntere Gesellschaft?

Fr., 20. Aug · 20:15-21:00 · WDR
Ein neues Leben – Unser Land in den 50ern

Am 23. August 1946 wurde aus Rheinland und Westfalen das Land Nordrhein/Westfalen – damals noch mit Schrägstrich. Ein halbes Jahr später kam Lippe dazu. Doch wie lebte es sich in diesem neuen Land? Der WDR blickt in der ersten Folge seiner neuen vierteiligen Reihe „Unser Land in den 50ern“ auf die Jahre, in dem die Menschen an Rhein und Ruhr vor allem mit einem beschäftigt waren: ein neues Leben aufzubauen. Doch was war das für ein Land? Millionen Menschen an Rhein und Ruhr lebten noch in zerbombten Häusern und hundertausende Flüchtlinge brauchten ein Dach über dem Kopf. Der Schwarzmarkt blühte, doch hier kostete das Lebensnotwendige ein Vermögen. Und währenddessen wurde im Ruhrgebiet der Motor der Wirtschaft wieder angeworfen. Die Filmemacherin Kathrin Schwiering hat mit ihrem Kamerateam Menschen getroffen, die vom Leben Ende der 40er/Anfang der 50er erzählen. So berichtet Judith Neuwald-Tasbach von ihrem Vater, der direkt nach dem Krieg in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurückkehrte um dort mit wenigen anderen die jüdische Gemeinde wiederaufzubauen. Er wollte verhindern, so seine Tochter Judith „dass Hitler doch noch Recht bekommt“. Die 91-jährige Ruth Willigalla erinnert sich lebhaft daran, wie sie auf Dach des Düsseldorfer Mietshauses kletterte, in dem sie mit Mutter und kleiner Schwester lebte, um dort die Bombenschäden zu beseitigen. Der Entertainer Götz Alsmann ist fasziniert von der Musik der Nachkriegszeit. Er erzählt, warum die Stars damals nicht nur von der Sehnsucht nach der Ferne sangen, sondern auch von ihren Lieblingsgerichten.

Sa., 21. Aug · 19:20-20:00 · 3sat
Propaganda aus Stein – Was tun mit den Bauten und Denkmälern der Nazis?

Das steinerne Erbe des Nationalsozialismus bröckelt. An vielen faschistischen Bauwerken und Denkmälern nagt die Zeit, Sanierungen stehen an. Diese sind teuer. Was also tun mit dem Nazi-Erbe? Die anstehenden Sanierungen haben die Debatte um den Umgang mit Denkmälern aus der NS-Zeit neu entfacht. Die Orte erweisen sich als Herausforderung und Chance zugleich – für das Erinnern in einer Zukunft ohne Zeitzeug*innenschaft. Sollen Bauten der NS-Zeit originalgetreu konserviert werden – als seien sie „neutrales“ Kulturgut? Oder wird die Nazipropaganda dadurch fortgesetzt? Strahlen die NS-Bauten heute noch die menschenverachtende Ideologie aus? Und wenn ja, reicht eine Hinweistafel aus, um die Wirkkraft zu brechen? Stahlgerüst und weißes Planenmeer ranken sich um die ehemalige Führertribüne auf dem Berliner Olympiagelände, untermalt vom Surren der Bagger. Der Berliner Ex-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder zückt ungläubig lachend das Handy. „Mit einem Riesenaufwand wird hergestellt, was die Nazis für ihre Propaganda gebaut haben. Und das ist inakzeptabel, das ist falscher Denkmalschutz“, sagt er. Der Grund seines Unmuts: Die Maifeldtribüne samt Glockenturm auf dem Berliner Olympiagelände wird gerade für 21,8 Millionen Euro saniert. Für Strieder wird hier Naziideologie wiederaufgebaut. Und das in Zeiten, in denen ein Bundestagsabgeordneter den Nationalsozialismus als „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ bezeichnet. Der Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamts Berlin, Dr. Christoph Rauhut, hält dagegen: „Das ist keine Pflege von nationalsozialistischer Ideologie, sondern das sind Erhaltungsvorgänge, die dazugehören. Und ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Erbe auch erhalten müssen, um es zu erklären.“ Auch der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Dr. Meron Mendel, sieht es als „unsere Pflicht“ an, Bauten aus der NS-Zeit als „authentische Lernorte“ zu erhalten. „Wenn wir sie verfallen lassen würden, würden wir die Geschichte in Vergessenheit geraten lassen“, meint Mendel. Zentral sei die Kommentierung der Gebäude. Aber reichen Hinweistafeln an Orten wie dem Olympiagelände aus, um diese Orte kritisch einzuordnen? Oder braucht es Gegendenkmäler und Interventionen, um mit der in Stein gemeißelten Ideologie zu brechen? Ein anonymes Nürnberger Künstler*innenkollektiv hat eine eigene, bildstarke Antwort auf diese Fragen gefunden. Über Nacht malte es ungefragt die Säulen der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in wasserlöslichen Regenbogenfarben an. Der Auslöser für die künstlerische Intervention waren rassistische Anfeindungen auf dem Gelände. Der steinerne NS-Wahnsinn dient nicht nur Tourist*innen als Fotokulisse. Regelmäßig posieren auch Neonazis und Rechtsextreme zum Selfie auf der ehemaligen Führerkanzel, wo Hitler seine Reden in die Menge grölte. Die Nürnberger Kulturbürgermeisterin Julia Lehner fand das „Regenbogen Präludium“ zwar gut, doch nach einer baufachlichen Expertise ließ die Stadt nach nur zwei Tagen die Farben mit Hockdruckreinigern entfernen. Nun soll das Zeppelinfeld samt Tribüne für 85,1 Millionen saniert, begehbar gemacht sowie um vertiefende Vermittlungskonzepte ergänzt werden. Während kritische Stimmen meinen, die Kunstaktion hätte nicht so radikal entfernt werden müssen, sehen andere das Werk als Auslotung von Fragen nach dem angemessenen Umgang mit NS-Hinterlassenschaften. Diskutiert wird auch, was besser geeignet ist, um die Bauwerke der Nazis um neue Bedeutungsschichten zu ergänzen: temporäre oder permanente Gesten? Also anmalen, kommentieren – oder komplett umbauen? Wie umstritten der angemessene architektonische Umgang mit Gebäuden aus der NS-Zeit ist, zeigt die Debatte um das Haus der Kunst in München. 2016 wurde bekannt gegeben, dass sich der britische Star-Architekt David Chipperfield der Sanierung des Museums annehmen soll. Sein Vorschlag: Der „grüne Vorhang“ vor dem ehemaligen Kunsttempel der Nazis müsse weg, die Treppe zurück. Quasi die Rückführung des Baus in seinen ursprünglichen Zustand von 1937. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Holocaust-Überlebende, Dr. Charlotte Knobloch, kritisiert den Vorschlag als „Verherrlichung der Nazivergangenheit“. Den angedachten Rückbau wertet sie als Glorifizierung von Bauten aus der NS-Zeit. Auch in Düsseldorf regt sich Widerstand gegen ein Umbauvorhaben. Das 39er-Kriegerdenkmal – ein NS-Lobgesang auf Militarismus – sollte ursprünglich dauerhaft verändert werden. Doch nach einem Protestbrief, der sich gegen den Gewinnerentwurf wendete, steht die Realisierung nun infrage. Ob in Berlin, Nürnberg, Düsseldorf oder München: Bei den NS-Repräsentationsbauten und Denkmälern stellt sich immer auch die Frage: Wie können wir diese Orte nutzen? Zum Feierabendbier, Inlineskaten und Drachensteigen wie auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände? Nimmt Profanisierung den Schrecken und die Ehrfurcht? Oder führt sie zu Geschichtsvergessenheit? Welche Bedeutung haben die Bauten für nachfolgende Generationen? Können sie als „begehbare Lernorte“ Geschichte besser erfahrbar machen als die Lektüre eines Geschichtsbuchs oder das Surfen im Netz? Die Generation der Zeitzeug*innen verstirbt allmählich, doch was bleiben wird, sind die Orte. Und die Frage nach dem Umgang damit.

Mo., 23. Aug · 23:50-00:20 · 3sat
37°: In der Abseitsfalle – Kein Coming-out im Fußball?

Für viele ist Fußball alles, nur nicht schwul! Aber klar gibt es homosexuelle Spieler. Wie groß ist der seelische Druck, nicht offen zu seiner Sexualität stehen zu können? Wie hält man das aus? Thomas Hitzlsperger, Marcus Urban und Benjamin Näßler sprechen über ihre Erfahrungen mit dem Coming-out – und darüber, wie wichtig ein offenes Bekenntnis für die Leistungsfähigkeit auf dem Platz und für das persönliche Glück ist. Bislang gibt es keine Studie zur Anzahl der schwulen Spieler in der Bundesliga – und keinen aktiven deutschen Profispieler, der sich zu seiner Homosexualität bekannte. Thomas Hitzlsperger ist diesen Schritt bisher als Einziger gegangen. Das war 2014, allerdings erst nach seiner aktiven Spielerzeit. Als Fußballer hat er ganz oben mitgemischt: Mit dem VfB Stuttgart hat er 2007 die deutsche Meisterschaft gewonnen, mit der Nationalmannschaft wurde er Dritter beim „Sommermärchen“ – der Heim-WM 2006. Seinem knallharten Schuss mit links verdankt er den Spitznamen „Hitz The Hammer“. Und straft damit all jene Lügen, die glauben, Schwule seien zu „weich“ für „echten Männersport“. Es dauerte lange, bis sich der heute 38-Jährige seine Homosexualität eingestand. Als er mit dem Gedanken spielte, sich zu outen, rieten ihm die wenigen Eingeweihten dringend davon ab. „‚Du wirst es nicht aushalten‘, war ihre Sorge“, erinnert sich Hitzlsperger. „Als Profispieler ist man ohnehin einem enormen Druck und der ständigen Öffentlichkeit ausgesetzt. Einen zusätzlichen Rucksack muss man erst mal tragen können.“ Marcus Urban hat der Druck und die innere Zerrissenheit wohl eine Karriere als Profifußballer gekostet. Als Jugendnationalspieler war er ein aufgehender Stern bei Rot-Weiß Erfurt, eines der großen Talente des ostdeutschen Fußballes. „Aber dass ich mich für Männer interessierte, wurde zu einem Riesenproblem für mich. Das darf nicht sein – ich bin Fußballer!“ Urban, der für sein ästhetisches und passgenaues Spiel gefeiert wurde, gab sich zunehmend aggressiv auf dem Platz, pöbelte manchmal sogar mit homophoben Beleidigungen. „Ich wollte mit keiner Geste verraten, dass ich schwul bin.“ Er hatte Angst vor dem Karriereende, Angst davor, zum Außenseiter zu werden. „Vor allem in der Kabine fühlte ich mich verdammt einsam. Ich war nie wirklich Teil der Mannschaft, habe einen großen Teil meiner Persönlichkeit vor allen versteckt, auch vor mir selbst. Das war ein ständiges Schwanken zwischen Selbsthass und Depression.“ Schließlich gab er den Traum vom Profifußball auf. „Ein Spiel hat 90 Minuten. Ein Leben, wenn’s gut läuft, vielleicht 90 Jahre. Ich wollte lieber frei sein, als meine Sexualität und mein Wesen der Karriere wegen weiter zu verleugnen.“ Auch Benjamin Näßler hat jahrelang seine Homosexualität vor seiner Familie, seinen Freunden und seiner Mannschaft versteckt. Dabei spielte der heute 31-Jährige bloß in der Kreisliga in seiner schwäbischen Heimat. „Es ging eigentlich um nichts – und doch um alles. Ich wusste, was die Menschen in meiner Umgebung mit dem Wort ’schwul‘ assoziierten. Das war nie was Gutes.“ Benjamin Näßler tat alles, um nicht aufzufallen. „Ich habe Freundinnen erfunden und mich machohaft benommen. Als mir alles über den Kopf wuchs, dachte ich sogar daran, mich umzubringen.“ Nach langen inneren Kämpfen fand er den Mut, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. 2017 heiratete er seinen langjährigen Freund. Und im Jahr 2020 wagte er sogar den Schritt an die Öffentlichkeit und setzt sich nun als amtierender „Mr. Gay Germany“ mit seinen Kampagnen „Doppelpass“ und „Liebe kennt keine Pause“ gegen Diskriminierung und Schwulenhass im Fußball ein. „Vor allem jungen Spielern will ich es leichter machen, sich zu outen und stolz auf sich zu sein. Im Fußball geht es um Erfolg, und dabei ist es völlig egal, wen du liebst!“ Welche Erfahrungen haben prominente Akteure der Branche mit Homophobie im Fußball gemacht? Das fragt „37°“ auch den Ex-Trainer und Technischen Direktor vom FC St. Pauli, Ewald Lienen, die beiden Bundesliga-Spieler Christopher Trimmel und Christian Gentner von Union Berlin sowie den St.-Pauli-Fan und Sänger der Band Kettcar, Marcus Wiebusch. Wo sehen sie die Ursachen für die Tabuisierung? Und welche Ansätze und Signale gibt es aktuell für mehr Toleranz und Diversität?

Do., 26. Aug · 22:45-23:30 · WDR
Menschen hautnah: Ich bin Jüdin – die junge Generation

Was bedeutet es heute, als junge Frau in Deutschland jüdisch zu sein? Wie schwer wiegt die Tradition des Judentums und welche Rolle spielt der Glaube? „Menschen hautnah“ begleitet die Bloggerin Linda, die angehende Grundschullehrerin Rina und Helene, die sich gerade zur Rabbinerin ausbilden lässt. „Wenn ich erzähle, dass ich Rabbinerin werde, schauen die Leute mich oft völlig ungläubig an. Ja, ich mache das, ja, ich bin eine Frau, ja, es gibt noch nicht so viele von mir.“ Helene Braun bezeichnet sich als liberale Jüdin und besucht neben ihrem Studium in jüdischer Theologie das Abraham Geiger Kolleg in Potsdam. „Ich könnte mir nicht vorstellen, nicht nach den jüdischen Traditionen zu leben, aber ich engagiere mich genauso für ein queeres und diverses Judentum.“ Einen selbstbestimmten Weg zu gehen, darin wurde Helene schon früh gestärkt. „Meiner Mutter war das wichtig. Dazu gehörte neben den jüdischen Traditionen und dem Glauben auch, dass ich als Frau im Selbstverständnis aufgewachsen bin, das Gleiche tun zu können wie ein Mann.“ „Wenn ich an Schabbat mein Handy ausschalte und auf Elektrizität komplett verzichte, habe ich nicht das Gefühl mich einzuschränken – im Gegenteil: Ich fühle mich frei und entspannt und genieße es, mich ausschließlich auf Familie und Freunde zu konzentrieren.“ Rina ist 29 Jahre alt und lebt als gläubige Jüdin in einer streng orthodoxen Gemeinde. Und das obwohl sie bereits geschieden und alleinerziehende Mutter ist. „Ich habe meinen Mann nur wenige Male vorher durch das Engagement meines Berliner Rabbiners kennengelernt. Wir haben dann sehr schnell geheiratet.“ Die Perücke, die sie als verheiratete Jüdin damals trug, liegt immer noch in ihrem Schrank. „Ich werde wieder Perücke tragen, wenn ich noch Mal heirate, und das habe ich fest vor.“ Rina lebt ein modern-orthodoxes Judentum. Die Regeln und Gesetze der Thora befolgt sie konsequent und aus Überzeugung, trotzdem sieht sie sich als fortschrittliche und selbstbestimmte junge Frau. Es ist nicht immer leicht, die beiden Welten miteinander zu verbinden – oft muss sie sich rechtfertigen. Selbst ihre Mutter reagierte zunächst skeptisch, als Rina mit 16 entschied, religiös zu leben, und kurz darauf von Dortmund in die Großstadt zog. Linda Rachel Sabiers wurde bekannt durch ihre Kolumne über jüdisches Leben im Magazin der Süddeutschen Zeitung. „Klar habe ich mich gefragt: Soll ich das machen? Ich will ja nicht immer die Rolle der Dauerjüdin spielen, aber andererseits kann ich ja auch nur mit Vorurteilen aufräumen, wenn ich mich selbst beteilige.“ Die 36-Jährige hat einen Schweizer geheiratet, ihr Mann Noa ist nicht jüdisch. Der kleine „Regelverstoß“, einen Nichtjuden zu heiraten, hat in Lindas Familie bereits Tradition. Auch ihr Vater ist nicht-jüdisch, lebt aber, seit er mit ihrer Mutter verheiratet ist, genau wie Linda und Noa, zu Hause nach jüdischem Brauch. „Da haben die Frauen tatsächlich klar die Macht. Du wirst nur Jude, wenn deine Mutter jüdisch ist. Ansonsten ist es aber so, dass ich die Rolle der Frau im orthodoxen Judentum immer noch schwierig finde. Aber das muss jede selbst wissen.“ Ein Lieblingsthema mit ihrer besten Freundin Deborah Feldman, die durch ihre Flucht aus der ultraorthodoxen Gemeinde in New York und ihrem Buch „Unorthodox“ weltberühmt wurde. Drei Frauen, drei unterschiedliche Modelle, den jüdischen Glauben und die Tradition zu leben. Sie spiegeln die junge Generation von Jüdinnen, die selbstbestimmt ihren Weg geht.
© Bild: WDR/lona media, Linda ist eine progressive Jüdin – den Traditionen zugewandt, aber immer mit einem kritischen Blick.

Do., 26. Aug · 23:15-00:00 · HR
Der Mustermigrant

Dokumentarfilmer Till Schauder portraitiert Ali Can über einen Zeitraum von knapp einem Jahr privat und beruflich bei seinem Kampf gegen den Rassismus und für ein anderes Deutschland. Ali Can träumt von einer Gesellschaft ohne Rassismus. Der 27-jährige Aktivist mit kurdisch-alevitischen Wurzeln sucht dabei Austausch und Verständigung. Seine Idee: Er will auf Menschen mit Vorurteilen zugehen. 2017 bot er eine „Hotline für besorgte Bürger“ an, mit der er „auf friedliche Weise mit rechtsgesinnten Leuten über Rassismus ins Gespräch kommen“ wollte. 2018 prägte er den Hashtag #MeTwo, mit dem er dazu aufrief, bei Twitter über Erfahrungen mit Alltags-Rassismus in Deutschland zu berichten. Ein Aufruf, dem Hunderttausende folgten. Heute leitet Ali das ‚VielRespektZentrum‘, eine interkulturelle Begegnungsstätte in Essen. Er gilt in der Öffentlichkeit als der „Mustermigrant“. Ali Cans Aktivitäten führen jedoch zu zunehmenden Anfeindungen gegen ihn und seine Familie. „Bald werden wir Dich aufsuchen, mit Benzin übergießen und lichterloh brennen lassen“ ist nur eine der Todesdrohungen, die Ali immer wieder per Email erhält. Trotz des großen Medienechos seiner Aktionen führt Ali einen scheinbar aussichtslosen Kampf. Er hat den Eindruck, dass rassistische Ressentiments in Deutschland immer stärker um sich greifen, so dass ihm seine Arbeit zunehmend ergebnislos scheint. Vor allem der Anschlag in Hanau vom Februar 2020, mit dessen Opfern Ali teilweise bekannt war, treibt den Idealisten in eine echte Krise und Ali kommt zu der bitteren Erkenntnis: „Deutschland hat Nazis nicht im Griff!“. Kraft tankt Ali bei seiner Familie in Hessen. Seine Eltern betreiben dort einen Döner-Imbiss, den sie mittlerweile von Videokameras überwachen lassen. Sie bangen zunehmend um ihre und seine Sicherheit, doch sie sind auch stolz auf Alis Engagement und geben ihm die Kraft weiterzumachen.

Fr., 27. Aug · 00:50-01:20 · WDR
Jüdisches Leben – Alltag in Angst?

Die Nachricht vom Anschlag in Halle hat sich in der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf wie ein Lauffeuer verbreitet – und sie war ein Schock, der wohl noch lange nachwirkt. Michael Rubinstein, Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein, hat einen Anschlag mit solcher Brutalität schlicht nicht für möglich gehalten. Seit Halle ist für viele jüdische Menschen aus diffuser Angst tiefe Sorge und große Unsicherheit geworden. Autorin Lena Rumler hat Michael Rubinstein und andere Menschen für die WDR-Reportage „Unterwegs im Westen“ über lange Zeit begleitet. Auch zu einer Zeit, wo die Angst noch diffus war und ein Anschlag wie in Halle unwahrscheinlich schien. Rumler hat jüdische Kinder und Jugendliche getroffen, denen ihre Identität und der Zusammenhalt untereinander wichtig ist. Wie die 12-jährige Yael, die auf das jüdische Gymnasium in Düsseldorf geht. Ihre Familie lebt den jüdischen Glauben, wenn auch nicht immer sehr streng. Und Yaels Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder auch nichtjüdische Freunde haben. Ein ganz normales Leben also? Einerseits ja, andererseits aber auch nicht. „Meine Mama sagt mir immer, sobald wir Angst haben, gehen wir“, meint Yael dazu. Weg aus Deutschland. Bislang haben sie und ihre Familie sich hier sicher und zuhause gefühlt. Und jetzt? Im Alltag verschweigen viele Juden in NRW ihre Religionszugehörigkeit aus Angst vor Anfeindungen. Die Bedrohung kommt vor allem vom rechten Rand der Gesellschaft. Seit einiger Zeit ist aber auch der Antisemitismus unter Muslimen ein öffentlich diskutiertes Thema. Michael Rubinstein will dem nachgehen und den Dialog zwischen Muslimen und Juden verstärken. Dafür fährt er nach Duisburg-Marxloh. Mit Mehmet Ösay, einem ehemaligen Vorsitzenden der örtlichen DITIB-Moschee, macht er ein Experiment. Sie wollen herausfinden, wie die Muslime in Marxloh reagieren, wenn Michael Rubinstein mit Kipa, der Kopfbedeckung männlicher Juden, durch das Viertel läuft. Die Reportage bietet einen seltenen Einblick in jüdisches Leben in NRW. Ein Leben mit vielen Sorgen und Ängsten, aber auch und immer noch einem jüdischen Alltag frei und fernab von antisemitischer Bedrohung.

Fr., 27. Aug · 21:40-22:30 · ARD-alpha
alpha-retro: Lebenslinien – Zeuge in eigener Sache: Rudolf Hirsch – Autor und Gerichtsreporter (1993)

Rudolf Hirsch, 1907 als Kind jüdischer Eltern in Krefeld geboren, überlebte die Jahre des Nationalsozialismus als Arbeiter in einer Schuhfabrik in Palästina. Dann kehrte er nach Deutschland zurück, in die DDR, denn die DDR war für ihn als Marxist die Hoffnung auf ein besseres Deutschland. Die Ideologie des Leninismus jedoch lehnte er ab, weswegen er den SED-Größen nicht geheuer war. Und so sitzt er 1993 als Sechsundachtzigjähriger vor Marie Bardischewski und zieht Bilanz in ihrem Film „Zeuge in eigener Sache: Rudolf Hirsch – Autor und DDR Gerichtsreporter“: mit klarem Verstand, wachen Augen und trotz alledem nicht verbittert.

So., 29. Aug · 09:45-10:15 · SWR
Die kleine Fotografin

Helga Simon fotografiert seit 60 Jahren. Ans Aufhören denkt sie nicht. Ihr ist nichts Menschliches fremd. Sie fotografierte auch auf der Venus-Erotik-Messe. Helga Simon ist die älteste Fotografin der deutschen Hauptstadt. Und auch die kleinste: die resolute Dame misst gerade einmal 1,38 Meter. Seit 60 Jahren ist sie Hausfotografin und Chronistin der Jüdischen Gemeinde Berlins. Doch die emsige Bildersammlerin fotografiert nicht nur dort: heute noch begibt sich die 85-Jährige fast täglich auf die Jagd nach guten Bildern. Ob auf dem Chanukka-Fest der Jüdischen Gemeinde, im Hotel Adlon mit der Bundeskanzlerin oder auf der Venus-Erotik-Messe: die kleine Fotografin ist immer dabei. Ihr Durchsetzungsvermögen ist berüchtigt und selten kommt die von Schlaflosigkeit Geplagte vor 2.00 Uhr nachts ins Bett. Geheiratet hat Helga Simon nie; dafür war einfach keine Zeit. Die Fotografin Helga Simon starb im Alter von 92 Jahren am 10.02. 2021.

So., 29. Aug · 14:10-15:10 · arte
Barbra Streisand – Geburt einer Diva

Sie ist die Königin der Musikindustrie, des Broadways und des New Hollywood: Barbra Streisand. Die letzte große „American Songbook“-Diva hat viele Künstlerinnen nach ihr wie Madonna, Beyoncé oder Lady Gaga geprägt. Als perfektionistisches Multitalent steht sie in der Tradition der singenden, tanzenden und schauspielenden Hollywoodstars. Barbara Joan Streisand kommt am 24. April 1942 in New York zur Welt. Ihr Vater, ein jüdischer Lehrer, stirbt 15 Monate nach ihrer Geburt. Nachdem sie versucht hat, als Sängerin in New Yorker Nachtclubs Fuß zu fassen, bekommt sie mit 19 ihre erste Rolle im Broadway-Musical „I Can Get It for You Wholesale“. Mit 21 veröffentlicht sie ihr erstes Studioalbum – „The Barbra Streisand Album“. Auch im Filmgeschäft kann sie beispiellose Erfolge feiern: Filmmusicals wie „Hello, Dolly!“, Screwball-Komödien wie „Is’ was, Doc?“ und Dramen wie „So wie wir waren“ werden dank ihr zu großen Publikumserfolgen. Mit eigenen Regiearbeiten wie „Yentl“ und „Der Herr der Gezeiten“ etabliert sich Streisand als Regisseurin auch hinter der Kamera. Mit ihrer Mezzosopran-Stimme und ihrem Aussehen, das nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, schreibt sie ein ganz eigenes Kapitel in der Unterhaltungsgeschichte. Streisand verkörpert eine neue Art von Attraktivität und vor allem ein neues Bild des weiblichen Stars: frei, unangepasst und stark. Damit ebnet sie den Weg für die Künstlerinnen der Girl-Power-Bewegung. Barbra Streisand gehört heute längst zu den etablierten Größen des amerikanischen Showbiz: Als sie ein junges Mädchen war, meinten ihre Mutter und ihr Stiefvater, sie sei nicht hübsch genug für die Bühne. Doch sie ließ sich nicht beirren und setzte sich auch später in einer Männerdomäne durch. Ihre Großmutter nannte sie wegen ihres Dickkopfs schon als Kind „farbrent“, was auf Jiddisch so viel wie „brennend“ bedeutet. Die Bilanz sind mehr als 60 Alben, 20 Filme als Schauspielerin, drei Spielfilme als Regisseurin und unzählige Shows in der ganzen Welt. Die Dokumentation verfolgt ihren Lebensweg bis zum Höhepunkt ihrer Karriere in den 80er Jahren, als Barbra Streisand zum ersten weiblichen Megastar wird. Er beleuchtet den Werdegang einer Ikone, die sich bis heute für die Rechte von Frauen und Homosexuellen einsetzt.

Mo., 30. Aug · 23:50-00:35 · Das Erste (ARD)
Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung

Im September 1991 kommt es scheinbar aus dem Nichts zu einer öffentlichen Hetzjagd in Hoyerswerda. Eine stetig wachsende Menge aus „einfachen Bürgern“ und Neonazis belagert eine ganze Woche lang das Wohnheim von DDR-Vertragsarbeitern aus Mosambik und Vietnam und die zentrale Unterkunft für Asylbewerber aus Osteuropa. Die Menge wirft Fensterscheiben ein und lässt Brandsätze explodieren. Vor den Augen der Öffentlichkeit verschanzen sich die Angegriffenen in Todesangst, die Einsatzkräfte der Polizei sind überfordert, die Bilder der applaudierenden Menge gehen um die Welt. Die Behörden sehen keinen anderen Ausweg, als die Ausländer aus der Stadt zu evakuieren. 32 Menschen werden verletzt, 82 festgenommen, nur vier verurteilt. In rechten Kreisen wird Hoyerswerda im Anschluss an die Ausschreitungen als erste „ausländerfreie“ Stadt bezeichnet. Der Begriff „ausländerfrei“ wird daraufhin 1991 zum erstmals eingeführten „Unwort des Jahres“ gewählt. Es ist eine Zäsur für Deutschland und der Auftakt zu einer Welle rechter Gewalt Anfang der 90er-Jahre. Der Film „Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung“ rekonstruiert zum einen die Chronik der Ereignisse jener sieben Tage im September und ihrer Ursachen. Zum anderen wird er mit dem Blick von heute – 30 Jahre danach – auf den Umgang mit dem Fanal bis in die Jetztzeit eingehen. Von dem Stigma 1991 hat sich Hoyerswerda bis heute nur schwer erholen können, ist seit der Wiedervereinigung ohnehin eine gebeutelte Stadt, deren Bevölkerung von 70.000 auf knapp 30.000 Einwohner geschrumpft ist. Der Film nimmt drei Generationen von „Hoyerswerdschen“ in den Blick und schaut sich an, welche Spuren die Ereignisse des September 1991 in ihrem Leben hinterlassen und was sie selber mit diesem Erbe gemacht haben. Zudem wird der Film verstärkt auch aus der Perspektive der damaligen Opfer erzählen, die in letzten 30 Jahren zumeist unerzählt geblieben ist. Der Film rekonstruiert auch das damalige desaströse Krisenmanagement der sächsischen Behörden vor dem Hintergrund der damaligen Asyldebatte. Bereits im Frühjahr 1991 waren die Vorboten der sich im Herbst bahnbrechenden Gewaltwelle unverkennbar. Sachsen verzeichnete im Monat Mai allein ein Drittel aller in Deutschland erfassten rechtsextremen Gewalttaten, ohne darauf adäquat zu reagieren. Für den Film erinnern sich verschiedene damals Beteiligte und Zeitzeugen noch einmal an die Wendezeit, die Ausschreitungen 1991 und den Umgang damit in den folgenden Jahrzehnten: Da sind David Macou, der als Vertragsarbeiter zwölf Jahre in der DDR lebte und über Nacht in seine Heimat Mosambik zurückkehren musste. Die Polizisten Jörg Schwirtznik und Rainer Schölzel, die als Streifenpolizist bzw. Hundertschaftsführer der Bereitschaftspolizei vor Ort völlig überfordert waren und sich von Vorgesetzten und der Politik weitgehend im Stich gelassen fühlten. Da ist Grit Lemke, Regisseurin und Autorin, aufgewachsen in Hoyerswerda, die die Ausschreitungen hautnah miterlebte und Hoyerswerda schließlich wegen der Dominanz der Rechten verließ. Heute beklagt sie das lang anhaltende Schweigen und die fehlende Auseinandersetzung innerhalb der Stadt. Unter anderem kommt auch Gerhard Gundermann in Archivaufnahmen zu Wort, der „singende Baggerfahrer“, der die Geschehnisse damals in zahlreichen Fernsehauftritten kommentierte.

Di., 31. Aug · 20:15-21:10 · arte
Generation 9/11 (1/2)

Die sieben im Film proträtierten Personen wurden in das neue Jahrtausend hineingeboren. Die Anschläge des 11. September sorgten bei den Amerikanern für ein Gefühl des Zusammenhalts und trug ihnen die Unterstützung von Verbündeten in aller Welt ein. Diese Einheit währte jedoch nur kurz: Der Krieg gegen den Terrorismus im In- und Ausland leistete einem aggressiven Patriotismus Vorschub, der Misstrauen und Angst schürte.Als die sieben Protagonisten in die zweite Klasse kamen, veränderte sich mit der Wahl von Barack Obama die Stimmung im Land. Der neue Präsident weckte Hoffnung und versprach, die USA wieder zu einen. Aber die Angst kam in neuem Gewand zurück. Als die Kinder alt genug für die Middle School waren, nahmen die Amokläufe an amerikanischen Schulen zu. Bei Übungen für den Ernstfall lernte ihre Generation, wie man sich vor den Tätern versteckt. In ihren Teenagerjahren verbrachten sie unzählige Stunden im Internet. Dort waren sie zwar vor physischen Gefahren sicher, nicht aber vor psychischer und sozialer Gewalt. Durch die „Black Lives Matter“-Bewegung geriet das Thema Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Als die Protagonisten mit etwa 15 Jahren auf die Highschool wechselten, war die amerikanische Gesellschaft gespaltener denn je. Der Präsidentschaftswahlkampf 2016 zeigte das deutlich.Während dieser Zeit ereignete sich der schlimmste Amoklauf in der Geschichte der USA. Parallel verbreiteten „White Supremacists“ öffentlich ihre rechtsextremen Ideen. Twitter entwickelte sich rasant zur politischen Plattform und „Black Lives Matter“ wurde zu einer internationalen Bewegung. Als die sieben jungen Menschen schließlich kurz vor dem Abschluss standen, brach eine Pandemie aus und ihre Schulen wurden geschlossen. Das heutige Amerika hat mit dem Land, für das sich die Menschen nach den Anschlägen am 11. September gemeinsam stark machten, nicht mehr viel gemein.Die sieben Protagonisten sind nicht einmal 20 Jahre alt und haben bereits zahlreiche historische Ereignisse miterlebt. Aufgrund ihrer eigenen tragischen Geschichte haben viele von ihnen ein besonderes Verantwortungsgefühl entwickelt. Die zweiteilige Dokumentation zeigt die Jahre 2020 und 2021 aus ihrer Perspektive. Es wird deutlich, dass der Wunsch nach einer stärkeren Einheit des Landes sie alle verbindet, obwohl sie aus sieben verschiedenen Bundesstaaten kommen und unterschiedliche Ansichten haben. Ihre Generation wird zukünftig in den USA die Zügel in die Hand nehmen – mit besonderer Vorsicht und voller Hoffnung.

Di., 31. Aug · 21:10-22:10 · arte
Generation 9/11 (2/2)

Vor 20 Jahren fanden die Anschläge des 11. September statt. „Generation 9/11“ erzählt die Geschichten von sieben jungen Menschen, die an diesem Tag ihre Väter verloren haben….

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