Wenn jemand anruft, sagt, ich bin tot

Emanuel Rosen wurde 1953 in Tel Aviv geboren und erlebte eine glückliche und behütete Kindheit. Er und seine Schwester wuchsen mit Mutter und Großmutter auf, von den Schatten über der Familie wenig berührt. Erst viele Jahrzehnte später, mittlerweile in Kalifornien lebend, machte sich Rosen daran, die Geschichte seiner Familie zu erkunden. Daraus entstand dieses so lesenswerte Buch, das er „den Einwanderern und Entwurzelten überall“ widmet…

Mit viel Liebe und Humor erzählt Emanuel Rosen von seiner Mutter, der Kindheit in Tel Aviv, den Großeltern. Dazwischen ist Rosens Entdeckung einer alten Kiste mit Briefen eingeflochten, anhand derer er sich schließlich der Geschichte der Familie bewusst wird. Erst spät sagte ihm die Mutter, dass sich ihr Vater das Leben nahm, nachdem er von einem Besuch in Deutschland zurückkam, von wo aus er 1933 nach Palästina emigrierte. 

Rosen hatte weder vom Selbstmord des Großvaters gewusst, noch von dem Rechtsstreit, den seine Mutter führte, um die Würde ihres Vaters, einst angesehener Anwalt in Hamm, wiederherzustellen und Wiedergutmachung zu erhalten. Wie ein Krimi liest sich das Buch streckenweise, wenn von dem Nazi-Psychiater berichtet wird, den das Gericht als Gutachter bestellt hatte und den unermüdlichen Bemühungen der Mutter, die ihren Kampf an der Schreibmaschine ausfocht.

Ein Buch, das einen etwas anderen Aspekt der Schoah aufgreift und von den Auswirkungen von Exil und Verlust der Heimat für die Überlebenden zeugt. Kurzweilig und intelligent geschrieben. Ein wunderschönes Buch, mit dem Emanuel Rosen seiner Mutter und seiner Familie ein Denkmal gesetzt hat und uns daran teilhaben lässt. 

Emanuel Rosen, Wenn jemand anruft, sagt, ich bin tot. Eine Familie kämpft um Identität und Würde, Eckhaus Verlag 2021, 316 S., Euro 14,80, Bestellen?

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