Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Juli 2021…

Fr., 16. Jul · 00:55-02:25 · ZDF
München 72 – Das Attentat

Die dramatische Geiselnahme einer Gruppe von israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele 1972 in München wird zu einem Desaster. Der Anschlag palästinensischer Terroristen auf das Olympische Dorf macht den Traum von unbeschwerten Spielen in nur einer Nacht zunichte. In einer noch nie dagewesenen Situation kämpfen die Verantwortlichen und Sicherheitskräfte verzweifelt um Rettung. Anna Gerbers, eine junge, engagierte Polizistin aus dem Ruhrgebiet, gehört zu den glücklichen Auserwählten, die bei den Olympischen Sommerspielen als Ordnerin fungieren dürfen. Die Spiele sollen der Welt ein ganz neues, ein anderes Deutschland zeigen: den Geist von München – weltoffen, locker und frei. Als Anna dem Hubschrauberpiloten Michael Bruckner begegnet, scheint dieser Geist endgültig auch in ihrem Leben angekommen zu sein. Dann geschieht das Unfassbare: In den frühen Morgenstunden des 5. September dringen palästinensische Terroristen in das Olympische Dorf ein und stürmen die Quartiere des israelischen Teams. Kurz darauf finden Sicherheitskräfte einen toten Israeli. Dessen Landsleute sind nun Geiseln in den Händen von Männern, die offenbar nichts zu verlieren haben. Als der Anführer des Terrorkommandos nach einem Verhandlungspartner verlangt, meldet sich Anna freiwillig. Die Forderungen der Palästinenser sind ebenso eindeutig wie unerfüllbar: die Befreiung von 200 Kampfgenossen sowie freien Abzug. In einem verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit und um das Leben der Geiseln gelingt es Anna mehrmals, die Kidnapper zum Aufschub ihres Ultimatums zu bewegen – während Michael den Befreiungsversuch vorbereitet. Zwischen Krisenstab, einer immer verzweifelter werdenden Lage der Geiseln und dem internationalen Verhandlungstisch kommen beide an ihre Grenzen. Sie wissen, dass dies die Stunde ist, um Verantwortung zu übernehmen. Doch müssen sie auch erkennen, dass sie es mit Terroristen zu tun haben, die ihre Tat minutiös vorausgeplant haben. Die Ereignisse enden tragisch – und werden doch Leben retten: Unmittelbar nach den Erfahrungen von München werden Anna Gerbers und Michael Bruckner zu einer neuen Spezialeinheit berufen. Es ist die GSG 9, die fünf Jahre später in Mogadischu sämtliche Passagiere an Bord der „Landshut“ befreien wird. „München 72“ ist die Stunde null des internationalen Terrorismus.

Fr., 16. Jul · 23:30-23:55 · WDR
Freitagnacht Jews

In der aktuellen – bereits im April aufgezeichneten – Folge von „Freitagnacht Jews“ begrüßt Gastgeber Daniel Donskoy den arabischen Israeli Ahmad Mansour. Der Psychologe setzt sich seit Jahren aktiv gegen islamischen Antisemitismus ein. Ahmad Mansour ist mit dem tiefen Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis groß geworden. Er stammt aus einem arabischen Dorf in Israel, 2004 zog er von Tel Aviv nach Berlin. Bei „Freitagnacht Jews“ erzählt er, was ihn seitdem antreibt: „Ich kam hierher, weil ich eine andere Realität erleben wollte. Und dann habe ich in Berlin-Neukölln angefangen zu arbeiten, in einem Projekt namens Heroes. Ich war sehr oft in den Schulen und habe bemerkt: Alles, was ich hinter mir lassen wollte, treffe ich hier. Und zwar noch härter, noch radikaler, noch deutlicher.“ Mansour ist Diplom-Psychologe, Bestseller-Autor, Islamismus-Experte. Seit Jahren engagiert er sich für ein friedliches Miteinander von Muslimen und Juden. Auf Daniel Donskoys Frage, warum er sich als Araber gegen Antisemitismus einsetzt, antwortet er: „Antisemitismus trifft nicht nur Juden, es trifft die Gesellschaft insgesamt. Da, wo Antisemitismus herrscht, stirbt die Demokratie!“ Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy ist Gastgeber von „Freitagnacht Jews“ und lädt immer freitags, zum jüdischen Ruhetag Schabbat, spannende Gäste ein, mit denen er leidenschaftlich über Jüdischkeit spricht. Am Schabbat-Tisch gibt es keine Tabus – die Gespräche sind kontrovers, provokant und mit viel Sinn für Humor. Am Ende steht vor allem eines: Verständnis füreinander zu entwickeln und eine neue Perspektive auf das Wort „Jude“ zu werfen.

Sa., 17. Jul · 11:30-12:15 · PHOENIX
Geheimnisvolle Orte: Der Tempelberg in Jerusalem

Nirgendwo sonst sind Religion, Geschichte und Gegenwart so dramatisch miteinander verflochten wie hier: Der Tempelberg in Jerusalem, mythischer Ort der Menschheitsgeschichte, heiliger Ort für Juden, Christen und Muslime. Geliebt und umkämpft, Brennpunkt des Nahost-Konflikts. Der Tempelberg ist der wichtigste Ort des Judentums und zugleich der drittheiligste Ort für Muslime. Erbittert wird darum gestritten, wer welche Ansprüche auf diesen Ort hat. Archäologen könnten zumindest helfen, religiöse Legende von verbürgter Geschichte, historischen Fakten trennen. Sie fürchten, dass Israel aus der biblischen jüdischen Vergangenheit des Ortes politische, religiöse und territoriale Ansprüche für die Gegenwart und die Zukunft ableitet. So wird jeder Stein, jeder Zugang bewacht und kontrolliert. Das Gelände umfasst nur 14 ha, aber er ist zugleich der größte unbekannte antike Ort des Landes, meint der israelische Archäologe Ronny Reich. Ein Heiliger Ort für Juden, Christen und Muslime In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die Al-Aqsa-Moschee und die Klagemauer, Reste jüdischer Tempel unter Schichten muslimischer Bebauung. Simone Jung fragt alle Seiten: den Großmufti von Jerusalem und den streng gläubigen orthodoxen Juden Jehuda Glick, den israelischen Archäologen Gaby Barkai und den palästinensischen Nazmi Jubeh. Sie besucht mit ihnen die heiligsten Stätten der Juden und der Muslime. Religiöse, politische und historische Deutungen prallen aufeinander. Klar wird: Der Berg ist nicht nur ein historisches und archäologisches Rätsel. Er ist immer wieder ein aktueller, politischer Stein des Anstoßes. Aber kommt es wirklich darauf an, wer zuerst da war? Mit dem Blick auf die Geheimnisse des Tempelbergs stellt der Film eine grundlegende historische Frage von höchster aktueller Brisanz – nicht nur für den Nahostkonflikt: Gibt es ein Verfallsdatum für Geschichte? Eine ganz eigene Antwort gibt im Film der israelische jüdische Tourguide Eran Tzidkijahu, der den Islam studierte, weil er ihn besser verstehen wollte: „Für die einen ist es immer nur der Tempelberg, für die anderen immer nur Al Aqsa. Gibt es etwas dazwischen?“ So fragt er sich heute und hat das Gefühl, auf einer noch lang andauernden Reise der Erkenntnis zu sein. Der Autorin gelingt eine optisch opulente und dennoch analytische Annäherung an einen geheimnisvollen Ort, der die ganze Welt in Atem hält.

Sa., 17. Jul · 12:15-13:00 · PHOENIX
Geheimnisvolle Orte: Die Synagoge mit der goldenen Kuppel

Die „Neue Synagoge“ in Berlin ist immer mehr gewesen als ein Prachtbau mit goldener Kuppel – sie ist ein Symbol für die Hoffnung der jüdischen Gemeinschaft, in der deutschen Gesellschaft angekommen zu sein. Diese Hoffnung zerbricht vor 80 Jahren – in der Pogromnacht am 9. November 1938. Die Doku erzählt über die wechselvolle Geschichte und erweckt das Gebäude in all seiner Pracht zu neuem Leben. Als die „Neue Synagoge“ 1866 eingeweiht wurde, kam selbst der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Bismarck und war beeindruckt vom Bau mit der goldenen Kuppel. Diese Synagoge erinnerte – ganz bewusst – an die spanische Alhambra. Ein Wunder der Baukunst und – der Politik. Die „Neue Synagoge“ war ein sichtbares Zeichen der Toleranz und Akzeptanz gegenüber Juden und gleichzeitig eine Provokation für Antisemiten: Sie war ein Symbol für das Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinschaft. Die Hoffnung, in der deutschen Gesellschaft angekommen zu sein, trug über sechs Jahrzehnte und zerbrach endgültig in der Pogromnacht vor 80 Jahren – am 9. November 1938. Ein preußischer Polizeibeamter rettete die „Neue Synagoge“ damals vor dem Feuer. Doch 1943 wurden große Teile des Gebäudes in einer Bombennacht zerstört. Erst in den 1990er Jahren wurde die Synagoge als „Centrum Judaicum“ mit restaurierter Fassade und neugebauter Kuppel wieder aufgebaut, doch ohne ihr Herzstück – die große Hauptsynagoge. Hinter den verglasten, konservierten Ruinenteilen verbergen sich noch immer rätselhafte, geheimnisvolle, auch unbekannte Geschichten, über die unter anderem der langjährige Direktor des Centrum Judaicum, Hermann Simon, und Ruth Winkelmann, ehemalige Schülerin der nahegelegenen Mädchenschule, berichten. Der Film erzählt von einer bis heute in vielen Teilen verschwundenen Kunstsammlung, von entdeckten Inschriften von NS-Gefangenen, von einer heimlichen Bar Mizwa unter den Augen der Nazis und von der Chuzpe ostdeutscher Juden und weitsichtiger SED-Genossen, die den vollständigen Abriss der Synagoge verhinderten. Die Schönheit dieses faszinierenden Baus ist heute nur noch zu erahnen und wird – exklusiv für diesen Film – durch einzigartige Animationen und Fotos- wieder erlebbar.

So., 18. Jul · 23:00-00:35 · SWR
Monsieur Claude 2

In Sachen multikultureller Offenheit macht Claude Verneuil (Christian Clavier) und seiner Frau Marie (Chantal Lauby) so schnell keiner etwas vor: Ihre vier ebenso bezaubernden wie eigenwilligen Töchter haben Einwanderer aus vier verschiedenen Kulturkreisen geheiratet! Um die Angehörigen ihrer Schwiegersöhne kennenzulernen, unternimmt das wohlsituierte Ehepaar Verneuil eine kleine Weltreise. Von den Strapazen können sich Claude und Marie in ihrem geliebten Provinzstädtchen Chinon jedoch nur kurz erholen, denn ihre Töchter haben die nächste Überraschung parat: Alle vier beabsichtigen, ihren Männern zuliebe auszuwandern, die sich in Frankreich wegen ihrer Herkunft diskriminiert fühlen. Ségolène (Émilie Caen) und Chao (Frédéric Chau) zieht es nach China, Isabelle (Frédérique Bel) und Rachid (Medi Sadoun) nach Algerien und Odile (Julia Piaton) und David (Ary Abittan) nach Israel. Sogar Charles (Noom Diawara) und die hochschwangere Laure (Élodie Fontan) möchten nichts wie weg – allerdings nicht zur Elfenbeinkünste, sondern nach Indien, wo der unterbeschäftigte Schauspieler auf eine Bollywood-Karriere hofft. Dass sich ihre geliebte Großfamilie in alle Winde zerstreuen soll, nehmen Claude und Marie jedoch nicht kampflos hin. Um ihre Schwiegersöhne mit ihrem geliebten Frankreich zu versöhnen, ist ihnen jedes Mittel recht. Schon bald erkennen die vier verbitterten Herren ihre bislang ungeliebte Heimat nicht wieder. Mit rund vier Millionen Kinobesuchern landete die französische Culture-Clash-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ im Jahr 2014 einen sensationellen Kinoerfolg in Deutschland. „Monsieur Claude 2“ schreibt die unterhaltsame Geschichte des leidgeprüften Familienvaters fort, dessen Töchter ihn mit ihrer multikulturellen Partnerwahl auf eine Probe stellen. Regisseur Philippe de Chauveron nahm die weitverbreitete Kritik von Einwanderern, in Frankreich in vielen Lebensbereichen benachteiligt zu werden, als Ausgangspunkt für die amüsante Geschichte. In Zentrum stehen Christian Clavier und Chantal Lauby als wohlsituiertes Ehepaar, die ihren Schwiegersöhnen ihre geliebte „Grande Nation“ im besten Licht präsentieren müssen.

Mo., 19. Jul · 11:20-12:05 · arte
Israel, der Norden

Der Norden Israels erstreckt sich von Tel Aviv, entlang der Mittelmeerküste, bis zur libanesischen Grenze – und im Landesinneren über den See Genezareth bis in die Golanhöhen. Ein Streifzug durch bizarre Höhlenlabyrinthe und eine fruchtbare Kulturlandschaft überrascht mit spektakulären Wildtieren, unbekannten historischen Orten und Forschern, die sich mit Leidenschaft für den Erhalt der letzten Wildnisgebiete einsetzen. Metropolen wie Tel Aviv spiegeln die kulturellen Einflüsse auf ein Land wider, in das von der Staatsgründung 1948 bis heute Juden aus allen Teilen der Welt einwandern. Die ersten sind am großen Mittelmeerhafen in Haifa angekommen. In den vergangenen 70 Jahren hat sich die Hafenstadt zur Hightech-Metropole entwickelt. Der See Genezareth, von dessen Wundern die Bibel erzählt, ist heute der größte Trinkwasserspeicher des Nahen Ostens. Intensive Landwirtschaft auf fruchtbaren Böden macht die Gegend zum Brotkorb Israels. Doch wie in biblischen Zeiten bedrohen Insektenplagen die Ernte. Eine Herausforderung für Wissenschaftler, die auf innovative Weise gegen Schädlinge vorgehen. Druck auf die Landwirtschaft üben zudem Zehntausende Zugvögel wie Kraniche, Störche und Pelikane aus, die die Getreidefelder für einen Zwischenstopp ansteuern. Um natürliche Lebensräume zu erhalten, agieren Biologen als Vermittler zwischen Landwirten, Wildtieren und Tierfreunden. So haben Wölfe in den Golanhöhen eine Heimat gefunden, Klippschliefer erobern die Festungen von Kreuzrittern, Goldschakale bevölkern die Parks der Städte, und große Haiarten wandern ins Mittelmeer ein.

Mo., 19. Jul · 12:05-12:50 · arte
Israel, der Süden

Der Süden Israels erstreckt sich von Jerusalem über das Tote Meer und die Negev-Wüste bis nach Eilat am Roten Meer. Als David Ben-Gurion 1948 erster Ministerpräsident des jungen Landes wurde, hatte er die Vision, die Wüste zum Blühen zu bringen. Sonnenkollektoren und Solarkraft waren der Anfang. Ein Streifzug durch vielfältige, bizarre Landschaften überrascht mit unbekannten Orten und Pionieren wie Landwirten und Wissenschaftlern, die sich für das Leben in der Wüste entschieden haben. Sie verwandeln den trockenen Süden Israels in eine Hightech-Region. Heute sind israelische Farmer in der Lage, nicht nur ihr eigenes Land mit Gemüse und Früchten zu versorgen, sondern sogar Überschuss zu produzieren, den sie nach Europa exportieren. Die Geschichte zeigt aber auch, dass die Wüstenbewohner schon vor mehr als 5.000 Jahren innovativ waren: Im Timna Park, einer der spektakulärsten Wüstenlandschaften der Erde, wurde mit den ersten Kupferminen der Welt das Metallzeitalter eingeläutet. Die Wüste ist ein kreativer, lebenswerter Ort und bietet trotz intensiver Nutzung immer noch viel Platz für Wildnis und seltene Tiere. In unberührten Gegenden sind Wölfe, Hyänen und Sandfüchse unterwegs – und bedrohte Tierarten wie die Oryx-Antilope werden wieder angesiedelt. Geologisch gibt der Ostafrikanische Grabenbruch, der sich über das Tote Meer durch eine Kraterlandschaft bis ans Rote Meer zieht, die Route vor, auf der jedes Jahr Millionen Zugvögel von Afrika nach Europa und zurückfliegen. Und am Roten Meer kämpfen Forscher für den Erhalt eines der längsten intakten Korallenriffe der Erde.

Mo., 19. Jul · 15:35-17:50 · arte
Nirgendwo in Afrika

Ab 1938 darf Walter Redlich seinen Beruf nicht mehr ausüben. Der jüdische Anwalt flieht nach Kenia, wohin seine ebenfalls jüdische Frau Jettel ihm widerstrebend nachfolgt. Jettel fühlt sich in erster Linie als Deutsche und dann erst ihrer Religion zugehörig. Sie glaubt nicht, dass man sie in ihrer Heimat verfolgen wird. Für sie ist die Reise nach Afrika zunächst ein kurzer Ausflug. Mit dem bescheidenen Dasein im Busch, wo ihr Mann als Verwalter einer maroden Farm arbeitet, kann sie sich nicht anfreunden. Dagegen blüht ihre introvertierte Tochter Regina auf. Sie verfällt dem Zauber Afrikas, lernt die Sprache und findet in dem einheimischen Koch Owuor einen Freund.Mit Ausbruch des Krieges treffen schockierende Nachrichten aus Deutschland ein. Jettel, die sich von Walter immer mehr entfernt hat, wird bewusst, dass das Leben im Exil ein Geschenk ist. Allmählich findet das Paar wieder zueinander. Nach Kriegsende wird Walter ein Posten als Richter in Frankfurt angeboten. Bis dahin sind zwölf bewegte Jahre vergangen, in denen Jettel und Regina Kenia schätzen gelernt haben. Die beiden wissen nicht so recht, ob sie in das Land zurückkehren wollen, in dem noch die Mörder ihrer Verwandten leben. Caroline Links eindrucksvolle Verfilmung des autobiografischen Bestsellers von Stefanie Zweig zeichnet ein realistisches Bild vom Leben jüdischer Flüchtlinge im Exil. Nicht zuletzt dank Gernot Rolls beeindruckender Landschaftspanoramen wurde „Nirgendwo in Afrika“ mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Mo., 19. Jul · 20:15-22:15 · arte
Comedian Harmonists

Berlin, 1927: Sechs ehrgeizige junge Männer tun sich zusammen, um eine ganz eigene künstlerische Vision zu verfolgen. Mit Disziplin und harter Arbeit eignen sie sich ein Repertoire mitreißender A-cappella-Nummern an, mit Texten in einer Bandbreite von sentimental bis vollkommen albern. Schon bald ernten sie nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland großen Erfolg. Ihr Leben wird ein einziges großes Fest, mit Frauen, Autos und jedem erdenklichen Luxus. Aber während sie die politischen Entwicklungen ignorieren, hat das NS-Regime sie im Blick. Drei der sechs Harmonists sind Juden und somit für die Nationalsozialisten nicht hinnehmbar: Die Gruppe wird zur Auflösung gezwungen. Was als eine der schönsten Erfolgsgeschichten der wilden Zwanziger begann, wird von einer barbarischen Ideologie zerstört. Die Nazis markieren das Ende der Comedian Harmonists, aber ihre Stimmen klingen weiter …Der für das Szenenbild verantwortliche Rolf Zehetbauer („Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, Oscar-Auszeichnung für „Cabaret“) ließ die 20er und 30er Jahre detailgetreu wieder auferstehen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Wien, München, Berlin, Stuttgart und Prag.Zur Authentizität trägt auch die Musik bei: Bei allen im Film verwendeten Liedern handelt es sich um digital bearbeitete Originalaufnahmen der Comedian Harmonists.

Mo., 19. Jul · 22:15-23:00 · PHOENIX
Familiengeschichten – Die Geschichte der Lilli Jahn

Der Briefwechsel der jüdischen Ärztin Lilli Jahn ist weltweit ein Bucherfolg. Für „ZDF-History“ erzählen ihre Kinder und Enkel vom bewegenden Schicksal, das aus den Briefen spricht. An der Seite ihres christlichen Ehemanns wird Lilli Jahn im „Dritten Reich“ nach und nach ausgegrenzt. Doch sie bleibt unbehelligt, bis sich ihr Mann 1942 von ihr scheiden lässt. Lilli Jahn kommt als Jüdin ins Arbeitslager, später nach Auschwitz, wo sie stirbt. Über 500 Briefe zeugen von dem engen Band zwischen der inhaftierten jüdischen Ärztin Lilli Jahn und ihren fünf Kindern. Aus dem Lager kann die Mutter ihrem Sohn und den vier Töchtern immer wieder heimlich und offiziell Nachrichten zukommen lassen. Die Kinder schicken Briefe und Pakete mit Lebensmitteln zurück, die der Mutter das Überleben in der harten Lagerzeit ermöglichen. Kurz vor ihrer Deportation nach Auschwitz im März 1944 schickt Lilli Jahn die Briefe ihrer Kinder an ihren ältesten Sohn Gerhard Jahn zurück. Der spätere Justizminister unter Bundeskanzler Willy Brandt verwahrt sie ohne Wissen seiner Schwestern. Erst nach seinem Tod entdecken die Töchter Lilli Jahns die liebevollen Zeilen an ihr „liebstes Muttileinchen“ in seinem Nachlass. Lange war der Tod der Mutter in Auschwitz in der Familie ein Tabu. Jetzt bricht der Damm. Der Journalist Martin Doerry, Enkel von Lilli Jahn, veröffentlicht den Briefwechsel. Das Buch wird in 20 Sprachen übersetzt: ein herausragendes Dokument der Menschlichkeit in Zeiten der NS-Barbarei. „ZDF-History“ zeigt die bewegende Geschichte, aus der die Briefe entstanden sind.

Mo., 19. Jul · 23:00-00:30 · PHOENIX
Familiengeschichten – Kinder des Krieges

Im Mai vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Noch leben Angehörige der Generation, die den Krieg miterlebten. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der näher rückenden Front flohen. Das multimediale ARD-Projekt „Kinder des Krieges“ erzählt das Schlüsseljahr 1945 aus der Sicht der Kinder. Was prägt unser Bild vom Jahr 1945? Das Kriegsende. Und sonst? Noch Wochen nach dem 8. Mai 1945 habe er sich in Panik auf die Erde geworfen, wenn irgendwo am Himmel ein Flugzeug erschien, berichtet Paul Diefenbach (damals 7 Jahre alt) aus Köln. Bis heute würde er davon träumen, dass der im Krieg vermisste Vater wieder in der Tür erscheint, erzählt Alois Schneider (12) aus dem Saarland. Als sie die ersten Bilder aus den KZs zu sehen bekam, habe sie sich ihrer BDM-Uniform geschämt und später begonnen, Geschichte zu studieren, erzählt Elfie Walther (17) aus Delmenhorst. Noch ist es nicht zu spät, Fragen zu stellen. Noch leben die letzten Angehörigen der Generation, die zu jung war, um Schuld auf sich geladen zu haben, die aber alles miterlebte. Zeitzeugen des Jahres 1945 und ihre Erinnerungen stehen im Zentrum des multimedialen ARD-Projektes Kinder des Krieges. Ihre Aussagen machen deutlich: Unser Bild vom Jahr 1945 ist rückblickend geschönt. Geschönt von der Vorstellung des nahen Kriegsendes. Geschönt von der Vorstellung, dass am 8. Mai 1945 aller Schrecken endet. Aus Sicht derjenigen, die damals Kinder waren, stellt sich das Jahr 1945 anders dar: Zwar ist das Ende des Krieges bereits im Januar 1945 absehbar, doch niemand kann sicher sein, dieses Ende auch zu erleben. Fast alle der für diesen Film interviewten Personen haben in diesem Jahr 1945 traumatische Erfahrungen gemacht: Sie haben Hinrichtungen und Selbstmorde mitangesehen, Bombenangriffe erlebt und Vergewaltigungen ertragen. Sie drohten zu verhungern. Sie haben beim Spielen in Ruinen mit Blindgängern gespielt und dabei ihr Leben riskiert. Sie haben gesehen, wie ihre Eltern sich der Parteiabzeichen, der Hitler-Bilder, der Hakenkreuzwimpel und Fahnen entledigten. Sie wurden vorgeschickt, um die ersten alliierten Soldaten zu begrüßen, während die Eltern ängstlich hinter den Gardinen lauerten. Viele schwiegen um das Erlebte hinter sich zu lassen Zusammen mit ihren Eltern wurden sie durch die befreiten Konzentrationslager geschleust, um zu erkennen, welche Verbrechen in den Jahren des Nationalsozialismus geschehen waren. Nach dem Krieg haben viele über das Erlebte geschwiegen, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es sind unsere Mütter und Väter, unsere Großmütter und Großväter.

Di., 20. Jul · 13:50-15:30 · arte
Nylons und Zigaretten

1944, Normandie: In sogenannten „Cigarette Camps“ der US-Army werden junge Französinnen darauf vorbereitet, zu ihren neuen Ehemännern in die USA auszuwandern. Jeannette, Marie-Thérèse und Mireille sind drei solche Frauen: Sie sind mit GIs verheiratet, die sie kaum kennen, und stehen kurz vor der Überfahrt über den Atlantik.Just am Tag der Abreise erhält Jeannette die Nachricht vom Unfalltod ihres Ehemannes, den die Army aber so aussehen lassen will, als sei er heldenhaft im Gefecht gestorben. Sie muss ihre beiden Freundinnen ziehen lassen und bleibt mit ihren Eltern auf deren Bauernhof zurück. Marie-Thérèse und Mireille berichten der Freundin in Briefen von ihren Erlebnissen in den USA, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen.Mireille lebt mit ihrem jüdischen Mann in Brooklyn, die Pariserin scheint dort ihr Glück gefunden zu haben. Marie-Thérèse und ihren fünfjährigen Sohn Philippe hingegen verschlägt es auf eine Farm in Alabama. Ihr amerikanischer Mann ist durch seine Kriegserlebnisse stark traumatisiert. Immer häufiger verschwindet er und kehrt erst nach Tagen oder Wochen völlig betrunken zurück.Unterdessen wird Jeannette ihre Heimat Frankreich zunehmend fremd: Von den Männern im Dorf argwöhnisch als Soldatenfrau und Hure beschimpft, entschließt sie sich, vom Sterbegeld ihres Ehemannes die Reise in die USA anzutreten. Es wird eine Reise ins Ungewisse …

Di., 20. Jul · 22:10-22:55 · MDR
Hitler – Ein Attentat und die Drahtzieher aus Magdeburg

Darf man Adolf Hitler töten? Muss man ihn sogar töten? Menschenleben retten, indem man mordet? Zwei Männer aus Sachsen-Anhalt haben diese Fragen für sich mit einem klaren ja beantwortet. Am 13. März 1943 soll der „Führer“ sterben. Es ist ein Samstag – in Hitlers Terminkalender steht ein Routinebesuch an der Ostfront. Alles andere als Routine ist dieser Tag für die beiden Offiziere Henning von Tresckow und Fabian von Schlabrenndorff. Sie sind die Köpfe hinter einem Attentat, das der Auftakt zu einem Staatsstreich sein soll. Streng geheim und in permanenter Lebensgefahr haben sie monatelang Antworten gesucht auf die am Ende alles entscheidende Frage: Wie tötet man Adolf Hitler? Wie tötet man den am besten geschützten Massenmörder der Weltgeschichte? Am Ende scheiterte auch dieses Attentat nur knapp. Wieso? Lag es an den Schutzmaßnahmen, die für Adolf Hitler ergriffen wurden? Wie sahen diese genau aus? Diese Fragen stehen im Zentrum des Films „Hitler. Ein Attentat und die Drahtzieher aus Magdeburg“.

Di., 20. Jul · 22:15-23:00 · PHOENIX
Konrad Adenauer

Der Alte ist tot – Diese Nachricht verbreitete sich am 19. April 1967 wie ein Lauffeuer. Zwar war Konrad Adenauer bei seinem Tod bereits 91 Jahre alt und doch erschien er so manchem Zeitgenossen unsterblich. Als junger Mann überlebte Adenauer schwer verletzt einen Verkehrsunfall, später entkam er den Fängen der Nazis und noch später einem Bombenattentat israelischer Protestgruppen. Die Doku schaut auf Adenauers Leben als Familienmensch und als Politiker. Und sie fragt, was von ihm heute noch geblieben ist. „Der Alte ist tot“ Diese Nachricht verbreitete sich vor 50 Jahren, am 19. April 1967, wie ein Lauffeuer. Konrad Adenauer starb mit 91 Jahren, doch den Menschen in Deutschland schien er unsterblich. Als junger Mann überlebte Adenauer schwer verletzt einen Verkehrsunfall, Jahre danach stand er auf einer Deportationsliste der Nazis und wieder einige Jahre später entkam Adenauer als Bundeskanzler einem Bombenattentat israelischer Protestgruppen. Aus jedem neuen Leben sog er neue Kraft. Noch mit 73 Jahren ließ er sich zum ersten deutschen Bundeskanzler wählen und prägte vierzehn Jahre lang die Politik der jungen Republik. Mit seinem Leitsatz der Westintegration hat er die politische Richtung vorgegeben. Als er mit 91 Jahren in seinem Haus in Rhöndorf am Rhein an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt, hat er schon fünf Jahrzehnte politisches Strippenziehen hinter sich. Oberbürgermeister von Köln 1917 wird Adenauer jüngster Oberbürgermeister von Köln und macht die Stadt zur Metropole. Messe, Flughafen, Universität, Stadion, Hafen, Autobahn… Nie wieder hat jemand mit so vielen Großprojekten in so kurzer Zeit das Stadtbild verändert. Allein mit dem Grüngürtel setzt sich Adenauer ein Denkmal, für das ihn die Kölner noch heute lieben. Von den Nazis wird er 1933 aus dem Rathaus gejagt und seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben. Adenauer muss fliehen, wechselt mehrfach den Wohnort und baut sich schließlich in Rhöndorf einen goldenen Käfig. Obwohl er kein Widerstandskämpfer ist, wird er 1944 verhaftet. Adenauer fürchtet um sein Leben. Erster Bundeskanzler der neuen Republik Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs beginnt Adenauers zweite Karriere. Er wird der erste Bundeskanzler Deutschlands und führt das geächtete Land in 14-jähriger Regentschaft zurück in die internationale Gemeinschaft. Immer davon überzeugt, das nur er das gestalten könne. So wird er Kanzler und Außenminister in Personalunion. Er schafft die Aussöhnung mit Frankreich und Israel ebenso wie die Anbindung an die westliche Verteidigungsgemeinschaft. Zurück in die Heimat Sein größter Erfolg jedoch ist die Heimholung der letzten 10.000 Kriegsgefangenen aus russischen Lagern zehn Jahre nach Kriegsende. Mit diesem Willen fliegt er 1955 – in der heißen Phase des kalten Krieges nach Moskau. In tagelangen Verhandlungen, in denen sich die Verhandlungspartner drohen und anschreien, gelingt es ihm eine Zusage für die Freilassung der Kriegsgefangenen zu bekommen. Die Menschen danken es ihm mit der absoluten Mehrheit bei der nächsten Wahl. Kleben an der Macht Bei der Bundestagswahl 1961 war Adenauer zwar schon Mitte 80, aber er konnte von der Macht nicht lassen. Politikerkollegen hielt Adenauer für unfähig, allen voran seinen möglichen Nachfolger Ludwig Erhard. Zudem sammelte er Informationen über politische Gegner. Wie die 2017 erschienenen Tagebuchaufzeichnungen von Sohn Paul zeigen, prägten Argwohn und Misstrauen Adenauers späte Amtsjahre. Adenauers letzte Reise Adenauer stirbt am 19. April in seinem Haus in Rhöndorf. Am 22. April beginnen die größten und teuersten Beisetzungsfeierlichkeiten in der Geschichte der Bundesrepublik. Über mehrere Tage wird der Abschied mit offiziellen Stationen in Bonn, Köln und Rhöndorf begangen immer unter den Augen der Weltöffentlichkeit, zum ersten Mal auch als Fernseh-Event vor einem Millionenpublikum. Sicherheit für 180 Staatsgäste, perfekte Organisation und eine aufwändige Live-Berichterstattung stellen alle Beteiligten vor große und damals ganz neue Herausforderungen.

Fr., 23. Jul · 20:15-21:45 · PHOENIX
Die Ungewollten

Ein altes Grammofon, Briefe und ein Tagebuch. Auf dem Dachboden einer Hamburger Villa lag jahrelang unentdeckt eine alte Seekiste, der Nachlass von Gustav Schröder. Er war Kapitän auf dem Transatlantik-Passagierschiff der HAPAG, der „St. Louis“. Sein Name erinnert in der Internationalen Holocaust Gedächtnisstätte Yad Vashem in Jerusalem an die dramatischen Ereignisse an Bord der „St. Louis“. Ein Leben ohne Angst Voller Zuversicht verlassen 937 jüdische Flüchtlinge 1939 den Hamburger Hafen. Nazi-Deutschland hinter sich, die Freiheit vor sich. Ein Visum für Kuba verspricht ein Leben ohne Angst. Doch Havanna verweigert die Einreise. Kapitän Schröder nimmt Kurs auf die USA. Auch Washington lässt die „St. Louis“ nicht in einen sicheren Hafen. Als auch noch Kanada die Aufnahme verweigert, gerät die Fahrt in die Freiheit zur Odyssee auf dem Atlantik. An Bord machen die Worte Selbstmord und Meuterei die Runde. Knapp einen Monat nach dem Verlassen des Hamburger Hafens läuft die „St. Louis“ in Antwerpen (Belgien) ein. Fast ein Drittel der Passagiere werden in den folgenden Jahren von den Nazis ermordet. Ein Dokudrama in Spielfilmqualität Die größte Krise mit Geflüchteten in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg und aufkeimender Antisemitismus lassen die Ereignisse an Bord der „St. Louis“ erschreckend aktuell erscheinen. 2019 erinnerte die „Washington Post“ an die Ereignisse aus dem Jahr 1939, Kanadas Premierminister Justin Trudeau entschuldigte sich bei den Familien der jüdischen Geflüchteten, die einst von Kanada abgewiesen wurden.

Fr., 23. Jul · 21:45-22:30 · PHOENIX
ZDF-History: Rückkehr in Uniform

Ihre Lebenswege sind abenteuerlich, ihre Familiengeschichten erschütternd. Nach ihrer Flucht stellen sich viele junge deutsche Juden im Zweiten Weltkrieg an die Seite der Befreier und tragen zum Sieg über die NS-Herrschaft bei. Nach dem Kriegsbeginn 1939 wird für manchen asylsuchenden deutschen Juden seine Herkunft zum Problem. Als Deutsche erklärt man sie zu „feindlichen Ausländern“. Sie werden diskriminiert, interniert und von England aus in Lager nach Kanada oder Australien deportiert. Bald aber merken Briten und Amerikaner, welches Potenzial in diesen jungen Männern steckt: Viele von ihnen sind hoch motiviert, gegen Hitlers Reich in den Krieg zu ziehen. So landen jüdische Emigranten mit den alliierten Truppen in Afrika, Italien und der Normandie. Sie dienen unter anderem als Verhörspezialisten für Gefangene, als Dolmetscher oder Experten für deutschsprachige Propaganda. Auch an der Ostfront kommen Emigranten an vorderster Front zum Einsatz. Als sie in alliierter Uniform in ihr Herkunftsland zurückkehren, wird ihnen bewusst, wie weit das verbrecherische Regime gegangen war und wie viele Helfer es gefunden hatte. Nach der Befreiung von Lagern wie Bergen-Belsen oder Dachau zeigt sich das Ausmaß des mörderischen Hasses und der Unmenschlichkeit. Die Rückkehrer suchen nach ihren Familien, die in Deutschland bleiben mussten, und werden bald mit schrecklichen Wahrheiten konfrontiert. Ihre vermisste Heimat war ihnen zur Fremde geworden. „ZDF-History“ erzählt die spannenden und berührenden Schicksale von vier Emigranten, unter ihnen der bekannte Filmautor Georg Stefan Troller und der deutsch-amerikanische Germanistikprofessor Guy Stern.

Fr., 23. Jul · 23:30-00:00 · WDR
Freitagnacht Jews

Wie gelingt es, die jüdische Minderheit einem nicht-jüdischen Mehrheitspublikum filmisch nahezubringen – ohne Klischees und hinreichend divers? Das bespricht Daniel Doskoy mit seinen Gästen, dem Regisseur Dani Levy und Lea Wohl von Haselberg. Jüdische Figuren, so die Film- und Medienwissenschaftlerin, würden im deutschen Nachkriegsfilm vorrangig eingesetzt, „um zu zeigen, in welchem Zustand die Bundesrepublik ist“. Doch sollte es nicht Aufgabe des jüdischen Films sein, diese starren Erzählmuster aufzuweichen und mit Klischees zu brechen? Und dafür unsere Gesellschaft so abzubilden, wie sie wirklich ist? Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy ist Gastgeber von „Freitagnacht Jews“ und lädt immer freitags, zum jüdischen Ruhetag Schabbat, spannende Gäste ein, mit denen er leidenschaftlich über Jüdischkeit spricht. Am Schabbat-Tisch gibt es keine Tabus – die Gespräche sind kontrovers, provokant und mit viel Sinn für Humor. Am Ende steht vor allem eines: Verständnis füreinander zu entwickeln und eine neue Perspektive auf das Wort „Jude“ zu werfen.

Sa., 24. Jul · 07:30-08:00 · RBB
Allah weiß, dass ich schwul bin

Schwul zu sein, ist in vielen muslimischen Ländern noch ein großes Problem. Die Betroffenen müssen ihre sexuelle Neigung oft verborgen halten. Wird sie von anderen entdeckt, kann es sogar gefährlich werden. Der Film begleitet den Libanesen Hadi, der nach Deutschland geflohen ist, weil er von seiner eigenen Familie gedemütigt und mit dem Tode bedroht wurde. Nachdem sein Asylantrag in Berlin gewährt wurde, war er noch lange nicht sicher. Die Familie verfolgt ihn auch hier. Autor Andreas Bernhard und Kameramann Armin Fausten zeigen eindrucksvoll, wie schwierig und bisweilen gefährlich ein homosexuelles Leben für Muslime in Deutschland sein kann. Aber er zeigt auch, dass es möglich ist, trotz aller Widrigkeiten ein selbst bestimmtes Leben aufzubauen.

Sa., 24. Jul · 03:45-04:15 · PHOENIX
Überleben im Holocaust – Geheimen Verstecken auf der Spur

Natalia Romik sucht in Polen nach jüdischen Verstecken aus der Zeit des Holocausts. Ob in einer 600 Jahre alten Eiche oder in einem Bunker auf dem Friedhof, überall stößt sie auf unglaubliche Geschichten des Überlebenskampfes. So fördert sie die Erinnerungskultur in einem Land, dessen PiS-Regierung von diesem Teil der Geschichte lieber nichts hören will. Natalia Romik sucht in Polen nach Verstecken nach jüdischen Verstecken aus der Zeit des Holocaust. Ob in einer 600 Jahre alten Eiche oder in einem Bunker auf dem Friedhof, überall stößt sie auf unglaubliche Geschichten des Überlebenskampfes. Natalia Romik betreibt aktiv Erinnerungskultur. Die Wissenschaftlerin Natalia Romik sucht in Polen nach Verstecken. Nach jüdischen Verstecken aus der Zeit des Holocaust. Die Zuschauer erleben, wie sie auf einem Friedhof in Warschau den Zugang zu einem Bunker freilegt, in dem bis zu 30 Menschen Zuflucht gefunden haben sollen. In den Karpaten untersucht sie die 650 Jahre alte Eiche Jósef, die die Rückseite der 100-Zloty-Note schmückte. Im Hohlraum der Eiche sollen zwei Brüder die schreckliche Zeit des Holocaust überlebt haben. Bei den Recherchen dazu ist sie auf einen anderen Aspekt der Verfolgung gestoßen: Die Verstecke sind quasi unsichtbare Monumente des Traumas, aber auch Zeichen des Überlebenswillens und eines von Not geprägten Einfallsreichtums. Natalia Romik betreibt aktiv Erinnerungskultur.

So., 25. Jul · 04:30-05:15 · PHOENIX
Der Terror der einsamen Wölfe – Wie Einzelgänger zu rechten Attentätern werden

Am 9. Oktober 2019 zog er los, um gezielt zu töten. Sein Ziel: die jüdische Gemeinde in Halle an der Saale. Lediglich die gut verschlossene Synagogentür verhinderte am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker in der Synagoge. Trotzdem tötet der Angreifer anschließend noch zwei Menschen und verletzt zwei weitere durch Schüsse bevor er festgenommen wird. Er streamt seine brutale Tat er mit einer Helmkamera live ins Netz. Der Attentäter: Stephan Baillet, ist ein sogenannter „Einsamer Wolf“. Keine einzige Sicherheitsbehörde war im Vorfeld auf den Rechtsextremisten aufmerksam geworden. Den Anschlag konnte er völlig unbemerkt vorbereiten. In den letzten Jahren gab es eine enorme Zunahme des sogenannten „Lone Wolf“-Terrorismus. Es sind Terroranschläge nach dem immer gleichen Schema. Einzelne Täter, die sich im Internet radikalisieren und ihre Morde mit rechtsextremen Manifesten zu rechtfertigen versuchen. Wie werden aus Einzelgängern Attentäter? Ein inzwischen weltweites Phänomen, wie auch der Anschlag im neuseeländischen Christchurch zeigt. Hier tötete ein rechtsextremer Attentäter 51 Menschen in Moscheen und verletzte weitere 50 zum Teil schwer. Aber auch der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München 2016 folgte diesem Muster. Ein Hintergrund, der erst über drei Jahre nach der Tat offiziell bestätigt wurde. Die „Einsamen Wölfe“ und ihre Bewunderer sozialisieren und radikalisieren sich in anonymen Internetforen. Ihre Anschläge entwickeln sich stets weiter, hin über Live-Streams der Attentate oder computerspielartige Belohnungen. Doch wie stark sind die Attentäter, ihre Bewunderer und ihre geistigen Brandstifter weltweit miteinander verbunden? Die deutschen Sicherheitsbehörden sind oft nicht ausreichend vernetzt und in virtuellem Bereich schlecht aufgestellt. Die Polizei agiert oft nur regional oder national, um einem weltweiten Phänomen Herr zu werden. Der Film dringt in die Welt der „Einsamen Wölfe“ ein und zeigt, wie aus Einzelgängern Attentäter werden. Er begleitet Opfer der Attentate und deren Angehörige. Auch Vertraute der Täter kommen zu Wort und erklären die Mechanismen der Radikalisierung.

So., 25. Jul · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Geheimnisvolle Orte: Karlsbad – Glanz und Trauma eines Kurortes

Karlsbad – ein altehrwürdiger Ort in der Mitte Europas, an dem die ganze Welt genesen will. Ob Kaiser oder Könige, Reiche oder weniger Betuchte – das Versprechen Karlsbad geheilt oder wenigstens erholt zu verlassen, gehört noch heute zum positiven Grundrauschen dieses Böhmischen Kurortes. Am Anfang ist es die heilende Kraft des Wassers, die diesen Ort besonders macht. Über die Jahrhunderte jedoch wird das Böhmischen Tal an der Tepla zu einer der interessantesten Bühnen der Gesellschaft. Pracht und Glanz dieses Ortes sind bis heute geblieben – weniger sichtbar die Narben dahinter. Sie erzählen vom Trauma der Bewohner, von Vertreibung, Antisemitismus und Zwangsarbeit. Die über 500jährige Geschichte einer der wichtigsten Dynastien in Karlsbad ist ebenso erfolgreich wie tragisch – die der Bechers. Berühmt werden sie mit einem Kräuterlikör, dem Karlsbader Becherbitter. Im Frühjahr 1945 ist es Hedda Baier, geborene Becher, die das Familienunternehmen führt. Ihre Tochter Charlotte ist damals ein Jahr alt, als die Mutter verzweifelt versucht, ihre Familie und das Unternehmen in Karlsbad zu retten. Schließlich jedoch gehören sie mit zu den ca. drei Millionen Sudetendeutschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem jüdische Unternehmer, die das neue Antlitz Karlsbads prägten. Alfred Schwab baut das berühmte Hotel Imperial, Ludwig Mosers Kristallglasfabrik wird zur Marke in Europa. Und neben einem Jüdischen Hospital entsteht 1877 die prächtige Synagoge in der Parkstraße. In der Nacht des 9.November 1938 wird sie niedergebrannt. Zehn Jahre später wird Pavel Rubin in Karlsbad geboren. Er ist heute Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es 2600 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, nur 26 kehren als Überlebende des Holocausts zurück. Und noch etwas verbindet Glanz und Trauma an diesem außergewöhnlichen Ort – Uranerz. Mit dem Wettlauf um den Bau der Atombombe wird der Segen des heilenden Radonwassers zum Fluch für Tausende Arbeitssklaven, die in die Minen gezwungen werden. Von ihren Lagerbaracken aus sehen sie die Lichter der Kurstadt. Karlsbad – ein Ort, in den die Geschichte ihre Wunden geschlagen hat.

So., 25. Jul · 22:45-23:50 · MDR
MDR DokGemeinsam sind wir Vielfalt – Coming Out

In den letzten Jahren haben sich immer mehr junge Lesben, Schwule, bi- und transsexuelle Menschen in Onlinevideos zu ihren Coming Out-Erfahrungen geäußert. Sie erzählen von ihrem Outing oder bekennen sich direkt vor laufender Kamera zu ihrer sexuellen Identität. Für alle bedeutet das Coming-out eine existenzielle Zäsur, die mit Ängsten, Vorurteilen und Vertrauen zu tun hat, aber auch mit Unverständnis und Enttäuschung. Die Einblicke sind herzerwärmend und manchmal erschreckend und verdeutlichen, dass ein Coming-out auch im 21. Jahrhundert noch zu vielen Problemen führen kann. Denis Parrot hat die Episoden zusammengefügt – und er zeigt die Chancen des Internets auf: Über Kontinente hinweg können Geschichten geteilt, Schicksale verstanden und ermutigende Worte ausgetauscht werden.

So., 25. Jul · 23:15-23:45 · ZDFneo
13 Fragen: Rechter Terror in Deutschland. Muss der Staat Radikalisierung stärker bekämpfen?

„13 Fragen“ ist ein innovatives Debattenformat, das brisante gesellschaftspolitische Fragen in den Fokus rückt. Das Spektrum der jeweiligen Diskussionsthemen ist breit gefächert. Die Gäste sind so divers wie möglich. Schauplatz des Formats ist ein riesiges Spielfeld, auf dem sich sechs Gäste je nach Haltung zum Thema der jeweiligen Folge positionieren und mit jeder Antwort auf „13 Fragen“ entweder weiter distanzieren oder aufeinander zugehen. Deutschland gehört europaweit zu den Ländern mit den häufigsten Vorfällen schwerer rechter Gewalt – auch unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahl. Kein anderes Land in Westeuropa hat seit 1990 so viel schwere rechte Gewalttaten erlebt wie Deutschland. Deutsche Rechtsextremisten haben in den Jahren seit der Wiedervereinigung mindestens 121 Menschen getötet. Auch der Anschlag in Hanau zeigt: Das Vertrauen der Menschen in den Staat wurde enttäuscht: Ein Staat, der nicht schützt, eine Polizei, die nicht hilft, eine Gesellschaft, die nichts ändert. Vor allem junge Menschen können Sätze wie: „Das darf nie wieder passieren!“ nicht mehr hören. Es muss endlich etwas passieren! Denn die extreme Rechte scheint in der Lage zu sein, Anhänger zu mobilisieren und Gewalt zu motivieren, teilweise auch aufgrund der Dominanz einwanderungsfreundlicher Eliten in Politik und Gesellschaft. Wie können wir marginalisierte Gruppen besser schützen? Bei „13 Fragen“ wird die Frage diskutiert: Muss der Staat gewalttätige Radikalisierung stärker bekämpfen?

So., 25. Jul · 23:50-01:20 · MDR
Unter Männern – Schwul in der DDR

„Ich denke, wenn ich mich geoutet hätte, wäre das besser gewesen. Da war ich zu feige.“ Das späte Outing eines pensionierten Lehrers aus Leipzig, der sich erst im Zuge der Dreharbeiten zu „Unter Männern“ öffentlich zu seinem Schwul-Sein bekennt. Homosexualität wurde in der DDR nicht verfolgt. Trotzdem, geoutet hat sich keiner, denn anders sein – egal auf welche Art und Weise – ist in keinem totalitären System besonders gefragt. In der DDR konnte man damit leicht zum Staatsfeind avancieren und ins Visier der Stasi geraten. Aber auch das ganz gewöhnliche Alltags-Dasein im Arbeiter- und Bauernstaat war für Schwule nicht ohne Tücken: die Verschwörung des Schweigens, die Ächtung, das Unverständnis und Intoleranz vieler Mitmenschen. Der Druck zu Gesellschaftskonformität und sexueller Diskretion, das alles lastete schwer. Wie also lebte man als Schwuler in der DDR? Wie wurde Homosexualität im „real existierenden Sozialismus! gelebt, in einem Staat, dessen Ideologen in der Homosexualität einen Rest bürgerlich-dekadenter Moral witterten und Gefahren für die sozialistische Gesellschaft sahen. Regisseur Ringo Rösner lässt sechs Männer zu Wort kommen, die in aller Offenheit über ihre sozialen und intimen Erfahrungen sprechen. Wir lernen Menschen kennen, die unterschiedlicher, auch widersprüchlicher, nicht sein könnten.

Mo., 26. Jul · 01:15-02:15 · HR
Jetzt – nach so viel Jahren

Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es „Klein-Jerusalem“ genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet, und die meisten Juden wurden in Konzentrationslager deportiert. In Rhina blieb von ihnen nicht mehr als ein verwüsteter Friedhof zurück. 1981 drehte ein Filmteam des Hessischen Rundfunks eine eindrucksvolle Dokumentation über das einst so jüdische Dorf in Hessen. Befragt nach den früheren Nachbarn erzählten die Rhinaer vom friedlichen Miteinander damals. Die Filmautoren Pavel Schnabel und Harald Lüders suchten aber auch nach überlebenden jüdischen Rhinaern, um so nach ihren Erinnerungen zu hören. Einige trafen sie in New York. Auch sie sind anfänglich zögerlich, wollen nicht gern über die Vergangenheit reden. Doch schnell wird klar, dass sie aus anderen Gründen schweigen Die Überlebenden schildern ganz andere Ereignisse. Höhepunkt des Films ist eine emotionale Konfrontation: Die Rhinaer sehen ihre ehemaligen Nachbarn auf der Leinwand wieder und werden konfrontiert mit der verdrängten und so lange verschwiegenen Geschichte. Jahrzehnte nach seiner Entstehung hat dieser mehrfach preisgekrönte Film nichts von seiner Brisanz verloren – im Gegenteil. Gerade angesichts jüngster Versuche, das nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren, und des sich zunehmend artikulierenden Antisemitismus hat dieser Einblick in das kollektive Gedächtnis eines deutschen Dorfes beklemmende Aktualität. Der Hessische Rundfunk zeigt diese Dokumentation, die unter anderem mit dem Grimme Preis in Gold ausgezeichnet wurde, in technisch restaurierter Fassung.

Mo., 26. Jul · 22:00-22:30 · Das Erste (ARD)
Exclusiv im Ersten: Die AfD im Superwahljahr

Sechs Landtagswahlen, eine Bundestagwahl – 2021 ist ein Superwahljahr und das in Pandemiezeiten. Für die AfD ist es ein Jahr unter massivem Druck: Straßenwahlkampf unter Hygieneauflagen, erhebliche Stimmenverluste bei den Landtagswahlen in Westdeutschland, leichte Verluste auch in Sachsen-Anhalt, der innerparteiliche Macht- und Lagerkampf spitzt sich zu, über der Partei schwebt das Damoklesschwert einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz – der Druck wächst. Wie versucht die AfD gegenzusteuern? Wie will sie das große Thema Corona für sich nutzen? Welche anderen Themen versucht sie zu setzen?

Di., 27. Jul · 20:15-21:45 · arte
Sommer ’39

Der Sommer 1939 war heiß. An den Stränden Europas herrschte Hochbetrieb. Die Menschen wollten leben und lieben, arbeiten und sich amüsieren. Es war der vorerst letzte Sommer in Friedenszeiten. An seinem Ende stand der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Was war das für ein Sommer? Ein Sommer der Liebe und Sorglosigkeit oder ein Sommer der Angst? Wie lebten die Menschen im krisengeschüttelten Europa in diesen Monaten, als die ersten Vorzeichen des kommenden Schreckens nicht mehr zu übersehen waren? Es kann kein einheitliches Bild von diesem Sommer 1939 geben. So unterschiedlich wie die politischen Systeme Europas, wie Menschen Ereignisse erleben und einordnen, so unterschiedlich sind auch die Erinnerungen der Menschen an diese Zeit. So erinnert sich der britische Komiker Denis Norden an einen unpolitischen Sommer, in dem er „nichts als Mädchen und Musik im Kopf“ gehabt habe. In Polen hingegen erlebte der spätere Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einen ganz anderen Sommer. Mit Hilfe hochkarätiger Zeitzeugen aus ganz Europa zeichnet der Dokumentarfilm ein Stück europäische Zeitgeschichte am Vorabend der Katastrophe nach.

Di., 27. Jul · 20:15-21:00 · RBB
Geheimnisvolle Orte – Das Berliner Olympiastadion: Von Hitlers Arena zur Spionagezentrale

Das Berliner Olympiastadion ist ein unzerstört in unsere Gegenwart ragendes Relikt aus Hitlers untergegangenem Reich. Ein Ort der Massen bis heute – Austragungsort des DFB-Pokalfinales und Heimstätte des Bundesligavereins Hertha BSC, Leichtathletiktempel und Rock-Arena. In Erinnerung geblieben ist es vor allem als Schauplatz der Olympischen Sommerspiele 1936, der gewaltigen Propagandaschau des nationalsozialistischen Deutschlands. Zwei S-Bahn- und eine U-Bahn-Station sorgten schon bei der Eröffnung für die reibungslose An- und Abfahrt der Besuchermassen. Ein geheimer Tunnel, angelegt in den 1930er Jahren, führt noch heute aus dem Stadion heraus – im Falle eines Terroranschlages würden Politiker und VIPs über diesen Tunnel das Stadion verlassen. Während das Stadionoval im Zweiten Weltkrieg den alliierten Bombern beim Anflug als Orientierungspunkt diente, wurden nur ein paar Meter weiter, im Haus des Deutschen Sports“, die eigenen Verwundeten versorgt. Bisher nie gezeigte Aufnahmen dokumentieren die makabren Rehabilitierungsversuche: Unbeholfen, gezeichnet von ihren Verwundungen, üben Kriegsversehrte auf dem Rasen vor dem Gebäude wieder den Handgranatenwurf. Nach 1945 nahm die britische Besatzungsmacht einen Großteil des Geländes in Besitz. Viele Gebäude verschwanden hinter Stacheldraht und Bretterzäunen. Das ehemalige Olympiagelände wurde eine für Deutsche verbotene Stadt. Von hier aus koordinierte die britische Militärregierung ihre Spionagetätigkeit in der DDR. Zusammen mit einem Angehörigen der britischen Eliteeinheit wird dieser geheimnisvolle Ort erkundet. Erstmals zeigen Fotos das Innere des britischen Operational Headquarter“. Der Filmemacher Jan N. Lorenzen erzählt – mit unbekanntem Archivmaterial und spektakulären Luftaufnahmen – von den Geheimnissen eines öffentlichen Ortes. Das Berliner Olympiastadion ist kein unschuldiges Bauwerk, sondern ein Ort mit viel Vergangenheit.

Di., 27. Jul · 21:45-22:40 · arte
Polen 39. Wie deutsche Soldaten zu Mördern wurden

Der Zweite Weltkrieg ist nur wenige Stunden alt, da werden bereits die ersten Verbrechen verübt: „Ganz normale“ deutsche Soldaten brennen polnische Dörfer nieder und ermorden Zivilisten. Die Bilanz des Polenfeldzugs: Über 15.000 Zivilisten werden im September und Oktober 1939 von SS und Wehrmacht getötet. Es ist der „Auftakt zum Vernichtungskrieg“, wie der Historiker Jochen Böhler schreibt. Die Wehrmacht führt von Anfang an einen verbrecherischen Krieg – doch warum ist das so? Dieser Frage geht die Dokumentation auf den Spuren von drei Akteuren des Polenfeldzuges nach: Der Frontsoldat Walter K., der Reservist Wilm H. sowie der SS-Mann Erich E. haben Tagebücher und Briefe hinterlassen, in denen sie ihre Erfahrungen und Motive schildern. Wie unter einem Brennglas geben diese drei Geschichten Einblick in das Denken und Handeln deutscher Soldaten von damals. Daneben hat auch die berühmte Regisseurin Leni Riefenstahl einen Auftritt, die im September 1939 Augenzeugin eines Massakers in Polen wurde. Die Dokumentation schildert die Kämpfe an der Front, geht auf die Mord-Aktionen der SS ein, erzählt aber auch von den Gesten der Menschlichkeit, die es bei Soldaten wie Wilm H. gegeben hat. Doch auch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Feldzug nur einem Ziel dient: Die „lebendige Kraft“ des polnischen Staates soll zerstört werden, wie Adolf Hitler in einem Treffen mit der Wehrmachtsführung im August 1939 erklärte. Im Stil einer modernen Graphic Novel erzählt der Film von den Wegmarken des Polenfeldzugs und zeigt, was die Akteure auf deutscher Seite damals angetrieben hat. Erklärgrafiken und Landkarten stellen Zusammenhänge her, Archivfilme beleuchten die Hintergründe, ein interdisziplinäres Forscherteam – Historiker, Soziologen, Psychologen aus Deutschland und Polen – analysiert, wie die Wehrmacht bereits im Polenfeldzug ihr Gewissen verloren hat.

Di., 27. Jul · 22:40-23:35 · arte
Die Kinder von Markt Indersdorf

Es war der Zeitraum zwischen der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek am 23. Juli 1944 und der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Neue Hoffnung mischte sich mit der Last einer Vergangenheit, die nicht vergessen werden konnte. Die Dokumentation beleuchtet diese Periode, indem er das Schicksal einer Institution in den Mittelpunkt stellt: Das bayerische Kloster Indersdorf wurde 1945 zum ersten Auffanglager für geflüchtete Kinder der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (UNRRA). Die Kinder von einst, die in Indersdorf zeitweilig ein Zuhause fanden und heute in Amerika, Polen oder Israel leben, erzählen ihre Geschichte von den letzten Kriegstagen bis zur Übersiedlung in ihre ursprüngliche oder neue Heimat. Durch die Dokumentation führt Greta Fischer, die für alle Heimkinder zur Ersatzmutter wurde. Greta Fischer war Sozialarbeiterin und begleitete das Auffangzentrum Indersdorf vom ersten Tag an. Etliche ihrer Schützlinge sollten sie nie vergessen. Die Dokumentation kombiniert Zeitzeugenberichte mit Archivmaterial. Auf berührende Art erinnert er an die ersten Krisenhelfer, die sich darum bemühten, den traumatisierten Kindern neues Vertrauen in ihr Leben zu schenken.

Do., 29. Jul · 22:40-23:25 · MDR
Der „Schwulen-Paragraf“ – Geschichte einer Verfolgung

Man nannte sie „die 175er“. Verhaftet wurden diese Männer schon mal direkt beim Liebesspiel, nicht selten am Arbeitsplatz, oder die Polizei holte sie von zu Hause ab. Ein paar Stunden später saßen sie oft schon in Haft, die Kündigung vom Arbeitgeber ließ meist nicht lange auf sich warten. Ihr begangenes Verbrechen: einvernehmlicher Sex unter erwachsenen Männern. Damit verstießen sie gegen den Paragrafen 175. „Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts“ begangen werde, sei mit Gefängnis zu bestrafen. So stand es zur Einführung des Paragrafen 1871 im Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches. Die Nazis verschärften ihn, erhöhten die Strafen. Viele landeten im Konzentrationslager. Frei aber waren sie auch nach dem Krieg nicht. Die junge Bundesrepublik übernahm den Paragrafen 175 in seiner verschärften Form eins zu eins von den Nazis. Wer das KZ überlebt hatte, musste damit rechnen, erneut ins Gefängnis gesteckt zu werden, um die Reststrafe abzusitzen. Selbst das Bundesverfassungsgericht bestätigte 1957, dass der Paragraf 175 mit dem Grundgesetz im Einklang stehe: Männer, die mit Männern Sex hatten, wurden in der Bundesrepublik weiter verfolgt. Nach Schätzungen des Justizministeriums wurde gegen 100.000 Männer ermittelt, 64.000 hat man verurteilt. Der Paragraf hat Leben zerstört, Existenzen vernichtet. In diesem Film berichten Zeitzeugen davon. So wie der 80-jährige Hermann Landschreiber aus Gelnhausen, den die Polizei 1966 vom Postamt abgeführt hat, weil die Mutter seines Exfreundes ihn angeschwärzt hatte. Oder Günter Werner, der im katholischen Franken mit einem amerikanischen Soldaten in flagranti erwischt wurde und deshalb im Jugendarrest landete. Sie alle sprechen über ihre Verhaftung, den Knast, ihre Angst, erwischt zu werden oder erpressbar zu sein, aber auch über ihren Wunsch, trotzdem ein selbstbewusstes schwules Leben zu führen. Sie lassen uns verstehen, wie lang und beschwerlich der Weg war von der damals verbotenen Sexualität und Heimlichkeit bis hin zur Schwulenehe heute. Wie sieht jemand wie Klaus Beer diese Entwicklung? Sechs Männer hat er als Richter wegen Verstoßes gegen Paragraf 175 verurteilt. Er setzt sich offen mit seiner beruflichen Vergangenheit auseinander. Wie dachte er damals, wie denkt er heute über diese Urteile? Der Film führt auch in die ehemalige DDR, wo der Paragraf viel früher außer Kraft gesetzt und schon 1988 endgültig abgeschafft wurde. Lebten männerliebende Männer oder lesbische Frauen in der DDR also angstfrei, weil ihr Sex nicht mehr strafbar war? Wann gerieten sie trotzdem ins Visier der Staatsmacht? Wolfgang Schmidt war Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe in der Hauptabteilung XX des Ministeriums für Staatssicherheit. Er gibt offen Auskunft, warum man sich dort mit den Schwulen- und Lesbengruppen beschäftigte. Die lesbische Aktivistin Karin Dauenheimer wurde Anfang der 80er-Jahre observiert. Für den Film öffnet sie ihre Stasi-Akte. Frauen, die Frauen liebten, fielen nicht unter den Paragrafen 175, ihnen drohte also auch im Westen keine Strafverfolgung. Hatten sie deshalb wirklich ein sorgenfreieres Leben? Auch darauf findet der Film Antworten. Marco Giacopuzzi geht mit großer Sensibilität auf seine Zeitzeugen zu. Sein Film zeigt eindrucksvoll, wie ein menschenverachtender Paragraf und brutale Diskriminierung das Leben unschuldiger Männer und auch Frauen zerstörte und warum es so lange dauerte, bis der Paragraf 175 endlich aus der bundesdeutschen Rechtsprechung verschwand. Erst 2017 beschloss die Bundesrepublik ein Gesetz zur Rehabilitierung aller Opfer des Paragrafen. Doch nur wenige trauten sich, einen Antrag zu stellen, und die meisten waren ohnehin verstorben.

Fr., 30. Jul · 23:30-23:50 · WDR
Freitagnacht Jews

Ben Salomo, der eigentlich Jonathan Kalmanovich heißt, spricht mit Daniel über seine Erfahrungen als Jude in Deutschland. Sein Mittel zur Reflexion: Deutsch-Rap. Nach seinem Umzug von Israel nach Berlin wurde Ben früh damit konfrontiert, als Jude „anders“ zu sein. Bei Freitagnacht Jews sagt er: „Ich bin kein Deutscher mit Migrationshintergrund. Ich bin ein Israeli mit Integrationshintergrund.“ Als Musiker bekannt wurde er vor allem durch sein YouTube-Format „Rap am Mittwoch“. Hier verarbeitete er die Erfahrungen, die er als „Nicht-Bio-Deutscher“ auf den Berliner Straßen gesammelt hatte. Immer wieder wurde „Rap am Mittwoch“ als „Juden-Veranstaltung“ angegriffen – und irgendwann zog sich Ben zurück. Mit Daniel spricht er über seinen Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Muslimfeindlichkeit. Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy ist Gastgeber von „Freitagnacht Jews“ und lädt immer freitags, zum jüdischen Ruhetag Schabbat, spannende Gäste ein, mit denen er leidenschaftlich über Jüdischkeit spricht. Am Schabbat-Tisch gibt es keine Tabus – die Gespräche sind kontrovers, provokant und mit viel Sinn für Humor. Am Ende steht vor allem eines: Verständnis füreinander zu entwickeln und eine neue Perspektive auf das Wort „Jude“ zu werfen.
© Bild: WDR/Christian Pries Gast: Rapper Ben Salomo