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Ein Kunstprojekt von Sebestyén Fiumei

SpaziergängerInnen finden in der heute eher charakterlosen Almstadtstraße im Berliner Scheunenviertel kaum Spuren, die auf die besondere Rolle dieser Straße vor einem Jahrhundert hinweisen. Sogar der Name der Straße ist verschollen. Damals Grenadierstraße genannt, war sie das religiöse und kulturelle Zentrum der aus Osteuropa Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in die Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches, resp. der Weimarer Republik eingewanderten Juden. Jeder neu aus einem der zahlreichen Schtetls emigrierte, oft auch geflohene Ostjude wusste, dass er zuerst in die Grenadierstraße zu gehen hatte. Die Grenadierstraße war Berlins einzige echte „yidishe gas“ mit neunzehn Betstuben und Synagogenvereinen, mit koscheren Metzgern, Bäckereien und Restaurants, Kneipen, jüdischen Buchhandlungen und Druckereien. Die Sprache der Straße war Jiddisch.

Der in Wien studierte Künstler Sebestyén Fiumei will mit seiner neuen Installation – ein Straßennamenschild auf Jiddisch, auf dem der ehemalige Name ‘Grenadierstraße’ mit hebräischen Buchstaben geschrieben steht – die einzigartige und vergessene Geschichte dieser Straße sichtbar machen und an sie erinnern. Fiumei hofft, das Schild wird zukünftige Besucher der Straße ermuntern, über die Vergangenheit der ehemaligen Grenadierstraße nachzulesen und nachzuforschen.

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