Tel Aviv noir

Corona schränkt ein, Corona verändert Gewohnheiten, Corona verhindert Reisen – nach Tel Aviv. Was tun, um das Fremdweh nach ’seiner‘ Stadt zu stillen? Zum Beispiel in einer Lockdown-Pause zu seiner Buchhändlerin gehen und sie so lange piesacken, bis sie verspricht einem etwas Passendes herauszusuchen…

Von Robert Schlickewitz

In meinem Fall wurde es ein Band aus der populären Städteserie von Akashic Books. Der rührige Brooklyner Verlag kam 2004 auf die prächtige Idee, bedeutende Städte der Welt in Form von Kurzgeschichtensammlungen aufleben zu lassen.

Neben dem jeweiligen Stadtnamen steht in dieser Reihe noch das Attribut „noir“ im Titel. Das französische Wort soll an jene bekannten Kriminalfilme aus den 1940ern erinnern, in denen Licht und Schatten, hell und dunkel, Schwarz und Weiß wichtige Elemente der Dramaturgie darstellten.

Den Tel-Aviv-Band haben die beiden angesehenen israelischen Literaten Etgar Keret und Assaf Gavron zusammengestellt. Sie pflückten Beiträge möglichst neuerer, unverbrauchter, jedoch nicht gänzlich unbekannter, Autorinnen und Autoren heraus und steuerten noch je ein Erzeugnis aus der eigenen Feder bei.

Das Resultat geriet eher zu einem Spiegel der Vielfalt des Tel Aviver Alltags mit all dessen Sorgen, Nöten, Freuden und Vergnügungen denn zu einer reinen Krimi-Anthologie. Dennoch bereute ich meinen Kauf keine Minute.

Nicht nur mir bis dahin unbekannte Ecken und Winkel der Stadt lernte ich durch die Lektüre kennen; vielmehr erhielt ich tiefe Einblicke in nahezu sämtliche Milieus, die mir als ortsfremdem, gelegentlichen Besucher sonst verborgen geblieben wären.

Es menschelt nämlich in Tel Aviv noir ganz außerordentlich. Authentisch und glaubwürdig beschriebene Einzelschicksale, nicht Typen oder Kunstfiguren oder gar Freaks, stehen im Vordergrund und lassen den Leser daher nur selten unberührt.

Wir erfahren die uns nahe stehende Metropole in fast allen denkbaren Dimensionen: Bilder, Geräusche, Gerüche, Stimmungen werden zwischen den Zeilen lebendig, lediglich der Tastsinn muss noch außen vor bleiben.

Natürlich darf dabei auch (guter) Sex nicht fehlen, häuslicher wie käuflicher.

Osteuropäer, keineswegs nur „Russen“, Araber und Afrikaner, Asiaten und nicht näher Beschriebene, Eingeborene und Einwanderer, tief Verwurzelte und Gäste, Urgestein und menschliches Treibgut stellen die Protagonisten wie die Statisten. Quer durch sämtliche Klassen, Schichten, Gender, Religionen, und was sonst noch die Menschen auf der ganzen Welt trennt, oder verbindet, führen uns die Autoren in ihren Beiträgen.

Wir tauchen ein in ganz individuelle Herkunfts- und Familiengeschichten; staunen über die Vielfalt exotischer und vertraut klingender Namen; erleben Schicksale zwischen Glücksspiel, Drogen, Pornografie, Prostitution, Wohnungsnot, Existenznot, Illegalität, Ehebruch, Zwang zum Zweitjob, Schulden, fragwürdigen Arbeitsbedingungen, psychischen Problemen, Ziellosigkeit, Fettleibigkeit, Internetsucht, Vereinsamung und Elternliebe, Kinderliebe, Zielstrebigkeit, beruflicher Verwirklichung, individueller Freizeitgestaltung, Strandpartys, Schönheit, Luxus, Überdruss; nehmen Anteil am Familienleben, hier an banalem, dort an extravagantem; nehmen teil an Ritualen und Festen; lernen ungewohnte Umgangsformen, vorgelebte Zwischenmenschlichkeit und Alltagsrassismus kennen; gewinnen, schließlich, vielleicht, etwas mehr Verständnis für die Unterprivilegierten, für die Flüchtlinge, für die Alkoholabhängigen, kurz, für die gesellschaftlich Abgehängten.  

Selbstverständlich fehlen nicht: Raketenangriffe, Bombenattentate, Mord, Diebstahl, Waffenhandel, Betrug, Beduinen als Kamelfleischverkäufer, handfeste Korruption, Demos, Muslimisches wie Christliches, Müll, Graffiti, Tattoos, streunende Katzen, Regenwetter und der original israelische Kraftwagen Sussita (S.75).

Nachdenklich stimmen Passagen zu Geniekindern, die Suizid begehen, zu Erfahrungen von Tel Avivern im Lande der Täter (von einst) und zu ernst gemeinten Argumenten wider die Stadt.

Kurzum, für Vielfalt und interessante Unterhaltung ist reichlich gesorgt.

Nein –  Tel Aviv noir ist keine Neuerscheinung.
Nein – Tel Aviv noir gibt es (noch) nicht in deutscher Übersetzung.
Ja – Tel Aviv noir ist noch lieferbar.
Ja – es gibt/gab auch je einen Band Jerusalem, Tehran, Baghdad, Beirut, Istanbul noir…

Tel Aviv noir. Keret, Etgar und Assaf Gavron (Hg.). Brooklyn 2014, Bestellen?

Die in dem vorgestellten Band versammelten Autoren gehören sämtliche einer jüngeren Generation, geboren in den 1960ern bis 1980ern, an. Ihre Biografien, ebenso wie Angaben zu ihren Werken, haben zumeist noch nicht Eingang in geläufige Nachschlagewerke gefunden. Daher folgen einige, im April 2021 recherchierte, nähere Informationen zu ihnen.

Gai Ad

Gai Ad wurde 1963 in Beersheva geboren und studierte in Tel Aviv Biowissenschaften. Sie schrieb zunächst Beiträge für die Tageszeitung Hadashot und ging dann in den 1990ern in die Vereinigten Staaten, wo sie einen Abschluss in rational-emotiver Verhaltenstherapie erlangte. Später gründete sie eine spezielle Behandlungsgruppe für Alzheimerpatienten und kehrte 1997 heim nach Israel. Hier begann sie für das Fernsehen tätig zu werden und übernahm ein Übersetzungslektorat. Auf, zuerst, TV-Drehbücher für den israelischen Kanal 1 TV folgten mehrere Romane, die bisher leider nur in hebräischer Sprache erschienen sind. Für den Titel „Harimon Straße 7“, in dem sie das Leben von Alzheimerpatienten thematisierte, erhielt sie 2010 den Literaturpreis des Premierministers verliehen.

Gegenwärtig ist kein Buch von Gai Ad im deutschen Buchhandel, auch antiquarisch nicht, erhältlich. Gleiches gilt für die DNB, in deren Katalog kein Eintrag zu der Autorin enthalten ist.

Shimon Adaf

Sein Geburtsjahr ist 1972 und sein Geburtsort Sderot. Adafs Vorfahren stammen aus Marokko. Der Autor machte zunächst durch Lyrik auf sich aufmerksam, später erschienen auch Romane von ihm. 2010 verlieh man Adaf für seine Dichtung „Aviva-No“ den Jehuda-Amichai-Preis und 2013 für den Roman „Mox nox“ den Sapir-Literatur-Preis. Adaf trat auch mit eigenen Liedtexten und als Musiker hervor. Er lebt in Tel Aviv, wo er an der Ben-Gurion-Universität Kreatives Schreiben und Literaturwissenschaft unterrichtet.

Übersetzungen seiner Werke liegen in den Sprachen Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch vor. Im Jahre 2008 erschien ein Beitrag von ihm im Jüdischen Almanach der Leo-Baeck-Institute, „Israel“, den der Suhrkamp Verlag herausgibt.

2016 war Adaf Gast des Literarischen Colloquium Berlin (LCB).

Gegenwärtig sind Titel des Autors (in den genannten Sprachen) sowohl über den regulären Buchhandel als auch antiquarisch erhältlich. Bei der DNB ist lediglich ein Datensatz zu Adaf abrufbar, jedoch kein Werk im Bestand verzeichnet.

Gon Ben Ari

Der Autor kam 1985 im nordisraelischen Moshav Nahalal, jenem Ort, an dem auch die Dayan-Dynastie zu Hause ist, zur Welt. 2006 veröffentlichte Ben Ari seinen ersten Titel, während bereits das zweite, „Sequoia Children“ ins Englische übersetzt wurde. Noch auf einem weiteren Gebiet stellte der Autor sein Talent unter Beweis, auf dem des Dokumantarfilms. Von ihm stammt u.a. der in jiddischer Sprache gedrehte Streifen „Der Mensch“.

Zu seiner weiteren Produktion gehören Film- und TV-Drehbücher, zudem verfasst er Beiträge für die Presse, und, Ben Ari musiziert.

Während eines mehrjährigen USA-Aufenthalts war der Autor u.a. an der Cornell University (Ithaca, NY) tätig.

Gegenwärtig ist weder im Buchhandel noch antiquarisch ein Titel von Gon Ben Ari erhältlich; die DNB verfügt lediglich über einen Datensatz zu dem Autor.

Silje Bekeng

Silje Bekeng ist keine israelische Autorin, sie stammt vielmehr aus Norwegen, wo sie im Jahre 1984 zur Welt kam. Bekeng erwarb sich in ihrem Land als Journalistin, Kritikerin und unabhängige Autorin einen Namen. Sie verbrachte längere Aufenthalte in Israel und verfasste ihren Beitrag für Tel Aviv noir „SWIRL“ in englischer Sprache.

Alex Epstein

Epstein wurde 1971, also zu Zeiten der alten Sowjetunion im damaligen Leningrad, heute St. Petersburg, geboren. Seiner Familie gelang es noch in den 1970ern mit ihm nach Israel zu emigrieren.

Zur Spezialität Epsteins wurden verschiedene Formen von Kurzgeschichten, die er in Sammelbänden herausgab. Der Autor pflegt besonders das Untergenre Mikro-Erzählungen, ultrakurze Geschichten also, sog. „short-short stories“ bzw. „ktsartsarim“. Jedoch schrieb er auch Romane in herkömmlicher Form.

Übersetzungen seiner Werke liegen in folgenden Sprachen vor: Englisch, Französisch, Russisch und Portugiesisch.

Zweimal, 2003 und 2016, wurde Epstein der Preis für Literatur des israelischen Premierministers verliehen. Der Autor unterrichtete zuletzt in Tel Aviv Kreatives Schreiben.

Die DNB führt als einziges deutschsprachiges Werk Epsteins auf:

„Miniaturen. 111 Stories“. Schönebeck/Elbe 2020 (Verlag Moloko Print, deutsch und hebräisch).

Achtung – Verwechslungsgefahr: Der oben beschriebene Alex Epstein ist nicht identisch mit dem US-amerikanischen Wirtschaftstheoretiker und ebenfalls Autor gleichen Namens, dessen Werke im Buchhandel und antiquarisch angeboten werden.

Julia Fermentto (-Tzaisler)

Julia Fermentto wurde 1984 in Kfar Saba geboren und rief bereits mit ihrem Erstlingswerk „Safari“ (2011) Kontroversen hervor. Der der Autorin gewogene Rezensent der angesehenen Tageszeitung Haaretz war von dem Buch derart begeistert, dass er sie als „Stimme ihrer Generation“ bezeichnete, während sie von anderen verurteilt wurde. Julia Fermentto verfasste auch Kurzerzählungen und ist mit Beiträgen für die in- und ausländische (u.a. Polen, UK, USA, Deutschland) Presse präsent. Ihr zweiter Roman „Kfar Saba 2000“ von 2017 handelt von zwei Jugendlichen aus jenem Tel Aviver Vorort, die gegen die allgemeinen Erwartungen, die an ihre Generation gestellt werden, opponieren. Es ist zugleich ein Buch, welches eine Menge über das Identitätsgefühl junger Israelis preisgibt und welches seiner Autorin den Jungautorenpreis des israelischen Kulturministers einbrachte.

Unter welt.online ist im WWW ein Interview mit Julia Fermentto abrufbar: „Ist Israel ein Land des Westens?“ (11.10.2017)

Im Buchhandel und antiquarisch befindet sich aktuell kein Buch der Autorin im Angebot. Auch die DNB hat Julia Fermentto noch keines Eintrags für würdig befunden.

Assaf Gavron (Asaf Gavron)

Assaf Gavron, dessen Eltern aus dem Vereinigten Königreich stammen, wurde 1968 in Arad geboren und verbrachte seine Kindheit nahe Jerusalem. Er studierte in London und Vancouver. In Israel gilt er mit seinen Kurzgeschichten und Romanen inzwischen als Bestsellerautor. Seine Werke wurden in etwa ein Dutzend Sprachen übersetzt und manche davon für Bühne oder Film bearbeitet. Gavron ist auch als Journalist, Übersetzer aus dem Englischen, Liedertexter und Sänger der israelischen Musikgruppe „The Mouth and Foot“ bekannt geworden. Außerdem gilt er als Coautor eines populären Computerspiels, das den Nahostkonflikt virtuell umsetzt. Für seine vielfältigen Leistungen wurden Gavron zahlreiche Preise und Auszeichnungen verliehen: u.a. Geffen-Preis, Bernstein-Preis, Prix-Courrier-International (Frankreich) und „Buch für die Stadt“ (Deutschland).

In deutscher Sprache erschienen von Assaf Gavron bisher die Titel:

„Ein schönes Attentat“(2008, 2010, 2012, 2014)

„Achtzehn Hiebe“ (2018, 2019)

„Auf fremdem Land“ (2013, 2015)

„Alles paletti“ (2010)

„Hydromania“ (2009, 2014)

Mit je einem Beitrag ist der Autor vertreten in:

„Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen“. Kron, Norbert und Amichai Shalev (Hg.). S. Fischer Verlag 2015.

„Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Gäste 1963-2010“. Narbutovic, Katharina u.a. (Hg.). Berlin 2010.

„Wortwelten. Positionen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur…“. Amodeo, Immacolata u.a. (Hg.). Ulrike Helmer Verlag 2011.

„Olive und Asche. Schriftstellerinnen und Schriftsteller berichten…“. Waldman, Ayelet und Michael Chabon (Hg.). Köln 2017

Bücher des Autors können sowohl neu als auch antiquarisch bezogen werden. Im Katalog der DNB sind sämtliche der oben genannten Werke enthalten.

Matan Hermoni

Der Dozent für jiddische und hebräische Literatur an der Universität von Be’er Sheva mit Spezialgebiet US-amerikanisch-israelische Kulturbeziehungen, Übersetzer und Schriftsteller wurde im Jahre 1969 geboren. Für seinen Roman „Hebrew Publishing Company“ erhielt Hermoni den Bernstein-Preis verliehen.

Eine Leseprobe in deutscher Sprache von Matan Hermoni ist unter achlama.co.il/… abrufbar und  mediaspace.illinois bietet ein Video unter dem Titel „An evening with Matan Hermoni“ an.

Während die DNB lediglich einen Kurzdatensatz zu dem Autor bereithält, wird aktuell weder im Buchhandel noch antiquarisch einer seiner Titel angeboten.

Yoav Katz

Yoav Katz kam im Jahre 1965 zur Welt und studierte in Tel Aviv. Von ihm stammen Drehbücher für Spielfilme und TV-Sendungen, außerdem kleinere Literaturarbeiten sowie der Bestseller „Home Run at Ben-Gurion Airport“. Katz ist Träger einer Reihe von Literatur- und Bühnenpreisen. Nahezu gleichberechtigt neben seinen schriftstellerischen Arbeiten stehen seine Übersetzungen aus dem Englischen. Unter den von ihm ins Hebräische übertragenen Autoren befinden sich mehrere illustre Namen. Einer davon ist Ernest Hemingway. Yoav Katz lebt mit seiner Familie in Giv’atayim und er unterrichtet am Tel Aviv College of Management das Fach Verfassen von Drehbüchern.

Im Buchhandel ist derzeit lediglich Katz‘ „Natbag“ in hebräischer Ausgabe lieferbar, antiquarisch kein Titel. Die DNB offeriert lediglich einen Namenseintrag zu Yoav Katz.

Etgar Keret

Keret wurde 1967 in Tel Aviv geboren und er dürfte der bekannteste der hier versammelten Autoren sein. Von ihm stammen Kurzerzählungen, Kinderbücher und Bildergeschichten (graphic novels). Beiträge von ihm erschienen in Periodika des In- und Auslands. Kerets Bücher wurden in drei Dutzend Sprachen übersetzt. Sowohl national als auch international erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit verdient auch sein Engagement im Bereich Film Beachtung. So trat er als Filmemacher hervor und wirkt als Dozent an der Akademie für Film und Fernsehen.

Die angesehene Tel Aviver Literaturwissenschaftlerin und Herausgeberin eines Handbuchs zur modernen hebräischen Literatur (München, 2005), Anat Feinberg, schätzt Keret als „subversives Multitalent“ bzw. als „Schriftsteller der ‚postmodernen Welle‘ “ ein. Ferner Feinberg über Keret: „Mit originellen, knappen Geschichten, literarischen Vignetten, mal humorvoll, mal melancholisch, zählt Keret zu den beliebtesten jüngeren Autoren der Gegenwart und wurde als ‚Amos Oz seiner Generation‘ gelobt“.

Im Buchhandel sind derzeit Keret-Ausgaben in folgenden Sprachen lieferbar: Baskisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Galizisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Katalan, Kroatisch, Niederländisch, Persisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch.

In deutscher Sprache liegen vor:

„Die sieben guten Jahre: Mein Leben als Vater und Sohn“ (2017)

„Tu’s nicht. Storys“ (2020)

„Bumerang. Die ersten 146 Geschichten“ (2018)

„Plötzlich klopft es an der Tür. Stories“ (2012, 2021)

„Das Sparschwein“ (2016)

Antiquarisch und in deutscher Übersetzung werden darüber hinaus aktuell angeboten:

„Alles Gaza“ (2006)

„Mond im Sonderangebot“ (2003, 2006)

„Pizzeria Kamikaze“ (2000, 2002, 2006, 2007)

„Gaza Blues“ (1996, 1998, 2002)

„Der Busfahrer, der Gott sein wollte“ (2001)

Einzelne Beiträge von Etgar Keret finden sich u.a. in folgenden deutschsprachigen Veröffentlichungen:

„Angst im eigenen Land. Israelische und palästinensische Schriftsteller im Gespräch“. Zürich 2001.

„Schwellenzeit. 44 Autoren schreiben zur Corona-Zeit“. Spoerri, Bettina und Anne Wieser (Hg.). Midas Verlag 2020.

Zeev, Galia Gur und Ronit Eden. „Family Files. Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Israel“. Heidelberg und München 2010.

„Berlin Hüttenweg: Stadt erzählen“. Lubrich, Oliver und Hans Jürgen Balmes (Hg.). Berlin 2006.

„Wüstenwind auf der Allee. Zeitgenössische israelische Autoren“. Feinberg, Anat (Hg.). Berlin 1998.

Stemmermann, Christine. „Happy Birthday! Geburtstagsgeschichten zum Feiern“. Zürich 2020.

Das Magazin. Die Lust zu lesen. Heft 11/2001. Wunden und Wunder.

Shalom. Das Israel Heft – Jetzt Magazin. Nr. 11/1999. Süddeutscher Verlag.  

Deakla Keydar

Sie kam im Jahr 1975 in New York zur Welt und wuchs in Israel auf. Ihre literarische Produktion besteht aus Drehbüchern, Kurzgeschichten, Kinderbüchern, Jugendbüchern sowie Romanen für Erwachsene. Mehrere ihrer Veröffentlichungen wurden übersetzt, u.a. in die chinesische, in die deutsche und in die griechische Sprache. Die Autorin, die seit den 2010er Jahren in Tel-Aviv lebt, veranstaltet Workshops für Kreatives Schreiben. Im Jahre 2017 wurde eines der Kinderbücher von Deakla Keydar mit einer Auszeichnung bedacht.

Die DNB enthält nur einen Eintrag zu der Autorin:

„Als meine Mama einen Tag im Kindergarten blieb“. Freiburg im Breisgau 2015.

Dieser Titel ist gegenwärtig im Buchhandel und zugleich antiquarisch erhältlich.

Gadi Taub

Gadi Taub, dessen Vorfahren aus Polen und der Tschechoslowakei stammen, wurde 1965 in Jerusalem geboren, wo er auch aufwuchs. Er arbeitete zunächst für den israelischen Rundfunk und das israelische Fernsehen. Später studierte er u.a. an der US-amerikanischen Rutgers Universität, an der er zu amerikanischer Geschichte promovierte. Als Autor trat er vor allem mit seinem Bestseller „Allenby Street“ hervor, der auch als Vorlage für eine israelische TV-Serie diente. Neben Prosa verfasste Taub noch Sachbücher und Drehbücher fürs Fernsehen. Beiträge von ihm erscheinen regelmäßig in in- und ausländischen Medien. Außerdem nahm er ab 2003 Lehraufträge der Jerusalemer Hebrew University bzw. an der School of Public Policy und am Department of Communications an.

Als Vertreter von Verschwörungstheorien und von zum Teil sehr kontroversen politischen wie gesellschaftlichen Ansichten, auch als Sympathisant bzw. Unterstützer der Politiker Donald Trump und Benjamin Netanyahu, wird der Autor von Teilen der israelischen Gesellschaft abgelehnt. 

Derzeit im Buchhandel in deutscher Sprache lieferbar ist ein Sammelband mit einem Beitrag von Gadi Taub:

„Trigger-Warnung. Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen“. Berendsen, Eva u.a. (Hg.). Berlin 2019.

Antiquarisch werden gegenwärtig angeboten, und enthalten ebenfalls je einen Beitrag des Autors:

„Jüdisch versus demokratisch? oder: Die Sehnsucht nach einem ‚legitimen‘ Nationalstaat“ In: Israel. Jüdischer Almanach der Leo-Baeck-Institute. Dachs, Gisela (Hg.). Frankfurt am Main 2008.

„Eine Geschichte der israelischen Siedlungsbewegung“ In: Merkur 7/2005 (Nr. 675), Stuttgart 2005.

„Postzionismus als Bedrohung Israels“ In: Merkur 11/2002 (Nr. 643), Stuttgart 2002.

„Raymond Carvers bescheidener Existentialismus“ In: Merkur 6/2003 (Nr. 650), Stuttgart 2003.

Die DNB enthält keine Einträge zu Taub, die über die oben aufgeführten hinausgingen.

Lavie Tidhar

Lavie Tidhar stammt aus dem nordisraelischen, galiläischen Afula, einer von US-amerikanischen Zionisten gegründeten Ortschaft, in der er 1976 zur Welt kam. Am bekanntesten wurde er als Fantasy-Autor bzw. durch seine Bildergeschichten (graphic novels). Zu nennen sind „Adolf Hitler’s I dream of Ants“ sowie die ähnlich gestaltete Reihe „Adler“. Für sein Werk erhielt der Autor mindestens drei Dutzend (!) auch internationale Auszeichnungen. Tidhar lebte immer wieder an wechselnden Orten, so etwa im südpazifischen Inselstaat Vanuatu, ferner in Laos, in Südafrika und in London. Weitergehende Informationen zu diesem Autor sind bei der englischen, bei der bulgarischen, bei der ukrainischen und bei der italienischen Wikipedia abrufbar.

Im Buchhandel ist in deutscher Sprache von Tidhar derzeit lieferbar:

„Central Station“ (2018)

„Geheimagentin Candy und die Schokoladen-Mafia“ (2018)

(ferner Werke in englischer, polnischer, italienischer, chinesischer, französischer und spanischer Übersetzung.)

Antiquarisch angeboten werden in deutscher Sprache:

„Bookman – Das Ewige Empire 1“ (2012)

„Osama“ (2013)

Bei der DNB sind keine weiteren Werke angegeben.

(Juan) Antonio Ungar

Der Autor kam 1974 in Bogotá, Kolumbien, als Kind einer jüdischen Familie zur Welt. Er wurde  zunächst als Auslandsreporter tätig und berichtete aus dem Vereinigten Königreich, aus Mexiko, aus Spanien und schließlich aus Israel bzw. Palästina. Bald erschienen seine Beiträge auch außerhalb seines Geburtslandes in überregionalen Medien. Daneben verfasste Ungar Kurzerzählungen, Jugendbücher und Romane. 2010 erhielt er für den Titel „Tres ataúdes blancos“ eine erste literarische Auszeichnung. Recht bald wurde auch das Ausland auf seine literarischen Erzeugnisse aufmerksam und seine Bücher wurden in verschiedene Sprachen übersetzt, so u.a. ins Niederländische, Französische, Englische, Italienische, Hebräische, Griechische und Deutsche. Ungar zählte mehrere Jahre über zur exklusiven „Bogotá 39“. Dies ist die Bezeichnung für eine Vereinigung der besten lateinamerikanischen Autoren jünger als 39 Jahre. Die Ehefrau, des zum Islam konvertierten Schriftstellers, ist die palästinensische Schriftstellerin und Mitarbeiterin des Seminars für Semitistik und Arabistik an der Freien Universität Berlin, Zahiye Kundos. Das Paar lebte einige Jahre in Jaffa/Tel Aviv.

In deutscher Sprache ist derzeit von Antonio Ungar ein Titel lieferbar:

„Drei weiße Särge“ (2012)

Mit je einem Beitrag vertreten ist Ungar in den Publikationen:

„Und träumten vom Leben. Erzählungen aus Kolumbien“. Schultze-Kraft, Peter (Hg.). Zürich 2001.

„Schiffe aus Feuer. 36 Geschichten aus Lateinamerika“. Berlin 2010.

„Südamerika. Der eigene Kontinent“ Edition Le Monde diplomatique. o.O. 2011.

Bei der DNB liegen keine weitergehenden Einträge zu Antonio Ungar vor.

Foto oben: Blick auf Jaffa bei Nacht, (c) R. Schlickewitz

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