Jüdisches Bamberg

Im September  2020  erschien im Erich Weiß Verlag in Bamberg die überarbeitete Neuauflage des Werkes „Jüdisches Bamberg – Ein Gang durch die Stadt“…

Von Israel Schwierz

Nach einem sehr gut verständlichen Vorwort der drei Verfasser des Werkes  und einer Vorbemerkung zur Neuauflage 2020 (diese war aufgrund neuerer Entwicklungen im Informationsstand nötig geworden, nachdem einer der Verfasser – Rudolf Daniel – inzwischen verstorben war) wird dann das jüdische Bamberg in 11 Stationen sehr anschaulich in Wort und Bild vorgestellt.

In der ersten Station- das die Bergstadt (= linkes Regnitzufer) zum Inhalt hat, werden die interessierten Leser mit dem 1. Judenhof des Mittelalters, der Marienkapelle, die gleichzeitig Standort der 1. Synagoge war, und der Judenstraße bekanntgemacht. Zu sehen sind auch sehr gute Photos von Juden als Tiergestalten (14. Jh.) im Kreuzgang des Karmelitenklosters sowie bösartige Darstellungen von Juden von 1230 in der Nordseite des Fürstenportals des Doms.

Die zweite Station hat das Inselrathaus – den Weg in die Inselstadt – zum Inhalt. Hier wird auch die Gedenktafel am Alten Rathaus (Untere Brücke) für die Opfer der Shoah vorgestellt sowie auf eine  judenfeindliche Inschrift an der Kreuzigungsgruppe auf der Oberen Brücke aufmerksam gemacht.

Die  dritte Station – das Quartier an der Stadtmauer“ –  stellt die spätmittelalterliche Mikwe im Rückgebäude von Hellerstraße 13 vor sowie die Kesslergasse – hier befand sich der ehemalige 2. Judenhof im 17. Jahrhundert.

In der 4.Station – der Generalsgasse  – wird dem Betrachter die ehemalige Synagoge und das jüdische Schulhaus, die Gedenktafel für die ehemalige Synagoge und der Standort der 4. Bamberger Synagoge nahegebracht.

Die 5. Station – Zinkenwörth – Schillerplatz – zeigt  nach einer Beschreibung der einst jüdischen Häuser auch die Gedenktafel für Dr.med. Jacob Dessauer sowie im Harmoniegarten das „Mahnmal für Widerstand und Zivilcourage“   gegen das NS-Regime   – eine unter Federführung der Willy_Aron-Gesellschaft Bamberg e.V. 2016 eingeweihte Gedenkstätte,  geschaffen vom Künstler Albert Ultsch.

In der 6. Station werden  die Villa Wassermann, Sitz des ehemaligen Bamberger Bankhauses A.E. Wassermann sowie das ehemalige jüdische Gesellschaftshaus „Ressource“ in der Hainstraße  in Wort und Bild sehr anschaulich vorgestellt.

Die 7. Station hat den Synagogenplatz  – Standort der 5. Bamberger Synagoge, die 1939 gesprengt wurde – sowie den Gedenkstein für das jüdische Gotteshaus von 1965  und die Stelen des Mahnmals von 1995  – zum Inhalt.

In der 8. Station wird die Willy-Lessing-Straße mit der 6. Und 7. Synagoge ebenfalls sehr anschaulich vorgestellt. Der Leser erfährt, wo sich die Synagoge und das Gemeindehaus  der heutigen Israelitischen Kultusgemeinde „Or Chaim“ befinden, in der jetzt regelmäßige Gottesdienste stattfinden. Es ist interessant zu erfahren, dass das Portal der 4. Synagoge als Eingang der heutigen 7. Synagoge dient.

Die 9. Station  – „Grüner Markt“ – beschreibt sehr eindrucksvoll das ehemalige jüdische Kaufhaus H.& C.Tietz – heute Kaufhaus Karstadt.

Die 10. Station ist dem ehemaligen jüdischen DP-Lager Bamberg in der ehemaligen Ulanen-Kaserne in der Nürnberger Straße  gewidmet.

Die 11. Station stellt  den Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg in der Siechenstraße 102 in Wort und Bild sehr eindrucksvoll dar. Zu sehen sind neben der Tahara-Halle Grabsteine mehrerer bedeutender jüdischer Bürger der Stadt, ein Denkmal der im 1. Weltkrieg für ihr deutsches Vaterland gefallenen jüdischen Soldaten sowie ein Gedenkstein für die Opfer der Schoah.

Ein zweiter Teil des Büchleins stellt mehrere bedeutende jüdische Bürger von Bamberg vor. Der Leser kann sehr vieles über die Geschichte der Juden in Bamberg vom Mittelalter bis heute in Erfahrung bringen.  Ganz besonders wird des 2012 verstorbenen Vorstehers der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg – Dr. Heinrich Chaim Olmer s.A.  – gedacht. Auch auf die heute bestehende zweite jüdische Gemeinde in Bamberg – die Liberale Jüdische Gemeinde Mischkan ha-Tfila – wird in diesem Teil des Werkes hingewiesen.

Danksagungen, Literaturhinweise und ein Bildquellennachweis runden dieses ganz hervorragende Werk harmonisch ab.

Den Verfassern ist es in der Tat gelungen, einen in Wort und Bild ausgezeichneten Führer durch das jüdische Bamberg zu kreieren. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung aller, denen der ehrliche Umgang mit der jüdischen Geschichte ihrer Heimat ein Herzensanliegen ist.

Das Büchlein kann zum Preis von EUR 12,80 im Buchhandel oder direkt beim Erich Weiß Verlag Bamberg erworben werden (ISBN 978-3-940821-75-1).

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