Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. März 2020…

So., 1. Mär · 11:30-13:00 · SWR
Carl Laemmle – Ein Leben wie im Kino

Carl Laemmle, ein oberschwäbischer Jude, gründet Hollywood. Er gilt als bedeutender Filmpionier. Historiker, Filmexperten und Nachfahren sprechen über seine Bedeutung für das Kino von heute. Das Porträt würdigt Carl Laemmle auch als den Menschen, der mit seinen Bürgschaften Hunderte von Juden vor den Nazis rettete. Die Dokumentation ist eine bewegende Spurensuche an Originalschauplätzen. Wie erinnert seine Heimatstadt Laupheim an den großen Sohn? Welche Rolle spielt Laemmle tatsächlich für das große Kino und was ist von ihm in Hollywood geblieben? Experten äußern sich zu seinen bahnbrechenden Filmen. Nach dem Tod der Mutter gibt es für Carl Laemmle, einen armen jüdischen Jungen aus dem schwäbischen Laupheim, kein Halten mehr: Er entflieht der oberschwäbischen Provinz und wandert nach Amerika aus. Dort macht er eine Karriere wie aus dem Bilderbuch. Er kauft eine Hühnerfarm bei Los Angeles und gründet Universal Pictures. Dies ist die Geburtsstunde von Hollywood. Carl Laemmle ist der erste, der die Bedeutung von Leinwandstars für das Kino entdeckt. Filmklassiker wie „Dracula“ oder „Frankenstein“ werden in seinem Studio gedreht, aber auch Meilensteine der Kinogeschichte wie „Im Westen nichts Neues“. Laemmle ist ein fleißiger Schaffer und Strippenzieher, aber auch ein Spieler. Als Universal in die Krise gerät, setzt Lämmle alles auf eine Karte – und verliert. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Carl Laemmle in den folgenden Jahren Hunderte von deutschen Juden vor den Nazis rettet. Er übernimmt Bürgschaften und sorgt dafür, dass diese Menschen nach Amerika ausreisen dürfen. Die Dokumentation ist eine bewegende Spurensuche an Originalschauplätzen. Wie erinnert seine Heimatstadt Laupheim an den großen Sohn? Welche Rolle spielt Laemmle tatsächlich für das große Kino und was ist von ihm in Hollywood geblieben? Experten äußern sich zu seinen bahnbrechenden Filmen. Seine Nachfahren sammeln heute noch in den USA alles, was an Spuren zu finden ist. Und Sandy Einstein aus der Nähe von San Franzisco, Sohn eines jüdischen Auswanderers, sagt: „Ohne Carl Laemmle wäre meine Familie ausgelöscht worden.“

So., 1. Mär · 19:15-20:00 · BR
Unter unserem Himmel – Leben mit einem Denkmal: Synagogengeschichten

Für die Reihe „Leben mit einem Denkmal“ hat Sybille Krafft Gebäude aufgespürt, die in der Reichspogromnacht 1938 geschändet, aber nicht komplett zerstört wurden, und seit Jahrzehnten leer stehen und verfallen. Andere werden als Lagerstätten und Garagen inzwischen recht säkular genutzt. Entdeckt hat sie aber auch ehemalige Synagogen, die von Privatpersonen sorgsam saniert wurden und heute als Wohnstätten dienen. Man kann erahnen, wie reichhaltig das jüdische Leben einst auch in Bayern war. Zu einer Reise in die versunkene und vergessene Welt der Synagogen des fränkischen Landjudentums lädt Filmautorin Sybille Krafft in der Reihe „Leben mit einem Denkmal“ ein. Entdeckt hat sie dabei ehemalige Synagogen, die von Privatpersonen sorgsam saniert wurden und heute als Wohnstätten dienen. So hat beispielsweise eine junge Familie in Hüttenheim mit viel Gespür für die historische Bausubstanz den früheren Betsaal in ein unkonventionelles Wohnzimmer verwandelt. Oder ein Ehepaar in Wiesenbronn, das in zehnjähriger Arbeit nach allen Regeln der Denkmalkunst aus dem Gotteshaus ein Privathaus mit kleinem Museum gemacht hat. Die Filmautorin zeigt außerdem eine frühere Synagoge, die zu einer Kirche geworden ist, und ein jüdisches Gotteshaus, das immer noch seine ursprüngliche Funktion erfüllt: Bei einer Bat Mizwa-Feier in Bayreuth, bei der die 12-jährige Tochter des Gemeindevorstehers religiös mündig wird, kann man erahnen, wie reichhaltig das jüdische Leben einst auch in Bayern war.

So., 1. Mär · 22:55-23:55 · arte
Clara Haskil – Der Zauber der Interpretation

Clara Haskil gilt als eine der größten Klaviervirtuosinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr grenzenlos freies Spiel überzeugte durch eine unglaublich vitale Klangfülle: Dirigenten wie Christian Zacharias, Pianisten wie Michel Dalberto oder Eliane Reyes, Freunde wie Eugène Chaplin und der Maler Michael Garady sowie der Musikkritiker Alain Lompech erinnern sich an ihr Talent und ein Leben, das voller Musik, aber auch voller persönlicher Prüfungen und Drangsal war. Ergänzend zu den Interviews bringen Auszüge aus Clara Haskils Briefen dem Zuschauer ihr bewegtes Leben nahe. Clara Haskil wurde 1895 in Bukarest in eine jüdische Familie geboren und galt bereits als Dreijährige als Wunderkind. In Wien und Paris studierte sie ab 1903 bei Richard Robert, Gabriel Fauré und Alfred Corot. Als 15-Jährige begab sie sich auf Konzerttourneen nach Frankreich, in die Schweiz und Italien. 1913 blockierten ernste gesundheitliche Probleme – aufgrund von Skoliose musste sie vier lange Jahre ein Gipskorsett tragen – zeitweise ihre Karriere. Nach zahlreichen Konzerten in Europa debütierte sie 1924 in den USA in New York und Boston. Ab 1927 lebte sie wieder in Paris. Im Mai 1942 musste ihr ein Tumor entfernt werden, der auf ihren Sehnerv drückte. Kurz vor der Besetzung Marseilles durch die deutsche Wehrmacht konnte sie sich im November 1942 in die Schweiz absetzen. Erst ab den 50er Jahren konnte sie von ihren Einnahmen leben und sich einen eigenen Flügel leisten. Erst in späteren Lebensjahren wurde sie als überragende Mozart-Interpretin ihrer Generation gefeiert. Clara Haskil starb 1960 in Brüssel an den Folgen eines Treppensturzes. Als Hommage an die unbeirrbare Frau und Künstlerin Clara Haskil sagte Charlie Chaplin auf ihrer Beerdigung: „In meinem Leben traf ich drei Genies: Clara Haskil, die beiden anderen waren Einstein und Sir Winston Churchill.“

Di., 3. Mär · 20:15-21:15 · arte
Die Legende vom Einzeltäter – Rechter Terror in Europa

Getötet hat der Mörder den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, getroffen hat er ins Herz der Gesellschaft. Die Tat hat Deutschland erschüttert: Zum ersten Mal nach dem Ende des Nazi-Regimes wurde ein Politiker Opfer rechter Gewalt. Schon jetzt zeigen Recherchen – der Hauptverdächtige Stephan E. und sein mutmaßlicher Komplize Markus H. waren fest mit der rechtsextremen Szene verbunden. Der Prozess beginnt demnächst. Dieser Mord ist nur einer in der Kette brutaler Gewalttaten. Sie richten sich gegen Menschen, die von Rechtsextremen zu Feinden erklärt werden: Migranten, Juden, Muslime, Linke, Journalisten und mit Lübcke auch ein bürgerlich konservativer Politiker. Die Dokumentation folgt den Spuren rechtsextremer Angriffe im Herzen Europas. Im französischen Bayonne greift ein Mann, dessen rassistische Gesinnung bekannt war, im Herbst 2019 eine Moschee an. Vor dem Gebäude verletzt er zwei Muslime durch Schüsse schwer. Vier Jahre zuvor kandidierte der Angreifer noch für den Front National. Auch der Mord an der britischen Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Jo Cox geht auf das Konto eines rechtsextremen Einzeltäters. Cox‘ Schwester berichtet von einer Atmosphäre der Spaltung und Hetze, in der sich der Täter damals bestätigt fühlen konnte. Ermutigt fühlen sich all diese Gewalttäter von den neuen Rechten, die unverhohlen ihre Theorien von der Bedrohung der „weißen Rasse“ verbreiten. Die rechtsextremen Morde und Anschläge der vergangenen Jahre mögen juristisch die Taten Einzelner sein. Einzeltäter im Geiste waren diese nicht.

Mi., 4. Mär · 00:30-01:25 · arte
Golda Meir – Ministerpräsidentin

Sie war die erste und bisher einzige Frau an der Spitze Israels. Golda Meir polarisiert, und das bis heute. Einerseits wird sie als Mutter des Zionistischen Staates und als Ikone Israels gefeiert. Ihre Kritiker beschreiben sie jedoch als engstirnige, vorurteilsbeladene Hardlinerin, die wesentlich für die Verschärfung des Nahostkonfliktes verantwortlich ist. Und in Israel gilt sie für viele gar als das schlechteste Staatsoberhaupt aller Zeiten. Die Dokumentation erzählt den Zeitraum vom Tag ihres Amtsantrittes im März 1969 bis zu ihrem Rücktritt im April 1974. Fünf entscheidende Jahre, in denen die Weichen für den Verlauf des Nahostkonfliktes gestellt wurden. Den roten Faden für die Erzählung bildet zum Teil unveröffentlichtes Interviewmaterial, das einen neuen und unverfälschten Blick auf Golda Meir ermöglicht. Interviews mit Zeitzeugen wie ihrem Pressesprecher Meron Medzini, dem Journalisten und ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery – ihrem wohl härtesten Kritiker – sowie mit Parteifreunden und politischen Gegnern bieten eine vielschichtige Perspektive auf eine komplexe Persönlichkeit und auf eine turbulente und bisher wenig beachteten Epoche der jüngeren Zeitgeschichte. Eine Schlüsselszene im Film und in der Amtszeit von Golda Meir ist zweifelsohne das Münchner Olympia-Attentat 1972. Erstaunlich offen erzählt der ehemaligen Mossad-Chef Zvi Zamir, wie im Anschluss an die tragischen Ereignisse in enger Abstimmung mit Golda Meir die Liquidierung palästinensischer Terroristen beschlossen wurde.

Mi., 4. Mär · 07:35-07:50 · WDR
Planet Schule: Die große Literatour – Joseph Roths Russland

Seine Romane zählen heute zur Weltliteratur: Joseph Roth – ein großer Erzähler und einer der besten Journalisten der Weimarer Zeit. Ein Meister der Beobachtung und Beschreibung. 1926 reist er mit einer großen Sehnsucht in die noch junge Sowjetunion. Mehrere Monate wird er unterwegs sein, Reportagen für die Frankfurter Zeitung schreiben und alle seine Illusionen über den Sowjetstaat verlieren. Roth wurde in Galizien, der heutigen West-Ukraine geboren und führte ein zerrissenes Leben, zwischen jüdischem Glauben und Katholizismus, er lebte in einer Zeit des Umbruchs, in den Zerfall des Österreichischen Kaiserreiches. Er reist über Polen in die noch junge Sowjetunion. Doch die anfängliche Faszination wird schnell der Desillusionierung weichen. Roth bricht als neugierig Hoffender auf und kehrt als ernüchterter Chronist zurück. Nach der Reise gelingt ihm sein Durchbruch als Romancier: seine bedeutendsten literarischen Werke wie ‚Hiob‘ oder ‚Radetzkymarsch‘ erscheinen. „Die große Literatour“ begibt sich auf die Spuren von einigen der spannendsten Reiseschriftstellern der Geschichte, folgt ihren Reisen nach und sieht die Länder aus ihren Blickwinkeln. Eine literarische Zeitreise, die auf einzigartige Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt.

Fr., 6. Mär · 12:00-12:15 · 3sat
Von Chuzpe und Schmonzes

Im März steht das jüdische Purim-Fest an. Dann heißt es, ähnlich wie im Fasching, verkleiden, trinken, feiern! Witz und gute Laune sind aber nicht nur auf einige Tage im Jahr beschränkt. Jüdischer Humor zieht sich als eine Lebenseinstellung quer durch Alltag, Kultur und Religion. Dabei steht ein schier unerschöpfliches Arsenal an Witzen und Pointen zur Verfügung, das sich über Jahrhunderte auch als Selbstverteidigungsstrategie entwickelt hat. Was macht ihn aus, den jüdischen Humor, diese Mischung aus beißender Selbstironie, fatalistischem Galgenhumor und immer wieder Chuzpe, die sympathisch vorgetragene Frechheit. Was bedeutet jüdischer Humor heute? Ist es nur (noch) eine Konstruktion? Eine verblassende Erinnerung? Oder lebt Chuzpe einfach weiter?

Fr., 6. Mär · 12:15-12:45 · 3sat
Lebensgeschichten in Farbe – Die Malerin Ilana Lewitan

Ilana Lewitans Bilder tragen Namen wie „Spuren aus der Vergangenheit“, „Das Geheimnis des Glücks liegt im Verborgenen“ oder „Versuche es, flüstert der Traum“. Die Münchner Malerin wählt nicht nur erzählerische Titel, ihre Werke muten selbst wie Geschichten an. Die Bilder und Objekte kommen „direkt aus ihrer Seele“, sagt sie. Ilana Lewitan ist die Tochter von polnischen Holocaust-Überlebenden. Sie wurde in München geboren, studierte Innenarchitektur und Architektur und arbeitete bei dem Architekten Richard Meier in New York. Doch nach einer Weile wurde ihr bewusst, dass sie etwas anderes suchte. Schon als Kind hatte Ilana Lewitan gemalt, auch während ihrer Zeit als Architektin machte sie nebenher Illustrationen. Zurückgekehrt nach München, studierte sie Malerei. Was an ihren Bildern „jüdisch“ sei? Sie wolle nicht darauf festgelegt werden, eine „jüdische Künstlerin“ zu sein, sagt Ilana Lewitan. Und doch seien bestimmte Facetten ihrer Arbeit, der Humor, die Rastlosigkeit und natürlich auch die biografischen Elemente sicher ein Teil ihres jüdischen Erbes.
Bild oben: © ZDF und BR, Sharon Bruck – Die Malerin Ilana Lewitan.

So., 8. Mär · 09:20-10:50 · arte
Ich werde nicht schweigen

Norddeutschland 1948: Die junge Kriegswitwe Margarete Oelkers bringt sich und ihre beiden Söhne als Modellschneiderin mehr schlecht als recht durch. Die ihr zustehende Kriegswitwenrente erhält sie nicht, weil ihr eine Bestätigung über die Beschäftigung ihres Mannes beim Gesundheitsamt verweigert wird. Als sie deshalb auf dem Fürsorgeamt die Kontrolle verliert, wird sie von Dr. Ahrens, dem ehemaligen Vorgesetzten ihres Mannes, mit der Diagnose Schizophrenie in die Heil- und Pflegeanstalt in Wehnen eingewiesen. Die beiden Kinder kommen zu Margaretes Schwester aufs Land. Ein ganzes Jahr verbringt Margarete in der Anstalt und wird dort „behandelt“. Nach ihrer Entlassung wird sie unter die Vormundschaft eines Nachbarn mit brauner Vergangenheit gestellt. Traumatisiert kehrt Margarete in ihre alte Wohnung zurück und kämpft um ihre Rehabilitierung und das Sorgerecht für ihre Kinder. Sie fordert eine Bescheinigung von den behandelnden Ärzten, nie an Schizophrenie erkrankt zu sein. Doch dazu müsste Dr. Ahrens, Leiter des Gesundheitsamtes und früherer Chef ihres Mannes, eine Fehldiagnose einräumen. Margarete freundet sich mit Antje an, einer jungen Frau, deren Mutter während des Nazi-Regimes in Wehnen verstorben ist. Bald ahnt Margarete, dass in Wehnen mit den Kranken Ungeheuerliches passiert ist. Sie beginnt, die Aufzeichnungen ihres Mannes zu verstehen, der offenbar Vernachlässigung und bewusstes Tothungern ausgewählter Patienten in Wehnen heimlich dokumentierte. Sie sammelt all ihren Mut und stellt Dr. Ahrens zur Rede. Doch Ahrens lässt sich nicht so leicht einschüchtern …

So., 8. Mär · 15:30-17:00 · 3sat
„Neger, Neger, Schornsteinfeger“ (1/2)

Hamburg 1935. Der neunjährige Hans-Jürgen Massaquoi ist das einzige dunkelhäutige Schulkind im Arbeiterbezirk Barmbek. Seine frühe Kindheit verbrachte er in der Villa seines Großvaters. Momolu Massaquoi ist ein liberianischer Konsul, der in seine Heimat zurückkehren musste. Seinen Vater hat Hans-Jürgen nie gesehen, nur eine Klarinette ist ihm als Andenken geblieben. Nach dem Umzug in die kleine Wohnung in der Stückenstraße bringt seine Mutter Bertha, eine „weiße“ deutsche Krankenschwester, ihren über alles geliebten Jungen mit Mühe alleine durch. Die Einwohner von Barmbek begegnen dem Exoten mit einer Mischung aus Neugier, Sympathie und versteckter oder offener Diskriminierung. Auf der Straße wird er verspottet: „Neger, Neger, Schornsteinfeger“. Der Kleine begreift seine Situation bei einem Zoobesuch, bei dem er auf einen nachgebauten Kral trifft – samt „echten Buschnegern“, die ihn freudig aus der Besuchermenge herausrufen. Bertha hat erst verarbeiten müssen, dass sich der Vater von Hans-Jürgen nie mehr hat blicken lassen. Bei ihrer Arbeit im Krankenhaus lernt sie den Personalchef Franz Wahl kennen, zu dem sie langsam Vertrauen aufbaut und der ihr neuer Freund wird. Franz mag ihren Jungen sehr, und der fühlt sich von ihm wie von einem Vater angenommen. Bertha ist glücklich und wie ein Backfisch verliebt. Doch Franz bekennt sich auch immer stärker zu den Nazis, erst aus Karrieregründen, dann aus Überzeugung. Während er in einen inneren Konflikt gerät, gibt es für Bertha nie einen Zweifel, zu wem sie gehört. Sie ist zu jedem Opfer bereit, um ihren Jungen zu schützen und ihm ein halbwegs sicheres Leben zu bieten. Im Weltbild der Nazis ist Hans-Jürgen ein „minderwertiger“ Mensch. Aber er er-fährt immer wieder menschlichen Anstand. Frau Möller kümmert sich liebevoll um ihren „Schokoladenkeks“ und verteidigt ihn vor den neugierigen Nachbarinnen. Eisern zu Hans-Jürgen halten seine zwei Freunde Klaus und Fiete. Klaus ist ein Draufgänger, der Sportreporter werden will. Des sensiblen Fietes Traum sind Traumfrauen und der Job des Hoteldirektors. Die drei Jungen führen bei allen Einschränkungen ein abenteuerliches und entdeckungsfreudiges Leben. Immer öfter muss Hans-Jürgen jedoch die Erfahrung machen, dass er nicht dazugehören darf. 1936, mit zehn Jahren, ist er alt genug, um der Hitlerjugend beizutreten. Aber als Nicht-Arier wird ihm der Beitritt verwehrt. Hans-Jürgens Enttäuschung ist grenzenlos.

So., 8. Mär · 17:00-18:30 · 3sat
„Neger, Neger, Schornsteinfeger“ (2/2)

Hamburg 1936: Obwohl Hans-Jürgen ein guter Schüler ist, wird ihm der Zugang zum Gymnasium verwehrt. Berthas Beziehung zu Franz ist belastet, weil sich Franz nicht zu Hans-Jürgen bekennt. Schließlich trennt sich Bertha von ihm. Gekränkt sorgt Franz für ihre Entlassung. Auf der Suche nach Vorbildern stößt Hans-Jürgen auf den schwarzen Boxer Joe Louis. Im Boxen findet er Zuflucht und Bestätigung. Aber auch hier wird er diskriminiert. Der Sieg hängt nicht von der Leistung, sondern von der Hautfarbe ab. Im Bombenkeller küsst Hans-Jürgen das blonde Evchen. Doch die junge Liebe zerbricht unter dem Druck des Nazi-Regimes. Dann wird Hans-Jürgen auch noch von der Gestapo verhaftet. Nur mit Glück kann er dem Tod entkommen. Doch die Bedrohung ist noch nicht vorbei. Autobiografischer Fernsehfilm über die Kindheit von Hans-Jürgen Massaquoi, der von Thando Walbaum dargestellt wird. Veronica Ferres spielt seine Mutter.

So., 8. Mär · 23:35-00:20 · ZDF
Tu deinen Mund auf für die Anderen – Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit

Alljährlich richten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die „Woche der Brüderlichkeit“aus. Im Jahr 2020 steht die „Woche der Brüderlichkeit“ unter dem Motto „Tu deinen Mund auf für die Anderen“. Seit 1968 verleiht der Deutsche Koordinierungsrat der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit während der Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit zudem die Buber-Rosenzweig-Medaille. Ausgezeichnet werden Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Preisträgerin der Buber-Rosenzweig-Medaille 2020 ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit am 8. März 2020 im Kulturpalast Dresden überreicht. Der Deutsche Koordinierungsrat würdigt mit der Auszeichnung das entschiedene Eintreten Angela Merkels gegen antisemitische und rassistische Tendenzen in Politik, Gesellschaft und Kultur. Mit großem Einsatz für Versöhnung und Toleranz hat sie dem Dialog der Kulturen und Religionen wichtige Anstöße gegeben. Als an höchster Stelle verantwortliche Politikerin ist sie Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt stets mit Entschlossenheit entgegen getreten und hat immer wieder die bleibende Verantwortung Deutschlands für die Verbrechen der Schoah betont. Insbesondere im Rahmen der Beschneidungsdebatte hat Angela Merkel unter Verweis auf das grundgesetzlich garantierte Recht der Religionsfreiheit auf die Bewahrung des Rechts zur Beschneidung gedrungen. In der Debatte über den Umgang mit dem Holocaustleugner Richard Williamson forderte sie den damaligen Papst Benedikt XVI. mit Nachdruck zu einer Klarstellung seiner Position auf. Und wiederholt erklärte sie in den vergangenen Jahren, dass in Verantwortung vor der Geschichte Deutschlands die Sicherheit Israels zur Staatsräson Deutschlands gehöre.

Di., 10. Mär · 00:50-02:30 · arte
Stalins Henker. Das Massaker von Katyn

Im April 1940 wurden im Auftrag des sowjetischen NKWD 4.400 polnische Offiziere im Wald bei Katyn ermordet. Das Massaker wäre niemals an den Tag gekommen, hätten die Nazis das Massengrab nicht 1943 entdeckt und das Verbrechen für ihre antibolschewistische Propaganda ausgeschlachtet.Die Offiziere waren alle durch Kopfschuss getötet worden. Sogar die Nazis waren von der Präzision dieser fließbandartigen Hinrichtung beeindruckt. Die Sowjetunion, die 1943 an der Seite der Westmächte Krieg gegen die Hitlerbarbarei führte, bezichtigte die Nazis des Massakers. Jahrzehntelang bestanden Zweifel über den wahren Schuldigen.In Wahrheit war der Massenmord von Katyn Teil einer viel weitreichenderen Operation zur Sowjetisierung Polens, in deren Verlauf 22.000 Polen insgeheim ermordet und eine Million weiterer in Gulag-Lager deportiert wurden. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die schrecklichen Einzelheiten dieser Operation bekannt.Wer Katyn erzählen will, muss deshalb eine lange fest verschlossene Tür aufstoßen, die in das auch heute noch wenig bekannte Reich der dunklen Machenschaften eines Sowjetstaates führt, dessen paranoide Praktiken bis ins Jahr 1917 zurückreichen. Damals wurde die berüchtigte Tscheka gegründet, die erste politische Polizei der Bolschewiken, deren Nachfolger GPU und NKWD ebenfalls in die Annalen eingingen. Von Anfang an hatten die Tschekisten den Auftrag, alle Regimegegner zu liquidieren und später den sowjetischen Staatsapparat und die gesamte Gesellschaft kontinuierlich zu „säubern“.Das grausame Massaker von Katyn war nur eine der vielen Routineoperationen der Henker des NKWD. Das Ministerium suchte seine Agenten eigens wegen ihrer Kaltblütigkeit aus, und sein Chef Wassili Blochin soll im Laufe seiner Karriere 20.000 Menschen eigenhändig getötet haben.Die Geschichte von Katyn hat mit der Sowjetunion und Polen, mit dem Zweiten Weltkrieg und mit dem Kalten Krieg zu tun.Der Enthüllung des Verbrechens folgte eine 50 Jahre währende Staatslüge. Erst 1990 bekannte sich die Sowjetunion zum Massaker von Katyn – wenige Monate vor dem Zusammenbruch des selbst zum Schutz seiner Staatsgeheimnisse nicht mehr fähigen Regimes.Der Film erzählt die Geschichte von Katyn anhand der Erinnerungen von polnischen Überlebenden des Massakers und des von den Historikern der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial in NKWD-Archiven entdeckten Materials.

Di., 10. Mär · 23:50-00:45 · arte
Wahre Geschichte – Adolf Hitler, „Größter Feldherr aller Zeiten?“

Adolf Hitler ging als schonungsloser Militärführer und schlauer Stratege in die Geschichte ein. Gewiss verblüffte der „Blitzsieg“ Deutschlands gegen Frankreich 1940 die ganze Welt und besiegelte die Eroberung Westeuropas, galt Frankreich doch damals als stärkste europäische Militärmacht. Doch anders als gemeinhin angenommen hatte der „Führer“ diesen beispiellosen Siegeszug zwar veranlasst, der Plan dazu stammte aber nicht von ihm. Dieser Triumph, der den Ideen anderer Strategen entsprang, elektrisierte Hitler und ließ ihn glauben, dass Gleiches auch an der Ostfront möglich sei. Doch seine Machtgelüste scheiterten an den Weiten des Sowjetreichs, das bis zur Zerschlagung Hitlerdeutschlands durch die Alliierten der Hauptfeind der Nazi-Ideologie war. Wieder und wieder unterschätzte Hitler die Schlagkraft der Roten Armee und der Alliierten und beherrschte Strategie und Taktik der Kriegsführung nur mangelhaft. Mehrfach setzte er auf Bluff, weil er glaubte, auf diese Art den entscheidenden Sieg davontragen zu können. Dennoch gilt er im kollektiven Gedächtnis nach wie vor als unerschrockener Stratege, der beinahe ganz Europa unterworfen hätte. Dank dieser Legende konnte eine Reihe unangenehmer Fragen vermieden werden, wie zum Beispiel die Blindheit der Alliierten gegenüber der Nazi-Ideologie, ihre fehlende Koordinierung oder auch ihre widersprüchlichen Interessen. Die erste Folge der Dokumentationsreihe zeigt, dass Hitler zweifelsohne ein Militärführer war, dessen Hochmut und verhängnisvolle Ideologie ihn jedoch verblendeten. Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges erwies sich der selbsternannte Stratege als ein Amateur, dessen Irrtümer Deutschland in die Katastrophe führten.

Mi., 11. Mär · 10:55-11:55 · WDR
Planet Wissen: Jüdisches Leben in Deutschland – Normal oder gefährlich?

Jüdisches Leben in Deutschland ist auch 75 Jahre nach dem Ende der Shoah nicht wieder zur Normalität geworden. Anschläge wie der auf die Synagoge in Halle und Anfeindungen und Angriffe sogar auf offener Straße nehmen zu. Jüdische Einrichtungen stehen unter Polizeischutz. Wie erleben das in Deutschland lebende Juden? Wie wird ihr Alltag davon beeinflusst? Und was muss sich ändern? Darüber diskutieren die deutsch-jüdischen Autorin Linda Rachel Sabiers, Michael Rubinstein vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und Sina Arnold vom Zentrum für Antisemitismusforschung.

Sa., 14. Mär · 19:20-20:00 · 3sat
Mehr Zensur wagen? – Der Kampf gegen Hass im Netz

Beleidigung, Verleumdung, Hass – so kann es im Netz nicht weitergehen. Wie aber den Hass bekämpfen? Wo hört die Meinungsfreiheit auf? Und wo fängt Zensur an? Müssen wir die Meinungsfreiheit einschränken, damit unsere Gesellschaft frei bleibt? Um diese scheinbar paradoxe Frage zu klären, spricht Autor Johannes Nichelmann mit Befürwortern und Gegnern von Zensur. Denn eines ist klar: Die Illusion des Internets als heilbringender Ort der Demokratie ist gestorben. Spätestens seit den Anschlägen von Halle und Christchurch, die ihren Ursprung in hasserfüllten Onlineforen hatten, muss der Umgang mit „Hatespeech“ im Netz überdacht werden. Haben soziale Netzwerke die Pflicht, Inhalte zu überwachen? Und soll der Staat sie dazu zu zwingen? Hasnain Kazim hat seinen ersten Schwung Hassbriefe im zarten Alter von 17 Jahren erhalten. Der damalige Schüler schrieb einen Artikel in einer überregionalen Zeitung und wurde Tage später von Wildfremden aufgefordert, die Bundesrepublik zu verlassen. Er – der doch in Niedersachsen geboren und aufgewachsen war – dürfe er Deutschland nicht als seine Heimat bezeichnen. Inzwischen erhält er am Tag bis zu 1000 solcher Botschaften, zehn bis zwölf Morddrohungen inklusive. Der einstige Spiegel-Journalist hat aufgegeben, Anzeigen zu erstatten. Denn belangt worden ist noch niemand, egal wie harsch und menschenverachtend sich die Verfasser ausdrückten. Facebook und Co seien „die größten Propagandaapparate der Geschichte“ sagt der Komiker Sacha Baron Cohen in seiner millionenfach geteilten Rede vor der „Anti Defamation League“ in New York. Facebook hätte in den „1930er-Jahren Hitler erlaubt, 30-Sekunden-Werbeclips über seine ‚Lösung des Judenproblems‘ zu schalten“, mutmaßt der Brite. Nichts weniger als die Demokratie sei in Gefahr. „Nein, ich würde sagen im Gegenteil!“ Johannes Baldauf von Facebook Deutschland betrachtet das soziale Netzwerk vielmehr als ein Werkzeug der Demokratie. Durch die Möglichkeiten des Informationsaustausches könne eine Gesellschaft stärker zusammenwachsen. Für ihn stelle sich hingegen die Frage: „Wie gut nutzen wir als Gesellschaft die Technologien?“ Auf der Plattform spiegele sich nur ein Problem unserer Zeit. Es sei „kein Facebook-Problem“. Der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) kontert: „Wir dürfen es Facebook schlicht und einfach nicht durchgehen lassen, wenn Sie sagen, dass sie nur technisch eine Plattform bieten und für die Inhalte, dann die Nutzer verantwortlich sind.“ Die Schriftstellerin Eva Menasse ist überzeugt: „Wir müssen das Konzept der Meinungsfreiheit neu überdenken.“ Die Österreicherin schlägt vor, das Rechtssystem „komplett zu ändern“. Diffamierungen im Netz müssten härter bestraft werden, als im analogen Raum. Hassbotschaften gehörten uneingeschränkt gelöscht. „Dann ist das keine Zensur, sondern einfach nur Müllentsorgung.“ Grünen-Politikerin Renate Künast feilscht gerade in verschiedenen Instanzen an Berliner Gerichten, wie sie sich in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke bezeichnen lassen muss. „Stück Scheiße“ und „Sondermüll“ halten die Juristen für unsagbar. „Sie alte perverse Drecksau!!!!!“ hingegen nicht, da diese Formulierung „einen Sachbezug zu einer Äußerung der Politikerin“ hätte. Der Gesetzgeber versucht mit dem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ der Lage Herr zu werden. Es verpflichtet die Betreiber Sozialer Netzwerke, rechtswidrige Inhalte innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Im Zweifelsfall auch Dinge, die von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. „Das ist somit eine Gefahr für die Meinungsfreiheit“, resümiert der Ingo Dachwitz von Netzpolitik.org. „Wenn wir die Meinungsfreiheit zensieren“, glaubt der Theaterregisseur Kay Voges, „dann verlieren wir einen Grundpfeiler der Demokratie“. Muss der Korridor des Sagbaren neugestaltet werden? Oder brauchen wir vielmehr eine Debatte über Moral und Anstand?

Sa., 14. Mär · 22:00-23:30 · RBB
Der Tel-Aviv-Krimi: Tod in Berlin

Sara Stein ist Kriminalkommissarin in Berlin und Jüdin. Eigentlich spielt Religion keine Rolle für sie, doch dann muss sie den Mord an der jungen Israeli Tamar aufklären. Unter dem Druck der Öffentlichkeit nimmt der Fall besondere Dimensionen an. Kann es ein antisemitischer Anschlag sein? Im Laufe der Ermittlungen gerät die Familie von Tamars Freund, einem Palästinenser, in den Fokus Die junge Berliner Kommissarin Sara Stein lebt in Kreuzberg, mittendrin im pulsierenden Brennpunkt so vieler unterschiedlicher Kulturen. Dass sie selbst Jüdin ist, spielte bislang in ihrem Leben eine untergeordnete Rolle, bis sie bei ihrem neuen Fall mit dem Mord an der jungen Israeli Tamar Levi konfrontiert wird. Tamar war ein Star der Berliner Club-Szene, selbstbewusst, lebenshungrig, mit wechselnden Liebschaften. Und sie hat kurz vor ihrem Tod abgetrieben. Grund genug für ihren Freund, den Palästinenser Khalid, sie zu töten? Oder steckt der strenggläubige Avigdor, der Tamar aus Israel gefolgt ist, obwohl er mit ihrer Schwester Ronit verlobt war, hinter der Tat? Oder hat das Verbrechen einen politischen Hintergrund? Für Sara eine Gratwanderung. Zum ersten Mal handelt sie nicht allein als Hauptkommissarin Sara Stein, sondern auch als Jüdin, zumindest in den Augen ihrer Umgebung. Eine unerwartete Wendung nimmt das Geschehen, als Khalid seinen Vater Tarik beschuldigt und dieser den Mord gesteht. Fall gelöst? Für Sara eine viel zu einfache Lösung. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt, und ermittelt beharrlich weiter. Sie verbeißt sich regelrecht in den Fall, auch wenn darunter ihr Privatleben leidet. Denn ausgerechnet jetzt lernt sie den israelischen Musiker David Shapiro kennen, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt – und sie sich in ihn. Führt ihr Weg sie nach Israel? Beziehungstat oder politisch motivierter Mord? In ihrem ersten Fall muss Hauptkommissarin Sara Stein auf dem schmalen Grat zwischen Vorurteilen, falschen Verdächtigungen und enttäuschten Erwartungen die Wahrheit finden.

Kommentar verfassen