„Widerstand der kleinen Leute“

Michael „Mike“ Jovy über die Edelweißpiraten und ein Gedicht von Erich Fried. Der nächste Teil von Peter Finkelgruens Buch über die Kölner Edelweisspiraten…

TEIL 12: „Widerstand der kleinen Leute“

„Soweit er Jude war…“
Moritat von der Bewältigung des Widerstandes. Die Edelweißpiraten als Vierte Front in Köln 1944…

Von Peter Finkelgruen

Im Frühsommer des Jahres 1979 begegnete ich dem Mann, von dem Jean Jülich sagte, er sei ein inhaftierter Führer der bündischen Jugend gewesen, Michael Jovy sei sein Name. Er habe gehört, dass dieser heute ir­gendein großes Tier geworden sei.

Dieser Michael Jovy ist Dr. Ernst Michael Jovy, heute Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien. Ich besuchte ihn in seinem Haus während eines seiner kurzen Aufenthalte in Köln.

Obwohl mittlerweile ein älterer Herr, ist Botschafter Dr. Jovy eine faszinierende Gestalt, jung geblieben, eines gewissen Charismas nicht entbehrend.

Als ich in Archiven nach Material über den Widerstand von Jugendlichen gegen die Nazis suchte, fand ich bereits die Promotionsarbeit des Ernst Michael Jovy [1] ohne zu wissen, dass es sich dabei um den Mithäftling von Jean Jülichs Vater handelte. In seiner Disserta­tion behandelte Dr. Jovy auch den Widerstand der „Edelweißpiraten“. Er verwies darauf, dass die prakti­schen Auswirkungen der Handlungen der Edelweißpiraten-Gruppen nach außen politisch bestimmt gewesen sind. Angelsächsische Autoren haben bereits über den Wider­stand Jugendlicher gegen die Nazis geschrieben, und Dr. Jovy verwies auf die Tatsache, dass Radio London BBC im Januar 1945 die Zwangsarbeiter in Deutschland ausdrücklich aufgefordert hatte, Verbindung zu diesen Jugendlichen Oppositionsgruppen aufzunehmen. Auch über die Kölner Gruppe soll durch die BBC berichtet worden sein. Auch die ABSIE (American Broadcasting Station in Europe) soll im Januar 1945 über ähnliche Fälle berichtet haben.

In meinem Gespräch mit Dr. Jovy ging es in der Haupt­sache um seine persönliche Geschichte, um seine Akti­vität in der Bündischen Jugend und um die Verbindung zu den Aktivitäten der Kölner Edelweißpiraten.

Michael „Mike“ Jovy – Widerstandskämpfer, Diplomat und Gerechter unter den Völkern

Michael Jovy wurde am 13. September 1941 vom Volksgerichtshof zu sechs Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Er war damals 21 Jahre alt.

Der heutige Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest, Michael „Mike“ Jovy, hat nach dem Krieg selbst die Erfahrung machen müssen, wie der bundesrepublikanische Beamtenapparat auf Widerstandsaktivität im Dritten Reich reagiert.[2] Er hatte es abgelehnt, seine „Vorstrafe“ – die Verurteilung durch den Volksgerichtshof – aus dem Strafregister streichen zu lassen, was ihm ange­tragen wurde. Er empfand diese Verurteilung durchaus mit Stolz als Beleg für das, was die Präambel zum Bundesentschädigungsgesetz als „… Verdienst um das Deutsche Volk“ bezeichnet. Als junger Attaché im Dienst des Auswärtigen Amtes musste er erleben, dass die Verurteilung wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ Anlass war für Ermittlungen des Verfassungsschutzes gegen ihn. Während der Dauer dieser Ermittlungen hatte der junge Attaché Hausverbot an seinem Arbeitsplatz; er durfte in dieser Zeit das Auswärtige Amt nicht betre­ten.

Botschafter Dr. Jovy hat erst durch das Gespräch mit mir erfahren, in welchem Ausmaß die jugendlichen Wi­derstandskämpfer verleumdet werden. Er sagte mir, daß er entschlossen sei, seinen Beitrag zur Rehabilitierung der Ermordeten zu leisten. Die Bürgerinitiative plante daraufhin erneut eine öffentliche Veranstaltung, bei der Dr. Jovy den Widerstandscharakter der Ehrenfelder Gruppe aus seiner persönlichen Erfahrung bestätigen wollte. Leider konnte er am Abend der Veranstaltung, am 30. Januar 1980, aus dienstlichen Gründen nicht persönlich kommen, weil er zu diesem Zeitpunkt in Bukarest sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter überreichte. Vor seiner Abreise sprach er aber seine Erklärung auf ein Videoband, so daß die anwesenden Gäste im Theatersaal des Stollwerckgebäudes ihn über Fernsehmonitore sehen und hören konnten.


Erklärung von Botschafter Emst Michael Jovy vom 30.1.1980

„Ich selbst bin in diese Angelegenheiten verwickelt gewesen und muss mir sagen, dass eine Reihe von Dinge die damals geschehen sind, möglicherweise durchaus auf meine eigenen Aufforderungen und Anweisungen zurückzuführen sind.

Ich befand mich 1943 als politischer Strafgefangene im Zuchthaus Siegburg. Unsere Widerstandsgruppen der Jungenschaft im Rheinland waren, wie die übrigen im Reich, 1939 von der Gestapo verhaftet worden und wurden vom Volksgerichtshof zumeist im Jahre 1941 abgeurteilt. Die letzten von uns waren die jungen Menschen um die Geschwister Scholl und Willy Graf, die dann hingerichtet wurden.

Mit mir im Zuchthaus Siegburg befand sich der Vater des heutigen Kölner Gastwirts Jean Jülich, der damals als Junge von etwa 15 Jahren mit Erfolg ver­suchte, Kontakt zu mir aufzunehmen.

Ich befand mich damals auf einem Außenkommando des Zuchthauses Siegburg auf dem Stallberg. Dort hatte die Firma Lichtenberg eine Kiesgrube und wir stell­ten feuerfeste Zemente her. Wir waren dort unter­gebracht in einem gesicherten Haus, das wir selbst gebaut hatten; und dabei hatten wir Sorge getragen, dass an einer Stelle die Gitter so weit waren, dass zur Not ein Mann hindurchschlüpfen konnte.

Von dem Jean Jülich erfuhr ich das erste Mal eigent­lich von den Edelweißpiraten in Köln; und die Sülzer Gruppe der Edelweißpiraten hat dann in der Folgezeit, das war etwa Ende 1943/Anfang 1944, mit mir enge Verbindung gehalten.[3] Wir haben uns so­gar des Nachts oben in dieser Kiesgrube in einem alten Stollen getroffen und dabei gesungen und auch gesprochen, was denn eigentlich zu tun sei. Und ich habe damals den Jungen um Jean Jülich gesagt, was wir brauchten seien Waffen und Lebensmittel.

Und wenn man den Edelweißpiraten heute vorwirft, dass sie Lebensmittel geklaut hätten oder Waffen mit geklauten Lebensmitteln besorgt hätten, dann möchte ich die Herren einmal fragen, ob wir uns Waffen bei der Gestapo hätten erbeten sollen oder ob wir um Lebensmittelkarten hätten anstehen sollen – so kann man keine Revolution machen! Nachdem, was diese Verbrecher taten, hatten wir wohl alles Recht, uns zu wehren.

Ich hatte damals die Absicht, nach Köln zu kommen und nach Möglichkeit diese Edelweißgruppen zusammen­zufassen. Ich wusste damals, dass ausländische Ar­beiter Anschluss an sie gefunden hatten, dass man in Ehrenfeld Waffen sammelte, und das Ziel war eigentlich, die Leute von der Gestapo und die obersten Spitzen der Partei nicht mehr aus dem zer­störten Köln herauszulassen, sondern sie zu arre­tieren, festzunehmen und, wenn möglich, Köln mit unseren Kräften zu befreien und, wenn die Amerikaner kämen, ihnen diese Verbrecher auszuhändigen. Ich hab auch damals selbst die Parole ausgegeben, dass für jeden von uns einer von der Gestapo oder von der Partei sterben müsse.

Ich habe selbst nie einen Menschen getötet, aber nachdem Sophie Scholl und meine anderen Freunde unter dem Block gestorben waren, nachdem ich ge­sehen hatte, welche Angst diejenigen hatten, die monatlich von Siegburg nach Buchenwald transportiert wurden, wie wir geschlottert haben vor Angst, dass morgens, wenn die Namen aufgerufen wurden …

Ich erinnere mich an meinen jungen jüdischen Freund Siegfried Bittermann [2], der dann eine Woche spä­ter tot war. Ich glaube, wir hatten keine Ursache, noch Rücksicht auf die Herren von der Gestapo und der Partei zu nehmen. Außerdem richteten diese Verbrecher unser Land zugrunde und wir wussten, dass dieser Krieg verloren war, von vornherein.

Ich habe die Anweisungen gegeben und Jean Jülich aufgefordert, mit den Ehrenfeldern Verbindung auf­zunehmen, mit allen illegalen Gruppen, die in Köln bestanden, und alle Vorbereitungen zu treffen, dass ich selbst nachkommen konnte. Die Jungen haben da­mals gewusst, was sie taten, und ich habe es ihnen auch gesagt, dass sie ihren Kopf riskierten, weil sie mich besuchten, weil sie einen politischen Strafgefangenen, der damals im Zuchthaus Siegburg einsaß, aufsuchten, mit ihm Maßnahmen durchsprachen die gegen die Partei und gegen die Nazis gerichtet waren, und zu einem Umsturz in Köln führen sollten. Ich kann mir keinen Vorwurf deswegen machen. Ich kann nur bewundern, dass diese Jungen, als sie dann verhaftet wurden, mit keinem Wort meine Existenz erwähnt haben, und das ist umso erstaunlicher, als die Vernehmungsmethoden der Verbrecher von der Gestapo ja allgemein bekannt sind.

Ich bin froh, dass Kölner Bürger die Initiative er­griffen haben, damit Gerechtigkeit wird – die damals Gemordeten können verlangen, dass zumindest ihre Ehre wiederhergestellt wird.“

Diese Erklärung von Michael Jovy war öffentlich, etwa vierhundert Anwe­sende haben sie gehört. Die Presse hat im Wesentlichen über den Inhalt berichtet, der Rundfunk hat sie wenige Tage später gesendet. Ich habe diese Erklärung abgeschrieben und sie dem Kölner Regierungspräsidenten zugeschickt. Hier hatte ein Botschafter der Bundesre­publik den politischen Widerstandscharakter der Ehren­felder Gruppe bezeugt; er hatte die Mitverantwortung für ihr Handeln öffentlich erklärt und er hatte sehr deutlich die Zusammenhänge zu anderen Widerstands­gruppen festgestellt. Bei der anschließenden Diskussion wies Professor Ulrich Klug darauf hin, dass nun der Regierungspräsident die Ermordeten entweder als ver­folgte Widerständler anerkennen müsse oder folgerichtig den deutschen Botschafter als Mittäter bei den von ihm behaupteten kriminellen Taten bezeichnen müsse. Eigentlich dürfte es überflüssig sein, darauf hinzu­weisen, dass der Regierungspräsident auch bei diesem Stand der Dinge nicht reagiert hat.


Ein spontanes Gedicht von Erich Fried (30.1.1980)

An dieser Veranstaltung hat auch Erich Fried teilge­nommen; er las Gedichte aus seiner früheren Emigra­tionszeit vor. Er las aber auch ein auf den Fall hin geschriebenes Gedicht vor.

Erich Fried

Beschreibung der ehrenhaften Bürger, die den Mord nie Mord und die Opfer nicht Opfer nennen wollen

Sie sind nicht Mörder
und sie sind auch nicht Schreibtischmörder.
Wie soll ich sie nennen?
Denn genannt müssen sie werden.

Sie sind Mordverheimlicher
und Ermordetenverleumder.
Sie sind Henkersbemäntler
und Hinrichtungsverniedlicher.

Sie sind Blutjustizrechtfertiger
und Todesopportunisten,
die sich um die Wahrheit drücken,
weil sie unbeliebt sein könnte
bei den von ihnen selbst
und von Ihresgleichen
nicht oder ungenügend
oder falsch Informierten.

Sie sind nicht Mörder
und sie sind auch nicht Schreibtischmörder,
doch sie sind Rufmordgehilfen
der alten Mörder.

Und ohne sie
würde der Mord weithin sichtbar
und die Ermordeten wären sichtbar als Opfer
und die Mörder als Mörder
und das Unrecht als Unrecht.

Sie sind furchtbar jämmerlich
und sie sind jämmerlich furchtbar
und sie sind immer noch
erbärmlich erbarmungslos.

 

Inhalt und Tenor des Gedichts von Erich Fried lassen erkennen, dass das Unrecht der Mörder und Schreibtisch­mörder von damals eine Kontinuität findet in dem Ver­halten der Wiedergutmachungstäter von heute.

An diesem Abend fanden sich noch weitere ehemalige Edelweißpiraten ein: Solche, die sich in der Vergangenheit lieber nicht als ehemalige Angehörige der Edelweißpiraten zu erkennen gaben, weil sie ja fürchten mussten, in der Öffentlichkeit diffamiert zu werden. Zu diesem Abend kamen sie, weil sie merkten, dass sich in der Öffentlichkeit eine Korrektur dieser Beurtei­lung vollzogen hat. Sie kamen aber auch, weil sie erfahren hatten, dass der Wunsch bestand, von ihnen aus erster Hand zu erfahren, wie es damals gewesen ist.

Ich hatte in der Zeit seit Herbst 1978 häufig Gele­genheit festzustellen, dass dank der Initiative von Lehrern in zahlreichen Schulen im Kölner Raum der „Widerstand der kleinen Leute“ im Unterricht durch­genommen wurde. Für die Kinder gab es die wohl einma­lige Gelegenheit, nicht nur durch Dokumente belegtes, sondern auch mit Informationen durch ehemalige Gegner des Nationalsozialismus angereichertes Wissen über Widerstand aufzunehmen: Lebendigen Geschichtsunter­richt vor der Kulisse ihrer Stadt, sozusagen.

Die Erklärung des Botschafters Dr. Jovy und die Mit­teilungen der früheren Edelweißpiraten an diesem Abend waren ebenfalls höchst lebendiger Geschichtsunterricht. Statt der vorgesehenen Diskussion von Experten wurden fünf der ehemaligen Nazigegner aufs Podium gebeten, wo sie Fragen aus dem Publikum beantworteten. Vorher aber sangen sie einige Lieder zur Gitarre, die sie damals vor allem auf Fahrten gesungen hatten. Jean Jülich hatte einige Monate vorher von anderen Überle­benden ein aus dieser Zeit erhaltenes Liederheft mit Texten bekommen. Und diese Texte machen deutlich, dass die NS-Machthaber bei ihrer Einschätzung der Edelweiß­piraten als Opposition sehr Recht hatten.

An diesem Abend im Stollwerck-Saal sangen fünf Edelweißpiraten das „Hohe Tannen“ mit dem Originalrefrain von damals:

„Höhre Rübezahl, was wir dir sagen,
die Bündische Jugend, sie ist wieder frei,
schwing die Keule wie in alten Zeiten,
schlag den Nazis den Schädel entzwei.

Wir hassen das Leben nach Zwergenart,
jung woll´n wir sein und frei.
Wir ziehen hinaus zur fröhlichen Fahrt,
das Herz lacht uns dabei,
das Herz lacht uns dabei.

Wir suchen die Ferne mit fröhlichem Blick,
die Heimat, sie liegt weit zurück.
Dem Jonny zur Klampfe ein Lied noch geglückt,
wir singen alle mit,
wir singen alle mit.

Die Jugend, die ist nur von kurzer Gewähr,
drum nutzet sie aus dafür.
Das Alter hinter dem Ofen hockt,
dich der Jugend die Ferne lockt,
doch der Jugend die Ferne lockt.

Hei, wie da draußen der Sturm um uns braust,
hei, wie der Regen uns treibt.
Vorwärts, im Westen die Sonne schon sinkt,
anders kein Ziel uns bleibt, anders kein Ziel uns bleibt.

Hohe Tannen weisen die Sterne,
an der Isar entspringender Flut,
liegt das Lager auch in weiter Ferne,
doch du, Rübezahl, hütest es gut.

Hast dich uns zu eigen gegeben,
der die Sagen und Märchen ersinnt,
der im tiefsten Waldesleben,
als ein Riese Gestalt annimmt.

Komm zu uns an das flackernde Feuer,
in die Berge bei stürmischer Nacht,
schirm die Zelte, die Heimat, die teure,
komm und halte mit uns treue Wacht.

Höre, Rübezahl, was wir dir sagen,
die Bündische Jugend, sie ist wieder frei,
schwing die Keule wie in alten Tagen,
schlage Hader und Zwietracht entzwei.

Wir sind des Geyers schwarze Haufen,
hoiotoho,
wir wollen mit Tyrannen raufen,
hoiotoho

Spieß voran, drauf und dran,
setz aufs Klosterdach den roten Hahn.

Als Adam grub und Eva spann,
hoiotoho,
wo war denn dann der Edelmann,
hoiotoho.

Der Florian Geyer führt uns an,
hoiotoho,
den Bundschuh führt er in der Fahn´,
hat Helm und Harnisch an,
hoiotoho.

Bei Weinsberg setzt es Stank und Brand,
hoiotoho,
ja mancher über die Klinge sprang,
hoiotoho.

Geschlagen zieh´n wir nun nach Haus,
hoiotoho,
uns’re Enkel fechten´s besser aus,
hoiotoho.

Edelweißpiraten aus Köln-Ehrenfeld auf dem Weg zur Liesenberger Mühle, Anfang der 1940er Jahre. In der Mitte stehend, 3.v.l. Gertrud „Mucki“ Koch (Fotograf: unbekannt), (c) NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Die Veranstaltung im Stollwerck-Saal am 30. Januar 1980 war eine wichtige Etappe in dem Bemühen um die Rehabi­litierung der Ehrenfelder Widerstandskämpfer, sie war ein voller Erfolg. Nicht nur wegen der Erklärung des Botschafters Dr. Jovy, nicht nur wegen des regen Publikumsinteresses – zeitweise drängten sich draußen vor dem Saal zahlreiche Leute, die wegen Überfüllung nicht mehr hereingelassen werden konnten.

Der Abend, der unter dem Titel stand „Die Edelweißpi­raten stellen sich vor“, wurde von der Bürgerinitiative zur Rehabilitierung der Ehrenfelder Widerstandskämpfer gemeinsam mit den Bühnen der Stadt Köln durchgeführt. Diese gemeinsame Aktion zeigte, dass ein erstes Ziel der Bürgerinitiative erreicht worden war: Die Mobi­lisierung der öffentlichen Meinung in dem Bemühen, den Verfolgten und ihren Angehörigen Recht widerfahren zu lassen. Für mich ein gutes Beispiel der Solidarität von Bürgern gegen die Anmaßungen von Beamten und Unrecht. Es war ein kontinuierliches Anliegen der Bürgerinitiative, durch Information von Institutionen und Einzelpersonen das Wissen um diesen „Widerstand der kleinen Leute“ weiterzuvermitteln und so die Unterstützung um ihre Rehabilitierung weiter zu verstärken.

 

Bild oben: Das Titelblatt des Manuskripts, Peter Finkelgruens Heim in Kfar Samir (ehemals Neuhardthof), Israel, circa 1954

Zum Buch:
„Soweit er Jude war…“
Moritat von der Bewältigung des Widerstandes. Die Edelweißpiraten als Vierte Front in Köln 1944…

Herausgegeben von Roland Kaufhold und Andrea Livnat
Wenn Sie diese Veröffentlichung unterstützen möchten, spenden Sie bitte an haGalil e.V. unter dem Stichwort „Edelweisspiraten“.

 

[1] Ernst Michael Jovy: Deutsche Jugendbewegung und Nationalsozialismus, Köln, Dissertation 1952.

[2] Siehe: Peil, S. (2017): Diplomat gegen den Strom. Die Zeit als Diplomat von 1953 bis 1984, in: H.-P. Bothien, M. von Hellfeld, S. Peil und J. Reulecke (2017): Ein Leben gegen den Strom. Michael Mike Jovy. Münster: LIT Verlag; sowie die Besprechung dieses Buches: Roland Kaufhold: Ein Leben gegen den Strom: Michael „Mike“ Jovy – Ein vergessener Widerstandskämpfer, Diplomat und Gerechter unter den Völkern, haGalil, 9.6.2018: https://www.hagalil.com/2018/06/jovy/ sowie: Kaufhold, R. (2018): Jung und mutig. Die Geschichte von Michael „Mike“ Jovy, Neues Deutschland, 1.6.2018: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1089790.jung-und-mutig.html. (RK)

[3] In der Autobiografie von Jean Jülich (2003): Kohldampf, Knast un Kamelle. Ein Edelweißpirat erzählt sein Leben (Köln: KiWi) finden sich – komplettierende- Beschreibungen von Jülich, wie er sich an die von Jovy beschriebenen Treffen erinnert. Siehe auch: Bothien, H.-P,  M. von Hellfeld, S. Peil & J. Reulecke (2017): Ein Leben gegen den Strom. Michael Mike Jovy (Münster: LIT Verlag), S. 39-41, S. 151f. (RK); Roland Kaufhold: Eine späte Rehabilitierung. Eine Erinnerung von Peter Finkelgruen an einen ehemaligen Widerstandskämpfer (Georg Ferdinand Duckwitz und Michael Jovy), Jüdische Zeitung März 2014, Nr. 97, S. 15. Eine gekürzte Version: https://www.hagalil.com/2013/12/edelweisspiraten-2/

[4] Siegfried Bittermann wurde am 17.10.1936 vom Ober­landesgericht Hamm mit 32 weiteren Mitgliedern von KPD/KJVD zu einer Haftstrafe verurteilt.