Stell dir vor, es ist Weihnachten, aber nicht alle gehen hin

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Alle Jahre wieder das Gleiche. Freunde, Nachbarn, Kollegen fließen förmlich über vor vorfestlicher Liebenswürdigkeit. Obwohl sie doch genau wissen, dass man zur Fraktion der Nichtweihnachtler gehört, überschütten sie einen auch heuer wieder mit ihren Wünschen und Grüßen zum, für sie so hohen, Anlass…

Von Robert Schlickewitz

Klar, meinen sie es alle gut und von Herzen und gar nicht böse.

Nur – was würden sie sagen, wenn ich Ihnen jeweils einen wunderschönen Ramadan oder „Happy Chanukka!“ wünschen würde? – Richtig, Sie würden verständnislos blicken, oder an meinem Verstand zweifeln.

Das nun zu erwartende, bisher zumindest übliche, Argument von der christlich-deutschen Leitkultur und der daraus wie selbstverständlich abgeleiteten Erwartung, dass doch von jedem „bei uns in Deutschland“ die Teilnahme am höchsten Christenfest vorausgesetzt werden könne, sollte doch, angesichts gewisser neuerer (Migrations-) Umstände seltener zu hören sein, möchte man meinen.

Aber, nein, siehe oben!

Ich möchte dennoch den Versuch machen, an den guten Willen der Traditionsbewussten zu appellieren.

Vielleicht können ja ein paar Zahlen überzeugen:

Nur noch 29% der Deutschen gehören der katholischen, nur 27 der evangelischen Kirche an.

Die aus der Kirche Ausgetretenen stellen mit rund vierzig Prozent die grösste Gruppe.

Zwar wollen viele von letzteren auch weiterhin nicht auf „ihr“ Weihnachten verzichten, jedoch haben auch die Nichtweihnachtler  ebenso ein Recht auf Rücksichtnahme wie etwa Juden oder Muslime im Land.

Daher zur Güte folgenden Vorschlag an alle deutschen X-mas-Fans:

Fügt doch Euren Festtagswünschen den Nachsatz an: „Falls Sie Weihnachten feiern“.

Oder fragen Sie, ob die Ihnen vertraut gewordene und Ihnen gratulationswürdig erscheinende Person auch Ihrer „Gruppe“ angehört!

Bedenken Sie, dass auch Sie sich freuen, wenn auf Sie und Ihre Eigenarten Rücksicht genommen wird.

Zudem:

Verlangt nicht auch die christliche Tradition ganz besonders mitmenschenfreundliche Gesinnung anlässlich des Festes der Geburt des Heilands?

Na, also!

In diesem Sinne wünsche ich allen Weihnachtlern unter unseren Lesern ein Frohes Fest. Uns Gottlosen, Muslimen, Juden etc. – ein paar geruhsame arbeitsfreie (oder arbeitsame) Tage (im ganz ungewohnt stillen Büro)!

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Eine Portion Nächstenliebe bitte!
Jaaa, jaaaa- ich weiß. Wir Juden feiern kein Weihnachten. Aber ich darf mir doch bestimmt trotzdem was wünschen, oder? Ich integrier mich auch vorher brav und esse ein paar Schokoladen-Nikoläuse. Ganz wie Ihr wollt! Ich mach sogar ein besinnliches Gesicht an Eurem Heilligabend, ehrlich, —-aber dafür müsst Ihr mir was schenken. Es ist sogar ein außerordentlich christlicher Wunsch, den ich habe- zumindest theoretisch…