Wiener Mosaik

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Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Warnung

Die Hilfsbereitschaft den Flüchtlingen gegenüber, die gegenwärtig in Österreich Richtung Deutschland unterwegs sind und zum Teil auch in Österreich um Asyl angesucht haben hinterlässt nicht nur Mitleid, sondern – vor allem in jüdischen Kreisen – auch gewisse Sorgen. So zitierte kürzlich der Journalist Christian Ortner in der „Wiener Zeitung“ die beiden Vorsitzenden der Kultusgemeinden in München, Charlotte Knobloch, und in Wien, Oskar Deutsch, die unisono erklärten: „In vielen muslimischen Ländern ist der Hass auf Israel und auf die Juden selbstverständlicher, unreflektierter Teil der Erziehung und der Sozialisierung. Antisemitismus wird förmlich mit der Muttermilch aufgesogen und nicht als extrem wahrgenommen.“  Diese Einstellung ist im Islam nichts Unnatürliches, da Mohammeds frühe Sympathie für die Juden, die er „Leute des Buches“ (Hamed Abdel-Samad: „Mohammed“, Droemer) nannte bald in Judenfeindlichkeit umschlug. Er machte, um nur ein Beispiel zu nennen, für seine verlorene Schlacht gegen die Quraisch (625) zwei jüdische Stämme in Medina verantwortlich und vertrieb sie aus ihren Oasen. Ab nun beschrieb er die Juden „als ein Volk, das von Gott verflucht wurde.“ (Abdel-Samad). Für die muslimischen Flüchtlinge in Europa geht es dabei nicht nur um die Juden, sondern auch um ihre Einstellung Frauen und Minderheiten gegenüber. Vor allem, dass die viel zitierten „europäischen Werte“ die Religion nicht vor das Recht stellen. Eine harte Arbeit wartet auf die österreichischen und deutschen Erwachsenenbildner.

Holocaustgedenken

Zu den in Österreich und Deutschland eingehaltenen „europäischen Werten“ gehört auch das historische Gedenken; such an den Holocaust. So sind erwähnenswert auch die einschlägigen Veranstaltungen der „Burgenländischen Forschungsgesellschaft“. Aus Anlass des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 hat die Forschungsgesellschaft zwei kurze Interviews auf ihre Homepage (erreichbar unter office@forschungsgesellschaft.at) vorgeschaltet. In diesen Videoausschnitten erinnern aus dem Burgenland vertriebene Zeitzeugen an die Wochen zwischen März („Anschluss“) und November (Pogrom) im Jahre 1938. Es sind kurze Ausschnitte aus den Interviews mit Sofie Kobrinsky (in Deutsch)  und Fritz Spiegl (in Englisch).

Der bekannteste Zeithistoriker

Oliver Rathkolb, den die „Wiener Zeitung“ völlig zu Recht den „Zeithistoriker der Nation“ nennt – er ist Professor an der Wiener Universität –, ist 60 Jahr alt geworden. Rathkolb erforschte nicht nur die unrühmliche Geschichte Österreichs nach 1938, sondern durchleuchtete zum Beispiel die NS-Geschichte der Wiener Philharmoniker und das Töten und Foltern von „unwertem Leben“ in Wiener Spitälern. Er beschäftigt sich auch mit den oft sehr komplizierten Fragen der Kunst-Restitution. Der vielbeschäftigte Zeithistoriker ist unter anderem Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Theodor-Körner-Fonds für Wissenschaft und Kunst und war Leiter des Bruno-Kreisky-Archivs.

Die Helfershelfer

Historiker und an der Geschichte interessierte Menschen stellen immer wieder die Frage, wie der Holocaust überhaupt funktionieren konnte. So fand man neben den erzwungenen „Helfern“, wie beispielsweise die Eisenbahner, die kaum die Möglichkeit hatten, die Züge in die KZs nicht zu bedienen, vor allem die leider allzu vielen freiwilligen Helfershelfer. Über so eine Mörderbande sprach Judit Molnár, Professorin an der ungarischen Universität in Szeged und gegenwärtige Stipendiatin am Wiener Wiesenthal-Institut im Collegium Hungaricum. Ihr Thema: die unrühmliche Geschichte der ungarischen Gendarmerie. Diese polizeiähnliche Institution (1881 gegründet) entwickelte sich bereits nach dem Ersten Weltkrieg zum brutalen politischen Instrument zuerst des Horthy-Regimes und nach der Besetzung Ungarns durch Nazi-Deutschland für Eichmann und die SS. Rund 30.000 Gendarmen hatten keine andere Aufgabe für die Deportation 400.000 Juden aus den Landgemeinden zu sorgen. Ohne ihre Hilfe hätte Eichmann sein Mörderhandwerk nie vollbringen können. Von den rund 800.000 ungarischen Juden lebte rund die Hälfte in Landgemeinden bzw. in den kleineren Städten des Landes. Die Hauptaufgabe aller Gendarmen im letzten Kriegsjahr war die Verwaltung und Durchführung der Deportation. Hätten die Nazis den Krieg nicht verloren, so wäre Ungarn – mit Hilfe der Pfeilkreuzler und der Angehörigen der Gendarmerie – tatsächlich „judenfrei“ geworden.

„Geld-Juden“

„Die Schuld an der Flüchtlingskrise tragen die Geld-Juden …“, schrieb ein anonymer User im Facebook. Zu den eher wenigen zustimmenden Kommentaren gesellte sich auch einer von Susanne Winter: „…schön, dass Sie mir die Worte aus dem Mund nehmen …“. Das eigentliche Problem war nicht die gemeine Dummheit, sondern die Tätigkeit von Winter: Sie ist Parlamentarierin der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Genau genommen war sie es, da sie postwendend aus der Partei ausgeschlossen wurde, da sie damit „eine rote Linie überschritten hatte und in der FPÖ ist kein Platz für Antisemitismus“ (FP-Generalsekretär Herbert Kickl).  Ähnlich reagierte auch die sozialdemokratische Parlamentspräsidentin Dores Bures: „Gerade vor dem Hintergrund der österreichischen Geschichte sind wir gefordert, antisemitische Hetze entgegenzutreten.“