Happy Birthday haGalil

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David Gall auf der OSCE-Conference zum Anti-Semitismus in Berlin, 2004" width="562" height="386" /> David Gall auf der OSCE-Conference zum Anti-Semitismus in Berlin, 2004, © F. Werners

haGalil feiert 20jähriges Jubiläum…

In diesen Tagen wird zum 20. Mal der Ermodrung Jitzhak Rabins gedacht. haGalil ist damit eng verknüpft. Vor 20 Jahren, am 4. November 1995 schockierte die Nachricht über die Ermordung Rabins die Welt – und sie schockierte auch uns, Eva Ehrlich und David Gall. Wir leben und arbeiten in München, fühlen uns Israel sehr eng verbunden. Wir suchten im Internet, das damals noch ein sehr junges Medium war, nach weiteren Informationen aus Israel, nach Meldungen internationaler Zeitungen, nach Kommentaren aus der jüdischen Welt. Von einigen Agenturmeldungen abgesehen fanden wir vor allem rechtsextreme Seiten mit verzerrenden „Informationen“ über Judentum.

David Gall beschloß schnell, eine eigene kleine Homepage zu gestalten, eine Erinnerung an Rabin und dessen Weg zu den Friedensverhandlungen von Oslo, mit persönlichen Gedanken und Gebeten. Die Resonanz war enorm, viele E-Mails aus dem In und Ausland enthielten die Bitte, mehr Informationen zu bringen. Die Seite wuchs so schnell an und brauchte einen Namen: Galiläa, Galil, ist einer der schönsten Landstriche in Israel. Gal heißt Welle auf Hebräisch, eine „neue Welle im Internet“. Gall heißt der Herausgeber – haGalil.com war geboren!

Das Motto unserer Plattform formulierte David im ersten Editorial: „haGalil soll ein offenes Buch sein, ein virtueller Ort, der Raum für Begegnung, Lernen und Auseinandersetzung ist.“ haGalil ist schnell weiter gewachsen. Andrea Livnat kam als leitende Redakteurin hinzu. Wir berichten über Israel und jüdisches Leben in Europa, über die israelische Linke und Rechte, über die verschiedenen Strömungen des Judentums, liberal, orthodox, säkular. Mit Hilfe eines engagierten Rechtsanwalts aus Berlin, Klaus Parker s“l, wurde haGalil zu einer der erfolgreichsten Seiten im Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus im Internet – über ein Online-Formular können Leser antisemitische, fremdenfeindliche und rassistische Internetseiten melden, was in vielen Fällen eine juristische Verfolgung nach sich zog. Antisemitischer Hetze im Internet begegneten wir mit der Schaffung eines massiven Gegengewichts aufklärender Inhalte nach der Devise: Wahrheit gegen Lüge und Hass. Widersprüche und Diskussionen, Facetten und Pluralismus sind nicht Mittel zum Zweck, sondern Weg und Ziel.

Nur, wie soll man eine Seite wie haGalil, die so groß geworden ist, dass sie längst über die Möglichkeiten eines rein ehrenamtlichen Engagements hinausgewachsen ist, finanzieren? Der damalige Bundeskanzler Schröder rief nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge im Oktober 2000 zum „Aufstand der Anständigen“ auf, es werden staatliche Programme beschlossen, um den Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus zu unterstützen. haGalil konnte von dieser Förderung leider nur wenig erhalten, auch nach Neugründung einer Trägervereins in München. Dieser einigermaßen kuriose Vorgang wurde in der Fernsehsendung „Monitor“ thematisiert, ohne etwas an der Entscheidung des zuständigen Ministeriums ändern zu können. Die Treue unserer Leser, ihre kleinen und größeren Spenden, einige verlässliche Werbepartner, sowie die Unterstützung des Zentralrats der Juden in Deutschland ermöglichen haGalil weiterzumachen. Trotzdem ist es schwer, Hackerangriffe, Verleumdungskampagnen, die Palette an Gegenwind ist dicht bestückt.

haGalil wäre undenkbar ohne die Unterstützung zahlreicher Autorinnen und Autoren, die uns seit Jahren Artikel, Fotos, Recherchen zur Verfügung stellen, ohne dafür ein Honorar zu verlangen, allen voran Ramona Ambs, Bernard Schmid, Karl Pfeifer, Jim Tobias, Daniela Marcus, Roland Kaufhold, Gabriel Miller, Max Brym, Danny Leder, Robert Schlickewitz, Magdalena Marsovszky und viele viele weitere. Mit ihrer Hilfe wurde haGalil zur größten Internetplattform für jüdisches Leben in deutscher Sprache.

Doch im Sommer 2014 trifft uns alle ein schwerer Schlag. Am 29. Juli 2014 verlor David den Kampf gegen den Krebs endgültig. Es folgen Tage der Fassungslosigkeit und Trauer. Dann die Frage: was passiert mit haGalil ohne David? Wir hatten noch nicht einmal Zeit, das zu besprechen. Nach kurzer Zeit steht für Andrea Livnat und mich fest: wir machen weiter, wir wollen Davids Erbe pflegen und weiterentwickeln. Gerade in diesen Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit und zunehmendem Antisemitismus in Europa ist unsere Aufgabe wichtig und unverzichtbar.

Und so planen wir mit Hilfe einiger treuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Relaunch zum 20. Geburtstag. haGalil soll in neuem „Kleid“ erscheinen.
Wir machen weiter!
Das versprechen wir euch, unseren Leserinnen und Lesern, und das versprechen wir auch David.
Wir brauchen weiterhin eure Unterstützung, für die wir uns herzlich bedanken möchten.
Wir sehen uns wieder, hier, unter haGalil.com. Masal tow zum 20. Geburtstag!

Herzliche Grüße
Eva Ehrlich

3 Kommentare

  1. Ihr Lieben,

    ich danke Euch, für Euer Engagement.
    Ich danke Euch, für 11 Jahre (für mich) lehrenden Beistands.
    Ich danke Euch, für die Fähigkeit mit Unwissen und Ärger umzugehen.
    Ich danke Euch, meine oft falschen oder peinliche Kommentare zu ertragen, oder richtig zu stellen.
    Ich danke Euch, für die Möglichkeit mit Leuten in Kontakt zu kommen, die ich nie kennengelernt hätte.

    Bin mir sicher David wäre auf das letzte Jahr stolz.

    Ente

  2. Massl tow!
    Alles alles Gute euch und weiterhin erfolgreiche Arbeit!
    David sel.A. habe ich in schöner Erinnerung, ein guter Mann.
    Und diese Webseite hier war mein Anfang mich zu engagieren um der ‚antisemitischen Karikatur‘ Aufklärung -mit 😉 persönlicher 🙂 Note- gegenüber zu stellen. Herzlichen Dank auch dafür.
    Schimru al azmechem!

  3. Herzlichen Glückwunsch zum 20-Jährigen, die besten Wünsche für die nächsten 20 Jahre, liebe haGalil-Redaktion und vielen Dank für Eure Arbeit. haGalil ist für mich eine der wichtigsten Adressen. Die allgemeine Mischung der Beiträge ist überaus lebendig und die allermeisten davon auf einem erfreulich hohen Niveau.

    Macht bitte weiter so.

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