Fernsehtipps fürs neue Jahr

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Vom 01. bis 15. Januar 2015…

Do, 1. Jan · 00:30-02:15 · arte
Gelobtes Land (4/4)

Die 18-jährige Erin reist mit ihrer Freundin Eliza nach Israel. Während ihre Freundin den israelischen Wehrdienst antritt, vertieft sich die junge Britin in das Tagebuch ihres Großvaters, der als britischer Mandatssoldat im Palästina der Nachkriegsjahre stationiert war. Aber auch von den alltäglichen Grausamkeiten der Realität eines vom Frieden weit entfernten Landes bleibt Erin nicht verschont. Obwohl Erin, die nach Nachkommen von Abu-Hassan Mohammed sucht, in den abgesperrten Gaza-Streifen gar nicht einreisen darf, gibt die junge Britin nicht auf. Mit ihrer verbissenen Hartnäckigkeit bringt sie sich und auch Omar in Gefahr. Das Tagebuch von Erins Großvater Len hält fest, wie die Juden 1947 in den Straßen den Rückzug der britischen Truppen feierten. Ein Beschluss der UN-Vollversammlung war ausschlaggebend für die Gründung eines israelischen Staates. In Haifa setzt daraufhin eine Massenflucht der arabischen Bevölkerung ein. Len hat große Angst um Abu-Hassan Mohammed und seine Familie, denn die britischen Truppen werden sie nicht mehr beschützen. Er drängt sie dazu, ihr Haus zurückzulassen und die Stadt mit den Schiffen zu verlassen. Den Schlüssel ihres Hauses gibt der Vater seinem Sohn Hassan, damit er ihn aufbewahrt, denn sie wollen eines Tages zurückkehren. Doch in dem unvorstellbaren Aufruhr der Massen an Flüchtlingen am Hafen passiert etwas nicht Vorhersehbares und Len gibt Abu-Hassan Mohammed ein Versprechen, das ihre beiden Schicksale bestimmen wird … Peter Kosminskys „Gelobtes Land“ lässt den abenteuerlichen Auslandstrip einer jungen Frau zu einer Wahrheitssuche vor der Kulisse des komplexen und anscheinend unlösbaren Nahostkonflikts geraten. Die Darstellerin der Erin, Claire Foy, ist bekannt aus der BBC-Serie „Charles Dickens‘ Little Dorrit“.

Do, 1. Jan · 07:25-07:30 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Dominique Horwitz

„Dieser Film hat mich verändert!“, sagt Dominique Horwitz, Schauspieler, Chansonnier und Theaterunternehmer. Er meint das Kino-Road-Movie „Verrückt nach Paris“, das er 2002 mit physisch und psychisch behinderten Laienschauspielern gedreht hat. Horwitz fasziniert dabei, wie ehrlich und authentisch seine behinderten Kollegen sind. Er muss jedoch auch erfahren, wie oft Behinderte im Alltag ausgegrenzt werden. Für ihn ein Wendepunkt! Gesundheit und Erfolg sind für Dominique Horwitz fortan nicht mehr selbstverständlich. Jedes Leben kann sich von einer Sekunde auf die andere verändern. Unfall, Schlaganfall, Behinderung. Was dann!? Er beginnt, sich für Benachteiligte zu engagieren und übernimmt die Schirmherrschaft einer Elterninitiative, deren Kinder an der seltenen Erbkrankheit Rettsyndrom leiden. – Einer chromosomalen Mutation, an der nur Mädchen erkranken. Mit seinem Engagement will er ein Zeichen für die Akzeptanz aller behinderten Menschen in der Gesellschaft setzen. Der deutsch-französische Künstler Dominique Horwitz wurde 1957 in Paris als Sohn jüdischer Eltern geboren, die vor dem NS-Regime nach Frankreich geflüchtet waren. Heute lebt er – selbst Vater von vier Kindern – in einem Dorf bei Weimar.

Fr, 2. Jan · 04:05-05:55 · 3sat
Das Mädchen mit dem roten Haar

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im Amsterdamer Frühling des Jahres 1945, feiert ganz Holland das Ende der deutschen Besatzung. Während auf den Straßen getanzt wird, kann nur An die allgemeine Euphorie nicht teilen, weil sie sich an jemanden erinnert, der sich nicht mehr freuen kann: ihre Kampfgenossin Hannie Schaft. In Rückblenden wird noch einmal der Weg der idealistischen Jurastudentin vom sensiblen Mädchen zur unerschrockenen Partisanin nachgezeichnet, die entschlossen gegen die Nazis kämpft. Kaltblütig setzen ihre Mitkämpfer sie gegen Kollaborateure ein, die sie zu eliminieren hat. Und obwohl er sie anfangs nicht für voll nimmt, muss sich Kampfgefährte Hugo eines Besseren belehren lassen und verliebt sich schließlich in das Mädchen mit dem roten Haar. Doch eine fehlgeschlagene Aktion gegen einen Spitzel des Deutschen Sicherheitsdiensts setzt ihrer Liebe ein jähes Ende – aus der Partisanin wird eine blindwütige Rächerin.

Fr, 2. Jan · 11:15-12:35 · MGM
Zelig

Der kleine jüdische Angestellte Leonard Zelig (Woody Allen) ist ein Mann ohne Identität. Er kann sich chamäleonartig an seine Umwelt anpassen. Das geht sogar so weit, dass er die physischen Eigenschaften bestimmter Personen annehmen kann. – Woody Allens fiktive Biografie: eine brillante Persiflage auf die Gesellschaft, die Filmindustrie und Dokumentarfilme.

Fr, 2. Jan · 19:00-19:45 · BR
Appetit auf Tel Aviv

Der Tutzinger Wirt Fritz Häring fährt nach Tel Aviv, um die pulsierende Metropole am Mittelmeer kulinarisch zu erkunden. Hier trifft er Motorrad-Freaks, Künstler, Köche und auch auf jede Menge unbekannter Gaumenfreuden. Von seinen Begleitern erfährt er viel über die israelische Lebensweise und darüber, was die weltbekannte Partystadt nun auch zum Mekka für Gourmets und Hedonisten avancieren ließ. Ganz anders als bei seinem Besuch in Jerusalem, ist Härings „Appetit auf Tel Aviv“ sehr weltlich.

Fr, 2. Jan · 22:00-22:45 · ARD-alpha
Zum Weinen schön, zum Lachen bitter – ein Konzert aus dem jüdischen Museum in Wien, 2010

Die charismatische Schauspielerin Andrea Eckert gab im Oktober 2010 einen Gesangs- und Rezitationsabend unter dem programmatischen Titel „Zum Weinen schön, zum Lachen bitter“. Die vielfach preisgekrönte Künstlerin vermittelt darin faszinierende Kabinettstücke jüdischer Dichter, Komponisten und Kabarettisten wie Friedrich Hollaender, Georg Kreisler, Randy Newman, Elfriede Gerstl, Thomas Brasch, Else Lasker-Schüler und Nelly Sachs. Begleitet wird sie von dem Pianisten und Arrangeur Florian Sitzmann von den Söhnen Mannheims, dem internationalen Gitarrenstar Kosho und dem erst 16-jährigen Wiener Ziehharmonika-Virtuosen Paul Schuberth.

Sa, 3. Jan · 12:15-13:00 · 3sat
Zubin Mehta – Partitur eines Lebens

Den indischen Dirigenten Zubin Mehta, der 2015 das Wiener Neujahrskonzert bereits zum fünften Mal dirigiert, verbinden mit der österreichischen Hauptstadt und ihren Philharmonikern nicht nur intensive Arbeitsjahre in Konzert und Oper. Schon in seiner Jugend stand Wien im Mittelpunkt seines musikalischen Interesses, als er hier ein Studium beim mittlerweile legendären Dirigentenlehrer Hans Swarovsky absolvierte. Mehta war Chefdirigent von vielen großen Orchestern in Amerika und Europa, wirkte acht Jahre als musikalischer Leiter der Bayerischen Staatsoper in München und ist auf Lebenszeit Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra. Seit 1985 ist er dem Maggio Musicale und der Oper in Florenz verbunden und fungiert in Valencia als Präsident eines Musikfestivals.

Sa, 3. Jan · 16:30-17:00 · HR
Horizonte: 1/3, Glaube Liebe Lust – Sexualität in den Weltreligionen

Liebe, Lust und Sexualität sind schwer zu beherrschen – und haben weitreichende soziale Folgen. Wer verbindet sich mit wem? Wem gehören die Kinder? Welche Rechte hat der Mann, welche die Frau? Weil die Dynamik so stark und die Kontrolle darüber so wichtig ist, bestimmen in den meisten Kulturen die Religionen darüber, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Welche Ordnungsmacht sollte größer und unbezweifelbarer sein als die göttliche? Schon in jungen Jahren sollen Gläubige mit zahlreichen Geboten und Verboten rund um die Entdeckung der eigenen Sexualität auf die richtige Bahn geleitet werden. Was bieten und verbieten Islam, Christentum, Judentum und Hinduismus den jungen Gläubigen, wenn für sie die aufregende Suche nach der eigenen Sexualität beginnt? In Folge 1 setzen sich junge Menschen aus vier Ländern mit der Frage nach Begehren und Leidenschaft in ihren unterschiedlichen religiösen Vorstellungswelten auseinander: Was empfinden ein junger Hindu und seine Braut in Delhi kurz vor der Hochzeitsnacht, in der sie sich zum ersten Mal nackt sehen werden? Warum hat es eine streng gläubige, noch jungfräuliche, aber äußerst selbstbewusste Muslima und Geschäftsfrau im modernen Istanbul schwer, einen Partner zu finden? Wie geht ein junges protestantisches Mädchen in Berlin mit der sexuellen Freiheit um, und wie vereinbart ein jüdisches Paar in Tel Aviv die Ansprüche seiner Religion mit seinen unorthodoxen Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft? Hülya, Elena, Shira und Avihu, Arpit und Ankita: sechs junge Menschen, die vor der Ehe ihre Religion und ihre sexuellen Vorstellungen in Einklang bringen möchten, ihren Glauben und ihr Verlangen aufeinander abstimmen müssen – mal mehr, mal weniger dogmatisch.

Sa, 3. Jan · 21:45-23:20 · Das Erste (ARD)
Wunderkinder

Vor ihrem Abschiedskonzert erhält die gefeierte Violinistin Hanna Reich ein verblichenes Notenheft: die Freundschaftspartitur. Aufgewühlt von Erinnerungen, erzählt Hanna ihrer Enkelin die Geschichte dieser Musik, die 1941 in der Ukraine entstand, wo Hanna einst aufwuchs: Als junges Mädchen ist sie, die selbst Violine spielt, von einem Konzert der Wunderkinder Abrascha und Larissa so hingerissen, dass sie deren Freundschaft sucht. Die Musik verbindet, bald ist das jugendliche Trio unzertrennlich und schreibt gemeinsam jene Freundschaftspartitur. Doch mit dem deutschen Einmarsch endet die unbeschwerte Kindheit. Der Krieg bestimmt plötzlich das Leben, mit ihm Todesangst und Leid. Trotz der Gefahren halten die drei zusammen – bis der Krieg sie endgültig trennt. Vor historischem Hintergrund – dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion – entwickelt sich die fiktive Geschichte der „Wunderkinder“, die zur Mutprobe für eine deutsch-jüdische Freundschaft wird. Neben prominenten Darstellern wie Kai Wiesinger, Catherine Flemming, Gudrun Landgrebe, Konstantin Wecker und Gedeon Burkhard spielen die Kinder Elin Kolev, Imogen Burrell und Mathilda Adamik die Hauptrollen in dem von Martin Stocks Musik getragenen Film. Ein geheimnisvoller Umschlag konfrontiert Star-Geigerin Hanna Reich (Brigitte Grothum) kurz vor ihrem Abschiedskonzert mit lange zurückliegenden Erinnerungen: Es sind die Noten zur Freundschaftspartitur. Tief bewegt erzählt Hanna ihrer Enkelin Nina (Mathilda Adamik) von den Ereignissen um diese Partitur im Kriegsjahr 1941. Eine Geschichte, die von tiefer Freundschaft, Todesgefahr, Zivilcourage und der leidenschaftlichen Liebe zur Musik handelt. Hanna (ebenfalls Mathilda Adamik) lebte damals mit ihren Eltern, Brauereidirektor Max Reich (Kai Wiesinger) und Helga (Catherine Flemming), in Poltava in der Ukraine. Dort gibt es nur ein Thema: die jüdischen Wunderkinder Abrascha (Elin Kolev) und Larissa (Imogen Burrell), Stars an Violine und Klavier. Sie spielen vor der Partei-Elite und vor Stalin selbst. Und erhalten sogar eine Einladung, in der New Yoker Carnegie Hall zu konzertieren. Auch Hanna, die selber Geige spielt, besucht ihr Konzert. Dieser Konzertbesuch wird zur schicksalhaften Begegnung. Fortan hat Hanna nur den Wunsch, mit den beiden zu musizieren und ihre Freundin zu werden. Der gemeinsame Unterricht bei ihrer Lehrerin Irina Salomonowa (Gudrun Landgrebe) und die Liebe zur Musik verbinden die Kinder schließlich. Gemeinsam schreibt das Trio an der Freundschaftspartitur und besiegelt den Freundschaftspakt. Doch ihr Leben ändert sich jäh: Hitler erklärt Russland den Krieg, die Deutschen werden zu Feinden. Hanna, Abrascha und Larissa sehen, wie der Krieg Familien auseinanderreißt und tödliche Gefahren bringt. Und zur Mutprobe für ihre deutsch-jüdische Freundschaft wird. Als Hannas Eltern der Spionage verdächtigt werden, verstecken Abraschas und Larissas Familien sie im Wald. Doch mit dem Einmarsch deutscher Truppen ändert sich alles erneut – jüdische Familien erleben nun die Schrecken des Pogroms. Jetzt können die Reichs, wieder zu Ansehen gekommen, ihren Rettern helfen. Aber die geplante Flucht misslingt – und die Reichs hoffen, durch den Kontakt zu SS-Standartenführer Schwartow (Konstantin Wecker) die Freunde vor dem Lager zu bewahren. Schwartow, nach außen hin generöser Kulturliebhaber und vom Talent der Wunderkinder angetan, lässt diese zu Himmlers Geburtstag ein Konzert geben. Sein perfider Plan: Gelingt es ihnen, fehlerfrei zu spielen, verspricht er ihnen und ihren Familien die Freiheit. Während der sadistische Offizier nur auf einen Fehler wartet, spielen Abrascha und Larissa um ihr Leben. Die dramatischen Ereignisse aus Sicht der Kinder zu erzählen, berührt besonders tief und verdeutlicht die Schrecken des Krieges umso stärker. Gewidmet ist der Film unter der Regie von Marcus O. Rosenmüller den 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kindern. Das bewegende Drama, produziert von Alice und Artur Brauner, gewann mehrere internationale Preise. Preisgekrönt ist auch Hauptdarsteller Elin Kolev, ein Stipendiat der Albert-Eckstein-Stiftung. Anders als sein Film-Alter-Ego Abrascha trat dieser mit zwölf Jahren tatsächlich in der Carnegie Hall auf. In einer ungewohnten Rolle ist John Friedmann zu sehen, dessen Karriere als Erkan im Kult-Comedy-Duo „Erkan & Stefan“ begann: Er spielt den SS-Sturmbannführer Becker.

So, 4. Jan · 06:30-07:59 · arte
Ein Hauch von Freiheit – Schwarze GIs, Deutschland und die US-Bürgerrechtsbewegung

Sie kamen nach Deutschland, um das Land von Rassismus und Unterdrückung zu befreien. Doch in der eigenen Armee, aber auch in ihrer Heimat herrschte strikte Rassentrennung: Die 90-minütige deutsch-amerikanische Koproduktion „Ein Hauch von Freiheit“ erzählt die Geschichte afroamerikanischer Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert waren. Zurück in den USA ereilte die schwarzen US-Armeeangehörigen das gleiche Schicksal wie vor dem Krieg: Rassentrennung und Diskriminierung waren ihr Alltag. Sie kamen nach Deutschland, um das Land von Rassismus und Unterdrückung zu befreien. Doch in der eigenen Armee, aber auch in ihrer Heimat herrschte strikte Rassentrennung: Die 90-minütige deutsch-amerikanische Koproduktion „Ein Hauch von Freiheit“ erzählt die Geschichte afroamerikanischer Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert waren. Von der deutschen Bevölkerung als Repräsentanten einer Siegermacht akzeptiert, erfuhren sie hier zum ersten Mal eine Art Gleichberechtigung. Sie konnten dieselben Orte betreten wie Weiße, Beziehungen zu weißen Frauen – im eigenen Land undenkbar – waren an der Tagesordnung. Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell erinnert sich mit Blick auf seine Zeit in Deutschland an diesen „Hauch von Freiheit“. Umso größer der Schock nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Zurück in den USA ereilte die schwarzen US-Armeeangehörigen das gleiche Schicksal wie vor dem Krieg: Rassentrennung und Diskriminierung waren ihr Alltag. In Deutschland hatten die Soldaten das Gegenteil erlebt. Diese Erfahrung der Freiheit verschaffte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung massiven Auftrieb. Eine Ironie der Geschichte. Ausgerechnet in den Ruinen Nazi-Deutschlands wurde ein Grundstein gelegt für die Überwindung der Rassentrennung in den USA. Veteranen des Zweiten Weltkriegs erinnern sich in dem Dokumentarfilm von Dag Freyer an ihre Zeit in Deutschland und ihr politisches Engagement im eigenen Land. Etwa Leon Bass, der als junger Mann bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald dabei war und noch heute seine Stimme gegen Rassismus und Diskriminierung erhebt. Oder Harold Linton, der in Zeiten des Kalten Krieges für seine Rechte und die Liebe zu einer deutschen Frau kämpfte. Colin Powell spricht in einem seiner persönlichsten Interviews über seine Stationierung in Gelnhausen. Auch der Kongressabgeordnete John Lewis äußert sich erstmals über seine schwere Reise aus der Unterdrückung in die Freiheit. Diese Reise begann 1945 in Deutschland.

So, 4. Jan · 06:40-07:10 · HR
Schluss mit lustig – Drei Kinder werden erwachsen

Sophia und Anna-Lisa müssen fleißig üben, wie man in hohen Schuhen richtig läuft. Derweil übt Ilan mit seinem Rabbi das Singen der alten Tora-Verse. Alle drei schauen einem großen Tag entgegen; alle drei sind zwischen 13 und 14 Jahre alt. Die getaufte Protestantin Sophia wird in einigen Wochen konfirmiert, Anna-Lisa fiebert ihrer Jugendweihe entgehen und Ilan wartet auf seine Bar Mizwa, um zum „echten jüdischen Mann“ zu werden. An Gott glaubt Sophia nicht so richtig, trotzdem muss sie für ihre Konfirmation das Glaubensbekenntnis auswendig lernen. Das sorgt für hitzige Diskussionen mit ihrer Pfarrerin. Doch eigentlich hat Sophia ganz andere Probleme: Für die Schule büffelt sie jeden Tag bis spät abends, so dass sich ihre Mutter schon ernsthafte Sorgen macht. Das Kleid und das Make-Up für ihre Jugendweihe hat Anna-Lisa schon ausgesucht. Schließlich will sie an diesem Tag hübsch aussehen. Jugendweihe – ihre Eltern haben das auch schon so gemacht und außerdem kann sich Anna-Lisa nicht vorstellen, dass ein Gott im Himmel die Dinge auf unserer Erde lenken soll. Anna-Lisa denkt sowieso lieber über anderes nach: über Liebe zum Beispiel. Da sind ihre Eltern ihr großes Vorbild. Doch bisher haben sich die meisten Jungs, die sie kennengelernt hat, als „ziemlich doof“ herausgestellt. Ausgenommen natürlich ihr bester Freund Luki. Bei Mädchen kommt Ilan ziemlich gut an. Aber lieber verbringt er möglichst viel Zeit mit seinen Kumpels: beim Longboard-Fahren und Videospielen. Seine Bar Mizwa musste verschoben werden, weil seine Großmutter starb. Sorgen macht er sich jetzt auch um seinen Großvater. Der ist schon 94 Jahre alt, und Ilan besucht ihn, so oft er kann. Seine Bar Mizwa steht kurz bevor, und das heißt für Ilan: immer wieder mit dem Rabbi üben. Drei Jugendliche, drei Initiationsriten – für alle drei ein großer Tag. Wie fühlt sich dieser erste Schritt zum Erwachsenwerden an? Und wie geht es weiter, wenn man richtig erwachsen ist? Ob Familie, Freunde, Schule oder der eigene Körper: Plötzlich tauchen überall neue Möglichkeiten auf, aber auch neue Probleme.

So, 4. Jan · 17:30-18:00 · BR
Das American Colony Hotel – Eine Oase in Jerusalem

Bis heute ist das American Colony Hotel in Jerusalem in Familienbesitz. Die neutrale Haltung der Besitzer im Nahost-Konflikt hat das Hotel bis heute zu einem beliebten und manchmal auch geheimen Treffpunkt für Palästinenser und Israelis gemacht. So begannen die Friedensgespräche, die 1993 zum Oslo-Vertrag führten, im American Colony. Doch daneben ist das Colony einfach „nur“ ein wunderschönes, luxuriöses Hotel mit wunderbaren Mitarbeitern: Juden, Christen und Muslimen haben keinerlei Probleme miteinander, im Gegenteil – sie sind miteinander befreundet. Und für den Gast aus Amerika oder Europa ist das Hotel eine der schönsten Oasen des Nahen Ostens. Als der Baron Ustinov (der Großvater des Schauspielers Sir Peter Ustinov) im Jahr 1902 eine Unterbringungsmöglichkeit in Jerusalem für seine Besucher aus Europa und Amerika benötigte, war die Idee für das American Colony Hotel geboren. Schon nach kurzer Zeit hatte sich das American Colony als Unterkunft für westliche Reisende und Pilger etabliert, deren hohe Ansprüche an Qualität und Komfort anderswo nicht erfüllt wurden. Die reiche Geschichte des American Colony Hotels in Jerusalem geht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück und nahm ihren Ursprung in einer Reihe tragischer Ereignisse, die dazu führten, dass die strenggläubige christliche Familie von Horatio und Anna Spafford im Jahre 1881 ihre Heimatstadt Chicago verließ, um Frieden in der Heiligen Stadt Jerusalem zu finden und Familien in Not zu helfen. Dank ihrer Wohltätigkeit sowohl gegenüber den jüdischen Nachbarn als auch gegenüber den Beduinen von jenseits des Jordan dauerte es nicht lange, bis sie das Vertrauen der lokalen Bevölkerung gewonnen hatten. Bald schon hatten sich ihre Mildtätigkeit und ihr großes soziales Engagement herumgesprochen. Von den Anwohnern wurden sie einfach nur „die Amerikaner“ genannt. 1894 folgten ihnen 70 in den Vereinigten Staaten lebende Schweden, und zwei Jahre darauf kamen weitere 55 Glaubensbrüder in Jerusalem an, was eine wesentlich größere Unterkunft erforderlich machte. Das Haus, das sie letztendlich kauften, war ursprünglich als Palast für einen Pascha und seine vier Ehefrauen entworfen worden. Bald sollte der Palast zum American Colony Hotel werden.

Mo, 5. Jan · 19:00-19:45 · BR
Gernstl in Israel (1/2)

Franz Xaver Gernstl ist mit seinem altbewährten Team, dem Kameramann Hans Peter Fischer und dem Tonmann Stefan Ravasz, nach Israel gereist. Aber nicht, um den Nahost-Konflikt zu erklären, sondern um zu sehen, wie man in einem Land lebt, das nie zur Ruhe kommt. Denn Israel ist sicher einer der geschichtsträchtigsten, dynamischsten und umstrittensten Orte dieser Erde, ein Land, in dem die Menschen gelernt haben, in permanenter Ausnahmesituation so etwas wie ein ganz normales Leben zu führen. Auf ihrer Reise begleitet werden sie von Mickey Shubitz, der in Tel Aviv geboren ist. Franz Xaver Gernstl ist mit seinem altbewährten Team, dem Kameramann Hans Peter Fischer und dem Tonmann Stefan Ravasz, nach Israel gereist. Aber nicht, um den Nahost-Konflikt zu erklären, sondern um zu sehen, wie man in einem Land lebt, das nie zur Ruhe kommt. Denn Israel ist sicher einer der geschichtsträchtigsten, dynamischsten und umstrittensten Orte dieser Erde, ein Land, in dem die Menschen gelernt haben, in permanenter Ausnahmesituation so etwas wie ein ganz normales Leben zu führen. Auf ihrer Reise begleitet werden sie von Mickey Shubitz, der in Tel Aviv geboren ist. Tel Aviv ist nicht die Hauptstadt Israels, aber wirtschaftliches Zentrum und Kulturmetropole des Landes. Die Stadt ist jung, gerade mal 100 Jahre alt, und verfügt über ein architektonisches Erbe von rund 4.000 Gebäuden im Bauhausstil. Die Deutsch-Jüdin Sharon Golan Yaron kümmert sich um den Erhalt der Häuser. In der Fußgängerzone treffen Mickey Shubitz und Franz Gernstl einen älteren Herrn mit Rauschebart, Sonnenbrille und Schlapphut. Er erzählt, dass er ehemals Rock-Sänger in Brooklyn war, jetzt aber Mitglied der orthodoxen Chabad-Bewegung und als Rabbi tätig ist. Auf halbem Weg zum Toten Meer machen die Reisenden in der Wüste Negev Halt. Am Schild „Sea Level Zero“ sitzt seit 30 Jahren ein Beduine, der gelegentlich sein Kamel an Touristen vermietet und ansonsten das Leben ganz ohne Uhr oder Handy gemächlich angeht. Zurück in Tel Aviv besucht das Team Ronny Edry in seiner „Peace Factory“. Der Grafikdesigner hatte vor zwei Jahren fast versehentlich eine große Bewegung ins Leben gerufen, die „Israel Loves Iran“-Kampagne auf Facebook. Ein Ausflug ins Kibbuz Ein Shemer und ein Besuch bei Uri Hofi folgen. Er gilt als Begründer der israelischen Schmiedekunst, wobei er das Schmieden erst mit 59 Jahren begonnen hat. Mit inzwischen 79 Jahren hat er es zu beachtlichem Können gebracht. Wieder zurück in Tel Aviv am Drummer’s Beach endet der erste Teil der Reise. Jeden Freitag vor dem Shabbat treffen sich hier junge Israelis, um gemeinsam zu trommeln, zu tanzen und den Sonnenuntergang zu feiern.

Di, 6. Jan · 09:50-10:42 · arte
Deutsche in Amerika – Ein Volk verschwindet

Deutschland 1937: Der 16-jährige bekennende Antifaschist Max Ebel wird in einer Auseinandersetzung mit Hitlerjungen mit einem Messer verletzt. Die Lage in Deutschland wird für ihn so gefährlich, dass er beschließt, zu seinem Vater nach Boston zu fliehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bilden die Deutsch-Amerikaner eine der wichtigsten ethnischen Gruppen in Wirtschaft, Finanzen, Bildung, Forschung und Landwirtschaft. Mit Sorge wendet sich ihr Blick in die alte Heimat. In Europa tobt ein entsetzlicher Krieg. Antideutsche Propaganda heizt die Kriegsstimmung an und sorgt in Amerika für Intoleranz und Hass. Es sind die gleichen Muster, die schon während des Ersten Weltkrieges die Deutsch-Amerikaner unter Druck gesetzt haben. Alles Deutsche wird aus der amerikanischen Sprache getilgt, deutsche Namen werden amerikanisiert, deutsche Kultur verschwindet aus dem öffentlichen Leben. Während beider Weltkriege versuchen die Deutsch-Amerikaner, ihre deutsche Identität unsichtbar zu machen. Viele werden als Spione verdächtigt, ein harmloser deutschstämmiger Arbeiter wird von nationalistischen Amerikanern gelyncht. Kaum in Amerika angekommen, meldet Max Ebel sich freiwillig zum Kriegsdienst. Er will im Pazifik kämpfen, den Einsatz in Deutschland lehnt er ab, weil sein Bruder und seine Mutter noch dort leben. Das wird ihm zum Verhängnis. Er wird verhaftet und monatelang interniert. Aus Deutschland setzt eine Massenflucht vor dem NS-Terror ein und die USA legen erstmals in ihrer Geschichte Einwanderungsquoten fest. Auch das renommierte jüdische Ärzteehepaar Nathorff kommt mittellos aus Berlin in New York an. Hertha Nathorff, einst gefeierte Leiterin der Rot-Kreuz-Kinderklinik in Berlin, zeichnet das Drama ihrer Vertreibung in ihrem erschütternden Tagebuch auf. Sie arbeitet in New York als Putzfrau und Bar-Pianistin, finanziert ihrem Mann das Studium, doch sie selbst darf nicht als Ärztin praktizieren. Im Jahr 1993 stirbt sie völlig verarmt und verbittert in New York. Nach Kriegsende dauert es noch Jahrzehnte, bis sich das Verhältnis der Amerikaner zu ihren deutschstämmigen Landsleuten normalisiert. Heute sind sie vollkommen im amerikanischen Schmelztiegel aufgegangen. Auch Max Ebel lebt noch in New Hampshire.

Di, 6. Jan · 19:00-19:45 · BR
Gernstl in Israel (2/2)

Franz Xaver Gernstl ist mit seinem altbewährten Team, dem Kameramann Hans Peter Fischer und dem Tonmann Stefan Ravasz, nach Israel gereist. Aber nicht, um den Nahost-Konflikt zu erklären, sondern um zu sehen, wie man in einem Land lebt, das nie zur Ruhe kommt. Denn Israel ist sicher einer der geschichtsträchtigsten, dynamischsten und umstrittensten Orte dieser Erde, ein Land, in dem die Menschen gelernt haben, in permanenter Ausnahmesituation so etwas wie ein ganz normales Leben zu führen. Auf ihrer Reise begleitet werden sie von Mickey Shubitz, der in Tel Aviv geboren ist. In Jerusalem treffen die drei monotheistischen Weltreligionen aufeinander. Man zählt 1.200 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen. Besonders turbulent wird es freitags. Die Moslems müssen zum Felsendom – Freitagsgebet, die Christen zur Grabeskirche und die Juden zur Klagemauer. Beim Spaziergang durch die engen Gassen taucht „Jesus“ auf. Ein Amerikaner, beseelt von der Spiritualität der Stadt und gekleidet in weißes Leinen, versucht zu leben wie Jesus. Wem der religiöse Trubel zu viel wird, der findet Zuflucht in der Villa Dolorosa. Dort steht seit 1856 das österreichische Hospiz. Hier kann man in einem der schönen Zimmer übernachten oder nur auf ein Wiener Schnitzel und eine Linzer Torte mit Meindl Kaffee einkehren. Im Elah-Tal bauen einige der besten Israelischen Winzer Wein an. Einer davon ist Shuki Yashuv. Er keltert preisgekrönten koscheren Wein. Shuki selbst ist Atheist, aber viele seiner Freunde sind gläubig, und er wollte seinen Wein nicht alleine trinken. Bei der Verkostung seines eigenen Weines darf er die Fässer nicht berühren, das macht sein orthodox gläubiger Helfer Yeshaya. Tel Aviv am Sonntagmorgen: Es ist Matkotzeit. Den israelischen Nationalsport spielt man mit Holzschlägern am Strand. Unangefochtener Matkotkönig ist der 69 Jahre alte Amnon Nissim, der in seiner Wohnung  ein Matkotmuseum eingerichtet hat. 1993 hat Tel Aviv einen neuen Busbahnhof bekommen, den größten der Welt. Ein ehrgeiziges Projekt damals, heute ein gigantisches Beispiel verwirrender Fehlplanung. Mendy Cahan hat im fünften Stock eine einzigartige, jiddische Bibliothek untergebracht. Mit Blick über die Skyline von Tel Aviv verabschiedet sich Franz Gernstl von einem alten Freund, der sich wehmütig an seine Zeit in München und an friedvolle Tage im Biergarten erinnert.

Mi, 7. Jan · 22:15-23:00 · PHOENIX
Five Broken Cameras

Sogar eine Oscar-Nominierung brachte Ermad Burnat dieser Film ein, den der palästinensische Bauer fünf Jahre in seinem Heimatdorf Bil?in gedreht hat. Zur Geburt seines jüngsten Sohnes Gibreel hatte er sich 2005 eine Videokamera gekauft. Zeitgleich beginnt Israel mit dem Bau der gewaltigen Grenzmauer nahe seines Heimatdorfes im Westjordanland. Für die Grenzanlage und die immer näher rückenden Siedlungen wird immer mehr palästinensisches Land beschlagnahmt. Als einziger, der im Ort eine Kamera besitzt, wird Emad bald zum offiziellen Kameramann des Dorfes. Fünf Jahre lang filmt er den Konflikt rund um den israelischen Mauerbau in seinem Dorf, die Proteste in Bil’in ebenso wie das Heranwachsen seines Sohnes. Dabei werden er und die Menschen, die ihm nahestehen, immer öfter Opfer von willkürlichen Verhaftungen, Zerstörung von Eigentum und gewaltsamen Übergriffen durch israelische Siedler und die Armee – bis eines Tages die ersten Toten zu beklagen sind. Hautnah erlebt der Zuschauer die Bedrohung der israelischen Siedlungspolitik aus Sicht der Palästinenser.

Mi, 7. Jan · 23:00-00:30 · PHOENIX
Jaffa – Im Namen der Orange

Die israelische Hafenstadt Jaffa, die heute zu Tel Aviv zählt, war bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine der lebendigsten Städte des Nahen Ostens und ein kulturelles, ökonomisches und politisches Zentrum der Region. In ihrem Umland wurden über Jahrhunderte Orangen kultiviert, durch den Export der palästinensischen „Jaffa-Orangen“ wurde der Name der Stadt schließlich weltberühmt. Anhand von Archivmaterial erzählt der Dokumentarfilm die Geschichte Jaffas und der gleichnamigen Orangen-Sorte und lässt israelische und palästinensische Intellektuelle zu Wort kommen. Wer kennt sie nicht, die Jaffa-Orange? Für die fast kernlose, ebenso gesunde wie wohlschmeckende Zitrusfrucht haben Stars wie Ingrid Bergman und Louis Armstrong geworben, lange Zeit galt die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Palästina angebaute Organgensorte aufgrund der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beim Anbau und Export als Symbol für positive arabisch-jüdische Beziehungen. Benannt ist sie nach der Hafenstadt Jaffa, deren Rumpf heute ein Stadtteil der israelischen Großstadt Tel Aviv bildet. Auch in den Jahrhunderten davor war Jaffa eine der lebendigsten Städte des Nahen Ostens und ein kulturelles, ökonomisches und politisches Zentrum der Region. Seit Jahrhunderten wurden in ihrem Umland Orangen kultiviert, aber erst durch den Export der palästinensischen „Jaffa-Oranges“ wurde der Name der Stadt weltberühmt. In seinem Dokumentarfilm „Jaffa – Im Namen der Orange“ erzählt Filmemacher Eyal Sivan anhand von einzigartigem Archivmaterial, darunter historische Fotografien, frühe Filmaufnahmen, Werbeclips und politische Plakate, die Geschichte der Orangen-Marke und der Stadt. Er spricht mit israelischen und palästinensischen Intellektuellen sowie Mitarbeitern der Zitrusindustrie, die am Beispiel der Jaffa-Orangen ihre Geschichte und die ihres Landes reflektieren. Der 1964 in Haifa geborene Eyal Sivan war zunächst als Modefotograf tätig, bevor er zum Film wechselte und bald zu einem der bekanntesten israelischen Dokumentarfilmer wurde. Sivan, der in Israel aufgrund seiner pro-palästinensischen Haltung umstritten ist, lebt seit 1985 in Europa. Zu seinen bekanntesten Filmen zählt der 1999 uraufgeführte und 2001 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Dokumentarfilm „Ein Spezialist“ über den NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann. Sivans Dokumentarfilm „Jaffa – Im Namen der Orange“ war auf zahlreichen Festivals zu sehen und wurde unter anderem auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival Mailand mit dem Preis der Internationalen Jury sowie einer besonderen Erwähnung der Jungen Jury gewürdigt.

Mi, 7. Jan · 23:45-01:13 · arte
The Exchange

Ein Mann kommt nach Hause, doch es wirkt, als käme er in das Haus eines Fremden. Alles erscheint plötzlich anders: die Zeit, das Licht, das eigene Leben – Oded wirft von außen einen Blick auf seinen Alltag. Nach und nach versucht er sich der Spirale aus Ritualen und Verpflichtungen zu entziehen. Er beschließt, sich beurlauben zu lassen und entdeckt gemeinsam mit seinem Nachbarn Yoav die bisher kaum wahrgenommenen Tagesabläufe aus einer beobachtenden Perspektive. Mit kleinen Provokationen versucht Oded, die festgefahrenen Strukturen aus ihrer Ordnung zu bringen. Am helllichten Tag kommt der Universitätsdozent Oded nach Hause und plötzlich erscheint alles anders. Das Licht wirkt diffuser, Geräusche wie die des Kühlschranks sind hörbar und seine Frau Tami schläft. Staubpartikel sind im Gegenlicht sichtbar, unter dem Tisch entdeckt er ein altes Preisschild. Von nun an ändert sich Odeds Leben. Er sieht es mit den Augen eines Fremden: der überfüllte Briefkasten, die Familie im Aufzug, in den er selbst nicht einsteigt. Seine Wohnungstür mit der Klingel, der Parkplatz. Selbst Tami wirkt verändert, ihr Liebesspiel ist nicht mehr so wie früher. Oded beschließt, sich von seiner Arbeit beurlauben zu lassen und ein Doppelleben als Akteur und Beobachter zu führen. Mit einem bewussten Eingreifen in die routinierten Abläufe setzt er neue Bewegungen in Kraft. Dabei reichen schon kindliche Spielereien oder kleinste Provokationen aus, um die Strukturen aus den Fugen zu bringen. Während Oded die zuvor kaum gespürten Gewohnheiten aufdeckt, trifft er auf seinen Nachbarn Yoav. Auch der benimmt sich seltsam, versteckt sich hinter einem Blumenkübel, legt sich in eine Parklücke, schreit lauthals in eine leere Wohnung. Yoav überredet Oded, mit ihm einige Tage im Luftschutzkeller des Hauses zu verbringen. Gemeinsam erforschen sie das Haus, während die anderen Bewohner bei der Arbeit sind, und entdecken merkwürdige Dinge. Oded weiß immer weniger, ob sein Leben wirklich noch seines ist – ein Austausch der Persönlichkeiten vollzieht sich allmählich. Überaus genau beobachtete Details wirken auf einmal, mit den Augen seiner Hauptfigur gesehen, absurd und komisch. Ganz langsam erobert der Zuschauer mit Oded eine neue Wirklichkeit, von der man nur ahnt, dass sie vielleicht eine Einbildung ist. Oder eben doch die Entfremdung vom eigenen Leben.

Fr, 9. Jan · 20:15-21:45 · WDR
Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt

Otto Weidt war ein Bürstenfabrikant in Berlin – und ein „stiller Held“ in der Zeit des NS-Terrors. Ein Mensch, „der in einer unmenschlichen Zeit menschlich geblieben ist“. So charakterisiert ihn die Publizistin Inge Deutschkron, die letzte Überlebende seiner Belegschaft. Dieser Otto Weidt, der in der Weimarer Republik aus ärmlichen Verhältnisse vom Anstreicher zum einflussreichen Unternehmer aufgestiegen war, wurde in den Jahren des Nazi-Terrors zum Judenretter, zum „Oskar Schindler von Berlin“. In seiner Blindenwerkstatt beschäftigte er zahlreiche Juden und versorgte sie auf eigene Kosten mit allem, was sie nicht mehr kaufen konnten. Als die Verfolgung schärfer und lebensbedrohlich wurde, gelang es ihm lange unter großer Gefahr, „seine“ Juden vor der Deportation zu retten. Einer dieser geretteten Menschen ist die Journalistin Inge Deutschkron, die in diesem Dokudrama als entscheidende Zeitzeugin von Otto Weidt erzählt. Eine andere Frau, die Otto Weidt ihr Leben verdankte, war Alice Licht. Otto Weidt und die junge Frau, die er als Sekretärin beschäftigte, verband eine herzzerreißende und auch unmögliche Liebe. Als Alice aufgrund eines Verrats schließlich doch von den Nazis aufgespürt und deportiert wurde, reiste der damals fast vollständig erblindete Otto Weidt ihr im Juni 1944 nach Auschwitz hinterher, um sie aus dem Vernichtungslager zu befreien. Auf nahezu unglaubliche Art und Weise gelang es Weidt tatsächlich, Alice zu retten und dem Tode zu entreißen. Ein Happy End nach dem Ende des Krieges war dieser Geschichte allerdings nicht beschieden.

Mo, 12. Jan · 07:35-07:50 · WDR
Planet Schule: Oft bin ich bang – Kindheit unter Hitler, 2, Tod im Römerpark

Kindheit im Dritten Reich war nicht unbeschwert. Krieg, Verfolgung, Vertreibung – die Schicksale der Eltern hatten – natürlich – Konsequenzen für ihre Kinder. Wie sie diese Zeit erlebt haben, schildern wir in vier Filmen. In Spielszenen, Interviews mit Zeitzeugen und Dokumentaraufnahmen werden die Erlebnisse der Protagonisten erzählt. Sie ermöglichen eine subjektive und emotionale Herangehensweise an das Thema Nationalsozialismus. Hans Abraham Ochs ist 1936 acht Jahre alt. Er lebt in Köln und sammelt Zigarettenbildchen, wie viele Jungen damals. Und wie die anderen auch, möchte er gern zum Jungvolk, er möchte auch eine Uniform, mit den anderen marschieren, dabei sein. Doch das geht nicht. Hans Ochs ist Jude. Und Juden wurden damals in Deutschland verfolgt, viele wurden verhaftet und in Lager verschleppt, viele wurden auch in der Öffentlichkeit schlecht behandelt, beschimpft. Das alles versteht Hans nicht, er ist schließlich genauso wie die anderen. Doch seine Freunde sind nicht mehr seine Freunde: Auch sie beschimpfen ihn. Ein Missverständnis im Kölner Römerpark endet tragisch: Hans wird von Mitgliedern der Hitler-Jugend so zusammengeschlagen, dass er an den Verletzungen stirbt.

Mo, 12. Jan · 08:05-08:20 · WDR
Planet Schule: Oft bin ich bang – Kindheit unter Hitler, 4, Wie Hannelore überlebt hat

Kindheit im Dritten Reich war nicht unbeschwert. Krieg, Verfolgung, Vertreibung – die Schicksale der Eltern hatten – natürlich – Konsequenzen für ihre Kinder. Wie sie diese Zeit erlebt haben, schildern wir in vier Filmen. In Spielszenen, Interviews mit Zeitzeugen und Dokumentaraufnahmen werden die Erlebnisse der Protagonisten erzählt. Sie ermöglichen eine subjektive und emotionale Herangehensweise an das Thema Nationalsozialismus. Hannelore wohnte damals in Köln. Ihre Mutter ist katholisch, ihr Vater Jude. Als sogenannter Mischling wird sie auch auf der Straße – sogar von den Nachbarn – verhöhnt und beschimpft. Ihre Eltern beschließen, sie taufen zu lassen. Sie hoffen, dass es Hannelore dann leichter haben würde. Hannelore geht gern zu Schwester Cypriana im Vinzenthinehrkloster. Die Nonne erzählt ihr alles über Jesus und den katholischen Glauben. Sie unterrichtet sie auch, denn Juden ist es verboten, zur Schule zu gehen. Schwester Cypriana rettet sie vor der Verschleppung in ein Konzentrationslager, das den sicheren Tod bedeutet hätte. Hannelore und ihre Eltern können sich verstecken. Im Gegensatz zu fast allen Verwandten haben sie überlebt.

Di, 13. Jan · 20:14-07:49 · arte
70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden, die Shoah. Auschwitz ist das Kainsmal der deutschen Geschichte. Am 27. Januar 2015 jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die 322. Infanteriedivision der I. Ukrainischen Front der Roten Armee zum 70. Mal. Der Jahrestag der Befreiung wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar im Jahr 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Emil Weiß‘ Trilogie über Auschwitz, die ARTE aus diesem Anlass nochmals zeigt, erzählt mit strengen, kargen und sehr nahegehenden Bildern vom Schrecken des Alltags in Auschwitz, über die furchtbare Arbeit der sogenannten Sonderkommandos und die Bestialität der dort eingesetzten SS-Ärzte. „Frühjahr 45“ ist nach „Sommer 39“ und „Winter 42/43“ der Abschluss einer außergewöhnlichen dokumentarischen Trilogie über den Zweiten Weltkrieg, mit Zeitzeugen wie Elie Wiesel, Wladyslaw Bartoszewski, Ruth Klüger und Georg Stefan Troller. „Night Will Fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen“ ist die Wiederentdeckung eines verschollen geglaubten, einzigartigen Dokuments. Nach der Entdeckung und der Befreiung der Lager und dem Entsetzen über die unglaublichen Grausamkeiten entwickelt sich sehr schnell bei den Alliierten der Plan, all das Gesehene dokumentarisch-filmisch festzuhalten. Hollywood-Regisseure wie Billy Wilder und Alfred Hitchcock wurden beauftragt, aus dem Material einen Kinofilm zu schneiden. Dieser Film wurde nie vollendet. ARTE zeigt zum ersten Mal, wie er hätte aussehen können.

Mi, 14. Jan · 00:25-01:19 · arte
Die Auschwitz-Ärzte des Todes

In seiner Dokumentation erforscht der Filmemacher Emil Weiss eine weitere erschütternde Seite der Konzentrationslager: die medizinischen Versuche, die in Auschwitz durchgeführt wurden, um die nationalsozialistische Rassenideologie zu untermauern. Die Tatsache, dass in Auschwitz Ärzte lebende Menschen für Versuche missbrauchten, die von Anthropologen ersonnen und überwacht und von den höchsten staatlichen Stellen veranlasst worden waren, ist bis heute weder im Fernsehen noch im Kino ausführlich behandelt worden. Von den medizinischen Versuchen im Zuge der NS-Rassenpolitik unterschieden sich in Auschwitz vor allem zwei Experimente von denen in anderen Konzentrationslagern. Zum einen sollten durch die Sterilisierung von Männern und Frauen jene europäischen Völker dezimiert werden, die als „rassisch minderwertig“ galten. Zum anderen wollten die Nazis mit der Zwillingsforschung des berüchtigten Dr. Mengele hinter die Geheimnisse der Genetik kommen, um sie in den Dienst der Vermehrung der „arischen Rasse“ zu stellen. Ziel beider Versuchsreihen war es, die Vorherrschaft der „arischen Rasse“ fortzusetzen.

Mi, 14. Jan · 01:20-02:12 · arte
Sonderkommando Auschwitz-Birkenau

Als die Rote Armee am 27. Januar 1945 Auschwitz-Birkenau erreichte, fand sie die vier Krematorien des Vernichtungslagers zerstört vor. Um ihre Verbrechen zu vertuschen, hatten die Nazis alle Entkleidungsräume, Gaskammern und Verbrennungsöfen in die Luft gesprengt. Über eine Million Menschen waren hier ermordet worden, die meisten von ihnen waren Juden. Zu Kriegszeiten wurden die Krematorien jedoch nicht nur von Nazis bedient. Die SS hatte für diese Aufgabe eigens das sogenannte „Sonderkommando“ eingerichtet. Es bestand aus jüdischen Häftlingen, die dazu gezwungen wurden, bei der Ermordung ihrer Mitdeportierten mitzuhelfen. Die meisten Sonderkommando-Mitglieder erlebten das Ende des Krieges nicht – die Nazis wünschten keine Zeugen ihrer Gräueltaten. Vier Überlebende, Shlomo Dragon, Henryk Tauber, Alter Feinsilber und Dr. Miklos Nyiszli, sagten jedoch vor Gericht aus. Außerdem wurden nach der Befreiung des Lagers Tagebücher und Berichte in jiddischer Sprache gefunden. Sie stammten von den Sonderkommando-Häftlingen Salmen Gradowski, Lejb Langfuß und Salmen Lewenthal, die die wichtigen Dokumente auf dem Lagergelände vergraben hatten. Gradowski war auch einer der Organisatoren des bewaffneten Sonderkommando-Aufstands von Krematorium III im Oktober 1944. Er wurde mit 451 seiner Gefährten hingerichtet. Langfuß und Lewenthal starben zwei Monate vor der Befreiung des Lagers. Die Aufzeichnungen und Zeugenaussagen vermitteln ein genaues und erschreckendes Bild vom Vernichtungsprozess in Auschwitz, der so genannten Endlösung.

Mi, 14. Jan · 18:00-18:30 · PHOENIX
Null Toleranz gegen Neonazis – Bürger und Polizei kämpfen für Demokratie

Wer tolerant sein will, muss auch Grenzen ziehen können, sonst kommt der Anspruch in der Realität unter die Räder. Seit Aufdecken der NSU-Morde wehren sich Bürger und Staat entschiedener gegen Rechtsextremisten. Eskalation der Gewalt Staatliche Ermittlungs- und Sicherheitsorgane haben einen großen Vertrauensverlust erlitten, da immer deutlicher wurde, dass sie offenbar „auf dem rechten Auge blind“ gewesen waren. Das sorgte für Eskalation bei radikalen linken Gruppen bei der Bekämpfung eines wieder erstarkenden, gewalttätigen Nationalismus. Der Widerstand wächst Gleichzeitig ist der Widerstand aus der bürgerlichen Mitte heraus gegen rechtsextreme Aktivitäten wie Aufmärsche, Konzerte und Gründung von Zentren gewachsen. Dabei sehen sich friedliche Bürger vermehrt Belästigungen und Bedrohungen durch Neonazis ausgesetzt, bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Ziviler und staatlicher Mut Die BR-Reporter beobachteten die Aktivitäten von Bürgern, Sicherheitskräften und Rechtsextremisten an mehreren Orten in Oberfranken und Niederbayern. Dabei wurde deutlich, wie wichtig bei aller Zivilcourage das entschiedene Handeln des Rechtsstaats und seiner Sicherheitskräfte ist.

Mi, 14. Jan · 22:05-22:59 · arte
Die Erben – Literatur gegen das Vergessen

Sie schreiben, ohne das Grauen selbst erlebt zu haben, und nehmen sich das Recht, die Tabus der Darstellung zu brechen: Seit einigen Jahren machen junge Schriftsteller den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust zum Gegenstand ihrer Romane. Ruth Zylberman hat vier Autoren – Daniel Mendelsohn, Yannick Haenel, Laurent Binet und Marcel Beyer, die alle in den 1960er bis 70er Jahren geboren wurden – zu ihren Beweggründen befragt. Von welchen Fragen sind sie getrieben? Und mit welchen Bedenken sehen sie sich konfrontiert? Als Angehörige der zweiten oder dritten Nachkriegsgeneration stellen sie das Verhältnis zwischen Literatur, Geschichte und der eigenen Identität auf den Prüfstand. Sie schreiben, ohne das Grauen selbst erlebt zu haben: Ob in New York, Paris, Dresden, Florenz – seit einigen Jahren machen junge Schriftsteller der Nachkriegsgeneration den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust zum Gegenstand ihrer Romane. Ruth Zylberman hat vier Autoren – Daniel Mendelsohn, Yannick Haenel, Laurent Binet und Marcel Beyer, die alle in den 1960er bis 70er Jahren geboren wurden – zu ihren Beweggründen befragt. Daniel Mendelsohn ging 2007 mit seinem Roman „Die Verlorenen“ – in Deutschland erschienen 2010 bei Kiepenheuer & Witsch – auf Spurensuche nach sechs Mitgliedern seiner Familie, die Opfer des Holocaust geworden sind. Yannick Haenel schrieb „Das Schweigen des Jan Karski“ – erschienen 2011 bei Rowohlt -, einen Roman in drei Teilen über den polnischen Widerstandskämpfer Jan Karski, der das wahre Ausmaß der Judenvernichtung ans Licht bringen wollte. Laurent Binets Debütroman „HHhH“ – erschienen ebenfalls 2011 bei Rowohlt – handelt von der Ermordung Reinhard Heydrichs 1942. Nicht zuletzt geht es auch um den deutschen Schriftsteller Marcel Beyer, der in seinem Gesamtwerk in verschiedenen Brechungen immer wieder auf die Zeit des Nationalsozialismus Bezug nimmt. In seinem Roman „Flughunde“ erforscht Beyer die Innenwelt einer imaginären Figur, eines zum Folterknecht gewordenen Schallforschers, der an politischen Häftlingen und Deportierten medizinische Stimmenexperimente vornimmt. Die vier Autoren verarbeiten das Erbe des Zweiten Weltkriegs auf ganz unterschiedliche Weise. Als Angehörige der zweiten oder dritten Nachkriegsgeneration werfen sie neue Fragen auf und stellen das Verhältnis zwischen Literatur, Geschichte und der eigenen Identität auf den Prüfstand. „Die Erben – Literatur gegen das Vergessen“ beschäftigt sich mit den persönlichen Hintergründen und dem künstlerischen Werdegang der Schriftsteller und fragt nach der Verantwortung der Literatur in der Vermittlung von Geschichte.