Die neue Religion des Wassers

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Kürzlich hatte ich einen Wasserschaden in meinem Haus. Dem folgte eine horrende Rechnung, über deren Begleichung ich mir den Kopf zerbrach, insbesondere da weder ein Lottogewinn noch ein hoch dotierter literarischer Preis in Sicht war…

Von Ramona Ambs

Zum Glück beraten mich da meine Freunde!

Lilo meint, ich solle das Wasser verkaufen, wie diese Uriella, die im Badewasser rührt. Robert meint sogar, ich solle doch gleich eine neue Religion gründen und mich als Religionsführer, quasi als Guruline des Wassers, finanzieren lassen. Er erzählte, dass es in den Siebzigern im Fernsehen eine Sendung gab, die VIP-Schaukel hieß und in der ein Typ aus den Südstaaten vorgestellt wurde, der die Sekte „Green Power“ gründete und dem lauter beseelte Menschen Dollarscheine zuwarfen. Das soll ich einfach nachmachen, sagte Robert: „Gründe ein Religion und Du wirst reich!“ …

Dieser Vorschlag ist interessant und ich werde ihn deshalb einer näheren Überprüfung unterziehen, zumal es genügend historische Vorlagen dafür gibt… ich mein, Jesus war doch auch sehr erfolgreich… es ist also quasi schon fast eine jüdische Tradition…oder?

Nach extrem kurzer Überlegung steht es fest: ich werde eine Religion gründen!

Zunächst überlege ich, was ich aus meiner Religion behalten will… Simchat Thora wegen des Schokoladenregens in der Synagoge, das ist klar… und Chanukkah, weil es nichts Besseres gibt als Lattkes mit Apfelmus…und natürlich Purim, weil man ja da soviel trinken darf, soll und muss, bis man zwischen Gelobt sei Mordechai und Verflucht sei Haman nicht mehr unterscheiden kann. Das kommt mir sehr entgegen, das behalt ich!

Das sind schonmal drei Feiertage. Aber natürlich müssen auch Elemente anderer Religionen auftauchen… – die Leute müssen sich ja auch im neuen Glauben irgendwie daheim fühlen… sonst folgen sie mir nicht zuverlässig. Vom Christentum was zu übernehmen fällt mir echt schwer. Ich zermartere mir den Kopf, aber was richtig Attraktives ist nicht dabei… Sex,- bei uns eine Mizwa!- ist bei denen immer irgendwie schmutzig, die Sache mit dem Blut trinken beim Gottesdienst ist mir auch eher suspekt und die Hostien schmecken -selbst im Vergleich zum miesesten Kiddush bei dem ich war- sehr mäßig. Schließlich sind mir doch noch zwei Sachen eingefallen: erstens, das katholische Priestergewand! Das ist sehr schick, so mit Goldfäden und Brokatdruck. Wenn man das ein wenig tailliert und den Ausschnitt vergrößert, dann kann ich mir das für eventuelle Sessions vorstellen…und zweitens, der Weihrauch. Ich würde die Inhaltsstoffe eventuell noch um einige Cannabinoide ergänzen, aber im Prinzip sind die Wackelräucherlampen aus den Kirchen eine feine Sache.

Wir haben nun also drei jüdische Feiertage, zwei katholische Accesoires – fehlt nur noch der Islam. Der scheint derzeit sehr attraktiv zu sein, schließlich hat der momentan die größte Publicity und jede Menge feuriger Anhänger. Islam ist also irgendwie voll SWAG. Allerdings: Fasten ist nicht so meins, also lassen wir den Ramadan weg. Den Propheten kann ich auch nicht gebrauchen, da ich ja selbst die neue Führungsfigur sein muss (und da ich da dann doch eher traditionell bin, dulde ich keine anderen Götter neben mir! Auch keine Söhne, Mohammeds und heillgen Geister). Guruline bin nur ich. Sonst keiner! Bleibt also nur die islamische Idee mit den 72 Jungfrauen im Jenseits bei guter Führung. Gute Führung muss bei mir aber anders definiert werden. Nicht wer sich in die Luft sprengt, kommt bei mir ins Paradies, sondern, wer mir am meisten Geld spendet. Und das Paradies wird natürlich nicht aus 72 Jungfrauen bestehen. Ich mein, hej…-jeder weiß doch wie langweilig Sex mit unberührten Frauen ist. Die haben doch noch keine Ahnung von garnix. Also: Es werden 72 sexuell erfahrene Frauen im Jenseits warten mit allerlei Spielzeug, Wein und Schokolade. Wahlweise natürlich auch 72 Männer. Soll ja auch für Frauen einigermaßen attraktiv sein, die neue Wasserreligion, sonst kann ichs nicht authentisch verkaufen. Und da die Ewigkeit ja sehr lange dauert sind 72 auch nicht zuviel…

So, ich habs dann also.
Jetzt könnt Ihr Euch anmelden als Wasserjünger -und mir Dollars und Euronen regnen lassen. Seid alle gesegnet – es lebe das Wasser!

4 Kommentare

  1. … da nun aber solch Reliquien, liegt in der Natur der Sache, ziemlich wässrig wären, sozusagen duch die Finger flössen, mit einem Wort, davonrönnen, permanent neu anzuschaffen, ein flüssiges Geschäft, Kompliment, nussi, ebenso der Hinweis auf eine eventuelle Kontonummer, produktiv, sehr, leider, denn – ich bin dagegen, bin gegen solch neue Religion, ganz entschieden, …

    … stell dir vor, mal davon abgesehen, dass sie keinerlei Wunder, wie Wasser in Wein oder so, Wasserleichen wiedererwecken, oder, noch ein Beispiel, aufm Wasser gehn vorweisen kann, die hat Erfolg – das Wort „Wasser predigen und Wein trinken“ würde plötzlich, und auch „ganz nah am Wasser baun“, zum Dogma, Aquarium zur Pflicht, der Wasserweg zum Ziel, Klempner zur religiösen Autorität, das Wasserbett zur spirituellen, nun ja, Orientierung und Debattierclubs, wie zB der Bundestag, als Oberverwässerer, alles Hohepriester, …

    … ja, so ist das – und solang sie nicht Wasser zu Pils – sowieso keine Chance, zumindest bei mir!

    • pruuust! – Oooch schade, jim, doch deine Argumente sind zugegebenermaßen wasserdicht. Wenn jetzt Frau Ambs nicht noch entscheidend nachbessert, kann ich nur sagen: Wie gewonnen, so zerronnen.

      • … ich muß Dich warnen, nussi, Vorsicht, die kennst Du nicht – stille Wasser sind tief – na was wird sie schon sagen, Wasser ist Leben, zB, und, schau raus zum Fenster, jetzt, Wasser kommt von oben, fällt vom Himmel, tatsächlich, recht hast du, wirst Du dann sagen müssen und schon hat sie Dich mit Haut und Haaren, …

        … nein, nein, wenn aber Wasser zu Pils, …

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