Jeder Mensch hat einen Namen

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Gedenken in München anlässlich des 75. Jahrestages der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 am Samstag, 9. November 2013, ab 19 Uhr…

Auch in diesem Jahr gedenkt München am 9. November der Münchner Jüdinnen und Juden, die in der „Reichspogromnacht“ und den darauf folgenden Jahren entrechtet, deportiert und ermordet wurden oder unter ungeklärten Umständen ihr Leben verloren haben.

Aus Anlass des diesjährigen 75. Jahrestages werden der zentrale Gedenkakt im Alten Rathaus sowie die anschließende traditionelle Namenslesung am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge hinter dem Künstlerhaus am Lenbachplatz in ganz besonderer Weise gestaltet.

Bei der generations-, religions- und parteiübergreifenden gemeinsamen Gedenkstunde im Alten Rathaussaal werden Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Christian Ude sowie Reinhard Kardinal Marx, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Polizeipräsident Hubertus Andrä sprechen. Die Gedenkrede hält in diesem Jahr der Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums München, Professor Winfried Nerdinger.

Die anschließende Namenslesung wird sich ab 21.30 Uhr analog zu den damaligen Ereignissen über mehrere Stunden durch die ganze Nacht hindurch erstrecken. In diesem Jahr werden viereinhalb tausend Namen von Opfern verlesen, und anhand der historischen Quellen sollen die Ereignisse nachgezeichnet werden.

Als Zwischentexte werden Auszüge aus den Polizeiprotokollen sowie Zeitungsmeldungen vom 10. November 1938 vorgetragen.

Passanten vor dem zerstörten Kaufhaus Uhlfelder im Rosental. © Stadtarchiv München
Passanten vor dem zerstörten Kaufhaus Uhlfelder im Rosental. © Stadtarchiv München

Speziell die Namenslesung ist es, die den Opfern ihren Namen, ihre Geschichte und ihren Platz in unserer Erinnerung wiedergibt. Die gesamte Münchner Stadtgesellschaft ist aufgerufen, an der Namenslesung teilzunehmen.

Mit möglichst großer Präsenz und Öffentlichkeit soll am Gedenkstein ein sichtbares Zeichen wider das Vergessen gesetzt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie im Booklet (PDF-Download).

10 Kommentare

  1. Ich denke, das Gedenken ist wichtig und es wird sicher eine bewegende Nacht. Schade, dass München für mich zu weit ist.

    Und egal, ob mensch Marx nun mag oder sein Haltung zu Papa Razzi oder sonst wem oder auch nicht – dass er als Erzbischof von München am Gedenken teilnimmt halte ich für gut und richtig.

  2. Und so sei es, im Namen des einen G´ttes. Amen.

    P.S. Einige meiner Verwanden werden hier genannt ;-(

    Kyniker

  3. So, so, Reinhard Kardinal Marx war also auch anwesend beim Gedenkakt.

    Ganz und gar kein moderner, fortschrittlicher, nach vorne gewandter katholischer Geistlicher. Lesben und Schwule hat er völlig unnötig brüskiert, indem er sie, ebenso wie Geschiedene als „gebrochene Menschen“ bezeichnete (!). Außerdem tritt der wackere Gottesmann für einen offensichtlich mullahähnlichen Staat ein, der sich für Religionsausübung einsetzt, also hin zu noch mehr Verbindung zwischen Staat und Kirche. Ja, und dann war da noch die Affäre Hasenhüttl, jener Priester, dem dessen Auffassung von Ökumene, seine konfessionsübergreifende Einstellung also, das Amt kostete. Suspendiert von Kardinal Marx persönlich. Marxens Nähe zum umstrittenen Bayernpapst Benedikt XVI. macht ihn noch ein weiteres Stück unsympathischer. Seine Haltung zu Juden hat er noch nicht publikumswirksam zum Ausdruck gebracht, jedoch als Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem beruft er sich auf die Kreuzritter und deren Untaten. In seinen Statuten wendet sich der Orden ganz ausdrücklich gegen die „Ungläubigen“, eine Umschreibung für Muslime und Juden.

    • Hallo zeitgenosse,

      das habe ich doch glatt übersehen.
      „jedoch als Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem beruft er sich auf die Kreuzritter und deren Untaten.“

      Nun ja, da hat er die Geschichte und den Untergang der Kreuzritter nicht begriffen.
      Aber das schert ihn wenig, da er sich medienwirksam präsentiert.

      Ãœbrigens: Benedikt XVI Bücher sind in der Tat lesenwert, wobei ich die Diskrepanz zwischen sein Schreiben und Handeln sehr bedaure …

      Kyniker

      • „Ãœbrigens: Benedikt XVI Bücher sind in der Tat lesenwert, wobei ich die Diskrepanz zwischen sein Schreiben und Handeln sehr bedaure …“

        Genau das ist es, es allen recht machen wollen und nachher zwischen den Stühlen sitzen. Recht geschieht ihm, wenn er heute als ambivalent angesehen wird und eher negativ konnotiert dasteht.

        Hätte er doch die Piusbrüder http://www.youtube.com/watch?v=u5kHN4zNu-0 und ihre ultrafrömmlerische Gefolgschaft vergrault, hätte er es doch darauf ankommen lassen, dass sich diese Unbelehrbar-Ewiggestrigen von der Kath. Kirche abspalten und ihren eigenen Verein gründen! Nein, er musste sie ins Boot (zurück-)holen, weil er sie für einen wertvollen Bestandteil seiner Kirche hielt (was sie nachweislich nicht sind, sondern Menschen, die den Sprung in die Moderne verpasst haben und noch irgendwo zwischen MA und Absolutismus herumgrasen).

        Kritik an Benedikt ist nötig und legitim ebenso wie Kritik an der Kirche:

        http://www.youtube.com/watch?v=Mz3pmgypDHQ

        Danke, Danny!

      • Hallo Zeitgenosse,

        herrschaftszeiten, soll natürlich heißen:

        das kann ich nur unterschreiben. 🙂

        Grüße Kyniker

      • Hallo Zeitgenosse,
        ich habe die letzten Bücher von Bendikt XVI nun gelesen: Er sitzt auch in der katholischen Kirche zwischen alle Stühlen. Ich finde die Bücher als Christ sehr lesenswert, aber:

        Seine Fehler als Papst, u.a. bezüglich den Piusbrüdern, sind unverzeihlich. Hier hat ihn die Vatikanpolitik einen bösen Streich gespielt, zusammen aber mit seiner Unkenntnis; wie anders kann man sein Verhalten deuten.

        Ich kann nur unterschreiben:
        „Kritik an Benedikt ist nötig und legitim ebenso wie Kritik an der Kirche:“

        Das gilt auch für die anderen Kirchen, besonders den Evangelischen. Von den Orthodoxen gar nicht zu reden …

        Gruß Kyniker

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