Die Rettung naht: Die Vaterjuden

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Nach jüdischem Gesetz ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat. Wer „nur“ einen jüdischen Vater vorweisen kann – ist keiner. Das betrifft besonders Tausende Zuwanderer aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Von ihnen fand nur jeder Dritte den Weg in eine jüdische Gemeinde…

Am 13. 04. 2013 brachte der br (Bayr. Rundf.) einen Beitrag zum Thema „Vaterjuden“ von Igal Avidan.

…“Jude für Deutsche – aber nicht für Juden
In Russland Jude – in Israel Russe“…

Zu hören hier (mp3)

Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde. So sagt es das jüdische Gesetz. Damit wird vielen Kindern aus sogenannten Mischehen, deren Vater Jude ist, die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde verweigert. Vor allem Einwanderer aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die dort als jüdisch angesehen und oft auch diskriminiert wurden, werden in Deutschland und auch in Israel nicht als vollwertige Juden betrachtet.

„Für die Juden bin ich kein richtiger Jude, für die Russen kein richtiger Russe.“
Michael Gleser aus Charkov in der Ukraine.

Igal Avidan hat mit Menschen gesprochen, deren jüdische Identität immer wieder in Frage gestellt wird.

Heinrich C. Olmer: Wer ist Jude?
Ein Beitrag zur Zukunftssicherung der jüdischen Gemeinschaft.
Ergon-Verlag, Würzburg 2010.

Von Evelyn Adunka erschien vor einem Jahr eine Rezension zu diesem Buch in der Kulturzeitschrift DAVID.

Heinrich C. Olmer, der erste Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, hat in der vorliegenden, als Dissertation entstandenen Studie versucht, religiöse und historische Definitionsbestimmungen  und  Zukunftsperspektiven zur Frage „Wer ist Jude?“ zu formulieren und zu diskutieren. Jüdische Identität wird im traditionellen, orthodoxen und amerikanisch-konservativen Judentum matrilinear bestimmt, während Teile des liberalen Judentums auch die patrilineare Abstammung anerkennen. Das israelische Rückkehrrecht bezieht sich seit 1970 auch auf „Ehepartner, Kinder und Enkel eines Juden, den Ehepartner eines Kindes eines Juden und den Ehepartner eines Enkels eines Juden.“

Olmer untersucht u.a. die beiden Fälle Oswald Rufeisen und Benjmain Shalit. Die Kinder der Shalits blieben „die einzigen Personen, die in Israel als Juden registriert wurden, ohne es nach jüdischem Recht zu sein“. Israel ist das einzige Land weltweit, „in der die jüdische Bevölkerung langfristig steigt“.

In den USA ist die Frage der jüdischen Identität und religiösen Definition besonders komplex. Olmer kommt zu den Einschätzungen: „Bei einer Mischehenrate von etwa 50 Prozent in den USA wird der Anteil an halachischen Juden in naher Zukunft weiter abnehmen“, und: „Die  amerikanische jüdische Gemeinschaft erfährt eine alarmierende Aushöhlung einer gemeinsamen Identität.“ In weiteren Kapiteln analysiert Olmer auch die weltweite demographische Entwicklung des jüdischen Volkes.

Zusammenfassend lässt sich sagen, es handelt sich um eine überaus komplexe, gut recherchierte und klar geschriebene Untersuchung zu einer brennenden Frage der jüdischen Gegenwart.

16 Kommentare

  1. Und der EWige beschloss: „Nur wer von Adam und Chava (Eva) abstammt, soll sich ‚Mensch‘ nennen dürfen…“

  2. Paulus verkündet:“„Nur was von Isaak stammt, soll deine Nachkommenschaft heißen“. Und er muss es ja wissen.

  3. Na klar ist der Giur in Israel nur Orthodx Liberal oder Reform macht kein sinn denn die gibt es Chuz le Aretz genug.

    Israel ist eben da Orginal und wer Giur machen moechte soll und muss auch alles lernen und wissen ueber das Judentum.

    Halbe sachen machen kein Sinn beim Giur.

    Es gibt die Kurse auch in Franzoesisch Russisch und selbstverstaendlich in Hebraeisch ist natuerlich abhaengig von der Stadt und der Beit Knesset.

    (Natürlich müssen die sich einen Job ebenfalls selber suchen – es wird denen nichts geschenkt, es sei denn, die bringen ihr zusammengekratztes Finanzkapital gleich mit – bekanntlich ist ja die Lebenshaltung ziemlich teuer ( ! ) )

    Man muss sich schon kuemmern von allein kommt nichts das ist auch in Deutschland so.

    („Ich bin mir nicht sicher, ob die nicht auch eigangs danach fragen, ob du nicht bereits “mindestens 1 Jahr” b’Aretz gelebt bzw. dich darin aufgehalten hast ( ? )“)

    Die Frage ist nur fuer das Innenministerium wichtig und einer moeglichen Aliyah danach. Denn danach entscheidet sich die Einstufung als Oleh Chadasch.

    Wenn jemand abgewiesen worden ist von einem Dajan oder einem Beit Din dann bestimmt nicht wegen dem alter. Das wird dann andere Gruende gehabt haben da bin ich mir sicher.

    Ob jung oder aelter das spielt fuer den Giur an sich selber keine Rolle.

    Die Ablehnung des Ger hat immer andere Gruende!

  4. o.k. @Heron, gebe mich geschlagen !

    Möglicherweise ist die Praxis in den letzten Jahren etwas liberaler geworden.

    Man muss den Gijorim aber auch ehrlich sagen, dass es praktisch nur orthodoxe Konversionen unter staatlich anerkannter Regie (Rabanut) gibt.

    Die müssen dennoch einige knifflige Hürden meistern, ehe sie Teil von Am Israel werden.

    Als erstes bräuchten die eine Art Fürsprecher (Referenzperson), um den diensthabenen Rabbi milde zu stimmen.
    Und dann müssen jene während dieser Gijur-Zeit (1-2 Jahre) zu einer „frommen Familie“ assoziiert sein, welche aber NICHT vom Rabanut besorgt oder vorgeschlagen wird (muss selber gesucht werden)! Denn diese Familie hat eines Tages im Hintergrund zu sitzen, beim Beth Din, und muss sich von den Dajanim einige Fragen gefallen lassen . . .

    Ja, es stimmt, es gibt auch einige (flapsiger Jargon:)“Judenkurse“ in Israel, welche zum Beispiel in englischer Sprache für Nicht-Israelis offen stehen. Aber das oben genannte gilt gleichermassen auch für die, wobei solche für diese Periode eine „allgemeine Arbeitserlaubnis“ (Visum) erhalten. Natürlich müssen die sich einen Job ebenfalls selber suchen – es wird denen nichts geschenkt, es sei denn, die bringen ihr zusammengekratztes Finanzkapital gleich mit – bekanntlich ist ja die Lebenshaltung ziemlich teuer ( ! ) . . .

    Ich bin mir nicht sicher, ob die nicht auch eigangs danach fragen, ob du nicht bereits „mindestens 1 Jahr“ b’Aretz gelebt bzw. dich darin aufgehalten hast ( ? )

    Aber ich bleibe dabei und sage das ganz deutlich: die beste Chance für solch eine „Unternehmung“ hätte ‚idealerweise‘ ein (möglichst noch kinderloses) Junges Ehepaar zum gemeinsamen Gijur. Solch eine Konstellation erfährt so gut wie niemals irgend eine Zurückweisung –> kleiner Hinweis nur 🙂

    Na dann masal tov 🙂

    • „Man muss den Gijorim aber auch ehrlich sagen, dass es praktisch nur orthodoxe Konversionen unter staatlich anerkannter Regie (Rabanut) gibt.“

      Maor, orthodoxe konversionen werden von reformern und liberalen
      anerkannt. Aber wenn fuer dich die frage um reform versus
      orthodox geht, sag bitte gleich bescheid weil darueber hab ich
      nichts zu reden. ich dachte das hatte ich oben klar gestellt.

      „Als erstes bräuchten die eine Art Fürsprecher (Referenzperson), um den diensthabenen Rabbi milde zu stimmen.
      Und dann müssen jene während dieser Gijur-Zeit (1-2 Jahre) zu einer “frommen Familie” assoziiert sein, welche aber NICHT vom Rabanut besorgt oder vorgeschlagen wird (muss selber gesucht werden)! Denn diese Familie hat eines Tages im Hintergrund zu sitzen, beim Beth Din, und muss sich von den Dajanim einige Fragen gefallen lassen . . .“

      das ist alles absolut gut und logisch was du da schreibst.
      ich denke das ist eine gute praxis die es in sehr vielen
      anderen juedischen lebensbereichen auch gibt und die sich
      meistens bewaehrt hat.

      Es liegt auch in der natur der sache, dass man sich selbst
      einen mentor sucht, mit dem man ein gutes verhaeltniss
      herstellen kann. und das ist auch ein problem, das man nur
      alleine loesen kann. woher sollen andere wissen oder dir
      sagen oder vorschreiben koennen, mit wem du einen guten
      draht hast oder nicht?

      “ welche aber NICHT vom Rabanut besorgt oder vorgeschlagen
      wird“ und „Natürlich müssen die sich einen Job ebenfalls selber suchen“

      sorry, aber nirgendwo wird dir etwas hinterhergetragen. und
      wenn man etwas will dann muss man sich schon selbst darum
      kuemmern. das wird dir nirgens wo auf der welt anders gehen.

      “ es sei denn, die bringen ihr zusammengekratztes Finanzkapital gleich mit“
      Mit geld hat man es immer leichter als ohne geld. das ist auch
      keine neuigkeit.

      ich glaube wegen deiner beiden kommentare du bringst einfach unglaublich viele dinge durcheinander. und dann machst du alles
      einfach an der orthodoxie und der halacha fest.

      J

  5. @maor

    Wenn die Frauen ueber 40 Jahre wollen dann “Können” sie sich Praktisch bei deim Staatlichen Giurprogramm in Israel anmelden und das ist schon seit Jahren moeglich in verschieden Staedten in Israel fuer Israelische Staatsbuerger und Nicht Israelische Staatsbuerger die dafuer ein spezielles Visum erhalten.

  6. Ich sprach nicht vom theoretisch Möglichen oder vom „Können“, sondern von der konkret „praktischen Lebenswirklichkeit“ . . .

  7. Warum ist das so, dass die mütterliche Linie ausschlaggebend ist ?
    Liegt das daran, dass Sarah Isaac geboren hat und Abraham daran keinen Anteil hatte ? Ist Isaac der Sohn des Pharao ? Das würde erklären, weshalb Sarah zur „Prinzessin“ erhoben wurde.

  8. „Ganz schlechte Chancen für kinderlose Singlefrauen über 40 “
    „So jedenfalls die praktische Lage im Medinat Israel.“

    Das stimmt nicht auch Frauen ueber 40 Jahre koennen in Israel in verschiedenen Staedten ein Giur machen ohne Probleme.

    Auch Frauen aus Europa die nicht Israelische Staatsbuerger sind steht die Moeglichkeit offen.

  9. Wenn das alles denn so einfach wär, dann wär ja alles fein geregelt.

    Ob Gijur ja oder nein, hängt letztlich nicht von einem Willigen, sondern von einem menschlichen Wesen mit Stärken und Schwächen ab, genannt Rabbi, der zum Beispiel mal ’ne schlechte Tagesform haben kann. Oder könnte ganz banal mal Kopfschmerzen oder schlechte Laune haben… Verantwortung hin, oder her. – – –

    Meistens hängt die Zulassung zum Gijur von der äusserlichen Performance des/der Kandidaten/in ab, einfache Strassenarbeiter haben schlechte, Akademiker weitaus bessere Chancen.

    Ganz schlechte Chancen für kinderlose Singlefrauen über 40 !!
    („Man muss ja auch an den Nachwuchs denken…“ dann nix Gijur 🙁 – – – )

    So jedenfalls die praktische Lage im Medinat Israel.

    • Hallo Maor:

      „Wenn das alles denn so einfach wär, dann wär ja alles fein geregelt.“

      Von einfach war keine rede.

      „Ob Gijur ja oder nein, hängt letztlich nicht von einem Willigen, sondern von einem menschlichen Wesen mit Stärken und Schwächen ab, genannt Rabbi, der zum Beispiel mal ‘ne schlechte Tagesform haben kann. Oder könnte ganz banal mal Kopfschmerzen oder schlechte Laune haben… Verantwortung hin, oder her. – – -“

      ich glaube du uebertreibst es ein wenig, aber letztendlich ist
      es dennoch genau das was ich unter verantwortung gmeint habe.
      das sind dinge die haengen nicht von der halacha ab, sonder
      von der verantwortung des einzelnen und einer gesellschaft.

      von der konkreten situation in israel habe ich keinen besonders
      tiefen einblick weil weder dort wohne, noch jemals in die
      situation kommen werde einen guiur machen zu muessen.

      „Meistens hängt die Zulassung zum Gijur von der äusserlichen Performance des/der Kandidaten/in ab, einfache Strassenarbeiter haben schlechte, Akademiker weitaus bessere Chancen.“

      das faellt mir schwer zu glauben und es klingt fuer mich so
      als ob jemand eine ausrede suchen wuerde.

      „Ganz schlechte Chancen für kinderlose Singlefrauen über 40 !!“
      das faellt mir einfacher zu glauben. ein wichtiges kriterium
      ist der wille eine juedische familie zu gruenden. vielleicht
      wird sich zu sehr darauf versteift? aber auch hier ist die
      frage: ist das ein kriterium unter vielen? ist es ein
      halachisches problem? oder ist es ein problem der auslegung?

      um die rabiner zu verteidigen: wenn du oder ich einen guten
      handwerker erkennen, dann liegt das nicht daran dass wir
      inteligent sind, sondern dass wir schon viele handwerker
      gesehen haben. das aendert aber auf der anderen seite nichts
      daran dass man dinge immer wieder hinterfragen muss, wie du
      es ja auch vorderst.

      J

  10. Der Link zum MP3 funktioniert leider nicht.

    Dennoch, ich kann mir denken wie diese Argumente aussehen.

    Und ich denke man muss unterscheiden.

    Eine Frage ist die halachische. Und die Loesung, die die
    Halacha vorschlaegt ist Guiur. Die Halacha setzt nicth einfach
    nur Schranken, sondern sie bietet auch Wege an. Dies nicht zu
    sehen ist schwarz-weiss denken. Die betroffenen muessen sich nur entscheiden.

    Man kann die Halacha nicht biegen wie es uns gerad passt oder
    wie es der Zeitgeist oder die Mode gerade fuer richtig haelt.
    Selbst wenn es uns manchmal fuer unbequem oder sogar fuer
    ungerecht erscheint. Wir koennen uns entscheiden ob wir
    observant sein wollen oder nicht; aber das recht die Halacha
    zu aendern haben wir nicht. Das das Judentum es in diese Zeit
    geschafft hat verdanken wir der Halacha.

    Es gibt aber eine andere Sache und die heisst Verantwortung.
    Das bedeutet, dass wir einfach nicth wegsehen koennen, wenn
    jemand als Jude diskriminiert wird. Selbst dann nicht, wenn
    er halachisch kein Jude ist. Und die selbe Verantwortung sagt
    uns auch, dass wir nicht jemanden in ein Land holen koennen
    und ihm sagen koennen, dass er es hier besser haben wird und
    wenn er ankommt sagen, pech gehabt, Du bist kein Jude.

    Ich denke dass wir als Juden alle diese Verantwortung haben,
    egal ob wir zu dieser Situation beigetragen haben, oder nicht.
    Wir koennen einfach nicht auf Dumm schalten.

    Deshalb gibt es Fragen, vor allem in Israel: Ehe, Scheidung,
    Beerdigung, Einbuergerungsrecht etc., die man Loesen muss.
    Manche davon, wie Einbuergerungsrecht auch von
    Familienangehoerigen sind ja schon geloest. Und fuer die
    anderen Probleme kann man auch eine Menschenwuerdige loesung
    finden.

    Aber bitte ohne die Halacha anzufassen.

    Die Situation in den USA (laut oben 50% ehen zwischen juden
    und nichtjuden) ist nicht komplexer, sondern einfacher. Weil
    diejenigen eine Entscheidung getroffen haben. Und auch wenn
    die Kinder sich mehr zum Judentum zugehoerig fuehlen koennen
    sie eine Entscheidung treffen, naemlich Guiur zu machen.

    Nur eine kleine Meinung-Denkansatz

    J

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